Es sind ja nicht alle so, und was im Kleinen gilt, gilt auch im Großen: Mein jahrelanges Anprangern dessen, dass die „Gleichstellung“ dort endet, wo man die im Wesentlichen infolge der Schwertmission eingeführten Regeln zur Enthaltsamkeit – ein Partner muss reichen – für das eigene Leben für nicht zielführend hält, was von der Politik traditionell mit einem gewissen Fatalismus erwidert wird (is‘ halt jetzt so, haben wir immer schon so gemacht), trägt offenbar endlich Früchte (Archivversion).
Zwar ist es nicht so, dass ich bisher zu wenig Aufmerksamkeit auf einen anderen Gesellschaftsentwurf gelenkt hätte, doch fand ich bisher Mitstreiter nur unter vorgehaltener Hand, was sich nun endlich geändert hat. Das wiederum wird per Presse bemängelt, denn es kann nicht sein, was nicht sein darf:
Mannheimer Politiker lädt zum FKK-Swinger-Urlaub ein[.] (…) Die CDU kritisiert den Beitrag im Amtsblatt scharf. «Ich finde den Aufruf an der Stelle hirnverbrannt, weil ich glaube, dass er der Politik eher schadet», sagt Christian Hötting, CDU-Kreisvorsitzender in Mannheim und Stadtrat.
Nun könnte man anführen, dass es in den letzten Jahren, Jahrzehnten gar, nicht an gemeinhin als hirnverbrannt verstandenen Ideen in „der Politik“ gemangelt hätte und es auch …
Die Menschen würden das Verhalten eines Stadtrates auch auf die anderen übertragen und denken: «Die da oben machen so einen Unsinn.»
… zu dem Gedanken „der Menschen“ gekommen sein soll, dass „die da oben“ nur „Unsinn machen“, aber das, was früher schlicht Ablenkung hieß und heute von Idioten „Whataboutismus“ betitelt wird, ist meine Sache nur allzu ironisch, daher schreibe ich das jetzt natürlich nicht. Stattdessen schreibe ich: Ich bin nicht nur als der Politiker, für den mich alle halten, sondern sogar als Privatperson nicht der Ansicht, dass die hier geäußerte Idee für mehr Bürgernähe (hehe) eine deutlich schlechtere ist als die Bitte darum, bei Anliegen dem jeweiligen Sekretariat ein Fax oder so zu schicken und vielleicht, wenn die Planeten richtig stehen, landet dieses Fax oder so dann nicht direkt im Altpapier, sondern wird als Mitteilung des nominellen Souveräns wenigstens zur Kenntnis genommen.
Ich habe bei eigener Anschauung nicht selten festgestellt, dass die Anliegen der von Politik Betroffenen schon auf Stadtratsebene zu oft parteipolitischen Erwägungen weichen müssen, allen Leserbriefen in Nischenmedien („Zeitung“) und empörten Schilderschwenkereien vor dem Rathaus zum Trotze. Ein direktes Bürgergespräch in entspannter Atmosphäre scheint mir oft die weniger kühl wirkende Alternative zu sein. Das Tabu, das ich hier als abzubauen erkenne, ist nicht „igitt, nackte Menschen“, sondern vielmehr „igitt, menschliche Politiker“. Nicht jeder Politiker ist der Papst. Manche saufen gern, manche ficken gern, manche tun beides; und wer schon das Volk vertritt, der sollte doch wenigstens auch vom Volke sein. Dass dieses Volk eines voller Laster ist, das gern „so einen Unsinn“ macht, bedarf hier wahrscheinlich keiner weiteren Erläuterung. Musik, Maestro.