Archiv für die Kategorie ‘Mir wird geschlecht’.

Feminismist, Männerrrrrrechtler, verqueere Spinner. Alle zusammen.

Mir wird geschlechtNetzfundstücke
Studierx der Gallier

Verfechtern des „Gendersternchens“, also der Wortbildung aus Wortstamm + Asterisk + weiblicher Wortendung zur Darstellung mehrerer Geschlechter in einem Wort, hatte ich bislang meist, wenig beeindruckt von der Feminisierung (entscheidend sind im Deutschen nun mal die Endungen), vorgeschlagen, mich erst wieder zu behelligen, wenn sie ein „generisches Neutrum“ etablieren konnten, also eine Wortform, die beschreibt, dass zur angesprochenen Gruppe theoretisch Angehörige jedweden biologischen oder sonstigen Geschlechts gehören könnten, durchaus angetrieben von der Hoffnung, dass sich das nicht so bald ereignen möge.

Das war ganz offensichtlich – jetzt, da die renommierte Humboldt-Universität zu Berlin dieses Ereignis eintreten ließ – eine bescheuerte Idee (lokale Kopie hier):

Es handelt sich bei der Vorlesung um eine der ersten, die angehende Erziehungswissen_schaftlxs besuchen, die also Weichen für xs Studium stellt_setzt_legt und xs Ansichten mitprägt.

(Ausführliche Anal_ysen für schmerzfreie Leser gibt’s hier und anderswo.)

Ich* fü_hle mich* ja bereits dadurch dis_krimi_niert, dass dixs Auto_rxse mir* gegen_über einx Sprachx pfleg_en, dix ich* nicht mehr ver_stehe_sitze_lege.

(Andererseits tät‘ mich eine Audioversion inklusive der Sprechpause in „Wörtern“ wie i_hre schon interessieren. Wer schafft’s, ohne in Unernst zu verfallen?)

Erst in dem Augenblick, als ein allgemeiner Aufschrei oder Aufkreisch der gequälten Menschennatur in jeglicher Kehle emporstieg, nahm er kaltblütig laut, kräftig und amtsmäßig das Wort[.]
Wilhelm Raabe: Christoph Pechlin


Nachtrag, da wir gerade bei Sprache waren: Die Deutsche Bahn wurde zum Sprachwahrer des Jahres 2013 gekürt. Warum? Darum:

Um unsere Mitarbeiter dabei zu unterstützen, haben wir ihnen in unserem firmeneigenen Intranet ein Glossar zum Thema „Anglizismen“ an die Hand gegeben, mit dem sie ihren alltäglichen Sprachgebrauch kritisch unter die Lupe nehmen können, um eine inflationäre Verwendung englischer und scheinenglischer Begriffe zu bremsen. Das Glossar enthält rund 2.200 verbreitete Begriffe mit den jeweiligen deutschen Entsprechungen. (…) „Hotlines“ wurden im Zuge dieses Prozesses zu Service-Nummern.

Nun ja; immerhin nicht „Service Nummern“. :roll:

Mir wird geschlechtNetzfundstücke
Warnung: Erschreckend echte Darstellung von Alltag!

[TW: Fassungs- und Verständnislosigkeit, Rationalität, Polemik.]

Ich begebe mich gelegentlich auf feministisches Terrain, weil zu den Feministen auch einige kluge Köpfe zählen, die sich durch eine hervorragende Weltsicht und ihre Offenheit in sachbezogenen Diskussionen wohltuend von den anderen Feministen abheben. Manchmal lese ich auf diesem Terrain Tweets, in denen „TW“ vorkommt. Das hat mich zunächst ein wenig irritiert, denn einen Themenwechsel gibt es auf Twitter normalerweise eher selten (schon deshalb, weil es selten um Themen geht). Ich habe das mal nachgeschlagen.

Laut Blog der „Mädchenmannschaft“ (Vorsicht: Blog der „Mädchenmannschaft“) steht das „TW“ für eine „Triggerwarnung“, also eine Warnung davor, dass verlinkte Texte womöglich früher erlittene Pein wieder ins Gedächtnis rufen könnten.

Stellt euch zum Beispiel vor, ihr geht mit ’nem schönen Krimi aufs Klo und denkt an nichts Böses.

Und dann blättert ihr die Seite um und da erwischt es euch plötzlich eiskalt; irgendein Trigger, der euch sofort wieder ins Hier und Jetzt zurückholt. Vorbei ist es mit der Entspannung, vorbei mit der Auszeit, und euch beschleicht einmal mehr das Gefühl: Rape Culture (Vergewaltigungskultur) ist überall.

Ich finde ja auch, Krimis sollte man verbieten und durch irgendwas Harmloses (mit Luftballons) ersetzen. Sie sind voller unnötiger Gewaltdarstellungen!

Man verstehe mich nicht falsch: Dass Vergewaltigungsopfer ungern detaillierte Beschreibungen von Vergewaltigungen lesen, ist mir durchaus nicht unbekannt. Dieser gut gemeinte Ansatz lässt sich allerdings offenkundig hervorragend übertreiben, und der „Mädchenmannschaft“ fiel bei ihrer vorangestellten „Triggerwarnung: Beschreibung von Triggern“ wohl nicht auf, wo das Problem liegen könnte. Der real existierende Feminismus bringt Menschen hervor, die Texte über Vergewaltigung, Trigger, Essstörungen, Ablenkung und dergleichen schon beinahe reflexartig nur noch mit vorangestellter Warnung publizieren, vermutlich insgeheim bedauernd, dass das mit den Stoppschildern für’s Internet nicht geklappt hat, denn dann könnte man das Triggerproblem direkt an der Wurzel lösen. Überall nur noch böse Menschen. Schlimm, schlimm.

Auch vor wirklich schlimmen Dingen wie der Beschreibung von Fehlgeburten wird gewarnt:

Danke fürs Teilen! <3 (Achtung: Lebensrealität)

Da schreibt eine Frau einen (zweifelsfrei lesenswerten, aber auch recht detaillierten) Text über ihre Fehlgeburt und schreibt das sogar extra dran, um Sensibelchen, die mit zu detaillierter Darstellung von Fehlgeburten ein Toleranzproblem haben, davor zu bewahren, versehentlich etwas darüber zu lesen, und dann fällt jemandem auf, dass da noch eine ganz wichtige Warnung fehlt. „Achtung: Lebensrealität“. Kann Spuren von Realität enthalten. Der Umkehrschluss? Ausdrücklich nicht gewarnt werden muss vor flauschigen Katzen und Ponys. (Außer, wenn man als kleines Kind mal von einem Pony runtergefallen ist, dann ist „TW: Huftiere“ natürlich Pflicht, wenn man nicht als respektloser Macker – oder wie auch immer gerade das aktuelle Flauschiwatti-Szeneschimpfwort für normale Leute lautet – erscheinen möchte.)

Sofern hier jemand mitliest, der sich auskennt: Hä?


Auch ’n fieser Trigger natürlich: Unerwünschte Nacktheit.

Mir wird geschlechtPersönliches
Anatol und die schwachen Frauen

Wer mich schon eine Weile kennt, der weiß: So genanntes „Trollen“ betrachte ich als sportlichen Wettbewerb. Das reicht als Sport in meinem Leben. Gewisse Themen laden dabei geradezu dazu ein, dass man sich sportlich mit ihnen beschäftigt.

Zum Beispiel der Feminismus.

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In den NachrichtenMir wird geschlecht
Pleiten, Pech und Pannenstatistik: Weltknall vom 20. Januar 2014

Die Drohnensache ist noch längst nicht ausdiskutiert, da hat Amazon schon wieder neue Pläne: Womöglich werden demnächst Pakete schon geliefert, die man noch gar nicht bestellt hat. Angesichts meiner Amazonempfehlungen macht mir das ein bisschen Sorge.


OHMEINGOTTOHMEINGOTTOHMEINGOOOOOOTT:

Der Automobilclub hat Betrug beim Autopreis Gelber Engel zugegeben. (…) Die Zahl der abgegeben (sic! A.d.V.) Stimmen für den Publikumspreis Lieblingsauto sei geschönt worden, nicht aber die Reihenfolge der Ergebnisse[.]

„Publikumspreis Lieblingsauto“. Deutschland in 27 Buchstaben.


Die „Wissenschaftsredaktion“ von „SPIEGEL ONLINE“ versucht es derweil mit Qualitätsjournalismus (bin ich eigentlich der Einzige, der „Rosetta“ für einen unglücklich gewählten Namen für eine Sonde hält?):

„Rosetta“ ist auf dem Weg zum 1969 entdeckten Kometen Tschurjumow-Gerasimenko. Wer den Namen zu sperrig findet, kann gern auch „Tschuri“ sagen.

Jö, Christoph „Chrisi Seidi“ Seidler, sperrig finde ich auch Ihren Humor, aber den muss ich ja hinterher auch nicht wegräumen.


Apropos Sprachfehler; Luise „F.“ Pusch, Sprachwissenschaftlerin, Autorin und prominente Mitbegründerin der feministischen Linguistik in Deutschland, hat mal wieder ein Buch geschrieben, angesichts dessen Caroline Fetscher (wiederum „ZEIT ONLINE“) beinahe ins Internet reinejakuliert:

Genussvoll knackt die Kritikerin alte Sprachnüsse und präsentiert deren brüchigen Inhalt. (…) Warum, stichelt Pusch, kennen wir eine „Kanzlergattin“ aber keinen „Kanzlerinnengatten“?

Nun, vielleicht, weil „wir“ (also die Frauen Pusch und Fetscher) weder Cicero noch Süddeutsche.de (11. September 2007) noch Stern.de noch die Sächsische Zeitung (15. Oktober 2005) noch FAZ.net (22. September 2013) noch die Berliner Morgenpost (14. Juli 2006) lesen. Es muss langweilig zugehen am Pusch’schen Frühstückstisch.


Und weil wir gerade bei Wirrköpfen waren, noch eine lustige Anekdote: Wisst ihr, wer so gut wie pleite ist? Richtig: Die Humboldt-Universität. Das war die hier.

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Wie sich die „Femen“ einmal von der katholischen Kirche trollen ließen

MeisnerfaceUnd da wir gerade bei Spinnern waren, läuft mir hier die neueste Protestaktion der „Femen“ über den Ticker:

Eine erst seit Juni 2013 nicht mehr inhaftierte „Femen“-Aktivistin nutzte die Weihnachtsfeier im Kölner Dom für überaus kreativen Protest, indem sie sich in der unheiligsten aller Sprachen „I am God“ – „ich bin Gott“ – auf die Brüste schrieb und vor dem Kardinal (Meisner, das war der hier) fast nackt auf den Altar sprang. Mal abgesehen von der Offenbarung, die die Botschaft, man halte sich in seiner Rolle als körperfixierte Aktivistin für einen Gott, mit sich bringt: Wie muss man sich die Planung einer solchen Tat eigentlich vorstellen? Nein, anders: Wie kommt man auf den Quatsch?

Protest gegen die katholische Kirche kann ich verstehen, kreativen solchen finde ich normalerweise besonders löblich. Sich mitten in einer Messe aber selbst „nackt“ – mir scheint, für die Medien sei „nackt“ inzwischen identisch mit „hat obenrum nur Buchstaben an“, was ich insbesondere aus sprachlichen Gründen als bedauernswert empfinde – zum Gott zu erklären gehört nun eher nicht zu den Aktionen, die ich für einen wirkungsvollen Protest halte.

Hat ja auch nur bedingt geholfen:

Einem Bericht des „Kölner Stadtanzeiger“ zufolge segnete Meisner den Altar nach dem Vorfall mit einem kurzen Ritual neu ein und führte den Gottesdienst fort. (…) Am Ende des Gottesdienstes schloss er die Aktivistin in sein Gebet mit ein.

Die Identität des neuen Gottes kühl ignorierend die Entweihung des Tempels aufheben, während die verwirrte „Nackte“ (SPIEGEL ONLINE) wieder der weltlichen Macht übergeben wird, die obendrein nicht ungeschoren davonkommt, sondern für die auch noch vor dem Gott, gegen den sie antrat, um Gnade gebeten wird; das zeugt von, pardon!, Eiern. So schwer’s mir auch fällt: Respekt!

Ich salutiere den gelehrten Herrn!
Mephistopheles, „Faust“, Kap. 6

Mir wird geschlechtNetzfundstücke
Bischof: Familien zerstörender Genderunsinn schadet kirchlichem Gegenunsinn.

Der Churer Bischof Vitus Huonder (heißt wahrscheinlich echt so) hat zum Tag der Menschenrechte – das ist morgen, obwohl es mir etwas seltsam vorkommt, dass nur ein Tag im Jahr den Menschenrechten gewidmet sein soll – etwas zum Thema Genderwahnsinn gesagt.

Vordergründig geht es im Genderismus um die Gleichstellung der Geschlechter auf allen gesellschaftlichen Ebenen. Die Unterdrückung der Frau zum Beispiel, wie sie in manchen Gesellschaften und Kulturen noch immer vorherrscht, wird zu Recht beklagt. (…) Tatsächlich handelt es sich bei dieser Ideolgie (sic! A.d.V.) aber um einen Angriff auf Ehe und Familie als die tragenden Strukturen unserer Gesellschaft. Ungerechtigkeit im Verhältnis der Geschlechter kann durch die Leugnung der Geschlechterpolarität nicht behoben werden. Deshalb lehnt die Kirche die Ideologie des Genderismus ab.

So weit ist’s gekommen mit der Gleichberechtigung, dass eine Sekte, die jahrhundertelang gemordet und gefoltert hat und deren Würdenträger keine Frau sein dürfen (wobei das mit Frauen und Würde ja angesichts all der selfies mit Entengesicht ein Thema für einen eigenen Artikel wäre), sich über eine Menschen verachtende Ideologie beklagt, die in der Gesellschaft zu viel Raum einnimmt, und die Unterdrückung der Frau nicht gut findet. Alice Schwarzer ist übrigens evangelisch getauft worden.

Während ich bis hierhin dem Hirtenbrief (ich muss bei „Hirte“ immer an den Rattenfänger von Hameln denken und weiß auch nicht, wieso) weitgehend zustimmen konnte, ist die Argumentation zu selbigem eher absurd:

Der Genderismus leugnet die Schöpfungsordnung

So als Bischof muss man’s natürlich erst mal mit der Bibel versuchen. Die Erschaffung des Menschen als Mann und Frau ist eine Vorgabe des Schöpfers, und deswegen darf’s kein drittes Geschlecht geben. Die Erde darf sich nach römisch-katholischer Ansicht bekanntlich auch erst seit 1992 um die Sonne drehen. Na endlich!

Geht’s etwas genauer? Natürlich:

Der Mensch existiert, so die Schöpfungsordnung, als Mann oder Frau. Die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse sagen uns:Jede seiner Körperzellen ist entweder männlich oder weiblich. Dies ist eine klare Vorgabe seiner Existenz. Die unterschiedliche kulturelle Prägung als Mann oder Frau hebt diese Polarität nicht auf.

Stimmt. Der Genderismus erkennt das biologische Geschlecht ja auch als solches an, insofern stimmt Herr Huonder ihm hier sogar zu. Mensch, Vitus, das geht aber auch mit mehr Substanz. Zum Beispiel so:

Obwohl sich der Genderismus wissenschaftlich gibt, halten seine Grundlagen der Wissenschaft nicht stand. Viele ausgewiesene Forscher widersprechen den Ergebnissen der „Gender-Studies“. Dass es psychische und physische Störungen der von Mann und Frau nicht auf. (hä? A.d.V.)

Der Genderismus ist wissenschaftlich unhaltbar. Der Genderismus leugnet die Schöpfungsordnung. Keine Pointe.

Papst Benedikt XVI. sagte in seiner Ansprache vor dem Kardinalskollegium und der Kurie am 21. Dezember 2012 zum Genderismus: „(…) Im Kampf um die Familie geht es um den Menschen selbst. Und es wird sichtbar, dass dort, wo Gott geleugnet wird, auch die Würde des Menschen sich auflöst.“

Was genau Papst emeritus Benedikt XVI. unter der Würde des Menschen versteht, hat er in besagter Ansprache zu erläutern versäumt; schon im Januar 2012 teilte er allerdings mit, dass jede Form der menschlichen Zwei-oder-Mehrsamkeit zwischen nicht heterosexuellen Paaren mit der Würde des Menschen nichts zu tun habe, den eigenen Penis in einen Messdiener (m) zu stecken also vermutlich ebenfalls nicht; obwohl: Nicht der Mensch entscheidet, nur Gott entscheidet, wer Mann und wer Frau ist.

Würde ist eben vor allem ein Konjunktiv.

Amen.

In den NachrichtenMir wird geschlechtMontagsmusikPolitik
Cheer-Accident – Crazy

Wie verrückt ist die Welt geworden? So verrückt: Andrea Nahles (SPD, „man kann nicht alle paar Wochen die Basis fragen“) hat „angedroht“, im Falle einer Ablehnung der Koalition mit der CDU/CSU würde der gesamte SPD-Parteivorstand womöglich zurücktreten. Gerüchte, sie habe außerdem mit Freibier und Steuererlass für jeden gedroht, der mit Nein stimme, konnten bisher aber nicht bestätigt werden.


Wie verrückt ist die Welt geworden? So verrückt:

Es ist offensiv, anmaßend, belästigend und es beleidigt mich, wenn man glaubt, dass das Wackeln mit den sekundären Geschlechtsmerkmalen Einfluss auf meine Notengebung haben könnte. Nein, hat es leider nicht.

(Die Sache hatte natürlich ein Nachspiel mit Aufschrei.)


Wie verrückt ist die Welt geworden? So verrückt:

Cheer Accident – Crazy

Guten Morgen!

Mir wird geschlechtSonstiges
Medienkritik in Kürze: „freundin“, „myself“, „Women’s Health“: Bleibt alles anders.

Junge Frauen lassen sich zunehmend gern auf ihr Äußeres reduzieren.
Meredith Haaf

Das Magazin „freundin“ informierte im Juni 2013 seine Leserinnen darüber, dass es durchaus positiv sei, sich nicht zu verbiegen: „Ich bin gut, so wie ich bin!“

Und weil der Zustand, dass es gut ist, weil man ist, wie man ist, ein doch eher langweiliger ist, wird Monat für Monat an den Kiosken vorgebeugt. Momentan hat’s dort Dezemberausgaben einiger namhafter Frauenzeitschriften. Auszüge gefällig?

Die – ausgerechnet – „freundin“ empfiehlt „edle Make-ups“ gegen allzu natürliches Aussehen:

freundin 25-2013

Die „myself“, die die Vorliebe für Natürlichkeit ja schon im Namen trägt, empfiehlt „Abnehmen – einfach wie nie“ (sogar an den Feiertagen), denn die Zielgruppe der „myself“ scheinen Frauen zu sein, die sich beim Essen nicht beherrschen können:

Myself 12-2013

Die „Women’s Health“ („It’s Good to Be You“, vulgo sei, wie du bist) hat außer den 27 Seiten Extra-Beauty (heißt nicht irgendein bekanntes Pferd so ähnlich?) auch einen besonders wichtigen Tipp für den Winter: „Das bringt Ihre Beine in Bestform“.

Women's Health 12-2013

In den kommenden Ausgaben, ich wäre fast willens darauf zu wetten, wird es voraussichtlich dann schockierende Studien darüber zu lesen geben, dass ein Großteil der Frauen unzufrieden mit ihrem Aussehen ist. Wer trägt die Schuld daran? Die Männer, versteht sich. Frauen machen so was ja nicht.

Frauen reduzieren Männer darauf, dass Männer Frauen auf ihr Äußeres reduzieren.
Luca Raimondo

In den NachrichtenMir wird geschlechtNetzfundstücke
Welttoilettentag 2013

Ei, zum Glück ist heute Welttoilettentag und nicht etwa Internationaler Männertag, sonst fände ich die gestrigen Nachrichten doch eher zynisch:

Endlich, die Frauenquote kommt

Heute wird im Internet dann allerdings lieber brav gebloggt:

Zielgerichtet, selbstbewusst, aber auch sensibel und kinderlieb – der perfekte Mann ist für viele Frauen ein Alpha-Softie.

Wenigstens die taz berichtet über heutige Feierlichkeiten, und zwar, ähm:

Frauenehrung am Männertag – Seit einem Vierteljahrhundert bildet belladonna Frauen

:facepalm:

Zum Glück ist heute Welttoilettentag und nicht etwa Internationaler Männertag, sonst wäre es natürlich undenkbar, dass die ARD zur Feier des Tages einen Berichterstatter losschickt, der das Männlichsein ein für allemal als Testosteronbesitzen, Biertrinken und Autofahren zementiert, damit so ein Mann auch weiß, wie er gefälligst zu sein hat. Der Betrachter macht’s Fußballgesicht.

Zum Glück ist heute Welttoilettentag und nicht etwa Internationaler Männertag, sonst wäre ich doch ein wenig erbost über das Andrea Schelbert, die heute statt des üblichen „Männer sollen x tun, wenn eine Frau das will“ ausnahmsweise mal „Männer sollen y tun, wenn eine Frau das will“ ins Internet reinschreibt.

Zum Glück ist heute Welttoilettentag. Gleich mal reinkotzen.

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Frauentränen

Die hiesige Tageszeitung berichtet schon heute über allerlei Aktionen zum „Internationalen Tag für Frauenrechte“ (offiziell: „Internationaler Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen“) am 25. November 2013. Als eyecatcher im Artikel dient ein Bild von einer weinenden Frau, wohl (ich habe das nur überflogen) aus einem Theaterstück.

Frauentränen nämlich seien etwas, was es zu vermeiden gelte. Wir normalen Menschen würden sagen, das habe den Grund, dass es sowieso immer und grundsätzlich verkehrt sei, anderen Menschen psychisches Leid zuzufügen, aber wie bekannt sein dürfte, ist nicht jeder Mensch ein normaler solcher, und so gibt es ganz offenbar auch Tränen, über die man lachen kann. Besonders leicht zu belustigen ist offenbar Jasna „Faserpiratin“ Strick (das war die hier), die angesichts von Tränen nicht etwa Mitleid, sondern Hochmut empfindet:

Männertränen sind mein Gummibärensaft.

Ein jeder schöpfe Kraft aus seinem eig’nen Saft.

Die Pointe? Zu lachen gibt es eher nichts. Aber da es um Rechte geht: Das Recht, mich über das jeweilige Leid von Angehörigen des anderen Geschlechts lustig zu machen, weil sie nicht meinem selbstredend vor jeglicher psychischen Pein („Gewalt“) zu beschützenden Geschlecht angehören, und dafür nicht etwa Buhrufe, sondern mannigfaltigen Applaus zu ernten, hätte ich auch gern mal.

Es ist ja nicht alles schlecht im Feminismus. Das ist ein bisschen wie mit der Religion: Ohne die gläubigen Katholiken wäre die katholische Kirche echt eine prima Idee.


Ein Fundstück zum Thema: In Hamburg sollen Männer bevorzugt auf eine Professur berufen werden, wenn ihr Geschlecht an einer Fakultät unterrepräsentiert ist.

Die Landeskonferenz der Gleichstellungsbeauftragten (LaKoG) ist strikt dagegen. (…) Da es eine nachgewiesene Benachteiligung von Frauen, nicht aber von Männern gebe, hält die LaKoG es für fraglich, ob deren Förderung mit dem Grundgesetz vereinbar ist.

Kennt ihr das, wenn euch zu etwas, was ihr lest oder hört, nur noch drei Punkte („…“) einfallen?

Dies ist so ein Moment.

In den NachrichtenMir wird geschlechtPolitik
Die Gaschke, die Mina und das Patriarchat.

Susanne Gaschkes (SPD) Versuch, sich – ihr habt es sicher mitbekommen – aufgrund ihres Quasirauswurfs als Kieler Oberbürgermeisterin als Opfer einer patriarchischen Struktur zu gebärden, war nur mäßig erfolgreich.

Schon besser hat es Yasmina Banaszczuk (Eigenbezeichnung: „Frau für Dingens und Gedöns“) gemacht, deren Austritt aus (wiederum) der SPD auf Twitter nicht etwa hämisch bejubelt, sondern als konsequenter Schritt gelobt wurde. Vielleicht ist sie einfach niedlicher als Susanne Gaschke. Dabei sieht auch sie sich als Opfer des Patriarchats:

Dieses System von Parteivorsitzenden, die sich von jungen Frauen so bedroht fühlen, dass sie ihnen einfach pauschal unterstellen, dass sie keine Ahnung von politischen Prozessen im Allgemeinen hätten (und so weiter und so fort, A.d.V.).

’s ist ja auch frech, wenn die SPD ihr nicht einfach irgendwelche Beauftragungen und sonstige Annehmlichkeiten schenkt (Hervorhebung von mir):

Ich würde gerne irgendwann in die Partei zurück kommen, wenn es denn Hoffnung auf wahren Einfluss gäbe und darauf, dass sich irgendetwas ändern würde.

Das liegt sicher nur an den Männern!!1

Heute in Ihrer TL: junge gut vernetzte Männer geben Tipps, wie man in der SPD erfolgreich wird

Immer diese Frauenquotenparteien mit ihrem Sexismus! (Sicher nicht zufällig äußert sich Frau Banaszczuk in ihrem Jammertext nur am Rande zu Dennis Morhardt, der, wie sie immerhin selbst zugibt, auch nicht wesentlich weniger Arbeit und Lebenszeit in die Partei gesteckt hat als sie. Der ist nämlich auch kein hohes Tier in der SPD geworden, obwohl er gar keine Frau ist.)

Julia Seeliger (Grüne, oh the irony) fasst treffend zusammen:

Fühlt sich Sigmar Gabriel tatsächlich bedroht von jungen Frauen aus dem Internet? Wohl kaum. Und damit hat er recht. Ist ziemlich arschlochhaft, hier die Geschlechterkarte zu ziehen, wo doch gar keine notwendig ist. Aber klar: Yasmina könnte mit diesem populistischen Gepöbel gut Juso-Vorsitzende werden.

Yasmina Banaszczuk schloss ihren Artikel mit einem Versprechen:

Wenn eine andere Partei eine ernsthafte Option wäre, wäre ich dort schon längst.

Da haben wir Piraten noch mal Glück gehabt.

In den NachrichtenMir wird geschlechtNetzfundstücke
Medienkritik in Kürze: „Traurig, kein Fake“ / Google belegt, dass Google belegen kann.

Um noch mal kurz zu verdeutlichen, wo der Unterschied zwischen gemäßigtem – das ist der, den ich prinzipiell für nicht verkehrt befinde – und populistischem Feminismus liegt: Mir wurde heute Mittag diese Website in die Twitter-timeline gespült.

Zusammengefasst geht es darum, dass eine Organisation namens „UN Women“ (also etwa „Frauen in den Vereinten Nationen“) das schändliche Google als Beleg dafür herangezogen hat, dass die Welt schlecht über Frauen denke. Das Ergebnis sind große Plakate mit Fotos von Frauen, über deren Mund Googles „Sofortsuche“ geklebt wurde, vielleicht, damit sie sich nicht noch mehr blamieren. Das sieht dann etwa so aus:

Google und die Frauenrechte

Googles „Sofortsuche“ („Google Instant“, in der Google-Hilfe erklärt) schlägt nach Eingabe weniger Buchstaben häufige (und ergebnisreiche) Suchanfragen mit dem gleichen Anfang vor. Offenbar suchen also viele Leute danach, dass „Frauen nicht wählen/arbeiten“ sowie „keine Rechte haben sollten“. Skandal!, (auf-)schreit das Internet, „die Frauen“ werden sogar von Google unterdrückt!

Aber was bedeutet es, dass viele Leute nach „Frauen sollten keine Rechte haben“ suchen? Es heißt doch nichts anderes als dass Frauen mehrheitlich eben doch Rechte haben. Viel schlimmer wäre es doch, wäre „Frauen sollten Rechte haben“ eine Topsuche wäre, denn das würde bedeuten, dass sie tatsächlich mehrheitlich keine Rechte haben. Aber so weit denkt der populistische Feminismus nicht, nach Satzanfängen wie „Frauen sollten/dürfen nicht“ schaltet er sein breiiges Hirn aus und zetert drauflos; vermutlich hätte dieser Feminismus auch mit „Frauen dürfen nicht angezündet werden“ ein Problem, denn es sollte womöglich das Recht jeder Frau sein, angezündet zu werden, wenn ihr halt danach ist (und zwar nur dann). – Das war jetzt etwas unsachlich.

Aber es passt hervorragend zur Debatte, denn unsachlich ist die Werbekampagne selbst. Bedingt durch die beschriebene Funktionsweise der Suchvervollständigung lässt sich so eigentlich alles belegen, was man gern belegen lassen würde. Ich habe das vorhin – natürlich auf einem Fremdsystem – mal ausprobiert:

Google und die Männerrechte

Was uns das nun sagt? Nun, vielleicht, dass „viele Leute suchen nach Umstand x“ nichts über die Verbreitung von x aussagt. Natürlich befürwortet es, belegt von der Plakatkampagne von „UN Woman“, die Mehrheit offensichtlich, dass Frauen wählen, arbeiten, atmen, boxen (sic!), Rechte haben und Auto fahren dürfen. Die hierdurch frei gewordenen Kapazitäten könnten genutzt werden, um den Verantwortlichen für die Plakatkampagne mal zu erklären, wie Google eigentlich funktioniert.

Das ist ja nicht so kompliziert.

Mir wird geschlechtNerdkramsNetzfundstücke
Computerfeminismus

Warum ich LibreOffice trotz (oder wegen?) der fehlenden Cloudfunktionen auch Microsoft Office 2013 immer noch vorziehe?

Es gendert nicht.

Word 2013 gendert

(Hier ist Microsoft ein Fehler unterlaufen, natürlich heißt es „einem/r Dokument/in“. Na, vielleicht mit dem nächsten Update.)


Apropos Feminismus: Was kann man mit einer Socke so alles anstellen? Klar: Menstruieren!

(via Nachtwächter)

Mir wird geschlechtNerdkramsPersönliches
Eine ganze Wikipedia voller Manipulatoren

Eine der lustigeren Beschimpfungen, die mir im Laufe meiner Karriere als Internetnutzer bisher so entgegengeschleudert wurden, ist übrigens Manipulator.

Was war passiert? Ich hatte es nach ausführlicher Diskussion mit anderen Autoren gewagt, den von verschiedenen Quellen als tendenziös und den Radikalfeminismus (zur Bedeutung dieses Begriffs bitte Valerie Solanas erforschen) verharmlosenden Wikipediaartikel über Feminismus dergestalt zu ändern, dass er eine klare Trennung zwischen „dem Feminismus“ – den es als homogenes Konstrukt nicht gibt – und den verschiedenen sexistischen bis gemäßigten Strömungen desselben vornimmt. In der Folge wurde ich mehrfach, unter anderem auf Twitter, der Manipulation bezichtigt.

Da kennen sie eben keinen Spaß, die Verfechter der neuen Offenheit: Freiheit ist super, aber sie möge nur dem eigenen hehren Zweck dienen. Wer Artikeln in der Wikipedia einen neutralen Anstrich zu verpassen versucht, ist kein Wikipediaautor, sondern ein Manipulator (ach, nein: ein Möchtegern-Manipulator, was dann sogar doppelt Käse ist), als handele es sich um jemanden, der widerrechtlich in die Wikipediadatenbank eingebrochen ist und da unerlaubt herumeditiert hat.

Interessantes Gedankenspiel: Wenn das Editieren von Texten, um deren Bearbeitung ausdrücklich gebeten wird, bereits mit Manipulation gleichgesetzt wird, wie schlimm muss es erst um freie Software bestellt sein? Man steuert in der Welt der freien Software also keinen Code mehr bei, man manipuliert an Software herum. Wer es wagt, Codeänderungen vorzunehmen, die nicht jedem Benutzer des jeweiligen Programms gefallen, ist manipulativ.

Ich schlage zur besseren Trennung zwischen guter und böser Manipulation an dieser Stelle das Wort „wikipulativ“ nebst Deklination und Ableitungen vor. Den Vorwurf, wikipulativ zu sein, lasse ich mir zumindest gern gefallen.

Mir wird geschlechtPiratenpartei
Feministischer Einzelfail

Da wir gerade bei den Piraten waren, möchte ich auf die aktuelle Sau, die durch die Piratenpartei getrieben wird, auch nur wegen des Popcornfaktors noch kurz näher eingehen, bevor es hier wieder um interessantere Themen geht:

Auf der „OpenMind 2013“, einer Konferenz, die irgendwas mit Gesellschaftsbildern zu tun hat (und auf der es eine Frauenquote für die Rednerliste gibt, was über diese Konferenz wahrscheinlich schon alles Nötige aussagt) und die von Mitgliedern der Piratenpartei organisiert wurde, kam es während des Vortrags „Hatespeech und Victim Blaming nach dem #Aufschrei“, der den Diskussionsstil einiger Teilnehmer der Debatte um den Alltagssexismus, selbst sexistisch geführt, thematisierte, zum Eklat, als unter anderem einige Tweets der feminismuskritischen Twitternutzerin @ochdomino als schlechte Beispiele angeführt wurden.

Die feministische Meute, die während dieses Vortrags erstmals besagte Tweets zur Kenntnis nahm, war natürlich milde pikiert darüber, dass man ihr unterstellt, aus Modegründen radikalen Gesellschaftsbildern anzuhängen, und tat ihr Bestes, dem Radikalismusvorwurf zu entsprechen@ochdomino sah sich in der Folge derart schwerwiegenden Drohungen ausgesetzt, dass auch ihr Blog offline genommen und durch einen offenen Brief ihres Vaters ersetzt wurde, der unter anderem dies schrieb:

Ich werde jeden, der meine Tochter weiterhin bedroht oder behelligt mit fairen und unfairen (dennoch rechtlichen) Mitteln bekämpfen! Für die Piratenpartei und diese Damen, die sich angeblich für die Rechte von Frauen einsetzen, empfinde ich nichts als tiefe Verachtung.

Wir lernen:

  1. Wenn Feministinnen, die blöderweise zum Großteil Piraten sind, einem Mann Gewalt androhen, wie es etwa @Faserpiratin (das ist die mit dem „Hatespeech“-Vortrag) bereits getan hat, dann ist das ein einmaliger Ausrutscher, wenn nicht gar ein „Einzelfall“. („Einzelfall“ ist auch so ein Wort, das wohl nur von Frauen definiert werden darf.)
  2. Wenn genau diese gewaltbereiten Feministinnen, die blöderweise zum Großteil Piraten sind, sich von der Bezeichnung als „faschistoide Hipster-Feministinnen“ angegriffen fühlen und eine Kritikerin (offenbar) an Leib und Leben bedrohen, dann sind die Piraten allesamt Verbrecher, Mörder und SA-taugliche Schläger, denen man nichts als tiefe Verachtung entgegenbringen sollte. (Nachtrag: Die verlinkten Tweets wurden mittlerweile leider gelöscht.)

Ja, wie denn nun? Und vor allem: Was bedeutet das für mich als Mitglied der Piratenpartei? Ich stehe inhaltlich voll hinter @ochdomino (obwohl ich ihren Tonfall zwar angemessen, aber doch etwas unsachlich finde), muss mich aber dennoch ständig vor Repressalien seitens ihres (mir unbekannten) Vaters fürchten, weil ich als Pirat schuld daran bin, dass sie von Leuten, die sich von ihr beleidigt fühlen, bedroht wird – habe ich das jetzt richtig verstanden?

Kann man Pirat und trotzdem kein Mörder sein? Ich habe ein bisschen den Überblick verloren. Ich war nicht mal auf dieser bescheuerten Konferenz.

Wer kann helfen?