Hihi: Wenn man sich bei LinkedIn (eine Art Facebook für Menschen mit Berufskrawatte) nicht nur anmeldet, sondern auch „verifiziert“, dann können hinterher 17 US-Firmen den eigenen Ausweis in ihre „KI“-Modelle reinkippen. Das muss diese „geschäftliche Vernetzung“ sein, mit der LinkedIn immer wirbt.
Gaffer sind auch bloß dornige Videoüberwachung.
Nach Widerstand aus dem Gemeinderat und einer zähen Debatte erteilt das Regierungspräsidium der Videoüberwachung am Tübinger Bahnhof grünes Licht. (…) »Ziel ist es, Straftaten zu verhindern (…) und insbesondere in den Abend- und Nachtstunden für mehr Sicherheit und ein besseres Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger zu sorgen«, sagte Palmer Anfang Februar.
Jedoch Leipzig (Archivversion):
Als Hozan Roj in einer Leipziger Straßenbahn unterwegs ist, eskaliert eine Begegnung mit zwei Männern. Sie zücken Messer. (…) Roj kann sich bis zu dem Moment, als das Messer gehoben wird, die Bahn stehen bleibt und die Fahrgäste anfangen zu filmen, detailliert erinnern.
Fast könnte man meinen, es halte einen Menschen nicht davon ab, ein Verbrechen zu begehen, wenn eine beliebige Anzahl an Kameras zuguckt.
Ufomammut – Psychostasia // Obstwurftheater
Es ist Montag. Die ungefähr gleichen Quarkhirne, die anlässlich des Ukrainezwischenfalls über einen „dritten Weltkrieg“ zu schwadronieren wagten, haben jetzt sicherheitshalber einen Transatlantiker in seinem Amt (Vorsitzender einer Transatlantikerpartei) bestätigt, während man trans des Atlantiks offen darüber nachdenkt, die westlichen Werte nebst der Einwohner per Raketenexpress im Iran zu verteilen. Wenn kleinkalibrige Scharmützel jenseits der vertraglich relevanten Grenzen unserer Einflusssphäre die Vorboten eines „Weltkriegs“ sind, was ist dann eigentlich das militärische Bedrohen eines Nuklearstaates?
Witzig: Ein Teil derjenigen Menschen, die dem Weltmarktführer in Onlinereklame ein Betriebssystem abgekauft haben, weil ihnen ebendieser Weltmarktführer in seinen Werbeprospekten erzählt hat, dass sie nur mit ihm frei und unbeschwert durchs digitale Leben schwingen können, ist nun empört, entsetzt und enttäuscht, dass Konzerne, die ihr Geld mit dem Verscherbeln von Nutzerdaten verdienen, das halt auch irgendwann zu tun gedenken. Man muss übrigens gar nicht immer und überall für alles und jeden erreichbar sein. Gern geschehen.
Man solle nicht seine eigene Offenheit für gesellschaftlichen Diskurs durch bloßes „wir gegen die“, „Links gegen Rechts“ und so weiter unnötig beschneiden, erklärte ausgerechnet der Trainer der Herrenmannschaft des langweiligen FC Bayern München, und zwar finden den Monolog fast alle, die ihn mitbekommen haben, gut (weil gegen Rassismus), aber die Transferleistung (also weniger „wir gegen die“, „Links gegen Rechts“ und so weiter) bekommen sie dann doch wieder nicht auf die Kette. Gratismut ist halt ein Teamsport. Da ist es nur folgerichtig, dass neuerdings Schauspieler angegriffen werden, weil sie es wagen, auf der Theaterbühne als Teil eines Theaterstücks eine Theaterrolle zu spielen. Ich würde ja „die Welt ist reif, sie will gepflückt werden“ schreiben, aber irgendjemand hat den Schauspieler mit Obst beworfen und die Dramaturgin heißt auch so, da wäre ein entsprechendes Wortspiel vermutlich zu naheliegend. „Teile des Bochumer Publikums (…) sind offenbar zu doof, (…) zwischen Fiktion und Realität zu unterscheiden“, Theater gilt in der TikTok-Welt eben nicht mehr viel.
Ganz im Gegensatz zu: Musik.
Guten Morgen.
Was verbieten wir Friedrich Merz?
Wenn Kinder heute im Alter von 14 Jahren bis zu fünf Stunden und mehr Bildschirmzeit haben am Tag, wenn die gesamte Sozialisation nur noch über dieses Medium stattfindet, dann brauchen wir uns über Persönlichkeitsdefizite und Probleme im Sozialverhalten (…) nicht zu wundern[.]
Was sollten wir daher Friedrich Merz verbieten? Ohne Fernsehen und Essen ins Bett?
Böse gucken ist BahnCard genug
Außerdem soll Palla zufolge ab dem 1. März im Regionalverkehr die verpflichtende Ausweiskontrolle im Rahmen der Ticketkontrolle wegfallen. Künftig werde es im Ermessen des Zugpersonals liegen, ob der Ausweis kontrolliert wird. Damit könne eine Situation mit “hohem Eskalationspotential” vermieden werden, so die Bahnchefin.
Ist auch billiger als Fahrkarten dann.
Kurzkritik: The Light Below – Georgia
Lange nichts mehr über Musik geschrieben.
Zu den ungefähr dreieinhalb Sprachen, die ich nicht verstehe, gehört außer der französischen auch die georgische – anders als erstgenannte klingt letztere aber schön, was ich weiß, seit ich vorhin erstmals „Georgia“ von The Light Below (Amazon.de, TIDAL) gehört habe. Die Vokalisten auf „Georgia“ sind der georgische Frauenchor Akhla, der hier wohl, glaubt man dem Internet, vor allem traditionelle Volksgesänge vorträgt. The Light Below, ihr ahnt es sicher bereits, kommen aus Deutschland.
Der Instrumentalteil von „Georgia“, zu dem später selbiger Chor hinzugemischt wurde, habe, erfährt man weiterhin, unter dem wachsamen Auge von Steve Albini seine Form gefunden, was nicht nur ein Qualitäts‑, sondern auch ein Stilmerkmal ist. Folgerichtig spielen die fünf Instrumentalisten hier einen recht metallischen Postrock, der auch und gerade Cineasten gefallen könnte, ist doch Gitarrist Patrick Christensen ein längst etablierter Filmkomponist. Dieser Text klingt bis hierhin nach Haggard in besser, aber Haggard waren nie auf diese Art verspielt.
Die folkloristischen Anwandlungen (so muss ich etwa in „Bicho“ etwas zu lange über osteuropäischen Greisentanz nachdenken) ziehen meinen Gesamteindruck etwas runter, ich bin für Weltmusik wahrscheinlich in der falschen Zielgruppe (bin ich überhaupt in einer Zielgruppe?); diese sind allerdings erfreulich kurz und genügen mir dazu, die Eingebung zu haben, dass das Album nicht nur mir gefallen könnte. Hiermit insofern weitererzählt.
Kurz zitiert zur Fußballweltmeisterschaft 2042
Manches ändert sich nie, und „Brot und Spiele“ gleich dreimal nicht:
Die Zirkusparteien (…) waren die Rennställe und ihre Anhänger im Römischen Reich (…), die zunehmend auch politische Bedeutung hatten. (…) Die Kaiser oder, jenseits der Hauptstadt, ihre Stellvertreter mussten sich im Circus regelmäßig dem Volk (…) zeigen, dem die Zirkusparteien eine Stimme gaben: Die von ihnen orchestrierten Akklamationen waren das wichtigste Medium der Kommunikation zwischen dem spätrömischen Kaiser und seinen Untertanen.
(Wikipedia; Kontext.)
Die Anbieter sollen verpflichtet werden, den thermodynamischen Hauptsätzen „technisch wirksam“ zu widersprechen.
Die SPD hat in einem Positionspapier eine nach Alter abgestufte Regelung vorgeschlagen. Demnach soll für Kinder bis 14 Jahre ein vollständiges Verbot von Social-Media-Plattformen gelten. Die Anbieter sollen verpflichtet werden, den Zugang „technisch wirksam“ zu unterbinden.
Das wird bestimmt ein großer Erfolg.
Undulathund – Den gode // Alle sollten Clowns werden
Es ist Montag und der „Tagesschau“ ist das egal. Mathematik ist frauenfeindlich und ich hatte Teile davon sogar in mehreren Semestern. Wenn das die Presse erfährt.
Ich würde mir natürlich wünschen, dass alle Clown werden.
Apropos: Autisten seien weniger anfällig für typische Reklamebotschaften, entnehme ich einer Studie von 2015. Ich bin noch uneins mit mir selbst, ob der eingebaute Werbeblocker das alles wert ist. (via Erdrandbewohner) – Beobachtung (interessant): „Die Aufrechterhaltung eines jüdischen Staates ist eine politische Präferenz, die nicht über die grundlegenden Rechte eines ganzen Volkes gestellt werden kann.“ Ist was dran, löst aber den Nahostkonflikt auch nicht. (Muss man das eigentlich überhaupt, alle Konflikte immer lösen?)
Für Internet- statt anderer Archäologen: asdfmovie 16 ist draußen. Schon länger draußen: Musik.
Guten Morgen.
Nichtlästern über die künstliche Intelligenz (2)
Ich möchte ja immer noch wirklich nicht immer zynisch sein, aber es gibt eine kritische Sicherheitslücke in Notepad.
Kritische Sicherheitslücke.
In Notepad.
Ich habe nicht die leiseste Ahnung, wie Microsoft das hinbekommen hat (kleiner Scherz, habe ich doch), aber ich habe höchsten Respekt vor dieser Leistung. Das hätte nicht mal ich hinbekommen.
Medienkritik in Kürze: Katholisch gegen das Grundgesetz trumpen
Soso, „katholisch.de“:
Sachsen-Anhalts Bischöfe hatten schon länger gewarnt: Wenn die AfD in dem Bundesland in Regierungsverantwortung komme, würde das unmittelbare negative Auswirkungen auf die Kirchen haben. (…) Nun hat der AfD-Landesverband, der vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft ist, einen radikalen Wahlprogramm-Entwurf für die Landtagswahl am 6. September vorgelegt. (…) Die AfD will im Fall einer Regierungsübernahme die Staatsleistungen, die das Land jährlich an die Kirchen zahlt – derzeit rund 43 Millionen Euro, ersatzlos streichen. Ihr zufolge können die Staatsleistungen auch ohne weitere Kompensation eingestellt werden. (…) Eine Streichung der Staatsleistungen hätte laut dem katholischen Magdeburger Bischof Gerhard Feige existenzielle Folgen für die Kirchen. Beim Bistum Magdeburg machen sie rund 20 Prozent des gesamten Haushalts aus. Juristen betonten zwar, dass es rechtlich nicht möglich sei, Gelder vorzuenthalten, “aber Trump macht es gerade vor”, sagte Feige dem Berliner “Tagesspiegel”. (…) “Das Undenkbare ist jetzt zu Papier gebracht. Handschrift und Duktus des AfD-Programmentwurfs machen klar: Wer AfD wählt, wählt die Methoden Donald Trumps für Sachsen-Anhalt. (…)”
Wir lernen: Wer sich wie F.D.P., SPD und Grüne dafür einsetzt, Art. 140 GG zur Anwendung zu bringen, der wendet hierfür zwangsläufig „die Methoden Donald Trumps“ an. Bis eben dachte ich, jener Herr sei brandgefährlich für die Demokratie. Mein Fehler.
(Es ist ja nun auch nicht so, dass die Kirchen in den letzten paar Jahrhunderten als besonders herausragende antifaschistische Kampforganisationen hervorgetreten wären. Dessen ungeachtet gehört dieser Unsinn selbstverständlich umgehend beendet. Was mit „diesem Unsinn“ allerdings gemeint ist, bleibt als Aufgabe für den Leser bestehen.)
Kraftwerk – Taschenrechner // Mit snac ins „Fediverse“
Es ist Montag. Wumms! und Rumms! (Oder auch: Arschbombe!)
Nabelschau: Weil ich ja ganz gern mal mit obskurer Software in fast ebenso obskuren Nischen herumspiele, ist mir auch die Welt der ActivityPub-Implementierungen nicht völlig fremd. Vor nicht allzu langer Zeit habe ich auf einem meiner Server eine snac-Instanz „aufgesetzt“, wie die jungen Leute (nicht) sagen, die sowohl ein Sicherheitsnetz, falls der Mastodonserver, auf dem ich mein sogenanntes Unwesen treibe, aus Gründen gerade nicht erreichbar ist und ich aber trotzdem dort Konversation zu betreiben gedenke, als auch ein ganz interessantes Testsystem ist, mithilfe dessen ich bisweilen an Diskussionen auf Lemmy teilnehme, weil die meisten Lemmyinstanzen eher lästig zu bedienen sind und ich allein die Möglichkeit, innerhalb des „Fediversums“, wie die jungen Leute (leider doch) sagen, mit nahezu beliebigen Anwendungen auf nahezu beliebige Plattformen zu „posten“, trotz aller technischer Kenntnisse einigermaßen großartig finde. Ich empfehle snac zwecks Anschauung weiter. Es ist irgendwie praktischer als die ansonsten vergleichbare Alternative Honk.
Apropos Honk: Plonk. Webbrowser hatten seit 2010 genau zwei nützliche Innovationen und beide musste es nur geben, weil das Web so ist, wie es ist. Ich bin immer noch der Ansicht, die Mehrheit der Menschen im Internet sollte sich darauf verständigen, das Web einfach den Konzernen zu überlassen, auf dass ihre Vertriebler dort mit irgendwelchen Sprachmodellen über Nonsens debattieren und uns währenddessen in Ruhe arbeiten lassen, aber jenseits des immer noch ziemlich lebendigen IRCs hört irgendwie niemand so recht auf mich. Das haben wir jetzt alle davon.
Worauf jedoch ich höre: Musik.
Guten Morgen.
Deutschland, deine Allegorien! (33)

Menschen lesen
Eigentlich wollte ich an dieser Stelle ein wenig über die in meiner timeline in letzter Zeit vermehrt auftretende Überzeugung raisonieren, mit der Menschen gegen „Big Tech“ wettern und dann trotzdem das maßgeblich von Google und Meta entwickelte Linux empfehlen, als wäre „Big Tech“ etwas Gutes, sobald es den Quellcode rausrückt, den man dann weder lesen noch verstehen kann und/oder will. Weil ich das aber selbst für meine Verhältnisse ein bisschen zu oft mache, lege ich den Verweis auf die Statistik nur zwecks späterer Weiterverwendung hier ab und schreibe stattdessen etwas anderes.
Dieser Tage begegnete mir nämlich eine Wortfindung, die mich ins Grübeln brachte. Die von Karen Prien getroffene Wortfindung lautete, Juden (also Angehörige der Glaubens- und/oder Religionsgemeinschaft Judentum) würden „als Juden gelesen“. Man sagt mir ja (großteils zu Unrecht) manch schwierige Geisteshaltung nach, aber irgendetwas in mir sträubt sich erheblich gegen diese Formulierung.
Es ist, zugegeben, auch nicht so, dass ich besonders überragend darin wäre, Menschen zu lesen. Bisweilen behauptet man über mich, ich gehe stets mit einer übermäßigen Skepsis mit Leuten um, deren Motive nicht in einem ausführlichen Schaubild dargelegt werden, und vielleicht stimmt das auch. (Die Naivität früherer Tage hinterließ Furchen.) Dieses Lesen allerdings ist ein anderes, es taucht sonst in den nicht minder bizarren Wortkombinationen „männlich/weiblich gelesen“ auf, und zwar ist auch das eine semantisch seltsame Ausdrucksweise (man liest keine Geschlechtsteile und erst recht keine Mentalität, Menschen sind keine Bücher), doch zudem hat es nolens volens den Nebeneffekt, dass es das Judentum zur Lifestyle-Eigenschaft verkümmern lässt.
Als wäre das eine hippe Mode für die Soziale-Medien-streetcred.
Nein, Juden werden nicht gelesen. Juden sind. Und es ärgert mich, das überhaupt schreiben zu „müssen“.
Kurz angemerkt zu den Epsteindokumenten
Es ist bereits einige Jahre her, dass mir erstmals der (englische) Begriff des Buryings in der Bedeutung „Nachrichten hinter anderen Nachrichten verstecken“ begegnete, aber er fällt mir trotzdem immer wieder ein, wenn ich die Inlandsnachrichten – man fürchtet die Kernenergie im Inland, würde sie aber gern mal wieder auf andere Länder abwerfen, wie man liest – mit der boulevardesquen Berichterstattung über in anderen Staaten verübtes Unrecht abgleiche.













