Heute mal zynisch, Deutsche Bahn AG?
Da gucke ich mal wieder arglos einem Geschwist beim Fernsehen zu, und es läuft, immerhin ohne sichtbares Fernsehbild, der ekelhafte Kaugummisender Viva. Gerade ist die Bloodhound Gang mit ihrem Titel „Foxtrot Uniform Charlie Kilo“ zu hören, und nachdem es ausgeklungen war, entnahm ich dem Wortschwall des vor sich hinbrabbelnden moderaten Tors Moderators ungefähr dies:
… wenn man die Anfangsbuchstaben von „Foxtrot Uniform Charlie Kilo“ nebeneinander stellt, fällt einem auf: „Oh, das heißt ja ‚Fuck‘!“, aber da wir ja hier in der großen Deutschstunde sind, heißt das „Ficken“ …
Jetzt sind wir alle sicher sehr überrascht; zum Einen darüber, dass es tatsächlich noch Flitzpiepen gibt, die den allzu offensichtlichen derben Buchstabenscherz des Liedes nicht schon beim ersten Lesen verstanden haben, trompetete er doch seit Jahren aus sämtlichen entsprechenden Medien inkl. der grausigen BRAVO, vor allem aber über den zweiten Teil des Satzes. Eine „große Deutschstunde“ ist im deutschen Fernsehen sicherlich nicht verkehrt, aber ich zweifle noch daran, ob ausgerechnet Viva der richtige Sender für derlei Unternehmungen ist (und ob „ficken“ unbedingt gutes Deutsch ist). Eine Momentaufnahme des Viva-Internetauftrittes:
Das gibt after school einen Eintrag ins Klassenbuch, fürchte ich.
Au, weia.
CDs, von denen ich als Musikfreund grundsätzlich die Finger lasse, kommen meist als „Box“ (zu Deutsch also als Kiste) daher, sind mit dem Konterfei des/der jeweiligen Interpreten verziert bzw., je nach Aussehen, verunstaltet und tragen Namen wie „Greatest hits“, „Best of“, „The best of“, „The very best of“ oder auch „Das Beste von“ und „Die größten Erfolge“. Auch recht beliebt bei denen, die sich in ihrem Hirnkasten Namen für diese willkürlichen Kompilationen ausdenken, sind „ultimative“, also finale, Liedsammlungen, denen dann aber leider immer noch etwas folgt. (Immerhin habe ich bislang noch keine „very ultimate collection of…“ gesehen.)
All diesen Namen gemein ist die inflationäre Verwendung von Superlativen, die insbesondere dann, wenn es mehrere verschiedene derartige Kompilationen eines einzigen Interpreten, wie etwa im Fall von Bob Dylan, gibt, ihren Zweck gänzlich verfehlt und mitunter gar lächerlich wirkt, sprachliche Finessen wie die Tatsache, dass „das Allerbeste“ (the very best), logisch gesehen, immer eine Teilmenge des „Besten“ (the best) sein muss und ein entsprechend benannter Tonträger ersterer Gattung nicht völlig andere oder noch mehr Titel enthalten sollte als sein großer Bruder, einmal gänzlich ignoriert. Warum ist zum Beispiel das Lied „Positively 4th street“ zwar enthalten in der Liste der allerbesten, nicht aber in der der besten oder anderen besten Lieder des Herrn Dylan?
„Natürlich“, werden nun die Käufer jener Tonträger erwidern, „ist die Auswahl der persönlichen Lieblingslieder stets eine subjektive, und wenn drei Leute eine Liste der ‚besten Lieder‘ eines Interpreten zusammenstellen, resultiert dies in drei verschiedenen Listen“; dann sollen diese Leute aber auch bitte davon absehen, dieser Auswahl ein nicht haltbares Superlativ als Attribut aufzudrücken. De facto ist die einzig vollständige und garantiert jeden Konsumenten zufrieden stellende Liste der „besten Lieder“, konsequent fortgeführt, letztendlich das Gesamtwerk eines Künstlers. Wer die Musik eines Interpreten mag, der wird entweder über die Jahre nach und nach die von ihm bevorzugten Alben vollständig erwerben oder eben nicht; aber dann wird er auch keinerlei Interesse an offenbar per Würfel zusammengestellten, nur selten in Zusammenhang stehenden Einzelstücken von diesen Alben haben.
Kompilation, so heißt’s in der Wikipedia, stamme aus dem Lateinischen, genauer von dem Substantiv „compilatio“, das unter anderem „Plünderung“ bedeutet; und das sagt ja eigentlich auch schon wieder alles.
Zitat des Tages zum in Bau befindlichen Freedom Tower in ausgerechnet den USA:
Als am 11. September 2001 das world trade center in New York einstürzte, da wurde in etlichen weniger beachteten Räumen, die sonst stets im Schatten des himmelhohen Wahnturmes aus Geld und Lüge lagen, überraschend die herrliche Sonne wiedergesehen.
Der aus Beton auf die Leichen gegossene freedom tower wird die alten Verhältnisse schon wiederherstellen.
Wie wahr.
Microsoft (Fa.)!
Es ist ja nett, dass eure Installationen in den letzten Jahren deutlich aussagefreundlicher geworden sind; aber …
… wenn „alle benötigten Informationen“, welche immer dies sein mögen, erfolgreich vorliegen, ist es für den Anwender doch eher unvorteilhaft, wenn der nächste Schritt damit beginnt, dass erst einmal „zusätzliche Informationen“ gesammelt werden müssen, was auch nicht eben eine Sache von wenigen Sekunden ist.
Zurück ans Reißbrett bitte.
Gegeben sei ein nichtdeterministischer endlicher Automat:

Hab ich selber mir ausgedacht.
– Max Goldt: Deine Reime sind Schweine
Welt.de berichtet übrigens bezüglich des Nichtkrieges in Afghanistan:
Merkel nimmt an Trauerfeier für Gefallene teil
Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wird an der Trauerfeier für die drei am Karfreitag in Kundus getöteten Soldaten der Bundeswehr teilnehmen.
Kennt eigentlich, abgesehen von Welt.de, irgendjemand den Unterschied zwischen „fallen“ und „sterben“?
Bitte erst selbst überlegen, bevor zum Beispiel hier die Lösung erforscht wird.
Webseitensperren, so heißt es immer wieder, sollen „nur dann“ im „Kampf gegen Kinderpornografie“ verwendet werden, wenn ein Löschen nicht ohne größeren Aufwand umzusetzen wäre, wie auch immer man diesen Aufwand definiert.
Nun hat sich ein dänischer Zugangsanbieter einmal analytisch mit der ihm aufgetragenen Sperrliste befasst und das Ergebnis publiziert:
Abgesehen davon, dass fast die Hälfte der Websites offline ist, kommt das Zeug zu über 97% aus den USA, Westeuropa und Kanada.
Elf Webseiten kommen aus Deutschland. Sollte auf diesen tatsächlich Darstellungen sexuellen Missbrauchs von Kindern befinden, muss man sich schon fragen warum die deutschen Ermittlungsbehörden das dulden. Denn angeblich stehen sie ja in der Zwischenzeit in gutem Kontakt mit den Dänen. Wenn dort andere Inhalte zu finden sind, muss man sich fragen, warum diese auf der Sperrliste stehen …
(Weil man sich ja dieser Tage ohnehin fragt, welches Süppchen uns als nächstes kredenzt wird, und darob die Reste vom Vortag vergisst, und weil man den Vortag dann eigentlich auch lieber vergessen würde, aber er sich jedes Mal aufdringlich ins Blickfeld schiebt, als wüsste er nicht genau, dass man satt ist und ihn satt hat. Die Vögel brüllen eine liebliche Ode dazu.)
Liebe bedeutet, sich im Angesicht des Anderen wohlig, sicher zu fühlen. Liebe ist das Gemeinsame, nicht das Individuelle. Individuelle Liebe ist Selbstliebe. Liebe ist vor allem aber auch blind, taub und naiv. Wer liebt, kann und wird verlieren, unvermeidlich und nur unter Selbstaufgabe aufschiebbar. Liebe ist die Bereitschaft, sich selbst überzeugend zu belügen.
(Hierzu zwei Erlebnisse: Unterhält sich doch heute im ÖPNV ein kreischstimmiges Frollein mit einem anderen kreischstimmigen Frollein und erzählt eine Begebenheit aus dem offenbar näheren gemeinsamen Bekanntenkreis; sieso, einen ihn nachäffend: „ ‚Oah, ja, ich vermisse sie voll und so‘, und weißte, wie oft er sie angerufen hat? Nicht einmal, weißte? Tolle Liebe!“ – Liebe wird, scheint’s, mitunter in Worten gemessen.
Meint doch gestern im IRC ein allzu selbstbewusstes gleichfalls Frollein zu mir, es sei geradezu unmännlich, auf den Austausch jedwelcher Körpersekrete, rational betrachtet, verzichten zu können; zumal selbst ich, ließe sie es darauf ankommen, nur allzu willig würde. Männer seien nun einmal bekannt dafür, von der bloßen Gegenwart betonter weiblicher Körperformen in ihrer Rationalität ausreichend eingeschränkt zu werden und umgehend zu lieben zu beginnen; „sich lieben“ habe nicht grundlos verschiedene Bedeutungsebenen, und wer jemanden wahrhaft liebe, suche quasi unvermeidlich auch die körperliche Annäherung. – Das Selbstverständnis mancherlei moderner Frau lässt mich erschaudern.)
Was weißt denn du von Liebe?
Von Liebe weißt du nichts.
– Fettes Brot: Emanuela
Endlich mal ein handfester Grund auch für iPad-Besitzer, es für ein schlecht konstruiertes, überflüssiges Gerät zu halten: Ihr teuer erworbenes Spielzeug hält nicht nur keine Schläge aus, es hat sich auch als recht wetterfühlig erwiesen.
Apple hat das iPad für Betriebstemperaturen zwischen 0 und 35 Grad Celsius ausgelegt – darunter und darüber garantiert der Hersteller keinen ordentlichen Betrieb. Als ideal beschreibt Apple eine Raumtemperatur von 22 Grad. Gleiches gilt laut Apples Supportwebseiten auch für iPods und iPhones. Das iPhone schaltet sich ab dem Modell 3G bei Überhitzung ebenfalls ab, was allerdings eher selten zu beobachten sein dürfte.
Dass vom iPad schon im Frühling von Überhitzung zu lesen ist, lässt vermuten, dass die Abwärme insbesondere der CPU und das Aufheizen des Gehäuses schneller als erwartet zum Problem werden. Apple rät, das iPad möglichst vom warmen Sonnenlicht fernzuhalten und es auch nicht im aufgeheizten Auto zu nutzen – vor allem weil die Akkuleistung darunter nachhaltig leiden kann.
„Wie, du hast noch kein iPad?“ – Selbst schuld, wer diese Frage stellt.
Sehr schön ist übrigens auch der heutige heutige Titanic-Startseitenbildwitz. Da bewaffneter Konflikt ich doch tatsächlich einen kurzzeitig belustigten Gesichtsausdruck, der dann allerdings aus alten Gründen auch schnell wieder verflog. Ach, die Menschlichkeit.
Passend zu Didis Überlegungen zu Unterzahlen und Überzahlen und zur Abwechslung von den reflexiv-grüblerischen Selbstzweifeln der letzten Tage mal wieder was zum Krieg kriegsähnlichen Zustand:
Es wurde ein Video (auch via eMule) veröffentlicht, das zeigt, wie sich die demokratisch legitimierten Befreiungstruppen im Irak benahmen resp. benehmen und wie egal ihnen „versehentlich“ getötete Zivilisten wie Journalisten und Kinder sind. Mitschriften der Dialoge gibt’s auch auf Deutsch.
Fefe fasst zusammen:
… man sieht darauf wohl, wie sie Zivilisten plattmachen, obwohl sie wissen, dass da eine TV-Crew dabei ist, dann komt ein Van mit Zivilisten, die Menschenleben retten wollen, und wo auch noch Kinder an Bord sind, und den zerschießen sie auch noch. Am Ende gibt es noch einen herzhaften Lacher, als die Soldaten merken, dass sie über eine Leiche drübergefahren sind.
Kann ja mal passieren.
Es wäre auch zu schön gewesen, hätte die Geschichte mit der Froschleiche kein Nachspiel gehabt.
Das Leben mit all seinen komplizierten Zusammenhängen ist nicht immer ein faires, und Übereinkünfte bedeuten nicht immer Einigkeit. Dies vorausgesetzt erfüllt es, wenn ein gemütliches Beisammensein, forciert durch die berauschende Wirkung des Alkohols, dazu führt, dass man sich näher kommt, ohne sich im Voraus der möglichen Folgen bewusst gewesen zu sein, und nach einem Tag der Ungewissheit mit Vorwürfen konfrontiert wird, gar die Schuld trägt am gemeinsamen Ungewissen und der falschen Zweisamkeit zum womöglich immerhin richtigen Zeitpunkt, und überdies zunächst von einem unverhofften Dritten, der sich als neuer (frischer, unverbrauchter) Lebensabschnittswegbegleiter der doch eigentlich zumindest und aber immerhin vermeintlich noch gut befreundeten Person gemeinsamen Interesses zu erkennen gibt, über diese Unwägbarkeiten informiert wird, noch bevor die Dimension des Vergangenen von dann allerdings doch letzterer schriftlich verdeutlicht und subjektiv (somit unvermeidlich einseitig) überzeichnet erläutert und mit Verwünschungen und Ausdrücken der Reue für etwas versehen wird, was dann ja eigentlich keine Missetat, vielmehr ein beiderseitiges Ungeschick war, dann insgesamt auch nicht die Voraussetzungen für den sprichwörtlichen Funken Hoffnung in den gleichfalls sprichwörtlichen schlimmsten Albträumen bzw. dann eben auch nur Befürchtungen gleicher Beschaffenheit, sondern bildet die Kulisse für die Symphonie der Zerstörung, die nun bekannt harmonischen Menschen wie dem Schreiber dieses Textes hier wahrlich nicht zur Erheiterung beitragen, hingegen sehr wohl zu dem, was der oft zitierte Volksmund mitunter als Depression bezeichnet, aber sich eher in zeitweiser Niedergeschlagenheit als in dauerhaften psychischen Schäden manifestiert.
Damit ich irgendwann sagen kann: Jeder liebt ein Regengedicht, weil wir oben auf sind und trocken hinter den Ohren und wissen, was es heißt, zu zweit zu sein, ganz ohne den Schatten eines allerletzten Tages, denn wir wissen, was es heißt, zu zweit zu sein; und zum Glück fällst du mir nicht mehr ein, wenn ich hier kotze vor Scheißglücklichsein. Und die Frage heißt immer nur leben mit dir im Jetzt oder nie, und ich werde der erste sein – bestimmt werde ich der erste sein! -, der dich kennt. Meine Angst, dass sich alles jetzt ändert, schlägt meinen Tag tot. Gar nichts mehr bleibt. Das, was wir hier suchen, ist vielleicht das, was wir schon haben und gar nicht wollen. Das, was wir hier suchen, ist vielleicht auch gar nicht da.
- The Hirsch Effekt: Epistel / Calmo
Nachmittags mit einer vermuteten Froschleiche im Hals und ansonsten immerhin leichtem Unwohlsein in einem furchtbar eindeutig riechenden Zimmer aufwachen und erleichtert feststellen, dass, ebenfalls immerhin, keine dauerhaften Gäste zurückgeblieben sind, die man bewirten müsste und mit denen ein Gespräch über die vergangenen Stunden, worauf in mancherlei Situation jeglicher Kommunikationsversuch leider bzw. zum Glück hinauszulaufen pflegt, keine uneingeschränkt erfreulichen Resultate zutage förderte, ist natürlich auch etwas, was man ab und zu mal erleben sollte.
Apropos erfolgreiche Abende bzw. so ist das in Hannover:
- Ich – Sorry, aber ich muss weg. Von Euch Gestalten bekomme ich Kopfschmerzen. Das ist echt zum Schreien.
- Sie – Wie geil! F_ckst Du mich im Kopf [sic]. Ich lutsch Dir ab [sic]. Schmerz im Kopf vom _ick sind sooo geil [sic]. Ich schreie auch, nur für Dich. Ich rieche: Spe_ma schmeckst Du gut [sic]. Bist Du lecker im Sack [sic]. Geil! Isst Du gesund?
- Ich – (Wortloser Abgang)
Mehr gibt’s, suchmaschinenfreundlich unzensiert, bei Frontbumpersticker.
Die Fantastischen Vier: „Ewig“.
Gefälligst käuflich zu erwerbendes Album: „Viel“.
Danke.
Wie lange ist das jetzt her? War das ein anderes Leben?
Denn ich weiß nichts mehr von dir außer was wir erlebten.
Hab keine Ahnung, was du machst oder wo du jetzt bist,
weiß nicht, wen du vermisst, und war das jemals ich?
Hab noch irgendwo ’ne Nummer, doch was hilft mir die schon?
Das mit uns beiden war noch leider vorm Mobiltelefon;
und selbst, wär’s noch die gleiche, ich glaub, ich würd es nie wagen,
denn wenn ich dich erreiche, was soll ich dir denn sagen?Dachte ehrlich, das mit uns hätt sich schon ewig erledigt,
doch jetzt denk ich mehr denn je an dich zurück und versteh nicht:
War es ein wenig zu viel, oder war’s nur viel zu wenig?
Sag mal, geht das nur mir so oder geht es dir ähnlich?
Ach.
Da man mich nun schon mehrfach darüber informierte und Fefe es noch nicht gebloggt hat, tu ich’s jetzt:
Sowohl grundig.de als auch blaupunkt.de scheinen gerade einige kleinere Problemchen zu haben; letztere immerhin nur ohne WWW-Präfix:
Bei grundig.de sieht’s nach einem etwas ernsthafteren Hack als nach einem Versehen aus. Einen Direktlink zu der Seite setze ich bewusst nicht, da man nie so genau weiß, ob da Schadsoftware lauert; jedenfalls: Dieser Tage steht, wenn ich als Nicht-CCC-Mitglied richtig informiert bin, das rituelle Osterhacken („Easterhacks“ – ein grandioses Wortspiel eigentlich) an. Es sollte mich nicht wundern, wenn das miteinander zu tun hat, vor allem, da es in letzter Zeit recht still war, was das Eindringen in deutschsprachige Netzpräsenzen betrifft.
(Heute ist, wie ich gerade noch rechtzeitig erfahren habe, Karfreitag – will heißen: Heute ist für alle gläubigen Christen Spaßverbot. Das respektiere ich natürlich und sehe daher davon ab, lustige Dinge zu formulieren. Nett von mir, nicht wahr?)
Lied zum Wochenende in eigener Sache:
Die Toten Hosen – Depression Deluxe
Es ist furchtbar.
Die CDU/CSU hat bekannt gegeben, wen sie in die Reihe der Sachverständigen aufgenommen hat, die künftig so tun sollen, als hätten sie Ahnung von digitaler Kommunikation. Wie üblich ließen die Ankündigungen auf einiges hoffen:
Wir sind uns über das Ziel einig, aber bei der Wahl der wirkungsvollsten Instrumente wollen und müssen wir das Wissen der Netzgemeinde nutzen. Das gilt auch für andere Bereiche wie etwa Medienkompetenz und Leistungsschutzrechte.
Wer aber ernsthaft der Meinung war, mit „Netzgemeinde“ meine die Fraktion ihre Kritiker, die seit Jahren darauf hinweisen, dass ein wenig Expertenwissen der Diskussion sicherlich nicht schaden würde, war schön blöd. Kein Vertreter der netizens (also immerhin auch kein Sascha Lobo) ist aufgeführt, hingegen Menschen eines ganz anderen Schlages:
Professor Dieter Gorny ist Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Musikindustrie e. V.
Dieter Gorny, ich erwähnte es bereits, ist der fröhlich dahinplappernde Mann, der die Grauen, die die deutsche Hitparade beherrschen, mit Angebot und Nachfrage begründet und im Zweifelsfall auch kein Problem damit hätte, Leuten, die ihm und seinesgleichen nicht in den Kram passen, das Internet abzudrehen. Und die übrigen Mitglieder der Kommission sind auch nicht besser: Vertreter von „Jugendschutz“, BITKOM und ähnlichen Interessensverbänden, die sogar schon mal einen Computer gesehen haben dürften, dürfen sich berufen fühlen.
Was genau erwartet die CDU/CSU eigentlich von dieser Enquête-Kommission? Offenbar jedenfalls keine kritischen Meinungen oder gar fundiertes Wissen über das, was „die Netzgemeinde“ von ihr erwartet.
Und wer dachte, noch ekliger könne es nicht mehr werden, hat diesen Satz noch nicht gelesen:
Für uns ist der Bürger der 18. Sachverständige unserer Enquete-Kommission.
So ist das, wenn man als 18. Sachverständiger irgendwo sitzt und die anderen 17 sich einig sind, genau das Gegenteil sei richtig. Aber nett, dass die Existenz von Bürgern überhaupt noch zur Kenntnis genommen wird.
Ich bin gerade einigermaßen ungehalten.
So, 1. April is‘. Den jeweiligen Aprilscherz in den einschlägigen Wochenzeitschriften (inkl. der c’t) haben meine geschätzten Leser sicherlich schon zur Kenntnis genommen und, je nach Gusto, für amüsant befunden. Und im Laufe des Tages werden auch die üblichen Webseiten wieder zu den gewohnt witzigen Ideen der letzten Jahre greifen, darunter der Dauerbrenner „Wir schalten unsere Dienste für immer ab“ und das auch recht beliebte CSS-Spielchen „Willkommen zu unserem neuen Ekeldesign“, und die Nachrichtenseiten werden wieder über irgendwelchen Unsinn berichten. Jedes Jahr bin ich wieder gewillt, selbst – blöde Witze kenne ich wahrlich in nicht geringer Zahl! – mein Scherflein zu der allgemeinen Blöde-Witze-Stimmung beizutragen, allein fehlt’s mir an Motivation; und es wäre ohnehin alles schon mal da gewesen.
Wenngleich dieser Scherz zwar Nerven raubend, aber mir durchaus noch neu war:
Pünktlich um 01:00 Uhr GMT+1 fing der in den meisten Chatkanälen im Quakenet anwesende Verwaltungsbot „Q“ an, willkürliche Nicknamen aus seinem jeweiligen Fundus zu ziehen und mit virtuellen Auszeichnungen, darunter, was zu meiner Erheiterung beitrug, auch Ferris Bueller, zu überschütten:
(01:00:09) (@Q) [vader[off]] has earned the achievement [Leased Line]!
(01:00:12) (@Q) [k0ks] has earned the achievement [Optical Fibre]!
(01:00:20) (@Q) [Divunator] has earned the achievement [Ferris Bueller]!
(01:00:38) (@Q) [Tux^verdreifelt] has earned the achievement [Leased Line]!
Einige Minuten und ratlose Äußerungen im IRC später folgte eine Erklärung vom Ankündigungsbot „N“, der erklärte, dass es sich bei den achievements um ein neues Punktesystem handle:
(N) (Broadcast) As you may have noticed, Q is spamming a bit more than usual. This is on purpose, you can safely ignore it. It’s part of our amazing new achievements system! How many points do you have?
Im weiteren Verlauf wurde offenbar, dass es zudem eine Rangliste gibt, in der man unter anderem durch konstantes Fluten der Netzbots und Diskussionskanäle aufsteigen kann. Das gefiel. Selbst, wenn es morgen wieder abgeschaltet wird, so hatte man doch wenigstens ein bisschen Spaß daran.
Schön, wenn es noch immer eine neue hübsche Idee am 1. April gibt. Bevor jedenfalls ich irgendeinen abgedroschenen Scherz nochmals aufwärme, lehne ich mich lieber zurück, durchstöbere meine Feedabonnements nach allzu offensichtlichen Falschmeldungen, höre ein wenig Webradio und freue mich über die vorlesungsfreien Tage und auf die Umsetzung der vielen Ideen, sie zu verbringen. (Da beschwert sich doch gerade der Didi bei mir, dass ich nicht jeden Tag zwei Beiträge absondere. Nein, am Ende hält man mich noch für ein Mitglied der „Blogosphäre“ und erwartet von mir qualitativ hochwertige Analysen des gegenwärtigen Weltgeschehens und Einträge in irgendwelchem Web‑2.0‑Firlefanz. Das muss nicht sein, und daher schreibe ich lieber etwas weniger Masse mit etwas mehr Bedacht.)