
„Sicherer als Windows” des Tages (34)
Na, auch Linux statt Windows zu Hause?
Dann patcht mal schön euer sudo!
Petitionsmüdigkeit
Eine Erzählung des Erwachsenwerdens geht ja auch so: Ist man noch jung, dann freut man sich über jede vermeintliche Mitbestimmung in Form von Petitionen (früher hieß das drüben noch „Eingabe“), ähnlich wie sich Anhänger der abrahamitischen Religionen darüber freuen, dass ihnen ihre jeweilige Darreichungsform desselben Gottes den Weg des Gebetes offenhält, woraufhin sie dies zuhauf tun und trotzdem nichts passiert. Ist man – wie ich – jedoch ein bisschen älter, dann schöpft man aus Bekanntgaben wie derjenigen von ausgerechnet dem mancherorts vergessenen Aktivistenverein Attac, dass man jetzt die Möglichkeit habe, mithilfe einer solchen Eingabe den Bundestag, seinerseits flankiert von „Reichen“ (ich vertrete übrigens mittlerweile die Ansicht, dass anführungszeichenfrei reich ist, wer abends essen und nachts sich in ein Bett legen kann, ohne dafür größere Schwierigkeiten mit dem Gesetz zu bekommen, bin damit jedoch kaum anschlussfähig, wie mir scheint), sanft darum zu bitten, dass er diejenigen anhören möge, die wollen, dass „Reiche“ künftig mehr Geld bezahlen, ohne freilich rechtzeitig erläutern zu wollen, worin die vermeintliche Kausalität, dass das Besteuern von Reichen irgendjemandes Leben verbessern sollte (Steuern sind nun mal keine zweckgebundenen Spenden), bestehen solle, nicht etwa Zuversicht an die heilende Kraft der scharfen Schwerter der Demokratie, sondern vielmehr eine Müdigkeit, die kein Kaffee der Welt zu lindern imstande ist.
Big Robot & Conrad Schnitzler – Kalter Hund // Spotify tötet.
Es ist Montag. Am vergangenen Wochenende war ich erstmals – in meinem Freundes- und auch weiter gefassten Bekanntenkreis kommt die bürgerliche Institution Ehe nicht oft vor – auf einem Polterabend eingeladen, dessen maßgebliche Attraktion es war, dass reichlich Geschirr zerschmissen (und zum Teil vorher, wie man hörte, eigens dafür gekauft) wurde, auf dass die zu Vermählenden selbiges später gemeinsam zusammenkehren mögen. Ich solle nicht so negativ denken, sprach eine Anwesende, der ich mein Unverständnis schilderte. Das sei halt romantisch. Genau so stelle ich mir Romantik vor: Jede Menge Scherben. (Zieht sich ja auch durch mein Leben, die Scherben als Ergebnis der Romantik. Erinnerungen, viele. Melancholie, die.)
Weiteres Neues aus der Welt des gedankenlosen Konsums: Der offensichtlich skrupellose Oberdruide des verzichtbaren Künstlerenteignungsunternehmens Spotify hat angekündigt, 600 Millionen Euro in ein deutsches Militärstartup zu investieren. Ich finde es folgerichtig, dass diejenigen, die bisher nur kleine Künstler sprichwörtlich bluten ließen, mit ihren Abonnementgebühren, die sie quasi als Schutzgeld für etwas zahlen, das zynisch „ihre Musik“ genannt wird, künftig auch richtiges Blut vergießen lassen, teile aber dennoch aus weit mehr als nur diesem einen Grund die Ansicht, ein Weggang von Spotify sei nicht die allerblödeste Entscheidung, die man, wenn man dort Kunde ist, momentan treffen kann. Jedoch halte ich inzwischen außerordentlich wenig von ungefragten Softwareempfehlungen (meine eigene ausgenommen), spreche hier deswegen auch keine aus und schreibe stattdessen: Ich wage die vorsichtige Annahme, dass die Hersteller der Schallplatten und Audioabspielgeräte, die ich kaufe und/oder besitze, eher nicht so viel von meinem Geld in das Meucheln anderer Menschen zu investieren willens sind.
(Gute Nachricht aus der EDV, quasi als Gegengewicht: Es gibt jetzt Werbeblocker für draußen.)
„FAZ“: „[D]ie Sowjetunion ging auch an ihren Militärausgaben zugrunde. Die Hoffnung ist, dass das auch künftig eher Putins Russland passiert als der Europäischen Union.“ Klingt für mich nach russischem Roulette. Nennt man das eigentlich noch so, „russisches Roulette“?
Folgerichtig: Erst mal etwas entspannende Schlagermusik zum Wochenbeginn.
Guten Morgen.
Internetfähige Endgeräte
(Sie haben auf der Suche nach bösen Dingen „insbesondere ein internetfähiges Endgerät“ gefunden, frohlocken Polizeibeamte, und ich habe etwas länger als unbedingt geboten dem geistigen Auge die Vorstellung vorgeführt, dass sie da diverse Autos mit viel zu großem, viel zu lästigem Tablet, Spülmaschinen mit Internetanschluss und fernsteuerbare Vibratoren raustragen; aber natürlich machen sie das nicht, weil zum verbrieften Grundrecht des modernen Menschen nicht die Kommunikation gehört, sondern das Herumfahren in zu großen Fahrzeugen.)
Liegengebliebenes vom 25. Juni 2025
Man muss Prioritöten (das Wort habe ich mir selber ausgedacht) setzen:
Geht man davon aus, dass zwischen 2025 und 2029 rund 600 Milliarden Euro hauptsächlich für die Bundeswehr zur Verfügung stehen, bleibt das zivile Investitionsprogramm mit seinen 500 Milliarden Euro dahinter zurück.
600 Milliarden für Tod, 500 Milliarden für Leben. Die Bundesregierung erfüllt wieder sämtliche Erwartungen, die man an CDU/CSU und SPD so haben konnte.
Wusstet ihr, dass in „Tubular Bells“ (der Originaleinspielung) Morsecode zu hören ist? Ich vorher nicht.
Die Supermarktkette Co-op boykottiert jetzt Staaten, die irgendwo Krieg anfangen. Die Liste ist zwar kürzer, als man annehmen sollte, aber die einschlägigen Kommentare in sozialen Medien sind trotzdem sehr wütend. Die Menschen sind merkwürdig.
Chatbots sind das Fernsehen des 21. Jahrhunderts, sie dienen dem Zweck, die Menschen von dem abzulenken, was ist.
ich
Kriegsdienstverweigerung gilt auch, wenn Krieg ist. Ja, wann denn sonst?
Die EU-Kommission hat eine ganz hervorragende Idee: dass es nämlich eine gute Idee sei, Hintertüren in Verschlüsselung einzubauen, aber „unter Wahrung der Cybersicherheit und der Grundrechte“. Inwiefern es die „Cybersicherheit“ wahrt, Verschlüsselung für „berechtigte Kreise“ zu öffnen, was bedeuten würde, dass jedes aufgeweckte elfjährige Kind mit einem Internetanschluss binnen weniger Suchsekunden das dann halt auch kann, verrät die EU-Kommission nicht.
Eine freie Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist Selbstverteidigung gegen übergriffige Autokratien. Schade aber, dass die Deutschen sich zwölf Jahre nach Snowden immer noch gegen die Übergriffigkeit ihrer eigenen Regierung(en) am meisten wehren müssen. Lernen durch Schmerz. Ohne Lernen.
Medienkritik in Kürze: Oh nein! Nicht die Hochzeit!
dpa („ZEIT ONLINE“ u.a.):
Der Krieg im Nahen Osten bringt auch die Pläne für die Promi-Hochzeit des Jahres durcheinander: Aus Sicherheitsgründen wurde das Programm für die Feiern zur Vermählung von Amazon-Gründer Jeff Bezos (…) praktisch in letzter Minute geändert.
Also jetzt reicht’s aber mit diesem Krieg!
Boy Harsher – Pain // Das Einrennen der offenen Türen der FSFE
Es ist Montag. Gescheitertes Medium des Monats ist der Messenger Matrix. Es hat Gründe, dass IRC noch existiert. Dabei gehen da nicht mal GIFs. (Bitte nicht ändern.)
Apropos alter Kram: Ein „Anker“ sein solle die Kirche, fordert ein Herr von der CDU. Passt schon: Anker sind ebenso wie die Kirche nicht unbedingt Garanten eines schnellen Fortschritts der Gesellschaft. Gute Nachrichten gibt es aus derselben Partei für Staaten, die kleinere Staaten völkerrechtswidrig (Archivversion) überfallen: Der Überfallene müsse jetzt dringend verhandeln (Archivversion), tönt es aus dem Bundeskanzler heraus. Es wäre albern, daraus irgendwelche Folgerungen abzuleiten.
Hadmut Danisch war beim Zoll und die wollten aber nicht arbeiten. Ich finde das sehr lustig. Was ich anders lustig finde und/oder nicht verstehe: Die Free Software Foundation Europe möchte, dass möglichst viele Menschen bei ihr mitmachen, und lockt nicht nur mit falschem Deutsch („treffe“), sondern auch mit der Ankündigung, man habe dort die Möglichkeit, andere Menschen zu treffen, „die deine Ansichten zu Freier Software teilen“. Aber wenn ich mich mit Menschen treffe, die sowieso schon meiner Meinung sind, dann brauche ich dafür doch nicht „aktiv“ zu werden, sondern kann es im Wesentlichen auch von vornherein einfach lassen und meine Zeit produktiver nutzen?
Zum Beispiel mit: Musik. (Heute mal ein wenig andere. Mir ist, sitzenderweise, nach Tanz zumute.)
Guten Morgen.
Medienkritik in Kürze: Wie ein Franzose
Nur eine kurze Frage an Michaela Wiegel, die für die letztwöchige Sonntags-„FAZ“ Peter Sloterdijk in der Provence besuchte, dessen Leben wie folgt eingeleitet wird:
Wie ein Franzose rauschte er im TGV zwischen der Hauptstadt und seiner Sommerfrische in der Provence hin und her.
Rauschen denn Franzosen anders als zum Beispiel Spanier mit dem Zug zur Sommerfrische?
Antimilitaristisch-autoritäre Brände
NDR, 5. Mai 2025 (Archivversion):
Das völlig ausgebrannte Auto wurde aber nicht – wie zunächst auch von der Polizei angenommen – vom Disco-Betreiber genutzt. (…) Inzwischen habe sich eine 26-jährige Frau aus Oldenburg gemeldet. Ihren Angaben zufolge hatte sie selbst an dem Abend an der Demo für Lorenz A. teilgenommen.
Daraus hat man was gelernt und zündet jetzt stattdessen die Arbeitsmittel von mies bezahlten Paketboten an, um es Boris Pistorius und/oder Jeff Bezos mal so richtig zu zeigen:
Im Süden (Britz) sowie im Osten (Lichtenberg) Berlins kam es gestern Nacht zu Bränden an etlichen Transportern der Firmen Amazon und Telekom. (…) Wir denken, dass der Angriff auf Militärkollaborateure gestern wie heute richtig ist.
Kropotkin hätte zu dieser Wirrnis von Menschen, die sich erdreisten, in der Schlussformel Sympathie für den Anarchismus zu zeigen, sicher ein paar treffendere Worte gefunden; mir bleibt die Feststellung, dass nicht alles, was begründet wird, auch begründbar ist.
Fachkräftebezahlungsmangel (4)
Mir sei aus aktuellem Anlass noch folgende Anmerkung zum Mangel an Fachkräften gestattet: Wenn ich eine gut ausgebildete Fachkraft mit etlichen Jahren Berufserfahrung bin, dann erwarten nicht nur mögliche Arbeitgeber von mir eine ordentliche Leistung, sondern ich erwarte auch von ihnen eine ordentliche Vergütung. Der legendäre Obstkorb (so oft kommt der in meiner Branche gar nicht als Werbemittel vor) zahlt meine Rechnungen nicht und mein Vermieter lässt sich auch nicht in Duzen bezahlen. Dass das Argument, in der Firma werde aktiv rumgeduzt und damit angekumpelt, als positiver Aspekt missverstanden wird, ist Symptom, nicht Randerscheinung.
Es ist immer eine Frage des Selbstwertgefühls, für welchen Lohn man seinen Körper stundenweise vermietet. Nicht jede Fachkraft hat einen Fetisch.
Kurzkritik: Schlafmohn – Papaver Somniferum
Lange nichts mehr über Musik geschrieben.
Aus Mainz kommt, verrät das Internet, das Trio Schlafmohn, dessen 2024er Album „Papaver Somniferum“ (das ist Latein und heißt „Schlafmohn“) mir letztes Jahr natürlich entgangen war, aber deren erstes ist. Aus Schlafmohn wird unter anderem Opium hergestellt. Fürs Volk.
Dargeboten werden vier Stücke, wobei die beiden mittleren, die auch mit Abstand die längsten sind, die interessantesten sind: „Serum Somniferum“ ist ein recht überraschend nach vorn preschendes, zum Ende hin eskalierendes Musikstück, das Elemente aus Psychedelic Rock, Postrock und Stoner Rock miteinander verbindet, das weniger offensichtlich betitelte „10.0–0777“ hingegen erzählt mit flirrender Gitarre und tänzelndem Bass geradezu die Geschichte des Postrocks, ohne dabei offensichtlichste Referenzen zu wiederholen. „Postrock klingt immer gleich“ ist einer dieser Sätze, für deren Gegenbeleg Alben wie dieses geschaffen werden. Ich hoffe daher, das sagen noch viel mehr Leute.
Gewürzt wird das alles mit einer ordentlichen Dosis Krautrock, ein (zu) kurzes Stück geradezu entspannend ruhiger Elektronik („Schlaf“) beendet das Album so angemessen wie stilecht. Ich mag’s.
Die Platte (?) gibt es bisher noch (?) nicht auf Platte, sondern nur bei Bandcamp. Ich empfehle sie trotzdem weiter. Ist ja schon irgendwie meine Musik.
krautfuzz (live) // Da noch hinwollen
Es ist Montag. Die Zeit vergeht schneller als ich. Auch mal schön.
Der „SPIEGEL“ titelt aktuell die Frage, ob „man“ „da“ noch hinwolle, und meint damit, ob die Deutschen noch Lust auf die USA haben. Zugunsten einer möglichst tauglichen Statistik hierüber gebe ich bekannt: Ich wollte „da“ zuletzt 2001 hin. Dann kam diese Sache mit den Flugzeugen und seitdem wird man bei der Einreise wie ein verurteilter Straftäter behandelt, und das mögen die Deutschen mögen, aber ich bin in diesem Fall nicht unter ihnen.
Worunter ich jedoch bin: unter den Freunden guter Musik. Heute mal diese:
Guten Morgen.
Minga (nicht)
Meine erste Partnerin, lange ist’s her, wohnte in Franken, und schon früh lernte ich: Man ist in Bayern und den Regionen, die rechtlich gesehen dazugehören, am besten beraten, wenn man nicht als Tourist auffällt. „‚Minga‘ sagen nur Touristen und der Besitzer des ‚Minga Kiosk‘“ sagen aber Menschen aus München, also reise ich heute nicht nach Minga, sondern nach München. Einfach, weil ich Bock darauf habe. Reisen sind der Luxus derer, die sie sich leisten können, sie erweitern den Horizont und, wie ich mal irgendwo schmunzelnd gelesen habe, entleeren den Darm.
Außerdem war ich noch nie dort und wollte das mal nachholen. Also in München, nicht im Darm. Da war ich zwar schon gelegentlich, aber gefallen hat es mir nicht ganz so gut. So viel zum sowieso schon überbeanspruchten Thema der Klischees über sexuelle Vorlieben von allen Männern immer dann auch.
Ach so, München.
















