Eigentlich wollte ich dieses Jahr nichts Weiteres zum Eurovision Song Contest (den alten Namen fand ich schöner) schreiben, was vor allem dem Umstand geschuldet ist, dass ich eigentlich dieses Jahr keine einzige Sekunde meiner Zeit mit dem absehbar bescheuerten Gedudel verbringen wollte, das im Rahmen der Veranstaltung „für Deutschland“ aufgeführt wird, doch dann las ich bei der „taz“ vermeintlich gute Neuigkeiten:
Mit „Baller“ von Abor & Tynna tritt Deutschland beim diesjährigen Eurovision Song Contest das erste Mal seit vielen Jahren mit einem deutschsprachigen Song an.
Abgesehen von der feinen Nuance, dass ein „Song“ vor allem ein Lied ist (aber gut, „taz“ und Sprache sind einander oft nicht die besten Freunde), hielt ich das ungefähr dreißig Sekunden lang für eine gute Idee. In diesen dreißig Sekunden hörte ich erstmals in das Lied rein, das auszugsweise zum Liedtext eingeblendet wird. Ich rate dringend davon ab, es mir gleichzutun: Dumpfer Bumsbeat (gibt es dafür eigentlich ein passendes deutsches Wort?) in schlichtem Takt mag genügen, um damit bei offenem Fenster an der Ampel zu stehen, aber als Repräsentant zeitgenössischen deutschen Liedguts vor den Augen der Welt ist zumindest mir das Lied eher unangenehm.
Zumal das Deutschsprachige auch da endet, wo die Sprache wichtig wäre, wie der Liedtext im Vorrefrain beredt bezeugt:
Ha, ich glaub’, das war’s, I shoot for the stars
Für Reime mit „Mars“, „las“, „Gas“, „Lars“ oder meinetwegen „SARS“ hat es sprachlich nicht gereicht, welch Farce!
Bonuspointe aus dem Internet:
Abor & Tynna sind ein österreichisches Musikduo[.]
Österreich tritt währenddessen mit irgendeinem englischsprachigen Unfug, den in dreißig Sekunden probezuhören ich mich partout weigere, zum Wettbewerb an. Vermutlich wäre es denkbar, aber unangebracht, daraus einen politischen Witz zu konstruieren.


😂
Was wäre Europa (und der ganzen Welt) womöglich erspart geblieben, hätte es den ESC schon vor 100 Jahren gegeben! Das hätte einen gewissen emerging artist aus Österreich vielleicht dazu gebracht, sein Leben weiterhin der schönen Kunst und nicht der blöden Politik zu weihen: „Ich aber beschloss nun, Musiker zu werden.“
„Ich baller Löcher in die Nacht“ hätte ihm bestimmt gut gefallen. Seit 5:45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen, hihi … Ich hör ja schon auf.
Bumsbeats ist schon richtig. Mir wurde diese ganze musikalische Strömung als „Bumsmusik“ beigebracht. Besonders beliebt unter Seglern mit „reiche Leute Bräune“, die irgendwo im Mittelmeer junge Damen für Aktivitäten suchen.