Es ist Montag. Es hat sich zumindest in einer Schule in Sydney überraschend herausgestellt, dass Schüler weniger aggressiv auftreten, wenn sie mal was anderes als das blöde Smartphone angucken müssen. Schön, dass ihr da seid. Ich hoffe, ihr lest diesen Text nicht auf dem Smartphone.
Teilnehmer Twitters zum Beispiel regen sich dort gerade gleichzeitig über eine Biologin, über die Gegner dieser Biologin, über einen russischen Präsidenten, über einen ukrainischen Präsidenten, über einen amtierenden deutschen Finanzminister, über einen ehemaligen deutschen Finanzminister, über die Bahn und über Autofahrer auf — und das sind nur die deutschen Twitterthemen. Es scheint mir folgende Ansage geboten zu sein: Es gibt kaum eine peinlichere Art der Selbstdarstellung als die Stellvertreterbetroffenheit. Wenn ein Konflikt mich nicht betrifft und mein Beitrag zu diesem Konflikt überdies keine Verbesserung der Situation, die über Anerkennung in “sozialen Medien” hinausginge, mit sich brächte, dann halte ich mich aus diesem Konflikt schlicht heraus. US-Amerikaner, die für die Rechte der Ureinwohner “kämpfen”, die diese ohne sie gar nicht bräuchten. Christen, die für die Rechte von Atheisten “kämpfen”. SPD-Mitglieder, die gegen Armut “kämpfen”. Begleitet wird diese absurde Choreografie nur allzu gern von Ad-personam-Angriffen, denn eine Person inhaltlich zu widerlegen gelingt oft nicht so einfach wie ihre Reputation per Sprechakt in Frage zu stellen. Der Nazi des Monats sind teure Affenbilder. Es ist eine Farce, es ist lächerlich, es ist zum Fremdschämen. Lieber eine schöne Tasse Tee trinken, davon haben alle mehr.
Es geht vermutlich in den Alltagsnachrichten unter: Daniel J. Bernstein kämpft gerade mal wieder für unseren Datenschutz. Das finde ich sehr nett von ihm. Stattdessen berichten die Nachrichten über die aktuellen Auswüchse der “Demokratieabgabe”, also der Rundfunkgebühr, die offenbar mitunter für privaten Luxus verschleudert wird. Gut angelegte 86 Cent, da kann man nichts gegen sagen.
Kann man auch nichts gegen sagen: Musik.
Guten Morgen.

