Archiv für die Kategorie ‘Piratenpartei’.

Arrrrrrrrrrrrrrrrr!

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Michael Ballack und die anderen Pfeifen

Was außer der Causa Jörg Tauss, dessen Prozess (lesenswerte Hintergründe gibt es seit Sonntag übrigens hier) gestern begann, hat die Menschen dieser Tage noch bewegt? Ach ja: Michael Ballack („kann … tödlich gelangweilt gucken“, Frédéric Valin, Mai 2010) verschont uns mit seiner Anwesenheit während der kommenden Weltmeisterschaft, weil er gefoult wurde; so weit eine gute Nachricht. Weniger gut ist es, dass dem Verursacher Kevin Prince Boateng nun ziellos Beschimpfungen zuteil werden, wie er es wagen könne, im Fußballsport einen Gegenspieler so zu berühren, dass dieser ernsthafte Schäden davonträgt, und überhaupt solle er sich bitte umgehend ausweisen lassen, das ist ja wohl nicht zu viel verlangt!

Mal abgesehen davon, dass diejenigen, die solcherlei schnaubend in die Welt trompeten, allen voran der unsägliche Franz Josef Wagner („Arschloch“, F.J.Wagner), die Fußballweltmeisterschaft 2010 aufgrund eigener Bewegungsunlust ohnehin großteils von ihrem Sofa/Sessel/Computer aus verfolgen werden und Sportarten wie Fußball („Kontaktsport, Du Muschi!“, „freval“ auf twitter.com) und Schach nur anhand der Trikots voneinander unterscheiden können: Wem schadet es, wenn ein Michael Ballack („ein entscheidender Spieler“, gleichfalls Frédéric Valin, Mai 2010) fehlt? Welche wichtige Meisterschaft hat die deutsche Mannschaft mit seiner Beteiligung zuletzt gewonnen? Längst ein running gag (ein laufender Witz also, apropos Michael Ballack) ist es, dass er mehr Zeit auf dem Boden als hinter dem Ball verbringt, weil er, haha, halt ständig hinfällt. Im Fußball verletzen sich Menschen nun mal. Die deutsche Fußballnationalmannschaft besteht, wie schon während der letzten EM, aus Pfeifen sondergleichen, jetzt immerhin aus einer Pfeife weniger. Wenn diese Mannschaft überhaupt ansatzweise eine Finalrunde erreicht, gebe ich mit Vergnügen jedem Leser, der in annehmbarer Entfernung sein Dasein fristet, höchstpersönlich ein Kaltgetränk aus. Ist dies nicht der Fall, scheitert die Mannschaft mit Sicherheit nicht daran, dass ihr ein Michael Ballack fehlt. Sie scheitert daran, dass ihr ein Kevin Kuranyi und ein René Adler fehlen. Sie scheitert daran, dass sie stattdessen einen Lukas Podolski und einen Mario Gomez hat, einen Bastian Schweinsteiger und einen Stefan Kießling. Es ist sicher sehr schmeichelhaft für eine Mannschaft, wenn ihr Land sich zu einem nicht geringen Teil mit ihr solidarisiert. Ich möchte denen, die verbissen an den Sieg der deutschen Mannschaft glauben, ihr Weltbild auch nicht madig reden. Ich meine lediglich: Nutellawerbung ersetzt kein Talent. Eine Mannschaft, die schon bei einer EM in ähnlicher Zusammenstellung keinen Blumentopf gewinnen konnte, darf sich bei einer WM, zudem auswärts, auf einen längeren Urlaub freuen. (Das vor allem Schöne an der ganzen Sache ist es ja, dass wir uns obendrein nicht auch noch auf die zweite Neuauflage des -zigmal durchgenudelten „54, 74, 90, 2006“ der Sportfreunde Stiller „freuen“ müssen; auf 2012 und 2014 reimt sich zum Glück nicht mehr viel, ohne das Versmaß endgültig zu ruinieren.) Na, in Afrika ist es wenigstens warm.

Neu im Vorstand der Piratenpartei Deutschland ist übrigens Wolfgang Dudda, seines Zeichens engagierter „Kämpfer“ gegen die rechtskonservative Meute hier im Land und jedenfalls mir bisher nicht anderweitig aufgefallen. Er plakatiert „Piratenpartei gegen Rechtsextremismus„, ein Motto, das das erklärte Ziel der Piratenpartei, sich für den Links-Rechts-Unfug mancher Parteien nicht zu interessieren, untergräbt (immerhin mittlerweile nicht mehr mit Antifa- statt Piratenflagge!), und solidarisiert sich offen mit der Antifa, deren Demokratieverständnis zumindest in meinen Augen auch nicht gerade piratig erscheint, und mit den Urhebern verfassungsfeindlicher Aktionen wie bspw. des neuerdings ziemlich verbreiteten, dadurch aber keinesfalls weniger widerlichen Blockierens legitimer Demonstrationen. Piraten sind friedlich! Auch sonst scheint sein einziges politisches Wirken darin zu bestehen, die NPD irgendwie doof zu finden und der Anfänge zu wehren. Und für so ein enges Programm bekommt man auf Bundesparteitagen der Piratenpartei ausreichend Zustimmung? Gerade hat sich die Parteibasis darüber gefreut, dass ein „Spinner“ (Johannes B., 12. Februar 2010) mit zumindest fragwürdiger politischer Denkweise freiwillig aus dem Vorstand draußen ist, jetzt ist der nächste drin. (Vielleicht, dies hoffe ich insgeheim bzw. nunmehr offen, auch nur, damit er Ruhe gibt; immerhin ist er lediglich zum Beisitzer gewählt worden.) Und dann verlinkt der gute Herr Dudda auch noch den Piratenkodex auf seiner Internetseite, und darin steht unter anderem dies: Piraten wehren sich entschieden dagegen, mit gewaltbereiten Randalierern in Zusammenhang gebracht werden, da sie das komplette Gegenteil davon darstellen. Er hätte den Kodex vielleicht besser vorher lesen sollen.

Auch, wenn ich mich wiederhole, jedenfalls: Ich persönlich betrachte uns Piraten ebenso wie bspw. Anonymus „lexington“ als Bewegung, die besseres zu tun hat als sich mit irgendwelchen Ewiggestrigen um die Vorherrschaft auf der Straße zu prügeln. Piraten sind keine Fas, Antifas oder Antiantifas und wollen mit diesen nichts zu tun haben. Piraten sind nicht die Linke mit Laptops. Piraten sind wir, und das lassen wir uns nicht nehmen. Für Freiheit und Demokratie! Aber dann bitte konsequent.

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Tag der Konferenzen

„Aber Struppi, liest du denn keine Zeitung?“ (Tim, c/o „Tim und Struppi“, Super RTL, etwa 20:30 Uhr); heute und morgen hält die Piratenpartei Deutschland ihren Bundesparteitag 2010, auf Twitter.com als Ticker hier zu finden, ab und entscheidet derweil über Zukunft und Ausrichtung der Partei wie auch über gestellte Anträge jedwelcher Art. Ein, wie ich meine, gutes Zeichen ist es, dass Jens Seipenbusch, Seele und Identifikationsfigur der Partei, in seiner Position als Parteichef bestätigt wurde. Von einer Tendenz der Piratenpartei zur Beliebigkeit, wie sie mitunter gewünscht wird, ist unter seiner Führung nicht auszugehen.

Amüsant indes ist neben dem merkwürdigen Zeitpunkt für den Rücktritt Aaron Koenigs die Personalie Andreas Popp: Ein großes Geschrei ertönte im Herbst vergangenen Jahres, als jener der Zeitschrift „Junge Freiheit“ ein Gespräch gewährte, sich nicht bewusst dessen, dass es sich um eine Zeitschrift des rechten politischen Spektrums handelte. „Parteiausschluss!“, „Piraten sind Nazis!“, „Nie wieder Piraten!“ und derlei wurde skandiert, weil es ein Pirat wagte, für seine Meinung einzustehen, nachzulesen unter anderem hier. Und was ist das Ergebnis?

Andreas Popp mit 52,1% zum stellv. Vorsitzenden gewählt.

Dies zeigt doch zumindest: Wer am lautesten schreit, hat am wenigsten recht, und Prognosen sind Firlefanz. Apropos Schreihälse: Lena Simon, bekanntlich Initiatorin der unsäglichen „Piratinnen“-Kampagne, hat es sich ebenfalls nicht nehmen lassen, noch mal über ihr Lieblingsthema, „Warum die sexistische Piratenpartei gefälligst Piratinnenpartei heißen soll“, zu reden, was die anwesenden Piraten bekanntlich längst satt haben; und was zitieren die üblichen Piratenverrissblogs? So etwas.

Dass Frau Simons Endlosleier, es sei ein unhaltbarer Zustand, dass es in einer Partei keine strikte Geschlechtertrennung (womöglich also, wie etwa bei den schrecklichen Grüninnen üblich, eine Frauenförderung) gibt, nach all der Vorgeschichte (wir erinnern uns: Nicht autorisierte Pressemitteilung, Gespräche mit taz und Spreeblick.com, nur keine konstruktive Rücksprache mit der Parteibasis, die ihr mehrheitlich schlicht den Vogel zeigte) nur mehr stört, löst zumindest in mir keine Verwunderung aus.

Auch hübsch ist natürlich dies, etwa gleichzeitig geschehen:

Ärger auf dem Ökumenischen Kirchentag: Die evangelische Pfarrerin Käßmann hat die Antibabypille als „Geschenk Gottes“ bezeichnet – und damit die katholischen Bischöfe verärgert. Deren Vorsitzender Zollitsch wies die Deutung entschieden zurück.

Warum ausgerechnet Vertreter der katholischen Kirche Schwierigkeiten damit haben, Empfängnisverhütung gutzuheißen, erscheint mir allmählich nicht mehr sehr verständlich, können doch ihre Partner ohnehin selten schwanger werden; sei’s drum.

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Medienkritik XXVII: Wir kriminelles Pack!

Liebe Leser,

ich bin Mitglied einer kriminellen Vereinigung.

Dies jedenfalls behauptet die jüngst erschienene 200. Ausgabe des Magazins „M!Games„, trotz des Namens offenbar kein Magazin für digitale Jugendkultur, indem es propagiert:

Schließlich haben sich die Raubkopierer jüngst zur Piratenpartei formiert, um ihren Lastern politischen Nachdruck zu verleihen.

Schon herumgesprochen, so nahm ich an, hat sich die Geschichte hinter der Piratenpartei spätestens seit der letzten Bundestagswahl. Warum ein vorgeblich journalistisches Magazin dennoch solche grotesken Fehlinformationen verbreitet, ist für mich unbegreiflich. Ich nehme mir daher an dieser Stelle einmal die Freiheit heraus, den holprig formulierten Unsinn brauchbar zu paraphrasieren und ihm energisch zu widersprechen; die vage Hoffnung, dass dieser Text über allerlei dünkelhafte Umwege in die Hände der zuständigen Schreiberlinge gelangt, allein genügt als Antrieb.

„Jetzt hat sich eine Gruppe von Raubkopierern als Partei aufgestellt, um ihr illegales Treiben zu legalisieren“, so lautet der zitierte Satz sinngemäß und weniger verschwurbelt, und dass es zum abschließenden Inflektiv „*schnaub*“ nicht mehr gereicht hat, ist wohl einer glücklichen Fügung von Zufällen zu verdanken. Jedenfalls ist in diesem Satz, wie man ihn auch umstellt, beinahe nichts wahr:

„Jetzt“ (im Originaltext „jüngst“) ist schon eine völlig falsche Einleitung. Die deutsche Piratenpartei trat im Jahr 2006 erstmals öffentlich auf, die schwedische als ihr Vorbild existiert somit auch nicht erst seit letzter Woche. Da ist an den Redakteuren wohl einiges vorbeigezogen. Zwar ist „hat sich eine Gruppe von“ wenigstens einigermaßen zutreffend, aber die Gründer der deutschen Piratenpartei pauschal als „Raubkopierer“ zu bezeichnen ist auch wieder ein amüsanter Einfall.

Richtig ist, dass die Idee hinter der schwedischen „Piratpartiet“ auf das Tauschportal „The Pirate Bay“ zurückgeht, das in den letzten Jahren oft Gegenstand von Gerichtsverhandlungen mit entsprechendem Medienecho war und in der Folge verkauft wurde. Hier endet die Wahrheit allerdings schon, denn zwischen den Betreibern des Portals und den Gründern der schwedischen Partei besteht personell keine Identität; von der deutschen, die „M!Games“ zu beschreiben vorgibt, ganz zu schweigen.

Was genau ist denn übrigens ein „Raubkopierer“? Das Beziehen digitaler Daten (elektrischer Impulse, Strom an und Strom aus, vulgo „1 und 0“) kann man mit ein wenig Fantasie tatsächlich als eine Art Kopie abstrahieren, aber was genau wird auf diese Weise wem geraubt, also gewaltsam entrissen? Die Definition eines Raubes oder doch wenigstens Diebstahls bedingt einen abgeschlossenen Besitz-(nicht Eigentums-)transfer, will sagen: Danach ist es weg. Das wäre allerdings in der Tat eine technische Revolution, wäre über das Internet tatsächlich solcherlei möglich. Die Jahrhunderte des Eindringens in fremde Wohnungen, womöglich mit Sach- oder gar Personenschaden verbunden, wären endlich gezählt! So aber bleibt nur zu wiederholen, was Beate Merk anlässlich des beabsichtigten Ankaufs von Bankdaten aus der Schweiz sprach: Daten kann man nicht stehlen.

Weiter im Text: „um ihr illegales Treiben zu legalisieren“ (resp. eben „um ihren Lastern politischen Nachdruck zu verleihen“), nein, nein und nochmals nein. Die Novellierung des Urheberrechts, die die Piratenpartei anstrebt, hat vielmehr damit zu tun, dass jenes in seinem jetzigen Zustand der globalen Vernetzung nicht mehr gewachsen ist. Hierzu eine Grafik am Beispiel eines Tonträgers:

Diese Verteilung ist weder im Sinne der Musikschaffenden noch der Konsumenten, denn man zahlt als Endnutzer keinesfalls für geistige Schöpfungskraft, sondern allein für den Profitwillen derer, die auf dem teuer erworbenen Tonträger nicht einmal zu hören sind. Davon abgesehen sieht das derzeitige Urheberrecht so etwas wie Musikdownloads, legal oder nicht legal, nicht einmal vor. Jens Seipenbusch drückte es im Gespräch mit Jan Philipp Albrecht, Chris Piallat und Jan Engelmann so aus:

Wenn man sich jetzt den Text des Urheberrechts anguckt, ist da im Grunde genommen noch von Farbkopierern die Rede. Den Fotokopierer gibt es seit Ende der sechziger Jahre. Daran erkennt man zum einen, dass es einen extremen Aufarbeitungsstau gibt. Zum anderen haben der Prozess der Digitalisierung und die Verbreitung des Internets das Urheberrecht praktisch überrannt. (…) Die Tonträgerbranche wandelt sich, weil trägerlose Medien dominant geworden sind. Deswegen ist auch die Diskussion um Pauschalabgaben schwierig. Früher hatten wir Tonträger, jetzt haben wir eine Infrastruktur, die aber nicht exklusiv von den Unterhaltungsmedien genutzt werden kann.

Nicht zu vergessen ist schließlich auch, dass die Piratenpartei keine bloße Einthemenpartei war und ist. Neben der Novellierung des Urheberrechts werden auch ein transparenter Staat, die Abschaffung jeglicher Überwachungs- und Zensurinfrastrukturen und eine Eindämmung des Lobbyismus gefordert, darüber hinaus viele weitere Aspekte von Demokratie und Bürgerrechten; kurz gesagt: Die Piratenpartei ist die F.D.P. des 21. Jahrhunderts. Aber wir machen keine Fehler.

(Am 9. Mai ist Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, wie mir kürzlich zugetragen wurde. Nutzt die Gelegenheit weise!)

Um diesen Text nun also zusammenzufassen, liebe Redakteure von „M!Games“, falls es nur für wenige Sätze reicht:

Vorher, falsch: „Schließlich haben sich die Raubkopierer jüngst zur Piratenpartei formiert, um ihren Lastern politischen Nachdruck zu verleihen.“
Nachher, richtig: „Auch die in mehreren Ländern vertretene Piratenpartei hat sich unter anderem die längst fällige Überarbeitung des Urheberrechts zum Ziel gesetzt.“

Bittesehr, nichts zu danken.

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Marsch wider das Verstehen

Schon wieder ist 1. Mai, und die potenziell gewaltbereiten Fanten und Antifanten (die belustigende Wortwahl trifft’s dann auch irgendwie), noch mit Restalkohol Resttanz in den Mai versehen, verabreden sich mit den potenziell eher friedfertigen Vertretern der jeweiligen Gegenseite zum gegenseitigen Stören – ein herrlicher Brauch, der immer wieder zum Amusement über derlei geballtes Missverständnis von Demokratie einlädt.

Es ist gut und richtig, Menschen, die Demokratie für grundlegend falsch halten, mit verächtlichen Blicken zu strafen. Nicht jedoch sollte man diesen Menschen gleichfalls mit antidemokratischen, gar gesetzwidrigen Mitteln begegnen; hierzu verweise ich auf VersammlG § 21:

Wer in der Absicht, nicht verbotene Versammlungen oder Aufzüge zu verhindern oder zu sprengen oder sonst ihre Durchführung zu vereiteln, Gewalttätigkeiten vornimmt oder androht oder grobe Störungen verursacht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

„Sitzblockaden“, für viele Teilnehmer eine angemessene Handlung, fallen ebenfalls darunter; auch, wenn sie sich eben nur gegen „die Rechten“, wie auch immer man sie definiert, richten. Wenn Nationaldemokraten – eine in der Bundesrepublik trotz aller Einwände noch immer nicht verbotene Bewegung – eine legitime Demonstration abhalten wollen, ist dies jedenfalls durchaus im Sinne der Demokratie, ganz gleich, ob man sich mit ihnen identifizieren kann oder nicht. Den in diesem Zusammenhang oft erwähnten Rechtsstaat beachten keinesfalls „die Nazis“ nicht, es sind die, die sich ihnen in den Weg stellen. Es ist ziemlich erschütternd, was für Menschen unter dem Deckmantel der falsch verstandenen „wehrhaften Demokratie“ auf die Grundregeln der Demokratie weitgehend pfeifen. (Vor diesem Hintergrund sind übrigens auch Bilder blockierender Bürger in Piratenkostümen ziemlich erschreckend; ich hoffe, kein Außenstehender verfällt jetzt ernsthaft dem Glauben, solcherlei ließe sich mit dem piratischen Verständnis von Demokratie vereinbaren!)

Eine Demokratie kann nur funktionieren, wenn ihre Mitglieder sie respektieren. Wer sie nicht respektiert, sollte sich den Mund mit Seife auswaschen gehen, wenn er das Wort „Demokratie“ verwendet hat; ganz gleich, auf welcher Seite er steht.

Wie gesagt: Es ist schön, Pirat zu sein.

Als Nachtrag zu meinem Monolog übrigens auch ein Hinweis auf die neue Ausgabe des Magazins Titanic, die mir seit gestern vorliegt:

Allein schon deshalb lesenswert.

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Medienkritik XXVI: Helden im Wandel

Die gestrige Fernsehwerbung offenbarte Ungewöhnliches:

Im Internet, diesem seltsamen rechtsfreien Raum voller Kinderpornografie und Urheberrechtsverstöße, von dem immer alle reden, gibt es ein Portal namens Helden der Liebe. Dieser annepfirsich recht ansprechende Titel ist Etikettenschwindel, denn trotz des Namens, der Werbung („ich liebe meine Frau“) und des Mottos auf dem Seitenbanner („Aus Liebe zur Liebe.“) geht es eben nicht um die Liebe in ihren Facetten, sondern allein um körperliche Vereinigung. Das Portal „Helden der Liebe“ widmet sich allein der erektilen Dysfunktion des Mannes.

Als „Helden der Liebe“ bezeichnet man dort ernsthaft jene Paare, die nach einer schweren gemeinsamen Zeit miteinander wieder glücklich geworden sind, nachdem der Mann seine Erektionsprobleme in den Griff bekommen hatte; weil Schnackseln und Liebe eben untrennbar miteinander verbunden sind, zumal wenn man seit Jahren verheiratet ist, weil man sich dann eben, so suggeriert jenes Portal, gegenseitig nur noch ertragen kann, wenn der Mann funktioniert, was über die Liebe ja dann eigentlich auch schon alles Nötige aussagt.

Angesichts solcher Informationen in solchen Medien ist es für mich schon ein wenig leichter zu verstehen, dass das, was die heranwachsenden Generationen unter der großen, wahren, ewigen und einzigen Liebe verstehen, nur mehr wie ein schlechter Scherz erscheint.

Übrigens, sofern sich noch jemand an die Berichterstattung über die total wichtige und bürgernahe Enquête erinnert: Jörg Tauss (Pirat) hat sich mit den Hintergründen ihres designierten Vorsitzenden beschäftigt. Ein Absatz als Vorgeschmack für den magenstarken Leser:

Im übrigen ist Fischer der Inhalt von Zensursula und die wichtigste Netzdebatte der letzten Jahre offensichtlich noch nicht einmal ansatzweise bekannt: Denn er spricht im Interview vom “Gesetz gegen die Weiterverbreitung von Kinderpornografie” – und meint wie sein Interviewer tatsächlich das Zugangserschwerungsgesetz, das mit der längst strafbaren Weiterverbreitung von Kinderpornografie nun allerdings nicht das MINDESTE zu tun hat.

Danke, reicht schon.

NetzfundstückePiratenpartei
Copy.Right.Now!

Das möchte ich der Leserschaft auch nicht vorenthalten:

Die Heinrich-Böll-Stiftung hat ein umfassendes elektronisches Büchlein zum Thema Urheberrecht in der Zeit digitaler Kopien veröffentlicht, unter anderem mit einem Interview mit Jens Seipenbusch, dem Vorsitzenden der Piratenpartei Deutschland.

Das geltende Urheberrechtsregime reibt sich zunehmend an der digitalen Alltagswirklichkeit. Während es ursprünglich als ein auf den „genialen” Schöpfer zugeschnittenes Schutzrecht gegen Missbrauch konzipiert war, verstoßen wir, ob gewollt oder unbeabsichtigt, täglich gegen bestehendes Recht. Verlustfreies Kopieren gilt den einen als Zugewinn an Freiheit, den anderen als Einschränkung von künstlerischer Verfügungsgewalt und drohender Einnahmenverlust. Ein Ende der „Copyright Wars“ erfordert ein politisches und rechtstheoretisches Neudenken.

Das ganze Werk steht unter einer Creative-Commons-Lizenz und ist hier sowie via eMule herunterzuladen.

Lesenswert und (leider) politisch noch immer hochaktuell.

Mir wird geschlechtPiratenpartei
Piratinnen: Hauptsache, mal mit der Presse reden

Vor etwa einem Monat schrieb ich eine erboste Reaktion auf die Gründung einer männerfreien Zone innerhalb der Piratenpartei, danach war recht lange nur noch wenig von diesem femininen Zirkel zu hören. Anfang März 2010 wurde ein offener Brief veröffentlicht, der die Kritikpunkte zusammenfasst und von ein paar sehr richtigen Kommentaren ergänzt wird.

Der Umgangston der stolz unmännlichen Personen scheint untereinander auch nicht der beste zu sein:

Die Dame warf mir mehrere Ungeheuerlichkeiten vor, die aus dem, was ich schrieb, nicht zu entnehmen waren, für alle Mitglieder lesbar, und wies mich an, ihr privat zu antworten oder im Forum, da sie die Liste nicht weiter vergiften lassen will. Abgesehen davon, dass ihr eigenes Gift in Form einer veritablen Verleumdnung anscheinend nicht so das Problem zu sein scheint. Nun ist meine Antwort auf die Mail nicht erschienen, da ich (oder alle, so genau konnte man das nicht erkennen) auf moderiert gesetzt bin, das heißt, man nimmt mir sogar die Möglichkeit, mich zu verteidigen. So nicht, meine Damen. Wenn das die Vorstellung von Schutzraum sein soll …

Nun aber war es nach mehreren Wochen der Stille um diese unsäglich kindische Debatte falsch zu hoffen, dass da nichts mehr käme; Lena Simon hat heute ausgerechnet (und öffentlichkeitswirksam) im Spreeblick nachgelegt:

Bizarr: Ich wurde verwarnt für etwas, was ich nicht getan hatte, denn die Verwarnung wurde wegen parteischädigendem Verhalten ausgesprochen (und nicht wegen Verstoßes gegen eine Regel, die besagt, dass ich als Privatperson keine Pressemitteilung hätte herausgeben dürfen, die gibt es nämlich in der Form nicht).

Die Partei geschädigt haben jedoch ganz andere.

Bizarr: Jemand gründet innerhalb einer Partei männerfreie Zonen und kann nicht verstehen, wieso selbst Frauen das als absonderlich und zweckfremd bezeichnen; und statt also sich mit der Kritik auseinanderzusetzen, trommelt man mit den Fäusten auf dem Linoleum herum und fühlt sich ganz furchtbar ungerecht behandelt, wenn nicht gar diskriminiert. (Frauen, die von Frauen diskriminiert werden, sind natürlich auch eine interessante Entwicklung in den Sphären des Radikalfeminismus‘.)

Welche „anderen“ durch welche Untaten die Partei geschädigt haben sollen, beantwortet die Dame nur unzulänglich, sie geht aber auch von den falschen Voraussetzungen aus. Die Gründung der Mailingliste ist nicht das entscheidende Element gewesen, die Vorgehensweise hingegen schon. Wer erst einmal mit der Presse und dann erst mit den Betroffenen redet, setzt die falschen Prioritäten.

Jedoch noch mal zum Inhaltlichen: Dass manche Menschen sich nicht trauen, in Gegenwart des anderen Geschlechts über Probleme zu diskutieren, ist kein rein weibliches Phänomen, es ist also der völlig falsche Ansatz, es über die Geschlechterfrage zu lösen zu versuchen. Die ewige Isquierda halluziniert sich jedoch wieder ganz andere Zusammenhänge herbei:

Das Problem bei den Piraten sehe ich vor allem im extremen Androzentrismus, der eine Welt neben der bewußt männlichen, überhaupt nicht akzeptiert und sich radikal abschottet unter Zuhilfenahme auf kleinbürgerliche Feindbilder: Feminismus!

… weil es eben geradezu absurd erscheint, wenn Parteiarbeit auf das Geschlecht keine Rücksicht nimmt, weil eben nicht die Professionalität desjenigen von Bedeutung ist, der gute Ideen hat und sie umzusetzen weiß, sondern allein sein Geschlecht. Da hat die Gute sicherlich nicht Unrecht: Der Feminismus forciert Diskussionen, die der politischen Arbeit unnötig im Weg herumstehen. Der Maskulismus allerdings auch. Wer sich monatelang damit beschäftigt, ob ein weiblicher Pirat nicht besser Piratin, Pirateuse oder Pira benannt werden sollte, verliert das Ziel aus den Augen, das die Piratenpartei politisch verfolgt. (Interessierte Zwischenfrage: Wählt ernsthaft jemand eine Partei anhand der vereinbarten Anrede für ihre Mitglieder? Wenn ja: Warum?)

Dieser ganze Gendermist hat jetzt schon viel zu viel Energie verbrannt. Vielleicht sollten wir uns darauf verständigen, statt „Pirat“ künftig ein grammatikalisch neutrales Wort zu verwenden, damit wir uns endlich wieder dem Frauenhass den wichtigeren Dingen zuwenden können.
„Mitglieder der Piratenpartei Deutschland werden geschlechtsneutral als Geschöpfe / Wesen / Kamele bezeichnet.“

Hmm, Kamele.

Mir wird geschlechtPiratenpartei
Piratinnen: Klarmachen zum WAS?

Und als ich gerade über Genderei schrieb, stieß ich auf die neueste Verrücktheit der Sexistinnen:

Die „Piratinnen“ – das Wort kommt mir bekannt vor – sollen eine Anlaufstelle für jene weiblichen Mitglieder der Piratenpartei bieten, die Angst davor haben, sich im Kreise der vorurteilsfreien, nicht vom Genderwahn befallenen Piraten zu Frauenthemen zu äußern. All dies soll auf einer unabhängigen Mailingliste diskutiert werden, um sicherzugehen, dass sich keine Männer einmischen, was offenbar immens wichtig ist:

Die Piraten sind kein frauenfeindlicher Haufen junger Männer, wie sie in dem Medien häufig dargestellt werden. Emanzipation ist nicht eines unserer Kernthemen.

Die Piraten sind ein datenschutzfreundlicher Haufen von Menschen jedwelchen Geschlechts und Alters, wie sie in den Medien häufig dargestellt werden, und eine ihrer zentralen Forderungen ist konsequente Transparenz. Und gerade deshalb ist eine offene Kommunikation unabdinglich:

Wir erwarten nicht von den Männern, dass sie hellsehen können und erraten, was wir uns wünschen und wie wir uns fühlen. Gerade deshalb und für ein produktives Miteinander ist es notwendig, eine offene Kommunikation zu ermöglichen und unangenehme Verhaltensweisen aufzuzeigen und zu spiegeln.

Unangenehme Verhaltensweisen also, womöglich frauenfeindlicher Natur, sollen diskutiert werden. Und eine offene Kommunikation über unangenehme Verhaltensweisen äußert sich wie?

Die Mailingliste steht daher absichtlich nur Frauen zur Verfügung, lädt aber explizit auch die Frauen ein, die nicht Parteimitglied sind und es eventuell werden wollen oder nur aufgrund der Position der Partei zur Genderfrage bisher nicht geworden sind.

Frauen, die aufgrund der Ablehnung des Genderismus‘ noch kein Mitglied der Piratenpartei geworden sind, sind nun herzlich eingeladen, dies zu ändern, was der Slogan „Klarmachen zum Gendern“, also zum bewussten Erzeugen von Unterschieden in der Behandlung von Männern und Frauen, bereits unmissverständlich zu verstehen gibt. Es ist ja auch wahrlich ein für Feministinnen undenkbarer Zustand, dass es eine Interessensgemeinschaft gibt, die sich strikt weigert, von „Bürgerinnen und Bürgern“ zu sprechen (merke: Der Frau gebührt die Erstnennung!).

Es scheint dieser Tage en vogue zu sein, die Grenzen der Bundessatzung nach eigenem Gutdünken zu erweitern. Ich bin recht zuversichtlich, dass ein Großteil der Piraten gleichwelchen Geschlechts diesen sexistischen Unfug ablehnen wird. Bis jetzt sieht es gut aus.

Piratenpartei
Aufrechte Demokraten

Aus „Dresden nazifrei!“ hat man, wie es scheint, nichts gelernt, und so probte man heute in Augsburg den Aufmarsch Aufstand:

Wir nutzen diesen Erfolg in Dresden zur Motivation auch in weiteren Städten in Deutschland, wie Augsburg, Düsseldorf und Gelsenkirchen, mutig den selbsterklärten Feinden der Demokratie entgegenzutreten und diesen Aufmarsch nicht einfach an uns vorbeigehen zu lassen.

Die selbsterklärten Feinde der Demokratie, deren Recht auf Demonstration von einem demokratischen Verwaltungsgericht bestätigt wurde, kann man als wahrer Demokrat wahrlich nicht gewähren lassen. Wo kämen wir denn da auch hin, wenn jede politische Richtung das Recht hätte, Gebrauch von ihrem Demonstrationsrecht zu machen? Immerhin rief man nicht zur Gewalt auf:

Friedlicher Protest in all seinen Formen ist erwünscht.

Hauptsache, irgendwie dazwischenfunken – das dient erwiesenermaßen der Deeskalation und hat ja auch in Dresden so prima funktioniert; sehr richtig und mit vermutlich unbeabsichtigter Ironie frug das Piratenweib: „Erst Dresden, dann Augsburg?“.

Wer ein wahrer Demokrat ist, der kann das nicht durchgehen lassen, und schon gar nicht, wenn man Pirat ist zu sein glaubt und das mit dem Links und dem Rechts noch nicht so ganz verstanden hat.

Ich distanziere mich als Pirat sowie persönlich ausdrücklich von diesen antidemokratischen „Demonstranten“ und gebe, Naivling, der ich bin, die Hoffnung nicht auf, dass sie irgendwann einsehen, dass die Piratenpartei die falsche Partei für sie ist.

Wir haben wahrlich andere Sorgen als diesen Links-Rechts-Unsinn. Die Piratenpartei steht für Bürgerrechte, Transparenz und Datenschutz. Sie ist keine zweite Antifa und soll es auch nie werden; denn dann wäre sie wahrlich überflüssig.

Piratenpartei
„Warum ich Pirat bin“, die visuelle Kurzform

Als nicht in Nordrhein-Westfalen Ansässiger ist mir die Anregung, bloggend darzustellen, wieso man Pirat ist, erst eben gerade begegnet (ich unterstelle da mal einen Zusammenhang), und Wahlwerbung ist in Niedersachsen ja derzeit noch nicht unbedingt nötig. Aber es ist sehr schön, dass ich über diesen Artikel stolperte, denn so kann ich meinen im Überschwang veröffentlichten Text bezüglich des ZugErschwG unauffällig korrigieren, mir als jemandem, der nicht allzu häufig (genauer: fast nie) Tageszeitungen konsultiert und in seinem Nachrichtenticker auch selten mehr als die Überschriften liest, zumal, wenn’s um dröge Politik geht, ist der geplante JMStV nämlich, Asche auf mein ergrautes, kahles Haupt!, nahezu völlig entgangen. Ein prima Anlass, dazu auch mal Stellung zu nehmen; bevor die ersten Stammleser fragen, wieso ausgerechnet ich oller Nerd bislang auf meinen Senf dazu verzichtet habe.

Der JMStV (is‘ kürzer als das gesamte Wortungetüm, Juristendeutsch mag ich nicht allzu gern) ist im Wesentlichen die logische Konsequenz der GEZ-Vorgehensweise, die eigene Diskussionsplattform zeitlich einzuschränken, was ich, vermutlich in einem Anflug von Altersmilde, noch vor einigermaßen wenigen Wochen belächelt hatte, und dient, wie schon das ZugErschwG (ich denke da immer an Bimmelbahnen), vor allem dem Zweck, faulen Eltern die Erziehung ihrer Sprösslinge zu einer gewissen Medienkompetenz zu ersparen. Klar, wenn im Internet nachts keine Pornos mehr laufen, ist das viel bequemer für die Erziehungsberechtigten, die gnädig auf dieses Recht verzichten, als selbst zu überprüfen, was das Balg eigentlich so den ganzen Tag am Computer treibt. Warum aus dem Haus gehen, wenn sich stattdessen auch einfach die Erde unter den Füßen weiterdrehen kann? Man muss nur lange genug in der Luft bleiben und kommt irgendwann an.

Christian Schmidt schrieb schon 2007 in einem etwas anderen Zusammenhang:

So ruft man also nach dem Staat, der möglichst alles verbieten sollte, was der Entwicklung eines Kindes schaden könnte. Die Aufgabe der Obrigkeit ist offenbar, dafür zu sorgen, dass man Kinder problemlos für die ersten 14 Jahre ihres Lebens vor einem Fernseher oder einem Computer parken kann, ohne als Elternteil aktiv in die Erziehung eingreifen zu müssen.

Warum ich Pirat bin?
Genau deswegen!

In den NachrichtenPiratenparteiPolitik
Die Resolution der Kommunarden, Strophe 1.

Draußen weigern sich die 21,6 Milliarden Tonnen Klimaerwärmung beharrlich, wegzutauen, und oft, wenn das Volk anderes als Politik, zum Beispiel Fußball oder eben das Wetter, im Sinn hat, werden unbeliebte Gesetze erlassen, damit es wenigstens nur wenige überhaupt zur Kenntnis nehmen; es hat auch diesmal funktioniert:

Bundespräsident Horst Köhler hat heute das „Gesetz zur Bekämpfung von Kinderpornographie in Kommunikationsnetzen“ unterzeichnet. (…) Der Bundespräsident geht davon aus, dass die Bundesregierung entsprechend ihrer Stellungnahme vom 4. Februar 2010 nunmehr „auf der Grundlage des Zugangserschwerungsgesetzes“ Kinderpornographie im Internet effektiv und nachhaltig bekämpft.

Eigentlich wäre dies ein Grund, erzürnt aufzuspringen und/oder sich darüber zu freuen, dass diese Meldung der Piratenpartei, die im Überschwang versehentlich mehrfach falsch zitiert wurde (zwischen „Löschen ist doof“ und „das Löschgesetz ist doof“ besteht eben doch ein signifikanter Unterschied), bei den kommenden Wahlen in Nordrhein-Westfalen eine recht ansehnliche Anzahl an Stimmen bescheren dürfte; die Lage ist hier aber noch ein wenig anders, wie man es ausnahmsweise bei SPIEGEL Online treffend auf den Punkt bringt:

An diesem Mittwoch hat der Bundespräsident ein durch und durch vermurkstes Gesetz unterschrieben, das mit der Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt in Kürze in Kraft treten wird – hinter dem aber keine einzige der im Parlament vertretenen Parteien steht.

Horst Köhler ist seit seinem Amtsantritt der einzige CDU-Politiker, der mir mit fast jeder seiner Entscheidungen eine große Portion Respekt abnötigt. Mit dieser Unterschrift unter ein Gesetz, das die, die es ihm vorlegten, selbst nicht mehr durchsetzen wollen, hat er vorerst verhindert, dass sich die Koalition rechtzeitig aus der Affäre zieht; ein revidiertes Gesetz, das das alte aufhebt, wird nun doch noch eine Weile dauern, und vor dem unterschriebenen droht in dieser Form vorerst keine Gefahr. Zu Recht hat derweil der AK Zensur eine Verfassungsklage gegen das Gesetz angekündigt und gemeinsam mit einigen Berliner Piraten Präsenz gezeigt. Jetzt bleibt abzuwarten, was die Regierung mit „ihrem“ Gesetz anzufangen gedenkt – zumindest der gelbe Teil der Tigerente hat nichts mehr zu verlieren.

NerdkramsNetzfundstückePiratenpartei
Keine Identicons für Andrease!

Gerade schaute ich wieder einmal in den Ordner für abgelehnte Kommentare und Verweise von anderen Webseiten und fand so heraus, dass ich unter anderem mehrfach von Ulf Hundeiker erwähnt wurde, der in seinem Beitrag ein wenig über das Muttersöhnchentum von Bushido referiert. Dabei verweist er unter anderem auch auf das Pepilog, genauer: auf einen Artikel dort, der Sidos tatsächlichen Namen zum Thema hat. (Ein Sido ist, so weit ich das mitbekommen habe, so was wie Bushido, nur anders.)

In dessen Kommentarbereich (also dem Pepilog-Kommentarbereich, nicht dem von Sido), in dem sich die Freunde seltsamer Klänge battleten gegenseitig mit nicht unbedingt allzu freundlichen Namen bedachten, wird zur leichteren Unterscheidung der Nutzer die Technik der Identicons verwendet.

Ein Identicon ist, kurz gesagt, eine computergenerierte Grafik, die aus dem Hashwert (einer Art Quersumme) der eigenen IP-Adresse berechnet wird und somit jede IP-Adresse weltweit eindeutig darstellen kann. Eine ähnliche Technik verwendet auch die Netzpräsenz, in deren Rahmen dieser Text hier erscheint; die so genannten „Gravatare“, die im Kommentarbereich neben dem eigenen Namen erscheinen, sofern man die verwendete Mailadresse kostenfrei angemeldet hat, werden allerdings nicht dynamisch erzeugt, sondern können selbst eingestellt werden. (Dies auch, weil ich die möglichen Alternativen, unter anderem eben solche Identicons, nicht sonderlich hübscher als die weiße Silhouette vor grauem Hintergrund, die als Standard-Gravatar dient, finde.)

Genug des Exkurses. Ich besuchte also das Pepilog und schaute gedankenverloren in die Grafikspalte, weil die Kommentare nun wirklich nicht sonderlich erwähnenswert schienen, bewegte mich durch die Seite, bis mein Blick an etwas haften blieb, und stutzte ein wenig, schaute noch mal hin und musste grinsen:

Gern auch noch mal in groß:

Damit mich niemand falsch versteht: Ich kenne die Swastika durchaus auch ohne knallroten, diagonal durch sie gezogenen Strich, und ich bin wahrlich weit davon entfernt, jegliche Symbolik, die man revisionistisch verstehen könnte, auch so zu verstehen, aber ein wenig wunderlich mutet mir das schon an, dass mir da noch keine empörten Aufschreie irgendwelcher Zentralräte zu Ohren gekommen sind; zumal doch diese Identicons aufgrund des verwendeten Algorithmus‘, also tatsächlich zufällig und unbeabsichtigt, alle recht ähnlich aussehen:

Sollte jetzt irgendein Leser dieses Textes und Betrachter der eingebundenen Grafiken in Personalunion ernsthaft und ohne wie auch immer geartete Ironie entsprechende Maßnahmen gegen jegliche Internetpräsenzen erwägen, die Gebrauch von dieser Technik machen, so bitte ich um eine kurze Mitteilung. Eine solche Gelegenheit zu einer Gesichtspalme kann ich nicht ungenutzt verstreichen lassen.


(Im Piratenforum rollen übrigens sozusagen Köpfe, nachdem es kürzlich zu einigen unschönen Machtspielchen gekommen war. Die Parteiführung hat die Verantwortlichen, die noch nicht freiwillig zurückgetreten waren, ihres Sonderstatus‘ enthoben und somit erste Sanktionen verhängt. Es ist, fürchte ich, aber nur noch eine Frage der Zeit, bis auch diese durchaus begrüßenswerte Entwicklung jemandem begegnet, der ihretwegen Zeter und Mordio schreit. Dabei wäre die Energie, die in solchem Kinderkram steckt, anderswo wahrlich besser aufgehoben; andererseits: Wer sich mit solchen Kleinigkeiten aufhält, stört wenigstens nicht bei der Parteiarbeit.)

In den NachrichtenPiratenpartei
Asexuelle Schlüpfrigkeiten

Heute früh berichtete SPIEGEL Online erneut über irgendwas mit Olympia, und diesmal hatte es nicht einmal allzu viel mit Sport als solchem zu tun:

Sportlich, blond und halbnackt zeigt sich die erfolgreiche US-Snowboarderin Hannah Teter derzeit in einem Sportmagazin. Weil das nicht jedem gefällt, muss sie sich mit harscher Kritik auseinandersetzen. Und wehrt sich.

„Harsche Kritik“ kann ich ja verstehen, sonderlich hübsch ist die Frau, wie ich meine, nicht mal nichtnackt. Die „Sittenwächter“ des Staatenbundes, in dem ständig irgendwelche Leute, die irgendwer, der gerade eine Waffe griffbereit hatte, nicht besonders leiden kann, über den Haufen geschossen werden, haben vielmehr ein Problem damit, dass Frau Teter obenrum auch mal unbekleidet da sitzt, völlig unabhängig davon, ob man die fraglichen Körperteile überhaupt zu Gesicht bekommt oder eben nicht. Kein Wunder, dass katholische Geistliche bei all der Hypersexualisierung durch Frauen in Badekleidung Lust auf Knabensex verspüren!

Ungeachtet der Tatsache, dass Frau Teter meines Erachtens Recht hat, wenn sie die lächerliche Prüderie in den USA beklagt, gehe ich doch zumindest nicht mit einer ihrer Reaktionen konform:

„Die Bilder sind ein bisschen schlüpfrig, aber absolut nicht sexuell“, sagte die Athletin und betonte: „Man sollte daraus kein Drama machen. Die Naturvölker laufen in einigen Ländern ständig nackt herum, und keiner denkt an Sexualität. (…)“

Nun, auf keinem der Bilder ist tatsächlich Nacktheit zu sehen, es wird vielmehr damit kokettiert. „Würde ich mich auch nur um wenige Zentimeter bewegen, könntet ihr ungehindert auf meine Brüste starren“, scheint ihr Mienenspiel ausdrücken zu wollen, und so weiß sie sehr wohl um die Sexualität, die in derlei Aufnahmen mitschwingt. Warum sonst nahm sie nicht einfach die Hände beiseite? — Den letzten Satz bitte ich nach dem Lesen aus dem Gedächtnis zu streichen.

Gestrichen wird endlich auch bei der Bahn, und der Pinsel wird an den überflüssigen Anglizismen angesetzt:

So würden Handzettel oder Broschüren nicht mehr als „Flyer“ bezeichnet, Schalter nicht mehr als „Counter“ und herausragende Leistungsaspekte nicht mehr als „Highlights“. Aus „Hotlines“ seien „Service-Nummern“ geworden.

Wegen „Service“ möchte ich da jetzt auch keinen Aufstand mehr anzetteln, aber, ganz ehrlich, ausrufen:

Danke, Bahn! :)

(Apropos Piratenforum noch mal: Der umstrittene Administrator „arvid“ ist vorerst von seinem Amt zurückgetreten, eine Stellungnahme der AG Forum wie der Bundes-IT ist ab heute Abend zu erwarten; auch, wenn ich es als eher unwahrscheinlich aufnehme, dass selbige auch von denen gelesen werden wird, die mindestens den Untergang der Piratenpartei anhand der Querelen bezüglich des Forums prophezeiten, da doch selbst die Feststellung, dass da was nicht ganz sauber abgelaufen ist, für Spott taugte.)

Nachtrag: Herr Seipenbusch höchstpersönlich hat sich zu Wort gemeldet.
Nachtrag II: Auch die AG Forum gab nun die Stellungnahme ab.

Piratenpartei
Meuterei im Piratenforum

Ach, du meine Güte, da lässt man sie mal einen Tag lang allein und schon richten sie nur Schaden an.

Die Piratenpartei, wie üblich „die Piratenpartei“ genannt und in ihrer Gesamtheit gemeint, steht derzeit wieder einmal in der Kritik für etwas, das nicht einmal ihr Verschulden ist. Im Laufe der vorigen Stunden wurde das Forum der Piratenpartei, nachdem es wochenlang heftige Streitereien um den Moderationsstil des Benutzers „arvid“ gegeben hat, von ihm und den beiden anderen bisherigen Administratoren trotz jeglicher Datenschutzbedenken auf einen privaten Server umgezogen, ohne den Bundesvorstand oder die anderen Forenteilnehmer darüber zu informieren, was kurze Zeit später, nachdem ersterer im Bilde war und erste Proteste bezüglich eben des Datenschutzes erklungen waren, wieder rückgängig gemacht wurde.

Einige Weblogs, unter anderem das stets unsachliche F!XMBR (Link bitte selbst suchen) und das mir bis dahin völlig unbekannte mthie spaces, waren schnell genug zur Stelle, um darüber zu berichten. Wenn ich selbst als ein Pirat, der in jenem Forum derzeit ebenfalls eine Sperrzeit erdulden muss, aus irgendwelchen Vorgängen im Forum gefolgerten Unsinn über „die Piratenpartei“ lesen muss, steigt mir die Galle hoch, und wenn mir die Galle hochsteigt, ist das nicht sehr angenehm für zumindest mich. Ich verschaffe ihr ein wenig Luft, indem ich zornerfüllt einige Dinge klarstellen möchte:

Zunächst einmal ist das Forum der Piratenpartei nicht „die Piratenpartei“. Seine Betreiber sind nicht der Bundesvorstand, ihre Meinung ist nicht die Meinung der Partei; vielmehr handelt es sich um ein Diskussionsforum primär für Piraten und ihre Sympathisanten, aber auch ihre Kritiker. Wenn jetzt dieses Forum von irgendwo nach irgendwo anders verschoben wird, ist dies kein Verrat an Parteiidealen, da die Übeltäter keinesfalls im Sinne des Parteivorstandes, sondern, so weit ich bislang mitbekommen habe, gegen seinen Willen und ohne sein Wissen gehandelt haben. Wie eben auch – zum Glück – nicht jedes Thema, das von irgendeinem Wirrkopf in ebendiesem Forum eröffnet wird, einen Dogmastatus inne hat. Noch immer ist in roter Schrift über den Inhalten des Forums folgendes zu lesen:

Dies ist ein öffentliches Forum.

Die tatsächliche Parteiarbeit findet zum Glück komplett außerhalb des Forums statt, zum Beispiel in Wiki, Telefonkonferenzen und Mailinglisten. Ich kann den Kritikern, die Forum und Partei vermengen, bei all ihren Äußerungen immerhin insofern zustimmen, als die Piratenpartei, wäre das Forum tatsächlich in irgendeiner Form repräsentativ, vermutlich längst in der Bedeutungslosigkeit verschwunden wäre, und das nicht einmal zu Unrecht. Während sich nun aber die geifernde Menge auf das Forum stürzt, um die letztlich völlig irrelevanten Vorgänge lustvoll zu zerreißen, beschäftigt sich die Parteibasis nebst jeglichen Vorständen längst mit wichtigeren Dingen, zum Beispiel der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen. Das ist spannender und angesichts aktueller staatlicher Verfehlungen auch brisanter als irgendwelche Machtkämpfe in einem Forum, die jedenfalls mich an den Film Das Experiment erinnern.

Sollte jemand, der hier zufällig vorbeistolpert, tatsächlich ein weiter gehendes Interesse an der Parteiarbeit haben, und sei es nur zu Recherchezwecken, möge er einen Blick in das Wiki werfen und die Berichterstattung über irgendwelche Verschwörungen in der Piratenpartei, nur weil es in einem von der Parteiarbeit völlig unabhängigen Forum zu Kindereien kam, kühl lächelnd ignorieren.

In den NachrichtenNetzfundstückePiratenpartei
Die digitale Offenheit spießiger Behörden

Auf allgemeinen Wunsch trage ich, statt ständig nur einem Greise würdiges Gezeter auf die Leserschaft dieser ansonsten doch recht amüsanten Netzpräsenz loszulassen, dann auch mal wieder etwas zur Erheiterung bei:

Die GEZ hat jetzt nicht nur ein total neues und viel moderneres Logo, sondern, aufgemerkt!, zudem einen neuen Internetauftritt, irgendwas mit Bürgernähe oder so etwas, richtig mit „Blog“ und moderiertem „Forum„, wie es SPIEGEL Online zum Beispiel auch hat. Und damit nicht während der Abwesenheit der Moderatoren das Chaos ausbricht, haben sie sich etwas tolles ausgedacht: Statt die Beiträge nur in die Moderationswarteschlange einzureihen, wie es eben bei SPIEGEL Online zum Beispiel der Fall ist, machen sie nach Dienstschluss das ganze Ding zu. Nicht nur zum Schreiben, sondern richtig konsequent.

Anonymus frischE folgerte im heise-Forum:

Lol, Öffnungszeiten für ein Forum… was kommt als nächstes?
Eintrittskarten für deren Webseite?

Bislang hatte ich noch keine Gelegenheit, in der neuen digitalen Demokratie mal auf Zitatsuche zu gehen, aber offenbar wird dort eh fast nur gepöbelt.

Immerhin: Da macht sich die GEZ jahrelang mit fragwürdigen Methoden unbeliebt und errichtet dann eine Diskussionsplattform, in der sie die Zahlpflichtigen ernsthaft nach ihrer Meinung fragt. Mutig sind sie ja, die Verantwortlichen. Die Teilnehmer des Web of Trust honorieren es entsprechend:

(Ursprünglich gefunden hier; Quelle: heise-Forennutzer Akurei.)

Es ist nett von der GEZ, den Bürgern endlich eine Möglichkeit zu geben, sich Luft zu verschaffen, und wenigstens den Anschein zu erwecken, sich überhaupt dafür zu interessieren, was es an ihr zu kritisieren gibt. Ich bezweifle aber, dass sie trotz all der neuen Modernität bereit ist, sich tatsächlich zu öffnen. Das Forum dürfte in dieser Form nicht mehr lange existieren.

Und so werden wohl noch viele Plüschtiere an die Gebührenpflicht erinnert werden, bevor sich etwas ändert.