(Das gibt doch wieder Zuschriften.)
Glotzbegleitung
Bekannt sind paarweise auftretende Frauen aus dem Toilettenbereich von Gaststätten: Eine sitzt drin und kackt, eine steht draußen und trägt zur musischen Unterhaltung bei. Wohl der Frau, die was zu lesen mitgenommen hat, doch schade für ihre Begleiterin.
Mir bisher neu, aber heute nicht zu übersehen sind paarweise auftretende Frauen in belebten Innenstädten: Eine glotzt schreitend aufs Smartphone, eine hält Schritt und passt auf, dass Erstgenannte sich nicht die Rübe an der nächsten Laterne zerschlägt. Zumindest hier ist die Jobsicherheit momentan alternativlos.
Russland deklassiert die Five Eyes
Unterdessen in der Schweiz:
Der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) reagiert und verschärft seine Warnung. «Die grösste aktuelle Bedrohung durch Spionage geht von russischen Nachrichtendiensten aus», sagte NDB-Sprecherin Sonja Margelist gegenüber der «SonntagsZeitung».
Besser hätte ich NSA und GHCQ gar nicht dissen können.
Bahnvabingo (2): Die Zumutungen der Anderen
Insbesondere der viel zu kurze Vorlauf von nur 22 Stunden im Güterverkehr ist „eine blanke Zumutung“, so DB‑Personalvorstand Martin Seiler. (…) „Diese Unplanbarkeit des Zugverkehrs ist nicht hinnehmbar. Menschen müssen zur Arbeit, Waren müssen in die Fabriken, Kohle muss in die Kraftwerke, ohne die Bahn geht nichts mehr in diesem Land.“
Auch Deutsche Bahn (Archivversion):
Mehr als ein Drittel aller Fernzüge der Deutschen Bahn haben im vergangenen Jahr ihre Bahnhöfe nicht pünktlich erreicht. (…) Als pünktlich gelten auch Fernzüge mit Verspätungen unter sechs Minuten.
Eine blanke Zumutung. Nicht hinnehmbar.
Six Days of Calm – Transition // Hipster mit Frameworkfimmel
Es ist Montag. Beteiligte an der letzten „großen Koalition“, die ohne Anführungszeichen zu schreiben nur Zynikern einfallen würde, räumen, entnehme ich den Nachrichten (Archivversion), neuerdings ein, dass die Verschwörungstheorien der sich „Querdenker“ nennenden Agitatoren in Teilen nicht unbegründet waren. Man habe falsche Erwartungen geschürt und sei allgemein eher dumm gewesen. Sie sagen das, als hätten sie daraus etwas gelernt.
Woraus man auch etwas lernen könnte: In der heute beginnenden Woche wird abermals, gegen den Willen auch eines Teils des Zugpersonals (vgl. aktuelle „F.A.S.“), die Deutsche Bahn bestreikt werden. Andere Bahnunternehmen sind wie fast immer nicht betroffen, andere Bahnunternehmen bekommen aber auch weniger Geld. Apropos Geld: Warum müssen Bürger eigentlich immer noch für Fahrkarten für ein Verkehrsmittel, das ihnen ohnehin gehört, selbst welches bezahlen, das über den notwendigen Anteil an Betriebskosten hinausgeht?
Ein Artikel, den heute erst gelesen zu haben mich ärgert: Wie das YouTube-Entwicklerteam einmal den Marktanteil des Internet Explorers implodieren ließ. Damals, als Webentwicklung noch von ein paar Trollen und nicht von irgendwelchen Hipstern mit Stock im Arsch und Frameworkfimmel maßgeblich vorangetrieben wurde. (Im Internet las ich neulich folgenden Vergleich: Ich stelle mir doch keine Boeing 737 in die Garage, bloß weil ich den Aschenbecher von Sitz 28D so mag.) Das war schön.
Auch schön: Musik.
Guten Morgen.
Weltraumschrott
Vorgestern habe „Weltraumschrott“ – „rasend schnell und sehr gefährlich“, ARD alpha – mit Größe und Gewicht eines Autos Deutschland überflogen und sei hernach ins Meer gestürzt, entnehme ich den Nachrichten. Die Unterschiede zwischen „Weltraumschrott“ und einem normalen Menschen scheint sich zusehends auf die gewählte Umlaufbahn zu beschränken.
Wahlkampf ist Hass
Das Narrativ der Grünen, entnehme ich den Medien (Archivversion), funktioniert momentan ungefähr so: Es gibt ein paar außergewöhnlich dumme Menschen, die der Politik der Grünen nur mehr dergestalt entgegentreten möchten, dass sie ihnen die Büroscheiben einschmeißen, und deshalb sei jeder politische Mitbewerber, der mit den Forderungen der Grünen nicht einverstanden ist und das seinen Wählern gegenüber auch außerhalb der alljährlichen Büttenreden am Aschermittwoch klar kommuniziert, ein Feind der Demokratie und somit quasi ein rechtsradikales Schwein oder mindestens ein Sympathisant derselben.
Ich komme nicht umhin, festzustellen, dass – bei aller Antisympathie für die Ideen der turbokapitalistischen NATO-Partei – ich hier auf zweierlei Art den Grünen nur zustimmen kann: Wer auf politischen Widerspruch nur mit körperlicher Gewalt zu reagieren vermag, der ist ein Dummkopf, und Politiker, die tagein, tagaus den multimedialen Wahlkampf betreiben, obwohl noch gar keine Wahl stattfindet, sind lästig.
Leider muss ich hierzu allerdings feststellen, dass ich diesen Text gar nicht schreiben könnte, hätte ich nicht gegen meinen Willen mitbekommen, was die Grünen von der CSU halten. Die Mehrheit hätte gern ihre Ruhe, kriegt aber stattdessen so ein Gezeter.
Sind Wahlplakate eigentlich Hassverbrechen?
Medienkritik in Kürze: Bahnvabingo
Das ist lustig, …
Falls die DB nicht einlenkt, dann plant die Gewerkschaft, ihren Arbeitskampf in Form von „Wellenstreiks“ fortzusetzen, hat GDL-Chef Claus Weselsky am Montag angekündigt. (…) Damit würde Bahnfahren zu einem Vabanquespiel, zumal es der DB durch die fehlende Vorlaufzeit deutlich erschwert wird, Notfahrpläne aufzustellen.
… denn momentan haben wir es ja eher mit einer Art perversem Bingo zu tun.
Erkenntnisse über Armbanduhren
Eins:
Es scheint ungewöhnlich zu sein, als an Armbanduhren Interessierter nicht noch weitere teure Hobbys zu haben. Ich würde das gern launig kommentieren, aber meine Whisky‑, Platten- und Tastaturensammlungen raten mir nachdrücklich dazu, das lieber bleiben zu lassen. Wer allerdings eine Uhr kauft, die zwei Monatsgehälter gekostet hat, der wird dafür in den einschlägigen Diskussionsräumen bestenfalls als Neuling belächelt und schlimmstenfalls von jemandem ausgelacht, dessen neueste Uhr drei Monatsgehälter gekostet hat.
Zwei:
Die Firma Rolex, bekannt dafür, ihre Produkte vor allem an Menschen zu richten, die nicht mehr so gut gucken können, stellt nach meinem Dafürhalten ausschließlich unfassbar hässliche Uhren her. Das ist für ihre Zielgruppe aber auch nicht so schlimm (die können ja nicht mehr so gut gucken).
Drei:
Die Behauptung, heutzutage seien klassische Armbanduhren obsolet, weil doch sowieso jeder immer ein Smartphone (oft gepaart mit einer Smartwatch) bei sich trage, ist aus mindestens zwei Gründen eine falsche: Zum Ersten ist es außerordentlich lästig, dass es am Arm vibriert, wenn eine Spammail eintrifft, was Smartwatches in ihrer beabsichtigten Funktionsweise ihres vermeintlichen Vorteils gänzlich beraubt, und zum Zweiten sehen Menschen, die etwa beim Rendezvous oder beim politischen Empfang zwecks Uhrzeitermittlung blöde auf’s Smartphone glotzen, dabei ungefähr so stilvoll aus wie Menschen, die rote Clownschuhe oder einen schwarzen Anzug, obwohl sie weder Clown oder Kellner noch Teilnehmer einer Beerdigung sind, tragen.
Vier:
Apropos Smartwatches: Wer dachte, der Kampf zwischen Verbrenner- und Elektroautofahrern werde bereits erbittert geführt, der sollte erst mal an einer Diskussion zwischen Quarz- und Automatikuhrenfans teilnehmen. Dabei spielt das Argument, dass man Batterien, die man überhaupt nicht verwendet, später auch nicht umweltschädlich wegschmeißen muss, in beiden Branchen ungefähr die gleiche Rolle (nämlich eine geringe). Uhren, die fast täglich aufgeladen werden müssen, sind im Übrigen ein Gegenstand des Bedauerns, nicht des Neides.
Fünf:
Kein Mensch, mit dem ich gern im selben Raum sein möchte, benötigt im Alltag die sekundengenaue Uhrzeit. Die grundsätzlich nützliche Fähigkeit, einen Zeitraum von beispielsweise dreißig Sekunden ziemlich exakt zu messen, ist davon unberührt.
Van Groover – Double Wide (live) // Kein Pöbelsenf
Es ist Montag. Aus aktuellem Anlass weise ich die ansonsten meist geschätzte Leserschaft darauf hin, dass der Kommentarbereich („Senfecke“) dieser Website weder ein guter Ersatz für eine eigene Website noch ein geeigneter Ort für derbes Bepöbeln anderer Kommentatoren ist. Den weitgehend mit sich selbst redenden Linksammlern – es gibt Gründe, warum außer mir hier nur ein einziger Gastautor bisher existierte, gerade existiert und jemals existieren wird – empfehle ich, sich einmal mit verschiedenen Optionen auseinanderzusetzen, selbst Dinge im Web zu publizieren, den Pöbelheinis und ‑heininnen wiederum lege ich nahe, sich geräuschlos zu verdrücken. Trefft euch stattdessen hinter der Turnhalle oder so und diskutiert das aus wie früher (z.B. mit Yu-Gi-Oh!-Karten). Man dankt.
Drüben bei Polemica wird angeregt, noch schnell – so lange es noch erlaubt ist – Regierungskritik („Hassrede“) zu üben. Zum Glück gibt es dafür immer wieder tagesaktuelle Auslöser. Duisburg „bleibe“ „bunt“, witzelte etwa dieser Tage eine gegenstandslose Demonstration der SPD im gar nicht besonders bunten Duisburg. Die Frage, ob ausgerechnet die SPD, die neuerdings auch mit der AfD zusammen irgendeinen rechten Käse zu beschließen für eine gute Idee hält, sich auf diesen Demonstrationen überhaupt blicken lassen sollte, wurde bereits oft genug gestellt, daher beschränke ich mich auf anderthalb Verständnisfragen: Welche Farben sind bei „bunt“ nicht mitgemeint und warum nicht? Dass alle nur für irgendwelchen Blödsinn demonstrieren, jedoch ausgerechnet diejenigen, die laute Fürsprecher dringend gebrauchen könnten (etwa Arbeits- und Obdachlose), im Straßendiskurs momentan schlicht nicht vorkommen, ist in so einem Wahljahr ja auch noch eine bemerkenswerte Entwicklung. Irgendwo in der sächsischen Provinz hat am Wochenende ein parteiloser Kandidat der AfD einen Bürgermeisterposten gewonnen. Dies wird spätestens nächste Woche die gefährlichste Diktatur der Welt sein, wenn ich die Berichterstattung richtig verstehe. Sollen sie sich halt Sekundenkleber und/oder einen Traktor kaufen, die Arbeits- und Obdachlosen, wenn sie wollen, dass man ihnen zuhört.
Vermischtes aus der schaltjahrgebeutelten EDV: Die verhaftete RAF-Mutmaßliche hatte auf Facebook der Seite „Karma fickt jeden, auch dich“ ein Gefälltmir verpasst, erfahre ich im Internet. Das ist witzig. Der dümmstmögliche IRC-Ersatz Discord wirbt derweil für sein Abonnement „Nitro“ mit dem Versprechen, man könne „bis zu 200 Servern“ („Server“ sind in der Discordwelt gar keine Server, sondern vielmehr Raumsammlungen) beitreten. Übrigens auch möglich ist das im IRC, ganz ohne Abonnement. Aber von einer Gesellschaft, die selbst ihr Militär offen wie eine Postkarte virtuelle Strategiegespräche führen lässt, erwarte ich schon gar kein Mindestmaß an Grundverständnis für Computerbezogenes mehr.
Ich habe gestern mit Freude festgestellt, selbst die erfolgreichsten „TikTok-Stars“ (für die Älteren: das sind mutmaßliche Menschen, die von einer dreistelligen Millionenzahl an meist anderen Menschen dafür gut gefunden werden, vor einer Kamera zu fremdem Liedgut herumzuhüpfen, quasi Milli Vanilli mit einer noch erbärmlicheren Bildqualität) nicht mal namentlich zu kennen. Meine bisherige Lebensenergie habe ich anscheinend nicht auf die ärgerlichste Art und Weise ausgegeben.
Mein liebster Zeitvertreib war, ist und bleibt stattdessen: Musik.
Guten Morgen.
Medienkritik in Kürze: Textaufgabe für den Deutschunterricht
Schreiben Sie diese Meldung (Archivversion) …
Auch der wirtschaftliche Erfolg des Landes habe seinen Beitrag zu einer stabilen Demokratie geleistet. (…) „Wir werden Facharbeitskräfte aus dem Ausland brauchen, wenn wir wirtschaftlichen Erfolg haben wollen“, sagte Steinmeier.
… im Stil dieser Meldung (Archivversion) …
Die „militärische Spezialoperation“, wie der Krieg von der russischen Führung bezeichnet wird, werde „von der absoluten Mehrheit der Bevölkerung“ unterstützt, erklärte Putin. Belege für diese Behauptung lieferte er nicht.
… um.
Frieden zu wollen bleibt legal
Gute Nachrichten: Wer öffentlich sagt, dass Waffen nicht gut sind und Frieden doch schon irgendwie, der wird auch weiterhin nicht weggesperrt, falls ihm dabei keiner zuhört. Folgerichtig schlägt jetzt auch Andrij Melnyk vor, man könnte mit dem Russen doch zur Abwechslung auch mal verhandeln. Der ist Ukrainer. Der darf das.
Liegengebliebenes vom 28. Februar 2024 (KI-Edition)
Hübsche Idee: Den Bundespräsidenten durch ein neuronales Netzwerk ersetzen.
Es wird erst mal kein Auto von Apple geben, die frei werdenden Ressourcen sollen stattdessen der künstlichen Intelligenz zugutekommen. Hoffentlich bringt bald jemand ein zweites Forschungsfeld raus.
Dass reddit beschlossen hat, dass es eine gute Idee sein könnte, Google zwecks KI-Forschung die Inhalte der eigenen Nutzer kampflos zu überlassen, scheinen die Verantwortlichen hinter Tumblr und WordPress.com als Ansporn betrachtet zu haben: Auch Automattic verscherbelt künftig die kostenlos zugelieferten Texte der Ware (meinten Sie: Kunden?). Wer immer noch bei Tumblr und/oder WordPress.com angemeldet ist, der sollte spätestens jetzt damit aufhören.
Kurz angemerkt zu Aaron Bushnell
Das Seltsamste an der Selbstopferung Aaron Bushnells zugunsten der Beendigung des israelischen Völkermordes in Gaza scheint mir zu sein, dass die offensichtlich am nächsten liegende Reaktion eines US-amerikanischen Polizisten beim Anblick eines in Flammen stehenden Mannes diejenige ist, eine Waffe auf ihn zu richten und zu verlangen, er möge sich auf den Boden legen.
Kürzestkritik: (Kostas New) Progrram
Lange nichts mehr über Musik geschrieben.
Ich witzle ja immer gern: Polen rächt sich noch heute für 1939. (Polnisches Knoblauch-Dinkel-Bier auf hiesigen Bierfesten: Schwierig.) Das ändert wenig daran, dass die polnische Gruppe Progrram – mit „rr“ – in der Kurz- wie auch in der Langform ihres Namens (Kostas New Progrram, benannt nach ihrem Mitglied Kostas Georgakopulos) wirklich ziemlich großartigen Krach macht.
Vergleiche: King Crimson auf LSD trifft Frank Zappa auf LSD. Das Album ist egal. Die sind alle so. Man greife zu, wo immer man’s findet.
Großartig.






