Archiv für die Kategorie ‘Musikkritik’.

Musik, die ich nicht unkommentiert ins Regal stellen möchte, wie auch meine Halbjahresrückschauen finden hier Platz.

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My Own Private Alaska – Amen

Was mir übrigens gerade durch die Kopfhörer donnert, ist das 2010 erschienene Album „Amen“ des Trios „My Own Private Alaska“, das sich selbst als „M.O.P.A.“ abkürzt. Obwohl von melodischem Gesang, üblicherweise eines meiner wichtigsten Kriterien bei der Bewertung von Musik, keine Rede sein kann, der Frontmann vielmehr eine zunächst recht wild erscheinende Melange aus heiserem Geschrei und sanften Emotionen, die mal an bspw. Limp Bizkit, mal an Ville Valo erinnert, ertönen lässt, hat diese Gruppierung sich doch bereits einen Platz auf der noch fertigzustellenden ersten Halbjahresrückschau 2010 gesichert.

Musik wie die, die My Own Private Alaska produzieren, hat man so irgendwo, so glaubt man, schon einmal gehört; irgendwo zwischen Filmmusik, Folk-Metal und Klassik schwelt die Atmosphäre entlang. Die Besetzung hingegen hat’s in sich: Auf Bass und Gitarre wird verzichtet, zum Einsatz kommen allein Schlagzeug und Klavier. Die Eigenwerbung stellt mutige Vergleiche an:

Bass und Gitarre wurden beiseitegelassen um einen ganzen neuen, musikalischen Stil zu kreieren: Eine unheilvolle Verbindung zwischen Chopin, Nirvana, Danny Elfman und Envy, irgendwo in Alaska!

Nun kenne ich, mea culpa, weder Danny Elfman noch Envy ausreichend gut, um dies zu beurteilen. Fest steht jedoch, dass die ungewöhnliche Besetzung, die beim Lesen vermutlich allzu aufregend nun nicht klingt, indes mehr action zu erzeugen weiß als manche dieser leider noch immer im Trend liegenden teen-pop-Murksgruppierungen.

Herrliche Musik mit künstlerischem Anspruch, ohne dabei allzu masseninkompatibel zu sein. Menschen mit New-Wave-Tick ist’s, zugegeben, mitunter ein wenig zu hektisch, nehme ich an. Für alle anderen, insbesondere für die, die auch gegen expressiven Gesang und reduzierte Instrumentierung keinesfalls grundsätzlich etwas einzuwenden haben, spreche ich hiermit eine klare Reinhörempfehlung aus. Wenn’s gefällt: Unbedingt kaufen!

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Lady wer?

Als ich heute früh den Energietrankhändler meiner Wahl aufsuchte, wurde ich dort zu meinem Erstaunen nicht mit dem gewohnten Easy-Listening-Klangbrei belästigt, sondern es erschallte mit „Hey Baby“ ein bekanntes Lied der Musikgruppe No Doubt. Erfreut darüber beschloss ich, diesen Beitrag zu schreiben.

No Doubt, bekannt geworden mit der zweiten Single „Don’t Speak“ im Jahr 1996 und zuletzt 2003 mit „It’s My Life“, einer Coverversion des gleichnamigen Liedes von Talk Talk, deren Melodie ich mir allerdings nicht merken kann, weil die Erinnerung an das wiederum gleichnamige und bekanntere, aber recht unschnafte und auch sonst völlig andere Lied von Bon Jovi sie stets überdeckt, einen hit veröffentlicht habend, ist eine seit 1986 quasi gemeinsam auftretende Musikgruppe, die mehrere Stile in ihren Liedern vereint. Ihr bekanntestes Mitglied ist Sängerin Gwen Stefani, die 2004 ihr Solodebütalbum „Love. Angel. Music. Baby.“ in den Hitparaden positionieren ließ und im Video zu der ersten Auskopplung „What You Waiting For?“ (ohne Prädikat, versteht sich) mit allerlei Remineszenzen in absonderlichen Kostümen Lewis Carrolls Kinderbuch „Alice im Wunderland“ Tribut zollte und, quasi nebenbei, trotz des 2009 von der wirr benamten Dame Ke$ha, vor Kreativität nur so überschäumend, verhunzten Introtexts („tick tock tick tock tick tock …“) auch gleich einen der treffendsten Mainstreampop-Liedtexte des Jahrzehnts dazu darbot:

„Take your chance, you stupid ho!“

Wer war noch mal Lady Gaga?


Nachtrag vom 31. März 2010:
Wie passend – kaum erwähne ich diese „Ke$ha“, sehe ich ihr Album schon beworben; „beinhaltet die Hits ‚Tik Tok‘ und ‚Blah Blah Blah'“. Danke, reicht schon.

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Musikalischer Wahnsinn: The Hirsch Effekt

„Endlich“, noch vor Frühlingsbeginn, schwindet die Kälte, und Sonnenstrahlen statt des gewohnten Frostes wecken aus unruhigen Träumen. Zeit also, den trüben Postrock einmal beiseite zu legen und sich fröhlicheren Klängen zuzuwenden:

Die Fachpresse ist gerade begeistert von den Klängen der Hannoveraner The Hirsch Effekt, und wer die Fachpresse kennt, der weiß, dass sie oft völlig daneben liegt. Nicht in diesem Fall!

Genreschubladen halte ich für blöde, und auch auf das Debütalbum Holon : hiberno von The Hirsch Effekt, das ab morgen die Läden bereichert, würde ich nur ungern solche anwenden müssen; allein, es ist Musik. Irgendwo zwischen Indie, Pop/Rock, Metal und Avantgarde bewegt sich das Trio nebst Hilfsmusikern, die leider heutzutage unüblichen deutschen Texte sind zudem die vermutlich schönsten seit Long Live The Parts von Ira. Jedes Stück ein Kunstwerk, irre führend der beinahe unauffällige Trailer zum Album. Einen roten Faden zu erkennen vermag jedenfalls ich nicht, die Liste der Titel, die einen Zusammenhang suggeriert, ist auch nur wenig hilfreich. Wer diesem Album lauschen will, sollte nicht versuchen, es zu erfassen. Konzentration – ja, gerne – nur nicht auf das Beiwerk. Augen zu und durch.

Genug der Theorie, auf MySpace gibt es die Praxis.
Eine vertonte Achterbahnfahrt irgendwo zwischen Sleepytime Gorilla Museum und Coheed and Cambria.

Ein guter Einstieg in den musikalischen Frühling 2010. :)


Nachtrag zum Thema Musik: Die Musikindustrie solle Schwarzkopierer nicht mehr Piraten nennen, weil das Wort zu positiv besetzt sei, forderte die Chefin der International Actors Federation kürzlich. Die Schuld daran trage Johnny Depp. Frei übersetzt: „Wir wollen alle ein bisschen wie Johnny Depp sein, aber hier geht es um eine kriminelle Handlung“.

Wir halten also fest: Rauben und morden – was in der Trilogie „Fluch der Karibik“ durchaus vorkommt – sind positiv besetzt, das Herunterladen von Nullen und Einsen jedoch schlimmer als Raub, Mord und Schiffsentführung zusammen. Schön, dass wir das erfahren durften.

(Eigentlich ist es nur schade, dass diese Meinung nicht von einem Vertreter der Musikindustrie abgesondert wurde; das hätte noch ein wenig besser gepasst.)

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Morphine, Frau Käßmann und der Genderismus

Bei Durchsicht meiner Musiksammlung fiel mir auf, dass ich hier noch gar nichts über die offenbar weithin unbekannte Musikgruppe Morphine geschrieben habe. Das hole ich doch prompt nach:

Morphine war eine recht possierliche Band aus den USA, die bis zum Tod ihres Sängers Mark Sandman im Jahr 1999 ihren ganz eigenen „Low rock“, der Elemente aus Blues, Jazz und Rock verbindet, praktizierte. Obgleich es nie zu weltweitem Ruhm kam und auch das Video zu „Early to Bed“ bei den Grammy Awards gegen Janet Jackson verlor, so reichte es doch zu weitgehend positiven Kritiken in Fachmagazinen wie dem Rolling Stone.

Die spärliche Instrumentierung – Gitarren ertönen nur selten, stattdessen sind vor allem Saxophone zu hören – erzielt bisweilen eine hypnotische, meist aber mindestens beruhigende Wirkung. Als weiteren Beleg verweise ich auf das von mir bislang präferierte Lied „French Fries With Pepper„, wie „Early to Bed“ auf dem 1997 erschienenen Album „Like Swimming“ zu finden.

Musik für einen Abend nach einem langen, harten Tag.


Dass sich übrigens „alle“ darüber aufregen, dass Frau Käßmann sich einen kleinen Fauxpas erlaubt hat, begründet Bärbel Wartenberg-Potter mit dem Sexismus, der in Kirche und Gesellschaft noch immer vorherrsche; Günther Beckstein behauptet gar, Trunkenheit am Steuer wäre ihr längst verziehen worden, wäre sie ein Mann. (Sollte jemals jemand dem gemeinhin eher unbeliebten, aber nicht unbedingt weiblichen Jörg Haider, der bekanntlich ebenfalls betrunken am Steuer saß, seine Tat verzeihen und nicht noch nach Jahren „selbst schuld!“ skandieren, bin ich gern bereit, über diese These nochmals nachzudenken.)

Was all diese Befragten nicht zu beantworten vermögen, ist indes, wer denn etwas zu verzeihen hätte. Die EKD, die geschlossen hinter Frau Käßmann stand, bis sie in freier Entscheidung ihren Rücktritt einreichte? Die Medien gar, die, ständig und überall Sexismus witternd, lieber Dialoge mit Dritten führten, die dann erklärten, wieso sie hinter Frau Käßmann stehen?

Es sagt mehr über diese Dritten als über Margot Käßmann aus, wenn sie versuchen, deren Fall als direkte Folge eines gesellschaftlichen Genderismus‘ zu deuten. In bester Alice-Schwarzer-Tradition fabulieren sie über allgegenwärtigen Sexismus, ohne Belege zu nennen; Alice Schwarzer selbst hätte es auch lieber gesehen, wäre der Rücktritt nicht erfolgt, denn unabhängig von ihren Moralvorstellungen und ihrem Amt war Frau Käßmann eben primär eine Frau und somit nur Opfer der Scheinheiligkeit ihrer Kollegen, die ja überhaupt als Männer allesamt viel furchtbarer und per se verachtenswert seien, siehe die jüngsten Missbrauchsfälle seitens der Jesuiten. (Kein Scherz, die Frau reimt sich tatsächlich solche Vergleiche zusammen.)

Und so interessiert sich der Journalismus im Allgemeinen auch und vor allem für das Geschlecht und nicht für die Geisteshaltung des nächsten EKD-Ratsvorsitzenden. Die Frage, wer denn nun eigentlich die zahlreichen Personen seien, die Frau Käßmann allein deshalb loswerden wollten, weil sie eine Frau ist, bleibt unbeantwortet.

Schade.

Musikkritik
Lesetipp für Musikfreunde: Massive Attack im Schalltest

Im Auftrag des guten Geschmacks bzw. der Schallgrenzen verfasste ich gestern einen weiteren Beitrag für die gemeinschaftlich erarbeitete Musikrezensionsreihe Soundcheck. Diesmal haben sie, Peter und ich das neue Album Heligoland von Massive Attack in die Mangel genommen. Es erntete, anders als die Rezensionen selbst, insgesamt durchweg Zustimmung.

Mein Resümee lautet wie folgt:

„Heligoland“ erreicht als Trip-Hop-Album insgesamt natürlich nicht die Klasse von Archives Überwerken „Noise“ und „Lights“, aber es wäre auch reichlich überflüssig, klänge in diesem Genre alles gleich. Nun kenne ich bislang die übrigen Alben von Massive Attack nicht (werde es beizeiten nachholen), bin aber durchaus davon überzeugt, dass es mit all seinen Stärken und Schwächen ein insgesamt zwar durchwachsenes, aber handwerklich solides Album ist, das für jeden aufgeschlossenen Musikhörer seine individuelle Faszination entfalten kann und wird. Überspringe ich die Titel, die mir missfielen, so bleibt inklusive des ersten und des letzten Stücks noch immer genug Laufzeit für einen, nun, Trip übrig. Das genügt mir.

Die vollständige Fassung gibt es zusammen mit den beiden anderen Rezensionen drüben auf Schallgrenzen.de zu lesen, wo auch weiterhin die bisherigen Gemeinschaftsrezensionen zu finden sind.

Guten Morgen und viel Spaß!

In den NachrichtenMusikkritikNerdkrams
Tocotronic – Schall und Wahn

Tocotronic ist eine dieser Musikgruppen, von denen man schon mal irgendwo irgendwas gehört hat und mit denen man irgendwas assoziieren kann, selbst ohne bewusst ein Lied von ihnen zu kennen. Was mir spontan bei Tocotronic einfällt: Popkultur. Spex, musikexpress und wie sie alle heißen. Und was mir wiederum bei Popkultur einfällt: Allein das Wort schon!

Vor drei Jahren kam ich erstmals bewusst mit der Musik von Tocotronic in Berührung, begann mich mit deren frühen Alben anzufreunden. „Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein„, zitierte auch ich schon und empfand es schon Jahre, bevor ich das Lied kannte, wie wohl die meisten Jugendlichen bisweilen einem Herdentrieb und dem Wunsch folgend, irgendwo Anschluss zu finden. Was das für ein Genre war, war mir damals einigermaßen egal; irgendwie auffällig eigenständiges Indiegeschrammel mit deutschen Texten, die nicht immer einen Sinn ergaben, manchmal aber auch einen, der nach der Hineininterpretation einer möglichst Zeigefinger schwingenden Bedeutung geradezu zu schreien schien; „Geschrammel“ möchte ich hier übrigens keinesfalls als Wertung, lediglich als Beschreibung verstanden wissen.

Dann kam „Kapitulation“, und es stellte einen Richtungswechsel dar: Die Lieder wurden nicht länger, aber ruhiger. Nach dem Abtritt von Blumfeld schienen Tocotronic, wenngleich noch immer kaum politisch textend, ihr musikalisches Erbe antreten zu wollen, und sie machten ihre Sache gut. Stücke wie Harmonie ist eine Strategie oder das Titellied zeigten eine veränderte Band, die längere Texte und mehr Melodie auf auch weiterhin nur kurzer Laufzeit unterbrachte, und selbst ihre juvenil-aggressiven, an frühe Ton Steine Scherben erinnernden Momente (Sag alles ab) klangen irgendwie reifer und, letztlich, besser. Es blieb Geschrammel, aber auf hohem Niveau.

Und jetzt also „Schall und Wahn“. Tocotronic haben sich mit „Kapitulation“ offenbar bei den üblichen Rezensenten beliebt gemacht, und so überschlagen sich die ins Internet schreibenden Hörer quasi vor blinder Begeisterung, und die wenigsten von ihnen versuchen dabei nicht, irgendwelchen Sinn hinter offenkundig albernen Liedern wie „Bitte oszillieren Sie“ zu finden, wirkliche Verrisse gibt es nicht einmal auf Amazon.de zu lesen, wo sich sonst die Schreihälse der Rezensentenszene zu tummeln pflegen. „Schall und Wahn“ ist ein Phänomen. Peter nennt die Presseschau hierzu sinngemäß eine blinde Heldenverehrung von schwafelnden Angebern, und damit hat er vermutlich ebenso Recht wie Sänger und Gitarrist Dirk von Lowtzow, der, nach der Bedeutung der Texte befragt, eine zu naive Herangehensweise kritisiert. (Eine der besten Antworten, die ich von einem Musiker je auf eine dumme Frage lesen durfte: „Ich finde [die Frage], ehrlich gesagt, doof.“)

Das Album ist keine Offenbarung voller kryptischer Botschaften, die entschlüsselt werden müssten. Es ist allerdings tatsächlich das am ausgereiftesten klingende Album, das Tocotronic bislang veröffentlicht haben. Der auf „Kapitulation“ eingeschlagene Weg wird weiter verfolgt und geschliffen, in den Texten ist die Weltverbesserung Nonsens („Bitte oszillieren Sie“, „Macht es nicht selbst“) und Reflexion („Im Zweifel für den Zweifel“) gewichen. Mit „Stürmt das Schloss“, ein Lied in der Tradition von „Sag alles ab“, ist auch ein krachender Ohrwurm auf dem Album zu finden. (Ist „SdS“ eine Abkürzung für „Stürmt das Schloss“, oder hat es eine tiefere Bedeutung? Ein nicht zu unterschätzender Vorteil von Liedern, deren Text man versteht, ist es ja, dass die Interpretation allein einem selbst überlassen bleibt – so kann man einem Lied gleich mehrfach etwas abgewinnen und muss dafür nicht einmal kryptische Musikmagazine kaufen.)

Tocotronic sind erwachsen geworden, und sie unterlassen es zum Glück, das auch zu zeigen. Ich nehme an, „Schall und Wahn“ wird in diesem Jahr eins der wenigen guten Indierockalben bleiben, und ich freue mich über jeden Versuch, den Gegenbeweis anzutreten. Das Album gibt es derzeit auf Deezer.com zum Probehören. Nicht übel. Gar nicht übel.

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The National – Alligator

Eigentlich hätte jetzt hier ein geschliffen formulierter Text voll zynischer Wortspiele stehen sollen, der die derzeit durch die Blogs geisternde Geschichte von der bislang blödesten Abmahnung des Jahrzehnts zum Thema hätte und in dem ich mich über die eigentlich überaus unangenehme Verbindung aus fehlender technischer Sachkenntnis und Geld für Anwälte beklagen wollte, aber bevor ich ihn schließlich fixierte, beschloss ich, noch einmal einen Blick in den immer noch stetig wachsenden Sammelordner noch zu hörender Musikalben zu werfen, schob also das erstbeste Werk in mein Abspielgerät, setzte die Kopfhörer auf und war ausreichend fasziniert, um stattdessen einen Text über die gehörte Musik zu verfassen.

Das Album „Alligator“ der US-amerikanischen Band The National ist inzwischen fünf Jahre alt, aber es hat sich bislang erfolgreich meinen Ohren entzogen; wohl auch, weil mir das Nachfolgewerk „Boxer“ eher ab- als zusagen wollte und weil ich deshalb erst mal verdrängt habe, je etwas von dieser Musikgruppe konsumiert zu haben. Ich hoffe nicht, dass es ein Zeichen fortschreitenden Alters ist, aber „Alligator“ trifft derzeit genau neben meinen musikalischen Nerv. (Würde es meinen Nerv treffen, würde es schmerzen, daher ist daneben gerade gut. Ach, Wortspiele, die man erklären muss, sind keine guten solchen.)

Peter vergleicht The National mit den Editors (die ich nicht mag) und Interpol (die ich nicht kenne), auf Amazon.de zieht man mit Joy Division und den Tindersticks dann immerhin Vergleiche, die ich einigermaßen verstehe und für richtig halte. Mischt man alles zusammen, was man so über dieses Album liest, so enthält es mindestens melancholischen Indie-Americana-Post-Punk-Rock, und weil sich das vermutlich dann doch lieber keiner merken will, nenne ich es einfach mal eine Melange aus letzteren beiden Bands und freue mich tierisch darüber, so eine schöne kurze Beschreibung formuliert zu haben. Die ist wenigstens schön griffig.

Dieses Album also, das (schrieb ich das schon?) mir sehr gefällt, drückt in Text, Gesang und Instrumentierung eine verzweifelte Melancholie aus, wie sie mir in all meiner Melodramatik gerade recht kommt. Musik für einsame Seelen, die für feige Depressionen dann doch wieder nicht einsam genug sind.

I got two sets of headphones, I miss you like hell
Won’t you come here and stay with me
Why don’t you come here and stay with me

Ungekünstelte Lyrik ist gute Lyrik, und vertont klingt sie so oder auch so. Kaufen, hören und auf die Texte achten. Ersteres und zweiteres in dieser Reihenfolge, dritteres gleichzeitig mit zweiterem. (Davor oder danach geht natürlich auch.)

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Musik 12/2009 – Favoriten und Analyse

Dieser Artikel ist Teil 5 von 18 der Serie Jahresrückblick

Fast hätte ich es vergessen: Ein weiteres Kalenderjahr ist bald vorbei, und das bedeutet außer arschkaltem Wetter und aufgewärmtem Billigfusel auf so genannten „Weihnachtsmärkten“ auch, dass ich wie üblich die formidabelsten Tonträger des Jahres – jedenfalls die unter ihnen, die nicht zum Halbjahr schon Erwähnung fanden – in Kürze vorstelle.

Und es waren so viele! – So sehr man eine solche Liste auch kürzen möchte, man wird immer das Gefühl nicht los, dass ein Album, das man rauswerfen möchte, eigentlich doch ganz wunderbar geworden ist. Also mussten andere Kriterien her. So fiel der Kürzung zum Beispiel das Album The Incident von Porcupine Tree zum Opfer, weil ich mich nur ungern wiederholen wollte.

Auch diesmal möchte ich neben aktuellen Alben anhand zeitloser Klassiker auch ein wenig Musikgeschichte der letzten 40 Jahre betreiben und einige Tonträger aufführen, die trotz zahlreicher guter Kritiken meine persönlichen Qualitätskriterien leider nicht erfüllen konnten.

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Resümee einer Konzertnacht

Unterwegs in der Supp-CulturIch bin wieder da und habe (leider wegen konzerttypisch recht unangenehmer Lichtinsuffizienz mitunter recht verpixelte und nur unzureichend am Computer nachbearbeitete) Bilder mitgebracht. Auf Tonmitschnitte habe ich verzichtet; zu mitreißend war der Gitarrenregen, der in der Kulturfabrik Löseke auf die Besucher niederging.

Kalt war’s, aber das Doppelkonzert fand erfreulicherweise drinnen statt. Um 22 Uhr sollte es losgehen, das ließ uns, die wir – zum Glück – eine ungefähre Stunde zu früh eintrafen, ausreichend Zeit, um uns mit dem Veranstalter zu unterhalten und auch mit anderen Konzertgängern ein wenig zu plaudern. Wir wurden gewarnt, dass es recht laut werden könnte. Das ließ hoffen.

Einige Minuten später als angekündigt betrat dann das Hannoveraner Quartett Hermelin die kleine Bühne.

Hermelin: Prima Einstieg für den Abend.

Mit ihrem fast instrumentalen Postrock schuf (schufen?) Hermelin Klangwände und riss sie wieder ein, das Publikum war entsprechend beeindruckt und belohnte die Darbietung durch wilden Tanz und frenetischen Applaus. Spontane Assoziation: Explosions In The Sky.

Noch mehr Fotografien:

Hermelin: Zwei Gitarren, viel Musik. Hermelin: Schüttel dein Kopfhaar!

Kaum war man entrückt in die surreale Traumwelt eingetaucht und hatte vergessen, wo man eigentlich ist, ließ sich die Realität mal wieder blicken, und eine kurze Pause gewährte Zeit, die durch gedankenloses Schütteln belasteten Gelenke zu entspannen. Nach einer kurzen Atempause in der kühlen, verrauchten Nachtluft Hildesheims standen die Hamburger Nihiling schon auf der Bühne, und sie traten einen weiteren Beleg für meine vor einigen Monaten in kleinem Kreis aufgestellte These, dass Bassistinnen aktueller Rockgruppen grundsätzlich verdammt niedlich – man verzeihe mir ausnahmsweise diese Ausdrucksweise – sind, an.

Nihiling: Irgendwo zwischen Oceansize und Tool

Trotz Erkältung hatten auch diese sechs Musiker offensichtlich recht viel Spaß bei der Sache und spielten über die Dauer von weit über einer Stunde neben Bekanntem auch neues Material, das an Oceansize und vor allem auch an die sonst im Postrock nur allzu selten zitierten Tool erinnerte.

Visuelle Eindrücke:

Nihiling: Bass in Trance. Nihiling: Come in, come out. Nihiling: Gitarrenarbeit par excellence. Nihiling: Musik wie aus einer anderen Welt.

Beide Musikgruppen haben gezeigt, dass die Luft bei ihnen noch lange nicht raus ist, und Vorfreude auf kommende Tonträger und Konzerte geweckt. Zu hoffen ist, dass sich in nicht allzu ferner Zukunft nochmals eine Gelegenheit ergibt, einem solchen Ereignis beizuwohnen.

Ich nehme an, in absehbarer Zeit wird es bei Peter bessere Bilder und noch mehr Text geben. Empfohlen wird daher, ab und zu mal nachzuschauen.
Nachtrag von 22:01 Uhr: Der ausführliche Bericht mit noch besseren Bildern ist nun auf Schallgrenzen.de zu finden.


Am gleichen Abend wurde vor dem Schloss-Einkaufszentrum in Braunschweig übrigens für „Wetten, dass…?“ kollektiv getanzt:

ZDF: Bühne für 'ne Stadtwette

Schade; die Beteiligten wissen nicht, was ihnen entgangen ist.

Gern und jederzeit mehr davon!

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Kurz und gut: Our Ceasing Voice zum Zweiten

Und da wir gerade alle so schön empört sind, komme ich zur allgemeinen Entspannung nochmals auf die Halbjahresanalyse 2009 zurück. Ich schrieb damals:

Nicht ganz eine halbe Stunde füllt das Quartett mit psychedelischen Klangflächen, die hier und da auch mal durch Gitarrenwände unterbrochen werden.

Inzwischen ist eine special edition, also eine Sonderauflage, des Tonträgers erschienen, die weitere vier Stücke, davon zwei alternative Aufnahmen bereits zuvor enthaltener Stücke, drauflegt, so dass es inzwischen zu fast einer Stunde fortgeschrittenen Musikgenusses reicht.

Apropos Musik:
Keinesfalls ärgerlich sind die meisten Studien, die letztens über die Kaufgewohnheiten von Tauschbörsennutzern angestellt werden, für jedenfalls mich.

Eine neue Studie bestätigt eine frühere Untersuchung, wonach Nutzer von Filesharing-Plattformen zwar durchaus illegal Musik aus dem Netz laden, aber trotzdem das meiste Geld für legale Musikeinkäufe ausgeben.

Eine wahrlich gute Zeit für eMule-Freunde – in Deutschland werden kaum noch Prozesse gegen seine Nutzer geführt, da es sich einfach nicht lohnt, und der Industrie gehen die Argumente aus, überhaupt noch etwas gegen sie unternehmen zu wollen.

Wer seine eigenen Kunden kriminalisiert, verschwindet irgendwann in der Bedeutungslosigkeit. An dieser Stelle mein Dank an die Gründer von Plattformen wie Jamendo und MySpace, die zeigen, dass es auch anders geht.

(Jetzt ist aber auch mal gut.)

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Rammstein – Liebe ist für alle da

Fleißige Leser dieser flauschigen Internetpräsenz haben sicher in einigen meiner Beiträge schon eine Affinität zu melodischer Frickelmusik erkennen können. Ich hoffe, all jene, die solcherlei erkannt haben, verfügen über starke Nerven oder sitzen gerade auf einem vor versehentlichem Herunterfallen geschützten Möbelstück, denn ich muss nach einigen Stunden intensiven Hörens ein womöglich überraschendes Geständnis machen:

Das neue Album von Rammstein ist klasse.

Man kann von den Brachialrockern halten, was man will, man kann sie auch aufgrund ihrer ostdeutschen Herkunft in einem Atemzug mit Tokio Hotel nennen, wie es der früher eigentlich mal ganz okaye Musikexpress in der aktuellen Ausgabe tut und sich damit jegliche Sympathien bei mir verspielt hat, aber man kommt nur schwerlich an ihnen vorbei.

Nach den beiden schwachen Alben „Reise, Reise“ und „Rosenrot“, erschienen in den Jahren 2004 und 2005, hörte man nicht mehr viel von dem Sextett. Zwischendrin erschien mit „Völkerball“ ein Livealbum, das aber nicht besonders viel Aufsehen erregte. Ich habe es anfangs nicht einmal bemerkt.

Erst im Sommer 2009 war die Band wieder in den Schlagzeilen, allerdings mit einer Schlagzeile, die nicht unbedingt für allgemeine Freude gesorgt hat: Nachdem Ausschnitte aus dem Album „Liebe ist für alle da“, um das es hier geht, ihren Weg ins Internet „gefunden“ hatten, gab es Abmahnungen in nicht geringer Zahl sowie eine mindestens ebenso große Zahl an davon beeinflussten Schmähkritiken in deutschsprachigen Weblogs zu lesen. Ich habe mich da mal vornehm zurückgehalten; Ausschnitte aus urheberrechtlich geschützten Werken und Hinweise hierzu ungefragt auf irgendwelchen Nachrichtenseiten zu veröffentlichen ist nichts, was man als Künstler ignorieren müsste, Bürgerrechte hin oder her. Wer immer für diese Abmahnwelle verantwortlich war: Es war sein gutes Recht. Korrektur: Es war zumindest aber nicht nett. (Danke an Peter für den Hinweis. Manchmal schreibe ich mich versehentlich in Rage und vergesse dabei einige nicht ganz unwichtige Details.)

Nachdem also jedenfalls die Propheten des Untergangs des Abendlandes allmählich verstummt waren, rückte man endlich mit der Sprache raus und machte wieder das, was man in den weichgespülten Vorgängeralben vor Eingängigkeit ganz übersehen hatte; Man brach Tabus.
Die Sexualisierung in der Musik ist nun kein unbedingt neues Thema mehr, ein Musikvideo als Pornofilm zu drehen nur konsequent. Dennoch wurde dieser Schritt natürlich allgemein als Tabubruch bezeichnet, ohne dass irgendjemand mal dazu geschrieben hätte, welches noch bestehende gesellschaftliche Tabu denn mittels dieses Videos nun gebrochen sei. Die Darstellung sexueller Aktivitäten im Internet ist jedenfalls sicher nicht gemeint, und im Fernsehen läuft, so weit mir bekannt ist, ausschließlich eine zensierte Fassung.

Das ehemalige Nachrichtenmagazin Der Spiegel hat das mit der Ironie noch immer nicht so ganz verstanden und zitiert Paul Landers informativ, aber auch suggestiv:

Gitarrist Paul Landers behauptet, die Provokation sei keine bewusste Strategie. „Wir sitzen doch nicht am Schreibtisch und fragen uns: Wo könnten wir noch provozieren?“, sagt er, während seine Nieten und Ketten klappern, „so komisch es klingt: Die Provokation findet uns“.

Die Hervorhebungen sind, wie meist, von mir.

Sicher kann man Rammstein dergestalt als fortwährend irgendwelche „Tabus“ brechende Bösewichte darstellen, und sie sind auch nicht ganz unschuldig daran. Dies jedoch möchte ich von nun an wieder den etablierten Klatschmedien überlassen und lieber wieder zum Thema zurückkommen:

Das neue Album von Rammstein ist klasse.

Bereits das erste Stück, „Rammlied“, zeigt, dass „Liebe ist für alle da“ wieder den Stil der ersten Alben „Herzeleid“ und „Sehnsucht“ aufgreift. Melodische, balladeske Seltsamkeiten, wie sie auf den beiden Vorgängeralben vorherrschten, sind hier nur noch eingeschränkt zu finden. Stattdessen beginnt das Album mit – ich schreib’s noch mal – dem „Rammlied“, das an das Lied „Rammstein“ vom Album „Herzeleid“ anknüpft, mich textlich bei jedem Hören an „Super Drei von den Ärzten erinnert und zu dem man ordentlich auf die sprichwörtliche Kacke hauen kann. Auf diesem Niveau geht es erfreulicherweise auch weiter, Ausfälle gibt es nicht. Mit „Frühling in Paris“ ist auch mal wieder eine Ballade im Stil des furchtbar eingängigen „Ohne dich“ dabei, die aber den guten Eindruck auch nicht mehr ruinieren kann.

„Liebe ist für alle da“ ist ein durchaus mit Bedacht gewählter Titel für das Album; mit Ausnahme des Rammlieds handeln tatsächlich alle Titel von Liebe in seelischer oder rein körperlicher Form – natürlich, in Rammstein-Manier, mit sadomasochistischen Zügen inklusive einer Schilderung des Inzestfalls von Amstetten, all dies untermalt von Musik der härteren Gangart, wie sie zuletzt auf „Herzeleid“ und „Sehnsucht“ so ausufernd zu hören war. Dazu schreit und singt Till Lindemann, der seine Stimme um gleich mehrere Nuancen erweitert zu haben scheint, mit einer Kraft, dass es eine wahre Freude ist. Schön, dass sie wieder zu ihrer alten Form gefunden haben. Jetzt bitte so bleiben!

Schrieb ich schon, dass das Album klasse ist?

Nachtrag vom 6. November: Angeblich ist das Album nun indiziert. Ein weiterer Kaufanreiz für das jüngere Publikum, wie ich annehme.

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Jardín de la Croix – Pomeroy

Für die Freunde instrumentalen Jazzrocks zwischen King Crimson und Rush noch kurz ein musikalisches Fundstück, das, 2008 entstanden, bis vor wenigen Minuten noch in meinen Archiven schlummerte:

Rauhe, aber melodische Gitarrenriffs überlagern und verzwirbeln sich zu einem komplexen, aber trotzdem durchschaubaren Geflecht. Kurze Soli schneiden wie Messerstiche durch das Riff-Netz. Der Bass brilliert mit melodischen Läufen und das Schlagzeug explodiert regelmäßig im Untergrund. Die Spanier kreieren mal metallisch angehauchte Rifforgien, mal melodische Postrock-Klangwälle und mal einfach fast schon sanft dahingleitende epische Tonlandschaften mit mediterraner Leichtigkeit. Und ein Händchen für ungewöhnliche Arrangements haben die Jungs auch, da sei exemplarisch die Stelle gegen Ende von „Suomi“ erwähnt, wenn sich aus dem E-Gitarren-Riffing langsam eine akustische Gitarre herausschält und dann genauso langsam, majestätisch, sich wieder ins E-Gitarren-Nirvana verliert.

Sicher keine Dutzendware und obendrein kostenlos zu beziehen, daher eine uneingeschränkte Lauschempfehlung für alle, denen Atmosphäre in der Musik wichtig ist und die auch auf Gesang oder allzu ausufernden Gitarrenlärm verzichten können.

Zu haben gibt es das gute Stück auf Jamendo.com; wer dieser Seite aus beliebigen Gründen nicht so recht über den Weg traut, der wird natürlich, wie immer, auch bei eMule fündig.

Einen angenehmen Start in die Woche wünsche ich.

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Kaufbefehl zur Wahl: Gossip – Heavy Cross

Im Radio, so wurde mir heute zugetragen, läuft die erste Single „Heavy Cross“ der Postpunkband Gossip derzeit ungefähr täglich. Weniger aufdringlich als Standing in the way of control, durch das ich im Jahr 2006 erstmals auf das Trio aufmerksam wurde, dafür mit einer Portion Tanzrhythmus versehen treibt das Stück kraftvoll voran, gekrönt mit der energiegeladenen Stimme von Frontfrau Beth Ditto.

Und sie gehen nicht nur ab, sie haben auch was zu sagen:

Whatever you want, the choice is yours,
So choose.

I checked you, if it’s already been done, undo it,
It takes two, it’s up to me and you, to prove it.

So sieht’s doch aus.
Kauft die Single, sie ist es wert!

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Drei Bands, drei Gefühle

Nanu: Heute, so schreibt SPIEGEL ONLINE, fand wieder einmal ein versuchter Amoklauf an einem Gymnasium statt. Der Täter hat überlebt, es wird also diesmal wohl etwas ausführlicher nach den Ursachen geforscht; es sei denn, auf seinen beiden sichergestellten Computern finden sich Computerspiele, dann hat sich das wohl wieder einmal erledigt. Sätze wie Der Abiturient gilt als Außenseiter bieten dann keinen weiteren Anlass zur weiteren Nachforschung. Wetten?

Aber lassen wir das. Während indessen andere Ins-Internet-Schreiber wieder einmal ihre Energie darauf verschwenden, zu versuchen, die Piratenpartei in radikale Ecken zu stellen, habe ich lieber ein wenig Musik gehört:

Auf Schallgrenzen.de gibt es von unter anderem mir einen (leider gekürzten) Verriss des aktuellen Albums The Resistance von Muse sowie, quasi zum Ausgleich, eine lobende Kritik des neuesten Porcupine-Tree-Werkes, dessen Kauf ich jedem Musik mögenden Menschen hiermit ausdrücklich ans Herz legen möchte.

Übrigens und apropos Schallgrenzen:
Her Name is Calla ist eine britische Band, die melancholisch musiziert. Peter führt es etwas weiter aus:

Vom sich Verlieren und Verlieren. Kein Rausch von Farben, schwarze Tusche, vielleicht ein paar pastellzarte Pinselstriche. Und trotz alledem ziehe ich Kraft aus jedem Ton, jedem Song. Entschleunigung. Musik wie nicht von dieser Welt. Zwischen der selbstmörderischen Traurigkeit eines Chris Hooson (Dakota Suite) und der jenseitigen Melancholie eines Mark Hollis versucht Her Name Is Calla mit großem Orchester ihr (Un)glück.

Schöne Musik, auf der Webseite komplett zum Anhören und somit auch herunterladbar.

KaufbefehleMusikMusikkritikPersönliches
Qarpa – inZhYR / Hildesheim statt Heino

Oha: Als ich gerade den Dateiordner mit den noch unsortierten Musikalien öffnete und wahllos diverses probehörte, fiel mir erneut ein für mich recht untypisches Stück Musik – will meinen: Alternative, Pop, irgendwas in dieser Richtung – auf.

Bei der solcherlei Musik interpretierenden Musikgruppe des Namens Qarpa mit dem sympathischen Pinguin auf ihrer Internetseite handelt es sich nach meinem gegenwärtigen Kenntnisstand um ein Damenquintett aus Kiew in der Ukraine. Frontfrau ist Irena Karpa, die im ukrainischen Raum laut Wikipedia nebenbei wohl auch für ihre Tätigkeit als Fotomodell in einschlägigen Männermagazinen bekannt sein dürfte.

Diese Musikgruppe jedenfalls macht gar nicht mal so üble Tanzmusik mit herrlich albernen Choreografien in zum Beispiel diesem Musikvideo. Worum es textlich geht? Gute Frage – ich kann kein Ukrainisch. Spaß macht’s aber auf jeden Fall, und wenn die Anzahl der Suchergebnisse im Internet ein Indiz für Bekanntheit ist, hat Qarpa so wenig Aufmerksamkeit, wie ich meine, mitnichten verdient.

Reinhören, dazu wüst herumhüpfen, gut finden und kaufen – empfohlen wird’s in dieser Reihenfolge.


Apropos „wüst herumhüpfen“ und als total unauffällig platzierte Werbeanzeige in jedenfalls teilweise eigener Sache zu verstehen:
In Hildesheim – genauer: in der Kulturfabrik – findet am 7. November für tatsächlich nur wenig Geld ein von den Schallgrenzen organisiertes Konzert mit gleich zwei bravourös klingenden Postrockbands, namentlich Nihiling und Hermelin, statt. Ich werde voraussichtlich ebenfalls dort sein und Bericht erstatten.

Natürlich könnte man am 7. November stattdessen auch zu Heino. Aber das kostet mehr und ist, nehme ich an, nicht ganz so atmosphärisch.

Weitere Informationen gibt es im Schallgrenzen-Konzerteblog. Entscheidet selbst!