Randnotiz: Das Wort „FLINTA“, bei dem Frauen mitgemeint sind, dient dem Zweck, dem generischen Maskulinum etwas entgegenzusetzen, bei dem Frauen mitgemeint sind.
Year of the Cobra – War Drop // Komplizierte Rezeptsucher
Es ist Montag. Auf der diesjährigen SXSW wurde Unglaubliches herausgefunden: „Künstliche Intelligenz“ sei aufgrund der dringend angeratenen menschlichen Ergebniskontrolle womöglich gar keine große Arbeitsersparnis, sondern ganz im Gegenteil. Huch!
Im Internet, an dieser Stelle (in Ermangelung einer geeigneten Überleitung) meinen Glückwunsch und meinen Respekt an ix, der seit dreißig Jahren andere Dinge ins Internet reinschreibt, obwohl Insinternetschreiben vorübergehend nicht mehr cool war (jetzt habe ich doch glatt vergessen, damit aufzuhören, meine eigene Website zu pflegen, als alle lieber auf Facebook oder Steady oder sonstwo sein wollten, ich Dummerchen), beklagen zusehends mehr Menschen, dass viele Rezeptewebsites zu viel Text vor dem eigentlichen Rezept als notwendig erachten. Persönlich habe ich vor einiger Zeit angefangen, mich für meine Rezeptesammlung auf Apps wie Mela (Vergleichbares gibt es bestimmt auch für andere Smartphonesysteme) zu verlassen, die folgende Funktion bieten: Man öffnet in dem eingebauten Browser eine Rezeptewebsite und dann erscheint ein Knopf mit der Aufschrift „Rezept gefunden“, den man betätigen kann, woraufhin die App das Rezept aus dem Text extrahiert und den übrigen Summs einfach wegschmeißt. Aber natürlich ist das dann weniger lustig, wenn man es erzählt.
Es stehe zur Diskussion, ob der Staat Lügen verbieten solle, entnehme ich politischer Berichterstattung. Kennen die den § 130 (3) StGB nicht? – Ein guter Anfang zum Schluss: Vier US-Soldaten sind verschwunden (Archivversion). Da ist noch Luft nach oben, finde ich ja.
Weit oben ist schon jetzt: Musik. Es muss ja nicht immer alles kompliziert sein.
Guten Morgen.
London, tagsüber
Nebenan las ich die Anekdote, in London könne man Bettlern auch per Kreditkarte ihre Einkünfte aufbessern. Ich hatte sowieso vor, mal wieder – zum ersten Mal seit 2019, zum zweiten Mal überhaupt – dort hinzureisen.
Vielleicht begegnet mir ja ein Bettler.
‘London, tagsüber’ weiterlesen »Medienkritik in Kürze: Türkisch-deutsche Nichtmigranten
„taz.de“, 17. Dezember 2022:
Seit es (…) in vielen Städten eine stark von jungen Migranten geprägte Raserszene gibt, (…) werden immer wieder Mord-Urteile mit lebenslanger Freiheitsstrafe verhängt.
Kurz war ich verblüfft, in der sich selbst als links verbrämenden Online-„taz“ einen solchen Zusammenhang zu lesen. Zu meiner Entspannung widersprach „taz.de“ (offensichtlich ein völlig anderes Medium) gestern:
„Mercedes kann nicht mit anderen Autos verglichen werden“, sagt ein Mann im Off auf Türkisch. (…) [Der Fahrer] müsse die Atmosphäre dieses Autos widerspiegeln – beim Sprechen, beim Sitzen, beim Stehen. (…) Allein schon dieser kurze Schnipsel des Videos ist ein Mahnmal deutschen Autowahns.
Selten las ich ein Beispiel für einen so deutschen Deutschen wie den Mann, der im Off auf Türkisch Mercedes lobt. – Es ist, apropos, zweifellos löblich, dass die „taz“ den deutschen Autowahn thematisiert, dessen Wucherungen (Herkunftsland egal) für alle übrigen Verkehrsteilnehmer immer öfter ein medial als Randnotiz betrachtetes Problem darstellen, aber stilistisch sehe ich da Verbesserungspotenzial.
Das ist dem Artikelverfasser Gereon Asmuth offensichtlich immerhin selbst aufgefallen, und eilig schiebt er nach:
Statt der PS heben die üblichen Rechten auf einschlägigen Social-Media-Kanälen vor allem den Migrationshintergrund des Fahrers hervor. (…) Tatsächlich ist Raserei ein Geschlechterproblem.
Puh, das war knapp.
Team Scheisse – Alle meine Hobbies // Berlin begraben
Es ist schon wieder Montag. In Berlin, erfahre ich, buddeln sie jetzt einen Graben, gleichsam zum Schutz des Reichstags vor dem Volke; eine lustige Idee aus dem 17. Jahrhundert, bei der man nur darauf hofft, dass bald die Schweden zurückkehren.
Politik: Israel sei auch weiterhin ein rechtsextrem geführter Staat, teilen so Medien mit. Ein moralisches Dilemma erkennen hier nur Menschen, die Parolen für Diplomatie halten. Dass Wahlen im Übrigen nichts bringen, belegt zur Abwechslung mal die „die Linke“: Wer die Linke gewählt hat, der hat die Bundeswehr gewählt. Heinz Renner von der damals noch nicht verbotenen KPD sprach 1948 im Rahmen der elften Sitzung des Hauptausschusses des Parlamentarischen Rates, gerichtet an Carlo Schmid von natürlich der SPD, er „glaube nicht, dass das Wesen der Demokratie das besteht, dass man von Zeit zu Zeit umfällt.“ Wer daraus jetzt eine Lehre ziehen möchte, dem stehen frustrierende Zeiten bevor.
Frustriert nicht: Musik.
Guten Morgen.
Was die Kinder denn ohne Smartphone machen sollen
Die „taz“ hat eine normale Solinger Pädagogin gefunden:
Was die Kinder denn ohne [Smartphone, A.d.V.] in den Pausen machen sollen, fragt Kerstin Sherif, Lehrerin an der Sophie-Scholl-Schule.
Hier ein paar Ideen:
- Drogen nehmen wie normale Jugendliche in dem Alter.
- Andere Kinder mit dem Kopf in einen Mülleimer und/oder in ein Klo stecken wie normale Jugendliche in dem Alter.
- Von anderen Kindern mit dem Kopf in einen Mülleimer und/oder in ein Klo gesteckt werden wie normale Jugendliche in dem Alter.
- Die Wände beschmieren wie normale Jugendliche in dem Alter.
- Eine Revolution starten und durchführen wie französische Jugendliche in dem Alter.
- Pädagogik besser lernen als Kerstin Sherif, Lehrerin an der Sophie-Scholl-Schule.
(Ist das jetzt dieser Fachkräftemangel?)
Eumerika zuerst
Noch mal was aus der EDV, denn dieser Vorschlag scheint mir auch eher undurchdacht zu sein:
Mit einem Brief an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und die für Digitales zuständige Vizepräsidentin Henna Virkkunen wenden sich fast 90 Unternehmen (…). Die Absender fordern von der EU angesichts der transatlantischen Entwicklung ein klares Bekenntnis zu europäischen Digitallösungen. „Europa muss die Initiative übernehmen und über alle Schichten der kritischen digitalen Infrastruktur hinweg technologisch unabhängig werden“, heißt es in dem Brief (…).
Nun ist es sicherlich möglich, innerhalb „Europas“ (meinten Sie: EU?) Anwendungssoftware zu entwickeln, die eine Alternative zu jener aus anderen Ländern sein kann und es oft auch ist, und auch die hiesige Produktion von Prozessoren und dergleichen ist durchaus ein vorstellbares Treiben. Interessant ist allerdings die Frage, wie weit die „fast 90 Unternehmen“ zu gehen bereit sind, was die Abkehr von der Abhängigkeit von anderen Ländern, das Digitale betreffend, angeht. Die Auswahl an europäischen Betriebssystemen (Distributionen von US-amerikanischer Software sind keine europäischen Betriebssysteme) ist zum Beispiel gering; mir fällt ohne Griff zur Wikipedia gerade nur 9front ein. Zwar fände ich eine größere Verbreitung von Plan-9-Derivaten grundsätzlich wünschenswert, möchte aber bezweifeln, dass „die Absender“ überhaupt schon mal davon gehört haben.
Ich erachte technologische Unabhängigkeit ebenfalls als wertvolle Errungenschaft, vertrete jedoch nicht die Ansicht, dass Staatsgrenzen mit diesem Begriff etwas zu tun haben. Ich möchte ebensowenig von den Entscheidungen Googles wie von denen des duo infernale aus Deutscher Telekom und SAP abhängig sein. In welchem Land die Entwickler und Produzenten von Chips, Kabeln, Transistoren und (nicht zuletzt) Programmen beheimatet sind, die ich direkt oder indirekt nutze, ist mir tatsächlich einigermaßen egal, so lange sie jenseits des Finanziellen keine Gegenleistung in Form von Abhängigkeit, dann von den Guten, erwarten.
Betrachte ich allerdings das technische Verständnis der Briefautoren, sehe ich da schwarz:
Eine Forderung, die einige der nun an von der Leyen schreibenden Unternehmen bereits seit einiger Zeit erheben, und die neben dem Betrieb durch vertrauenswürdige EU-Anbieter auch eine Datenlokalisierung und Verschlüsselung erfordern soll. Die Initiatoren sehen das als einzige Möglichkeit, von lokaler Speicherung hin zu vertrauenswürdigen Cloudlösungen zu kommen (…).
Daten, die ich auf dem Computer anderer Leute („Cloud“) speichere, übergebe ich in diesem Moment der Herrschaftsbefugnis dieser anderen Leute. Wenn diese anderen Leute qua Gesetz „vertrauenswürdig“ sind, die ihnen ohne technische Notwendigkeit übergebenen Daten vorgeblich „verschlüsseln“ und ich gucken kann, wo die Daten, die vorher die meinen waren, eigentlich gerade gespeichert sind, dann ist das trotzdem kaum davon zu unterscheiden, als würde ich selbige Daten stattdessen auf einen USB-Stick kopieren und diesen im Supermarkt ans Schwarze Brett hängen. Ich kann ja eines dieser neumodischen Ortungsgeräte dranhängen. Dann weiß ich ja, wo sie gerade sind.
Herrje.
Slapp Happy – Casablanca Moon // Google zerschlagen (aber anders)
Es ist Montag. Genug des Schabernacks! Zum Glück geht bald die Welt unter (Archivversion), dann ist’s vorbei mit dem Montag.
Schöner Satz in einem Kontext, den ich hier fast erwähnt hätte, aber das dann doch gelassen habe: „Man sollte wissen, wie man die Waffen nicht einsetzen kann, die man anschaffen will.“ Abschaffen will man unterdessen Googles Monopol auf den Chrome-Browser. Chris Coyier erklärt (auf Englisch), warum dieses Unterfangen das falsche Problem löst. Ich teile nicht jeden seiner Gedanken, unter anderem, weil mir der tiefe Fall Mozillas sehr egal ist, halte den verlinkten Text trotzdem für zumindest lesenswert. Dave Winer, Blogger seit über 30 Jahren und insofern vom Fach, fügt der Diskussion weiterhin hinzu, dass Google schon dadurch, dass es HTTPS als unabdingbares Sicherheitsprotokoll missversteht, dem Web großen Schaden zufügt. Ich stimme zu und füge mich eigentlich nur aus Faulheit.
Apropos alter Scheiß: Fefe missfällt es, dass der US-amerikanische Präsident weiterhin gültige Gesetze aus dem 18. Jahrhundert anwendet. Wenn er erfährt, dass sogar Hitlers das Reichskonkordat immer noch Gültigkeit in Deutschland besitzt und die Kirchen infolgedessen völlig zu Unrecht einige Prioritäten genießen, wird er bestimmt sehr erstaunt sein.
Erstaunt wiederum mich immer wieder aufs Neue: Musik.
Guten Morgen.
Finanzpaket (historisch)
Ich wünschte, es käme noch zu meinen Lebzeiten dazu, dass alles Geld statt für Soldaten für Lehrer verwendet werden könnte.
Leo I. (oströmischer Kaiser von 457 bis 474)
Liegengebliebenes vom 13. März 2025
Bekloppte Frage der Woche: Sind Unternehmen ohne Google Analytics noch handlungsfähig?
Exklusivreportage enthüllt: Nichts passiert.
Religionsfreiheit in Griechenland existiert nicht.
Ein erfreuliches Album mit erfreulichem Titelstück ist Jethro Tulls diesjähriges „Curious Ruminant“. Jethro Tull haben vor über 50 Jahren wirklich feine Musik aufgenommen, daran anzuknüpfen ist nicht allen ihrer Weggefährten gegeben. Wirklich erfreulich.
Finde ich gut: „Zurzeit brüten die Ministerpräsidenten über einer Änderung des Medienstaatsvertrags. Darin soll der ÖRR zur stärkeren Abbildung von Randsportarten und Kultur, der Einsetzung eines Medienrates und dem Streichen von Radioprogrammen verpflichtet werden.“ Vorschlag zu Letzterem: Alle.
Finde ich blöd: Cloudflare, ein „Dienst“, dessen regelmäßige Ausfälle ungefähr ein Drittel des öffentlichen Webs, das Cloudflare nutzt, um sich gegen Ausfälle zu schützen, nicht erreichbar werden lassen, blockiert neuerdings anscheinend Webbrowser, die nicht Chrome sind. Ich bin gewillt, das als feature zu betrachten: Wer so doof ist, Cloudflaredienste einzusetzen, dessen Texte will ich auch gar nicht lesen müssen. (via)
Und nun zum Sport
tagesschau (Archivversion):
Am 26. Oktober 2024 wurde ein Sonderzug mit rund 780 Fans von Rot-Weiss Essen auf freier Strecke zwischen Gransee und Neustrelitz in Brandenburg durch eine Notbremsung gestoppt. Kurz darauf griffen vermummte Täter den stehenden Zug an. Mehrere Scheiben gingen zu Bruch, auch außerhalb der Waggons soll es zu Auseinandersetzungen gekommen sein.
Olé!
Bob Dylan – Rainy Day Women #12 & 35 // Nancy pro AfD
Es ist Montag. Schön, CDU und SPD merken noch was: Anscheinend hat sich bis in deren Hannoveraner Niederlassungen herumgesprochen, dass gegen Automörder nicht etwa mehr Internetüberwachung hilft, sondern vor allem mehr Autosperren. Freut mich, dass ich helfen konnte.
Apropos Überwachungsgesetze: Überraschend stellt sich heraus, dass eine rechtsextreme Regierung es möglicherweise ganz praktisch findet, wenn man ihr eine funktionierende Spionageinfrastruktur bereitstellt. Die AfD wird Nancy Faeser noch sehr dankbar sein.
Zitat des Monats (schon jetzt):
Demokratie ohne Rationalität ist das Einfallstor für Faschismus.
Bei Caschy im Kommentarbereich verteidigen sie schon wieder nutzlose Kofferschlösser. Ich prangere das an.
Prangere ich nicht an: Musik.
Everybody must get stoned.
Guten Morgen.
Schwerter zu Schwertern
Neu: Waffenhersteller („Autobauer“) werden von Waffenherstellern (Rheinmetall) angeworben (Archivversion).
Es gibt tatsächlich Menschen, deren Arbeitslosigkeit ein Fortschritt wäre.
Messermänner, die vor Autodeutschen fliehen
Nackte Zahlen:
Anzahl der Terroranschläge in Deutschland, die 2025 mit einer Vorratsdatenspeicherung verhindert worden wären:
0
Anzahl der Terroranschläge in Deutschland, die 2025 mit mehr Videoüberwachung verhindert worden wären:
0
Anzahl der Terroranschläge in Deutschland, die 2025 mit einer Messerverbotszone verhindert worden wären:
0
Anzahl der Terroranschläge in Deutschland, die 2025 mit Absperrungen gegen Automobile verhindert worden wären:
2
(Wird leider fortgesetzt.)
Sula Bassana – Perdido en el Desierto (live) // Sich ins Knie zu schießen ist jetzt keine gute Idee mehr
Es ist Montag. Als ich vorgestern die Schlagzeile las, irgendwelche „Spitzenpolitiker“ haben sich „hinter die Ukraine“ gestellt, nachdem jener endlich mal die Waffenbrüder auszugehen scheinen, fiel mir wieder dieser alte „Ein Geisterfahrer? Hunderte!“-Witz ein. Ich weiß auch nicht, warum.
Dazu vielleicht auch: Ein begeisterter Europäer hat die kühne These aufgestellt, dass es mittlerweile „nicht mehr“ vernünftig sei, europäische Politik von US-amerikanischen Servern abhängig zu machen. Die Kommentare im Internet fragen zu Recht: Wie, nicht „mehr“?
Trauriger Satz: „Politiker sind jetzt jünger als ich.“
Weniger traurig: Musik.
Guten Morgen.










