Die Menschheit hat es mittlerweile ohne auch nur den geringsten Hauch von erkennbarer Selbstironie geschafft, den Kreis von „wir bauen alles selbst“ über „wir bauen Computer, die uns das Bauen abnehmen sollen“ und „wir lassen Computer uns das Bauen abnehmen“ hin zu „wir bauen alles selbst, brauchen aber ein Vielfaches an Energie dafür“ zu vervollständigen, missversteht den Umstand, dass sie es für zielführend hält, ein Computersystem aufrechtzuerhalten, dessen wesentliche Bedingung es ist, dass man viel Arbeit (= Zeit = Geld) in die Konzeptionierung des Dialogs mit ihm investiert, damit es mit einer größeren Wahrscheinlichkeit als „vielleicht“ das umsetzt, was man in derselben Zeit selbst auch schneller und besser hätte umsetzen können, aber aus einem mir noch nicht ganz ersichtlichen Grund als Fortschritt.
Musikalisches Fundstück der Woche (bisher): KALAC, trotz der schlimmen Gesangssprache (Französisch mag ich, so weit es Gesungenes betrifft, noch immer nicht besonders) eine mindestens als annehmbar zu betrachtende französische Psychedelicgruppe, die den Spagat zwischen Postrock und Krautigem ganz gut hinbekommt.
Völlig überraschend haben sich für die Ukraine kämpfende Truppen als Kriegsverbrecher herausgestellt. Da liefert man doch gern schweres Geschütz.
Gute Nachrichten: Die „taz“-Homopolizei, bei der man auch sonst ein eher albernes Verhältnis zu sprachlichem Ausdruck hat, hat endlich verbindlich definiert, was Lesben dürfen und was nicht. Meine Leser sind selbstverständlich dazu angehalten, sich danach zu richten oder auch nicht.
In den einschlägigen sozialen Netzwerken wird mir dieser Tage des Öfteren das alte Zitat der jung verstorbenen Amy Winehouse, sie schreibe „Lieder über Dinge“, mit denen sie Probleme habe und die sie überwinden müsse, und sie müsse so „etwas Gutes aus etwas Schlechtem machen“, vergegenwärtigt. Interessehalber gefragt: Wissen diejenigen, die dieses Zitat als Inspiration begreifen, eigentlich, wie gut das bei der Zitatgeberin geklappt hat?
Es ist Montag. In Köln gab es gestern eine Christopher-Street-Day-Parade. Über eine Million oft schrill gekleidete und geschminkte Menschen mit homo- und/oder bisexuellen Neigungen säumten zu schrecklichen Klängen die Straßen. Darüber zu berichten, wie viele Medien es taten, ist sinnvoll, denn im Prinzip klingt das wie jeder andere Tag in Köln auch. Wohl kaum jemand hätte die Parade andernfalls bemerkt.
Wer woke ist, der ist – statistisch betrachtet – weniger glücklich als der Bevölkerungsdurchschnitt. Zum Glücklichsein gibt es allerdings auch bei normalen Leuten kaum einen Anlass. Ein aktuelles Beispiel aus der Politik: Die Europäische Kommission wird jetzt von Neofaschisten getragen. Haha, diese Briten. Die wissen ja gar nicht, was ihnen entgeht. Man könnte fast ein Tisch werden. (Oho, da ist doch wieder jemand albern und kindisch in diesem Internet. Das ist doch wieder überhaupt nicht lustig ist das doch nicht.)
Apropos: In Deutschland finde man bisweilen Menschen mit Schildern, klagen ein paar Aktivisten. Aus irgendeinem Grund ist es derzeit anscheinend unzulässig, diese schlicht zu ignorieren, weshalb vom Gesetzgeber unbedingt etwas gegen Menschen mit Schildern unternommen werden muss. Der Menschheit bliebe viel Ärger erspart, lernte sie mehrheitlich, Artgenossen mit unzureichend dezent vorgetragenem Anliegen als allenfalls drollige Kerlchen (m/w/d) zu begreifen. – Ebenfalls in Deutschland, insbesondere in Potsdam, erfahre ich unterdessen, seien eigens gepflanzte Bäume, die zu dem Zweck ausgewählt wurden, dass sie der Erderwärmung standhalten sollten, unlängst an den Folgen von „Spätfrost“ eingegangen. Das ist witzig.
Joseph „Joe“ Biden, „Jr.“, möchte nach der kommenden Wahl nicht mehr US-Präsident sein, lese ich in offenkundig darob bedrückten Onlinezeitungen, die währenddessen geflissentlich ignorieren, dass er insofern von seines Amtsvorgängers Amtsvorgänger ein „Patriot von höchstem Rang“ genannt wird. Den Kandidaturverzicht kann ich verstehen, diese Aufgabe sollte man jemandem überlassen, der mehr Lebenserfahrung hat. (Ich möchte jetzt übrigens auch von den USA „sanktioniert“ werden. Von den USA „sanktionierte“ Staaten haben sicherere Infrastruktur. Wen muss ich angreifen?) Warum genau deutsche Medien jedoch neuerdings der Ansicht sind, ein als glühender Verfechter von Patriotismus Verstandener sei ein irgendwie linker Politiker, möge jemand ergründen, dem das weniger egal ist als mir.
Musik zur Zeit: Fehlfarben. (Darf man die eigentlich noch hören?)
Es stimmt schon, was der Nutzloskonzern CrowdStrike auf seiner Website erzählt:
Was nicht läuft, kann von Microsoft auch nicht riskiert werden. (Ich frage mich manchmal, wie viele Verluste sich große Unternehmen im Jahr sparen könnten, ließen sie die Finger von „Sicherheitssoftware“.)
Nackte Zahlen: Mit dem bis 2028 geplanten „Wehretat“ (das ist ein unnötig gehobenes Wort für das, was normale Menschen eine Kriegskasse nennen) von 80 Milliarden Euro ließe sich das von Verteuerung bis hin zur Zwecklosigkeit bedrohte „Deutschlandticket“, an dem mich bisher vor allem der beknackte Name stört, in der derzeitigen Form übrigens jeweils 26 Jahre lang finanzieren. Und es wäre sogar noch etwas Geld für neue Schienen übrig.
(Ausnahmsweise schöne Wortwahl bei „heise online“ hierzu: Die Bundeswehr könnte demnächst mit oder ohne funktionsfähige Gewehre etwas erobern, nämlich Funkfrequenzen, die ihr gar nicht zustehen. Ich finde ja, der Markt sollte das regeln. Bundeswehr privatisieren!)
Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Bundeswehr abgeschafft gehört.
Der Nato-Gipfel in Washington zeigt: Das Militärbündnis strebt keinen Sieg der Ukraine an. (…) Es sei „bereits ein enormer Sieg“, sagte im Dezember Präsident Joe Biden, dass die Ukraine überhaupt noch existiere. (…) Bleibe sein Land unabhängig, sagte Selenskyj kürzlich in einem Interview, (…) wäre das eine Grundlage für das Ende des Krieges.
Mir scheint, alle relevanten Entitäten seien sich diesbezüglich mit Wladimir Putin einig und es fehle nur noch eine Unterschrift. Das deutsche Föjetong und Manuela Schwesig brauchen aber noch ein bisschen.
Es ist Montag. Eine Meldung vom Mai 2024: Der US-amerikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump möchte mehr Rechte für Waffenbesitzer. Das ist witzig, aber die Pointe erkläre ich euch nicht.
Neues von der Digitalisierung: Im Internet hatte jemand die Idee, „künstliche Intelligenz“ (das ist dieses rätselhafte Überwesen, das den Menschen neuerdings von Verantwortlichkeit befreit) einfach per Texterkennung am Funktionieren zu hindern. Ich gebe das an dieser Stelle mal weiter. Es wird ja auch nicht besser: Sanifairs Fäkalnachweise gibt es jetzt auch per App. Den offensichtlichen Scherz, dass das wohl eine „Scheißidee“ sei, überlasse ich meinen Kommentatoren. „Das Elend ist der Skandal, nicht das Verhalten der Elendigen“ (K.I.Z.), wie’s eben zum Thema passt. (Erkenntnis des Wochenendes im quasi gleichen Zusammenhang: Wenn man seinen Mailserver nicht mit einem selbst‑, sondern mit einem Let’s‑Encrypt-signierten Zertifikat ausstattet, dann kann man ihn auch mit Apples Mailprogramm benutzen, das ein bisschen… eigen ist. Andererseits: Wer, wie ich, ohne unbedingte technische Notwendigkeit seinen eigenen Mailserver betreibt, der sollte ohnehin ein gerüttelt Maß an Masochismus sein eigen nennen.)
Angeblich nicht mal eintausend Menschen in Deutschland sind divers. Jeder Fußballclub, der mir gerade einfiele, hat mehr Mitglieder. Zur gesellschaftlichen Relevanz des Christopher Street Days und angeschlossener politisch gemeinter Krawallsek- und ‑aktionen ist damit von meiner Seite alles Nötige mitgeteilt. Näheres regelt ein Bundesgesetz.
Und da wir gerade beim Elend waren und sind: Während „ganz Deutschland“ sich noch darüber empört hat, dass russische Soldaten neulich ein Krankenhaus angegriffen haben, zerlegte das israelische Militär, unterstützt von ebenso „ganz Deutschland“ (man ist ja neuerdings wieder flüssig), am Wochenende unkommentiert ein Flüchtlingslager. Vielleicht wäre die Einordnung dieses Treibens leichter, gäbe die Bundesregierung eine Liste von Staaten raus, deren Bürger es verdient haben, dass man sie mit deutscher Hilfe umbringt. Diese ständige Überlegung per Opferpyramidenbingo bei völkerrechtswidrigen Übergriffen, ob wir jetzt dem Angreifer oder dem Angegriffenen größtmögliche Verluste wünschen, ist doch sehr zeitraubend.
Einerseits könnte ich heute nur Jazz hören. Andererseits hat Jim Haynes gestern, maßgeblich inspiriert von dem Mannheimer Irgendwas-mit-Industrial-Musikprojekt Anenzephalia, sein neues Album „inconsequential“ (Bandcamp.com) – schon sein zweites in diesem Jahr – mit dem genauen Gegenteil von Jazz (d.h. mit elektronischen Geräuschen und gelegentlich Sprache vom Tonband) nach vier Jahren Arbeit an selbigem rausgebracht.
Ich höre Autos im Stau, Hubschrauber im Einsatz, Kontoauszugsdrucker, ein Sägewerk, kochendes Wasser, eine alte Standuhr, einen Industriestaubsauger und schlechten Analogempfang in einer Maschinenfabrik. Das letzte Stück trägt übersetzt den Titel „18 Filme über Ted Serios, Kapitel 5, Version 2“ und klingt auch so. Ein industriell stampfender Rhythmus mit pochendem Bass begleitet während des halben Stücks allerlei elektronisches Sirren, Hupen und Rumpeln, bevor nach etwas über sechs Minuten ein Sprachsample eine lange (und auf diesem Album einmalige) Ambient-Klangfläche einleitet, während derer jemand in der Ferne spricht und versucht, einen Radiosender einzustellen, was nach zehn Minuten dann auch fast klappt.
Ein dystopisch kaltes, klaustrophobiefördendes Album, mit dem jede Insel schön einsam wird. Wahrscheinlich könnte man nicht mal auf Sylt was dazu singen. Ich mag das.
„n‑tv“ findet in acht Absätzen, dass es seltsam sei, dass Medien darüber berichten, dass Medien darüber berichten, dass die Sprechblasenfacharbeiterin Annalena Baerbock von einer sehr egalen Partei nicht vorhat, Kanzlerin zu werden.
Unsere Vorfahren träumten von fliegenden Autos, doch demnächst kriegt ihr eure Schuhe nicht mehr zu, weil Nike eine App abschaltet. (Auch noch so ein Konzept: „Apps abschalten“.)
Apropos Vorfahren, ein Zufallsfund: Auf Hexbear fasst jemand Erkenntnisse aus der Wissenschaft zusammen; dass „Religion“ in der heute üblichen Wortbedeutung in manchen anderen Kulturen als der westlichen gar nicht vorkam und ‑kommt und die Pflege der Tradition der Vorfahren das genaue Gegenteil eines „Glaubens“ ist. Darüber hatte auch ich so noch nicht nachgedacht; wieder was gelernt.
Kurze Durchsage von irgendwelchen Open-Source-Heinis, die augenscheinlich auch sonst wenig Konstruktives zu leisten imstande sind: Rein technisch orientierte Programmierprojekte ohne Belehrungsbedürfnis sind rechtsradikal. Hier geht es zwar nur um das Browserprojekt Ladybird, eine Art NetSurf ohne alles, was NetSurf interessant macht, aber auch ich möchte von derlei Gestalten gar keine Beiträge zu meinen eigenen Open-Source-Projekten bekommen und werde daher künftig mein Bestes tun, so wenig „inklusiv“ wie möglich Readmedateien und – wo nötig – Handbücher zu verfassen. Sollen die doch ihre eigene Zeit stehlen. Sie scheinen ja genug davon zu haben.
Ausbleibende Überraschung des Tages: Je mehr eurer intimen Kommunikation automatisch irgendwelchen anderen Leuten übermittelt wird, desto weniger Straftäter sind darunter.
Sascha von PewPewPew, einer dieser Leute, die mit dem Insinternetschreiben angefangen haben, als es schon nicht mehr cool war (d.h. nach mir), und folgerichtig jetzt zu viel Zeit mit Quatschen (= Podcast) und zu wenig Zeit mit Schreiben verbringt, erkennt trotzdem richtig:
Diese Blogger waren aber Vorbilder und Inspiration. Nicht nur im Sinne von Contentlieferanten, sondern ich sah Menschen verbunden im Geiste.
Es geht eben nicht darum, seinen Lebensunterhalt damit zu verdienen, dass man irgendwelchen Kram ins Netz kübelt (sonst hätte auch ich wahrscheinlich inzwischen ein Whisky‑, ein Musik- und ein Computertechnik-aus-den-90ern-Blog oder wenigstens überhaupt mal etwas, das ich unironisch „Blog“ zu nennen willens wäre), sondern, aufzuschreiben, was gerade durch den Kopf geht.‘Warum man das hier macht (Reprise)’ weiterlesen »
Irgendwo las ich die schöne Formulierung, hier könne man dem Markt beim Regeln zusehen: Hunderttausende finden keine Wohnung, aber fast zwei Millionen Wohnungen stehen leer (Archivversion). Man warf mir neulich vor, ich würde Enteignung propagieren, als ich vorschlug, man solle Obdachlosen eine Wohnung geben. Ich bin mir nicht sicher, ob es als Enteignung zählt, wenn man ungenutztes Eigentum mit Leben füllt. Es geht ja niemandem etwas verloren und das Eigentum darf während des Besitzes ja bleiben, wo es ist. Aber ich bin auch ein außerordentlich untalentierter Kommunist, fürchte ich.
Weitere negative Eigenschaft meinerseits: Uninspiriert (heute). Daher hier jetzt: Musik Musik.