Gegenteilig wie schon weiland beim zu Recht längst vergessenen beziehungsweise noch als Treppenwitz durch Altnerddebatten wabernden Internetmanifest – … for porn! – verhält es sich beim heute herumgezeigten (Archivversion) friedenspolitischen „Manifest“, indem zwar ebenfalls unmittelbar nach Bekanntwerden desselben ein allgemeiner Aufschrei ertönte, dass man doch nicht sagen dürfe, was ist, aber diesmal die, die es schrieben, irgendwie überzeugendere Argumente vorzubringen wissen als die, die es lasen.
Coil – Tattooed Man // Politische Instagramsichtbarkeit
Es ist Montag. Günter Hack hört (anscheinend) auf zu bloggen und hat ein paar vernünftige und daher bedrückende Gründe dafür. Es war ein Fehler, die Politik ans Internet anzuschließen. Wir sollten ein neues Internet ohne Politik gründen und die Politik mit den Chatbots im alten Internet allein lassen. – Andererseits: Sogar die Marketingmenschen raten von Chatbots ab.
Auf ähnlichem Gebiet: Die gewohnt weinerliche Partei der Humanisten nörgelt in gewohntem Duktus, es dürfe „nicht sein, dass ein Konzern wie Meta still und leise bestimmt, wer politisch sichtbar ist“, weil ihr aus irgendwelchen Gründen der Instagramaccount zugemacht wurde. Wer aber „politische Sichtbarkeit“ sagt und „auf fremden Plattformen rumhängen“ meint, der stellt dadurch vor allem unter Beweis, dass er für das Mitspielen im politischen Tagesgeschäft offenkundig zu unbedarft ist. Es gibt kein Grundrecht darauf, Kunde bei Facebook zu sein.
(In eigener Sache, quasi: Ein Leben, das so langweilig ist, dass man um Entschuldigung bitten will, weil man mal nicht binnen eines Tages eine Nachricht auf dem Smartphone beantwortet hat, möchte man ja auch nicht führen.)
Ärgerlicher Artikel, wenn auch schon ein bisschen älter: Wenn Männer zum Reisedildo werden. Das muss diese Gleichberechtigung sein, die immer alle haben wollen. Was hingegen wohl keiner mehr haben will, sind die 26 Jahre alten Früh-Emojis von NTT Docomo, die folgerichtig eingestellt werden. Die Natur beginnt sich zu heilen.
Auch heilsam: Musik.
Guten Morgen.
Kurz angemerkt zu Imane Khelif
Das mit Abstand Seltsamste an den jüngsten Entwicklungen hinsichtlich des Falls, der sich letztes Jahr in der olympischen Disziplin „Frauen auf die Fresse hauen“ zugetragen hat und ungefähr lautet, dass ausschließlich „Transfeinde“ und/oder „Russentrolle“ (a.a.O.) es nicht so gern sehen, wenn es (biologisch betrachtet) ein Mann ist, der Frauen auf die Fresse haut, ist meiner Meinung nach übrigens der Umstand, dass „anderen Leuten auf die Fresse hauen“ überhaupt eine olympische Disziplin und kein Anlass zu psychotherapeutischen Maßnahmen ist.
Liegengebliebenes vom 4. Juni 2025
Hüngerchen der Woche: Spargelhäuschen ausgeraubt.
Elon Musk hat herausgefunden, dass eine Behörde gar nicht funktioniert wie ein Twitter und man also dort nicht zum Beispiel Geld einsparen kann, indem man die Kickertische oder so streicht. Grund: Keine Kickertische oder so vorhanden. Schade eigentlich.
Hihihi: „Insgesamt müsse es das Ziel der Politik sein, dass nicht nur Abtreibende, sondern auch Gebärende informierte Entscheidungen treffen und keine Schritte unternehmen, die sie auch Jahrzehnte später noch bitterlich bereuen.“ (Und aber andererseits: Wo ist da die Pointe?)
Ted Unangst, dessen Blog mich mindestens einmal dazu gebracht hat, ein neues Programm zu schreiben, hat versucht, eine Software zu installieren, indem er die dafür vorgesehenen Befehle ausführt. Es lief genau so gut wie man es erwarten würde.
Man brauche, faselt der offenbar von jeder Fachkenntnis unbeeindruckte Häuptling der Bertelsmannstiftung („Bertelsmann Stiftung“, da geht es ja schon los), „eine leistungsfähige Glasfaseranbindung, um KI überhaupt ausspielen zu können“.
Besagter Vorstandsvorsitzender ist übrigens ungefähr zwölf Jahre jünger als der Begriff der „künstlichen Intelligenz“ und ein Jahr jünger als der erste kleine, aber noch nicht so genannte „KI-Winter“, in dem sich 1966 abzeichnete, dass maschinelle Übersetzungen mittels damals bereits ausgespielter „KI“ gar nicht mal so leicht sind. Hätte denen doch bloß wer gesagt, dass sie erst mal Glasfaseranbindung brauchen!
Apropos: Mike Pizzi, der „globale Technik- und Operationskopf“ (übersetzt von mir, weil es die Absurdität noch schöner dokumentiert) von Morgan Stanley, freut sich (Archivversion) über die Errungenschaften „neuer“ „KI“-Programmierhilfen. Diese seien in der Lage, Code „aus einer alten Sprache wie Perl in eine neue Sprache wie Python“ zu übertragen. Perl ist übrigens 37, Python 34 Jahre alt. Ich glaube, da liegt das Problem, das bisher verhindert hat, dass ich ein reicher Schnösel werde: Ich habe wenigstens meist grundlegende Kenntnisse von den Dingen, zu denen ich zu äußern mich hinreißen lasse. Bei Unternehmen wie Morgan Stanley wäre ich da schon im ersten Vorstellungsgespräch raus – klar überqualifiziert.
Heavy Lungs – Mr. Famous // Doctor Maus
Es ist Montag. Gestern hätte ich es fast geschafft, hier einen größeren Umbau durchzuführen, aber es kam etwas Gewichtiges dazwischen: Ich hatte keinen Bock.
Was ich hier auch länger nicht geschafft habe, ist Film- und Serienkritik. Aus aktuellem Anlass möchte ich das kurz nachholen, weil ich immer noch völlig fassungslos bin: Die beiden jüngsten Staffeln von „Doctor Who“, einer Serie, für deren Beginn mitsamt längst verschollenen Episoden ich schlicht nicht antik genug bin, deren als „kanonisch“ geltenden Ereignisse mir aber durchaus geläufig sind, zeugen davon, dass die für Produktion und Drehbuch Zuständigen sich mit der Figur des „Doktors“ nur oberflächlich, mit den Geschehnissen um den jüngst aus der Mottenkiste geholten Omega hingegen überhaupt nicht beschäftigt haben. Die Partnerschaft mit dem Disneykonzern sprießt aus jeder Szene, und ich würde mir eigentlich nur wünschen, mit der Figur Micky Maus dürfte man genau so kreativ umgehen wie die derzeit Verantwortlichen es mit der Figur des „Doktors“ tun. Leider hat Disney ziemlich teure Anwälte und ich nicht.
(Diese Figur des Comicbuchverkäufers bei den Simpsons, der langsam alt und unförmig wird, sich ungesund ernährt und nebenbei im Internet auf die Entwicklung von Fernsehserien flucht? Das bin ich.)
Weiter im Text: Betrunkene Rechtsextremisten schossen einander „aus Spaß“ in die Beine. Wenn das die Herrenrasse ist, kann ich dann bitte kurz die andere sehen? So zum Vergleich.
Unvergleichlich: Musik.
(Aber die kann man doch vergleichen? Ja. Sollte man? Nein. Noch Fragen? Schade.)
Guten Morgen.
Sollen die Leute halt mit dem Panzer fahren.
Weitere Worte nicht notwendig, nett wären sie aber ohnehin nicht: Deutschland bezahlt der Ukraine künftig Mordwerkzeug in Höhe von zwei Jahren Finanzierung des Deutschlandtickets (Archivversion).
Wo bleibt eigentlich die Revolution?
Eine Lanze für Julien Ferrat
Es sind ja nicht alle so, und was im Kleinen gilt, gilt auch im Großen: Mein jahrelanges Anprangern dessen, dass die „Gleichstellung“ dort endet, wo man die im Wesentlichen infolge der Schwertmission eingeführten Regeln zur Enthaltsamkeit – ein Partner muss reichen – für das eigene Leben für nicht zielführend hält, was von der Politik traditionell mit einem gewissen Fatalismus erwidert wird (is‘ halt jetzt so, haben wir immer schon so gemacht), trägt offenbar endlich Früchte (Archivversion).
Zwar ist es nicht so, dass ich bisher zu wenig Aufmerksamkeit auf einen anderen Gesellschaftsentwurf gelenkt hätte, doch fand ich bisher Mitstreiter nur unter vorgehaltener Hand, was sich nun endlich geändert hat. Das wiederum wird per Presse bemängelt, denn es kann nicht sein, was nicht sein darf:
Mannheimer Politiker lädt zum FKK-Swinger-Urlaub ein[.] (…) Die CDU kritisiert den Beitrag im Amtsblatt scharf. «Ich finde den Aufruf an der Stelle hirnverbrannt, weil ich glaube, dass er der Politik eher schadet», sagt Christian Hötting, CDU-Kreisvorsitzender in Mannheim und Stadtrat.
Nun könnte man anführen, dass es in den letzten Jahren, Jahrzehnten gar, nicht an gemeinhin als hirnverbrannt verstandenen Ideen in „der Politik“ gemangelt hätte und es auch …
Die Menschen würden das Verhalten eines Stadtrates auch auf die anderen übertragen und denken: «Die da oben machen so einen Unsinn.»
… zu dem Gedanken „der Menschen“ gekommen sein soll, dass „die da oben“ nur „Unsinn machen“, aber das, was früher schlicht Ablenkung hieß und heute von Idioten „Whataboutismus“ betitelt wird, ist meine Sache nur allzu ironisch, daher schreibe ich das jetzt natürlich nicht. Stattdessen schreibe ich: Ich bin nicht nur als der Politiker, für den mich alle halten, sondern sogar als Privatperson nicht der Ansicht, dass die hier geäußerte Idee für mehr Bürgernähe (hehe) eine deutlich schlechtere ist als die Bitte darum, bei Anliegen dem jeweiligen Sekretariat ein Fax oder so zu schicken und vielleicht, wenn die Planeten richtig stehen, landet dieses Fax oder so dann nicht direkt im Altpapier, sondern wird als Mitteilung des nominellen Souveräns wenigstens zur Kenntnis genommen.
Ich habe bei eigener Anschauung nicht selten festgestellt, dass die Anliegen der von Politik Betroffenen schon auf Stadtratsebene zu oft parteipolitischen Erwägungen weichen müssen, allen Leserbriefen in Nischenmedien („Zeitung“) und empörten Schilderschwenkereien vor dem Rathaus zum Trotze. Ein direktes Bürgergespräch in entspannter Atmosphäre scheint mir oft die weniger kühl wirkende Alternative zu sein. Das Tabu, das ich hier als abzubauen erkenne, ist nicht „igitt, nackte Menschen“, sondern vielmehr „igitt, menschliche Politiker“. Nicht jeder Politiker ist der Papst. Manche saufen gern, manche ficken gern, manche tun beides; und wer schon das Volk vertritt, der sollte doch wenigstens auch vom Volke sein. Dass dieses Volk eines voller Laster ist, das gern „so einen Unsinn“ macht, bedarf hier wahrscheinlich keiner weiteren Erläuterung. Musik, Maestro.
Über Empfehlungen
Meinen Freunden solle ich meist irgendwelche Gutscheine zukommen lassen, stets aber wenigstens eine Empfehlung für das Produkt, wird mir derzeit immer öfter beschieden. Die freuen sich doch bestimmt. Bestimmt freuen die sich.
In der jüngsten Staffel der Serie „Black Mirror“ („1984“ war keine Anleitung, „Black Mirror“ ist aber auch keine) verkörpert Rashida Jones eine Lehrerin, die aufgrund einer lebenserhaltenden Technik im Gehirn plötzlich anfängt, Werbung für irgendwelche Produkte in ein Gespräch einfließen zu lassen. Die Serienfigur nimmt das erwartbare Ende, was hoffentlich jetzt keiner meiner geschätzten – die übrigen sind mir etwas weniger wichtig – Leser mir angedeutet zu haben übelnimmt. Die Staffel ist ja nun lange genug verfügbar. Den Bogen zurück zum Thema schlage ich mit der Frage, ob das das Bild von normalen Menschen ist, das zeitgenössische Unternehmen von ihren Kunden haben.
Sollten hier für die Vermarktung zuständige und also nicht im eigentlichen Sinne berufstätige Mitarbeiter zeitgenössischer Unternehmen mitlesen (die Zeit dafür habt ihr ja bestimmt zwischen zwei eurer albernen Latte Macchiatos), so gebe ich ihnen folgende Mitteilung aus der Sicht eines Kunden auf den Weg: Beliebige Menschen, die anderen Menschen ungefragt Produkte aus wenig mehr als kapitalmotivierten Gründen empfehlen, sind das Letzte, und Freunde, die das tun, sinken in meiner Achtung augenblicklich. Gern bin ich willens, Freunden auf ausdrückliche Nachfrage Empfehlungen, basierend einzig auf meinen eigenen Erfahrungen, zu erteilen, aber normale Gespräche mit anderen Menschen drehen sich jedenfalls in meinen Kreisen äußerst selten um die Einkaufsplanung.
(„Guten Morgen, Herr Bäckereifachverkäufer, nutzen Sie Vodafone-Mobilfunk! Fünf Brötchen bitte.“)
Ich empfehle im Alltag kaum mehr als zweierlei, als da wären: Restaurants, weil ich in Restaurants bisweilen die Begleitung derer, mit denen ich im Alltag freiwillig rede, mag, und Musik, weil diejenigen, mit denen ich darüber rede, normalerweise mögen, was ich ihnen empfehle, und sich nicht selten revanchieren. Ich werbe also nur für meine eigenen Zwecke, mietbar bin ich jedoch nicht. Eine einzige Ausnahme bin ich zu machen bereit: Ein Unternehmen, das mir eine Fläche für Werbung in eigener Sache zur Verfügung stellt, bekommt für dieselbe Dauer vielleicht hier und da einen positiven Kommentar von mir ins Gespräch eingebracht.
Ich schließe nicht aus, dass auf der Werbefläche jedoch das Gegenteil stehen wird, denn vor Unternehmen, die Kunden für willige Plakatträger halten, sollte offenbar etwas eindringlicher gewarnt werden als bisher. So hätten alle etwas davon.
Messa – Fire on the Roof // Taylor-Swift-Dienste
Es ist Montag. Dabei bin ich doch gerade erst mit dem Freitag fertig!
Den Internetnachrichten entnehme ich, dass das scheintote Mozilla den „Dienst“ Pocket einzustellen beabsichtigt. Pocket war, als es noch „Read It Later“ hieß, mein Einstieg in die Welt der webbasierten Lesezeichenverwaltungen. Persönlich nutzte und nutze ich diese Dienste stets als eine Art „Todoliste“, keinesfalls als Ersatz für die Browserlesezeichen. Mittlerweile habe ich ja selbst eine rausgebracht. Zeitenwende, irgendwie. (Korrekte Einschätzung zur anderen Zeitenwende aus Freiburg: „Wenn Opa mehr Soldaten will, soll Opa an die Front.“)
Apropos Internet: Bei „Telepolis“, einem „Angebot“ von „heise online“, erläutert Harald Neuber erfreulich akribisch, wieso „heise online“ hinsichtlich seiner „Angebote“ keinerlei Vertrauen mehr verdient hat. Sind Metaforscher unter meinen Lesern und können mir erläutern, wie meta es jetzt eigentlich ist, dass ich einerseits Telepolis für das Gegenteil von empfehlenswert halte und andererseits mittels solcher Erzählungen überhaupt auf seine Existenz hinweise?
Leider auch noch nicht vollends verschwunden ist die evangelische Kirche, die neuerdings Taylor-Swift-Gottesdienste abhält, was damit zusammenhänge, dass sie (Taylor Swift, nicht die Kirche) in ihren ollen Popschlagern manchmal was Schönes über den christlichen Gott singt. Nun ist es nicht so, dass selbiger in meinem Plattenschrank gar nicht vorkommt, aber normalerweise allenfalls als ironisch eingefügte Nebenfigur. Auch ist es ja nicht so, dass mich an Gottesdiensten die „Musik“ am meisten stören würde (oder jedenfalls nicht mehr als schon der Begriff eines „Dienstes“), aber einen Nine-Inch-Nails-Gottesdienst fände ich wahrscheinlich zumindest interessant.
Bleibt jedenfalls hier scheinbar gottlos: Musik.
Guten Morgen.
Liegengebliebenes vom 21. Mai 2025
Überraschung: Man überzeugt Menschen gar selten mit Argumenten. Die Überschrift gefällt mir gut.
Gedanke: An den strengen Gesetzen in Deutschland, den Umgang mit Toten betreffend, stört mich am meisten die Aussicht darauf, nach meinem Ableben womöglich mit so Leuten am selben Ort zu „ruhen“.
2022 hatte die kanadische Restaurantkette Gabby’s unter allgemeinem Beifall beschlossen, Moscow Mules künftig „Kyiv Mule“ zu nennen, um es dem Russen mal so richtig zu zeigen. Ich habe heute mal spaßeshalber nachgesehen, was daraus geworden ist: Inzwischen nennen sie das Getränk „Traditional Mule“ und es kommt schwedischer Wodka hinein. Ganz schön unsolidarisch.
Lustige Nachrichten aus einem anderen Nordland: In Schweden ist es künftig verboten, Pornobildchen zu kaufen. Haha, diese Schweden. Müssen Pornos künftig gratis gucken, so will es das Gesetz. Schwer haben sie es. So schwer.
Amüsant-bizarre Anmerkung der Woche:
Unklar ist, ob man als Mann jetzt ein Anrecht auf weibliche Freunde hat. Wenn ja: Bekommt man diese nach Männlichkeitsnachweis automatisch gestellt oder muss man ihre Bereitstellung beantragen? Muss man dafür gemeinsame Interessen finden oder reicht schon das Vorhandensein verschiedener Geschlechtsteile? Muss ich die jeweils zugewiesene weibliche Freundin akzeptieren oder gibt es ein Umtauschrecht?
Das „Kötzerchen“ (Quelle u.a.: Reimlexikon, hier scheiternd) der Woche gleich hinterher: Der Nürnberger Zoo möchte ein paar Paviane abknallen, weil selbige einfach zu zahlreich sind. Interessehalber – schon aus ethischen Gründen – gefragt: Wo zieht man hinsichtlich der Gruppe „Lebewesen, deren Zahl zu groß scheint“ eigentlich die Grenze zwischen „darf man umbringen“ und „darf man nicht umbringen“ und warum?
Divide and Dissolve – Withholding // Kabel, Brudi!
Triggerwarnung: Es ist Montag. Letzte Woche wunderte ich mich darüber, dass es preisgünstiger ist, ein Paket von Delaware nach Deutschland zu befördern, als ein Paket von Kalifornien nach Delaware zu befördern. Zum Glück informierte mich infolgedessen jemand über die Existenz des Weltpostvereins und seitdem möchte ich gern brechen. Auch mal schön.
Schlechte Nachrichten für Menschen wie mich, die bisher dachten, Hamburg sei eine lebenswerte Stadt: Die dort bereits Wohnenden hätten mehrheitlich gern auch weiterhin Reklame (Archivversion) im öffentlichen Raum. Ich finde ja, es reicht jetzt mit dem mündigen Bürger. Der mündige Bürger macht nur Unsinn.
Apropos Unsinn: Für die „F.A.Z.“ (will nicht direkt verlinkt werden, LSR) wundert sich Volontärin Anna Nowaczyk, dass die „Generation Z“ – ich warte noch darauf, dass endlich das kyrillische Alphabet dran ist – die drollige Ansicht vertritt, dass Kabelkopfhörer weniger erbärmlich sind (hier meinerseits nicht: seien) als ihre kabellosen Pendants. Diese jungen Leute und ihre deutlich bessere Tonqualität und ihr ausbleibender Bock, dauernd irgendwas an Steckdosen hängen zu müssen. Haha. Eine „heftige Aura“ sollen Kabelkopfhörer haben, man sei gar mit „Kabelüberlegenheit“ gesegnet. Man möchte fast „Digga“ ergänzen. Sheesh Brudi. Cringe as fuck.
(Da steht „fuck“, das gibt doch wieder interessante Suchergebnisse demnächst.)
Auch irgendwie geil: Musik.
Guten Morgen.
Wer 1933 nicht will, muss 1924 verhindern
Die inzwischen zur Volksweisheit avancierte Feststellung, Geschichte wiederhole sich, mit den Kriegskrediten der SPD und deren verheerenden Folgen zu belegen wird sogar mir irgendwann langweilig, daher erwähne ich heute stattdessen mal dies: Wer in sozialen Medien fortwährend 1933 heraufziehen sieht, der kann damit Recht haben, denn die Voraussetzungen sind geschaffen.
Die Bundesregierung werde der Bundeswehr alle finanziellen Mittel zur Verfügung stellen, die sie brauche, „um konventionell zur stärksten Armee Europas zu werden“.
Der nächste deutsche Diktator kann den demokratischen Regierungen aus der Mitte für alles, was sie ihm hinterlassen haben, gar nicht genug danken.
Deutsche Songs mit deutschen Rhymes
Eigentlich wollte ich dieses Jahr nichts Weiteres zum Eurovision Song Contest (den alten Namen fand ich schöner) schreiben, was vor allem dem Umstand geschuldet ist, dass ich eigentlich dieses Jahr keine einzige Sekunde meiner Zeit mit dem absehbar bescheuerten Gedudel verbringen wollte, das im Rahmen der Veranstaltung „für Deutschland“ aufgeführt wird, doch dann las ich bei der „taz“ vermeintlich gute Neuigkeiten:
Mit „Baller“ von Abor & Tynna tritt Deutschland beim diesjährigen Eurovision Song Contest das erste Mal seit vielen Jahren mit einem deutschsprachigen Song an.
Abgesehen von der feinen Nuance, dass ein „Song“ vor allem ein Lied ist (aber gut, „taz“ und Sprache sind einander oft nicht die besten Freunde), hielt ich das ungefähr dreißig Sekunden lang für eine gute Idee. In diesen dreißig Sekunden hörte ich erstmals in das Lied rein, das auszugsweise zum Liedtext eingeblendet wird. Ich rate dringend davon ab, es mir gleichzutun: Dumpfer Bumsbeat (gibt es dafür eigentlich ein passendes deutsches Wort?) in schlichtem Takt mag genügen, um damit bei offenem Fenster an der Ampel zu stehen, aber als Repräsentant zeitgenössischen deutschen Liedguts vor den Augen der Welt ist zumindest mir das Lied eher unangenehm.
Zumal das Deutschsprachige auch da endet, wo die Sprache wichtig wäre, wie der Liedtext im Vorrefrain beredt bezeugt:
Ha, ich glaub’, das war’s, I shoot for the stars
Für Reime mit „Mars“, „las“, „Gas“, „Lars“ oder meinetwegen „SARS“ hat es sprachlich nicht gereicht, welch Farce!
Bonuspointe aus dem Internet:
Abor & Tynna sind ein österreichisches Musikduo[.]
Österreich tritt währenddessen mit irgendeinem englischsprachigen Unfug, den in dreißig Sekunden probezuhören ich mich partout weigere, zum Wettbewerb an. Vermutlich wäre es denkbar, aber unangebracht, daraus einen politischen Witz zu konstruieren.
Medienkritik in Kürze: Bombencola mit Reis
Aus ausgerechnet Oer-Erkenschwick, worüber ich dann jetzt endlich auch mal wenigstens irgendetwas weiß, kommt ausweislich des Websiteimpressums die Palestine Cola, die nicht nur „voller (…) Geschichten aus Palästina“ (ebd.) stecke und also vermutlich nach Leid und Tod schmeckt, sondern überdies ein seltsames Werbevideo (Archivversion) zur Seite gestellt bekam, das wohl aussagen soll, dass, wer die Cola trinkt, palästinensischen Kindern etwas, das wie Reis aussieht, zu essen zu beschaffen hilft, tatsächlich aber aussagt, dass, wer die Cola trinkt, palästinensischen Kindern in die Hinterhöfe außer Bomben und Raketen auch noch Werbeplakate eines westlichen Kommerzunternehmens hängt;
was ja mehr als nur eine Situation zusammenfasst.
Bruit ≤ – Ephemeral // Schachpunks verbieten
Es ist Montag. Hat eigentlich schon jemand vorgeschlagen, aufgrund der akuten Gesundheitsgefährdung Fußball zu verbieten (Archivversion)? (Meinen Glückwunsch den Spielern des HSV, mein herzliches Hihi dem Drumherum.)
Weitere gute Nachrichten: ChatGPTs Antworten werden immer absurder. Man versprach mir, wegen ChatGPT künftig eventuell meinen Arbeitsplatz überflüssig zu machen. Könnte sein: Absurde Antworten zu geben klingt nach einem Traumberuf. Schöner Bilduntertitel dazu bei xkcd: Reductio ad absurdum funktioniert nicht, wenn die Wirklichkeit absurd ist. – Der Überwachungskamerahersteller Arlo hat jetzt eine Schreierkennungsfunktion. Alles Weitere kostet 7,99 US-Dollar im Monat. Keine Ahnung, was die Kamera macht, wenn man das Abonnement nicht bezahlt und jemand schreit. Vielleicht hilft sie dann dem Räuber statt dem Besitzer. Als Verkaufsstrategie.
Apropos absurd: In Deutschland klauen anscheinend Menschen Kartenlesegeräte. Vielleicht war es ja ein Londoner Bettler, das würde sogar ich verzeihen. Unverzeihlich aber ist es offenbar, als Teil der young people in Afghanistan ein Tässchen Tee zum Schach zu trinken. Schach ist böse. Zu meiner Zeit hätt’s das nicht gegeben, da haben sich die young people (außer mir natürlich) noch nicht mal in die Nähe eines Schachbretts gewagt.
Weil sie sonst mit dem Kopf in den Mülleimer gesteckt worden wären.
Gehört in den Kopf auch der young people: Musik.
Guten Morgen.










