Archiv für die Kategorie ‘In den Nachrichten’.

Wenn ich Nachrichten sehe, höre oder lese, muss ich darüber schreiben, sonst werde ich sauer.

In den NachrichtenMontagsmusikPolitikWirtschaft
Acid Mothers Temple & The Melting Paraiso U.F.O. (live)

Hi.Es ist Montag, es ist Krieg oder auch nicht: „Merkel will Obama die deutsch-französische Friedensinitiative erklären“, was ja beim Thema Bürgerrechte schon regelmäßig scheitert, aber man will ja nicht das Freihandelsabkommen auf’s Spiel setzen, der Juniorpartner der USA wahrt seinen Stand. Anderswo schwätzt Nils Minkmar für die „FAZ“ etwas über „Putinversteher“ ins Internet. In dieser schönen klaren diplomatischen Welt ist zumindest sicher, wer über jeden Zweifel erhaben ist. Sorgen um Griechenland und die Ukraine trüben den Markt, +++ EIL +++ PANIK +++, also müssen Griechenland und die Ukraine schnellstmöglich befriedet werden. Schicken wir doch Waffen und/oder Soldaten hin, vielleicht haben die Kinder dort dann wieder mehr zu essen.

Andererseits: Was ist schon von Medien zu erwarten, die einen Artikel über den rotbäckigen Belgier mit dem Mordswumms für Journalismus halten? Der Tempel der Wirtschaft ist eine Festung.

Dieser hier übrigens auch:

Acid Mothers Temple & The Melting Paraiso UFO – La Maroquinerie, Paris, 10-18-2013 (full show)

Guten Morgen.

In den NachrichtenNerdkrams
Einfalt und Vielfalt (2): Das Phantom / der Opera

Gelegentlich beklagte ich bereits hier und anderswo die fehlende Diversität auf dem hart umkämpften Browsermarkt. Während sich Firefox, Chromium/Chrome und Internet Explorer optisch und funktional – was bedeutet, dass Firefox immer weniger kann – einander immer weiter angleichen, stechen nur noch wenige Sonderlinge wie SeaMonkey und uzbl aus der Masse optisch wie technisch heraus; wobei das ja auch schon wieder nicht stimmt, denn uzbl basiert wie viele andere Browser auf der WebKit-Rendering-Engine. Der immer gleiche Wein in immer neuen Gläsern. Irgendwann schmeckt’s fad.

Den letzten einigermaßen bekannten anderen Browser Opera hat ebenfalls WebKit dahingerafft, siehe zum Beispiel hier und hier und hier und hier und hier. Zu aufwändig sei es gewesen, mit den Entwicklungen Schritt zu halten, und für ein Nischenprodukt sei man nicht mehr bereit, verkündete man aus dem Hause Opera Software. Die Masse macht’s.

Mit dem bedrückenden Ergebnis, dass die Bewohner der Nische, die Opera bis einschließlich der Version 12 besetzte, gegen ihren neuen Glücklichmacher revoltieren und plötzlich von so großer Zahl sind, dass es für immer neue Browser reicht. Das schäbige Geschäftsmodell „Wir bauen, weil wir so unfassbar kreativ sind, Opera 12 auf Chromium-Basis nach“ wirft rege Triebe.

Der Otter Browser, ein freier Opera-12-Nachbau, der irgendwann auch E-Mail und andere Browserengines als WebKit unterstützen können soll, hatte dabei gute Chancen, trotz der Konkurrenz durch Fifth (u.a.) dauerhaft zu bestehen. Immerhin steckte der Entwickler viele Ressourcen in die stetige Weiterentwicklung.

Bis Dienstag, denn Dienstag geschah dies:

Vivaldi Technologies AS hat gerade den Browser Vivaldi herausgebracht.

Vivaldi Technologies wurde von Jón von Tetzchner gegründet, nachdem er Opera ASA Norwegen verließ. (…) Jón von Tetzchner hatte angekündigt einen eigenen Browser herauszubringen, der ein vollwertiger Ersatz für den von Opera ASA vernachlässigten und vor über einem Jahr in der Entwicklung aufgegebenen Browser Opera 12 sein sollte.

Bei Vivaldi Technologies handelt es sich – wie bei Opera Software ASA – bereits jetzt um ein gewinnorientiertes Unternehmen mit einigen wohl bezahlten Mitarbeitern, der Browser ist zumindest nicht – wie Otter – ein Hobbyprojekt von Bastlern, sondern soll vermutlich früher oder später auch kommerziell vermarktet werden.

Die erste öffentliche Vorabversion zeigt neben dem gewohnten Trend zur Verflachung bereits einige Funktionen, die man am alten Opera, wie es heißt, durchaus zu schätzen wusste, darunter die mehrteilige Seitenleiste („Panel“, leider nicht mehr so schön wie damals als „Paneele“ übersetzt). Es lasse sich täuschen, wer will: Auch Vivaldi basiert auf Blink, der Opera-/Chrome-Version von WebKit. Ein weiteres Glas für die abgestandene Flasche. Natürlich wird’s trotzdem gefeiert, denn, hui, ein neuer WebKit-Browser, der aussieht wie ein alter Nicht-WebKit-Browser, das gibt es nicht so oft. Auch diese Inkarnation der Opera-Idee kommt ohne sinnvollen Werbefilter oder Lesezeichenleiste daher, aber der Trend geht zur Verknappung von Grundfunktionen. (Dass man unter Android meist nicht mal mehr eine Option zum Abschalten von JavaScript auf Websites findet, spiegelt diesen erschreckenden Trend sehr eindrucksvoll wider. – Allerdings ist Vivaldi momentan noch sehr desktopfokussiert.)

Ich habe Opern ja noch nie gemocht.

In den NachrichtenNetzfundstückePersönliches
Facebook / YouTube / Blogs

Was wir auch noch gelernt haben: Britische Breitbandnutzer haben ihr Netz lieber ungefiltert. Doch, echt! Die können sich das allerdings auch aussuchen und bleiben nicht wie diejenigen Deutschen, die die Nutzung von Proxys aus verschiedenen Gründen nicht bevorzugen, automatisch außen vor, weil zum Beispiel die GEMA Medien wegfiltert. Dass die eigentliche Absurdität daran ist, dass ausgerechnet die Deutschen die Feier zur Befreiung Auschwitzs nicht am heimischen Bildschirm mitverfolgen dürfen, ziehe ich im Übrigen in Zweifel; immerhin verzichtete man sogar darauf, die Befreier selbst einzuladen.

Apropos YouTube: „Schönen Account haben Sie da. Wäre doch schade, wenn dem was passiert.“ Damit geht YouTube vielleicht noch nicht so weit wie SPIEGEL ONLINE, die Urhebern deren eigene Werke teuer vermieten würden, aber wer weiß, welch‘ absurde Blüten Googles Drang nach Monetarisierung noch treiben wird.

Während die Deutschen doch sowieso schon genug Probleme haben: Gestern Vormittag war Facebook vorübergehend nicht erreichbar.

murica

Viele sind vielleicht auf schnelllebige Chats umgestiegen. Twitter führt nun Gruppenchats ein. 140 Zeichen für nichts zu sagen. Gestammel, das nicht von Dauer ist und sich von schrecklichen „Vlogs“ („Video-Weblogs“) wie – hihi – Signifi-Cunt (mindestens eine der beiden Protagonösen war hier gelegentlich Thema) nur in der Art der Darreichung und Nervigkeit unterscheidet. Wer wirklich etwas zu sagen hat, der schreibe ins Internet hinein. Ein gutes Blog besteht auch, wenn es niemand liest. Schreiben als Spiegel zur Seele. Schreiben als vertieftes Selbstgespräch, nicht begleitet von Gefälltmirs und Retweets, im Dialog mit sich selbst. Schreiben als Gesprächstherapie zum Tiefstpreis. Nur wo? Auf Facebook lieber nicht, da verschwindet es im Glückskeksstrudel. Medium.com war noch 2014 eine beliebte Alternative. Pustekuchen: Eure Texte gehören dann denen. Dem Mitmenschen Essensblogger – schönes Zitat auch: nur weil irgendwo Werbung möglich ist, gibt es keinen Grund, sie dort auch unbedingt zu platzieren – mag’s egal sein, er schreibt ja aus Freude am Genuss und hat sonst keine anderen Hobbys, aber intimste Gedanken, notdürftig eingehüllt in wattige Wortwolken zum Schutz des Ichs, gehören nicht in die Hände böser Schokoladenonkel und damit eigentlich auch nicht ins Internet, aber es filtert, es reinigt, es befreit. Raus mit dem Gedankenkraut, her mit neuem, immer neuem.

Solang’s nur die Miete im Oberstübchen bezahlt.

In den NachrichtenMontagsmusik
Madonna – Vogue

Eule geht ja schonMöglicherweise will Google Twitter kaufen. Das eigene Netz Google+ entwickelt sich ja nur schleppend, und nach all den Google Waves und Google Buzzs wäre ein Produkt, das auch mal irgendwer haben möchte, möglicherweise wieder ein interessanter Teil des Portfolios, denn Twitter, das seit seiner Gründung kein brauchbares Geschäftsmodell außer „wir machen unseren Dienst immer werbelastiger“ auf die Beine gestellt hat, ist für den weltweit größten Werbungsanbieter nur ein konsequenter Kauf. Ins Internet hineinzuschreiben ist eine Passion. Je unattraktiver fremde Plattformen werden, desto wichtiger wird das eigene digitale Heim. Daran sind schon andere Dienste grandios gescheitert.

Apropos Google: WikiLeaks findet, Google gibt zu viele Daten weiter. Was eigentlich amüsant ist, schließlich ist das Problem, das manche Menschen mit WikiLeaks haben, ja, dass man dort zu viele Daten weitergibt. – Warum man sich auf Google Mail verlässt, ist im Jahr 2 nach Snowden dann sowieso noch so eine Frage. Andererseits ist er halt im Trend, der Google-Firlefanz.

En vogue.

Madonna – Vogue (video)

Guten Morgen.

In den NachrichtenPolitik
Friedensterroristen

Im Februar 2013 schrieb ich über die schlimmen „Grünen“:

Die ehemalige Friedenspartei findet Kampfeinsätze unter bestimmten Bedingungen also ziemlich in Ordnung, wenn sie nur nicht allzu lange dauern oder wenigstens vom Gewaltmonopolisten UNO angeordnet werden. Dessen Befehlsgewalt ist selbstverständlich bindend.

Weshalb sich auch auf den „Friedenswinter“-Demonstrationen zugunsten eines unmilitärischen Miteinanders mit Russland allenfalls vereinzelte Grüne mit Flagge sehen lassen, die wohl das Memo nicht gelesen haben. Wer Frieden will, ist verdächtig; beziehungsweise:

Die nachhaltige Diffamierung der neuen Friedensbewegung ist gelungen. Das ist ein großer Sieg jener Kräfte, die militärische Interventionen und die sogenannte militärische Lösung von Konflikten hoffähig machen wollen.

(Unbedingt dort weiterlesen und Spucktüten bereithalten.)

Was haben wir nur falsch gemacht?


Malbücher für E-Book-Reader. Das neue große Ding.

Apropos: Wo bleibt eigentlich die Revolution?

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
King Crimson – The Great Deceiver

watMontag. Die Welt ist defekt. Garniert mit ein wenig Panik lässt sich mancher Irrsinn durchsetzen:

Die Polizeidirektion Dresden hat für Montag alle öffentlichen Versammlungen unter freiem Himmel verboten. (…) Andere Maßnahmen als ein Versammlungsverbot seien ungeeignet, um die Sicherheit in Dresden am Montag zu gewährleisten.

Mit Verboten lassen sich gesellschaftliche Probleme bekanntlich effizient lösen; würde jemand Stehlen und Morden verbieten, so wäre dieses Land von manchem Übel befreit. – Der letzte Staat, der im Raum Dresden ein Demonstrationsverbot erlassen hatte, existiert übrigens nicht mehr. Könnte man da nicht vielleicht …?

Mit Musik klappt es manchmal besser.

King Crimson – The Great Deceiver – 1974 Live

Guten Morgen.

In den NachrichtenNetzfundstücke
Dreimal zitiert: Kinderterror, Satireterror, Ausweisterror

Kurze Durchsage von der Judikative:

Ob ein Kind ein Schaden sein kann, wird schon seit langem diskutiert. (…) Die bloße Straflosigkeit habe zur Folge, dass (…) ein Kind keinesfalls ein „Schaden“ sein kann (…).

Wohl dem, der den öffentlichen Personennahverkehr zu meiden imstande ist.


Was darf Satire? Naja:

Der Iran kritisierte das Titelbild der neuen Charlie Hebdo. „Das ist eine provokative Geste und für Muslime verletzend“, sagte Außenamtssprecherin Marsieh Afcham. Sie sprach von einem Missbrauch der Pressefreiheit, der für Muslime inakzeptabel sei. (…) Diese „ungerechtfertigte Provokation von 1,5 Milliarden Muslimen weltweit“ werde eine neue Welle des Hasses auslösen, schrieb die wichtige religiöse Einrichtung Dar al-Ifta in Kairo.

(Hervorhebungen von mir.)

:irre:


Ihr habt gefährliche Islamisten im Land? Dann lasst sie doch einfach nicht mehr raus! Nun, da jeder aktuelle Personalausweis zwecks Terrorabwehr voller biometrischer Daten steckt, ist es natürlich eine hervorragende Idee, ihn denen, zu deren Abwehr die Maßnahmen dienen, wieder wegzunehmen. Dann können sie wenigstens keinen Alkohol kaufen.

In den Nachrichten
Drei Lehren für Charlie

Erstens:
Religion ist falsch. Euer unsichtbarer Freund unterscheidet sich von deren unsichtbarem Freund allenfalls in der Wahl der Waffen.

Zweitens:
Religiöse Menschen unterscheiden sich von nicht religiösen Menschen zumeist in ihrem Fanatismus.

Drittens:
Dinge, die im Namen einer Religion geschehen, sind stets Dinge, die falsch sind. Solidarität. Kreuzzüge. Am Arsch.

Dinge löschen gegen Rechts. Die französische Vorratsdatenspeicherung war ein voller Erfolg.

Seid ihr euch sicher, ob ihr noch auf der richtigen Seite steht?

In den NachrichtenPersönlichesPolitik
Nachtrag zu PEGIDA: Wer ist hier fremd?

Zu den PEGIDA-Demonstrationen (ich berichtete) ansonsten vielleicht noch eine kritische Beleuchtung dessen, was die Leute daran eigentlich so stört: Merkel verurteile „fremdenfeindliche Tendenzen“, schreibt man auf SPIEGEL ONLINE und nennt dabei eigentlich schon das Hauptproblem.

Nun beginnt Fremdenfeindlichkeit ja schon damit, dass man „Fremde“ zunächst einmal als Fremde wahrnimmt. Ich selbst halte mich für insofern „fremdenfeindlich“, als ich mir fremde Menschen in den meisten Fällen lieber nicht ertragen müsste, aber gegen die Ausländer und Moslems unter ihnen habe ich im Allgemeinen auch nicht mehr einzuwenden als gegen Inländer und Christen (gerade Letztere sind mir ohnehin besonders zuwider).

Haven’t we met? You’re some kind of beautiful stranger.
Madonna: Beautiful Stranger

Fremdenfeindlich. Feindlich gegen die Fremden. Fremd ist, mit wem man fremdelt. Die Bundeszentrale für politische Bildung weiß:

Fremd ist nur, was als solches erlebt wird. Nichts ist aus sich heraus und notwendig fremd. Das fremde Terrain erscheint im Erleben einfach vorhanden, tatsächlich ist es subjektiv gesetzt und Ergebnis willkürlicher Ordnungskriterien im Gefolge persönlicher Motive und gesellschaftlicher Konventionen.

Wer gegen Anhänger einer bestimmten Religion, Mitglieder einer bestimmten gesellschaftlichen Schicht oder Einwanderer aus einer bestimmten Region populistisch agiert, der ist noch kein Feind des Fremden. Eine überzeichnete Analogie: Ich halte auch Ursula von der Leyen für jemanden, der lieber putzen und backen sollte als dieses Land in den Krieg zu führen, und habe gegen Frauen trotzdem prinzipiell nicht viel einzuwenden.

Damit wir uns verstehen: PEGIDA, DÜGIDA, BOGIDA und all die übrigen Häuflein seltsamer Menschen sind wohl überwiegend politisch unsichere Demonstranten, deren Wut sich gegen das Falsche richtet, gegen den Boten nämlich, nicht jedoch das zerrüttete Sozialsystem. Das ist ein bisschen schade. Ihnen aber pauschal Feindlichkeit gegenüber Fremdem vorzuwerfen setzt womöglich ein falsches Signal. Unter den Demonstranten sind von ihrer Tageszeitung verblödete Unmündige sicherlich ebenso wie stramme Rechte und Opportunisten zu finden. Man mag sie einen Pöbel nennen, einen Haufen Leute, die beinahe so effizient wie ihre Gegendemonstranten („NOPEGIDA“) wertvolle Lebenszeit anderer Leute mit ihrem Unsinn verplempern. Das Wort Fremdenfeindlichkeit aber ist fremdenfeindlicher als jedes Graffito auf Hauswänden.

Du kennst mich doch, ich hab‘ nichts gegen Fremde. Einige meiner besten Freunde sind Fremde. Aber diese Fremden da sind nicht von hier!
Methusalix, in: Asterix, „Das Geschenk Cäsars“

In den NachrichtenMontagsmusik
Wobbler – Rubato Industry

SchockschwerenotDer Rauch des Jahreswechsels ist verflogen, auch die Letzten haben festgestellt, dass niemand außer ihnen mehr einen Knall hat. Die Reste liegen herum auf den Straßen und im Herzen. Jetzt einen Panda knuddeln oder wenigstens angucken, das wär’s. Wenigstens wissen wir jetzt, was wir tragen werden; ich, jedenfalls, Schwarz.

Vorbei, vorbei. Neu dafür: Es gibt Smart-Ringe namens „Ö“. Der Schrott, der unsere Zukunft ist.

Gebirge von Elektroschrott bringen das System zum Singen. Am Schrott wachsen wir. Nicht als Menschen. Nicht als Gesellschaft. Als Konsumenten. Als Einnahmequelle für Konzerne.

Wenigstens sind wir liebenswert und keine Portugiesen, uns geht es gut. Schuhuh.

Wobbler – Rubato Industry – Live at Altrock/Fading Festival

Guten Morgen.

In den NachrichtenPolitik
Kauderwelsch: ChriGIDA

Was aus den insbesondere Dresdner Demonstrationen von Leuten, die an Heiligabend gern ungestört ein totes Flüchtlingskind anbeten möchten, eigentlich zu lernen ist, ist im Übrigen dies: Rennt! Wir sind in höchster Gefahr! Nein, nicht von Rechts oder von Links oder von sonstigen politisch Blöden, sondern von Religionen!

Doch, echt:

Der Unionsfraktionschef Volker Kauder warnt vor einer weiteren Fragmentierung der deutschen Politik. „Es darf nicht dazu kommen, dass in Deutschland eine islamische Partei entsteht“ (…). Alle demokratischen Kräfte hätten die Aufgabe, politisch Interessierte aus allen Schichten des Volkes zu integrieren.

Noch vor zwei Jahren wies eben dieser Volker Kauder auf die historischen Zusammenhänge von Christentum und Deutschland – noch wenige Jahre vor der Gründung der „alten“ Bundesrepublik bekanntlich ein eingespieltes Team – hin:

Die Muslime gehörten selbstverständlich zu Deutschland, so Kauder, aber: „Der Gott, der die Mütter und Väter des Grundgesetzes leitete, war der Gott der Christen und der Juden.“ Muslime seien an der Erarbeitung des Grundgesetzes nicht beteiligt gewesen. Deutschland sei „nach wie vor vom christlich-jüdischen Glauben geprägt“.

Zurück ins Jahr 2014: Volker Kauder setzt sich offenbar – löblich, löblich – vehement dagegen ein, dass Religionen politische Macht in Deutschland bekämen; es sei schon bedenklich genug, dass es in Deutschland einen Ableger der Partei des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, der AKP, gebe, immerhin sei die Bundesrepublik „wertanschaulich neutral“ (Kauder, 2012) und zu ihren Werten gehöre die Religionsfreiheit (ebd.), die für Volker Kauders Partei, die „Christlich-Demokratische Union“ (CDU), selbstredend ein hohes Gut ist und zum Beispiel nicht in Einklang mit staatlich verordneten christlichen Gedenktagen zu bringen wäre (ich, jetzt).

Volker Kauder war zuletzt 2013 mit folgender Äußerung aufgefallen:

„Die Menschen wissen um die Gefahr, die von Terroristen ausgeht. Und sie wissen, dass Geheimdienste notwendig sind, um diese Gefahren abzuwehren. Wir brauchen die Geheimdienste auch, um unsere Soldaten zu schützen, etwa in Afghanistan.“ Diese Arbeit könnten die Dienste aber nur leisten, wenn nicht alle Welt wisse, wie sie arbeiten. Kauder sprach sich deshalb für ein Ende der öffentlichen Debatte über die Arbeit der Geheimdienste aus. (…) „Je mehr man in der Öffentlichkeit über die Arbeitsweise der Geheimdienste weiß, umso eher können sich die Gewalttäter darauf einstellen.“

Wie ZEIT.de – wiederum 2014 – zu berichten weiß, rate Volker Kauder in der Debatte um die Verbreitung des Islams in Deutschland „dringend dazu, die Menschen nach ihren Taten zu beurteilen“. Ich habe insofern ein nur wenig ungutes Gefühl damit, Herrn Kauder als einen dummen Populisten zu beurteilen. Ich bin ihm für diesen guten Rat sehr dankbar.

In den NachrichtenMontagsmusikMusik
Fatal Fusion – Halls of Amenti

Kuckuck!Kennt ihr, allem Verstand zum Trotz, eigentlich Simon Unge? Simon Unge ist, das haben die Medien zu vermelden, zwar kein Twittermädchen, aber zumindest ein YouTube-Star, also jemand, der, statt einem ehrbaren Beruf nachzugehen oder wenigstens Jura zu studieren, weitgehend davon lebt, anderen Leuten Witze zu erzählen oder ihnen beizubringen, wie man sich möglichst nuttig schminkt, und ihm wurde wirklich übel mitgespielt, denn seine Vermarktungsfirma hat ihn so behandelt, wie man als gewinnorientiertes Unternehmen eben seine Melkkühe behandelt. Die Folge: Ein Sturm der Entrüstung nebst Kündigung. Ich bin ja ein bisschen neidisch auf Leute, deren Leben sich nach einer Kündigung nicht merklich ändern dürfte. Mehreren zehntausend Followern gefällt das. Wären sie doch nur alle so wie Herr Unge!

Apropos Bohei: Udo Jürgens ist tot, im Gegensatz zu Robin Williams, wo’s ja dann doch ein bisschen überraschend kam, mit 80 Jahren. „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“, so sang Udo Jürgens 1977, insofern hatte er vermutlich trotzdem nicht viel vom Leben. Das eigentlich Erstaunliche ist, wie viele Menschen plötzlich ihre Liebe zum deutschen Chanson entdecken und sich der zumindest landesweiten Trauer anschließen. Ist der Tod von Menschen, deren bloßen Namen und nur wenig mehr man kennt, allein durch sein Eintreten ein besonders bedeutsamer?

Es gibt allerdings auch gute Nachrichten: Nina Persson, Magnus Carlson und Ebbot Lundberg – drei Größen der schwedischen Popmusik – beschäftigen sich momentan in Form einer Neuvertonung mit der Hinterlassenschaft der guten alten The Velvet Underground und das klingt deutlich besser als man es von bloßen Coverversionen erwarten würde. Ebenfalls weit in die musikalische Vergangenheit zurück greift die norwegische Band Fatal Fusion, die außer, nun, Fusion auch Retro-Prog zu ihren bevorzugten Genres zählt. Das passend benannte Album „The Ancient Tale“ war 2013 durch mein Raster gefallen, was ein bisschen schade ist. Nicht nur der Vollständigkeit wegen, auch und gerade, weil’s Spaß macht, wäre es ratsam, den heutigen Tag mit ihnen zu beginnen.

Halls of amenti Fatal Fusion

Guten Morgen.

In den NachrichtenNetzfundstückePiratenpartei
Kurz verlinkt: Hannelore Kraft / Monetarisierung des Webs

Hihi:

Weil es keine Mittagspause gegeben habe, sollen die Abgeordneten von SPD, CDU und Grüne (sic!) die Redezeit des Piraten-Abgeordneten Joachim Paul für einen Gang in die Kantine genutzt haben.

Aber weil der sich bewusst sehr kurz gefasst habe, sei das Rednerpult nach wenigen Minuten frei für die nächste Rednerin gewesen – für Ministerpräsidentin Kraft. (…) Und so habe Kraft ihren Vortrag – völlig ungewohnt – halten müssen, obwohl fast niemand zugehört habe. „Etwas übertölpelt“ soll sie deswegen gewesen sein, berichten die Piraten.

Andererseits: Gewählt wird meist nicht derjenige, der die packendsten Reden hält. Insofern ist’s wohl auch egal.


Letzte Woche verlinkte ich wieder einmal netzwertig.com, diese Woche ertönt der Schwanengesang:

Trotzdem haben wir uns nach langem Überlegen und schweren Herzens dazu entschlossen, das Kapitel netzwertig.com in der bisherigen Form zu beenden. (…) Verlockende neue Herausforderungen; die Schwierigkeiten, ein Angebot wie netzwertig.com nachhaltig zu monetarisieren sowie die auf Dauer begrenzte Reichweite der Fachberichterstattung über Technologie-Themen in deutscher Sprache erleichterten uns den Entschluss etwas.

Ich schreibe nun übrigens seit über neun Jahren, davon überwiegend unter dieser Domain, ohne wirkliche Unterbrechung längere Texte unter eigener Ägide ins Internet hinein und habe weder eine nennenswerte Reichweite noch eine Monetarisierung umzusetzen geplant, trotzdem stelle ich nicht den Betrieb ein. – Vergeldlichung von Blogs ist allerdings auch eine hervorragende Geschäftsidee. Warum ist darauf noch niemand gekommen?

In den NachrichtenWirtschaft
Der Rubel rollt

Was die Medien berichten:

Russland hängt vom Öl ab, und die Regierung unternimmt nichts dagegen. (…) Viele Menschen spüren die aufziehende Krise. Arbeitsplätze werden abgebaut, die Kaufkraft der Löhne sinkt.

Was die Medien deshalb fordern:

Die dramatischen Kursverluste des Rubels setzen den russischen Präsidenten Putin unter Druck. Er muss jetzt handeln und auf den Westen zugehen, um die Sanktionen zu mildern, (…) auch wenn diese gar nicht der eigentliche Grund für den Kursverfall sind. (…) Er oder ein anderer Präsident. Ansonsten wird die ökonomische Realität den stolzen russischen Bären in sehr kurzer Zeit in die Knie zwingen.

(Hervorhebung von mir.)

Was die Medien eigentlich sagen wollen: Zwar sei die russische Wirtschaft durch die europäischen Sanktionen stark geschwächt, aber, nun, Putin sei schuld und müsse weg.

Was die Medien dabei verschweigen, sind der in gleichem Maße stark sinkende Ölpreis …

Ölpreis 2014

…, der gleichermaßen fallende Kurs des brasilianischen Reals …

Real 2014

…, der binnen eines Tages mit ebenfalls erschreckender Geschwindigkeit gefallene Kurs der türkischen Lira …

Türkische Lira 2014

… sowie der Zehnjahrestiefstand der Eurobonds:

Eurobonds 2014

Man könnte das mit der Inflation erklären, aber die Inflation kann’s nicht sein: Während die Weltwirtschaft sich behende abwärts schraubt, steigt die Zahl der beinahe Armen ebenso wie die der Reichen. Das kann kein Zufall sein.

Armutsschere

„Deutschland geht es gut“ (A. Merkel in anderem Zusammenhang), selbst Putin zum Trotz. „Stoppt Putin jetzt“, forderte der „SPIEGEL“ vor wenigen Wochen, denn das Problem ist nicht, dass die NATO ihn umzingelt und sein Volk bluten lässt, sondern, dass er sich trotzdem nicht zum Spielball der westlichen Mächte machen lässt. Da wird man schon mal fuchsig als westliche Macht.

Wirklich blöd, dass Russland Atomraketen besitzt. Da kann man das Problem ja gar nicht demokratisch lösen.

(überwiegend via @pmarca)

In den NachrichtenMir wird geschlechtMontagsmusikPolitik
Þursaflokkurinn – Nútíminn

KauzselfieWieder ein Montag, wieder erwacht man allein. Das Feuer verzehrt alles außer dem Verzehr; und draußen tobt ein Sturm und mit ihm die Dummheit: Feministinnen blockieren aus Versehen Leute auf Twitter; wird schon irgendwie gut sein, weil ein Programm das für sie übernimmt. Wir sind die Borg, Verstand ist zwecklos. Denken ist Männersache.

Was auf Twitter sonst noch irgendwie gut ist, versucht die unsägliche, skrupellose Made My Day GmbH herauszufinden und in einem Buch zusammenzufassen. Die Erlöse sollen an die „Ärzte der Welt“ statt an die Urheber der Tweets gehen; die „Ärzte der Welt“ wollen aber mit Hehlern nichts zu tun haben und nehmen das Geld nicht. Jetzt muss die Made My Day GmbH auf dem Geld sitzen bleiben. Doof.

Schätzungsweise auch doof ist es übrigens, wenn man ein größeres Telekommunikationsunternehmen ist und plötzlich die Stasi im Haus hat: Der BND hatte sich bei der Telekom eingemietet (Vorsicht: JavaScript-Tracking!), der damalige Telekom-Chef weiß von nichts. Eigentlich sollte das niemanden erstaunen, immerhin vergisst die Telekom sogar Technikertermine binnen weniger Minuten nach Vereinbarung. Die Verantwortlichen für diese spartenübergreifende Verletzung von Grundrechten haben heute hoch dotierte Posten in Aufsichtsräten und sitzen hässliche Formen in die Parlamentsbestuhlung. Die Menschen gehen gegen die AfD auf die Straße, weil sie rechte Tendenzen scheiße finden, und wählen dann doch wieder bloß die SPD. Die morgendliche Tasse Lack war wohl schon abgelaufen.

Man wacht auf und versteht die Welt nicht mehr. Und Isländisch auch nicht.

Þursaflokkurinn – Nútíminn Er Trunta

Guten Morgen.