Archiv für die Kategorie ‘und so’.

Was nicht passt, wird passend gemacht.

ComputerIn den NachrichtenMir wird geschlechtMontagsmusikPolitik
Jethro Tull – Bourée

MontagskauzMontag. Nein, Moment: Montag! Welch famoser Kontrast ein verregneter Montag doch ist, wenn man das Wochenende stattdessen zu zweit verbrachte! Dieses Unterangebot an Sonntagen, übrigens, gilt es vom freien Markt baldmöglichst zu korrigieren.

Apropos Sonntag: Auf dem Bundesparteitag der Piratenpartei Deutschland, der gestern endete, hatte ein Organisator der AG SingleMalt einen Antrag eingereicht, der prompt angenommen wurde: Die Parteiprogramme sollen künftig geschlechtersensible Sprache berücksichtigen. Schade, dass der gute Ruf von Whiskey darunter leiden muss, denn nüchtern kommt hoffentlich niemand auf so eine beknackte Idee. Und die Netzpolitik? Nun ja: Über 5.000 Menschen in Deutschland sind stündlich so doof, dass sie alles anklicken, was wie eine Datei aussieht. „heise online“ rät zu mehr Sicherheitsupdates, ich rate unverändert zu einem Pflichtführerschein für das Internet.

Keine Sorge, es gibt Schüsslersalze gegen Leichtgläubigkeit. Wenn es schon anderweitig an Sicherheitsmaßnahmen gegen Idiotie mangelt: Jeb Bush, weder klügerer noch talentierterer ehemals potenzieller Nachfolger des Nachfolgers von George W. Bush, twitterte vor nicht allzu langer Zeit ein Symbolbild für Amerika, namentlich eine Waffe mit seinem Namen darauf, denn wenn so ein Amerikaner etwas wählen kann, was tötet, dann macht er das auch, weshalb die dortige „Cosmopolitan“ ihren Leserinnen nicht etwa dazu rät, von Waffenträgern fernzubleiben, sondern sich nur auf solche einzulassen, die einen Waffenschein besitzen. Die meucheln nicht, die wollen nur spielen.

Die deutsche „JOY“ indes – die mit Emma Watson vorne drauf – stellt fest: „Fell-Klamotten machen Männer verrückt!“ (Seite 52). Ob ich mich über eine Frau mit Plüschpantoffeln nicht eher köstlich amüsierte als dadurch verrückt zu werden, möchte ich nicht klar beurteilen können, beschränke mich somit auf die Feststellung, dass ich Informationen über die Männer total stier („kann je nach Kontext entweder supergut oder superblöde bedeuten“, Seite 49) finde.

Ebenfalls total stier: Jethro Tull.

Jethro Tull – Bourée, TV Broadcast 1999 HD

Guten Morgen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Kula Shaker – K 2.0

Kula Shaker - K 2.0Ein Jahr kann anscheinend gar nicht so jung sein, dass es nicht schon musikalisch zu begeistern wüsste. Nach dem etwas mauen Anfang des Jahres 2016 mit dem schnarchlangweiligen Sternenalbum des grotesken Popstars David Bowie kommt aktuell aus, immerhin, Großbritannien etwas Abwechslung ins Heim, namentlich das neue Album „K 2.0“ des Quartetts Kula Shaker.

Man möge sich nicht täuschen lassen: Die angebliche Magie des Buchstaben „K“, die die Bandgeschichte seit der frühen Umbenennung in „The Kays“ begleitet, mag in diesen Titel eingeflossen sein, eine bloße Fortsetzung oder gar Neueinspielung des nunmehr zwanzigjährigen Debütalbums „K“ aber ist hier nicht erfolgt. Das wäre auch zu einfach. Alte Stärken aber bleiben bestehen.

Mit „Infinite Sun“ eröffnen indische Klänge wie einst bei den Beatles das Album, ein Chor singt indianische Weisen und neuheidnisches Liedgut: We are one in the infinite sun / fly like an eagle // She changes everything she touches / and everything she touches changes. Esoterisch? Nein. Abgedreht? Natürlich!

Die Beatles, apropos, sind hier ohnehin allgegenwärtig, vielleicht auch, weil Crispian Mills mitunter gesanglich nicht allzu weit von John Lennon entfernt ist. Von Eintönigkeit auszugehen täte Kula Shaker trotzdem Unrecht: Auf „K 2.0“ stehen Psychedelic Rock („Infinite Sun“), Funkrock („Get Right Get Ready“), Country („Death Of Democracy“, trotzdem ganz in Ordnung) und der beinahe unvermeidliche Britpop („Mountain Lifter“) harmonisch nebeneinander wie sonst nur weniges.

Kula Shaker – Infinite Sun

Jetzt bloß nicht nachlassen, 2016.

In den NachrichtenMontagsmusik
Maserati – Monoliths

Nicht im Bild: KäuzchenWelch ein Montag, welch ein Fest. Valentin hieß Karl und mehr möchte man nicht wissen müssen. Zu zweit ist Tristesse fast auszuhalten und Verliebtheit sowieso.

Das Fernsehen aber nur schwerlich. Laut den Nachrichten, die ja gelegentlich ihre eigene Metaebene bilden, diskutierten kürzlich diverse Berufsschwätzer bei einer Frau Anne Will – von meinen Gebühren!!1 – ebendort über die Frage, ob Großmächte moralisch handelten. Ganz schön viel Sendezeit für ein einfaches „Nö, lol“. Andererseits scheint anlässlich der dortigen Kämpfe zwischen Sympathisanten der Leute mit prima Bomben („dem Westen“) und Sympathisanten der Leute mit weniger prima Bomben („den Russen“) manchmal nicht völlig klar, wer nun eigentlich für das Gute demonstriert.

Früher hatte das, was mancher unter einer Demonstration verstehen mag, wenigstens noch einen klangvollen Namen, heute heißt eine solche, wie jüngst in Augsburg, zum Beispiel Amore statt Peng Peng. Glotz glotz, nix kapier. Sackhüpfen gegen Rechts. Sollte sich bis dahin noch ein halbwegs Erwachsener unter den Anwesenden befunden haben, so hat man danach vermutlich nie wieder etwas von ihm gehört.

Von wem man übrigens allerdings wirklich mal wieder mehr hören sollte, sind Maserati. Fangen wir doch gleich heute damit an.

Maserati – Monoliths (Live on KEXP)

Guten Morgen.

Sonstiges
Medienkritik in Kürze: Huiiiiiii!

Kühe machen „muuuuuuuuh“, Enten machen „naaaaaaak“, Pinguine machen „quäääääk“.

Und Sterne?

Richtig, „SPIEGEL“ (7/2016):

SPIEGEL 7-2016

Brummmm!

(Abt.: „Was kennt ihr für Sternbilder?“ – „Großer Bär!“ – „Perfekt!“)

In den NachrichtenNerdkramsWirtschaft
Tweetwachstum / Schrödingers Boolean

Und dann war da noch Twitter.

Das damalige Nebenprodukt einer eigentlich ganz anderen Software, das 2006 als eine Art „SMS fürs Web“ entwickelt wurde, fand mit seinem simplen Konzept sehr schnell Abnehmer, also Nutzer; dies wohl auch, weil es ein einigermaßen eigenständiges Ziel verfolgte und nicht versuchte, ein besseres MySpace, StudiVZ, Friendster oder mittlerweile Facebook zu sein. Offene APIs sorgten für eine ungeahnte Vielzahl an „alternativen“ Twitterclients (zum Beispiel für meinen), das Echtzeitmodell ließ Twitter mitunter zu einem wichtigeren Nachrichtenportal werden als Nachrichtenportale selbst.

Ärgerlich am „Wachstum“ eines solchen Dienstes aber sind, von den Folgen für potenzielle Konkurrenz wie GNU Social – Kennt ihr nicht? Seht ihr! – einmal abgesehen, für ihn selbst zwei Faktoren: Zum Einen ist exponenzieller Zuwachs an Benutzern irgendwann unrealistisch bis unmöglich, was ein Problem ist, das sich Twitter immerhin mit den Herstellern von Mobiltelefonen teilt, es hat eben kaum ein Mensch mehr als nur zwei Ohren; zum Anderen kann ein Unternehmen mit solchem Personal und solcher technischer Infrastruktur nicht beliebig lange damit rechnen, dass man von gutgläubigen Investoren leben kann. Gerade, wenn man wie Twitter ohne ein funktionierendes Geschäftsmodell den Börsengang wagt, wird die Lage mit der Zeit selten entspannter.

Nun hätte Twitter einfach den logischen Schritt vollziehen und bezahlte Konten einführen können, die dann zum Beispiel animierte Avatare oder sonstige für die meisten Menschen völlig egale Extras als Belohnung bekommen hätten. Stattdessen hat man sich bei Twitter angesehen, was (erster Fehler) der Marktführer Facebook so anders macht als man selbst, und (zweiter Fehler) beschlossen, dass einiges dort genau das ist, was Twitter, das überhaupt nicht versucht hatte, ein „soziales Netzwerk“ zu sein, dringend brauche. Anstupsen war es bedauerlicherweise nicht.

Twitter bekam also ein neues Aussehen, geschwätzigere Benutzerprofile, die Möglichkeit, sich in Direktnachrichten ohne die übliche Begrenzung auf 140 Zeichen auszudrücken, und nun endlich auch die Funktion, kein Echtzeitmedium mehr zu sein: Man kann Tweets jetzt nach Relevanz sortieren, wohlgemerkt: nach der von Twitter geschätzten Relevanz, was ungefähr „je mehr Leute einem Benutzer folgen, desto relevanter ist sein Sermon“ bedeutet. Dass diese Option nicht nur abschaltbar, sondern auch standardmäßig deaktiviert ist, sich für bestehende Nutzer also bis auf Weiteres nichts ändert, milderte die Protestwelle kaum ab. Wieder einmal ist Twitter „endgültig“ gestorben, wieder einmal werden obskure Alternativen als die künftige Heimat ganz Twitters angepriesen; beginnend mit nächster Woche werden diese Alternativen dann allesamt wieder Staub ansetzen, weil ein Nichttwitter eben keinen Spaß macht, wenn man dort ganz allein lustig ist.

Worauf ich aber eigentlich hinaus wollte: Die Nutzerzahl von Twitter stagniert, und das hat durchaus Gründe, die nichts damit zu tun haben, dass Twitternutzer eigentlich lieber bei Facebook wären.

Warum führt Twitter nicht endlich auch Glücksnüsse ein? :motz:


Apropos :motz::

Computer sind prima, weil sie binär funktionieren und es nur richtig und falsch gibt, richtig?

Falsch!

Ein Programm hat, grob zusammengefasst, zwei mögliche Zustände beim Beenden, nämlich true (alles hat funktioniert) oder false (irgendwas lief beim Ausführen schief), dabei entspricht der Rückgabewert 0 oder „gar nichts“ in der Regel true und jede größere Zahl false. Das true-Programm (true.c) aus dem GNU-Projekt – das ist das, mit dem sich Linuxnutzer angeblich herumärgern müssen – lässt das aber offen:

true ist unter handelsüblichem Linux also entweder true oder false, das ist Definitionssache. :mrgreen: Dass für eine derartige Aufgabe 80 Zeilen nötig sind, erklärt sich überwiegend daraus, dass ja Versions- und Hilfeausgaben nötig sind, falls der Benutzer mal nicht weiß, welche Version von „gib 0 zurück“ er nun eigentlich verwendet.

Falls sich das mal ändert oder so.

(teilweise via @ixception)

In den Nachrichten
Christliche Pappnasen (Nachtrag): Nous sommes le carnaval!

Erinnert sich noch jemand an das witzige Komikerduo „Erkan und Stefan“, das vor nicht besonders langer Zeit – also vor ungefähr 34 Jugendsprachen – die so genannte „Kanak-Sprak“ zum witzigen Stilmittel erhob und damit durchaus vergleichsweise erfolgreich war?

Erkan und Stefan – Respektive Berufe – Türsteher

Florian „Stefan“ Simbeck macht inzwischen etwas Seriöseres, er regt sich zum Beispiel im Web über Karnevalswagen auf:

Der Faschingsumzug im oberbayerischen Steinkirchen beschäftigt nun auch die Ermittlungsbehörden in Oberbayern: Sie ermitteln wegen des Verdachts der Volksverhetzung. Bei dem Umzug fuhr auch ein als Panzer dekorierter Wagen mit den Aufschriften „Ilmtaler Asylabwehr“ und „Asylpaket III“.

Die Botschaft hinter dem Wagen wie auch hinter vielen ähnlichen – Mario Sixtus, der vom Charliesein nichts hält, verteilte erstaunlich wenig wortreich Inflektive darüber – ist offensichtlich eine Satire auf die gegenwärtige Entwicklung hin zu einer restriktiveren Asylpolitik. Das hätte Mario Sixtus und den Ermittlungsbehörden natürlich mal jemand sagen können, dass Karnevalsumzüge oftmals bissige Kritik an der Politik des Landes thematisieren und nicht nur allenfalls für sehr betrunkene Menschen gerade noch mittellustige Furzwitzfeiern sind. Was Satire davor schützt, zum Instrument irgendeiner Herrschaft zu werden, ist ja gerade ihr pubertär-anarchistischer Geist, der über alles seine Witze reißen will. Ein anderes Medium empfiehlt scheinironisch die Einrichtung eines Satireministeriums, um erlaubte (also solche, an der sich niemand stößt) von unerlaubter Satire zu trennen, was es immerhin von der Ägide des bisher letzten Reichspropagandaministers („Der politische Witz wird ausgerottet“, Februar 1939) unterscheidet, der das offensichtlich auch nicht besonders ironisch gemeint hat.

Nein, vom Terrorismus lassen „wir“ – der Westen – uns die Späße nicht verbieten. Wir bringen die Späße schon vorher in Sicherheit.

In den NachrichtenPolitikWirtschaft
Terrorgeld

Das hat Allzwecklosminister Schäuble schon richtig erkannt: Wer in diesem Land trotz der horrenden Steuern, der Inflation und der Mietpreise noch über eine nennenswerte Summe Bargeldes verfügt, der macht bestimmt was Anrüchiges.

Nur solle die Geldwäsche besser bekämpft werden. Und deshalb erwägt das Ressort von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), eine Obergrenze für Bargeldgeschäfte von 5.000 Euro einzuführen. (…) Bei dem Vorstoß, Zahlungen oberhalb einer gewissen Grenze verpflichtend per Überweisung vorzunehmen, gehe es nicht um die Abschaffung des Bargeldes, sondern um die Bekämpfung von Geldwäsche und Steuerbetrug im großen Stil.

Geldtransfers mit größeren Beträgen sind also künftig bevorzugt virtuell vorzunehmen. Angst vor Überwachung? So ein Quatsch. Die USA haben doch versprochen, in Zukunft ein bisschen reuiger zu gucken, wenn ihre Geheimdienste bei der Arbeit ertappt werden. Auch eine Art von Moral.

Seid erkennbar; wichtiger noch: seid verfolgbar! Es ist ja zu unser aller Wohl. Es wird die meisten Verbrechen effizient verhindern, wenn etwa durch unsaubere Geschäfte erworbenes Geld nur noch in Koffern ausgetauscht werden kann, die höchstens 5.000 Euro beinhalten. Mehr geht nicht, mehr ist ja verboten.

So viel Geld lässt sich, weiß Gott, nicht mit etwas Gutem verdienen.
Friedrich Schiller: „Kabale und Liebe“

In den NachrichtenNerdkrams
Datenschutz unter Fuchsfeuer

Im Forum von „heise online“ vermeldete heute ein pseudonymer Nutzer, es brauche eine Alternative zur Suchmaschine von Google, denn „wir“ könnten nicht „unser“ gesamtes Wissen durch Google „vorfiltern“ lassen. Wenn doch nur jemand eine zweite Suchmaschine und ein unabhängiges Nachschlagewerk erfände!

Einen zweiten Browser könnten „wir“ übrigens auch mal brauchen. Bei Mozilla, einem der früher offensichtlichen Werbekunden von Google, hat man schon seit längerer Zeit ein gespaltenes Verhältnis zu Privatsphäre und Datenschutz; bei der Entscheidung zwischen letzteren Dingen und einer möglichst deppensicheren user experience fallen diese Kriterien mitunter auch völlig aus der Planung.

Ein häufiges Problem von Webnutzern ist es, sich all die komplizierten Kombinationen aus Benutzernamen und Passwörtern zu merken. Nicht jeder möchte eine separate Passwortverwaltung nutzen. Hierfür gibt es zum Beispiel den etablierten Dienst OpenID, der von vielen Websites unterstützt wird; viele Menschen besitzen bereits eine OpenID-Kennung, ohne es zu wissen. Mozilla aber fand, es sei den Benutzern nicht zuzumuten, Anmeldedaten über einen Server ihrer Wahl verifizieren zu lassen, und ersann Mozilla Persona, dessen einziger nennenswerter Unterschied zu OpenID darin besteht, dass es die Passwörter für 24 Stunden im Browser speichert, was für den Datenschutz sicherlich prinzipiell sehr hilfreich ist.

Nachdem Mozilla bekanntgegeben hatte, Persona wegen mangelnden Zuspruchs im November dieses Jahres einzustellen, musste natürlich eine selbstgestrickte Alternative her, deren schnelle Verbreitung von vornherein sichergestellt sein sollte. Das neue große Dingsbums nennt sich Firefox-Accounts, es wurde bisher vorrangig für den Dienst „Firefox Sync“ verwendet und soll künftig die einzige Anmeldemethode für alles sein, was mit Mozilla zu tun hat. Verhindert wird damit die Trennung zwischen mehreren Pseudonymen (ein einzelner Benutzer von Mozilla-Produkten wird damit leichter identifizierbar), ebenso wird es nicht mehr möglich sein, sich mit einer beliebigen, nicht eindeutig zuordenbaren E-Mail-Adresse zum Beispiel auf der Addons-Seite anzumelden.

Demnächst wird dann ein Mozilla-Entscheider vielleicht diese neue, hippe Funktion „Anmelden mit Facebook“ entdecken. Das würde das Problem ja ein für allemal…

:irre:

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Purposeful Porpoise – Cycles

ChrrrrrrEs ist Montag, ab jetzt geht’s bergab. Das Sonntagsmiteinander erinnert stets daran, wie sehr es das Leben aufwertet und sich dadurch unverzichtbar macht. Stand up, stand up, stand up. Das Dasein als Aphorismus, man wollte es nicht anders. Attraktion macht Sprachgefühl kaputt und das ist eigentlich nur ein bisschen furchtbar.

Man könnte es ja auch schlimmer haben, man könnte stattdessen Staatsbesuch aus dem Iran bekommen. Erst mal die beschniedelten Statuen verstecken. Sonst glaubt der noch, Italiener hätten eine aufgeklärte Gesellschaft.

Darf man 2016 eigentlich noch von einer aufgeklärten Gesellschaft reden? Da fliegen immerhin Handgranaten auf Flüchtlingsheime, was ja nun nicht besonders zivilisiert wirkt; aber keine Sorge, die Schuldige ist vom Föjetong schon ermittelt worden: Frauke Petry (AfD) befürwortet bewaffneten Grenzschutz, was natürlich kontrovers diskutiert („AfD verbieten! Nazis auf’s Maul!“ usw.) wird, denn die Deutschen sollen bitteschön nett zu Leuten sein, die hier reinwollen. Anderen geht das ja auch immer noch nicht schnell genug: Der offensichtlich nicht mehr völlig dichte Nato-Generalsekretär, ein Herr Stoltenberg, fordert mehr deutsche Berufsmörder beim Einsatz gegen das Böse. Irgendwo mehr Soldaten hinzuschicken war bekanntlich schon immer ein Garant für ein friedliches Miteinander.

Frieden ohne staatlich geförderte Gewalttäter können oder wollen sie nicht, aber „organisieren können die Deutschen“ (Traudl Junge, 2001) allerdings, und dafür reicht es allemal: Hitler ist nun kein Ehrenbürger von Uetersen mehr. Das hat er nun davon.

Wir hingegen haben von diesem Montag auch Musik.

Purposeful Porpoise – Cycles

Guten Morgen.

In den Nachrichten
ZUGRIFF! – Entschuldigung. ZUGRIFF! – Entschuldigung. ZUGRIFF! Entsch-

Hoppla:

Es ist kurz vor sechs Uhr, als Beamte des Bielefelder Spezialeinsatzkommandos (SEK) und ihre Kollegen einer Hundertschaft an einem Mehrfamilienhaus an der Gütersloher Diekstraße vorfahren, sich schusssichere Westen und Sturmhauben überstreifen und ihre Waffen in Anschlag nehmen. (…) Mit den Worten: „Das ist die falsche Wohnung“, verschwinden sie so schnell, wie sie gekommen waren. An der Tür zur Nachbarwohnung setzt die vermummte Eingrifftruppe erneut den Rammbock an. Wieder wird ein Mann im Schlaf überwältigt, wieder ist es der Falsche. Auch beim dritten Vorstoß eine Etage tiefer sind die Polizisten an der falschen Adresse. Erst der vierte Anlauf gelingt.

:wallbash:

In den NachrichtenWirtschaft
VW: Das Management.

Wenn schon sonst nicht mehr auf vieles Verlass ist, so hat doch wenigstens der Volkswagen-Konzern endlich eine Antwort auf die Frage gefunden, wie man wieder zu einer beliebteren Automarke wird. Dafür hat Markenchef Herbert Diess kürzlich ein „Zwölf-Punkte-Programm“ vorgestellt, das alles besser machen soll.

Nämlich so (Quelle: Internet):

1. Weltweite Positionierung

Die verfügbaren Automarken des Konzerns sollen an die jeweiligen Märkte „angepasst“ werden. Einige Automarken werden in bestimmten Ländern also wegen geringer Verkaufszahlen vermutlich eingestellt werden.

Vermutung: Damit werden auch weniger Mitarbeiter benötigt.

2. Kosten und Aufwand

Durch geringere Kosten soll mehr Gewinn erzielt werden.

Vermutung: Übermäßig teure Posten, zum Beispiel zu viele Mitarbeiter, werden reduziert.

3. Regionssteuerung

Regionsmanager von Volkswagen sollen mehr Einfluss erhalten, um mehr Kontrolle über „ihr“ Gebiet zu haben.

Vermutung: Mit mehr Verantwortung geht auch mehr Gehalt für Manager einher.

4. Neue Unternehmenskultur

Bei Volkswagen soll ein regerer Austausch zwischen den verschiedenen Unternehmensebenen stattfinden. Worin das resultieren wird, bleibt abzuwarten.

5. Zukunft durch Effizienz

Es sollen unter anderem Unternehmensprozesse beschleunigt und entfehlert werden, unnötige und potenziell Fehler machende Zwischenglieder zwischen Führungsebene und Belegschaft und damit Mitarbeiter oder ganze Abteilungen entfernt werden. Wachstum ist alles.

6. Kommunikation

Es soll eine vom Konzern unabhängige Markenkommunikation bei Volkswagen geben.

Vermutung: Was immer damit gemeint sein mag, es resultiert doch letztendlich in outsourcing und damit weniger Bedarf an Mitarbeitern.

7. Effiziente Prozesse, schlanke Strukturen

Vermutung: Habe ich eigentlich schon über Entlassungen spekuliert?

8. New Volkswagen

Bereits jetzt beschäftigt der Volkswagen-Konzern unzählige externe Dienstleister, die als Zulieferer die „Digitalisierung“ der Automobile vorantreiben. Künftig soll diese „Digitalisierung“ noch etwas mehr Gewicht bekommen.

Vermutung: Da die externen Dienstleister die entsprechenden Entwicklungen bereits beitragen, sind weniger interne Mitarbeiter notwendig.

9. Exzellente Führung

Die Wirksamkeit von Führung soll im Mittelpunkt stehen.

Vermutung: Mehr Geld für effiziente Manager.

10. Strategiehaus

Es soll mit zusätzlichem Personal eine Markenstrategie entworfen werden. (Ach so, das ist noch gar keine Strategie?)

Vermutung: Das zusätzliche Personal wird, wie so oft, vorübergehend extern angemietet. Das Gehalt wird durch Entlassungen finanziert.

11. Unternehmerische Ziele und Strukturen

Die unternehmerische Verantwortung soll gestärkt werden.

Vermutung: Gehaltserhöhungen für Manager.

12. Erschließung Chancenmärkte

Volkswagen möchte auch in Ländern, in denen es bisher nicht sonderlich erfolgreich ist, „starke Teams“ etablieren.

Vermutung: Mehr Manager ins Ausland, dort gibt es auch preiswerte Arbeitskräfte.


Zur weitgehenden Umsetzung des 12-Punkte-Programms würden also zwei Änderungen genügen:

  • Mehr Einfluss und Geld für Manager
  • Weniger Mitarbeiter in weniger Abteilungen

Ich bin davon überzeugt, dass es so oder so ähnlich kommen wird. Und ich bin davon überzeugt, dass die Börse das goutieren wird.

In den NachrichtenMontagsmusikPiratenpartei
Explosions In The Sky – The Only Moment We Were Alone

KnutscheulenMontag, du Ekel! Er kommt auch jede Woche früher und kälter daher, diesmal allerdings unter wirklich guten Voraussetzungen. Öfter mal was ausprobieren, zu zweit kann nichts schiefgehen. Ein angemessener Dank kennt keine Worte.

Andere Leute reden zu viel: 93 von 150 Dresdnern sind rechtsohrig. Darf man 2016 noch Witze über Dresden und Richtungen machen? Dabei sind doch „Links“ und „Rechts“ mal wieder so aktuell wie selten zuvor: 36 politisch oft weniger nützliche Angehörige des eher am linken Rand fischenden Berliner Piratenumfelds, darunter natürlich Julia Schramm, betreiben jetzt Werbung für die „LINKE“. Postwendend hätte die Berliner Piratenpartei beinahe beschlossen, für die diesjährige Neuwahl des Abgeordnetenhauses nur mehr Parteimitglieder zuzulassen, was zu erstaunlichen Diskussionen führte. Natürlich lehne man die Piratenpartei ab, aber man wolle doch trotzdem für sie antreten dürfen, das habe man doch immer schon so gemacht. So ein Futtertrog lockt eben nicht immer nur die Elfen an. Anderswo greift man zumindest zu hemdsärmeligen Lösungen: Auf AfD-Wahlwerber wird mitunter scharf geschossen. Und Ihre Demokratie so?

Ebenfalls nicht zu den Elfen gehört die Telekom: Für 20 Euro im Monat kann man sich dort von der Störerhaftung freikaufen (natürlich mit Cisco-Routern, denn mit Cisco-Routern ist es selten ein Problem, vor Gericht den Übeltäter in Filesharingfällen nachzuweisen), womit die Abschaffung der Störerhaftung wohl bis auf Weiteres politisch erschwert sein dürfte. Der befreundeten Firma T-Systems nebst Mutterkonzern macht man doch als Staat nicht das Geschäft kaputt. Es gibt noch viel zu tun.

Aber vorher: Musik. Es ist Montag, da können Herz und Hirn einen kleinen Anschubser vertragen.

Guten Morgen.

In den NachrichtenSonstiges
Christliche Pappnasen

Man kann gegen Fasching, Fastnacht, Karneval eine Menge einwenden: Die Musik ist scheiße, die Witze sind dämlich, das Publikum würde unter allen anderen Umständen samt und sonders notgeschlachtet werden und die immergleichen Verkleidungen als Cowboy, „sexy“ Prinzessin/Hexe oder Batman möchte man ja eigentlich auch nicht jedes Jahr an Kindern sehen müssen.

All das Gerede ist aber offensichtlich nicht zíelführend, also tut endlich mal jemand was:

Im österreichischen Karneval soll es kein „Hohnlachen von Mehrheiten über Minderheiten“ wie Lesben und Schwule mehr geben. (…) Gleichzeitig verbietet die Ethik-Charta für den österreichischen Karneval allerdings auch scharfe Kritik an Religionen: „Fasching und Karneval dürfen niemanden in seinen Gefühlen verletzen. Das gilt in ganz besonderem Maße für den Umgang in religiösen Belangen“, heißt es im dem vierseitigen Papier.

Geboten sind daher Witze, die keine Person – keine Minderheiten, keine religiösen Fanatiker, vermutlich keine Politiker, praktisch also niemanden – dem Spott der Zuhörer aussetzen; es bleiben also nur abstrakte plots übrig. (Zählen eigentlich Städte? Kennt man Hannover in Österreich?) Da es nur zwei oder drei mögliche Pointen dafür gibt, ist Karneval in Österreich damit wohl in diesem Jahr ein sehr kurzes „Vergnügen“.

Auch der deutsche Karneval kennt übrigens eine „Ethik-Charta“, die in vielen Teilen der österreichischen verdächtig ähnlich ist. In beiden Fassungen findet sich folgender Passus:

Ebenso wie die anderen Weltreligionen hat das Christentum als die prägende Kraft europäischer Kultur und als Rahmenbedingung unseres Tuns Anspruch auf gebührenden Respekt.

Es ist gut, dass sich endlich mal wieder jemand auf unsere christlichen Traditionen beruft, das hatten wir bekanntlich schon länger nicht mehr. Das „heilige Buch“ des Christentums, die Bibel, weist an einigen Stellen darauf hin, dass Städte wie Sodom und Gomorra, in denen Homosexualität praktiziert wird, vom christlichen Gott durchaus auch mal zerstört werden. Der „Römerbrief“ wird noch etwas deutlicher:

Darum hat sie auch Gott dahingegeben in schändliche Lüste: denn ihre Weiber haben verwandelt den natürlichen Brauch in den unnatürlichen; desgleichen auch die Männer haben verlassen den natürlichen Brauch des Weibes und sind aneinander erhitzt in ihren Lüsten und haben Mann mit Mann Schande getrieben und den Lohn ihres Irrtums (wie es denn sein sollte) an sich selbst empfangen.
Römer 1, 26-27

Ach, was interessieren uns noch Jahrtausende alte Texte in der heutigen modernen, aufgeklärten Zeit? Nehmen wir ein neueres Beispiel, als 2008 der damalige so genannte Vertreter des christlichen Gottes auf Erden sich zum leidigen Geschlechterthema äußerte:

Die Menschheit solle auf „die Stimme der Schöpfung“ hören, um die vorgegebenen Rollen von Mann und Frau zu verstehen. Alles andere käme „einer Selbstzerstörung des Menschen und der Zerstörung von Gottes Werk selbst“ gleich.

Nur mal so aus Neugier, „Bund Österreichischer Faschingsgilden“, und „Bund Deutscher Karneval e. V.“:

Wenn eure alberne „Feier“ schon jedes Jahr wieder stattfinden muss und die Teilnehmer das Christentum zu respektieren haben – müssen Städte, in denen Homosexuelle leben, jetzt komplett zerstört werden oder reicht es, die Homosexuellen, wie in 3. Mose 20,13 empfohlen, paarweise zu töten?

Ich will das ja gebührend respektieren.

In den Nachrichten
Liegengebliebenes vom 21. Januar 2016

Religion ist kaputt, Religion kann weg:

Wegen des Vorwurfs der Gotteslästerung hat sich in Pakistan ein 15-Jähriger nach Polizeiangaben selbst die Hand abgehackt. (…) In der Predigt hatte der Imam gefragt, ob jemand anwesend sei, der nicht an den Propheten glaube, berichtete die Polizei. Weil er die Frage falsch verstanden habe, soll der Jugendliche seine Hand gehoben und sich gemeldet haben. (…) Anschließend habe sich der Jugendliche zu Hause die Hand abgehackt und sie dem Geistlichen als Symbol seiner Reue präsentiert, heißt es in Meldungen verschiedener Medien. Eltern und Dorfbewohner hätten die Tat des Jugendlichen als Zeichen der Zuneigung zum Propheten gefeiert, erklärte demnach die Polizei.

So ein Feigling. Sein Kopf wäre doch ein viel eindrucksvolleres Symbol gewesen. Allah ist hoffentlich sehr enttäuscht.


Gute Nachrichten: Der Mann, der monatelang in Häuser eingebrochen war, um Männer am Anus zu kitzeln, wurde verhaftet.


Sascha Lobo schreibt:

Vielen Leuten bekommt das Internet einfach nicht.

Hadmut Danisch ergänzt:

Und wisst Ihr (sic! A.d.V.), was mir aufgefallen ist, nämlich auf den Journalistenkonferenzen, bei denen ich auch Lobo live erlebt habe? Dass wir überschwemmt werden von einer Jungjournalistengeneration, die überhaupt nichts mehr denken und recherchieren kann und sich nur noch in den Social Media bewegt und aus Twitter abschreibt.


Was hat uns denn allen noch gefehlt? Richtig: Noch mehr Geräte mit Internet dran!

Mir wird geschlechtPersönlichesPiratenpartei
Der Zusammenbruch der Hackerkultur durch den Siegeszug des Twitterfeminismus

(Vorbemerkung: Ich bin zurzeit Mitglied von CCC und Piratenpartei, hoffe aber, deswegen nicht an irgendwas die Schuld zu tragen. Es folgt, da mich einige Geschehnisse der letzten Jahre nicht ganz unbewegt lassen, ein idealistisch motivierter Aufregtext, der keinesfalls zu einer sachlichen Diskussion beitragen soll.)

Felix „Fefe“ von Leitner ist aus dem Chaos Computer Club ausgetreten. Um zu verstehen, warum das ein schlechtes Zeichen ist, ist es ratsam, die Geschichte der Hackerkultur in Deutschland einmal genauer zu betrachten.

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