Archiv für September 2017

Nerdkrams
Chromefox 57 (Symbolbild)

Jaja, viel besser als Chrome, ist jetzt nämlich schneller und so. Denn das ist alles, worauf es ankommt: Schnelligkeit.

Chromefox 57

(Siehe auch.)

In den NachrichtenPolitik
Kurz verlinkt: Richtig gepflegt eine schallern und dann ist Achterbahn hier, Junge!

Schlägerpartei Deutschlands:

Nachdem sie am Vormittag ein letztes Mal am Regierungstisch Platz genommen habe, fühle sie sich ein bisschen wehmütig, erzählte Nahles den Journalisten: „Aber ab morgen kriegen sie in die Fresse.“ „Sie“, das ist die neue Bundesregierung.

Et klatscht gleich, vaschtehste? Vor dem Frühstück erst mal schön dem Lindner links, rechts eine kleben, damit der nicht immer so scheiße guckt, den Schäuble aus dem Rolli kippen und dem Hofreiter seine dämlichen Haare in den Mixer stecken, damit die Chabos wissen, wer hier die Baboine ist. Hate-Speech war gestern, heute gibt’s auf’s Maul! Ist sie zu stark, bist du zu schwach. Das kennt Andrea Nahles noch aus ihrer Zeit als Hartz-IV-Ministerin. Schwester, meine Pillen, aber die mit dem Smiley drauf, und zwar ein bisschen zackig, wenn ich bitten darf!

Spaß mit Spam
Sie suchen nach einem „billigen“ Kredit

Wenn du schon so „nett“ fragst, Spammer:

"Toller" Betreff

Aber „sicher“!

Politik
Halali!

Franz-Josef Strauß (CSU) in der „WELT“ 1974:

Was wir hier in diesem Land brauchen, sind mutige Bürger, die die roten Ratten dorthin jagen, wo sie hingehören (…).

Ludger Volmer (Grüne) am Wahlabend nach der Bundestagswahl 1994:

Wir werden den Kanzler jagen.

Heide Simonis (SPD) in der „BILD am Sonntag“ 1995:

Wir müssen den Bundeskanzler richtig jagen[.]

Dagmar Enkelmann (PDS, heute Die Linke) 1996:

Die Opposition könnte wirksamer sein und die Regierung jagen (…).

Christian Lindner (F.D.P.) auf dem Dreikönigstreffen 2014:

Wir werden die Bundesregierung jagen!

Alexander Gauland (AfD) am Wahlabend nach der Bundestagswahl 2017:

Die Bundesregierung, wie immer sie aussieht, kann sich warm anziehen, wir werden sie jagen[.]

Was freilich, glaubt man diversen sonst nicht unvernünftigen Twitternutzern und sonstigen sozialen Medien, übelster „Nazisprech“ (ebd.) und damit Schlimmdenk ist; so lange das traditionell kurze Gedächtnis der Wähler eben diesmal andauert.

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Rhys Chatham – Pythagorean Dream (Part Two) // Bundestagsqual

"... und dann haben sie DAS gewählt!"Es ist Montag, der Tag danach; ein Tag, den allenfalls ein Pandabär noch retten könnte, denn das langweilige Deutschland hat gewählt.

Gewonnen, so viel sei gesagt, haben ganz unabhängig vom Wahlergebnis der Sozialabbau, die Rentenstreichungen, die immerhin (spät) sanktionierte Altersarmut, die Bundeswehr – verloren aber hat, Medienberichten zum Trotz, keineswegs der Rechtspopulismus, denn der stellt auch 2017 noch hochrangige Minister, sondern der Wähler, den das Schreckgespenst AfD abermals erfolgreich davon abgehalten hat, die Zukunft sinnvoll mitzugestalten. Etwa 87 Prozent der Wähler haben nicht die AfD gewählt, etwa 90 Prozent nicht die Grünen und immer noch fast 70 Prozent nicht die Kanzlerin, dennoch bestimmt das Geschehen eine mögliche Koalition, die im Median von einer deutlichen Mehrheit nicht gewählt wurde. Koalitionen sind aus demokratischer Sicht tout compte fait allerdings grundsätzlich eine Katastrophe, eine richtige im Falschen ist nicht auszumachen. Der moralische Sieger bekommt beim Wettrennen ja auch nur noch einen Trostpreis. – Man stelle sich vor, das Volk träfe nicht nur alle vier Jahre, sondern pausenlos dumme Entscheidungen. Man sehe sogleich: Nur Volksabstimmungen könnten das alles noch schlimmer machen.

Bringt alles nichts. Ich habe jedenfalls beschlossen, über die Beschlüsse der kommenden Bundesregierung in dieser Publikation bis zur nächsten Bundestagswahl kein Wort mehr zu verlieren. Das schont die Nerven insbesondere zum Wochenbeginn und lässt mehr Zeit für Schönes, nämlich für Musik. Und danach kommen wir noch mal auf den Pandabären zurück.

Rhys Chatham – Pythagorean Dream (Part Two)

Guten Morgen und viel Glück.

In den NachrichtenNetzfundstücke
Liegengebliebenes vom 24. September 2017

Genau mein Humor: Ein hochrangiger Kirchenvertreter findet, man solle die Wirklichkeit nicht verzerren.


Jungs sind besser in Physik, weil sie häufiger einen Penis anfassen. Das klingt, als könnte man das soziale Gefälle hier ziemlich einfach begradigen.


Eilmeldung des Tages: Konkurrenz macht den Penis länger. Allerdings bei Enten.


„Corey Doctorow slowly beings to realize that the internet, like everything else, exists at the convenience of people with money.“


Formel 1 zu leise? Hilfe ist unterwegs!

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Igorrr – Savage Sinusoid

Igorrr - Savage SinusoidIgorrr!

Schon der Name – leider ohne Ausrufezeichen – ist so klangvoll, dass man es leicht verschmerzt, dass hier nicht auf Russisch musiziert wird. Statt Kalinka wird der akustische Angriff besungen, stilecht eingeleitet durch einen Kriegsschrei („Viande“), der sogleich in donnernden Metal übergeht. Warum kleckern, wenn man klotzen kann? „Savage Sinusoid“ (Amazon.de, TIDAL), das laut Internet sechste Album der Franzosen, weckt seit Juni dieses Jahres vermutlich so manchen Toten auf.

Igorrr – ieuD [OFFICIAL VIDEO]

Gelegentliche Elektronika und Effekte lassen Etikettierung sowieso nicht sinnvoll zu, zumal nicht einmal hier ein Stillstand auszumachen ist: Gautier Serre, die treibende Kraft hinter Igorrr, hat Spaß an Experimenten und lässt den Hörer das auch merken. Wo eben noch das wilde nordische Leben tobte, erfolgt gleich die Umschaltung in den musikalischen Balkan, während der Vokalist sich allmählich heiser zu schreien scheint. Plötzlicher Themenwechsel: Krautiger Artpop wechselt sich mit strukturell haggardesquem Brüll- einer- und Postmetal andererseits mit prima Operngesang von Laure Le Prunenec ab, mannigfaltig elektronisch manipuliert – „ieuD“ bringt in fast vier Minuten mehr Stile unter als viele andere Künstler auf drei Studioalben.

Igorrr – Cheval [OFFICIAL VIDEO]

Ein Stück wie dieses auf „Savage Sinusoid“ dabei nicht einmal eine besondere Ausnahme; „Houmous“ integriert Kirmes-, 8-Bit- und Weltmusik in ein alles andere als enges Mathrockkorsett, andere Stücke wie „Apopathodiaphulatophobia“ tragen ihre völlige Abgedrehtheit schon im Namen. Ich finde ja mitunter durchaus Gefallen an Abgedrehtem.

Große Klasse.

In den NachrichtenPolitik
Endlich: Clownverbot in Österreich!

In den NachrichtenPolitik
Kritische Begleitung und ihre Gefahren

(Vorbemerkung: Zynismus befreit den Geist, ich kann ihn insofern nur empfehlen.)

In den Tagen vor der Wahl wird die ohnehin schon nicht gerade wertneutrale Berichterstattung traditionsbewusst noch kreischender. Auch Anna Biselli vom schräg-grünen Personalityblog „Netzpolitik.org“ (hier wie bisher aus ethischen Gründen nicht verlinkt) grub am vergangenen Montag die Piratenpartei wieder aus, nur um darauf hinzuweisen, dass man die ja gerade nicht so wählen könne, weil das Thema so was von durch sei; so weit muss man seine eigenen Ausscheidungen halt auch erst einmal werfen können, dafür gibt es mindestens meinen Respekt.

Wenigstens der Rest der Medien, ob sozial oder nicht, hält sich brav ans Narrativ und verbreitet zwecks Feindesabwehr unter anderem Grafiken vom Vorjahr, die das „rechte Netzwerk“ des Buhmanns AfD – von denen lassen wir uns doch nicht unsere christsoziale Politik wegnehmen, ist schließlich Deutschland hier – „aufdecken“, dabei keineswegs die personellen Verbindungen mit der NPD übersehen, die mit der „Union“ aber geflissentlich ignorieren. Das muss man verstehen, die „Union“ war schon etabliert, als die Eltern der gerechten Demokraten noch mit der Rassel um den christlich-westlich guten Weihnachtsbaum gestolpert sind, und etablierte Politik kann nicht schlecht sein, denn sonst wäre sie ja nicht etabliert.

Die durch den ausbleibenden Kampf gegen die CDU/CSU freien Ressourcen werden daher in die Schlacht für die gerechte Sache gesteckt, wobei man das selbstverständlich nicht „Schlacht“ nennt, denn das wäre militant und unlinks. Stattdessen wird das Vorhaben rhetorisch ungefähr so betitelt:

Am Sonntag Abend rufen wir dazu auf die Wahlparty der Hamburger AfD kritisch zu begleiten.

Wie begleitet man eine Wahlparty kritisch? Unter „kritischer Begleitung“ stellte ich mir, bis ich diesen Quatschsatz gelesen habe, meist eine journalistische Tätigkeit vor, indem regelmäßig irgendwelche semantischen oder ausnahmsweise auch mal fachlichen Analysen des Gesagten in einschlägigen Periodika erscheinen. Wie Journalisten wirken die Seitenmacher auf mich jedoch ebenso wenig wie mir klar ist, wie umfangreich eine Berichterstattung über einen Abend des kalorienreichen Balkenguckens überhaupt sein kann. „Eilmeldung: Mitglied der Hamburger AfD verstößt gegen seinen Diätplan!“

Dass diese „kritische Begleitung“ sich andererseits auch nicht auf das Schwenken von Plakaten beschränken, sondern auch in engerem Zusammenhang mit destruktiver Interaktion stehen dürfte, zeigt eine Einladung für denselben Wahlabend in Berlin in der gleichen rechtschreibkritischen Publikation, aber an anderer Stelle:

Ziehen wir der AfD den Stecker!
Licht aus für Rechte Infrastruktur!

Nun ist kritische Begleitung ja noch kein Terrorakt, denn ein Terrorakt impliziert im Gegensatz zu einem Sabotageakt nach allgemeiner Auffassung Menschenschaden, und Pflastersteine haben bekanntlich noch niemandem geschadet; die kritische Begleitung der Polizeiarbeit anlässlich des G20-Gipfels in Hamburg sorgte ebenfalls ausschließlich für ein friedlicheres, solidarisches Miteinander und hat niemandem geschadet, der es nicht qua Beruf in praecipio verdient hätte. Selbst die kritische Begleitung von Touristen durch IS-Sympathisanten ließe sich sicherlich auch mit einem friedlicheren Wort als „Terrorismus“ betiteln. Die haben halt die falsche Partei Religion und dafür kriegen sie jetzt ordentlich Ärger. Selbst schuld, wer sich der neuen Weltordnung verweigert.

Niemand muss Tourist sein.

NetzfundstückeSonstiges
Medienkritik in Kürze: Großmaul fickt gut.

Die „Cosmopolitan“, das fröhliche Magazin, auf dessen Oktoberausgabe schon wieder Jessica Alba zu sehen ist, was über die „Cosmopolitan“ freilich mehr aussagt als über Jessica Alba, enttäuscht den Freund absurder Textkombinationen nur selten.

Auch diesmal nicht:

Denn neben der Befassung mit den typischen Problemen, die man als Frau so hat („Macht Smog Falten?“) wird einerseits für Smartsein geworben [1], denn Smartsein mache besseren Sex, gleichzeitig aber davor gewarnt, dass es Leute gibt, die sich smarterweise für eine Wohnung mit Sex bezahlen lassen möchten [2] (sind wohl auch „Cosmopolitan“-Leser); es werden Anleitungen gegeben, „Großmäulern“ aufgrund deren Seitenhieben „elegant den Mund zu stopfen“ [3], gleichzeitig aber auch solche, selbst großmäulig Seitenhiebe zu verteilen [4]. Ob es einen Zusammenhang zwischen der „Kunst, Seitenhiebe wortlos zu kontern“, und der Frage, ob man als „Traumjob“ nicht vielleicht doch lieber „Influencer“ sein (also sein Geld statt im Team stattdessen damit verdienen, allein im heimischen Keller irgendwelche Dinge in so Netzwerken zu verteilen) sollte, gibt, kann ich leider nur raten.


Spektralnetzwerke und ihre Tücken: Auf „Golem“ wies Tobias Költzsch gestern einen halben Artikel lang merklich ungehalten darauf hin, dass das Mikroblognetz Gab.ai „Figuren vom rechten Rand“ (für „Naziärsche“ war wohl doch noch zu viel Restjournalismus da) ein „Spektrum“ biete, wie auch immer man „ein Spektrum bieten“ kann; als sollte ein Internetdienst grundsätzlich immer und bitteschön genau wie die Figur vom Golem-Rand werten, statt neutral zu sein; es sei, versteht sich, denn, man (hier: Költzsch) versteht unter Netzneutralität nur schnelles Herunterladen von schlechter Musik und nicht etwa, dass die Freiheit des Netzes eine linkspolitische zu sein hat, denn dann ist seine fehlende Haltung sicherlich zwar immer noch beknackt, aber wenigstens begründet.

In den NachrichtenPolitik
Kurz verlinkt: Gerechter Qualm

MontagsmusikPolitik
Toundra – Kitsune // Sechs Tage ahnungslos.

Es wird Herbst, die Eulen verlieren ihre Blätter.Es ist Montag; womit die Welt das verdient hat, ist jedoch leider unklar. Beruhigend aber ist es, dass sie ihren Humor nicht verloren hat: Am vergangenen Donnerstag wurde ein Gespräch mit Hillary Clinton von einem Video eines niesenden Pandas unterbrochen, anschließend aber leider fortgesetzt. Einen präsidialen Pandabären würde ich jedenfalls wählen.

Falls es überhaupt so weit kommt, denn das politische System ist auch hierzulande irritierend. In nur einer Woche hätte es wieder keiner ahnen wollen, denn Demoskopie geht meist vom frei erfundenen Idealfall aus, nämlich davon, dass Menschen stringent handeln und Wahlprogramme irgendetwas mit Realpolitik zu tun haben. Dann wird wieder irgendjemand betroffen in irgendeine Kamera gucken und verkünden, dass die Populisten zwar „leider“ irgendwo „drin“ seien, aber immerhin isoliert, denn tatsächlich hat in der beinahe unvermeidlichen knappen Mehrheit für die rechtspopulistische Koalition aus dem unheiligen Bündnis aus CDU und CSU sowie der Partei des Sozialabbaus (PdS, ehem. SPD) niemand sonst ein Wörtchen mitzureden, was ungefähr der Politik der vergangenen vier Jahre entspricht: Die Isolation der Mehrheit als Bewahrung der Demokratie. Was dann kommen wird, ist absehbar: In Medien, die nicht verlinkt werden möchten, forderte dieser Tage der heute seinen 75. Geburtstag feiernden (weil „begehenden“ doch recht uncharmant wäre) Wolfgang Schäuble eine Rente ab 70 Jahren. Ich bin ja selten seiner Meinung, finde aber, er hat Rente wirklich dringend nötig.

Neues aus der Geschlechterforschung: Autisten beiderlei Geschlechts haben besonders männliche Gesichter, von einer Autistenquote in Führungspositionen ist daher vermutlich gleich doppelt Abstand zu nehmen. Andererseits: Um irgendwo als Chief Security Officer anfangen zu dürfen, reicht ja auch ein Musikstudium aus.

Passt ja, für Logik sind sich sowieso die meisten Branchen zu fein: Der Nutzlosdienst Golem.de behauptete gestern, bei „Alexa“ und „Google Assistant“ handele es sich um „smarte Lautsprecher“, während zu meiner Zeit Geräte, in die man reinspricht und die dann irgendwas machen, noch „Mikrofone“ (wenn sichtbar) oder „Wanzen“ (wenn nicht so offensichtlich sichtbar) hießen. Geräte, die smarter sind als diejenigen, die über sie berichten: Das ist wohl diese Zukunft, von der immer alle reden.

Da halte ich mich doch lieber an die Vergangenheit, zum Beispiel an das Jahr 2016.

Guten Morgen.


In eigener Sache: Ich habe mein WordPress-Plugin WP-WahlBlackout für die anstehende Bundestagswahl ein bisschen überarbeitet, unter anderem mit etwas sinnvolleren Verweisen auf der mitgelieferten, aber immer noch zweckmäßig gestalteten Abschaltseite. Wer es nutzen möchte, der möge das tun.

In den Nachrichten
Oktoberfest ist wie Hitler.

Apropos Oktoberfest.

Selbiges war noch nicht einmal richtig angelaufen, da gab es schon die ersten Beschwerden: In einer Onlinepublikation aus dem weiteren Umfeld der Veranstalter wurde darauf hingewiesen, dass ein Bierzelt voller Alkoholisierter sowie sich Alkoholisierender möglicherweise nicht der richtige Ort sei, um seine grünen Hippieideale von unglücklicher Liebe für alle Geschlechter mit allen Geschlechtern zu propagieren, um Rücksicht auf die rustikaleren Teilnehmer zu nehmen, die wenig Interesse an einem Praxisbericht aus dem Alltag mit Homosexualität haben. Sofort sprangen sich als gerecht verstehende Ritter jedwelchen Geschlechts aus dem virtuellen Gebüsch hervor und quakten drauflos, dass das nicht in Ordnung sei und der Veranstalter kein Recht habe, für eine von ihm veranstalteten Feier einfach irgendwelche Regeln aufzustellen, die ihnen persönlich missfallen. Dass die meisten der Drauflosquaker nicht selbst betroffen zu sein scheinen, bekräftigt die Vermutung, dass als sich „modern“ bezeichnendes „Linkssein“ im Wesentlichen aus Empörung im Namen anderer Leute und somit aus deren unerbetener Entmündigung besteht.

Der Konsens scheint jedenfalls nicht zu sein, dass man, wenn man mit dieser Verlautbarung nicht einverstanden ist, nicht einfach nicht dahin geht, wo man sich für nicht erwünscht hält (was bei Berücksichtigung der Rosa Wiesn ohnehin noch fragwürdig ist, eine „Hetero-Wiesn“ suche ich jedenfalls gerade vergeblich), und stattdessen sein eigenes Fest abhält, sondern, dass man dem Veranstalter jetzt erst recht dringend weiter auf den Sack gehen müsse, denn dann sei man sicher viel willkommener. Homophobie müsse „überall bekämpft werden“, laberte Sebastian Dicke von der Bochumer Piratenpartei drauflos, denn „Homophobe“ – als hätte irgendwer „Schwuchteln müssen draußen bleiben“ geschrieben – seien wie Rechtsradikale, woraus ich besorgt die Information entnehme, dass auf dem diesjährigen Oktoberfest höchstwahrscheinlich irgendwelche Wutbürger herumlaufen werden, die nur da sind, um sich mal so richtig über Wildfremde aufzuregen, und den Unterschied zwischen dem Anzünden von Asylantenheimen und Naserümpfen beim Anblick eines gleichgeschlechtlichen Pärchens für nicht vorhanden halten. Oktoberfest ist wie Hitler, erst trinkt man zu viel und hinterher ist man auf der Autobahn.

Nun also wird München sich ein paar Tage lang an wunderschönen Bildern von feierfreudigen Menschen ergötzen dürfen, ob es will oder nicht, und andere Städte – kaum eine größere Stadt lässt die Gelegenheit für ein paar bayerische Tage ungenutzt – ziehen ihm gleich, denn Tradition ist nicht nur wichtig, sondern macht auch reich: „Nach Berechnungen des Veranstalters (…) betrug der Wirtschaftswert des Oktoberfests 2014 gut eine Milliarde Euro“ (muenchen.de); Geld, das, dies sei als Bemerkung gestattet, stattdessen auch für Wichtigeres (Schulen, Renten, Musik) ausgegeben werden könnte. Allein: Feierndes Volk ist fröhliches Volk und fröhliches Volk mag keine Veränderungen. Wäre ich bayerischer Politiker, ich feixte tagelang.

Jede Aufweichung führt zu Verharmlosung. Verharmlosung führt zu mehr Konsum. Und mehr Konsum führt zu mehr drogenbedingten Gesundheitsschäden.
Marlene Mortler, leider über Cannabis

In den Nachrichten
Bemerkung im Zusammenhang mit Journalismus

Auf „SPIEGEL ONLINE“, SRF.ch, „20 Minuten“, in der „Kleinen Zeitung“ und anderen Qualitätsmedien wurden heute Bemerkungen im Zusammenhang mit Terrorismus in Paris gemacht:

Ein Mann hat mit einem Messer einen patrouillierenden Soldaten in Paris angegriffen. (…) Der Mann soll Bemerkungen im Zusammenhang mit Allah gemacht haben.

Beziehungsweise:

Aus Ermittlerkreisen hiess es, der Angreifer habe etwas im Zusammenhang mit «Allah» gesagt.

Beziehungsweise:

Der Mann soll etwas im Zusammenhang mit „Allah“ gesagt haben.

Hoffentlich wird der Richter Bemerkungen im Zusammenhang mit einer Strafe machen.

In den NachrichtenMir wird geschlechtWirtschaft
Medienkritik in Kürze: Forscher finden zweierlei Maß.

Wofür brauchen wir eigentlich Volkswirte? Na, damit sie Erstaunliches herausfinden können:

Wie Volkswirt Thomas Strobel von der italienischen Bank Unicredit ermittelt hat, steigen die Preise auf dem Oktoberfest beispielsweise in diesem Jahr um 3,1 Prozent – und liegen damit deutlich über der Entwicklung der sonstigen Verbraucherpreise. (…) Die Maß Bier auf der Wiesn kostet inzwischen bis zu 10,95 Euro und damit im Schnitt 25 Cent mehr als vor einem Jahr.

Wie, außerhalb des Oktoberfests kostet ein Dreiviertelliter Bier gar nicht so viel? Man überreiche dem studierten Herrn einen hoch dotierten (wg. Bank) Preis!


Vermessen auch: Auf „taz.de“ findet „AutorIn“ (muss man wohl nicht so genau wissen) Tanya Falenczyk es sichtlich unschön, wenn eine Partei auf Plakaten darauf hinweist, dass auch Väter vor dem Gesetz gleich seien, was offensichtlich automatisch dem Feminismus zuwiderläuft (im Artikel grob als „Antifeminismus“ zusammengefasst); was wiederum über den Feminismus ekelhaft vieles aussagt.