In den Nachrichten
Nudel­schil­der (scha­de).

Es ist in den­je­ni­gen Zir­keln, in denen ich mich vir­tu­ell auf­zu­hal­ten pfle­ge, gera­de­zu ein Hei­den­spaß: In Temp­lin – Nord­bran­den­burg, fast 16.000 Ein­woh­ner, davon ver­mut­lich 15.000 Kühe – dür­fen zusätz­lich zu den blö­den Hin­weis­schil­dern, wann denn die weni­gen ver­blie­be­nen Anhän­gern der über­kom­me­nen Welt­an­schau­ung „Chri­sten­tum“ ihr däm­li­ches Bimmbamm zele­brie­ren wer­den, künf­tig auch Ankün­di­gun­gen für „Nudel­mes­sen“ hän­gen, also qua­si­re­li­giö­se Ver­an­stal­tun­gen der „Pasta­fa­ri“.

Die „Pasta­fa­ri“, man mag’s eigent­lich gar nicht erklä­ren, hal­ten sich für eine „Reli­gi­ons­par­odie“, gehen dabei aber deut­lich weni­ger inter­es­sant (weil plum­per) zu Wer­ke als die Dis­kor­dia­ner. Ihr höch­stes Wesen ist das flie­gen­de Spa­ghet­ti­mon­ster und obwohl sie Außen­ste­hen­den, die ihren ver­bis­se­nen Ernst in der Aus­übung die­ser „Par­odie“ erwäh­nen, gegen­über sel­ten müde wer­den zu bekräf­ti­gen, dass sie das gar nicht ernst mei­nen, ist ihr Ver­hal­ten kaum als Scherz zu erken­nen. Das Nudel­sieb als Kopf­be­deckung ist ja auch nicht merk­lich beknack­ter als Frau­en­klei­der an einem Mann, der klas­si­sche Rol­len­bil­der pre­digt.

Man betrach­tet es in die­sen Krei­sen jetzt jeden­falls als Sieg, dass der Reli­gi­ons­frei­heit nicht etwa dadurch Genü­ge getan wer­de, dass man Reli­gi­ons­re­kla­me im öffent­li­chen Raum ganz abmon­tiert, son­dern dadurch, dass man selbst auch wel­che anbrin­gen dür­fe. Wie nennt man die­se Her­an­ge­hens­wei­se eigent­lich – Ent­sä­ku­la­ri­sie­rungs­ap­pease­ment? Wer auf­zei­gen möch­te, dass die christ­li­chen Kir­chen poli­tisch über­re­prä­sen­tiert wer­den, soll­te jeden­falls nicht selbst Über­re­prä­sen­tanz anstre­ben. (Aus ähn­li­chem Grund erwäh­nens­wert scheint mir das Vor­ge­hen der islän­di­schen Orga­ni­sa­ti­on Ásatrúar­fé­la­gið, die einer­seits die vor­christ­li­che islän­di­sche Reli­gi­on wie­der­zu­be­le­ben vor­hat, ande­rer­seits sich – dort mög­lich, hier unmög­lich – als Reli­gi­ons­ge­mein­schaft hat ein­tra­gen las­sen, so dass sie von dem doch recht christ­li­chen Kon­zept der Kir­chen­steu­er pro­fi­tie­ren kann. Säku­la­ri­sie­rung scheint bestech­lich zu sein.)

Die­ser schein­ba­re Sieg der schein­ba­ren Sati­re über die ver­meint­li­che poli­ti­sche Macht der Toten­kul­ti­sten ist inso­fern nicht mal als Pyr­rhus­sieg, son­dern eher als Kapi­tu­la­ti­on zu begrei­fen; zumal’s zu kurz gedacht scheint, denn zwar ist „dann müss­te man auch“ noch nie ein Argu­ment für oder gegen irgend­et­was gewe­sen, aber dann müss­te man auch jeder ande­ren der von mir unge­zähl­ten Reli­gio­nen und Welt­an­schau­un­gen ein eige­nes Schild gewäh­ren, sofern ihre Ver­tre­ter dar­um bäten. Man sähe zwar den Wald vor Bäu­men noch, aber Temp­lin hin­ter den Schil­dern wirk­te ver­mut­lich recht klein.

Ande­rer­seits: Immer­hin woll­ten sie kei­ne Tür­me auf­stel­len, von denen her­ab sie zum Gebet rufen. Das gäbe ein Durch­ein­an­der!

NetzfundstückePiratenpartei
Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 4. Novem­ber 2021 (Can­ce­ler-Edi­ti­on)

Soll­te end­lich jemand can­celn: Fire­fox.

Immer­hin haben sie noch die Ent­wick­ler, die sich auf die wirk­lich wich­ti­gen Din­ge ver­ste­hen. Farb­the­ra­pie und so.


Wur­de gecan­celt: Ter­ry Gil­liam.

Das Old Vic Theat­re hat eine Pro­duk­ti­on, bei der auch Ter­ry Gil­liam Regie geführt hat, abge­sagt, weil eini­ge Mit­ar­bei­ter sei­ne Ansich­ten miss­bil­li­gen.

Ande­rer­seits: Das kennt Ter­ry Gil­liam ja wahr­schein­lich schon. Aber: Ist das noch Kul­tur?


Hat noch nicht ver­stan­den, war­um sie gecan­celt wur­de: Die Pira­ten­par­tei.

Koali­ti­ons­ver­trag in Tsche­chi­en steht – Pira­ten sol­len zum ersten Mal mit­re­gie­ren!

Unge­zähl­ten deut­schen Pira­ten­ac­counts gefällt das. Als wär’s die glei­che Par­tei. Dem ist nicht so. Aber was nützt’s, sich zu ärgern?

NerdkramsIn den Nachrichten
War­um will die SPD aus Bad Hon­nef Rent­ner mit Inter­net­an­schluss ein­sper­ren?

Kur­ze Durch­sa­ge des Köl­ner Land­ge­richts (Prä­si­dent: Roland Ket­ter­le, SPD Bad Hon­nef):

Die Mut­ter eines Frei­fun­kers muss 2.000 Euro Stra­fe zah­len, obwohl sie kei­nen Com­pu­ter hat.

Die SPD sei, kol­por­tier­te die Qua­li­täts­pres­se, die­je­ni­ge Par­tei, die „eine digi­ta­le Infra­struk­tur auf ‚Welt­ni­veau‘ “ zu haben gedenkt. Wel­cher Teil der Welt ist damit eigent­lich gemeint?

In den Nachrichten
Si vis pacem, para bel­lum. (19)

Also der wesent­li­che Gedan­ke stimmt schon mal:

Die Bun­des­wehr soll­te nach Ansicht von Gene­ral­leut­nant Pfef­fer zum eige­nen Schutz bewaff­ne­te Droh­nen bekom­men. (…) Zudem beton­te Pfef­fer, wenn man die ableh­nen­den Argu­men­te um Droh­nen kon­se­quent zu Ende den­ke, müss­te man wesent­li­che Tei­le der Bewaff­nung in den Streit­kräf­ten abschaf­fen.

Ja, genau das müss­te man tun.

Im Übri­gen bin ich der Mei­nung, dass die Bun­des­wehr abge­schafft gehört.

In den NachrichtenMontagsmusik
Mag­ma – Don­dai // Aku­sti­scher Auf­fahr­un­fall

Hier könnte Ihre Werbung stehen.Es ist Mon­tag. Die Tem­pe­ra­tu­ren begin­nen jetzt – immer­hin ist’s Novem­ber – doch noch zu sin­ken. Ver­damm­te Kli­ma­er­wär­mung. (Leicht erkäl­tet geschrie­ben.) Pan­da­bär müss­te man sein. Pan­da­bä­ren haben ein dickes Fell und die­se Pro­ble­me nicht; dafür wer­den sie jede Woche für die­se Mon­tags­bei­trä­ge miss­braucht. Auch ein Pro­blem.

Kon­takt­schuld des Tages: Der Vor­sit­zen­de des Bar­clays­kon­zerns wur­de zurück­ge­tre­ten, weil einer sei­ner Geschäfts­part­ner sich Jah­re spä­ter als Straf­tä­ter her­aus­ge­stellt hat­te. Blöd für ihn, dass es kei­ne deut­sche Bank ist: In Deutsch­land wäre er jetzt desi­gnier­ter Bun­des­kanz­ler und nicht ehe­ma­li­ger Ban­ken­chef.

In Bad Kro­zin­gen habe, „berich­tet“ die „dpa“, schon wie­der ein Auto ganz allei­ne einen 19-Jäh­ri­gen ange­fah­ren, der dar­auf­hin gestor­ben sei. Hof­fent­lich ver­pflich­tet Autos bald jemand zum Füh­ren eines Hal­ters. Das ist ja brand­ge­fähr­lich sonst.

Dazu mög­li­cher­wei­se pas­send: Man kann mit aku­sti­schen Signa­len Abstands­hal­ter in Autos stö­ren. Aku­sti­sches Signal (bes­ser) jeden­falls: Musik.

Mag­ma „Don­dai (To the eter­nal love)“

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Daugh­ters – You Won’t Get What You Want

Daughters - You Won't Get What You WantLan­ge nichts mehr über Musik geschrie­ben.

Daugh­ters – der Name sagt’s schon – ist ein Her­ren­quar­tett aus den Ver­ei­nig­ten Staa­ten, das vor unge­fähr drei Jah­ren sein vier­tes Stu­dio­al­bum „You Won’t Get What You Want“ (Amazon.de, TIDAL) raus­ge­bracht hat. Wie immer habe ich kei­ne Ahnung, was das für ein gen­re sein soll, und wür­de daher zunächst die Post­punk­kar­te zücken, wenn­gleich der mit­un­ter domi­nant stamp­fen­de Rhyth­mus („Satan in the Wait“) vor dem geneig­ten Hörer den Indu­stri­al nicht zu ver­stecken imstan­de ist; im sel­ben Stück ist ins­be­son­de­re in der zwei­ten Hälf­te auch Pink Floyds „Echo­es“ nicht fern. Indu­stri­al Psy­che­de­lic Post Punk. Schön.

Laut Inter­net stellt „You Won’t Get What You Want“ eine Abkehr vom bis­he­ri­gen Stil der Band dar, was inso­fern hier zumin­dest erwähnt wer­den soll­te, weil ich zuvor mit dem Werk von Daugh­ters kei­ner­lei Begeg­nung gehabt zu haben behaup­ten könn­te. Das ist eigent­lich auch ganz gut, unvor­ein­ge­nom­me­ner Umgang mit der Musik einer Band hilft sehr bei der jewei­li­gen Beur­tei­lung. (Viel­leicht ist das der Grund für den Titel des Albums?) Das neue Album der Die Ärz­te habe ich aus einem ähn­li­chen Grund zwar bereits im Regal ste­hen, aber noch nicht mal rein­ge­hört; ich kenn’s ja eigent­lich schon alles.

Was „You Won’t Get What You Want“ für einen Freund der schrä­gen Töne – d.h.: mich – über­dies beson­ders inter­es­sant macht, ist eben die­se sti­li­sti­sche Zer­ris­sen­heit, die es mit­un­ter schei­nen lässt, als stol­per­te man durch ein Stück, statt es grad­li­nig zu durch­schrei­ten („The Flamma­ble Man“).

The Flamma­ble Man

Selbst der Raus­schmei­ßer (also: das letz­te Stück) „Guest Hou­se“ lässt bis zum orche­stra­len out­ro, das somit auch das Album been­det, in sei­ner ver­stö­ren­den Über­dreht­heit kei­nen Zwei­fel dar­an, dass ein sol­ches Durch­ein­an­der zum Kern der Musik gehört. Der­lei tun Daugh­ters aber nicht, weil sie nicht anders könn­ten; spä­te­re, wie­der­um post­punk­na­he Stücke wie „Less Sex“ sind in ihrer Kom­bi­na­ti­on aus Melan­cho­lie, Ein­gän­gig­keit und einem Video mit Schlan­gen und einer nack­ten Frau Bele­ge dafür, dass der „Rol­ling Stone“ mit sei­ner Kate­go­ri­sie­rung „Noi­se-Metal-Crew“ ein doch all­zu pau­scha­les Urteil gefällt hat­te.

Mich ärgert, dass ich Daugh­ters – laut über­ein­stim­men­den Medi­en­be­rich­ten nun wirk­lich kein Geheim­tipp – bis­lang nicht wahr­ge­nom­men hat­te. Gru­se­lig irgend­wie. Passt zum Tag.

NetzfundstückeIn den Nachrichten
Lie­gen­ge­blie­be­nes vom 29. Okto­ber 2021

„Tages­schau“:

„Wir wer­den heu­te als Social-Media-Unter­neh­men gese­hen, aber im Kern sind wir ein Unter­neh­men, das Men­schen ver­bin­det“, sag­te Zucker­berg.

Völ­lig fol­ge­rich­tig nennt sich Face­book daher jetzt Tele­kom Mull­bin­den GmbH Fes­sel­freun­de „Meta“. Das ist ziem­lich, naja, meta, also auf der Meta­ebe­ne. Wenn ihr mich fragt: Ich trau‘ auch einem umbe­nann­ten Face­book kei­nen Meta weit. So viel Metan könnt‘ ich gar nicht ein­at­men. – Ist ja gut. Ich hör‘ schon auf. Auf die Nach­richt muss ich eh‘ erst mal etwas Meta hören. Death Meta. Oder Doom Meta. Und dazu ein Glas Meta­xa.


„Wir sind der Osten“ – bemer­kens­wer­ter Name auch – jam­mert auf Twit­ter, die Koali­ti­ons­ver­hand­lun­gen betref­fend:

Wie vie­le Ost­deut­sche sit­zen an den Ver­hand­lungs­ti­schen? Wir haben nach­ge­zählt – und fin­den: da geht noch was!

Stimmt; über drei­ßig Jah­re nach der Aneig­nung der ost­deut­schen Wirt­schafts­gü­ter durch den Westen könn­te man tat­säch­lich ein­mal dar­über nach­den­ken, ob es nicht inter­es­san­te­re Gegen­sät­ze in bun­des­deut­schen Par­la­men­ten gibt als aus­ge­rech­net „den Westen“ und „den Osten“. War­um nicht mal „den Nor­den“ und „den Süden“?


Die SPD, dem­nächst noch mal ein paar Jah­re lang in der Bun­des­re­gie­rung, möch­te, bevor es zu spät ist, zula­sten ihrer Wäh­ler schon wie­der mehr Daten spei­chern las­sen. Die „neue Koali­ti­on“ wer­de etwas „anders“ machen, wird postu­liert. Ich bin schon total gespannt dar­auf, was die SPD, die sich für eine umfas­sen­de­re Vor­rats­da­ten­spei­che­rung ein­setzt, wohl gegen eine umfas­sen­de­re Vor­rats­da­ten­spei­che­rung tun wird, sobald sie mal nicht mehr nur regiert, son­dern auch… äh, regiert.


Näch­ste Woche wird die erste offi­zi­el­le Ver­si­on von Unix 50 Jah­re alt. In sozia­len Medi­en wird des­sen Erfolg als Beleg für das ver­meint­lich gute Soft­ware­de­sign des Ent­wick­ler­teams miss­ver­stan­den, obwohl vie­les in Unix doch vor allem dem Umstand geschul­det war, dass eine PDP‑7 eben nicht über all­zu vie­le freie Res­sour­cen ver­füg­te, so dass Mul­ti­cs, die tech­nisch über­le­ge­ne Vor­la­ge von Unix, nicht nur aus lizenz­recht­li­chen, son­dern auch aus rein prak­ti­schen Grün­den nicht ein­fach noch mal neu imple­men­tiert wer­den konn­te.

Das sind sicher­lich Pro­ble­me, die in einer Zeit, in der Text­edi­to­ren, die bereits beim ersten Start meh­re­re hun­dert Mega­byte Arbeits­spei­cher bele­gen, trotz­dem uniro­nisch als effi­zi­en­te Soft­ware bezeich­net wer­den, kaum mehr auf­fal­len, wes­halb sich auch gestan­de­ne Infor­ma­ti­ker inzwi­schen nicht blöd dabei vor­kom­men, allen Ern­stes als Kri­tik­punkt an FTP (dem Pro­to­koll) anzu­brin­gen, dass es schlecht sei, weil es mit wenig Res­sour­cen aus­kom­men muss­te.

Die erschrecken­de Ent­wick­lung der Qua­li­tät zeit­ge­nös­si­scher Desk­top­an­wen­dun­gen über­rascht mich wenig, wenn es als Nach­teil gilt, dass eine Tech­nik sich jahr­zehn­te­lang mit gerin­gen Anfor­de­run­gen an die Hard­ware begnügt.

In den Nachrichten
Gott Dop­pel­punkt In.

Ver­steh‘ ich nicht:

Die Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on „Katho­li­sche jun­ge Gemein­de“ (KjG) prüft, ob sie das Wort Gott in Zukunft nur noch mit Gen­der­stern­chen benutzt. (…) Dem­nach sei die KjG „auf der Suche nach Got­tes­be­zeich­nun­gen, die mehr umfas­sen als die männ­lich wei­ße Vor­stel­lung von Gott“.

Aber weder Mor­gan Free­man noch Ala­nis Moris­set­te ist doch ein wei­ßer Mann?

PolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
Zu grün für die Grü­nen // Kapei­ken – Herz­schlag

Ah, endlich wieder angemessene Gammawerte beim Aufstehen.Es ist Mon­tag. Das Inter­net fach­ver­sim­pelt seit Tagen den ver­brann­ten Begriff „Anti­fa“ und will die Gren­ze nicht mehr zwi­schen „Lin­ken“ und „Sozi­al­fa­schi­sten“, son­dern zwi­schen „Lin­ken“ und „ech­ten Lin­ken“ zie­hen. Das Inter­net lang­weilt mich ganz fürch­ter­lich. Obwohl: Hier – Pan­da­bä­ren!

Ver­schwö­rungs­theo­re­ti­ker, frü­her nann­te man sie noch Dys­to­pi­sten und sie hat­ten des Öfte­ren mal Recht, auf­ge­merkt: Völ­lig über­ra­schend hat sich nach der von Kli­ma­ak­ti­vi­sten befeu­er­ten Wahl der Angriffs­kriegs- und Hartz-IV-Par­tei­en „SPD“ und „Grü­ne“ in eine mög­li­che neue Bun­des­re­gie­rung her­aus­ge­stellt, dass bei­de Par­tei­en gar nicht so extinc­tion­re­bel­lisch drauf sind, son­dern in Kli­ma- und Wirt­schafts­fra­gen eher zurück­hal­tend reform­wil­lig sind. Völ­lig fol­ge­rich­tig demon­strie­ren ihre Wahl­kämp­fer jetzt, da die Wahl ent­schie­den ist, doch lie­ber wie­der gegen als für sie. Für Kata­stro­phen­tou­ri­sten inter­es­san­te Fra­ge: Ist das eigent­lich ähn­lich den bizar­ren Demon­stra­tio­nen in Thü­rin­gen, im Ver­lauf derer die künf­ti­gen Koali­ti­ons­part­ner der FDP irgend­was von einer „AFDP“ kol­por­tiert haben? (Ande­rer­seits: In Braun­schweig arbei­ten künf­tig Volt, das mona­te­lang in maß­ge­schnei­der­ten Pla­kat­kam­pa­gnen mit Wahl­kampf­sprü­chen wie „Volt ihr das wirk­lich?“ von der PARTEI ange­grif­fen wor­den war, und Die PARTEI in einer gemein­sa­men Rats­grup­pe zusam­men. Wel­cher ICD-10-Code ist das jetzt wie­der?)

Die Fra­ge, wie hoch die von allen Ampel­par­tei­en vor der Wahl ver­spro­che­ne Steu­er­ent­la­stung für Nor­mal­ver­die­ner wohl aus­fal­len wird, betrach­te ich übri­gens inzwi­schen als beant­wor­tet: 0 Euro natür­lich.

The­men­sprung: Ed Zitron, frü­her Jour­na­list, heu­te irgend­was mit Medi­en, hat letz­te Woche einen lesens­wer­ten Text (eng­lisch­spra­chig) raus­ge­hau­en, in dem er beschreibt, war­um Men­schen, die sich im Inter­net noch nicht all­zu sicher bewe­gen, nicht bloß ein Trai­ning in Medi­en-, son­dern auch in Men­schen­kom­pe­tenz brau­chen: „Das Inter­net ist ein stän­di­ger Test des kri­ti­schen Den­kens und der emo­tio­na­len Zurück­hal­tung, der sich jedes Mal ver­schärft, wenn die eige­ne Gefolg­schaft oder der Kon­takt zu ande­ren Men­schen zunimmt“; das könn­te man sich eigent­lich mal auf ein T‑Shirt drucken las­sen. – Ande­rer­seits gilt es 2021 schon als Mehr­wert, wenn man einen für einen nahe­zu vier­stel­li­gen Betrag gekauf­ten Com­pu­ter nicht admi­ni­strie­ren darf, weil das ja sonst gefähr­lich wäre. Ich pro­pa­gie­re seit Jah­ren eine phy­si­sche Tren­nung zwi­schen dem Inter­net der Kon­su­men­ten (die sol­len gern den gan­zen Tag auf ihrem däm­li­chen Tablet Bil­der und Vide­os angucken) und dem Inter­net der Schöp­fer (wir sind die mit der Tasta­tur und der ver­nünf­ti­gen Infra­struk­tur). Die Zeit scheint zu drän­gen.

Immer Zeit muss aber blei­ben für: Musik.

Kapei­ken Herz­schlag

Guten Mor­gen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Agi­ta­ti­on Free – Malesch

Agitation Free - MaleschLan­ge nichts mehr über Musik geschrie­ben.

Vor allem nicht über ver­gleichs­wei­se alte Musik aus Deutsch­land; Abhil­fe folgt: 1972, der „Kraut­rock“ stand in vol­ler Blü­te, ent­schlos­sen sich die fünf Musi­ker von Agi­ta­ti­on Free, einer unter ande­rem Namen ursprüng­lich 1966 gegrün­de­ten Grup­pe mit – wie der Name schon andeu­tet – Kom­mu­nar­den­hin­ter­grund, die sich zu die­sem Zeit­punkt bereits mehr­fach umbe­setzt hat­te, dazu, ihre auf Kon­zer­ten ins­be­son­de­re in Ägyp­ten gewon­ne­nen Ein­drücke von der Welt­mu­sik – fürch­ter­li­che Bezeich­nung auch – gemein­sam mit zwei Gast­mu­si­kern auf ihrem noch zu pro­du­zie­ren­den Debüt­al­bum abzu­bil­den. Es bekam den Namen „Malesch“ (Amazon.de, TIDAL), was eine immer­hin hin­rei­chend ange­mes­se­ne Tran­skrip­ti­on von „معليش“ (das ist, wie die Tran­skrip­ti­on, auch auf dem Titel­bild zu lesen) ist, das unge­fähr „Viel Glück!“ bedeu­tet (Quel­le: Inter­net). Kei­ne Ahnung, was die­ser Name jetzt wie­der soll.

Ent­hal­ten ist das, was man­cher Leser die­ses Unpe­ri­odi­kums als „Kif­fer­mu­sik“ zu umschrei­ben pflegt, obwohl ich Kif­fen ableh­ne, die­ser Art von Beschal­lung jedoch recht zuge­tan bin: Psy­che­de­li­sche Rock­mu­sik fast ohne jeg­li­chen Text, dafür mit trance­för­dern­den Rhyth­men, zwei­fel­los nicht ganz ohne Ein­fluss ori­en­ta­li­scher Schla­ger (d.h. dor­ti­ger Musik­tra­di­tio­nen).

Malesch

Am Schluss des Albums, Bonus­stücke spä­te­rer Auf­la­gen aus­ge­nom­men, steht ein Zwei­mi­nü­ter namens „Rück­sturz“, der abrupt endet. Laten­te Dro­gen­re­fe­ren­zen lie­ßen sich 1972 – eini­ge der musi­ka­li­schen Weg­ge­fähr­ten lie­ßen sich zur glei­chen Zeit von Rolf-Ulrich Kai­ser zwangs­be­ne­beln – kaum ver­mei­den, die Absti­nen­ten unter den­je­ni­gen Künst­lern, die man auch heu­te noch kennt, dürf­ten leicht zu zäh­len sein; „Rück­sturz“ ist zumin­dest auf „Malesch“ aber die ein­zi­ge wirk­lich offen­sicht­li­che Anspie­lung auf einen trip bezie­hungs­wei­se des­sen Ende.

Macht ja nichts. Ist trotz­dem ganz gut gewor­den.

PolitikIn den Nachrichten
Si vis pacem, para bel­lum. (18)

Kur­ze Durch­sa­ge von Anne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er (CDU):

Die NATO wer­de auf ihrem Tref­fen am Frei­tag [i.e. gestern, A.d.V.] ihre „Defence-Pla­nun­gen wei­ter vor­an­trei­ben“, weil Russ­land für die NATO eine „gro­ße Her­aus­for­de­rung“ gewor­den sei.

Und zwar soll die defen­se (das ist Eng­lisch und heißt anschei­nend unge­fähr „Aggres­si­on“) wie folgt aus­se­hen:

„Wir müs­sen Russ­land gegen­über sehr deut­lich machen, dass wir (…) bereit sind, eben auch sol­che Mit­tel (wie Atom­waf­fen) ein­zu­set­zen (…). Das ist der Kern­ge­dan­ke der NATO.“

Und genau das befürch­te ich tat­säch­lich auch.

Im Übri­gen bin ich der Mei­nung, dass die Bun­des­wehr abge­schafft gehört.