Microsoft hat in sein GitHub dieser Tage ganz viel Intelligenz reingekünstelt, die beim Programmieren in „öffentlichem Code“ (also unter anderem in auf GitHub liegenden Projekten) nach vermeintlich passendem Code sucht und aus diesem wiederum neuen Code generiert.
Wenn ich das richtig verstehe, läuft das ungefähr so ab:
- Der „Programmierer“ – wer seinen Code von Automatismen schreiben lässt, ist kein Programmierer ohne Anführungszeichen, sondern lediglich ein Knopfdrücker, wenn nicht gar ein
grüner KanzlerkandidatPlagiator – schreibt einen Funktionskommentar und/oder ‑prototypen, in dem er per Variablennamen, Funktionsnamen, Beispieldaten und so weiter ungefähr beschreibt, was er vorhat. So weit erst mal keine Einwände, immerhin klingt das nach auch für andere Leute verständlichem Code und das ist gut. - Die „künstliche“ „Intelligenz“ guckt, ob sie in den ihr bekannten Daten vergleichbares Ansinnen findet, und kopiert im Erfolgsfall vorhandene Codeschnipsel zu einem neuen Codeschnipsel zusammen, der vielleicht funktioniert oder auch nicht.
- Diese „künstliche“ „Intelligenz“ ist dabei dermaßen treffsicher, dass bereits nach wenigen Tagen Berichte im Netz zu finden sind, denen zufolge sie auch mal schlicht Ausschnitte aus der GPL als Kommentar vorschlägt.
In „0,1 Prozent der Fälle“, behauptet Microsoft, könne es vorkommen, dass ganze Codestücke vollständig übernommen „vorgeschlagen“ werden. Meine Kenntnisse im Lizenzrecht sind als mäßig zu bezeichnen, aber ich würde annehmen wollen, dass auch in 0,1 Prozent der Fälle aus unbekannter Quelle übernommener Code dem Entwickler des Originalcodes nicht gefallen dürfte. Natürlich auf Twitter wurde vorgeschlagen, Microsoft möge doch, wenn sie sich so sicher seien, dass die „Copilot“ genannte Beleidigung für richtige Programmierer schon niemandes Urheberrecht verletze, diesen „Copiloten“ – sogar gegen Bezahlung – mal mit dem Code des Windows-10-Kernels füttern. Bisher blieb dieser Vorschlag anscheinend unbeantwortet.
Das Lizenzproblem, auch für mich (so zwei, drei kleine Programme von mir liegen ja auch offen im Internet herum) nicht ganz uninteressant, ist aber gar nicht mal unbedingt das Ärgerlichste an dem Mitflieger. Viel wesentlicher scheint mir zu sein, welches Problem damit gelöst werden soll: Nutzer von Visual Studio Code, einem auf einem Webbrowser basierenden und darum außerordentlich ressourcenhungrigen „Texteditor“ von Microsoft, sollen so in die Lage versetzt werden, Programme zu schreiben, ohne programmieren zu können. Ich bin eigentlich nicht wählerisch, was die von mir genutzte Software angeht (Texteditoren ausgenommen), so lange sie ihren Dienst zufriedenstellend verrichtet, und ich halte auch nicht viel von Vorverurteilungen von Menschen, die ich meines Wissens überhaupt nicht kenne, aber ich bin mir trotzdem ziemlich sicher, dass es eine fürchterliche Idee ist, eine Generation von „Programmierern“ heranwachsen zu lassen, deren gesamte Programmiererfahrung darauf fußt, dass sie einen Knopf gedrückt haben und auf magische Weise Code erschienen ist, der dann auch noch halbwegs das getan hat, was sie erwartet hatten.
Quelloffen ist der „Copilot“ im Übrigen nicht. Nicht, dass den noch eine „künstliche“ „Intelligenz“ irgendwo reinkopiert!
(Hätte der Bullshifier nicht gereicht?)













