NetzfundstückeIn den Nachrichten
Drei­mal zitiert: Kin­der­ter­ror, Sati­re­ter­ror, Aus­wei­ster­ror

Kur­ze Durch­sa­ge von der Judi­ka­ti­ve:

Ob ein Kind ein Scha­den sein kann, wird schon seit lan­gem dis­ku­tiert. (…) Die blo­ße Straf­lo­sig­keit habe zur Fol­ge, dass (…) ein Kind kei­nes­falls ein „Scha­den“ sein kann (…).

Wohl dem, der den öffent­li­chen Per­so­nen­nah­ver­kehr zu mei­den imstan­de ist.


Was darf Sati­re? Naja:

Der Iran kri­ti­sier­te das Titel­bild der neu­en Char­lie Heb­do. „Das ist eine pro­vo­ka­ti­ve Geste und für Mus­li­me ver­let­zend“, sag­te Außen­amts­spre­che­rin Mar­sieh Afcham. Sie sprach von einem Miss­brauch der Pres­se­frei­heit, der für Mus­li­me inak­zep­ta­bel sei. (…) Die­se „unge­recht­fer­tig­te Pro­vo­ka­ti­on von 1,5 Mil­li­ar­den Mus­li­men welt­weit“ wer­de eine neue Wel­le des Has­ses aus­lö­sen, schrieb die wich­ti­ge reli­giö­se Ein­rich­tung Dar al-Ifta in Kai­ro.

(Her­vor­he­bun­gen von mir.)

:irre:


Ihr habt gefähr­li­che Isla­mi­sten im Land? Dann lasst sie doch ein­fach nicht mehr raus! Nun, da jeder aktu­el­le Per­so­nal­aus­weis zwecks Ter­ror­ab­wehr vol­ler bio­me­tri­scher Daten steckt, ist es natür­lich eine her­vor­ra­gen­de Idee, ihn denen, zu deren Abwehr die Maß­nah­men die­nen, wie­der weg­zu­neh­men. Dann kön­nen sie wenig­stens kei­nen Alko­hol kau­fen.

NerdkramsMontagsmusik
Boom­town Rats – I Don’t Like Mon­days

Kauz (Krankheitsvertretung)Guten Tag. Ihr seid nicht Char­lie. Und das Binnen‑I? Ein Export­schla­ger son­der­glei­chen. Und Mon­tag, Mon­tag ist ja auch noch. Sod­bren­nen, Käl­te. Volks­trau­er­tag.

Boom­town Rats – I Don’t Like Mon­days (Live SPOB 1981)

Es ist doch jede Woche das Glei­che.

Guten Mor­gen.


Nach­dem ich vom Ent­wick­ler für eine ein­fa­che Fra­ge zur Kon­fi­gu­ra­ti­on wüst beschimpft wur­de und Updates ohne­hin stän­dig das System zum Ein­sturz brin­gen, bin ich übri­gens nun von Tiny Tiny RSS auf News­Blur umge­stie­gen. Ein paar Vor­tei­le ste­hen hier, mit dem Orga­ni­zer kam jüngst ein wei­te­rer hin­zu. Bei Bedarf berich­te ich spä­ter.

In den Nachrichten
Drei Leh­ren für Char­lie

Erstens:
Reli­gi­on ist falsch. Euer unsicht­ba­rer Freund unter­schei­det sich von deren unsicht­ba­rem Freund allen­falls in der Wahl der Waf­fen.

Zwei­tens:
Reli­giö­se Men­schen unter­schei­den sich von nicht reli­giö­sen Men­schen zumeist in ihrem Fana­tis­mus.

Drit­tens:
Din­ge, die im Namen einer Reli­gi­on gesche­hen, sind stets Din­ge, die falsch sind. Soli­da­ri­tät. Kreuz­zü­ge. Am Arsch.

Din­ge löschen gegen Rechts. Die fran­zö­si­sche Vor­rats­da­ten­spei­che­rung war ein vol­ler Erfolg.

Seid ihr euch sicher, ob ihr noch auf der rich­ti­gen Sei­te steht?

PersönlichesPolitikIn den Nachrichten
Nach­trag zu PEGIDA: Wer ist hier fremd?

Zu den PEGI­DA-Demon­stra­tio­nen (ich berich­te­te) anson­sten viel­leicht noch eine kri­ti­sche Beleuch­tung des­sen, was die Leu­te dar­an eigent­lich so stört: Mer­kel ver­ur­tei­le „frem­den­feind­li­che Ten­den­zen“, schreibt man auf SPIEGEL ONLINE und nennt dabei eigent­lich schon das Haupt­pro­blem.

Nun beginnt Frem­den­feind­lich­keit ja schon damit, dass man „Frem­de“ zunächst ein­mal als Frem­de wahr­nimmt. Ich selbst hal­te mich für inso­fern „frem­den­feind­lich“, als ich mir frem­de Men­schen in den mei­sten Fäl­len lie­ber nicht ertra­gen müss­te, aber gegen die Aus­län­der und Mos­lems unter ihnen habe ich im All­ge­mei­nen auch nicht mehr ein­zu­wen­den als gegen Inlän­der und Chri­sten (gera­de Letz­te­re sind mir ohne­hin beson­ders zuwi­der).

Haven’t we met? You’­re some kind of beau­tiful stran­ger.
Madon­na: Beau­tiful Stran­ger

Frem­den­feind­lich. Feind­lich gegen die Frem­den. Fremd ist, mit wem man frem­delt. Die Bun­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung weiß:

Fremd ist nur, was als sol­ches erlebt wird. Nichts ist aus sich her­aus und not­wen­dig fremd. Das frem­de Ter­rain erscheint im Erle­ben ein­fach vor­han­den, tat­säch­lich ist es sub­jek­tiv gesetzt und Ergeb­nis will­kür­li­cher Ord­nungs­kri­te­ri­en im Gefol­ge per­sön­li­cher Moti­ve und gesell­schaft­li­cher Kon­ven­tio­nen.

Wer gegen Anhän­ger einer bestimm­ten Reli­gi­on, Mit­glie­der einer bestimm­ten gesell­schaft­li­chen Schicht oder Ein­wan­de­rer aus einer bestimm­ten Regi­on popu­li­stisch agiert, der ist noch kein Feind des Frem­den. Eine über­zeich­ne­te Ana­lo­gie: Ich hal­te auch Ursu­la von der Ley­en für jeman­den, der lie­ber put­zen und backen soll­te als die­ses Land in den Krieg zu füh­ren, und habe gegen Frau­en trotz­dem prin­zi­pi­ell nicht viel ein­zu­wen­den.

Damit wir uns ver­ste­hen: PEGIDA, DÜGIDA, BOGIDA und all die übri­gen Häuf­lein selt­sa­mer Men­schen sind wohl über­wie­gend poli­tisch unsi­che­re Demon­stran­ten, deren Wut sich gegen das Fal­sche rich­tet, gegen den Boten näm­lich, nicht jedoch das zer­rüt­te­te Sozi­al­sy­stem. Das ist ein biss­chen scha­de. Ihnen aber pau­schal Feind­lich­keit gegen­über Frem­dem vor­zu­wer­fen setzt womög­lich ein fal­sches Signal. Unter den Demon­stran­ten sind von ihrer Tages­zei­tung ver­blö­de­te Unmün­di­ge sicher­lich eben­so wie stram­me Rech­te und Oppor­tu­ni­sten zu fin­den. Man mag sie einen Pöbel nen­nen, einen Hau­fen Leu­te, die bei­na­he so effi­zi­ent wie ihre Gegen­de­mon­stran­ten („NOPEGIDA“) wert­vol­le Lebens­zeit ande­rer Leu­te mit ihrem Unsinn ver­plem­pern. Das Wort Frem­den­feind­lich­keit aber ist frem­den­feind­li­cher als jedes Graf­fi­to auf Haus­wän­den.

Du kennst mich doch, ich hab‘ nichts gegen Frem­de. Eini­ge mei­ner besten Freun­de sind Frem­de. Aber die­se Frem­den da sind nicht von hier!
Methu­sa­lix, in: Aste­rix, „Das Geschenk Cäsars“

MontagsmusikIn den Nachrichten
Wob­bler – Ruba­to Indu­stry

SchockschwerenotDer Rauch des Jah­res­wech­sels ist ver­flo­gen, auch die Letz­ten haben fest­ge­stellt, dass nie­mand außer ihnen mehr einen Knall hat. Die Reste lie­gen her­um auf den Stra­ßen und im Her­zen. Jetzt einen Pan­da knud­deln oder wenig­stens angucken, das wär’s. Wenig­stens wis­sen wir jetzt, was wir tra­gen wer­den; ich, jeden­falls, Schwarz.

Vor­bei, vor­bei. Neu dafür: Es gibt Smart-Rin­ge namens „Ö“. Der Schrott, der unse­re Zukunft ist.

Gebir­ge von Elek­tro­schrott brin­gen das System zum Sin­gen. Am Schrott wach­sen wir. Nicht als Men­schen. Nicht als Gesell­schaft. Als Kon­su­men­ten. Als Ein­nah­me­quel­le für Kon­zer­ne.

Wenig­stens sind wir lie­bens­wert und kei­ne Por­tu­gie­sen, uns geht es gut. Schuhuh.

Wob­bler – Ruba­to Indu­stry – Live at Altrock/Fading Festi­val

Guten Mor­gen.

Persönliches
2014, revi­si­ted. / Mur­mel­tier­tag.

Die­ser Arti­kel ist Teil 4 von 15 der Serie Neu­jahr

2014 war ja auch ein Jahr des Man-hät­te-es-wis­sen-Kön­nens.

Man hät­te wis­sen kön­nen, dass Pfrün­de Moral stets über­wie­gen. Man hät­te wis­sen kön­nen, dass Musi­ker im ster­be­fä­hi­gen Alter sel­bi­ges eines Tages erei­len wird. Man hät­te über­dies aber, still in sich hin­ein, wis­sen kön­nen, dass es dies­mal wie­der nicht klappt und das Mal danach auch nicht und dass man eigent­lich auch die Fin­ger las­sen soll­te von allem, was men­schelt.

Wuss­te man es nicht? Woll­te man es nicht wis­sen?

Über­haupt, Selbst­be­stim­mungs­recht. Und immer die­se Jah­res­rück­blicke, die­se elen­den Gesich­ter in die­sen elen­den Medi­en, die elen­den Unsinn in Mikro­fo­ne von elen­den Schwind­lern rein­spre­chen. Blöd für jeden, der im Dezem­ber stirbt, der kommt dann nicht mehr vor. Und die eige­nen Zie­le? Ver­fehlt, weit ver­fehlt, wie auch den Abga­be­ter­min für den eige­nen musi­ka­li­schen Jah­res­rück­blick. Klei­ne Lich­ter ver­glim­men im Sog der Nichts. Und dann doch wie­der nur: Rake­ten. (Schö­nes todo auch: häu­fi­ger von „ver­glim­men“ reden.) Vor­sät­ze bre­che ich künf­tig nur noch vor Mit­ter­nacht, dann mutie­ren sie nicht. Ach nein, das waren Grem­lins, oder?

Mit Unmut zum Umsturz das Ego zu Tode geduzt. Nicht reich, berühmt, fün­dig gewor­den. Sän­ge­rin müss­te man sein. Frü­her war mehr Gewinn­spiel. Errun­gen­schaft 2014: Jeman­dem, dem man eigent­lich nichts Böses woll­te, erklärt zu haben, wer Hele­ne Fischer ist. My only fri­end, the end. Ein Jahr des Aus­ver­kaufs. Irgend­wo zün­det jemand ein Feu­er­werk. Jemand lacht. Irgend­wer macht den alten Witz, man möge, haha, gut rein­rut­schen. Den Gür­tel enger zu schnal­len macht noch kei­ne schma­le Hüf­te. Was ist, ist. Hal­lo, Sehn­sucht, du auch hier? Nimm dir einen Stuhl, mach‘ es dir bequem, schau‘ auf den Som­mer. Wir seuf­zen im Chor, wäh­rend die Zeit­zo­ne erbebt.

Alle Jah­re wie­der (demo­ti­viert genu­schelt). Jazz, zwo, drei, vier. Kein Kuss an Sil­ve­ster.
Pro­sit Neu­jahr.

Montagsmusik
The Natio­nal – Mr. Novem­ber

Si, Flieeeeeeegen„Rönt­gen­au­gen sehen alles / kaputt, kaputt“ into­nier­ten Slime in den frü­hen 1990er Jah­ren, und eigent­lich fühlt man sich dann auch nie so sehr danach wie an einem Mon­tag wie die­sem, wach bis in die Nacht, schlaf­los vor feh­len­der Freu­de. Ret­tung, über­haupt. Um sich her­um sit­zen und die Fas­sung ver­lie­ren. Scher­ben brin­gen Glück.

Herrn Poes Rabe hät­te sei­ne Freu­de an die­sem Hier und Jetzt. Die Nach­rich­ten fei­ern „die zehn besten Tore der Fuß­ball-WM 2014“. Rand­no­tiz: Wie­der Tau­sen­de Tote. Und nun zum Wet­ter. Es ist trüb. Und man selbst? Der Kopf schreit Refrains. Zum Glück hat man kei­nen Plat­ten­ver­trag.

The Natio­nal – Mr. Novem­ber – Pitch­fork Music Festi­val 2009

„Guten“ Mor­gen.

Nerdkrams
zAN­TI: Pene­tra­ti­ons­tests und mehr

Mein Bei­trag über FaceN­iff, ein Pass­wort­schnüf­fel­werk­zeug für Android, erfreut sich auch drei­ein­halb Jah­re spä­ter – unge­ach­tet der feh­len­den Akti­vi­tät des Ent­wick­lers – noch eini­ger Beliebt­heit. Natür­lich hat sich auf dem Markt der Sicher­heits­werk­zeu­ge für Android eben­so wie in punc­to Hard­ware­spe­zi­fi­ka­tio­nen – mein Smart­phone zum Bei­spiel ist deut­lich lei­stungs­stär­ker als mein Open­BSD-Lap­top – seit­dem eini­ges getan, wes­halb auch Schutz­soft­ware für Android längst ein lukra­ti­ves Geschäft ist.

Bis vor einer Wei­le exi­stier­te mit dSploit ein Pene­tra­ti­ons­test­werk­zeug („Pen­test“), das über die Fähig­kei­ten von FaceN­iff weit hin­aus­ging, indem es mehr bot als nur das Aus­le­sen von Pass­wör­tern: Es konn­te der kom­plet­te Netz­werk­ver­kehr mit­ge­le­sen und auf Sicher­heits­lücken ana­ly­siert wer­den. Nach­dem dSploit als Open Source frei­ge­ge­ben wor­den war, pas­sier­te zunächst eine Men­ge und dann plötz­lich nichts mehr: Seit dem 3. Novem­ber 2014 ist dSploit offi­zi­ell ein Teil von zAN­TI, des­sen Ent­wick­ler­fir­ma zufäl­lig auch zIPS, eines der weni­gen wirk­sa­men Gegen­mit­tel für Android-Ein­dring­lin­ge, kom­mer­zi­ell ver­treibt. Zumin­dest dürf­te das ein funk­tio­nie­ren­des Geschäfts­mo­dell sein.

Inso­fern kann zAN­TI – anders als FaceN­iff – auch kosten­los ange­bo­ten wer­den. Zu bie­ten hat es über­wie­gend Funk­tio­nen, die ande­re als bloß destruk­ti­ve Zwecke erfül­len. Dass auch zAN­TI natür­lich SSL-Anfra­gen eben­so wie Brow­ser­sit­zun­gen abfan­gen, ent­schlüs­seln und aus­le­sen kann, wider­spricht dem kei­nes­falls – Pene­tra­ti­ons­tests führt man übli­cher­wei­se ja auch auf Geheiß in Fir­men­net­zen und nicht unge­fragt beim Nach­barn durch.

zANTI

Dass zAN­TI (momen­tan nur für Android ver­füg­bar, eine iOS-Ver­si­on ist in der Test­pha­se) nicht im Play Store ange­bo­ten wird, ist unab­hän­gig von der recht­li­chen Situa­ti­on, der­zu­fol­ge in Deutsch­land sogar die mei­sten Linux­dis­tri­bu­tio­nen ver­bo­ten sind, ver­ständ­lich, immer­hin hält Goog­le selbst Wer­be­blocker für uner­wünscht. Wer aller­dings Inter­es­se an Netz­werk­si­cher­heit hat oder nur mal sehen möch­te, wie naiv sich Leu­te in einem öffent­li­chen WLAN eigent­lich beneh­men, der kann mit zAN­TI und Rou­terpwn eine Men­ge anstel­len.

Das ist auch nur einer der Grün­de, wie­so ihr öffent­li­chen WLANs, wie sie die Deut­sche Bahn momen­tan mit gro­ßem Pres­se­rum­mel in ihren ICEs ankün­digt, grund­sätz­lich miss­trau­en soll­tet.

PolitikIn den Nachrichten
Kau­der­welsch: Chri­GI­DA

Was aus den ins­be­son­de­re Dresd­ner Demon­stra­tio­nen von Leu­ten, die an Hei­lig­abend gern unge­stört ein totes Flücht­lings­kind anbe­ten möch­ten, eigent­lich zu ler­nen ist, ist im Übri­gen dies: Rennt! Wir sind in höch­ster Gefahr! Nein, nicht von Rechts oder von Links oder von son­sti­gen poli­tisch Blö­den, son­dern von Reli­gio­nen!

Doch, echt:

Der Uni­ons­frak­ti­ons­chef Vol­ker Kau­der warnt vor einer wei­te­ren Frag­men­tie­rung der deut­schen Poli­tik. „Es darf nicht dazu kom­men, dass in Deutsch­land eine isla­mi­sche Par­tei ent­steht“ (…). Alle demo­kra­ti­schen Kräf­te hät­ten die Auf­ga­be, poli­tisch Inter­es­sier­te aus allen Schich­ten des Vol­kes zu inte­grie­ren.

Noch vor zwei Jah­ren wies eben die­ser Vol­ker Kau­der auf die histo­ri­schen Zusam­men­hän­ge von Chri­sten­tum und Deutsch­land – noch weni­ge Jah­re vor der Grün­dung der „alten“ Bun­des­re­pu­blik bekannt­lich ein ein­ge­spiel­tes Team – hin:

Die Mus­li­me gehör­ten selbst­ver­ständ­lich zu Deutsch­land, so Kau­der, aber: „Der Gott, der die Müt­ter und Väter des Grund­ge­set­zes lei­te­te, war der Gott der Chri­sten und der Juden.“ Mus­li­me sei­en an der Erar­bei­tung des Grund­ge­set­zes nicht betei­ligt gewe­sen. Deutsch­land sei „nach wie vor vom christ­lich-jüdi­schen Glau­ben geprägt“.

Zurück ins Jahr 2014: Vol­ker Kau­der setzt sich offen­bar – löb­lich, löb­lich – vehe­ment dage­gen ein, dass Reli­gio­nen poli­ti­sche Macht in Deutsch­land bekä­men; es sei schon bedenk­lich genug, dass es in Deutsch­land einen Able­ger der Par­tei des tür­ki­schen Prä­si­den­ten Recep Tayyip Erdoğan, der AKP, gebe, immer­hin sei die Bun­des­re­pu­blik „wert­an­schau­lich neu­tral“ (Kau­der, 2012) und zu ihren Wer­ten gehö­re die Reli­gi­ons­frei­heit (ebd.), die für Vol­ker Kau­ders Par­tei, die „Christ­lich-Demo­kra­ti­sche Uni­on“ (CDU), selbst­re­dend ein hohes Gut ist und zum Bei­spiel nicht in Ein­klang mit staat­lich ver­ord­ne­ten christ­li­chen Gedenk­ta­gen zu brin­gen wäre (ich, jetzt).

Vol­ker Kau­der war zuletzt 2013 mit fol­gen­der Äuße­rung auf­ge­fal­len:

„Die Men­schen wis­sen um die Gefahr, die von Ter­ro­ri­sten aus­geht. Und sie wis­sen, dass Geheim­dien­ste not­wen­dig sind, um die­se Gefah­ren abzu­weh­ren. Wir brau­chen die Geheim­dien­ste auch, um unse­re Sol­da­ten zu schüt­zen, etwa in Afgha­ni­stan.“ Die­se Arbeit könn­ten die Dien­ste aber nur lei­sten, wenn nicht alle Welt wis­se, wie sie arbei­ten. Kau­der sprach sich des­halb für ein Ende der öffent­li­chen Debat­te über die Arbeit der Geheim­dien­ste aus. (…) „Je mehr man in der Öffent­lich­keit über die Arbeits­wei­se der Geheim­dien­ste weiß, umso eher kön­nen sich die Gewalt­tä­ter dar­auf ein­stel­len.“

Wie ZEIT.de – wie­der­um 2014 – zu berich­ten weiß, rate Vol­ker Kau­der in der Debat­te um die Ver­brei­tung des Islams in Deutsch­land „drin­gend dazu, die Men­schen nach ihren Taten zu beur­tei­len“. Ich habe inso­fern ein nur wenig ungu­tes Gefühl damit, Herrn Kau­der als einen dum­men Popu­li­sten zu beur­tei­len. Ich bin ihm für die­sen guten Rat sehr dank­bar.

MusikIn den NachrichtenMontagsmusik
Fatal Fusi­on – Halls of Amen­ti

Kuckuck!Kennt ihr, allem Ver­stand zum Trotz, eigent­lich Simon Unge? Simon Unge ist, das haben die Medi­en zu ver­mel­den, zwar kein Twit­ter­mäd­chen, aber zumin­dest ein You­Tube-Star, also jemand, der, statt einem ehr­ba­ren Beruf nach­zu­ge­hen oder wenig­stens Jura zu stu­die­ren, weit­ge­hend davon lebt, ande­ren Leu­ten Wit­ze zu erzäh­len oder ihnen bei­zu­brin­gen, wie man sich mög­lichst nut­tig schminkt, und ihm wur­de wirk­lich übel mit­ge­spielt, denn sei­ne Ver­mark­tungs­fir­ma hat ihn so behan­delt, wie man als gewinn­ori­en­tier­tes Unter­neh­men eben sei­ne Melk­kü­he behan­delt. Die Fol­ge: Ein Sturm der Ent­rü­stung nebst Kün­di­gung. Ich bin ja ein biss­chen nei­disch auf Leu­te, deren Leben sich nach einer Kün­di­gung nicht merk­lich ändern dürf­te. Meh­re­ren zehn­tau­send Fol­lo­wern gefällt das. Wären sie doch nur alle so wie Herr Unge!

Apro­pos Bohei: Udo Jür­gens ist tot, im Gegen­satz zu Robin Wil­liams, wo’s ja dann doch ein biss­chen über­ra­schend kam, mit 80 Jah­ren. „Mit 66 Jah­ren, da fängt das Leben an“, so sang Udo Jür­gens 1977, inso­fern hat­te er ver­mut­lich trotz­dem nicht viel vom Leben. Das eigent­lich Erstaun­li­che ist, wie vie­le Men­schen plötz­lich ihre Lie­be zum deut­schen Chan­son ent­decken und sich der zumin­dest lan­des­wei­ten Trau­er anschlie­ßen. Ist der Tod von Men­schen, deren blo­ßen Namen und nur wenig mehr man kennt, allein durch sein Ein­tre­ten ein beson­ders bedeut­sa­mer?

Es gibt aller­dings auch gute Nach­rich­ten: Nina Pers­son, Magnus Carl­son und Ebbot Lund­berg – drei Grö­ßen der schwe­di­schen Pop­mu­sik – beschäf­ti­gen sich momen­tan in Form einer Neu­ver­to­nung mit der Hin­ter­las­sen­schaft der guten alten The Vel­vet Under­ground und das klingt deut­lich bes­ser als man es von blo­ßen Cover­ver­sio­nen erwar­ten wür­de. Eben­falls weit in die musi­ka­li­sche Ver­gan­gen­heit zurück greift die nor­we­gi­sche Band Fatal Fusi­on, die außer, nun, Fusi­on auch Retro-Prog zu ihren bevor­zug­ten Gen­res zählt. Das pas­send benann­te Album „The Anci­ent Tale“ war 2013 durch mein Raster gefal­len, was ein biss­chen scha­de ist. Nicht nur der Voll­stän­dig­keit wegen, auch und gera­de, weil’s Spaß macht, wäre es rat­sam, den heu­ti­gen Tag mit ihnen zu begin­nen.

Halls of amen­ti Fatal Fusi­on

Guten Mor­gen.

NetzfundstückeIn den NachrichtenPiratenpartei
Kurz ver­linkt: Han­ne­lo­re Kraft / Mone­ta­ri­sie­rung des Webs

Hihi:

Weil es kei­ne Mit­tags­pau­se gege­ben habe, sol­len die Abge­ord­ne­ten von SPD, CDU und Grü­ne (sic!) die Rede­zeit des Pira­ten-Abge­ord­ne­ten Joa­chim Paul für einen Gang in die Kan­ti­ne genutzt haben.

Aber weil der sich bewusst sehr kurz gefasst habe, sei das Red­ner­pult nach weni­gen Minu­ten frei für die näch­ste Red­ne­rin gewe­sen – für Mini­ster­prä­si­den­tin Kraft. (…) Und so habe Kraft ihren Vor­trag – völ­lig unge­wohnt – hal­ten müs­sen, obwohl fast nie­mand zuge­hört habe. „Etwas über­töl­pelt“ soll sie des­we­gen gewe­sen sein, berich­ten die Pira­ten.

Ande­rer­seits: Gewählt wird meist nicht der­je­ni­ge, der die packend­sten Reden hält. Inso­fern ist’s wohl auch egal.


Letz­te Woche ver­link­te ich wie­der ein­mal netzwertig.com, die­se Woche ertönt der Schwa­nen­ge­sang:

Trotz­dem haben wir uns nach lan­gem Über­le­gen und schwe­ren Her­zens dazu ent­schlos­sen, das Kapi­tel netzwertig.com in der bis­he­ri­gen Form zu been­den. (…) Ver­locken­de neue Her­aus­for­de­run­gen; die Schwie­rig­kei­ten, ein Ange­bot wie netzwertig.com nach­hal­tig zu mone­ta­ri­sie­ren sowie die auf Dau­er begrenz­te Reich­wei­te der Fach­be­richt­erstat­tung über Tech­no­lo­gie-The­men in deut­scher Spra­che erleich­ter­ten uns den Ent­schluss etwas.

Ich schrei­be nun übri­gens seit über neun Jah­ren, davon über­wie­gend unter die­ser Domain, ohne wirk­li­che Unter­bre­chung län­ge­re Tex­te unter eige­ner Ägi­de ins Inter­net hin­ein und habe weder eine nen­nens­wer­te Reich­wei­te noch eine Mone­ta­ri­sie­rung umzu­set­zen geplant, trotz­dem stel­le ich nicht den Betrieb ein. – Ver­geld­li­chung von Blogs ist aller­dings auch eine her­vor­ra­gen­de Geschäfts­idee. War­um ist dar­auf noch nie­mand gekom­men?