Archiv für die Kategorie ‘In den Nachrichten’.

Wenn ich Nachrichten sehe, höre oder lese, muss ich darüber schreiben, sonst werde ich sauer.

In den NachrichtenMontagsmusik
Emerson, Lake & Palmer – Karn Evil 9

MüdeEs ist Montag; nicht irgendein Montag, sondern Montag 1 nach der für alle überraschenden Erkenntnis, dass jemand, der sich in ein Netzwerk hackt, auch beim Rechner der Kanzlerin nicht sagt: „Oh, das ist der Rechner der Kanzlerin, da geh‘ ich mal nicht drauf.“ Dafür, allerdings, wollen sie EDV-Sicherheit zur Pflicht machen, jedenfalls für Unternehmen, beim Bundestag ist es ja bereits zu spät.

Was die Bundesregierung unter Datensicherheit versteht, ist indes wohlbekannt, das De-Mail-Debakel ebenso wie die enge Zusammenarbeit mit der Telekom, die ihrerseits gern mal Nutzerdaten rausträgt, noch nicht verjährt. Verschlüsselung, die die Arbeit der Geheimdienste erschwert, sollte zur Wahrung des bisher erzeugten Bildes in den Hackerparagraphen aufgenommen werden, wo auch nmap u.dgl. drinstehen. Sicherheit ist nichts, was man selbst prüfen dürfte. Und man will ja auch nur Sicherheit gegen den Iwan, die Chinesen oder wer auch immer derzeit für das Eindringen in den Bundestag verantwortlich gemacht werden soll, nicht gegen unsere amerikanischen Freunde, ansonsten würde – man hört Parlamentarier erschreckt einatmen – der Markt auch weiterhin ohne TTIP fluktuieren müssen. Eine schier unerträgliche Vorstellung.

Früher war vieles besser. Auch die Musik.

Emerson, Lake & Palmer – Karn Evil 9 (California Jam 1974)

Guten Morgen.

In den NachrichtenMusikPolitik
Nachrichtenretrospektive in Kürze, 10. Juni 2015

Voraussichtlich schon heute der Brüller des Jahres: Die umstrittene Vorratsdatenspeicherung wird erst im Herbst im Bundestag als Gesetz diskutiert werden. Das gibt der SPD-Basis mehr Zeit für Widerstand gegen das Vorhaben. Die gabriel’sche SPD, Hort der klugen Geister, geführt mit Brillanz.

Was ja auch nötig ist, denn:

In dieser kopflastigen politischen Landschaft, in der die Zentralgewalt die entscheidende ist, muss eine Partei bundesweit so aufgestellt sein, dass sie mit den etablierten konkurrieren kann. Das heißt vor allem, dass es hunderte Funktionäre braucht, die sich souverän im politischen Geschäft bewegen, nicht auffallen und nur innerhalb geplanter Aktionen für Aufsehen sorgen.

(Quelle)

Widerstand war sowieso gestern. Politischer Punk ist tot. Die Platten der Sex Pistols sind ein Kreditkartenmotiv. Gegen das antikapitalistische Schweinesystem oder so. Drogen besorgt die Polizei für euch. Das muss dieser neue Liberalismus sein, von dem immer alle reden; der alte wurde bekanntlich hingerichtet.


Fein allerdings: Von Guilty Ghosts, nach wie vor ein Soloprojekt von Tristan O’Donnell, gibt es ein neues (leider recht kurzes) Album zum Download und Anhören ab 0 Euro. Musik für Nebeltage und melancholische Momente auch im Sommer. Zurücklehnen bitte.

In den NachrichtenMir wird geschlechtMontagsmusik
Alvvays – Party Police

Auf's Maul?!Es ist Montag. Ist das eigentlich legal? Anderes jedenfalls nicht: Wo andere mit dem Flugzeug fliegen, fliegt Kate Moss heraus.

Wahrscheinlich war das aber auch nur ein Missverständnis, Frauen tun nicht nur niemandem was; laut Claudia Roth („Grüne“, das waren die mit den Kindern) sind Frauen obendrein die einzige Lösung für die Korruptionsanfälligkeit der FIFA: Das größte Problem der FIFA sei es, dass es dort keine Frauenquote gibt, das bisschen Käuflich- und Gesetzlosigkeit ist ja nebensächlich. Apropos: In der Türkei hat die als unbesiegbar geltende Regierungspartei abermals eine Mehrheit erhalten, aber nur noch eine normale, was Kommentatoren als klaren Beweis dafür sehen, dass dort alles mit rechten Dingen zugeht; und was das über die etwa 80 Prozent für die Regierungskoalition in Deutschland aussagt, möge sich ein Jeder selbst ausmalen.

Es ist ja doch immer dasselbe.
Alvvays the same.

Apropos Alvvays: Unter diesem Namen ist seit 2011 ein kanadisches Quintett aktiv, das 2014 sein Debütalbum veröffentlichte. Zu hören gibt es garagigen Postpunk, nicht unähnlich Savages und den Raveonettes, gepaart mit dem Gesang von Frontfrau Molly Rankin, die Erinnerungen an „Nixe“ von den guten alten Huah! herbeihext. Ich weiß das zu schätzen.

ALVVAYS – Party Police – live 13.02.2015 Milano

Guten Morgen.

In den NachrichtenPolitik
Das ist ja wohl der Gipfel!

Während hochrangige Vertreter der G7-Staaten für mehrere Hundert Millionen Euro standesgemäß auf Schloss Elmau über Verträge diskutieren, die sie fürderhin nicht zu erfüllen beabsichtigen, und dabei zumindest ausgewählte Demonstranten zulassen, weil den Übrigen für die Genehmigung zur Wahrnehmung ihres grundrechtsverbrieften Rechtes auf Demonstration das Feingefühl fehle, und so selbst auf dem so genannten „Kirchentag“ mehr Politik stattfand als dort, wo bis heute Weltfremde ihr Unwesen treiben, fragt sich ganz Deutschland, wieso ausgerechnet die NATO Russland nicht mehr mitspielen lassen will, beziehungsweise:

Diese Woche traf ich in Moskau mit einem namhaften Professor zusammen, der auch an Russlands wichtigster Diplomaten-Hochschule lehrt. Seine Aussagen waren deprimierend. Putin und seine Führung seien mental nicht mehr erreichbar, sie hätten sich von der Wirklichkeit abgekoppelt, sagt der Professor. Die politische Kultur in Russland habe sich seit 500 Jahren nicht geändert.

Und was macht eure Regierung gerade so?

In den NachrichtenPolitik
„Nicht besonders klug“

SPIEGEL ONLINE, 30. Mai 2015:

Die Bundesregierung hat Russland aufgefordert, über weitere Einreiseverbote gegen deutsche Politiker aufzuklären. (…) Außenminister Frank-Walter Steinmeier kritisierte die Erstellung der Einreisestoppliste während seines Ukraine-Besuchs: Er halte es „nicht für besonders klug“, eine solche Sperre überhaupt auszusprechen, sagte er nach einer Visite im Flüchtlingslager in Dnipropetrowsk. (…) Laut Medienberichten wurde gegen Dutzende weitere EU-Politiker ein Einreiseverbot ausgesprochen. (…) Dies sei kein geeigneter Beitrag zu den Bemühungen, „einen hartnäckigen gefährlichen Konflikt in der Mitte Europas zu entschärfen“, so Steinmeier.

Verordnung 269/2014 des EU-Rates, 17. März 2014:

Der Rat hat am 17 März 2014 den Beschluss 2014/145/GASP angenommen, der Reisebeschränkungen und das Einfrieren der Gelder und wirtschaftlichen Ressourcen bestimmter Personen, die für Handlungen, die die territoriale Unversehrtheit, Souveränität und Unabhängigkeit der Ukraine untergraben oder bedrohen, einschließlich der ukrainischen Verfassung zuwiderlaufen der Handlungen in Bezug auf den künftigen Status von Teilen ihres Hoheitsgebiets, verantwortlich sind, und der mit ihnen verbundenen natürlichen und juristischen Personen, Einrichtungen und Organisationen vorsieht. Diese natürlichen und juristischen Personen, Einrichtungen und Organisationen sind im Anhang des genannten Beschlusses aufgeführt.

Die Liste im Anhang umfasst 21 Russen und Prorussen.

Nicht besonders klug.

In den NachrichtenKaufbefehleMontagsmusikMusikkritik
Larry Coryell – The Lift

Och nööö...Glück im Unglück aus der EU: Netzneutralität wird vielleicht wieder gestrichen, dafür sind Auslandstelefonate vielleicht bald noch günstiger. Telefon, ihr wisst schon, diese App mit dem komischen Symbol, die ihr noch nie gebraucht habt.

Andererseits ist Montag, und der Montag verschlingt, was sich ihm in den Weg stellt. Fast ebenso verschlungen sind die Pfade, auf denen mir das Album „The Lift“ von Larry Coryell über den Weg lief. Larry Coryell ist ein US-amerikanischer Jazzgitarrist, der in den 1970-er Jahren mit Größen wie Charles Mingus zusammen gespielt hatte und nebenbei noch Zeit für seine eigene Fusionband The Eleventh House fand. Auf seinem aktuellen – es sind inzwischen über sechzig – unter eigenem Namen veröffentlichten Album „The Lift“, aufgenommen 2012, ist gitarrengetragener, weitgehend instrumentaler Jazz zu hören, der sicherlich nicht der schlechteste ist.

Larry Coryell – Going Up

Guten Morgen.

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Womansplaining

Wo|man|splai|ning (n.): Frauen, die einen Mann von oben herab über vermeintliches mansplaining belehren. :nein:

ComputerIn den NachrichtenPolitik
Bytegeschosse

Nach all dem Ärger mit den nicht funktionierenden Gewehren zieht, so liest man, unsere Lieblingsministerin Ursula von der Leyen die einzig logische Konsequenz und verknüpft ihr jahrelanges zielloses Engagement gegen Bösewichte im Internet mit ihrem jahrelangen ziellosen Engagement gegen Bösewichte in der freien Natur:

Der Cyber-Krieg, sagt die Verteidigungsministerin, sei „indeed very important“. (…) Um Faktor fünf seien die feindlichen Attacken auf indische Computer-Netzwerke gestiegen, schon 2013 habe man den Schaden auf vier Milliarden Dollar geschätzt, Tendenz steigend. (…) Deshalb habe man (mit dem indischen Premierminister, A.d.V.) vereinbart, „sehr viel enger zusammenzuarbeiten“, um den neuen Krieg zu gewinnen.

Frau von der Leyen, die vor ein paar Jahren traurige Cyber-Berühmtheit erlangt hat und nun der Bundeswehr vorsteht, möchte aus der Bundeswehr also nun Cyber-Krieger machen. Filmfreunde, die nun an „Tron“ denken, liegen aber wahrscheinlich falsch:

Gleichzeitig will sie die Bundeswehr mit indischer Expertise besser für Computer-Angriffe rüsten, ein Austauschprogramm ist angedacht. (…) Seit Monaten plant ihr Haus eine Art Kompetenzteam für den elektronischen Krieg.

Wer schon einmal im EDV-Bereich mit Indern zu tun hatte, der wundert sich vielleicht ein bisschen über den Begriff des Kompetenzteams, ist jene doch in deren Heimatland zwar preiswert, aber oft auch nicht gerade überwältigend gut; sei’s drum: In einer Zeit, in der Deutschland nur noch in der Vasallenrolle Krieg spielen darf, bis das nächste Kosovo sich erhebt, ist jedes Mittel recht, um nicht die Mittel zu verlieren.

Was hat sie denn eigentlich im Sinn? Nun, natürlich noch Illegales:

Für eine echte Abwehr, die nur durch aktive Attacken auf feindliche Rechner funktionieren kann, gibt es bisher kein Mandat.

Angriff. Verteidigung. Wir sind Kollateralschaden, müssen künftig nicht nur die NSA, den BND und die Chinesen, sondern obendrein digitales Militär fürchten, das dann wenigstens – hoffentlich – wie gewohnt danebenschießt.

Von einem „Hightech-Krieg gegen Computer-Viren“ ist in der Einleitung auf „SPIEGEL ONLINE“ die Rede. Winzige Panzer, die das Internet durchfahren, sind zumindest, vom Ernst der Lage abgesehen, eine amüsante Vorstellung. Vielleicht sind auch winzige Soldaten an Bord, die jedem Virus, dessen sie habhaft werden, ein Stoppschild vor die winzige Nase setzen. Damit die Viren wissen, dass sie da nicht durchdürfen.

Ich bleibe aber bei meiner Position, dass das Internet kein rechtsfreier Raum ist und die Freiheit der Massenkommunikation Grenzen hat, wo die Würde anderer Menschen verletzt wird.
Ursula von der Leyen (CDU), 2009

In den NachrichtenSpaß mit Spam
hallo geschaftsvorschlag

Auf SPIEGEL ONLINE wundert sich Christian Stöcker heute offenbar völlig unironisch:

Spam, Phishing, Überwachung – die E-Mail ist unerträglich und trotzdem immer noch da.

So geht’s mir mit Christian Stöcker zwar auch, aber mich bezahlt natürlich keiner für solche Empfindungen. Man muss sich Christian Stöcker als einen Menschen vorstellen, der ausschließlich Spam- und Phishingmails bekommt und es nicht irgendwie merkwürdig findet, sich auf einer trackingdurchsetzten Website wie SPIEGEL ONLINE über die Überwachung mittels E-Mails zu empören.

Dabei ist E-Mail auch ein Medium für das Knüpfen von Geschäftsbeziehungen. Mich erreichte zum Beispiel heute folgender Kontaktversuch:

geschaftsvorschlag

Kreative Anreden fördern die Aufmerksamkeit des Lesers. Gut gemacht!

Grüß Gott

Ah, ein Süddeutscher schreibt. Oder?

Ich bin mit diesem Medium, um Sie über die Transaktion zur Abgabe von $21.500.000 (Einundzwanzig Millionen fünfhunderttausend Euro) in meiner Bank in China, Sie als Empfänger zu informieren.

Schlimme Grammatik, merkwürdiger Umrechnungskurs, Bank im Ausland – ja, eindeutig ein Süddeutscher.

Es wird zu 100% sicher, dass der Finanzvorstand des verstorbenen Kunden.

Es ist zu 100% sicher, dass der Verfasser.

Bitte auf meine private E-Mail: sangchin24@gmail.com, für weitere
Informationen.

Ich schreibe prinzipiell niemandem an eine Google-Mail-Adresse. SPIEGEL ONLINE sagt, da werde ich überwacht.

Dann eben nicht.


Ach, die „Homo-Ehe“, also die Hochzeit zweier Menschen gleichen Geschlechts, treibt die Medien mal wieder um. Von einer „Gleichberechtigung“ sei die Rede, die gefördert werde, wenn man statt einer nun sogar zwei verschiedene Lebenspartnerschaften legalisiert. Was aber soll das für eine Gleichberechtigung sein, in der ein Mann nicht einmal seine Lokomotive heiraten darf?

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Ben Levin Group – Pulse

Kaffee?Mach‘ Sachen:

EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU) rechnet damit, dass seine Kommunikation von Geheimdiensten abgehört wird.

Wenn das rauskommt! :aufsmaul:

Erst mal wach werden.

Ben Levin Group Pulse Music Video

Guten Morgen.

In den NachrichtenMusikNerdkramsPolitikWirtschaft
Nachrichtenüberblick, 23. Mai 2015

Die Friedensoffensive der Bundesregierung geht weiter: Auch das neue Leutetotschießgerät der Bundeswehr funktioniert nicht.


Mozilla sei wichtig für „unser offenes Netz“, heißt es. Wie offen? So offen:

Mozilla möchte (…) beweisen, dass relevante Werbung auch dann möglich sei, wenn die Privatsphäre der Nutzer geachtet werde (…).

Ungefragt als williger Empfänger von Produktinformationen, als Kunde statt als Nutzer angesehen zu werden fühlt sich natürlich gleich viel besser an, wenn niemand erfährt, dass man es wird.


Andererseits sind entrechtende Konzerne gerade wieder einmal im Aufwind: Der augenscheinlich Kunden verachtende Scheißkonzern Sony (der mit den Internetsperren und den Trojanern auf an Kunden ausgelieferten Tonträgern) hatte mit dem Eigentum ablehnenden Unternehmen Spotify einen zumindest von 2011 bis 2014 gültigen Vertrag abgeschlossen, dem zufolge nicht nur – wie in Firefox – vielfach Werbefläche vermietet werden sollte, sondern auch Einnahmen abgetreten werden mussten:

Als eigentliche Tantiemen musste Spotify mindestens 60 Prozent seines Bruttoumsatzes an die Label ausschütten. (…) Dabei wurden 0,225 bis 0,25 Dollar-Cent je werbefinanziertem Stream, plus drei Dollar pro Monat und normalem Abonnenten, plus sechs Dollar und Monat je Premium-Abonnenten veranschlagt. Diese Sätze galten auch dann, wenn ein Abonnent Spotify in einem Monat überhaupt nicht genutzt hatte.

Die niedrige anbieterseitige Entlohnung von Musikern, über deren Höhe seit Jahren geschimpft wird, ist also nicht einmal unbedingt primär die Schuld derer, die sich in solche Knebelverträge fügen müssen, um ihr Angebot erweitern zu können. Nichtsdestotrotz ist der tatsächliche Besitz von Musik auch aus diesem Grund eine gute Idee – es sieht nicht nur schöner im Regal aus, man trägt zudem weniger zur Ausbeutung der Interpreten bei.


Deutschland fiebert mit: Heute Abend werden wir alle wieder einmal durch einen herz- und belanglosen englischsprachigen Schlager im Ausland vertreten. Freut ihr euch auch schon so sehr wie ich?

In den NachrichtenPolitik
Kurz verlinkt: Das bisschen Überwachung.

Die Gewerkschaft der Lokführer, so liest man vielerorts, habe jeden Grund zu streiken, da die Deutsche Bahn AG ihre gigantischen Einnahmen für eigene Zwecke horte, statt sie unter ihren Mitarbeitern aufzuteilen. Nun verfüge die Gewerkschaft der Lokführer allerdings selbst über mehr Geld, als sich (…) die Reisenden wünschen, das für die Streiks gehortet werde (zumal’s sowieso um Schlimmeres geht), statt es unter den Mitgliedern aufzuteilen, gab ihr Vorsitzender zu Protokoll. Vielleicht ist dies ein guter Anlass, einmal die Prioritäten der Gewerkschaft zur Diskussion zu stellen.

Das muss aber noch ein wenig warten, denn eine andere Meldung erregte meine Aufmerksamkeit: Abgeordnete fürchten: Amerikanische Geheimdienste greifen uns an, was mich einerseits freut, denn zwei Jahre nach Snowden und Jahrzehnte seit Ausbruch des Kalten Krieges wäre es doch ein wenig beschämend, würde man sich im Bundestag noch immer gegen die Vorstellung wehren, ausländische Geheimdienste würden in Deutschland Geheimdienstarbeiten verrichten (einen „Fehler“ nennt man das seitens der deutschen Handlanger lapidar); andererseits hätten die Abgeordneten dann aber schon gern die Vorratsdatenspeicherung, also die anlasslose Totalüberwachung der Kommunikation ihrer Bürger, denn Aushorchen ist hier immer noch Chefsache. Der Staat vertraut euch nicht und ihr dem Staat eben auch nicht; aber was juckt es die Eiche, wenn die Sau sich an ihr scheuert? Die Revolution der leisen Töne scheitert seit ’68. Ich werde zu eurer Sicherheit videoüberwacht, verkündet ein Schild in einer Fast-Food-Filiale.

BND-Affäre drückt Vertrauen in Merkel, es mögen die Bedrückten künftig wieder SPD wählen, denn die hat ein bisschen mehr Vertrauen dringend nötig. Andererseits: Die F.D.P. ist wieder da, die in der Zeit, als der umstrittene US-amerikanische Militärstützpunkt „Dagger Complex“ gebaut wurde, den Bundespräsidenten stellte und sich über sechzig Jahre später fragte, was die da eigentlich genau machen.

Hier, dieser Amerikaner da, der irgendwas von Überwachung faselt: Lasst den mal nicht in Deutschland aussagen. Aber was ist mit unseren Computern los?

:facepalm:

In den NachrichtenMusik
WiMP, TIDAL, Grooveshark: Das neue Überall?

Apropos Musik.

Letzte Woche bemerkte auch der tendenziell eher langsame Nachrichtendienst golem.de, dass die kalkulierte Entwertung von Musik durch vermeintlich attraktive Vermietung an Leute, denen der Besitz von Musik einst einiges bedeutete, ein Geschäftsmodell ist, dessen Beliebigkeit es nach und nach zerstören wird: „Spotify schreibt tiefrote Zahlen, die ersten Dienste machen dicht“ oder werden wie WiMP von skrupelllosen Unternehmern aufgekauft und mit einem hässlichen Namen neu gelauncht (üblicherweise launcht man im anglophonen Raum ja auch Raketen und ähnliche Tötungsdinge). Im Falle von WiMP – ein Dienst, um den es wirklich schade ist, immerhin gibt es dort ein Angebot zum Streamen im FLAC-Format – wurde nicht nur der Name hässlich.

TIDAL

„Available on all systems“, „verfügbar auf allen Systemen“, sei TIDAL, und während das für WiMP noch stimmte, ist das, was man bei TIDAL unter „allen Systemen“ versteht, nur ein bisschen deprimierend. Best viewed with Internet Explorer 4. Vielleicht ändert sich das ja noch. – Währenddessen trotzt der von mir bereits mehrfach erwähnte Dienst Grooveshark stürmischen Gezeiten: Nach einer Zwangsräumung hat ein angeblich ehemaliger Mitarbeiter zunächst unter altem Namen eine schreckliche Kopie mit stark eingeschränkter Funktionalität ins Netz gestellt; unklar bleibt, was folgt.

Auf golem.de wird abschließend ein Manager des längst durchkommerzialisierten Dienstes Napster zitiert:

Der Kunde möchte nicht vorgeschrieben bekommen, wie und wo er seine Musik nutzen kann.

Und das, genau das ist der Grund, warum der Besitz von Musik Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bleiben wird.

In den NachrichtenMontagsmusik
John McLaughlin & The 4th Dimension (live)

Hi.GEHEIMDIENSTE SIND MÖRDER! GEHEIMDIENSTE SIND ÜBERFLÜSSIG! GEHEIMDIENSTE GEHÖREN ABGESCHAFFT! GEHEIMDIENSTE SIND SCHEI- was?

Der Bundesnachrichtendienst soll den Amerikanern einen entscheidenden Hinweis gegeben haben, der zur Ermordung Ergreifung von Osama Bin Laden führte.

GEIL! GEHEIMDIENSTE HELFEN BEIM MEUCHELN BÖSER MENSCHEN! MEHR GEHEIMDIENSTE JETZT!

:aufsmaul:

Krisenjazz! Schnell!

Guten Morgen.

In den NachrichtenMir wird geschlechtSonstiges
[TW: GNTM]

Bislang war ich der Ansicht, die grauenhafte Fernsehsendung „Germany’s Next Topmodel“, in der entgegen ihrem Namen allerlei eher mittelmäßig aussehende junge Frauen ohne Scham- oder Selbstwertgefühl darum wetteifern, sich für die maximale Dauer einer Staffel nach Kräften blamieren zu dürfen, beleidige lediglich die Intelligenz der Zuschauer, Verwandten und Teilnehmerinnen. Offensichtlich ist mir da ein wichtiger Aspekt entgangen, wie mir die Folgen der gestrigen Bombendrohung – als wäre die nicht schon bescheuert genug – aufgezeigt haben:

Die Jury – samt Thomas Hayo und Wolfgang Joop – soll an einem geheimen Ort untergebracht worden sein. (…) Zunächst sei auch ihnen von einer „technischen Störung“ berichtet worden, erst etwa 20 Minuten nach dem Abbruch sei mit der Evakuierung der Halle begonnen worden, sagt der Insider unter Berufung auf einen Publikumsgast. (…) „Wenn die 10.000 Menschen verrecken, ist es nicht so schlimm, wie wenn die Promis (sic! A.d.V.) verrecken“, sagte demnach eine 23-Jährige aus Ludwigshafen.

Zumindest kann man den Machern der Sendung nicht vorwerfen, ihren Zuschauern vorzuspielen, sie seien ihnen wichtig und kein austauschbares Element im Konzept, weil’s ja eben schon egal ist, wie die Kinder heißen, die ihr Taschengeld für den Unsinn verplempern.

Apropos verplempern: Hat Hans-Peter Uhl eigentlich schon die Vorratsdatenspeicherung gefordert?


Triggerwarnung des Tages: Lateinische Klassiker.