Regierungsprogramm der CSU:
Unsere bayerische Identität ist unser Auftrag.
Die Staatsbürgerschaft muss am Ende eines Integrationsprozesses stehen und nicht am Anfang.
Tja, nun. War nett mit euch.
Regierungsprogramm der CSU:
Unsere bayerische Identität ist unser Auftrag.
Die Staatsbürgerschaft muss am Ende eines Integrationsprozesses stehen und nicht am Anfang.
Tja, nun. War nett mit euch.
Warum will der Staat unbedingt mein Geschlecht wissen und warum kann ich es künftig einfach zu ändern beschließen, den Nachnamen jedoch immer noch nicht?
Wofür „künstliche Intelligenz“ genutzt werden könnte:
Diese Technologie hat zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten, darunter (…) Kunst und mehr.
Wofür „künstliche Intelligenz“ tatsächlich genutzt wird:
Mage zeigt die Eingabe an, die der Nutzer geschrieben hat, um das Bild zu erzeugen, damit andere Nutzer die Bilder, die ihnen gefallen, überarbeiten und verbessern können. Jede dieser Eingaben liest sich wie ein äußerst geiler und wütender Mann, der der Pornhub-Suchfunktion seine niedersten Wünsche entgegenschreit.
Hätte ja keiner ahnen können.
(Übelsetzung von mir; via jwz)
Wäre es angesichts dieser Meldung (Archivversion) …
Der spanische König Felipe beendet heute seine Beratungen mit den Chefs der politischen Parteien über die Bildung einer neuen Regierung. (…) Sollte keine Regierungsbildung gelingen, müsste in Spanien zum Jahresende oder Anfang 2024 erneut gewählt werden.
… nicht leichter, man löste die Regierung auf und ließe denjenigen die Arbeit erledigen, dessen Posten anscheinend nicht in Frage steht?
Es ist Montag. Pointe des Monats: Hahaha! Männer sind hässlich! Das ist so lustig, es fängt morgen beim WDR an.
Gute Nachrichten: Die „christliche“ Kirche hat beschlossen, sich grundlegend zu modernisieren. Nein, nicht so modernisiert: Es gibt jetzt digitale Klingelbeutel. Damit der in vielerlei Hinsicht gestrige Popanz auch von denen finanzielle Zuwendungen erhalten kann, die keinen Bock auf Bargeld haben. Man muss ja sehr aufpassen heutzutage.
Spitzenpolitiker der Linken rufen zu Geschlossenheit auf, entnehme ich den Nachrichten. Das ist lustig, weil sich die Linke mit Schließen ja auskennt. Wegen DDR. Hehe. – Apropos Hehe: Der WDR zeigt alte Witze, die Otto Waalkes anderen Leuten entliehen und dann vorgetragen hat, nur noch mit Warnhinweis, weil sich irgendwer, der wahrscheinlich nicht mal gefragt worden ist, davon diskriminiert fühlen könnte. Ich hätte ja gern einen Warnhinweis „Achtung: diskriminiert gebildete Menschen“ vor dem Warnhinweis, aber wenn man dem WDR das vorschlägt, dann guckt er wieder so.
Guter Bandname: Feng-Shui-Beraterin Hiltrud J. Pornschlegel. Bessere Musik: Yawning Man.
Guten Morgen.
Einerseits möchte die Pipikackdrecksarschmistmusikindustrie unter Aufbietung aller Kräfte (d.h. Penunzen) das Great 78 Project wegklagen, weil es Schallplatten, die zwischen 70 und 120 Jahren alt sind, archiviert und als Bibliothek zur Verfügung steht und es anscheinend den Künstlern enorm weiterhilft, auch 120 Jahre nach den Aufnahmen noch nicht gemeinfrei zu sein. Denn genau das ist ja die Aufgabe eines Rechteverwalters: Die Rechte des Mandaten in dessen Sinne zu vertreten. Oder?
Andererseits möchte die Verlagsindustrie unter Aufbietung aller Kräfte (d.h. Penunzen) ChatGPT und angeschlossene Netze wegklagen, weil die Pipikackdrecksarschmist-„künstliche Intelligenz“ eigentlich nichts anderes als eine Datenbank mit den Werken anderer Leute ist, ohne diese Leute gefragt zu haben. Da eine Wahrscheinlichkeit, dass sich darunter auch Werke von mir befinden, zumindest gegeben ist, halte ich das für einen guten und richtigen Schritt, denn ich will, dass dieser Unsinn brennt. Das Text- und Bildgenre „haha, guck mal, was der Computer gemacht hat, als ich ihm gesagt habe, was er tun soll“ wäre in Maßen ganz amüsant, mittlerweile hilft aber nur noch Abreißen und Neubauen, fürchte ich, um da wieder etwas Augenmaß hineinzubekommen.
Ich weiß nicht, ob ich mich mag.
Lange nichts mehr über Musik geschrieben.
Manchmal, langjährige Leser erinnern sich, ist der Autor dieser Zeilen ein wenig melancholisch gestimmt. Dann schreibt er keine bissigen Satiren und auch sonst nur wenig, verzichtet gar auf den üblichen „Krach“ (Quelle: Banausen), der hier manchmal als Empfehlung erscheint. Stattdessen sitzt er, wie man so schön sagt, mit einem anständigen Glas Whisky – zwei Fingerbreit, aber das geht ja in beide Richtungen – im stillen Kämmerlein und hört oft (zu oft) Musik, die diese Melancholie nicht etwa wegmacht, sondern fördert.
Der Autor dieser Zeilen ist manchmal ein bisschen blöd.
Diese Blödheit nun unterstützt vortrefflich „Vom Wissen und Wollen“ (TIDAL, Amazon.de) , das 2016er Studioalbum der seit 2018 pausierenden Musikgruppe Heisskalt, irritierend mit Doppel‑s geschrieben; also der Bandname, nicht der Titel des Albums. Der muss so. Außer mir hat das Album sowieso jeder schon vor Jahren gehört, also ist es wahrscheinlich völlig egal, wie ich es finde. (Und zwar ziemlich gut.)
Die Texte – dargeboten oft mit fordernder Inbrunst, manchmal immer noch ein bisschen an The Hirsch Effekt (ohne Orchester) erinnernd – erfüllen das Klischee, das man an hiesige Post-irgendwas-Bands („Post-Hardcore“) üblicherweise als Maßstab anlegt: immer ein bisschen traurig, immer ein bisschen wütend. Immer ein bisschen wie ich. Die zugrundeliegende Musik lebt von überraschenden Wendungen, Elektroexperimente eingeschlossen, nach denen ich spätestens seit The Notwists „This Room“ längst aktiv suche. Auf viele Arten mein Lieblingsstück auf dem Album: „Absorber“.
Ich will nur einmal ohne Zweifel sein.
Musikalische Vergleiche aus dem Internet: Turbostaat und Fjørt. Keine Ahnung, was Turbostaat so machen. Die lerne ich wahrscheinlich in so zehn, fünfzehn Jahren auch als letzter Mensch des Landes mal kennen.
Der Telekom-Chef Tim Höttges erklärt, dass das von ihm geführte Unternehmen Europa und speziell Deutschland als immer unattraktiveren Standort bewerte.
Liegt es vielleicht an der schlechten Internetverbindung?
Es ist Montag. Der Verfasser dieser Zeilen hat – passend zum Wochentag – einen neuen Erzfeind: Treppen. Auf Treppen bricht man sich goofy überraschende Körperteile. Ich fordere ein Grundrecht auf Fahrstühle. Wählt mich.
Eine „Ökonomin“, erzählen die Nachrichten, habe vorgeschlagen, das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung zu koppeln. Interessante Frage aus dem Publikum: Was passiert dann eigentlich, wenn man die eigene Lebenserwartung wider Erwarten überschreitet? Und wird man nachträglich mehr Geld bekommen haben, wenn man früher stirbt?
„Ein oberkörperfreier Mann“, teilen unterdessen dpa-Verteiler mit, habe „in Oberbayern betrunken einen Klappstuhl Richtung fahrende (sic!) Autos geworfen“. Oberbayern könnte ich nicht besser zusammenfassen. Unterdessen wird ein weiterer völlig überflüssiger Beruf wegautomatisiert: Radiomoderatoren.
Auch rosa noch menschlich: Musik.
Guten Morgen.
Annika Ross („EMMA“) so:
Einige Unis wollen sogar die Noten abschaffen.
Quo vadis, Unis?
Da die Autorin stolz auf diese hübsche, nur halt falsche lateinische Phrase zu sein scheint, muss diese sogar die Überschrift zieren. Eine schnelle Suche im Internet offenbarte, dass es auch andere falsch machen und „Quo vadis?“ – wohin gehst du? – im Plural verwenden; insofern bleibt zu fragen: Quo vadimus, klassische Bildung?
Die von Elon Musk eingestellte Chefin von X (ehemals Twitter) teilte mit (englischsprachiges Original), das Einstampfen der Marke Twitter sei ein notwendiger Schritt gewesen, um etwas völlig Neues aufbauen zu können. Keinesfalls Teil ihrer Ausführungen, so weit ersichtlich, ist jedoch, warum Elon Musk, wenn er etwas völlig Neues haben möchte, dieses völlig Neue dann nicht auch aufbauen könnte, ohne etwas anderes dafür kaputtzumachen.
Gedanke: Die Existenz von Gewerkschaften zögert die Notwendigkeit der Revolution hinaus.
Am 12. August 1995, morgen vor 28 Jahren also (ich kann auch nichts dafür, ich möchte ja auch lieber nicht darüber nachdenken), wurde ein Mörder vor einer Überdosis gerettet, damit er bis zur Vollstreckung des Todesurteils am Leben bleiben möge. Nicht, dass der zu Tötende noch stirbt!
Zum gegenwärtigen Zustand der EDV noch so viel: Es ist aus Versehen möglich, Windows 11 ohne Beipacksoftware wie Candy Crush Saga zu installieren. Microsoft erkennt diesen Umstand als üblen Fehler an und verspricht eine schnelle Lösung. Schade eigentlich.
Der Hauptbahnhof Hannover soll einen Monat lang zur waffenfreien Zone werden. (…) Neben Messern aller Art sind unter anderem auch Pfeffersprays und Teleskopschlagstöcke verboten. Wochentags gilt das Verbot in der Zeit von 18 bis 2 Uhr nachts und an den Wochenenden durchgängig in der Zeit von Freitag, 18 Uhr bis Montag, 2 Uhr.
Bin in sechs Stunden da. Cowabunga!
Es ist Montag. Der Nazi der Woche, so erzählt’s Reuters missverständlich, ist Bargeld. Ich kann das alles nicht mehr.
Schöne Idee für eine Softwarelizenz: Freie Software, aber man darf niemandem erzählen, von wem sie eigentlich stammt. Ich glaube, die nehme ich in Zukunft für diejenigen meiner Programme, von deren Qualität ich selbst nicht überzeugt bin. – Auch nicht überzeugend: Ein Supermarkt wirbt mit Kaffeebezug für „Revolution! Das Kapsel-System ohne Kapsel.“ So was habe ich schon seit Jahren zu Hause, es heißt Filtertüten. Ich alter Revoluzzer.
Apropos Revolution: Die F.D.P.-Fraktion im Bundestag stellt fest, dass die weitere Inhaftierung von Alexej Navalny nur bedeuten kann, dass Putin „Angst vor der Demokratie“ habe. Was ihre transatlantischen Freunde insofern von der Demokratie halten, indem diese Julian Assange seit weit über 1.000 Tagen unter Folter festhalten lassen, haben hinreichend viele Kommentatoren gefragt, eine Antwort blieb jedoch bislang aus. Schade.
Apropos schade; „n‑tv“ berichtet über zwei mir bis dato unbekannte Internetsternchen:
Innerhalb kürzester Zeit gelang es ihnen, mit sogenannten Lipsync-Videos zu englischsprachigen Pop-Hits eine stetig anwachsende Fangemeinde zu versammeln. Dabei bewegen die Influencerinnen ihre Lippen synchron zu angesagten Songs.
Ich finde ja, es war ein Fehler, das Internet für die Weltöffentlichkeit allzu einladend zu gestalten. Zum Ausgleich: Musik ohne Text. Das verhindert zuverlässig irgendwelchen lipsync. (Schönes Wort für Küssen auch.)
Guten Morgen.
Über den Intimbereich von Frauen erfährt man neuerdings mehr als nötig. Da kann das Magazin „myself“ – Untertitel: „Wir machen Frauen stark“ – freilich nicht zurückstehen und titelt auf seiner noch aktuellen Augustausgabe: „Intim-Kosmetik: Braucht man das?“. Damit es nicht so aussieht, als wolle man seitens der Redaktion vor allem verunsichern, dominiert aber die Anleitung zur Gelassenheit, nämlich sowohl „How to be cool! In jeder Lage souverän sein“ als auch „Entspannt statt ausgebrannt: Ein-Minuten-Mantras zum Runterkommen“, die Titelseite.
Wie man in einer Diskussion über „Intim-Kosmetik“ souverän sein kann, würde mich tatsächlich interessieren, also schlage ich im Innenteil (auf Seite 22) nach.
Stimmt schon: Niemand sagt heute noch „cool“, aber alle wären es gerne – ein paar Tipps
Es handelt sich um acht Tipps, um einen pro Seite, und sie sind allesamt schrecklich. Ich zitiere mal nur aus zwei davon, zu viel Souveränität ertrage ich nicht.
Das coolste Tier der Welt? Die Katze, weil sie ihr Ding durchzieht.
Ich hätte ja stattdessen den Pandabären genannt, weil er den halben Tag frisst und den halben Tag schläft und insofern nicht nur ebenso sein Ding durchzieht, sondern auch gar keinen großen Bock auf dauernde action hat, aber Katzen sind ja auch ganz in Ordnung. Die Essenz dieses Tipps lautet jedenfalls, man solle halt machen, worauf man Bock hat. Leider ist vieles von dem, worauf ich Bock habe, illegal und ich weiß nicht, ob „miau, ich bin eine Katze“ vor Gericht zum Freispruch reicht.
Ein weiterer Tipp ist gar keiner:
Was sich (…) nicht aufhalten lässt, ist das Altern. Man kann nicht ein Leben lang wie 30 oder 40 aussehen.
Auch ich werde dereinst, sofern ich nicht vorher erschlagen werde (was ich immer noch für nicht unwahrscheinlich halte), aussehen wie ein alter Lappen. Das zu wissen versetzt mich nun nicht gerade in souveräne Coolness, aber ich bin ja auch noch keine 40. Vielleicht kommt das noch. Ein Ein-Minuten-Mantra (Doppelseite 34/35) soll’s richten:
Use it or lose it.
Nein, das lieber nicht. Lieber das:
Ich kann jederzeit etwas ändern.
Man muss ja nicht älter werden, wenn man nicht will.
Es gibt in dieser Ausgabe der „myself“ einen weiteren Text, der „F*ck, bin ich das Problem?“ zur Überschrift hat. „Fsternck“ sagt man also noch. Ich gehe grundsätzlich immer davon aus, dass Menschen, die sowohl auf englischsprachige Flüche zurückgreifen als auch diese dann sicherheitshalber (warum?) selbst wegpiepen (und sei’s nur schriftlich), das Problem sind und möchte mich hier insofern selbst nicht vom Inhalt des Textes beeinflussen lassen.
Eine August‑, nein: „August/September“-Ausgabe gibt es auch von der „Cosmopolitan“, die sowohl mit „Ferien-Sex, der fünf Sterne verdient“ als auch mit „Augenrollen ist auch ein Sport: Warum innerlich Lästern guttut“ betitelt ist. Bestimmt könnte man das miteinander zu einer guten Pointe kombinieren, aber ich mag nicht.
Der Text über das Lästern beginnt mit einer Bitte um Ehrlichkeit, aber wenn ich ehrlich bin, bin ich gar nicht so.
Endlich Urlaub, endlich entspannt … glotzen! Seien wir ehrlich zu unserer toleranten Grundhaltung, nichts macht mehr Spaß, als sich an Pool und Buffet über die anderen Urlaubsgäste lustig zu machen.
Die „Cosmopolitan“ dürfte damit offiziell das deutscheste Frauenmagazin sein, das am Bahnhofskiosk herumliegt. Der „Landser“ ist ein Witz dagegen. Es werden fünf Arten von Urlaubsgästen genannt (darunter die „Alman-Annette“ und die „Strandprinzessin“), über deren Eigenheiten man sich seitens der Redaktion zu beömmeln pflegt, jedoch ist „die blöde Nuss, die in der Cosmopolitan gelesen hat, dass es echt toll ist, sich über ihresgleichen lustig zu machen, und damit jetzt den ganzen Urlaub zu verbringen gedenkt“ nicht dabei. Schade.
Auf Seite 106 ist eine Frau abgebildet, die offensichtlich unter ihrem weitgehend durchsichtigen Kleid keinen BH trägt. Der Text daneben weist darauf hin, dass sie einen total verführerischen Lippenstift trage, aber so weit nach oben habe ich noch nicht geguckt. Was für eine Verschwendung von Lippenstift!
Einer der wenigen Männer im Heft, Cornelius Pollmer (sonst mit dem Föjetong der „Süddeutschen“ beschäftigt), kommt in dieser Ausgabe mit einer Kolumne zum Thema Sommer zu Wort. Die Kolumne trägt die Überschrift „Man wundert sich“, eine Zwischenüberschrift heißt mehrfachpluralisierend „In den AGBs des Sommers lauern Tücken“. Man wundert sich. Sein Kollege Yannick Werani, dem die letzte Inhaltsseite zur Verfügung stand, gesteht dort zweispaltig, dass er sehr gern im Zug die privaten Nachrichten anderer Leute mitlese. Er sei bisher nur einmal dabei erwischt worden, aber er „würde es immer wieder tun …“, denn die Frau, vor deren Aufmerksamkeit sich in Acht zu nehmen ihm nicht gelungen war, habe sich lediglich weggesetzt und ihm nicht etwa nachdrücklich aufgezeigt, welche Konsequenzen dieser fehlende Respekt vor dem Privatleben anderer Leute haben könnte, wenn diese kein zivilisiertes Mitglied der Gesellschaft sind.
Ich neige selbst nicht dazu, meine private Korrespondenz dort zu erledigen, wo Dritte zuschauen, jedoch stelle ich fest, dass ein Foto von Yannick Werani neben seinem Text zu sehen ist. Er sieht genau so aus wie jemand, über den die übrige Redaktion im Urlaub wahrscheinlich ausgiebig lästern würde, und scheint das dringende Bedürfnis zu haben, endlich mal vermöbelt zu werden.
Die nächste Ausgabe der „Cosmopolitan“ kommt am 5. September raus und enthält, verspricht der Innentext, unter anderem einen Text darüber, was man machen könne, wenn ausnahmsweise mal der Mann in einer klassischen Paarbeziehung keine Lust auf Beischlaf hat. Ich glaube, die kann ich aber nicht kaufen. Ich hab’ Migräne.
Im März 2021 schrieb ich, der Verödung von Innenstädten könne man mit dem Bau von Einkaufszentren keineswegs entgegenwirken. Einen nicht unerheblichen Aspekt hatte ich dabei noch gar nicht erwähnt.
Ich komme allmählich in das Alter, in dem ich so etwas wie eine Kneipenkultur entwickle. Ich denke offen darüber nach, das Wort künftig mit Doppel‑P zu schreiben, weil das dann so schön nach Fußbad und nicht hässlich nach „der alte Mann orgelt sich achtarmig Fusel rein“ klingt. Was davon im Übrigen zutrifft, überlasse ich der Fantasie des Lesers. In einer mir bis dahin unbekannten Kneipe in einer ansonsten nicht weiter interessanten Stadt jedenfalls geriet ich vor einer Weile – das passiert mir neuerdings des Öfteren – mit dem Wirt ins Gespräch, einem redefreudigen Auswärtsstämmigen, der es mehr oder weniger geschafft hat, sein mittlerweile eigenes Etablissement durch die Krise zu tragen. Das ist nicht allen gelungen, was ich bedaure.
Es war ein eher ereignisarmer Wochentag, weshalb man in dieser Kneipe kein enthemmtes Gedränge vorfand, sondern eine einstellige Zahl an Gästen, die sich im Laufe des Abends auf drei reduzierte. Es sei ja, klagte der Wirt, nicht mehr so viel los, seit die Leute sich daran gewöhnt haben, abends blöde zu Hause zu sitzen. Schon zuvor allerdings war ein gesellschaftlicher Wandel zu erkennen und die da oben sind daran schuld.
Vor etwa zwanzig Jahren boomte (also bumste) die Bautätigkeit der in mehrerlei Hinsicht stillosen ECE Group in Niedersachsen, mehrere Städte erhielten unfassbar hässliche Einkaufszentren anstelle der zuvor an derselben Stelle befindlichen Parks oder sonstigen Flächen. Dass kurz darauf der Internethandel dazu führen würde, dass zusehends mehr Menschen sich das alberne Geschubse in diesen Geschäften schlicht ersparen würden, hätte man zwar ahnen können, aber es hat ja auch offenbar niemand von Belang danach gefragt. Jetzt stehen die Klötze da und keiner will mehr rein. Tja.
Zu denjenigen Gebäuden, die vor ein paar Jahren auf Geheiß eines anderen Investors einem Einkaufszentrum weichen mussten, gehörte in mindestens einer Stadt auch eine seit Jahrhunderten etablierte Kneipe. Das ist zwar, für sich genommen, zunächst einmal nur eine einzelne Anekdote, aber das Ausdünnen der Kneipenlandschaft bei gleichzeitiger rasanter Ausdehnung von Läden beobachte ich mittlerweile hinreichend lange, so dass ich mindestens eine Korrelation erkenne: je mehr Konsum, desto weniger Geselligkeit.
Man kommt im Supermarkt nicht mal eben mit Fremden ins Gespräch, sieht man von den Panikhamstern jeden Sonnabend – morgen is’ zu, morgen is’ Weltuntergang – ab, die Umstehende gern darauf hinweisen, dass ihresgleichen zu lange an der Kasse steht, wenn ihresgleichen vor ihnen dran ist. Ein Herumgedrücke auf dem Smartphone ersetzt kein Bruderschafttrinken am Altholztisch. Auf Supermarktregalen hinterlässt niemand (warum eigentlich nicht?) seltsame Zeichnungen oder wenigstens die Anekdote, er sei „hier gewesen“. Der Mensch vereinsamt nicht wegen des Digitalen, sondern, weil er mit der Abschaffung des Analogen ins Digitale getrieben wird. Biertrinken vor’m Computer ist unbefriedigend, so lange der Körper nicht danach verlangt. Dann allerdings ist es für vieles zu spät, was auch – gerade – eine Kneipe nicht mehr zurückholen könnte.
Mehr Einkaufszentren zu und mehr Kneipen auf. Eingekauft wird online, gefeiert wird, wo Platz ist. Was spricht eigentlich dagegen?