Archiv für die Kategorie ‘Piratenpartei’.

Arrrrrrrrrrrrrrrrr!

Piratenpartei
„… von MEINEN Gebühren!“

Erinnert sich noch jemand an Anke Domscheit-Berg?

Anke Domscheit-Berg (Frau von Daniel Domscheit-Berg, dessen Umtriebe normalerweise wesentlich interessanter sein sollten) ist nicht nur gelegentliche Kandidatin für alles Mögliche (momentan für die „Europaliste“) in der Piratenpartei Deutschland, sondern obendrein Feministin und Buchautorin, die nicht nur ihr Blog (Vorsicht: Verweis auf Anke Domscheit-Bergs Blog!), sondern auch von der Basis – also unter anderem von mir – bezahlten webspace der Piratenpartei für Eigenwerbung nutzt (siehe zum Beispiel hier, hier und hier).

Und wie putzig sie die Vollbeschallung auf allen Kanälen zu begründen versucht!

Das ist natürlich Werbung in eigener Sache, aber hätte ich nicht gewollt, dass Menschen mein Buch lesen, dann hätte ich auch keines geschrieben[.]

So weit die Rahmenhandlung.

Anke Domscheit-Berg ist obendrein allerdings nicht nur Mitgliedsbeitrags-, sondern auch GEZ-Zahlerin (hat sie das Memo nicht gelesen?), und als solche findet sie es natürlich total blöde, wenn andere Autoren, die sie nicht mag (zum Beispiel Thilo Sarrazin), von ihren Gebühren was sagen dürfen:

Ich zahle GEZ, um rassismus u menschenfeindlichkeit bei buchmesse eine plattform zu bieten?! WTF. @ard messestand: pic.twitter.com/2Ay3AjMhfb

Nun kann man von Thilo Sarrazin halten, was man will (strafbare Äußerungen hat er offenbar bislang nicht getan), aber mir erschließt sich der direkte Zusammenhang nicht. Darauf ist Anke Domscheit-Berg später noch einmal eingegangen: Es widerspreche dem Bildungsauftrag, „finanziert von öffentlichen Geldern“, Herrn Sarrazin eine Plattform zur Vermarktung seines Buches zu bieten; es fordere auch niemand ein Verbot, ihn reden zu lassen, nur eben nicht werbend in der ARD.

Ich stimme ihr insofern zu, als öffentlich-rechtlicher Rundfunk meines Erachtens nicht der Selbstdarstellung Einzelner dienen sollte (obwohl ich mir noch nicht ganz sicher bin, ob nicht schon das Abspielen von Musik nicht mehr als bloße kommerzielle Werbung für die jeweiligen Interpreten ist).

Anke Domscheit-Bergs Buch trägt übrigens den Titel „Mauern einreißen!“. Das „Kulturgespräch“ über die Überwindung von Mauern – Ende Januar 2014 im SWR, einem Sender der ARD – hatte damit sicherlich nichts zu tun.


Nachtrag: Soeben erfahre ich, dass das, was ich oben „ihr Blog“ nannte, trotz der Adresse ankedomscheitberg.de und des Impressums gar kein Teil ihrer Website ist, denn auf ihrer Website – anders als auf besagtem Blog – stehe „nix von piratenpartei“. Da hat mich doch das Piratensignet in der Adresszeile fast in die Irre geführt!

Nachtrag (2): Anke Domscheit-Berg ist wieder eingefallen, dass sie gar nicht Landesgeschäftsstelle heißt; ein eigenes Signet hat sie sich aber immer noch nicht zugelegt. P wie Panke.

Piratenpartei
#lmvnds141

Die „Pirantifa“ gab vergangene Nacht ihre Auflösung bekannt.

Mehr Leute treten aus den „Jungen Piraten“, die zu einem Großteil verantwortlich für die Aktivität der „Pirantifa“ waren, als aus der Piratenpartei aus.

Die Fahne weht. Willkommen zurück, Piratenpartei. Fetzereien par excellence.

Guten Morgen.

In den NachrichtenKaufbefehleMusikkritikPiratenpartei
Kurzkritik: thisquietarmy – Phantom Limbs

Ich könnte mich an dieser Stelle noch etwas ausführlicher zum noch immer schwelenden #Bombergate und zum vermeintlichen Mitgliederschwund der Piratenpartei infolge einer saudämlichen Aktion einzelner Verwirrter äußern; tatsächlich haben einige langjährige engagierte Piraten, frustriert von dem frenetischen Applaus, den die beiden Protagonistinnen für ihr Loblied auf die Bombardierung Dresdens von einschlägig bekannten Berliner Piraten wie Oliver Höfinghoff („ihr habt den Krieg verloren!“, keine Pointe) bekamen, zu meinem persönlichen Bedauern vorübergehend abgemustert. Einige Landesverbände der Piratenpartei – bezeichnenderweise ist Höfinghoffs/Helms Berlin nicht darunter – haben sich inzwischen einer Erklärung angeschlossen, die eine Unvereinbarkeit politischer Gewalt mit liberalen piratischen Idealen zu verstehen gibt, wofür es prompt Kritik aus Berlin hagelte. Ja, die Berliner. Ein drolliges Land voller bornierter Schwachköpfe; an diesem Durchschnitt ändert auch der herausragende Christopher Lauer nur wenig.

Aber eigentlich wollte ich hier weniger über Politik reden und mehr über Musik, schon aus Gründen der Entspannung. Von Musik werde ich nur selten in Rage versetzt.

thisquietarmy - Phantom Limbs2012 veröffentlichte Eric Quach („thisquietarmy“) nach dem großartigen „Vessels“ mit dem bereits 2009 aufgenommenen „Phantom Limbs“ („Phantomgliedmaßen“) ein weiteres beachtliches Werk, dessen einziges Instrument wiederum die Gitarre ist. Das Unterwassermotiv wurde nicht beibehalten, auf „Phantom Limbs“ geht es stattdessen ziemlich gespenstisch zu.

Das eröffnende „Phantom Eye“ beginnt mit dissonantem Brummen. Allmählich kommen weitere Gitarrenklänge hinzu, die ruhige Anfangsstimmung wird von energischen, sich verdichtenden Riffs komplimentiert, nach sechseinhalb Minuten implodiert „Phantom Eye“ mit seiner Klimax. Das folgende „Phantom Brain“ wird von ambienten drones dominiert, zunächst klar instrumental identifizierbar, dann dunkler und bedrohlicher werdend, bis das Klanggebilde schließlich ausgeblendet wird. Ob diese Ausblendung sinnvoll ist, bleibt unklar; „Phantom Pain“, das die drones wieder in ihre Bestandteile zerlegt, lebt ebenfalls von ihren Effekten.

„Phantom Voltage“, das letzte und mit Abstand längste der vier Stücke, ist zugleich das ungewöhnlichste: Es beginnt mit Stille, langsam setzen einzelne Klänge ein. Talk Talks „Spirit of Eden“ als Vergleich zu bemühen mag etwas überzogen sein, Ähnlichkeiten sind aber durchaus gegeben. Wird da ein Rhythmus geklopft? Nein, es ebbt wieder ab. Wieder einmal wird alles dichter. Der Geist wird schwer. Zurücklehnen und genießen. Würde man von dieser Musik träumen, man träumte wohl, man säße auf einer Wolke und sähe von dort aus einen dieser anspruchsvollen Horrorfilme (zum Beispiel über das „Bombergate“) in Pastellfarben. Schön.

„Phantom Limbs“ – stream- und kaufbar hier – ist in all seiner Dunkel- und Schlichtheit großartig und die ideale Begleitung zu einem Glas Whiskey zum Feierabend; oder eben auch ganz ohne Whiskey. Ihr könntet das mal ausprobieren.

In den NachrichtenPiratenpartei
Metamedienkritik: Auf der Mauer, auf der Lauer …

Wie Anne Helm, Europaparlamentskandidatin der Piratenpartei, und Julia „Schwurbel“ Schramm, Mitarbeiterin des Bundesvorsitzenden derselben, der Bombenabwürfe über Dresden seitens Herrn „Bomber Harris“ gedachten, bitte ich euch den einschlägigen Medien zu entnehmen; zumindest Frau Schramm lässt ja nur selten eine Woche vergehen, ohne ihren Ruf als politisch naive marxistische Feministin – oder was auch immer sie diese Woche sein möchte – weiter zu festigen.

Deutlich erfreulicher ist da schon, wie Sascha Frischmuth von der unsäglichen „tageszeitung“ („taz“) beim Versuch, ein Interview mit Christopher Lauer zu führen, grandios versagt. Christopher Lauer („Hirni“ – Charlotte Theile, „Süddeutsche Zeitung“) ist dafür bekannt, nicht über jedes Stöckchen zu springen, das man ihm hinhält, wie niedrig auch immer es hängen mag; insofern ist es erstaunlich, wie bereitwillig sich der Fragesteller von ihm vorführen („anpöbeln“, Introtext der „taz“) lässt. Ich bin dafür sehr dankbar, denn das merkwürdige Politikverständnis deutscher „Journalisten“ haben sie selbst selten deutlicher dargestellt als hier.

„Knapp zehn Minuten“ lang hat Sascha Frischmuth vergebens versucht, aus Herrn Lauer politikertypische Nullphrasen herauszuleiern, ist damit aber nicht nur grandios gescheitert, sondern obendrein offenbar etwas pikiert darüber, dass seine dummen Fragen auf wenig Verständnis stießen:

Okay. Angenommen, es klappt jetzt alles, so wie Sie sich das vorstellen. Von mir aus, Europawahl geht gut, wie auch immer…

Ja, „wie auch immer“, ist ja eigentlich auch nicht so interessant, ist ja nur Politik…

Sofern man dem Internet glauben darf, war dies Herrn Frischmuths erstes Interview. Wenn er Glück hat, gerät er künftig nur noch an Politiker, die routiniert Phrasen auf jede Frage – auch solche, die gar nicht gestellt wurden – abspulen. Dort wird zwar ebenfalls keinerlei neue Erkenntnis über Politik gewonnen, aber der Blöde ist dann wenigstens der Leser und nicht der „Journalist“. Nicht, dass das noch Mode wird!

In den NachrichtenPiratenparteiPolitik
Medienkritik extern (in Kürze): Fack se Oi!

Victoria Nuland:

Weißt du, fuck the EU!

Angela Merkel (indirekt):

Die Beleidigung der EU durch die US-Diplomatin Victoria Nuland sei „absolut inakzeptabel“, sagte Christiane Wirtz, stellvertretende Regierungssprecherin von Angela Merkel, in Berlin.

Blogger „Muriel“:

(…) Und ich würde mir so sehr wünschen, Frau Merkel wäre einmal nicht über dieses Stöckchen gesprungen, sondern hätte den Journalisten wenigstens einmal so etwas geantwortet wie “Na und? Warum denn auch nicht? Wissen Sie, was ich manchmal in vertraulichen Gesprächen sage? Klar wissen Sie das. Ungefähr sowas, wie Sie auch manchmal in vertraulichen Gesprächen sagen, und jeder andere auch, und wir beide wissen, dass ‘Fuck the EU’ im Vergleich noch relativ zahm ist, oder? Wollen Sie mich nicht lieber was Interessantes fragen wie zum Beispiel, was wir mit unseren hoffnungslos kaputten und missgestalteten Sozialsystemen machen, oder was die EU tun kann, um ärmeren Ländern die Chance zu geben, zu vernünftigen Bedingungen mit unseren Bürgern handeln zu treiben und so allmählich erträgliche Lebensbedingungen und sowas wie Wohlstand für die ihren zu schaffen? Hier, passen Sie auf, ich sags gleich auch selbst für Sie: Fuck the EU. Haben Sies, oder soll ich noch mal?”

Aber ’s ist eben die Phrasenkanzlerin; was soll’s.


Derweil die Piratenpartei Niedersachsen mittels virtuellen Mitgliederentscheids so:

Initiative i574: Piraten wählen

Die Piraten Niedersachsen rufen dazu auf zur Europawahl die Piraten zu wählen.

Was passiert, wenn dieser Vorschlag nicht angenommen wird, steht dort nicht. Wahrscheinlich implodiert dann irgendwas.

(via @glueckundgeld)

Piratenpartei
Piraten: Nichts gesagt? Viel Quatsch!

(Vorbemerkung: Ja, ich tu‘ mir den Piratenquatsch immer noch an.)

Was hatten wir denn lange nicht? Ach, richtig: Erklärungen, wieso die Piratenpartei Deutschland „gescheitert“ sei.

Die NSA und andere staatliche Stellen überwachen uns auf Schritt und Tritt, und die Piraten schweigen dazu. Schließlich ist die Neuausrichtung als politischer Arm der Antifa und Gender Bewegung im vollen Gange, da kann man sich nicht mit so Nebensächlichkeiten wie Bürgerrechte aufhalten.

„Die Piraten schweigen“, und zwar ziemlich laut; Christian Tretbar – hihi – vom merkwürdigen „Tagesspiegel“ nannte sie lauthals still beim Thema Überwachung. Man muss schon absichtlich weghören, um von „den Piraten“ beim Thema nichts zu hören (und selbst dann immer noch mehr als von anderen so genannten Bürgerrechtsparteien wie den unsäglichen „Grünen“). Folgerichtig lesen manche Twitternutzer schon ab diesem Satz gar nicht mehr weiter.

Dabei sind die folgenden Sätze auch nicht weniger beachtens- und fazialpalmierenswert. Zur „Neuausrichtung als politischer Arm der Antifa“ äußert sich „KopfzuTisch“ selbst wenige Sätze später noch einmal:

Es treten Piraten aus, weil man (sic! A.d.V.) sich lokale Verbände auch gegen linke Gewalt positionieren[.]

Der politische Arm der Antifa verliere aufgrund der Reaktionen auf die Sache mit der anarchosyndikalistischen Flagge Mitglieder, weil er sich gegen diese Kategorisierung wehre, und das sei schlecht und ein Zeichen dafür, dass („KopfzuTisch“ wiederum später) die Piraten „links vom Tellerrand in die Bedeutungslosigkeit“ fallen. Hui! Meine plötzlich auftretenden Kopfschmerzen sind sicher nur wetterbedingt und keine Folge dieser Argumentationskette. – Dass die von der „Mutterpartei“ weitgehend unabhängig agierende Jugendorganisation „der Piraten“ – die „jungen Piraten“, die eng mit der „Pirantifa“, die kein offizieller Verband der Piratenpartei ist, verflochten sind – tatsächlich eher zu den Grünen passen würde und mit den „Grundwerten“ der Piratenpartei nicht viel zu tun hat, sei mal verziehen. Wir waren ja alle mal jung, dumm und politisch, von griffigen Parolen abgesehen, weitgehend desinteressiert, und die Grünen sind Jutta Ditfurth und Konsorten letztlich auch losgeworden (Michael Ebner).

Man kann den Piraten vieles – zum Beispiel den immer noch nicht parteiweit umgesetzten ständigen Mitgliederentscheid, den Nichtausschluss von Oliver Höfinghoff, den Verlust einstiger coolness mittels rückläufiger Verwendung nautischer Metaphern – vorwerfen und sollte das auch tun; „KopfzuTisch“ hat auch ein paar Beispiele gefunden, nur sind’s eben die Falschen.

Wir fassen zusammen:

Die Piraten sind tot.

Oder eben auch nicht.

Dieser verfluchte, untote Pirat versteht keinen Spaß.
Produktbeschreibung eines Piratenkostüms

KaufbefehleNetzfundstückePiratenpartei
Sexy, sexy Karpfen (2): Frauen, die auf Särge starren.

Den Welterfolg „Frauen mit erotischen Karpfen“ habt ihr sicher schon alle zu Hause und freut euch über jeden neuen Monat.

Aber ihr wollt sicher nicht immer nur die gleichen Motive im Schlafzimmer hängen haben. Abwechslung gefällig? Nackte Frauen auf erotischen Särgen! Ich bin schon ganz steif.

(Gut, so einen Sarg benutzt man meist nur einmal im Leben, da ist eine ansprechende Präsentation der verschiedenen Angebote natürlich stets willkommen.)


Apropos „will kommen“: Der nordrhein-westfälische Landesverband der Piratenpartei sucht einen Penetrationstester. Gefordert sind mindestens drei Jahre Erfahrung im Bereich Penetrationtesting (die Praxiserfahrung ist nachzuweisen!), freundliches, aber verbindliches Auftreten, Belastbarkeit, Verschwiegenheit und Erfahrung mit Exploit Development.

Diese Ferkel.

(via L.)

In den NachrichtenNerdkramsNetzfundstückePiratenpartei
Kurz verlinkt: Antifa, Kernkraft, Minimalismus

Sind in der Piratenpartei jetzt (ich berichtete) nur noch Verrückte? Aber nein! Vielmehr ist es eine radikale Minderheit, die den „normalen Piraten“ (Don Alphonso) die Arbeit unnötig erschwert. Teil dieser radikalen Minderheit ist auch Julia Schramm (das war die hier), die sich diese Woche mal als linksradikale Marxistin positioniert. Mal gucken, wo sie nächste Woche steht.

Beachtenswert ist auch, dass Christopher Lauer sich von derlei Umtrieben öffentlich distanziert. Sollte es in nächster Zeit wieder ruhiger um ihn werden, wäre das also nicht besonders überraschend.


Diese Meldung ist schon etwas älter, aber immer noch lesenswert: Kanada verbietet Kohlekraftwerke, um die Luft sauber zu halten; in Deutschland steigt die Braunkohleverheizung derweil auf neue Spitzenwerte, um den Energieverlust aufgrund des Ausstiegs aus der Kernkraft aufzufangen. Deutschland: Wo saubere Luft der Homöopathie geopfert wird.

(via @Nuklearia)


Ich bin ja nicht nur Musikfreund und politischer Agitator, sondern mache manchmal auch was mit Computern. In dieser Eigenschaft pries ich im Juni 2010 die Vorzüge eines minimalistischen Windows mit tastaturgesteuerter Fensterverwaltung. Unter Unix und seinen Nachbauten ist letztere nun schon seit vielen Jahren nichts Neues mehr, abseits von Gnome, KDE und Openbox gibt es eine Vielzahl an Fensterverwaltern, die die Arbeit im Vollbild wie auch mit mehreren Fenstern nebeneinander deutlich vereinfachen. Im Zusammenspiel mit dem Statistikwerkzeug conky lassen sich so flexible und vielseitig anpassbare Arbeitsumgebungen schaffen (alle drei Konfigurationen zeigen awesome mit conky in der „Haupt“- oder einer eigenen Leiste), in denen man zwischen Vollbild- und gekachelten Anwendungen sowie virtuellen Desktops (auch mehreren gleichzeitig) per Tastenkürzel (unter awesome frei konfigurierbar, standardmäßig dient die Windowstaste als „Modifikator“) wechseln kann. Spart Bildschirmplatz, erhöht die Produktivität. Im Forum von #! Linux gibt es einen mehr oder weniger ausführlichen Test (mit Bildern) von über 30 mal „kachelnden“, mal (wie KDE, Mac OS X und Windows) „schwebenden“ Fensterverwaltern abseits der „großen“ Desktopumgebungen, den ich jetzt einfach mal als Einstieg empfehle.

Piratenpartei
Nachtrag: Die Piraten zur Europawahl (2)

Während sich auf Twitter „die Piraten“ und „die Antifa“ und „die Feministinnen“ – siehe auch hier und hier und hier – mit „den Medien“ (man lese mal spaßeshalber die aktuellen Gespräche von Don Alphonso und verzweifle anschließend ein bisschen) verbal darum prügeln, welche der beteiligten Gruppen als heterogenster aller Zusammenschlüsse wohl die größten Anführungszeichen verdient hat, machen die anderen Piraten übrigens Wahlkampf.

Ich schrieb zur Aufstellungsversammlung für die Europawahl:

Dabei hätte es die Piratenpartei eigentlich ziemlich leicht; als Partei, die nicht aus Deutschland nach Europa exportiert werden musste, sondern die selbst in ihrem deutschen Ableger ein europäisches Produkt ist, muss sie das mit Europa nicht erst lernen, sondern kann sich auf ihre politischen Inhalte konzentrieren. Gerade in Europa wären die Kernthemen der Piratenpartei – strikte Ablehnung jeglicher Urheberrechtsverschärfungen zum Nachteil des Konsumenten, Kampf gegen den Patentwahnsinn, freie Bildung für alle und so weiter – eine höchst willkommene Alternative zu den gegenseitigen Versprechen für mehr Terrorbekämpfung, mehr Bürokratie und so weiter.

Die möglichen Themenschwerpunkte für die Europawahl sind nun gesetzt: „Demokratie-Upgrade“ (mehr Transparenz, mehr Mitbestimmung), Urheberrecht (vertreten durch Bruno Gert Kramm, dessen Reden ihr euch beizeiten mal anhören solltet, denn sie sind sehr gut) und Asylpolitik stehen auf der Agenda, letzteres dem Umstand geschuldet, dass die Piratenpartei Europa als Ganzes begreift. (Warum man mit dem „Tandem nach Brüssel“ ins Europäische Parlament nach Straßburg fahren möchte, ist mir nicht so ganz klar; aber darum soll es gerade mal nicht gehen. Immerhin schreibt auch das „Qualitätsmedium“ taz, die Piraten seien auf dem Weg nach Brüssel. Ist ja auch ganz hübsch dort.)

Die Kandidaten der Piratenpartei möchten also für Europa nicht wieder den gleichen Fehler machen wie anlässlich der Bundestagswahl 2013, sondern es ausnahmsweise mal wieder mit einem eigenen Profil versuchen; mit Themen, von denen sie Ahnung haben und die an das einstige image als progressive Partei anknüpfen, und nicht mit den üblichen Gemeinplätzen, die die anderen Parteien ebenfalls vertreten.

Gibt es schon innerparteiliche Kommentare zu diesem Themenplan? Klar; „stefan.pirat“ kommentierte:

Allerdings sollten wir auch im Blick haben, welches Thema “massenkompatibel” ist, damit wir auch potenzielle Wähler ansprechen, die nicht so ganz direkt in unserem derzeitigen Dunstkreis unterwegs sind.

Aber Massenkompatibilität ist genau das, was die Piratenpartei jetzt nicht braucht. Bloß nicht auffallen, bloß nicht anecken, bloß nicht anders sein? Zwar braucht man als Partei nur drei statt fünf Prozent, um die Europawahl erfolgreich zu gewinnen, aber warum dann die Piratenpartei? Weil wir uns so toll für Umwelt und Bildung einsetzen und weil wir irgendwas mit sozial im Programm haben? Nein, eine Reduktion auf die Kernthemen ist das Beste, was „die Piraten“ jetzt beschließen können.

„Die Piraten werden ja doch noch vernünftig?!“, fragt ihr jetzt vielleicht erstaunt. Nein, keine Sorge, das werden sie nicht. Menschlichkeit ist alles andere als Vernunft. Zumindest aber werden „die Piraten“ wieder eine Partei mit einer progressiven Agenda. Wenn die mit der Flagge sich nicht ein bisschen anstrengen, könnte man fast darüber nachzudenken, sie wieder zu wählen.

So weit ist es gekommen.

Piratenpartei
Blindgänger entschärft: Die Piraten zur Europawahl

Am 25. Mai 2014 wird zum achten Mal das Europäische Parlament gewählt. Natürlich hofft auch die Piratenpartei Deutschland auf die Möglichkeit zur Entsendung von Vertretern in selbiges, weshalb sie heute und morgen in Bochum eine entsprechende Liste zusammenwählt.

Dabei hätte es die Piratenpartei eigentlich ziemlich leicht; als Partei, die nicht aus Deutschland nach Europa exportiert werden musste, sondern die selbst in ihrem deutschen Ableger ein europäisches Produkt ist, muss sie das mit Europa nicht erst lernen, sondern kann sich auf ihre politischen Inhalte konzentrieren. Gerade in Europa wären die Kernthemen der Piratenpartei – strikte Ablehnung jeglicher Urheberrechtsverschärfungen zum Nachteil des Konsumenten, Kampf gegen den Patentwahnsinn, freie Bildung für alle und so weiter – eine höchst willkommene Alternative zu den gegenseitigen Versprechen für mehr Terrorbekämpfung, mehr Bürokratie und so weiter.

Sie könnte den Wähler eigentlich mit Themen überzeugen, die ihn im Jahr 1 nach Snowden wirklich bewegen, statt auf den Gemeinplätzen herumzureiten, die von kleinen Splittergruppen der Partei vehement verteidigt werden und die außerhalb Deutschlands noch weniger Relevanz besitzen als im Inland. Sie könnte die Schlagkraft einer europäischen Sammelbewegung von Wutbürgern demonstrieren, die die Piratenpartei ins Leben gerufen hatten, weil sie nicht mehr Bittsteller sein, sondern nicht weniger als die Welt ändern wollten.

Eigentlich.

Antifa-Flagge auf dem #bpt141

(leise weinend ab)

Im Grunde ist eine Fahne als Symbol des Anarchismus ein Widerspruch zum Aufstellen einer Liste für ein Parlament, oder?
Birgit Rydlewski

In den NachrichtenPiratenpartei
USA-Nazis im All

Apropos Nazipiraten: Im Jahr 2010 gab es – wir erinnern uns – bezüglich des von den Piraten anlässlich der „Stopp-ACTA“-Demonstrationen verwendeten Logos mit einem abgebildeten Kraken („ACTA“) wegen dessen Ähnlichkeit zu einer judenkritischen Karikatur aus früherer Zeit auf die Mütze. Ist böse, macht man nicht, alles Nazis da bei den Piraten.

Kraken, die irgendwas umschlingen, dürfen nie wieder als Symbol für Allmachtsfantasien verwendet werden, weil …

NROL-39

ach, ich geb’s auf.

(via @Fritten)

PersönlichesPiratenpartei
Die Drei von der Süddeutschen und ich (Teil 1)

(Vorbemerkung: Die Geschichte mit der Süddeutschen Zeitung scheint doch noch nicht vorüber zu sein. Ich protokolliere das hier mal. Wenn ihr die Erstfassung dieses Textes schon auf Twitter oder Diaspora oder im IRC gelesen habt: Es geht noch weiter. Und ja, ich bin auch im „real life“ so ein komischer Kauz wie hier.)


Dienstag

„Politiklehre kostenlos? :D“

Ich ging heute durch Braunschweig (also durch den dortigen Bahnhof). Dort traf ich, nicht sehr überrascht, auf die üblichen drei Süddeutsche-Zeitung-Verkaufsstudenten (ein Dunkelhäutiger unbekannter Abstammung, eine Quotenfrau und ein Typ ohne besonders hervorstechende Eigenschaften). Sie machten diesmal den Fehler, mich anzusprechen. „Süddeutsche kostenlos? :D“. Menschen, die Grins-Emoticons quasi mitsprechen, sind mir ja grundsätzlich suspekt.

Ich sah auf die Uhr, ich hatte noch etwas Zeit, und sprach: „Wie viele Argumente dagegen braucht ihr?“. Der Typ entgegnete siegessicher: „Ich widerlege alle :D“. Ich antwortete schlicht: „Leistungsschutzrecht?“.

Die drei blickten mich fragend an. Offenbar waren sie nicht damit vertraut, dass so ein Zeitungsverlag auch noch etwas anderes macht als die Zeit von Studenten zu verschwenden.

Es ergab sich ein Gespräch, in dem ich erklärte, dass mich das Thema vor allem als „Blogger“ interessiert, was, Piratenpartei – der Anstecker fiel jedenfalls der Frau auf – hin oder her, ja nicht einmal gelogen war. „Aber die Gesetze sind halt so“ war der einzige zaghafte Versuch der drei, mich davon zu überzeugen, mir doch trotzdem die Süddeutsche Zeitung zu kaufen. Wenn die Welt schon scheiße ist, dann wenigstens noch ’ne schlechte Zeitung dazu, um das auch so richtig genießen zu können.

Keine fünf Minuten später war es drei Süddeutsche-Zeitung-Verkaufsstudenten sichtlich unangenehm, wofür sie da gerade Werbung machten.

Wenn ihr solchen Vertretern begegnet, würdigt sie nicht keines Blickes, sondern redet mit ihnen. Die Welt wird keine bessere dadurch, dass die Wissenden unter sich bleiben. Jeden Tag eine gute Tat.


Mittwoch

„Come for the lulz, stay for the pirates.“

Mich erwarteten heute im Bahnhof zwei der drei „Süddeutschen“. Ich war wohl doch weniger überzeugend als erhofft. Immerhin war der Typ mit dem gesprochenen Grinsen diesmal nicht dabei. Während sich der Dunkelhäutige potenzieller Kundschaft widmete, bat mich die Frau mit schwäbischem Dialekt, ihr meinen gestrigen Vortrag noch einmal zu halten – sie habe nicht zugehört. Darauf war ich nicht vorbereitet. Von meinem anschließend improvisierten Referat schien sie dennoch beeindruckt, aber das heißt ja nichts, wie ich seit heute weiß.

Ich nutzte die Gelegenheit, um mich ausführlich darüber zu wundern, wieso man als Mensch Mitte 20 denn aus dem Süden nach ausgerechnet Braunschweig geschickt werde, um eine Zeitung in einem Bahnhof zu bewerben. Na ja, es bringe eben Geld, aber sie werde, wenn ihr Engagement für die Süddeutsche Zeitung vorüber sei, nie wieder promotion für eine Zeitung machen. Über die Ursachen blieb ich im Unklaren; vielleicht verbietet es ihr der Arbeitsvertrag, sie zu äußern.

Mittlerweile waren viele Leute in weitem Bogen beschleunigten Schrittes um den Stand herumgegangen, wie es Menschen eben so machen, die nicht unhöflich wirken wollen. Das müsste ich eigentlich auch mal ausprobieren: Wenn ich in einer belebten Innenstadt gern meine Ruhe hätte, einfach „entschuldigen Sie…“ rufen. Ich berichte bei Erfolg.

Aber zurück zu der Frau von der „Süddeutschen“, die sich inzwischen lauthals kichernd hinter ihrem Stand krümmte (ich hoffe inständig, dass das an meinem Charme und nicht an meiner lustigen Nase lag): Da man sich, so ihre Argumentation, ja nun schon kenne, halte sie es für angebracht, unsere Namen einander preiszugeben, und wollte, mit Blick auf das Piratenemblem auf meiner Jacke, wissen, ob ich denn „bei den Piraten so richtig aktiv“ sei. Nee, log ich, sei ich nicht, auf Parteitage ginge ich dennoch des Öfteren, aber das könne auch an meinem Humor liegen. Ob sie denn mal mitkommen könne, also mit mir, wollte sie wissen. Ichso: „Ein Pirat in weiblicher Begleitung? Und dann auch noch einer einzigen und nicht mindestens drei von ihnen?“ Wieder kringelte sie sich vor Lachen. Sie schien mit den Gepflogenheiten in der Piratenpartei nicht vertraut zu sein. Sie musste noch viel lernen.

Den Spieß jedenfalls konnte ich umdrehen: Statt mir irgendeine Verschwendung von Druckerfarbe aufzuhalsen, bat sie mich nun darum, ihr Piraten-merchandising zukommen zu lassen („oh, krieg ich auch so einen Anstecker?“). Zum Glück gehe ich nur selten ohne solches aus dem Haus. Also: Meidet diese Menschen nicht, sondern nutzt die Gelegenheit, um sie mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Ihr könnt eigentlich nur gewinnen.

Bevor ich ging, fragte ich, wie oft diese Gruppe denn noch in Braunschweig zu finden sei. Mindestens bis Dienstag, so wurde mir gesagt, würden sie noch an gewohnter Stelle um Kunden werben. Unser nächstes Aufeinandertreffen wird also voraussichtlich am Freitag stattfinden. Ich sollte dann womöglich mehr Informationsmaterial der Piratenpartei mitnehmen. Je mehr Zeit die armen Seelen damit verbringen, sich um Innenpolitik zu scheren, desto weniger Menschen drehen sie eine LSR-Zeitung an.

Das wird ein Spaß.


Nachtrag, Freitag: Es ist nichts passiert.

Piratenpartei
Piraten: Vorsicht vor dem Miteinander!

Ende 2013 wird in Bremen ein weiterer Bundesparteitag der Piratenpartei stattfinden. Da die Organisatoren von Piratenzusammenkünften offensichtlich davon ausgehen, dass man sich als Pirat nicht mit anderen Piraten unterhalten kann, ohne mindestens ihre Würde kontinuierlich einschneidend zu verletzen, wird gelegentlich ein „Awareness-Team“ eingerichtet.

Das „Awareness-Team“ ist vielleicht einigen von euch bereits von der #PiratinnenKon bekannt. „Awareness-Team“ bedeutet auf Deutsch ungefähr „Obacht-Mannschaft“, trotzdem sind’s meist eher Frauen, die diese Funktion ausüben. Dabei haben sie sich solche Mühe gegeben und sogar ausdrücklich darum gebeten, dass nicht nur hundertprozentige Frauen sich bewerben, sondern auch, äh, andere Menschen:

Das Awarenessteam für den #bpt132 sucht noch Menschen, die mithelfen (gern männlich sozialisiert).

Man grenze diese Gruppe von Menschen von denen ab, die nichtmännlich sozialisiert wurden. Ich wurde übrigens musikalisch sozialisiert. Was nun?

Die Aufgabe dieses „Awareness-Teams“ war es auf der #PiratinnenKon, denen, die menschliches Miteinander – wie auch immer dies definiert wird – mutwillig destruktiv ausübten, je nach Art und Schweregrad des Vergehens eine Rüge oder Sanktionen zu erteilen. Dabei lag es im Wesentlichen in ihrem Ermessen, welche Art von Verhalten derlei Maßnahmen rechtfertigte; sowohl Exekutive als auch Judikative lag in ihrer Hand. Nun ist so ein Bundesparteitag natürlich eine ganz andere Veranstaltung als eine Konferenz über Feminismus (obwohl die Grenzen mitunter verschwimmen), insofern hat auch das „Awareness-Team“ andere Voraussetzungen, da nicht mehr davon auszugehen ist, dass das Gros der Anwesenden dessen Weltanschauungen unkritisch teilt.

Aufsehen erregte – hihihi – gestern die Kür von Birgit Rydlewski (das war die hier) als Mitglied Teil des „Teams“ auf dem Bundesparteitag. Zuletzt fiel sie in den Medien dadurch auf, dass sie vermeintlich Menschen pauschal „suspekt“ nannte, die aus freien Stücken Anzüge tragen. Ihren erklärenden Blogartikel (Twitters Längenbeschränkung eignet sich eben nur beschränkt für die Diskussion kontroverser Thesen) haben offenbar die wenigsten Leute, die sich über den Tweet aufgeregt haben, gelesen, und so blieb für die meisten Mittwitterer, die aus Gründen nicht weiter nachfragten, vor allem dies im Raum stehen: Eine aktive Feministin, die Männer in typisch männlicher Kleidung für Repräsentanten des kapitalistischen Patriarchats hält, wird auf einem Parteitag mitverantwortlich für die Einhaltung sozialer Normen sein.

Das ist etwas kurz gegriffen (und sachlich falsch), aber so ist Twitter nun mal: Laut und schrill. Wie so’n Männermikrofon. Da bleibt für eine sachliche Auseinandersetzung kaum ausreichend Gelegenheit. (Weil ich gerade erst per Mail gezielt darauf angesprochen wurde, weise ich an dieser Stelle im Übrigen darauf hin, dass Leute, die ich persönlich anzugreifen gedenke, dies meist durchaus bemerken – wenn es jemandem unklar ist, ob ich ihn angreifen möchte, ist er entweder zu dämlich oder ich möchte es wahrscheinlich tatsächlich nicht. Für die simple Nachfrage, wie ein Mitmensch etwas, was er geäußert hat, denn gemeint habe, habe jedenfalls ich jedoch noch nie ein „Awareness-Team“ benötigt.) Trotz dieser überflüssigen, weil nicht zielführenden Personaldiskussion taucht hier eine bedeutsame Frage auf: Was tut ein Parteitagsbesucher eigentlich, wenn er sich vom „Awareness-Team“ bedrängt sieht? Gibt es eine übergeordnete Instanz, quasi ein „Awareness-Team-Awareness-Team“, oder ist man sozusagen dem Wohlwollen der Menschen, die mithelfen, ausgeliefert?

Ich wandte mich mit diesen Fragen per E-Mail an die Organisatoren – beziehungsweise einen der Organisatoren – des Bundesparteitags. Meine Bedenken wurden von vornherein zerstreut:

Falls du davon ausgehst, dass das Awareness Team eine Art Sicherheitsteam ist, wie beispielsweise bei der PiratinnenCon, dann ist das falsch. Das Awareness-Team hat keinerlei Befugnisse.

Wir haben es hier also mit einem zahnlosen Tiger zu tun, dessen Macht nicht beschränkt, sondern gar nicht erst vorhanden ist; soll heißen: Selbst, wenn das „Awareness-Team“ samt und sonders aus tatsächlich Männer hassenden, das Hackebeil schwingenden Radikalfeministinnen bestünde, könnten sich die männlichen Parteitagsbesucher ihres Lebens weiterhin sicher sein. Leute totzubeilen verstößt meines Wissens nämlich zumindest gegen die Hausordnung am Veranstaltungsort.

Aber wofür, wenn nicht als Exekutive zwecks Klärung sozialer Unruhen, ist das „Awareness-Team“ denn dann da? Hm, tja, das sei eine gute Frage, und da könne man jetzt auch nur spekulieren:

Wohl wenn jemand mal reden muss oder so

Soll heißen: Wer auf dem Bundesparteitag Lust zu pöbeln hat, der möge dies zunächst am Shitstormkanalisationspunkt – beim „Awareness-Team“ eben – beantragen. Es geht hier also nicht um die Wahrung von Interessen einer kleinen Gruppe, sondern um Deeskalation auf ausdrücklichen Wunsch. Das finde ich gut.

Was sagt das nun über die Piraten und ihre Kommunikation untereinander aus? Mindestens zweierlei:

  1. Piraten können – ich erwähnte es eingangs – der gängigen Meinung entsprechend nur selten miteinander reden, ohne sich ständig gegenseitig Beleidigungen an den Kopf zu werfen, so dass ständig jemand aufpassen und allen Beteiligten ihr Schäufelchen zurückgeben muss. Das ist allerdings auch etwas, wofür man awareness bewahren sollte. Und wisst ihr auch, wie man das nennt, wenn Menschen auf emotionale Weise über Themen diskutieren, die ihnen am Herzen liegen? Richtig: Menschlichkeit.
  2. Twitter eignet sich nicht für tiefgründige philosophische Exkurse.

Auf der Website der „Süddeutschen Zeitung“, die am freien Internet nicht teilnehmen möchte (LSR), schrieb Alex Rühle gestern, die etwa zwei Prozent Stimmen für die Piratenpartei – „diese digitalen Klapskallis“ (ebd.) – seien auch eine Folge der Konzentration auf digitale Kanäle. Dabei ist eine häufige Nutzung des Internets durchaus nicht zu beanstanden. Nur das mit der Medienkompetenz, das mit dem Nachfragen, das müssen die Piraten – Wahlkampfmotto: „wir stellen das mal in Frage“ – noch lernen.

Aber das braucht so ein „Journalist“ bei der „Süddeutschen Zeitung“ ja auch nicht und wird trotzdem nicht gefeuert.

In den NachrichtenPiratenpartei
Medienkritik in Kürze: Jede Woche aufgelöst

„ZEIT ONLINE“ („arrogant, naiv und populistisch“, Lenz Jacobsen) gibt bekannt, dass die Piratenpartei Deutschland – mit einem Stimmenzuwachs von über zehn Prozent gemessen am Bundestagswahlergebnis von 2009 wohl kaum als im Absturz befindlich zu bezeichnen – vor dem Zerfall stehe, weil der Bernd Schlömer das nämlich gesagt habe und der Bernd Schlömer wisse, wovon er rede, weil er nämlich Scheffe von den Piraten sei.

Bernd Schlömer rechnet damit, dass in den kommenden Wochen weitere Mitglieder aussteigen oder zu anderen Parteien abwandern werden.

Ich rechne ja damit, dass irgendjemand Bernd Schlömer mal auf die neuen Mitglieder seit Sonntag hinweist, aber was soll’s; ist halt der Bernd, der braucht keinen Kontakt zum Pöbel, weil, der’s Chef. Beziehungsweise bald nicht mehr:

Der Chef der Piratenpartei hat seinen Rückzug angekündigt. Mit Marina Weisband könnte eine prominente Politikerin in den Vorstand der Partei zurückkehren.

Hat ZEIT ONLINE Marina Weisband nicht Bescheid gesagt, dass die Partei gerade zerfällt? – Zugegeben, die Medien haben bisher bei jedem größeren Skandälchen (ZEIT ONLINE) von einem baldigen Ende der Partei gesprochen, aber vielleicht, wenn sie es oft genug wiederholen, hören diese verdammten Piraten endlich mal auf damit, sich nicht aufzulösen. Das ist doch unfair sonst.

Aber was könnte für die Medien schlimmer sein als eine Partei, deren Köpfe regelmäßig wechseln? Mit Inhalten beschäftigen möchte man sich nicht, nicht umsonst kam die Piratenpartei in den Medien sicherheitshalber kaum noch vor, seit die AfD ihr den zweifelhaften Rang als dem Mainstream ferne Neupartei abgelaufen hat. Zumindest für SPIEGEL ONLINE ist das Problem schon so gut wie gelöst – das Hausblatt von Fabian Reinbold (wir erinnern uns) berichtet, völlig unbeeindruckt von ihrem Rückzug ins Privatleben, auch weiterhin begeistert über „die schöne Piratin“ (BILD).

Und der Rest? Nun, die kommende Ersetzung einiger Vorstandsmitglieder wird den Weg freimachen für solche, die auch noch etwas anderes mit ihrer Zeit anfangen als im Rampenlicht rumstehen. Auch bei den Grünen ist der Abtritt Jürgen Trittins kein Zeichen von Zerfall der Partei, sondern ein mittelmäßig gut gelungener Versuch, die Pädophiliediskussion aus den Parteiinterna herauszuhalten.

Bernd Schlömer jedenfalls, unter dessen vermeintlicher Ägide große bundesweite Wahlerfolge wider Erwarten ausblieben, tut der Piratenpartei mit seiner ausbleibenden Neukandidatur einen wirklich großen Gefallen. Um die Politik im Land zu verändern (unter anderem das Bewusstsein für Datenschutz und digitale Bürgerrechte sowie das mit der Basisdemokratie), hat die Piratenpartei bislang kein Mandat im Bundestag benötigt – um allerdings aus der Stagnation zu erwachen, ist ein „Parteichef“, der den Mitgliedern samt und sonders fehlende Motivation unterstellt und auch ansonsten gern mal dummes Zeug in Mikrofone reinplappert, womöglich nicht die beste Wahl.

Aber immerhin reden wir hier von ZEIT ONLINE, einem Ableger eines dieser klassischen Medien. Die stehen kurz vor dem Zerfall, heißt es.

Seit Jahren.

PersönlichesPiratenpartei
Grundrechte auf Piratisch

Ich wurde vorhin auf Twitter gefragt, ob ich Dogmatiker sei, weil ich in diesem Jahr nicht am Wahlkampf der Piratenpartei teilnehme. Hier habe ich ausreichend Platz für eine ausführliche Antwort:

Ich würde mich nicht als einen Dogmatiker bezeichnen, ich bin jedoch Idealist. Zu meinen politischen Idealen gehört Ehrlichkeit, denn die Unehrlichkeit der großen Parteien, die keinerlei Interesse daran haben, sich konsequent für die Umsetzung ihrer Wahlversprechen einzusetzen, zu adaptieren halte ich für wenig erstrebenswert. Und bei der Ehrlichkeit geht es schon los.

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