Archiv für die Kategorie ‘Mir wird geschlecht’.

Feminismist, Männerrrrrrechtler, verqueere Spinner. Alle zusammen.

In den NachrichtenMir wird geschlechtPersönliches
Mein Problem mit dem Feminismus

Obwohl (oder gerade weil?) ich die #PiratinnenKon besucht und mich dort sowie im Anschluss mit einigen durchaus diskussionsbereiten und auch überzeugenden Feministinnen unterhalten habe, werde ich gelegentlich gefragt, worin eigentlich mein Problem mit dem Feminismus bestehe. Vorgeworfen werden mir unter anderem meine nicht feindseligen Kontakte zu vermeintlichen Tätern sowie meine mangelnde Bereitschaft, mich an nett gemeinten, rational aber eher kontraproduktiven Aktionen wie der „In-Woche“, also einer Woche, in der ausschließlich das generische Femininum verwendet wird, zu beteiligen. Auch meine Kritik daran, dass eigentlich unterstützenswerte Aktionen gegen sexuelle Übergriffe häufig stur ein bestimmtes Täter-Opfer-Schema befolgen, stößt nicht überall auf Zuspruch. Offenbar wirke ich in meinem Habitus wie ein Frauenfresser.

Natürlich gibt es auch radikal agierende oder sich radikal äußernde Vertreter der Ansicht, Frauen seien aufgrund ihres Geschlechts in der Küche noch immer am Besten aufgehoben. Dass viele Frauen dieses Spiel aktiv mitspielen, sei es aus religiösen, sei es aus anderen wirren Gründen (recht beliebt ist das Bild der Frau als untergebene Gefährtin des Mannes zum Beispiel auch bei Freunden des Mittelalters), ist zumindest eine Randbemerkung wert, jedoch kein Grund anzunehmen, negative Rollenklischees seien eine rein männliche Eigenheit.

„Wein soll fließen, brennen soll das Weib!“
— Lost Belief: Bischofswein

Vermutlich ist es eher wenig förderlich für den Feminismus, wenn Feministinnen in der Tradition von Valerie Solanas das Ende alles Männlichen fordern. (Einem Magazin gefällt das.) Dabei befinde ich Feminismus von seiner bloßen Intention her gar nicht für schlimm. Die Gleichbehandlung aller drei Geschlechter, ohne ein Geschlecht (etwa, wie es oft erfolgt, das männliche oder das weibliche) positiv oder negativ hervorzuheben, ist eine durchaus progressive Idee und der „Postgender“-Idee, die die Überwindung von Geschlechterzugehörigkeit zum Inhalt hat, nicht unähnlich. Nicht schön wird es aber, wenn man sich auf dem Weg dorthin radikaler Methoden bedient.

Ein konkretes Beispiel: Vor recht kurzer Zeit wurde in Berlin das „Barbie Dreamhouse“ eröffnet. Natürlich waren viele Kinder und Eltern dort. Nahe liegend ist, dass man als rationaler Mensch eine Kundgebung abhält, um medial desinteressierten Besuchern zu verstehen zu geben, dass das Frauenbild, das Barbie vermittelt, nicht unbedingt optimal ist. (Dabei ist die Kritik an dem Frauenbild nicht immer klar verständlich: Geht es um die ungesunden Proportionen der Puppe, um das Klischee von der kichernden Hausfrau, die ständig nur mit ihren Freundinnen Urlaub macht und sonst nichts auf die Reihe bekommt, oder um die heutzutage allzu weltfremde Vorstellung, die erste richtige Beziehung [„Ken“] wäre die „Liebe des Lebens“?)

Etwas weniger nahe liegend ist das:

Klara Martens tauchte als Barbie auf, entblößte ihre perfekten Brüste („Life in plastic is not fantastic!“) und hielt ein brennendes Kreuz hoch.

Nun würde ich ja behaupten, die Formulierung „perfekte Brüste“ sei hier nicht klug gewählt und wirke eher neidisch als spöttisch, aber mich fragt natürlich wieder keiner. Interessant ist aber auch das mit dem brennenden Kreuz, an das im Übrigen – ein hier nicht ganz unwichtiges Detail – eine Barbie-Puppe gebunden worden war. Da hat jemand zu viel Geld.

Einmal ganz abgesehen von dem recht dämlichen Umstand, dass man als feministische Frau gegen Geschlechterklischees heutzutage offenbar bevorzugt halbnackt demonstriert („Sexismus ist scheiße, aber guckt mal, wie toll meine Brüste sind!“), denn von voll bekleideten Demonstrantinnen bekommt man in den Medien nur wenig zu sehen, ziehen sich durch die „Femen“-Proteste – „Femen“ nennen sich die barbusigen Radikalfeministinnen, deren einzige Emotion anscheinend Aggression ist – auch Stilmittel ganz anderer Gruppen wie ein roter Faden. Brennende Kreuze? Haben andere schon gemacht. Verharmlosung von NSDAP-Symbolen? Läuft. Die Zurschaustellung des weiblichen Körpers als Objekt erfolgt ja als Gruppenkonsens ohnehin. Eine kreative Femengruppe, die irgendetwas Unerfreuliches machen möchte, was noch nicht jeder gemacht hat, um aufzufallen, müsste also eventuell irgendwas mit aktiver Pädophilie machen. Oder mit Fäkalien. Oder beides.

„Brennen, sie soll brennen!“
— Subway to Sally: Die Hexe

Bemerkenswert ist, dass sowohl der Ku-Klux-Klan als auch die NSDAP primär Vereine waren beziehungsweise sind, in denen das verhasste Patriarchat den Ton angab beziehungsweise angibt. Man macht also Gebrauch von den Methoden des Feindes, eben des vermeintlichen Patriarchats, um zu zeigen, dass es falsch liegt. Ich bin unwillens, mich einen Patriarchen zu nennen, aber ich bin der festen Überzeugung, dass Männer, die gegen eine Vorherrschaft des Weiblichen, sofern diese eines Tages eintritt, demonstrieren gehen wollen, dafür keine Nazisymbolik benötigen. Allerdings ist mir auch kein solcher Fall bekannt. Man schelte mich einen Narren, so er denn eines Tages eintritt und ich soeben irrte.

Blöd am Feminismus ist auch, dass er in Behörden und ähnlichen Einrichtungen allzu oft mit „Gendern“ verwechselt wird. Dafür kann der Feminismus indes nichts. „Gendern“ ist – so mein bisheriger Kenntnisstand – die furchtbare Marotte, geschlechtergerechte Sprache zu benutzen, also jedem generischen Maskulinum ein generisches Femininum zur Seite zu stellen. (Transsexuelle dürfen natürlich auch weiterhin sprachlich unterdrückt werden, sind ja nicht so viele.) Mir als Mann ist es ja völlig wurscht, ob ich nun „der Mensch“, „die Menschin“ oder „das Mensch“ bin, und ich habe bisher auch nur wenige Studentinnen kennen gelernt (ich könnte spontan nicht mal einen Namen nennen), die eine Anrede als „liebe Studenten“ als tiefe Beleidigung empfunden hätten, schon, weil es im Regelfall um den Stand und nicht um das Geschlecht geht; aber bitte, ein jeder möge seine eigenen Probleme zur Lösung einreichen. Persönlich bin ich ein Freund des generischen Neutrums, und wenn man schon Wörter wie „Piraten“ mit irgendwelchen Auslassungsasterisken ergänzen muss, weil es das generische Neutrum für Personenbezeichnungen in der Praxis gar nicht gibt, dann doch bitte „Pirat*en“ und nicht „Pirat*innen“, da letzteres bereits eine geschlechtseindeutige Endung impliziert; das „Gendersternchen“ steht ja, entlehnt aus der EDV-Welt, dafür, dass man an seiner Stelle Beliebiges einfügen kann, und solches Beliebiges, das aus „Pirat*innen“ männliche oder transsexuelle „Piraten“ – letztere bevorzugen sowieso oft das Wort „Queeraten“ – macht (offizieller Sprachgebrauch: „mitmeint“), ist jedenfalls mir nicht geläufig.

Man sollte natürlich auch weiterhin gesondert von „sehr geehrten Damen und Herren“, „sehr geehrten Männern und Frauen“ oder ähnlichen Teilungen sprechen, sofern man etwa als Redner ein Publikum, das restlos aus Vertretern beiderlei Geschlechts besteht, anzureden beliebt; „sehr geehrte Menschen“ klingt doch etwas holprig und „sehr geehrte Teilnehmer“ passt längst nicht immer. Warum es aber unzumutbar erscheint, auch in der Schriftsprache alle angesprochenen Personen mitsamt ihrem Geschlecht, sofern als notwendig erachtet, vollständig auszuschreiben, erschließt sich mir nicht. (Der Autor des soeben verlinkten Textes verwechselt jedoch „zusehends“ und den meines Erachtens fragwürdigen Anglizismus „zunehmend“, ich empfehle also, seine Ergüsse nicht einfach als gegeben hinzunehmen.) Die Zeit, in der ein einfacher Text noch zu Kapazitätsengpässen führte, sollten seit einigen Jahren längst überwunden sein. Ich persönlich lege hingegen gar keinen Wert darauf, Wörter nach ihrem grammatikalischen Geschlecht zu beurteilen. Bin ich ein Frauenfeind, weil es mich nicht stört, wenn der Baum prächtig gedeiht? Zugegeben, der Vergleich hinkt. Ziehen wir einen anderen heran: Bin ich ein Frauenfeind, wenn ich nach der Konsultation eines Ärztepaares, von dem ein Teil männlich, ein Teil weiblich ist, sage, ich sei beim Arzt oder bei Ärzten und nicht beim Arzt und bei der Ärztin gewesen? Ich versuche wirklich zu begreifen, warum das notwendig sei, um sich vom Patriarchat zu distanzieren, aber es gelingt mir einfach nicht. Ich sehe mich ohnedies – ich erwähnte es bereits – nicht als einen Patriarchen. Herrschaft qua Geschlecht ist keine gute Herrschaft, Herrschaft qua Kompetenz gilt es zu fördern. Mit dem Wort „Herrschaft“ rate ich in einer Demokratie übrigens äußerst vorsichtig umzugehen, meine Herrschaften. (Hat eigentlich schon jemand den Begriff der „weiblichen Herrschaft“ angeprangert?)

„Ich bin nicht unter dir, ich bin nicht über dir, ich bin neben dir.“
— Ton Steine Scherben: Komm schlaf bei mir

Dass eines der Ziele des Feminismus‘ auch eine Gleichbehandlung der Frau bei Beförderungen, Anstellungen und Entlohnung ist, finde ich des Weiteren gut und richtig. Die Verfechter dieser Gleichbehandlung schaden ihrer eigenen Sache jedoch allzu oft mit inkorrekter Wiedergabe tatsächlicher Zahlen und (bewusster?) Unkenntnis der wirtschaftlichen Realität. Natürlich sind Personalchefs, die bei Bewerbungen einen Mann wegen seines Gliedes und nicht wegen seiner Kompetenz bevorzugen, eine Fehlbesetzung. Wenn aber zum Beispiel eine Frau in Männerberufen (zum Beispiel in der Informatikbranche) abgelehnt wird, weil sie in ihrer Kindheit mit Puppen statt wie ihre männlichen Mitbewerber mit Computern gespielt hat, dann ist das eine Kompetenz- und keine Geschlechterfrage. Ich als Personalchef würde übrigens für Programmierung generell lieber eine Frau, die C++ beherrscht, als einen Mann, der den modischen Nullbegriff „Web 2.0“ als Fachkenntnis angibt, einstellen; mir sind sogar konkrete Beispiele für beide genannten Personen bekannt. „Frauen können nicht programmieren und Männer sind Nerds“ ist also ausgemachter Schwachsinn. Ich bin aber kein Personalchef. – Andersherum bezweifelt wahrscheinlich auch kaum jemand (gleich welchen Geschlechts), dass Frauen sich aufgrund ihrer Urinstinkte als Kindergärtner, äh, Kindergärtnerinnen generell besser eignen als Männer. (Eine persönliche Anekdote in diesem Zusammenhang: Seitens der staatlichen Institution, bei der ich in Lohn, wenn auch nicht in Brot, stehe, wird in Stellenausschreibungen gegenwärtig ausdrücklich angegeben, dass Bewerbungen von Männern aufgrund der Bestimmungen des niedersächsischen Gleichberechtigungsgesetzes (NGG) besonders erwünscht seien. Anscheinend ist der Frauenanteil stellenweise inzwischen so groß geworden, dass der Gesetzgeber intervenieren musste. Das könnte daran liegen, dass einen männlichen, kinderlosen Akademiker mit abgeschlossenem Studium die hier üblichen 50-Prozent-Stellen meist nicht sonderlich reizen. – Wer jedenfalls in überstürztem Aktionismus trotz guter Absichten pauschal eine Frauenquote im öffentlichen Dienst fordert und keine Ausnahmen vorsieht, übersieht dabei offensichtlich etwas Grundlegendes.)

Nein, ich habe kein Problem mit dem Feminismus. Ich habe ein Problem damit, dass die Menschen ihn pervertieren. Das Ende von geschlechterbezogener Diskriminierung mittels der Überwindung der Kategorisierung nach (mithin: der impliziten oder expliziten Bevorzugung von) Mann, Frau oder unklarem Dritten (in behördlichen Formularen tauchen diese Dritten oft nicht einmal auf, sie haben also ein zusätzliches Diskriminierungsproblem), sollte gegebenenfalls politisches, primär aber gesellschaftliches Ziel eines progressiv denkenden Menschen sein.

Das ist eigentlich auch schon alles.

In den NachrichtenMir wird geschlechtPiratenpartei
Medienkritik in Kürze: Nochemaa #PiratinnenKon

Noch ein Kurzer zum Thema PiratinnenKon:

Dem geschlechtsneutralen Onlineportal BRIGITTE.de („Mode, Beauty, Figur, Frauen“ und so weiter) gab Organisatorin Christiane Schinkel ein Interview. Dort stellte sie unter anderem heraus, dass in der Piratenpartei zu viele Männer einem Konkurrenzdenken unterliegen würden, das der Gleichberechtigung im Wege stehe.

Natürlich kommt das Gespräch nicht ohne das leidige Thema „die bösen Kritiker“ aus:

(…) auf Twitter brach im Vorfeld ein heftiger Shitstorm über uns hinein. Nicht von Piraten, sondern von so genannten „Männerrechtlern“. (…) Von der „Diktatur des Feminismus“ war da die Rede, oder es wurde uns unterstellt, wir würden Männer ausschließen. Für diese Männer sind Frauen, die für ihre Rechte kämpfen, ein Feindbild.

(Formatierung von mir.)

Männerrechtler sind, wie der Name schon sagt, Männer, die für ihre Rechte kämpfen. Laut Mitgliedern der – nach eigenen Angaben – geschlechterdemokratischen Heinrich-Böll-Stiftung („Heinrich Böll Stiftung“) sind sie oft rassistisch und homophob, und man müsse offensiv mit ihnen umgehen.

In den Regeln der PiratinnenKon war vor der beabsichtigten Verwässerung zu lesen:

Ich weiß, dass Wortbeiträge, die diesem Thema entgegen arbeiten oder widersprechen (z.B. Maskulinismus, Männerrechtler) auf dieser Konferenz keinen Raum erhalten werden.

Offensichtlich sind für die Frauenrechtler Männer, die für ihre Rechte kämpfen, ein Feindbild. Aber darüber schreibt BRIGITTE.de natürlich nicht.

Randnotiz: Die etwa 100 Teilnehmer an der PiratinnenKon am Wochenende machten etwa 2,5 Promille aller Piraten aus.

In den NachrichtenMir wird geschlechtNetzfundstückePiratenpartei
#PiratinnenKon

Zur zurzeit zu Ende gehenden, von Mitgliedsbeiträgen finanzierten „PiratinnenKon“, der, wie der einschlägigen Presse zu entnehmen ist, als workshop zur gemeinschaftlichen Erfassung der Gründe, warum Feminismus total viel wichtig und Maskulismus total viel schädlich für die politischen Ziele der – ausgerechnet – Piratenpartei ist (Irrsinn), angelegt war, ist alles Nötige auf Twitter zu lesen.

Die keynote, gehalten von einer linken Feministin, handelte davon, dass, um Diskriminierung zu bekämpfen, es sinnvoll sei, selbst zu diskriminieren. Einfach mal Männer beschimpfen und – Zitat – gucken, wie sich das anfühlt. Guter Anfang.

Zwar wurde, weil auch viele denkende, feminismuskritische Menschen anwesend waren, die Diskussionsphase – das sei lobend erwähnt – wertneutral vom Miteinander in der Partei anstelle des alten Männer-Frauen-Streits beherrscht. Man bedenke: Es gibt mehr als zwei Geschlechter.

Leider blieb es nicht piratig. (Unbedingt die Kommentare lesen!)

Am Anfang der PiratinnenKon stand eine gegenseitige Huldigung der Veranstalterinnen, Danksagungen an sich selbst. Wahrscheinlich hatten sie geahnt, dass das hinterher nicht mehr geht.

Eine PiratenKon ist geplant.


Nachtrag: Ich empfehle außerdem Hadmut Danischs ausführlichen Bericht. Vorsicht: Realsatire.

Mir wird geschlechtPersönliches
Gleicher als die anderen (Fortsetzung).

Zu Beginn meiner Studienzeit hatte ich mich teils belustigt, teils verwundert über das hochschuleigene Frauen- und Gleichstellungsbüro geäußert. Es ist Zeit für einen Nachtrag.

Heute nämlich kam durch Zufall ein Exemplar der zurzeit gültigen Richtlinie gegen sexuelle Belästigung und Diskriminierung in meinen Besitz. Darin stehen gut gemeinte Hinweise, was denn alles zu unterlassen sei. Dabei ist ausdrücklich nicht von Geschlechterdiskriminierung die Rede:

[Zu unerwünschtem Verhalten] zähl[t] unter anderem: (…) sexuell herabwürdigende Kommentare über Personen, deren Intimgeben, deren Körper sowie deren sexuelle Identität

Normales Herabwürdigen aufgrund des Geschlechts wird von besagter Richtlinie somit nicht einmal formell abgedeckt.

Das erklärt, wieso im Umfeld der Richtlinienexemplare zahlreiche weitere Pamphlete ausliegen und -lagen, etwa „Schutz und Hilfe für Frauen in Not!“ vom lokalen Frauenschutzhaus („FrauenschutzHaus“), denn so ein Mann braucht keine Hilfe:

Misshandlungen durch den Ehemann, Lebenspartner, Freund oder die Familie gehören für viele Frauen in Deutschland zum Alltag.

Vice versa; aber mit eurem Latein seid ihr wohl längst am Ende.

Frauen werden: (aus stilistischen Gründen gekürzt, A.d.V.)

  • Kontrolliert
  • Bedroht
  • (…)
  • Geschlagen
  • Getreten
  • Beleidigt
  • Sexuell mißhandelt

(…) Sprechen Sie mit möglichst vielen Menschen über Frauen- und Kindesmisshandlung sowie Frauendiskriminierung, wie sie überall und täglich geschieht.

Ich sag‘ euch was, „Frauenschutzhaus Wolfenbüttel“: Ich spreche gern mit möglichst vielen Menschen darüber, wie ihr eigentlich das Rollenmodell in der Gesellschaft seht. Ist das eigentlich schon Herabwürdigen des Geschlechts, wenn Frauen in die Rolle der hilflosen Opfer gedrängt werden? Aber was interessiert’s euch, ihr kämpft ja für die gute Sache. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Auch die „Beratungsstelle gegen sexuelle Gewalt e. V.“ hat neben eurem, „Frauenschutzhaus Wolfenbüttel“, ein eigenes Faltblatt platzieren lassen, das thematisiert, wieso Vergewaltigung schlimm ist. Natürlich auch hier nur die gegen Frauen und Mädchen, denn andere Menschen stehen in dieser Gesellschaft nicht unter Schutz. Die sollen sich gefälligst selbst wehren!

Zugegeben: Besagte Pamphlete entstammten nicht direkt der Feder des „Frauen- und Gleichstellungsbüros“. Dieses hat sein eigenes Scherflein beigetragen: Ein Faltblatt namens „Niedersachsen-Technikum – Eine interessante Perspektive für Abiturientinnen“ beschreibt eine Art Praktikum, das vom Land finanziert und nur Frauen angeboten wird, die vor der Wahl ihrer beruflichen Zukunft stehen. „Gleichstellung“ ist anscheinend eine andere Art, „Frauen brauchen mehr Vorteile gegenüber den Männern“ auszudrücken. Allerdings keine viel bessere.

Was das Gleichstellungsbüro so macht? Nun, dies erklärt ein A4-Blatt: Förderung einer geschlechtersensiblen Lehre steht darauf, Literatur zu genderspezifischen Themen sei auch im Angebot. Außerdem – nicht zu vergessen – Maßnahmen zur Förderung der Balance der Geschlechter in den Studiengängen, denn in so einem Studium geht es nicht um „Interesse oder nicht“, sondern um „Titten oder nicht“. Deshalb ist es auch dringend notwendig, in der Informatik eine Frauenquote von mindestens 50 Prozent zu erreichen, denn auch als Frau hat man gefälligst Interesse an Computern zu haben und nicht nur an so doofen sozialen Berufen. Nur für Frauen, so das A4-Blatt weiter, seien Veranstaltungen und Workshops im Angebot, Vernetzung in Studium und Beruf und dergleichen. Männer, Transsexuelle und Geschlechtslose brauchen so was nicht. Oder sie bekommen es einfach nicht.

So flößt man der schweigenden Masse immer wieder aufs Neue ein, wie die Rollenmodelle in dieser Gesellschaft so laufen, auf dass sie auch weiterhin denken möge, es sei schon alles in Ordnung so.

Falls es noch jemand nicht verstanden hat: Institutionen wie dieses „Gleichstellungsbüro“ sind ein widerwärtiges, weil tragendes Element sexistischer Auswüchse an staatlichen Einrichtungen und gehören daher abgeschafft. Von Steuergeldern bezahlte Heuchelei haben wir in den Parlamenten bereits genug.

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Medienkritik in Kürze: Skandal: Unternehmen unterschiedlich groß!

Und da wir gerade bei unterdrückten Minderheiten waren, wird auf SPIEGEL ONLINE diese Woche wieder Genderkäse serviert:

EU-Justizkommissarin Viviane Reding dringt auf eine Frauenquote von 40 Prozent in den Aufsichtsräten börsennotierter Konzerne. (…) Männer haben im Schnitt 33, Frauen nur 20 Mitarbeiter unter sich.

Es ist also nur noch eine Frage der Zeit, bis die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten (Männer sind bekanntlich stets selbst schuld) eine Vergrößerung von Unternehmen fordern, in deren Vorstand sich Frauen befinden. Immerhin können Frauen nichts dafür, dass die Unternehmen so klein sind. Chauvinistische Machoschweine: Halten das Unternehmen absichtlich klein, um Frauen den Erfolg zu verwehren!

Dabei sind Frauen allein schon wegen ihres Geschlechts deutlich besser qualifiziert:

Frauen haben zwar weniger Berufserfahrung – das aber vor allem deshalb, weil sie jünger in Führungspositionen aufrücken.

Da werden also Menschen mit weniger Berufserfahrung schneller befördert als diejenigen des anderen Geschlechts mit womöglich mehr Berufserfahrung. Klarer Fall von Unterdrückung.

Trotzdem sind die Erfolgsfrauen von heute sich immer noch ihrer natürlichen Rolle in der Gesellschaft bewusst, weiß Elke Holst, „Expertin“ im Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung:

Führungspositionen seien meist mit überlangen Arbeitszeiten verbunden, die mit Haus- und Familienarbeit schwer in Einklang zu bringen seien.

Gleichzeitig putzen, kochen und ein Unternehmen leiten geht halt nicht. Danke, Frau Holst, für diese Erkenntnis.

„Ich werde reich und berühmt, wenn ich ein Gerät erfinde, das es ermöglicht, Leute über das Internet ins Gesicht zu stechen.“
— Anonymus „HatfulOfHollow“ im IRC

Mir wird geschlechtNetzfundstückePiratenpartei
Positiver Sprachsexismus

Anatol Stefanowitsch, sonst eigentlich ziemlich heller Zeitgenosse, findet in einem gestrigen Blogeintrag den Grundsatz der Piratenpartei, dass es nur „den Piraten“, nicht aber „die Piratin“ gibt, nicht gut.

Dass diese ollen Kamellen jetzt nach über zwei Jahren wieder aufgewärmt werden, ist einerseits beruhigend, weil es zeigt, dass die Piratenpartei offenbar zurzeit kein großes Naziproblem hat, das wichtiger wäre, andererseits muss man bedenken, dass Anatol Stefanowitsch ausdrücklich ein „Sprachlog“ führt, also darauf bedacht ist, die deutsche Sprache nicht zerstören zu helfen.

Die Situation, auf die er reagiert, ist die, dass im „LQFB“, dem Liquid-Feedback-System der Piratenpartei, immer wieder Vorschläge eingehen, wie man dieses vermeintliche Problem aus der Welt schaffen könnte, etwa, indem man die Mitglieder der Piratenpartei fortan als Eichhörnchen bezeichnet, weil das Wort „Eichhörnchen“ nicht in männlicher oder weiblicher Form existiert. Inwiefern das „besser“ sein soll als mein vor über zwei Jahren angebrachter Vorschlag, künftig „Kamele“ statt „Piraten“ zu sagen, weiß ich nicht. Alternativ wird vorgeschlagen, von „Piraten und Piratinnen“ zu sprechen, und dass dies unweigerlich Proteste nach sich ziehen würde, es habe gefälligst „Piratinnen und Piraten“ zu heißen, ist bereits absehbar.

Dass das Wort „Mitglied“ nichts mit einem „Mitpenis“ zu tun hat, arbeitet Anatol Stefanowitsch noch gut heraus:

Glied bedeutete ursprünglich (wie im Prinzip auch heute noch) „Körperteil“, die Bedeutung wurde dann auf alle möglichen Arten von Teilen erweitert, auf auf Teile von Gruppen und Gemeinschaften. Mitglied ist dann eine Verstärkung dieser Bedeutung. Die Bezeichnung des Penis als „Glied“ ist ein Euphemismus (der Versuch, eine neutrale Umschreibung für ein als unanständig empfundenes Konzept zu finden). Die feministische Linguistin Luise Pusch, die als die Expertin für die deutsche Sprache und ihre Geschlechterproblematik betrachtet werden muss, kommentiert in einer Glosse von 1982 diese falsche Herleitung mit den Worten „Wir sagen den Männern nach, sie dächten immer nur an ‘das eine’. Weibliche Wortschöpfungen wie Ohneglied und Mitklitoris legen den Verdacht nahe, daß auch Frauen noch entschieden zu oft daran denken.“

Leider ist das auch das einzig Überzeugende an seinem Beitrag, in dem er ansonsten „Leser/innen“ und „Sprecher/innen“ schreibt und also fleißig gendert. Er schlägt gar vor, künftig von „Pirat/innen“ zu sprechen, da, so die von ihm für valide befundene Argumentation, eine geschlechtsneutrale Sprache immens wichtig wäre; am Ende des Textes findet er gar die Idee, künftig „geschlechtsneutral von Piratinnen zu sprechen“, erwähnenswert. Inwiefern das eine Verbesserung sein soll, verrät er nicht.

Wenige Sätze zuvor erkennt er noch richtig, dass der entsprechende Abschnitt in der Parteisatzung eine Wortdefinition ohne Wertung ist, wie man wahrscheinlich eben auch „Toyotas werden im Folgenden als Autos bezeichnet“ schreiben kann, ohne von Opelbesitzern eins auf die Mütze zu bekommen. „Der Mensch“ sei zum Beispiel trotz seines grammatikalischen Genus‘ ein geschlechtsneutrales Wort, da es keine geschlechtsspezifischen Formen des Wortes gibt.

Nun, auch „der Pirat“ ist ein geschlechtsneutrales Wort, denn in der vorliegenden Definition als Sammelbegriff für Mitglieder der Piratenpartei Deutschland ist es nicht identisch mit der Bezeichnung „ein männlicher Seefahrer“, sondern eine separate Wortschöpfung, die eben nur zufällig männlichen „Geschlechts“ ist – wie sich eben auch die wenigsten Frauen „die Menschin“ oder „das Mensch“ nennen würden, und das nicht nur deshalb, weil es scheiße klingt.

Dabei ist die Debatte zum Thema „Neutralität der Sprache“ so verlogen und widersinnig wie nur wenige andere. Worauf der strittige Punkt in der Satzung hinweisen soll, ist: Das Geschlecht spielt für einen Piraten keine Rolle. Es ist nicht wichtig, ob der Mitpirat männlich, weiblich, beides oder nichts von beidem ist, als Gemeinsamkeit bleibt das politische Ziel. Menschen sollen – und sollten – nach ihrer Menschlichkeit und nicht nach ihrem Geschlecht sortiert werden, wie es etwa die Grünen seit Jahren praktizieren. Was haben sie damit bislang erreicht?

Wenn man nun anfängt, die geschlechtlichen Unterschiede in der Sprache herauszustellen, trennt man das „Kollektiv“, nämlich die Piraten beiderlei Geschlechts, eben doch wieder in Männlein und Weiblein, was nicht sinnvoll ist und bei der politischen Zusammenarbeit eher blockiert, weil es vom Wesentlichen ablenkt. Nur ein Sexist erachtet das Geschlecht für erwähnenswert. Anonymus „irgendein Pirat“ kommentierte dort treffend:

Ich habe (…) absolut keine Lust darauf und finde es diskriminierend, Texte zu lesen, wo man bei jedem personenbezogenen Substantiv explizit darauf hingewiesen wird, dass die Mehrzahl der Leute es anscheinend überaus wichtig finden, was sie zwischen den Beinen haben, und was sie damit anstellen.

Dem ist meines Erachtens nichts hinzuzufügen.

(Der Vollständigkeit wegen: Einige der hier vorgebrachten Argumente habe ich auch unter verlinktem Artikel als „Cthulhux“ in Kommentarform hinterlassen, leider ohne nennenswerte Konsequenzen.)

Mir wird geschlechtNetzfundstücke
Kopfwehtexte: Julia Schramm und das Schwurbelproblem

(Vorab: Dies ist die Wenigerkurzfassung eines Beitrags, den ich bereits anderswo veröffentlicht hatte. Wer ihn schon kennt, der möge anderswo weiterlesen.)

Im August 2011 habe ich zum ersten Mal etwas ausführlicher von der so genannten „Spackeria“, einer Ansammlung von Menschen mit der immerhin recht eigenwilligen Ansicht, Datenschutz sei nicht mehr zeitgemäß oder so, gehört, als Spackeria-Mitglied (oder heißt das „Spackerin“?) und Pirat Julia Schramm sich in ihrer Partei aufgrund der Ansicht besagter Ansammlung von Menschen einigermaßen unbeliebt machte. Das Thema ebbte allerdings wenig später ebenso ab wie das Thema „Staatstrojaner“; manches lässt sich eben ganz gut aussitzen. Abgesehen von Michael Seemann, besser bekannt als mspr0, dessen eines Blog ich manchmal lese, aber selten verstehe, verschwanden Julia Schramm und die Spackeria wieder aus meinem Wahrnehmungsfeld.

Ich weiß nun immer noch nicht so genau, wer Julia Schramm eigentlich ist, von obigen Eigenschaften einmal abgesehen, weil mich Klatsch und Tratsch nicht sonderlich interessieren; aber immer, wenn sie etwas schreibt, verstehe ich zumindest, wieso die Spackeristen beim einfachen Volk so unbeliebt sind: Sie verlieren sich in endlosem Geschwurbel ohne Hand und Fuß.

Die Spackeria hat ein Schwurbelproblem.

Der Michael Seemann hat manchmal interessante Ideen (die ich zum großen Teil allerdings nicht so toll finde und nicht verwirklicht sehen will – aber man darf ja durchaus auch andere Anschauungen interessant finden), nur hat er das Problem, dass er diese Ideen unter seitenweise Geschwurbel versteckt. Da schlägt dann fast immer TL;DR zu.

Heute nun hat sich Julia Schramm wieder zu Wort gemeldet; nicht allerdings als Vertreter der post-privacy, sondern als Mitglied der Piratenpartei. Für den „Freitag“ referierte sie über das vermeintliche „Geschlechterproblem“ der Piratenpartei.

Gegen die Einleitung habe ich, von der Interpunktion abgesehen, nicht einmal etwas einzuwenden:

Bei den Piraten kämpfen die männlichen gegen die weiblichen Nerds. Der gegenseitige Vorwurf: Frauen- bzw. Männerfeindlichkeit. Dass es um Teilhabe geht, vergessen alle

So weit, so richtig, und so wenig werden die Grünen das jemals verstehen. Und dann aber:

Vor allem Frauen, aber natürlich in erster Linie Männer, sträuben sich innerhalb der Partei mit erstaunlicher Heftigkeit gegen den Begriff Feminismus.

„Vor allem Frauen, aber natürlich in erster Linie Männer“, also insbesondere Mitglieder beider Geschlechter, nicht aber Hermaphroditen (?!), sträuben sich als Piraten gegen den Begriff Feminismus? Nein, gegen den Begriff hat niemand etwas, nur gegen Geschlechter- statt Kompetenzquoten, aber das kann man ja mal verwechseln, wenn man sich schon „Spackeria“ nennt. Wobei, nur wenige Sätze später, es heißt:

Für einige ist Feminismus synonym mit Quote.

Unter anderem anscheinend für einen Teil der Autorin, der andere Teil der Autorin hat es verstanden, behauptet er; oder behauptet es der andere? (Ihr merkt, liebe Leser: Texte von Julia Schramm zu verstehen ist nicht leicht.)

Während nun der Piraten-Nerd zum so verhassten Internetausdrucker beim Thema Feminismus wird, mutieren die durchschnittlichen FeministInnen zum Nerd und beschimpfen den Piraten-Nerd für den eklatant uninformierten Umgang mit feministischen Begriffen und dem dazugehörigen Denken.

Diesen Satz musste ich dreimal lesen. Wer schafft weniger? – Der Nerd also wird zum Antinerd und der/die/das Feminist/in/num zum Nerd, wenn es um Feminismus geht; bedeutet das im Umkehrschluss, dass die Nichtpiratennerds von allem außer Feminismus keinen Schimmer haben? Bedeutet das überhaupt irgendetwas?

Ich habe es immer noch nicht geschafft, besagten Text zu Ende zu lesen, ohne vollends den Faden zu verlieren. Hat es jemand geschafft und kann mir kurz die Vermutung bestätigen, dass der Text keinerlei weitere Informationen enthält?

Weiter unten – das fiel mir beim Überfliegen auf – schrieb Julia Schramm dies:

Denn nur über Exklusivwissen und gemeinsames Handeln wird die so lang ersehnte Inklusion vollzogen, die so viel gutes Gefühl, ja Anerkennung vermittelt.

Vielleicht schreibt man als Mitglied der Spackeria seine Veröffentlichungen ja deshalb immer so, dass keiner, der nicht aus dem gleichen Wissensfundus schöpft, noch versteht, worum es eigentlich geht: Dies gewährleistet eine Exklusivität der eigenen Interessensgemeinschaft, denn die Einstiegshürde, nämlich das nötige Abstraktionsvermögen, um den Sinn zu erkennen, erscheint für Außenstehende unüberwindbar.

Mein Kopf tut weh, ich mach‘ die Augen zu… (Nena)

Mir wird geschlechtPiratenpartei
Die Rückkehr der Genderritter

Ich hatte ja bereits angemerkt, dass die aktuell geführte Diskussion über die Klientel und womöglich maskuline Ausrichtung der Piratenpartei längst kalter Kaffee ist. Aus aktuellem Anlass möchte ich darauf nochmals etwas genauer eingehen.

Vor anderthalb Jahren, lange vor den Wahlen in Berlin, beschäftigte sich die Presse bereits ausführlich mit dem Thema Sexismus in der Piratenpartei, ausgelöst von der hier bereits mehrfach erwähnten Mailingliste der „Piratinnen“, die der angeblichen Bevorzugung von Männern in der Piratenpartei mittels der Bevorzugung von Frauen in der Piratenpartei entgegenwirken sollte. Hierfür ging die Vordenkerin der „Piratinnen“, Lena Simon, so weit, dass sie ihren sexistischen Standpunkt öffentlich als Meinung eines beträchtlichen Teils der Piraten verkaufte und diese Mailingliste nur Frauen zugänglich machte; was dann übrigens auch die einzige Mailingliste im Piratenumfeld war und ist, die die Anmeldung nur mit dem richtigen Geschlecht zuließ, womit wir das mit der Geschlechterfeindlichkeit dann auch noch mal deutlich vor Augen geführt bekommen hätten. Dabei hat es Lena auch nicht sonderlich interessiert, ob sich die Frauen in der Piratenpartei wirklich angefeindet vorkommen oder nicht:

Es gibt noch zu wenige Frauen in der Piratenpartei, da sind wir einer Meinung. Aber diese Frauen sind in den Vorständen sogar überrepräsentiert, wo kannst du da Benachteiligung sehen? Ich sehe Männer und Frauen, die ganz selbstverständlich integriert und als Menschen beurteilt werden, nicht als Penisträger oder Nichtpenisträger, ich kann die von dir behauptete (und durch nichts belegte) Diskriminierung nicht sehen.

Lange war es angemessen ruhig geworden um Lena und ihre „Piratinnen“, so ruhig, dass man sich in der Piratenpartei endlich mal wieder auf inhaltliche Arbeit konzentrieren konnte, statt ständig Fragen nach Lena und ihren Beweggründen ausgesetzt zu sein. „Ihr als Nerdpartei mögt doch sicher eh keine Frauen, wa?“. (Das ist, natürlich, eine verkürzte, aber inhaltlich übereinstimmende Darstellung.) Das hat sich mit dem Tohuwabohu um den Frauenanteil auf der Berliner Liste (14 Männer, eine Frau) dann nun endlich auch mal wieder geändert, Piraten haben ja nach so einer Wahl auch nichts interessanteres zu tun als Fragen zu beantworten, die seit einem (Geschlechterfrage) bis zu fünf („Einthemenpartei“) Jahren in ermüdenden Wiederholungen unterschiedlichsten Mitgliedern, Vorständen und Verbänden immer wieder gestellt und immer wieder sehr ähnlich beantwortet wurden. Recherche ist des Journalisten Lebenszweck dann wohl doch nicht.

Und während sie so olle Kamellen aufwärmten, fand die von dem Berliner Wahlergebnis auf unterschiedliche Weise beeindruckte Öffentlichkeit, die bis dahin noch keine Zeit oder keine Lust hatte, sich mit den Piraten zu beschäftigen, dann natürlich auch wieder Lena Simon und ihre „Piratinnen“; „fand“ ist vielleicht das falsche Wort, zurückhaltend und unscheinbar sind die Beteiligten ja bisher noch nicht aufgetreten. Das große mediale Interesse nun veranlasste Lena zu einem großen Schritt, den sie in ihrer Mailingliste verkündete; ich zitiere aus der mir zugespielten E-Mail auszugsweise:

Irgendwie scheint es uns keine(r) abzunehmen, dass nur „zufällig“ nur eine Frau auf der Liste ist.
Wir könnten uns ja gemeinsam auf die Suche nach der Ursache und möglichen Lösungen für dieses Problem begeben.

Eine Mailingliste, die gegründet wurde, weil ihre Initiatorin sich aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert fühlt, will Ursachen dafür suchen, dass „nur“ eine Frau auf der Liste ist. Das ist selbstverständlich ein unerwarteter Schritt, und auf das Ergebnis bin ich schon sehr gespannt. Ihr auch?

(…) jetzt hier folgender Vorschlag:

Wir öffnen die Liste für Männer (ein vertrauensvoller Kreis ist das hier ohnehin nicht), die an dem Thema gender ein Interesse haben.

Was bedeutet dieser Vorschlag?

  1. Das einzige Organ der Piratenpartei, das Menschen nach ihrem Geschlecht sortiert und Menschen des falschen Geschlechts Zugang und Mitarbeit verwehrt, gibt diese Monopolstellung auf und passt sich zum Beispiel der AG Männer an, in der selbstverständlich auch Frauen mitarbeiten dürfen (und wollen). Damit ist die ursprüngliche Aufgabe dieses Organs, einen virtuellen Raum zu schaffen, in dem Frauen, die sich über ihr Geschlecht und nicht über andere Eigenschaften definieren wollen, unter sich sein können, Geschichte.
  2. Nichtsdestotrotz betrachtet Frau Simon Männer unverändert nicht als gleichberechtigt, denn sie werden in ihrem Vorschlag nur geduldet („zugelassen“); ob sie tatsächlich dieselbe Rangfolge bekommen sollen, was sie ihnen ja bisher verwehrte, lässt sie offen. Tatsächlich betrachtet sie Männer implizit als „nicht vertrauensvoll“: „Wenn hier eh Leute drin sind, denen man nicht trauen kann, können wir auch Männer reinlassen.“
  3. Auch Frauen stößt sie so vor den Kopf, denn sie zeigt, dass sie auch ihren Mitstreiterinnen nicht vertraut. Kommentare wie „ein vertrauensvoller Kreis ist das hier ohnehin nicht“ sind zwar zutreffend, wie verschiedentlich Blogbeiträge beteiligter „Piratinnen“ und Kritikerinnen an diesem Konzept belegen, aber nicht zielfördernd.

Die „Piratinnen“-Liste wird also aus ihrem Tiefschlaf erweckt, um belanglos zu werden. Sie möchte niemanden mehr repräsentieren, sie möchte eine weitere Liste sein, auf der Interessierte „über die Genderfrage reden“ können; der verbleibende Unterschied zu den anderen AG, die dasselbe bieten, ist vermutlich der autoritäre, realitätsferne Führungsstil von Frau Simon. Pro forma fragt sie immerhin:

Seid ihr damit einverstanden? Dann würde ich jetzt auch Männer auf die Liste zulassen.

Es sollte mich nicht überraschen, wenn die Mehrheit zustimmt, denn die übrigen mir bekannten „Piratinnen“ sind bisher mit einem weniger sexistischen Weltbild aufgefallen, vom „Piratenweib“ einmal abgesehen.

Lena weiß wohl um diese Problematik, denn sie schließt die Mail mit einer „Bitte“:

Antworten, die ich nicht möchte sind ein Wiederaufkochen der deine-aktion-damals-war-total-scheiße-schimpferei. Erstens sind diesbezüglich die Argumente schon ausgetauscht, zweitens sind wir darüber hinweg, drittens ist das total unproduktiv und viertens könnt ihr die liste ja verlassen, wenn euch das so lange nicht los lässt.

„Nur, weil ich das alte Thema wieder hochkoche, heißt das nicht, dass ihr das auch dürft. Kritik ist nicht erwünscht, lebt damit und haltet die Klappe.“ :mrgreen:

Es hat uns, Lena, seit Mitte 2010 „los gelassen“. Es wäre uns allen ganz recht, wenn es das wieder tun könnte. Wäre das wohl möglich?

Nein?

Schade!

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Kurz verlinkt XXIX: Feminismus und die AusweisApp

Unterhaltsame, jedoch nur bedingt vergnügliche Lektüre hinterließ bereits am Montag Stefan Sasse im Weblog „Oeffinger Freidenker“, indem er über die gegenwärtigen Strömungen des Feminismus‘ referierte.

Zutreffend stellt er beispielsweise fest:

Es kann kein Zweifel bestehen, dass die rechtliche Gleichberechtigung längst erreicht ist. Dies wird auch von der Frauenbewegung nicht angezweifelt, nicht einmal von ideologischen verbohrten Altlasten wie Alice Schwarzer. Stattdessen erklärt die Frauenbewegung, dass die „faktische Gleichberechtigung“ nicht erreicht sei. Dazu gehört die Legende von einer gläsernen Decke, die es Frauen nicht erlaube, in Führungspositionen aufzusteigen, weil dort ja nur Männer sitzen, die unter sich bleiben wollen und Frauen deswegen nicht hochkommen lassen wollen. Im gleichen Zusammenhang steht die Behauptung, dass Frauen bei gleicher Tätigkeit um ein Drittel schlechter bezahlt werden.

Resignierend kommt er zu dem Schluss, dass der Feminismus sich über die Jahrhunderte von einer bigotten Spielart des Egoismus‘ in der Oberschicht zu einer auch vor radikalen Methoden nicht zurückschreckenden, aber gesellschaftsfähigen Form des Sexismus‘ gewandelt hat.
Ein sehr wichtiges und richtiges Manifest seinerseits und eine ständige Leseempfehlung meinerseits. Besser wird es nicht.

Wer es übrigens noch nicht mitbekommen hat:
Ein Pirat (Jan Schejbal, das war u.a. auch der hier) hat den neuen Personalausweis geknackt.

Mit „geknackt“ ist hier keinesfalls gemeint, dass man nun seinen Ausweis selbst fälschen könnte; vielmehr stellt die zum Ausweis gehörende „AusweisApp“ (ein scheußlicher Name) eine gewaltige Sicherheitslücke für das System dar, auf dem sie läuft:

Ein (…) Angreifer, welcher den Netzwerkverkehr beliebig manipulieren kann, jedoch nicht in der Lage ist als sicher geltende Verschlüsselung zu brechen oder den Client des Opfers vorher zu manipulieren, kann somit aufgrund zweier Implementierungsfehler in der AusweisApp über die Auto-Update-Funktion Schadsoftware einspielen.

Böse Zungen würden behaupten, das sei Absicht, denn eine einfachere Möglichkeit, heimlich Überwachungsmechanismen auf den Computern möglichst vieler Bürger zu installieren, ist kaum vorstellbar. Es könnte allerdings auch bloße Inkompetenz sein, wofür auch spräche, dass das ganze Ding in Java, der rückständigen und notorisch unsicheren Mehrzweckprogrammiersprache, entwickelt wurde. Was auch immer zutreffen mag: Von „Kinderkrankheiten“ kann keine Rede mehr sein.

Et nunc, reges, intelligite; erudimini, qui iudicatis terram.

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Piratinnen: Hauptsache, mal mit der Presse reden

Vor etwa einem Monat schrieb ich eine erboste Reaktion auf die Gründung einer männerfreien Zone innerhalb der Piratenpartei, danach war recht lange nur noch wenig von diesem femininen Zirkel zu hören. Anfang März 2010 wurde ein offener Brief veröffentlicht, der die Kritikpunkte zusammenfasst und von ein paar sehr richtigen Kommentaren ergänzt wird.

Der Umgangston der stolz unmännlichen Personen scheint untereinander auch nicht der beste zu sein:

Die Dame warf mir mehrere Ungeheuerlichkeiten vor, die aus dem, was ich schrieb, nicht zu entnehmen waren, für alle Mitglieder lesbar, und wies mich an, ihr privat zu antworten oder im Forum, da sie die Liste nicht weiter vergiften lassen will. Abgesehen davon, dass ihr eigenes Gift in Form einer veritablen Verleumdnung anscheinend nicht so das Problem zu sein scheint. Nun ist meine Antwort auf die Mail nicht erschienen, da ich (oder alle, so genau konnte man das nicht erkennen) auf moderiert gesetzt bin, das heißt, man nimmt mir sogar die Möglichkeit, mich zu verteidigen. So nicht, meine Damen. Wenn das die Vorstellung von Schutzraum sein soll …

Nun aber war es nach mehreren Wochen der Stille um diese unsäglich kindische Debatte falsch zu hoffen, dass da nichts mehr käme; Lena Simon hat heute ausgerechnet (und öffentlichkeitswirksam) im Spreeblick nachgelegt:

Bizarr: Ich wurde verwarnt für etwas, was ich nicht getan hatte, denn die Verwarnung wurde wegen parteischädigendem Verhalten ausgesprochen (und nicht wegen Verstoßes gegen eine Regel, die besagt, dass ich als Privatperson keine Pressemitteilung hätte herausgeben dürfen, die gibt es nämlich in der Form nicht).

Die Partei geschädigt haben jedoch ganz andere.

Bizarr: Jemand gründet innerhalb einer Partei männerfreie Zonen und kann nicht verstehen, wieso selbst Frauen das als absonderlich und zweckfremd bezeichnen; und statt also sich mit der Kritik auseinanderzusetzen, trommelt man mit den Fäusten auf dem Linoleum herum und fühlt sich ganz furchtbar ungerecht behandelt, wenn nicht gar diskriminiert. (Frauen, die von Frauen diskriminiert werden, sind natürlich auch eine interessante Entwicklung in den Sphären des Radikalfeminismus‘.)

Welche „anderen“ durch welche Untaten die Partei geschädigt haben sollen, beantwortet die Dame nur unzulänglich, sie geht aber auch von den falschen Voraussetzungen aus. Die Gründung der Mailingliste ist nicht das entscheidende Element gewesen, die Vorgehensweise hingegen schon. Wer erst einmal mit der Presse und dann erst mit den Betroffenen redet, setzt die falschen Prioritäten.

Jedoch noch mal zum Inhaltlichen: Dass manche Menschen sich nicht trauen, in Gegenwart des anderen Geschlechts über Probleme zu diskutieren, ist kein rein weibliches Phänomen, es ist also der völlig falsche Ansatz, es über die Geschlechterfrage zu lösen zu versuchen. Die ewige Isquierda halluziniert sich jedoch wieder ganz andere Zusammenhänge herbei:

Das Problem bei den Piraten sehe ich vor allem im extremen Androzentrismus, der eine Welt neben der bewußt männlichen, überhaupt nicht akzeptiert und sich radikal abschottet unter Zuhilfenahme auf kleinbürgerliche Feindbilder: Feminismus!

… weil es eben geradezu absurd erscheint, wenn Parteiarbeit auf das Geschlecht keine Rücksicht nimmt, weil eben nicht die Professionalität desjenigen von Bedeutung ist, der gute Ideen hat und sie umzusetzen weiß, sondern allein sein Geschlecht. Da hat die Gute sicherlich nicht Unrecht: Der Feminismus forciert Diskussionen, die der politischen Arbeit unnötig im Weg herumstehen. Der Maskulismus allerdings auch. Wer sich monatelang damit beschäftigt, ob ein weiblicher Pirat nicht besser Piratin, Pirateuse oder Pira benannt werden sollte, verliert das Ziel aus den Augen, das die Piratenpartei politisch verfolgt. (Interessierte Zwischenfrage: Wählt ernsthaft jemand eine Partei anhand der vereinbarten Anrede für ihre Mitglieder? Wenn ja: Warum?)

Dieser ganze Gendermist hat jetzt schon viel zu viel Energie verbrannt. Vielleicht sollten wir uns darauf verständigen, statt „Pirat“ künftig ein grammatikalisch neutrales Wort zu verwenden, damit wir uns endlich wieder dem Frauenhass den wichtigeren Dingen zuwenden können.
„Mitglieder der Piratenpartei Deutschland werden geschlechtsneutral als Geschöpfe / Wesen / Kamele bezeichnet.“

Hmm, Kamele.

Mir wird geschlechtPiratenpartei
Piratinnen: Klarmachen zum WAS?

Und als ich gerade über Genderei schrieb, stieß ich auf die neueste Verrücktheit der Sexistinnen:

Die „Piratinnen“ – das Wort kommt mir bekannt vor – sollen eine Anlaufstelle für jene weiblichen Mitglieder der Piratenpartei bieten, die Angst davor haben, sich im Kreise der vorurteilsfreien, nicht vom Genderwahn befallenen Piraten zu Frauenthemen zu äußern. All dies soll auf einer unabhängigen Mailingliste diskutiert werden, um sicherzugehen, dass sich keine Männer einmischen, was offenbar immens wichtig ist:

Die Piraten sind kein frauenfeindlicher Haufen junger Männer, wie sie in dem Medien häufig dargestellt werden. Emanzipation ist nicht eines unserer Kernthemen.

Die Piraten sind ein datenschutzfreundlicher Haufen von Menschen jedwelchen Geschlechts und Alters, wie sie in den Medien häufig dargestellt werden, und eine ihrer zentralen Forderungen ist konsequente Transparenz. Und gerade deshalb ist eine offene Kommunikation unabdinglich:

Wir erwarten nicht von den Männern, dass sie hellsehen können und erraten, was wir uns wünschen und wie wir uns fühlen. Gerade deshalb und für ein produktives Miteinander ist es notwendig, eine offene Kommunikation zu ermöglichen und unangenehme Verhaltensweisen aufzuzeigen und zu spiegeln.

Unangenehme Verhaltensweisen also, womöglich frauenfeindlicher Natur, sollen diskutiert werden. Und eine offene Kommunikation über unangenehme Verhaltensweisen äußert sich wie?

Die Mailingliste steht daher absichtlich nur Frauen zur Verfügung, lädt aber explizit auch die Frauen ein, die nicht Parteimitglied sind und es eventuell werden wollen oder nur aufgrund der Position der Partei zur Genderfrage bisher nicht geworden sind.

Frauen, die aufgrund der Ablehnung des Genderismus‘ noch kein Mitglied der Piratenpartei geworden sind, sind nun herzlich eingeladen, dies zu ändern, was der Slogan „Klarmachen zum Gendern“, also zum bewussten Erzeugen von Unterschieden in der Behandlung von Männern und Frauen, bereits unmissverständlich zu verstehen gibt. Es ist ja auch wahrlich ein für Feministinnen undenkbarer Zustand, dass es eine Interessensgemeinschaft gibt, die sich strikt weigert, von „Bürgerinnen und Bürgern“ zu sprechen (merke: Der Frau gebührt die Erstnennung!).

Es scheint dieser Tage en vogue zu sein, die Grenzen der Bundessatzung nach eigenem Gutdünken zu erweitern. Ich bin recht zuversichtlich, dass ein Großteil der Piraten gleichwelchen Geschlechts diesen sexistischen Unfug ablehnen wird. Bis jetzt sieht es gut aus.

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Die verweiblichte Gesellschaft

Käpt’n Offensichtlich hat wieder zugeschlagen:

Kurzum: Frauen sind die Gewinner, in allen Disziplinen. Das Problem ist: Es ist ein Sieg, der, so vermuten Sozialwissenschaftler, auf Kosten der Männer geht.

Wenn Frauen die Gewinner sind, sind Männer die Verlierer. Mit der Erforschung solcher Zusammenhänge kann man also seinen Lebensunterhalt verdienen und wird dafür auch noch auf SPIEGEL Online zitiert.

Sei’s drum; ursprünglich ging’s darum, dass wieder einmal irgendwelche Studien gezeigt haben, dass Männer selbst eigentlich nicht einmal richtig überlebensfähig sind. Dass diese Studien unzulässig pauschalisieren, muss nicht mehr gesondert erwähnt werden; Klaus Hurrelmann, Sozial- und Bildungswissenschaftler an der Universität Bielefeld, behauptet zum Beispiel, dass Amokläufe ein Männerphänomen seien, und lässt dabei unter anderem den erst 2009 verhinderten vermutlich geplanten Amoklauf in St. Augustin außer Acht; nun basiert der Bericht allerdings auf Zahlen aus den Jahren 2006 und 2007, und wie aktuell die Äußerungen des Herrn Hurrelmann also sind, schreibt man bei SPIEGEL Online nicht dazu, aber dass Gewalt und Aggression „typisch männlich“ seien, stelle ich – als Mann – dann lieber doch mal in Frage.

Ein weiterer Geschlechterforscher gibt da schon weitaus weniger Unsinn von sich:

Die Welt sei weiblicher geworden, meint Hollstein. Das Weibliche gelte mittlerweile als die Norm, das Männliche als pathologisch. „Von den Männern werden zunehmend typisch weibliche Eigenschaften verlangt, sie sollen mehr kommunizieren, mehr Gefühle zeigen.“

Gleichberechtigung ist bekanntlich ein Euphemismus für die gezielte Bevorzugung von Frauen. Wer sich dem nicht unterwirft, wer also darauf besteht, dass Frauen auch keine besseren Menschen seien, der wird als männlich beschimpft und bekommt Nachhilfe in angewandter Gleichstellung der Geschlechter nahe gelegt.

Die Pointe des Textes kommt übrigens gegen Ende:

„Beide Geschlechter müssen die Möglichkeit haben, mit ihrer Geschlechtslagerung zu spielen und sich andere Gebiete jenseits ihrer archetypischen Lagerung zu erobern“, so Hurrelmann.

Anders ausgedrückt: Die Frauen stellen sich, den Vorreitern des Radikalfeminismus‘ sei Dank, auf die Stufe der Chauvinisten (weil bekanntlich alle Männer so sind), und um das auszugleichen, sollen Männer ihnen nun weichen und selbst die Rolle des schwachen Geschlechts einnehmen, weil’s nicht tragbar erscheint, dass man das mit der Gleichberechtigung einfach mal konsequent im Wortsinne anwendet, und schon gar nicht, so lange man immer nur unterdrückt wird; weil nämlich …

„Wir Männer müssen mehr Empathie entwickeln, um uns selbst mehr zu verstehen.“ Nur so könnten Männer die heutigen Probleme von Männern durchschauen und Besserungen anstreben.

die Männer derzeit so etwas wie Empathie nicht kennen, ganz anders als die Frauen, und sich nicht mit ihresgleichen identifizieren können. Die wahren Probleme der Männer liegen nicht im Feminismus begründet, dessen Ziel es längst nur noch zu sein scheint, sie davon zu überzeugen, dass sie letztendlich für die Gesellschaft nicht von Bedeutung sind, sondern darin, dass sie es sich nicht eingestehen wollen, dass Frauen viel besserer, tollerer und überhaupterer sind; und es wird Zeit, dass klassische Männerdomänen wie bspw. EDV zu Frauendomänen werden, der Gleichberechtigung zuliebe, weil es allein die Schuld des Chauvinismus‘ ist, dass sich Frauen nicht überwiegend für Computerkram interessieren, und nicht etwa uralter biologischer Instinkte, und ohne gezielte Frauenförderung Gleichberechtigung gäbe es nicht einmal einen Girls‘ Day, das wäre ja geradezu unvorstellbar.

Bah. Einfach nur bah.

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Bushido und der Feminismus

Ich befürchte, mit meinem vorigen Text eine Grenze überschritten zu haben, die nun unabänderlich diese Internetpräsenz mit einem weithin sichtbaren Zeichen belegt hat. Unter anderem vermutlich geschuldet dem Umstand, dass ich mit dem verlinkten Weibe einen gehobenen Diskurs über Eiskauf führte, in dessen Verlauf ich tatsächlich das Wort „süüüüüüß“ (ich fasse es nicht!) zu lesen bekam, wurden auch umstrittene Feministinnen („Männerquoten sind sexistisch, keine Frauenquoten ebenfalls“) aufmerksam und beehrten mich mit ihrem Besuch. Natürlich macht es mir nichts aus, Interessenten zu gewinnen; ich habe nur ein bisschen Angst davor, wo und in welchem Kontext ich zukünftig zitiert werde. Au Backe.

Während ich also furchterfüllt den Ansturm zur Kenntnis nahm, verfolgte ich im IRC-Kanal der Piratenpartei eine Diskussion über A-cappella-Musik, die nebenbei die Kommerzialisierung etablierter Gruppen wie der Wise Guys zum Thema hatte, und entdeckte dort dieses Video dieser Combo, das ich insbesondere nach Genuss der Betrachterkommentare als ein durchaus amüsantes empfehlen möchte, wenngleich dieser Eindruck keinesfalls allgemein geteilt werden muss. Wer jedenfalls Nightwish und das Genre, dem sie angehören, – wie ich – nicht ausstehen kann, der möge sein besonderes Augenmerk auf die Instrumente und die Diskussionen zum Video legen. Herrlich!

Derart unterhalten pfiff ich mir abschließend Alice Schwarzers Abrechnung mit Bushido rein, der, so ist aus unerfindlichen Gründen auf musikerpedia.de zu lesen, zu sehen und zu hören, eine Einladung zu einem öffentlichen Gespräch mit ihr deshalb ausschlug, weil er befürchtete, sie würde niveaulose Fragen über seine Mutter stellen, was, so Bushido, den ich vor einer Weile noch für menschlich gar nicht mal allzu verkehrt hielt, völlig inakzeptabel sei. So was könne er keinesfalls gutheißen, und auf solcherlei plumpe Provokationen würde er schlicht und sinngemäß mit „f*ck dich, du Fotze“ reagieren. (Wortzensur erneut aus Gründen der Suchmaschinenidiotie, nicht aus vermeintlicher Pietät; wir sind ja hier zum Glück noch nicht in den moralisch verkorksten USA.)

Weil er es, so Bushido, schon immer so gemacht habe. Erklärt natürlich einiges.

In den NachrichtenMir wird geschlechtNetzfundstücke
… aber immer „die Männer, nur Sex im Kopp“

Danke, liebe Psychologen, für diese Erkenntnis:

Alleinstehende Frauen sind weitaus mehr an gebundenen Männern interessiert als an solchen, die noch zu haben sind. „Unsere weiblichen Singles mochten die Männer besonders gern, wenn diese vergeben waren“, sagt Melissa Burkley von der Oklohoma State University. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Jessica Parker hat sie eine Studie durchgeführt, in der sie den Einfluss des Beziehungsstatus auf die Partnerwahl untersuchte.

Die Fotos von Mr und Mrs Right waren jeweils die gleichen für alle männlichen beziehungsweise weiblichen Versuchspersonen. Der Hälfte der Probanden erzählten die Forscherinnen, ihr Idealpartner sei solo, der anderen Hälfte sagten sie, er oder sie sei bereits vergeben.

Und das machte den kleinen, aber feinen Unterschied aus – vor allem bei den Singlefrauen: Bekamen sie einen alleinstehenden Mann präsentiert, zeigten sich 59 Prozent von ihnen an einer Beziehung interessiert. War der vermeintliche Traummann aber gebunden, stieg der Anteil der Interessentinnen auf 90 Prozent.

Einer Frau den Mann auszuspannen, würde somit einen Erfolg bedeuten und das Selbstwertgefühl steigern.

Ob diese 90 Prozent über die Bedeutung einer Beziehung wohl noch die gleiche Meinung vertreten, wenn sie in einer selbigen sind?


Nachtrag:
Arne Hoffmann und Christian Schmidt haben zum Thema Feminismus auch noch was zu sagen. Bitte umgehend konsumieren und sich merken!

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Wir müssen aufhören, Objekte wie Frauen zu behandeln!

Es ist erwiesen:
Frauen in spärlicher Bekleidung lösen im Gehirn des Mannes ähnliche Reaktionen wie Schraubenschlüssel und Bohrmaschinen aus.

Ob das nun die Mehrdeutigkeit der Begriffe dübeln, bohren, schrauben und sämtlichen Äquivalenten erklärt, lasse ich hier nun mal mangels ausreichender Kenntnisse bezgl. des gegenwärtigen Forschungsstandes offen, indes:
Führt das nun im Umkehrschluss dazu, dass aufgrund der immer knapperen Damenbekleidung irgendwann durch Überreizung das Faible der Männer für die Heimwerkerei schwindet? Oder ist vielmehr damit zu rechnen, dass wiederum durch Überreizung, hervorgerufen von all den sich bewusst modern weiblich kleidenden Männinnen, ebendiese Männer mit der Zeit ihr Interesse am weiblichen Geschlecht verlieren; was ja bei heute Selbstverständlichem wie der Elektrizität und dem Feuer aufgrund des Allgegenwärtigen beider Naturerscheinungen ebenfalls bereits geschehen ist?

Da heißt es mit Köpfchen nageln Nägel mit Köpfen machen.


(Provokation der Woche: Hitler war wenigstens kein Holocaust-Leugner!)