Sie, Herr Delgmann, sind ausweislich Ihrer Kanzleiwebsite „in sämtlichen Bereichen des Arbeitsrechtes“ juristisch „tätig“, und zwar als „Fachanwalt“. In dieser Rolle äußerten Sie sich für den „SPIEGEL“ („Keine Angst vor der Wahrheit“, „SPIEGEL“ über „SPIEGEL“) über ein Thema, das mit Arbeit wenig zu tun hat, nämlich über Beamte.
Sie postulierten dort, dass diesseits des Staatsdienstes die Notwendigkeit von Beamten nicht gegeben ist, da „andere Branchen, die inzwischen privatisiert sind“, zeigen, …
(…) dass es dort auch ohne Beamte geht. Bei der Bahn zum Beispiel gibt es mittlerweile keine Beamten mehr.
Folgende Frage hätte ich da allerdings jetzt doch: Sie sind länger nicht mit dem Zug gefahren, stimmt’s?
Es ist Montag. Sprachmodelle können jetzt, da selbst das sonst weitgehend unbelehrbare Microsoft vorsichtig daran zu zweifeln beginnt, dass wirklich jedes Anwendungsprogramm auf so einem Computer ganz dringend einen Chatbot braucht, einander heiraten und alles daran ist denkwürdig.
(Einschub zu einem anderen Thema: Die Braunschweiger Polizei hat schon wieder jemandes Recht auf selbstbestimmtes Ableben erfolgreich abgesprochen. Das nennen sie dann Sozialstaat. Andere erzählen mahnend von der Bürokratie des Dritten Reiches und wollen dann Tausende aus bürokratischen Gründen in den Krieg schicken. Vergesst bitte auch auf keinen Fall, Koffeinpopcorn für einen guten Freizeitsnack zu halten. Aufputschmittel machen euch arbeitsfähiger und das ist wichtig. Trotzdem wundern sich Journalisten und Wissenschaftler darüber, dass die Deutschen öfter mal depressiv sind. Versteh’ ich nicht. Einschub Ende.)
Kurze Durchsage aus der Welt der EDV: Linux ist nicht für Menschen gemacht. Alles im verlinkten Blogbeitrag stimmt. Sachdienlicher Hinweis im Übrigen von der digitalen Unabhängigkeit und für sie ebenso: Make a Fucking Website.
Und währenddessen hört und sieht am besten: Musik.
Netflix so: Eure Stimmen wären ein gutes Produkt. Sprecher so: Nein.
Kurioses Fundstück der Woche aus dem, ich lege mich fest, Buch des Jahrzehnts: In den USA hängen Menschen Smartphones in Bäume, damit sie mehr Geld bekommen, weil ihr Arbeitgeber (eine App – na, ich habe schon üblere Arbeitgeber kennengelernt) glaubt, sie seien schneller vor Ort.
Ich wiederhole mich wirklich nur außerordentlich ungern, aber eine kommende diktatorisch agierende Regierung wird der SPD für die präventive Installation eines umfassenden Überwachungsstaates später mal gar nicht dankbar genug sein können. (Zu Vergleichbarem auch: Raweel Nasir schlägt für die „taz“ vor, ungebeten erstellte Fotos von anderen Leuten in der Öffentlichkeit komplett zu verbieten. Ich teile diese Absicht, weil ich es allgemein für ein Unding halte, dass jeder immer überall zum Fotomodell zu werden hat, ohne dem Fotografen postwendend perkussive Wartung angedeihen lassen zu dürfen.)
Die öffentliche Weiterentwicklung von Rivva ist (schon wieder) am Ende und die elende Gratiskultur ist daran schuld.
Idee: Technischen Erklärungen grundsätzlich „Als KI-Sprachmodell bin ich der Ansicht, dass…“ voranstellen. Dann glauben die Leute wenigstens, was man erzählt.
Ich finde übrigens mit Blick auf verschiedenste Ereignisse in den letzten Wochen auch weiterhin nicht, dass es einem Menschen als anerkennenswerte Lebensleistung genügen sollte, umgebracht worden zu sein, erkenne aber an, dass Antipathie gegenüber dem Einen sich bisweilen als Empathie für den Anderen zu äußern versucht, wobei es in der Tat für die Ursache unerheblich und höchstens für spätere Rechtfertigung von Belang ist, wer der Andere eigentlich war oder ist; den gesellschaftskonform fühlenden Menschen erkennt man manchmal eben doch daran, dass er sich dafür schämt, allzu menschlich zu sein.
Angesichts immer neuer Vorfälle mit entzogenen Doktortiteln halte ich es inzwischen für empfehlenswert, Menschen, die einen solchen führen, grundsätzlich die Fähigkeit zu exaktem wissenschaftlichem Arbeiten nicht zuzutrauen und allem, was sie veröffentlichen, wenigstens grundlegende eigene Recherche zur Seite zu stellen. (Brauchen wir eigentlich überhaupt akademische Titel, um als Gesellschaft zu funktionieren? Beim Erbadel hat es doch auch zur Abschaffung gereicht!)
„how to piss off men“ heißt ein unnötigerweise ins Deutsche übersetztes Buch, das in der lokalen Buchhandlung heute auf dem im Übrigen als „neu“ angepriesenen Tisch für „schräge Bücher“ (sonst darauf: unter anderem Max Goldt und Oliver Kalkofe) herumlag und in dem Tipps gegeben werden, wie man „das männliche Ego“ kleinbekäme, als würde da die Wehrpflicht nicht schon reichen.
Zu den gegebenen Ratschlägen gehört derjenige, als Frau zu behaupten, man sei kleiner als man tatsächlich ist, weil immer alle Männer, so die Logik des Buches, nämlich ihre genetischen Eigenschaften für eine Art Wettbewerb halten, und während ich schon aus Niveaugründen gerade noch einigermaßen an mich halten kann und eben kein Buch schreibe, in dem ich Männern empfehle, Frauen zu erzählen, man hätte eine größere Körbchengröße als sie, um irgendwem irgendwie irgendwas zu beweisen, genehmige ich mir hier doch zumindest den Hinweis, dass Frauen, die dieses Buch für einen Volltreffer halten, und Männer, die sich von den Inhalten beeindrucken lassen, einander letztendlich vollkommen verdient haben; d.h. als Flirtutensil für eine in der Tat schräge Zielgruppe dürfte es ungeahnt gut funktionieren.
Es ist Montag. Thomas Mann, erfahre ich, sei ja vor 75 Jahren gestorben und man könne sich jetzt den ermüdendsten Wälzer, den ich jemals in Händen zu halten das Missvergnügen hatte (i.e. „Buddenbrooks“), legal im Internet runterladen, ohne dafür irgendeinem Erben auch noch Geld zahlen zu müssen. Damit ist das Werk von Thomas Mann für die einzige noch lebende Zielgruppe des Werkes von Thomas Mann, nämlich leidensfreudige Masochisten mit Einschlafproblemen, leider weitgehend unbrauchbar geworden. Ich empfehle stattdessen „Autobiografien“ von irgendwelchen RTL-Knalltüten. Die sind zwar nur in den allerseltensten (ja, Tippfehlerkontrolle, ich schriebe sehr gern „alleeseltensten“, weiß aber leider nicht, was das nun wieder sein soll) Fällen tatsächlich Autobiografien, aber dafür wird man davon nur blöd und nicht so anstrengend müde.
Habe ich mir sagen lassen.
Heute nur ein Absatz zur Politik, weil ich die Woche nicht mit ganz so schlechter Laune beginnen lassen möchte: Die unter anderem in der „FAZ“ kolportierte Feststellung seitens der beiden beteiligten Regierungsvorsitzenden, Italien und Deutschland hätten sich „noch nie so nahe wie heute“ gestanden, wäre eine interessante Antwort im Jeopardy. Eine mögliche Frage dazu hätte etwas mit dem 12. September 1943 zu tun.
Ausgerechnet in einem FreeBSD-Blog fand ich die unterhaltsame Beobachtung, dass und wie der skrupellose US-Konzern Red Hat, berüchtigt für (unter anderem) systemd, schrittweise das völlig unnötigerweise gehypte Linux zu einem Spielball kapitalistischer Interessen umformt. Viel besser als Windows. Schon verstanden.
Mein Wort der Woche: „Spültabskino“. Wusstet ihr, dass es bei Netflix, dessen Dienste zu abonnieren mir schlichtweg zu bescheuert wäre, eine Kategorie namens „Casual Viewing“ gibt, in der Machwerke zu finden sind, die einzig dem „Zweck“ dienen, dass sie im Hintergrund ein bisschen visuelles Rauschen erzeugen, während man den Abwasch erledigt, kocht oder zum Beispiel ausgiebig in der Nase bohrt? Für Menschen, die derlei Ausreizungen der Grenzen des Kunstbegriffs für habens- oder auch nur produzierenswert halten, wurde die Beschallung von Supermärkten, Hotelfluren und Fahrstühlen eingeführt. Geistige ADHS-Sympathisanten, die einen Rappel kriegten, müssten sie mal eine halbe Stunde lang wach sein, ohne dass irgendein inhaltsferner Kram ihre Augen und Ohren verklebt. Ich verstehe die Menschen nicht mehr und – doch, doch – das ist in dieser Intensität sogar für mich eine neue Erscheinung.
Apropos neue Erscheinungen: „heise online“ titelt, Angestellte nutzten „mit KI gesparte Zeit, um KI-Ergebnisse zu korrigieren“; währenddessen stellte sich heraus, dass ChatGPT völlig überraschend zwar Internetquellen durchsucht, aber schon infolge seiner Eigenschaft „stochastischer Papagei“ keine Quellenprüfung(Allergikerwarnung: golem.de) vornimmt. Passt. All das passt.
Wer sich von den US-amerikanischen Anbietern unabhängig machen möchte, kann auf Wero umsteigen. (…) Wero startete im Juli 2024 als europäische Alternative zu US-amerikanischen Bezahldiensten wie Paypal, Google Pay und Apple Pay. Ziel ist, digitale Zahlungen innerhalb Europas zu vereinfachen und Kunden größere Sicherheit und Datenschutz zu bieten.
Wieder was gelernt: Es gibt Tamagotchis (das Original) und es gibt anscheinend weltweit nur einen einzigen Anbieter von Tamagotchis (dem Nichtoriginal).
Aus der beliebten Reihe „Früher war alles besser“: Mozilla fährt Umsatzrekorde ein. Über die politischen Hintergründe von Mozilla als damals ausgesprochen antikommerzieller Unternehmung hat einer, der damals dabei war, schon alles Nötige geschrieben, daher ergänze ich diesmal nur so viel: Jeden Einzelnen, der inzwischen etwas anderes als Firefox nutzt, hat Mozilla sich in jahrzehntelanger Feinarbeit redlich und hart erarbeitet.
Wären wir damals (im Zweiten Weltkrieg) nicht eingeschritten, würdet ihr jetzt alle Deutsch und Japanisch sprechen.“
Ich wollte eigentlich „Leider wurde uns das versagt.“ schreiben, aber dann bekäme ich wieder bescheuerte E‑Mails von bescheuerten Menschen mit ausbleibendem Textverständnis und schreibe daher: Mir wurde schon mit übleren Schicksalen gedroht als des nicht ganz leicht zu erlernenden Japanischen mächtig zu sein, statt fortwährend die Hilfssprache „Was man in Deutschland unter Englisch versteht“ lesen und hören zu müssen. Warum nicht beides?
Warum sind eigentlich Suchergebnisse in den meisten Metasuchmaschinen so scheiße? Das Team hinter Kagi klärt auf.
Was ich ja außerdem nicht so recht zu verstehen imstande bin: Warum bekommen Privatleute im Auftrag des Bundesumweltministers (SPD) mehrere Tausend Euro dafür, sich ein Auto zu kaufen (Archivversion), aber von demselben Herrn höchstens ratloses Schulternzucken, wenn sie aus gleichfalls Umwelt- oder sonstigen Gründen gar kein Auto, sondern lieber ein Fahrrad oder gar – so schwer es auch gemacht wird – die Bahn zu nutzen beabsichtigen?
Es ist Montag. Oder, wie Berliner Schüler es nennen: Montag Digga. Das Land Niedersachsen, bekannt dafür, vor ein paar Jahren auf der CeBIT Werbemappen mit Abbildungen von Pferdeäpfeln verteilt zu haben, auf dass die gesamte Welt erfahre, wofür Niedersachsen so steht, soll für zehn Millionen Euro ein neues Motto (Archivversion) bekommen. Ich gehe davon aus, das Ergebnis. das noch nicht in Sicht ist, wäre auch für etwas weniger Geld leicht zu überbieten, aber ich bin ja auch nicht die Staatskanzlei in Hannover, sondern Steuerzahler und damit nicht vom Fach.
Überschrift des Wochenendes: „Tausende Linke demonstrieren gegeneinander in Leipzig“ („FAZ“). Ist das jetzt eigentlich diese „Solidarität“ und dieser „Zusammenhalt“, die „die Linken“, selbstverständlich fern jedes Durchgescheppertseins, „den Rechten“ voraushaben, die „die Gesellschaft spalten“ wollen? – Wo’s ja sonst überall Teilung gibt: Gemeine Briten wollen aus nichts als Missgunst die lieben USA aus der Fußball-WM rausschmeißen. Undankbares Pack. Da begeht man nur ein paar Völkerrechtsverstöße und schon wird genörgelt. Da sollte man dringend mal Demokratie hinbringen, damit die sich wieder ein bisschen zusammenreißen. Wenigstens ich bin immerhin zufällig nicht in Grönland und damit für die Bundeswehr nicht qualifiziert. Glück gehabt.
Noch mehr Glück: Der Kanzler stelle die Krankschreibung per Telefon in Frage, entnehme ich den Nachrichten. Als alter Telefonphobiker finde ich das ausdrücklich gut. Telefonieren sollte niemals die einfachste Option für irgendjemanden sein. Immerhin aber gute Nachrichten aus der Wissenschaft für wenigstens einen Teil der Telefonisten: iPhone-Nutzer sind sexy. Ich bin hierzu voreingenommen und finde daher nicht plump gut, sondern nehme nur einigermaßen wohlwollend zur Kenntnis.
Die von Emojipedia vorgestellte Liste umfasst insgesamt 19 neue Emoji-Kandidaten, die für Emoji 18.0 vorgesehen sind, das voraussichtlich im September 2026 final verabschiedet wird. Zu den geplanten Neuzugängen zählen unter anderem ein Emoji mit zusammengekniffenen, blinzelnden Augen (…) sowie eine Gurke[.]
„Die Hauptfunktion von Emoji besteht darin, emotionale Hinweise zu geben“ (Wikipedia) und wahrlich, ich fühle mich nach dem Lesen dieser Ankündigung gurkig. Mit zusammengekniffenen, blinzelnden Augen.
Es ist Montag. Berlin kriegt jetzt Carepakete. Schön, dass endlich jemand was für die Entwicklungsländer tut. Meine Gebühren berichten unterdessen: Es ist kalt im Winter. Mach Sachen.
Die „Frankfurter Rundschau“ ist ebenso irritiert: Eltern bringen ihre Kinder mit dem Auto in die Grundschule, weil der Weg dorthin zu gefährlich ist, weil dort so viele Autos herumfahren, in denen Eltern sitzen, die ihre Kinder mit dem Auto in die Grundschule bringen. Man könnte daraus bestimmt etwas lernen. – Hieraus hingegen lieber nicht: „Mitten im Winter fahren Menschen in der britischen Hauptstadt London ohne Hose U‑Bahn. Die jährliche Veranstaltung erfreut sich großer Beliebtheit.“ Was den Menschen vom Tier unterscheidet? Tiere sind nicht so.