Zu den PEGIDA-Demonstrationen (ich berichtete) ansonsten vielleicht noch eine kritische Beleuchtung dessen, was die Leute daran eigentlich so stört: Merkel verurteile “fremdenfeindliche Tendenzen”, schreibt man auf SPIEGEL ONLINE und nennt dabei eigentlich schon das Hauptproblem.
Nun beginnt Fremdenfeindlichkeit ja schon damit, dass man “Fremde” zunächst einmal als Fremde wahrnimmt. Ich selbst halte mich für insofern “fremdenfeindlich”, als ich mir fremde Menschen in den meisten Fällen lieber nicht ertragen müsste, aber gegen die Ausländer und Moslems unter ihnen habe ich im Allgemeinen auch nicht mehr einzuwenden als gegen Inländer und Christen (gerade Letztere sind mir ohnehin besonders zuwider).
Haven’t we met? You’re some kind of beautiful stranger.
Madonna: Beautiful Stranger
Fremdenfeindlich. Feindlich gegen die Fremden. Fremd ist, mit wem man fremdelt. Die Bundeszentrale für politische Bildung weiß:
Fremd ist nur, was als solches erlebt wird. Nichts ist aus sich heraus und notwendig fremd. Das fremde Terrain erscheint im Erleben einfach vorhanden, tatsächlich ist es subjektiv gesetzt und Ergebnis willkürlicher Ordnungskriterien im Gefolge persönlicher Motive und gesellschaftlicher Konventionen.
Wer gegen Anhänger einer bestimmten Religion, Mitglieder einer bestimmten gesellschaftlichen Schicht oder Einwanderer aus einer bestimmten Region populistisch agiert, der ist noch kein Feind des Fremden. Eine überzeichnete Analogie: Ich halte auch Ursula von der Leyen für jemanden, der lieber putzen und backen sollte als dieses Land in den Krieg zu führen, und habe gegen Frauen trotzdem prinzipiell nicht viel einzuwenden.
Damit wir uns verstehen: PEGIDA, DÜGIDA, BOGIDA und all die übrigen Häuflein seltsamer Menschen sind wohl überwiegend politisch unsichere Demonstranten, deren Wut sich gegen das Falsche richtet, gegen den Boten nämlich, nicht jedoch das zerrüttete Sozialsystem. Das ist ein bisschen schade. Ihnen aber pauschal Feindlichkeit gegenüber Fremdem vorzuwerfen setzt womöglich ein falsches Signal. Unter den Demonstranten sind von ihrer Tageszeitung verblödete Unmündige sicherlich ebenso wie stramme Rechte und Opportunisten zu finden. Man mag sie einen Pöbel nennen, einen Haufen Leute, die beinahe so effizient wie ihre Gegendemonstranten (“NOPEGIDA”) wertvolle Lebenszeit anderer Leute mit ihrem Unsinn verplempern. Das Wort Fremdenfeindlichkeit aber ist fremdenfeindlicher als jedes Graffito auf Hauswänden.
Du kennst mich doch, ich hab’ nichts gegen Fremde. Einige meiner besten Freunde sind Fremde. Aber diese Fremden da sind nicht von hier!
Methusalix, in: Asterix, “Das Geschenk Cäsars”



Fremdenfeindlichkeit wird von der poliischen Elite und von Journalisten gern als Euphemismus verwendet, um das Wort Rassismus zu vermeiden. Denn das böse Wort Rassismus, das hat doch assoziativ und historisch mit Juden und Schwarzen zu tun, nicht jedoch mit Rumänen, Syriern, Irakern, und Kurden und vergleichbaren “Einwanderern ins deutsche Sozialsystem”.
Wenn Grenzen nicht zwischen den Völken verlaufen, sondern zwischen oben und unten, dann sind Fremde für mich die oberen 10 % und nicht die mir vergleichbaren Klassenzugehörigen. Fremd sind mir Zetsche von Mercedes, Hartz von VW, Diekmann von BLÖD und ihre willigen Vollstrecker, nicht dagegen Inge Hannemann, Ralf Boes, Florida Rolf und Arno Dübel. Fremd sind für mich diejenigen, die andere ausbeuten, unterdrücken, verblöden und entmündigen.
Und was soll hier “.….feindlichkeit” heißen? Bedeutet es im Umkehrschluss die Forderung nach mehr Freundlichkeit in den Ausländerbehörden, klimatisierte Abschiebebusse mit Imbiss an Bord und 100 Euro Handgeld als Hau-ab-Prämie? Freundlich sein ist ja schließlich kostenlos. Ansprüche und Rechte gewähren könnte dagegen teurer werden. Für Asylsuchende macht es im Ergebnis kenen Unterschied, ob die Aufforderung zur Ausreise mit einem “verständnisvollen” Lächeln bei einer Tasse Kaffee ausgesprochen wird oder per schridftlicher Verfügung im Beamtendeutsch.
Sehr schön! Beim Lesen des Artikels habe ich die ganze Zeit gedacht, daß das Methusalix-Zitat einfach perfekt paßt, und: Kaum ein paar Zeilen weiter kam es auch schon! Tjaja, die alten Säcke, die noch Asterix kennen…
Da fühle ich mich gleich persönlich angegriffen.
Ich kenne zwar Asterix schon sehr lange, aber ich bin nicht alt, neineineineinein, wer sowas sacht, der lügt.
Aber ansonsten, Full ACK!
das asterix zitat gehört zu den von mir am meisten verwendeten … und ich gucke (fast) immer in verblüffte gesichter, weil … verdammte jugend! … heute keiner mehr seinenasterix-kanon herunterbeten kann. was lernt diese jugend eigentlich in der schule?
das mit den christen ist bei mir so wie mit den deutschen. kann ich nicht leiden. wenn ich im ausland bin und was deutsches höre, verkrieche ich mich in irgendeine ecke. geht übrigens der chinesin hier im haus ebenso, was die chinesen betrifft.
@altautonomer
[..] Und was soll hier „…..feindlichkeit” heißen?
wenn du so alt und so autonom bist wie ich, kannst du dich vielleicht daran erinner, daß die CDU seit mindestens 40 jahren alles getan hat, um jede art von integration zu sabotieren … wir sind halt im kern noch unzivilisierte nazis und haben in der tat ein “rasse” problem. du solltst aber in sofern differenzieren, daß die grünen zb. immer von einer multikulturellen gesellschaft geredet haben … ein wort, das heute desavouiert und von niemanden verteidigt zu werden scheint, jedenfalls nicht bei den jüngeren.
und, naja, _respekt_ hätte eigentlich immer gereicht, oder, da muss man keine vorauseilende besserbehasndlung fordern, das tun nur philosemiten und ihre intellektuellen pendants, die nicht merken, dass das dann positiver rassismus wäre.