Archiv für die Kategorie ‘Politik’.

Politik regt mich auf, und wenn ich mich aufrege, muss ich schreiben, sonst gibt’s Tote.

Mir wird geschlechtSonstiges
Rudelbums für Anfänger: „Cosmopolitan“, ein Magazin für Unentschlossene

Hui, eine neue „Cosmopolitan“ („Endlich wieder Montagmorgen“, ebd.) mit Gwen Stefani vornedrauf, und dann gleich so ein toller Aufmacher:

Cosmopolitan März 2015

Neue Flirt-Tipps für mehr Spaß und bessere Typen
(Wir haben sie, wissenschaftlich erwiesen!)

Nun ja, selbst Genderforscher und Mediengestalter dürfen sich heutzutage „Wissenschaftler“ nennen, wenn sie an der richtigen (bzw. eben grundfalschen) Hochschule „studiert“ haben; aber wer wäre besser geeignet als ein Frauenmagazin (vgl. „JOY“ et al.)? Eben; und bei der „Cosmopolitan“ hat man wohl ohnehin in letzter Zeit Sonderschulungen in erfolgreicher Schnackselanbahnung absolviert, denn direkt vor den „neuen Flirt-Tipps“ wird ein „neues Orga-Tool für Polyamore“ angepriesen, eine Art app zur Terminplanung, damit man nicht versehentlich die Partner verwechselt.

In dieser Hinsicht erkenne ich zumindest ein Muster; im selben Heft gibt die Drehbuchautorin („Drehbuch-Queen“) Anika Decker im Gespräch mit der „Cosmopolitan“-Autorin Julia Rotherbl bekannt, sie bedaure es, dass es ihr anders als in ihrem neuen, nur nebensächlich erwähnten Film bislang nicht gelungen sei, Liebeskummer durch Sex mit möglichst vielen Männern nacheinander zu verdrängen. Und ich war bislang der Überzeugung, das Gewese um die „große Liebe“ in Mädchenzeitschriften sei schon nur noch schwerlich an Peinlichkeit zu überbieten. – Andererseits erklärt Moritz Pontani im wiederum gleichen Heft, Männer säßen nicht allein zwecks Spermienbelüftung gern breitbeinig herum:

Unsere geöffneten Beine, vor allem die Oberschenkel, fungieren hier als Fluchtlinien oder Lotsen. Sie weisen euch den Weg zum zentralen Fluchtpunkt, unseren Hosenmittelpunkt. Er schreit euch förmlich weit geöffnet zu: „Hier liegt ein Prachtstück, Baby! Greif zu!“

Ach so.

Damit wäre die Zielgruppe der „Cosmopolitan“ ziemlich klar definiert: Flittchen zwar, aber doch zumindest solche, die auch mal neue Filme ansehen und wahrscheinlich just in diesem Moment ihren Partner (oder jeden von ihnen) ausführlich über die Geschehnisse in dem kürzlich verfilmten Weichspül-Fickroman „50 Shades of Grey“ in Kenntnis setzen; Frauen von Welt also, blöderweise von einer anderen.

Wie ein Mann sich anlässlich eines Rendezvous‘ zu verhalten habe, erklärt die Website der „Cosmopolitan“ – was aber müsse man als eine solche Frau tun, um mehr Spaß und „bessere“ Typen – besser als wer oder was? – beim Flirten zu erzielen? Nun, folgende neue Tipps befolgen:

Regel 1: Das Beuteschema erweitern

Bessere Typen lassen sich finden, indem man weniger wählerisch ist; mach‘ Sachen. Ein solcher Traummann aus dem erweiterten Beuteschema sei, so die immer gleiche Julia Rotherbl, c/o „Cosmopolitan“, einer, der „irgendwann vielleicht sogar bereit dazu [sei], den Nachwuchs zu hüten, während Mama ins Büro geht“ – einer ohne eigene Karriere also, auf den „starke Single-Ladys“ (ebd.) ein wenig mitleidig hinabblicken können. Emanzipation am Arsch, aber der Siegeszug der softies (also Weichbirnen) ist nicht aufzuhalten. „77% der Frauen sagen: Meist entscheide ich, ob aus einem Date mehr wird“, die anderen 23 Prozent werden bestimmt von denen bevormundet, die Fluchtlinien auf ihre Hosen zeichnen.

So einen softie jedenfalls hat wohl jede Frau aus dem „Cosmopolitan“-Publikum sowieso im Freundeskreis, daher:

Regel 2: Den eigenen Freundeskreis scannen

Dass das in Kombination mit einem Hang zu wechselnden Intimpartnerschaften möglicherweise den Freundeskreis zerreibt und ausdünnt, sei gnädig verschwiegen. „Je länger man Single ist, desto wichtiger und größer wird der Freundes- und Bekanntenkreis“ (Regel 10); es wäre doch wirklich schade um all die mögliche Beute.

Wenn die „selbstbewusste Single-Lady“ ihren Leumund beim Befolgen dieser Regel erst einmal zur Genüge gemindert hat, eilen die so genannten „neuen Medien“ gern zu Hilfe:

Regel 3: Selbstbewusst surfen

Nämlich: „auf Dating-Webseiten nach einer neuen Liebe suchen“, und zwar „tough“ (J. Rotherbl), denn sonst mache man sich als Frau nur selbst klein, während man für weniger einsam gehalten werde, wenn man sich auf dem virtuellen Fleischmarkt energisch selbst anzupreisen wisse. Selbstbewusstsein, dies sei „Cosmopolitan“-Leserinnen kurz erklärt, beinhaltet im Übrigen auch, zu seinen Schwächen (Scham, „Cosmopolitan“-Abonnement oder noch schlimmer) zu stehen und vermeintlich schlechte Eigenschaften zu akzeptieren, statt sie zu überschminken. Aber wem sag‘ ich das?

Frauen natürlich, denen man auch so etwas erklären muss:

Regel 4: Nicht auf ein Date warten

Die Zeit, so die Argumentation, die man damit verbringe, auf „den Einen“ zu warten, könne man stattdessen auch nutzen, um im Alltag „tausende andere Möglichkeiten, neue Bekanntschaften zu knüpfen“, wahrzunehmen. Dass „der Eine“ dann früher oder später keine Lust mehr hat, bei der ersten sich bietenden Gelegenheit abserviert zu werden, wird dabei implizit geduldet. Soll er sich halt ein bisschen beeilen, der Arsch.

Denn:

Regel 5: Sich auf keinen Fall klein machen

Den Anderen hingegen schon, wenn Zuwiderhandlung der Erfüllung der Regeln im Weg steht. „Starke Single-Ladys“ wollen starke Ladys bleiben und sich vielleicht zur LP weiterentwickeln. Aber auf keinen Fall zur Sonderpressung:

Regel 6: Leicht zu kriegen sein
Regel 7: Beim ersten Date Sex haben

Klar: Je schneller eine Frau zur Sache kommt, je offensiver sie baggert, desto lieber greift der typische „Cosmopolitan“-Leserinnen-Zielmann zu. „Null(!) Prozent der deutschen Single-Männer stehen darauf, wenn ihnen die Flirtpartnerin die kalte Schulter zeigt“, und „wie frustrierend wäre es denn, nach drei Monaten Dating festzustellen, dass man im Bett nicht harmoniert?“. Allerdings finden auch „null(!)“ Prozent der mir bekannten Singlemänner eine Frau, die leicht „zu kriegen“ in beiderlei Sinne ist, dauerhaft interessant, aber die lesen auch keine „Cosmopolitan“, sondern Blogs und politische Magazine.

Es muss wiederum ja auch nicht von Dauer sein:

Regel 8: So bald wie möglich streiten

Dabei gehe es darum, herauszufinden, ob die (zweifelsfrei) beiden Dickköpfe, die mit den „neuen Flirt-Tipps“ zueinander gefunden haben, einander auch im Falle unterschiedlicher Ansichten zu einem Thema (zum Beispiel der Qualität der „Cosmopolitan“) noch zu dulden imstande sind. Nur zur Sicherheit gibt „Cosmopolitan“ den eher schüchternen ihrer Leserinnen noch einen Rat, der die Umsetzung dieser Regel erleichtern soll:

Regel 9: Keine Kompromisse eingehen
Regel 12: Die biologische Uhr abstellen

Dabei gehe es darum, sich bei der Partnerwahl nicht mit jemandem abzufinden, bei dem das „Knistern“ (J. Rotherbl) ausbleibe. Der Traummann müsse es sein! Zwar ist dies vielleicht einer der häufigsten Gründe, dass die typische „starke Single-Lady“ eben ein Single ist, aber wer aufgibt, hat schon verloren.

Es eile ja auch nicht, die quasi sprichwörtliche „Torschlusspanik“ sei „kein guter Ratgeber“. Lieber bis ins hohe Alter allein bleiben als mit jemandem zusammen zu sein, der nicht „richtig gut“ (zum Beispiel Omar Sy, „Cosmopolitan“, gleiches Heft) ist, scheint das Credo zu lauten, das die „Cosmopolitan“ hier ausgibt. George Clooney („scharfer Schauspieler“, britische Website der „Cosmopolitan“, 2008) sieht ja auch in vergleichsweise hohem Alter noch aus wie jemand, den man als „Cosmopolitan“-Leserin gern vom Fleck weg heiraten würde – warum dann nicht auch die Leserin selbst?

Unsicher? Da hilft nur eins:

Regel 10: Nur auf den Bauch hören

Der Bauch sei der einzige Außenstehende, dessen Einschätzung des potenziellen neuen Partners zählen solle, Meinungen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis (ihr erinnert euch: das sind diejenigen Personen, mit denen man vorher allerlei, ähem, Bekanntschaften geknüpft hat) hingegen nicht. Der Bauch als zuverlässiger Beziehungsratgeber ist natürlich nur eine Metapher: „Schließlich müssen nur Sie sich in ihn verlieben“. Allzu viel Zeit bleibt der „starken Single-Lady“ sowieso nicht für den Austausch:

Regel 11: Dating als Fulltime-Job betrachten

Trotz eher mauer Bezahlung: „Was würden Sie denken, wenn Sie Ihrer Affäre morgens um acht eine WhatsApp-Nachricht schicken und den ganzen Tag über nichts von ihm hören?“, da ist ja die Frage schon falsch, denn es geht bei den „Dating-Regeln“ ja letztlich um’s Verlieben, wofür zumeist anderes Verhalten bedeutsam ist als bei einer Affäre, die sich von einer Beziehung ja auch in ihrer Innigkeit zu unterscheiden pflegt, aber so wichtig ist das vielleicht auch nicht; die Regel lautet jedenfalls zusammengefasst, dass man als Teil der Zielgruppe rund um die Uhr erreichbar sein sollte, falls einer der zu Fick- und/oder Romantikzwecken anvisierten Herren trotz der anstrengend künsatlichen Persönlichkeit der jeweiligen „Lady“ auf ihre Nachrichten antworten. Die will man ja nicht warten lassen.

Plural? Aber natürlich!

Regel 13: Nicht nur auf einen Typen setzen

„Multi-Dating ist mittlerweile ganz normal, ja fast schon Trend“, und wer will schon aus der Mode kommen?

Früher ist man ja einfach in eine Bar gegangen.

In den NachrichtenMontagsmusikPolitikWirtschaft
Acid Mothers Temple & The Melting Paraiso U.F.O. (live)

Hi.Es ist Montag, es ist Krieg oder auch nicht: „Merkel will Obama die deutsch-französische Friedensinitiative erklären“, was ja beim Thema Bürgerrechte schon regelmäßig scheitert, aber man will ja nicht das Freihandelsabkommen auf’s Spiel setzen, der Juniorpartner der USA wahrt seinen Stand. Anderswo schwätzt Nils Minkmar für die „FAZ“ etwas über „Putinversteher“ ins Internet. In dieser schönen klaren diplomatischen Welt ist zumindest sicher, wer über jeden Zweifel erhaben ist. Sorgen um Griechenland und die Ukraine trüben den Markt, +++ EIL +++ PANIK +++, also müssen Griechenland und die Ukraine schnellstmöglich befriedet werden. Schicken wir doch Waffen und/oder Soldaten hin, vielleicht haben die Kinder dort dann wieder mehr zu essen.

Andererseits: Was ist schon von Medien zu erwarten, die einen Artikel über den rotbäckigen Belgier mit dem Mordswumms für Journalismus halten? Der Tempel der Wirtschaft ist eine Festung.

Dieser hier übrigens auch:

Acid Mothers Temple & The Melting Paraiso UFO – La Maroquinerie, Paris, 10-18-2013 (full show)

Guten Morgen.

NetzfundstückeWirtschaft
Medienkritik extern: Linkspopulismus auf Griechisch

Dass ich noch mal unironisch die „taz“ verlinken würde, hätte ich mir selbst bis eben nicht geglaubt, aber was ihr Autor Robert Misik zum Umgang der deutschen Medien mit der neuen griechischen Regierung zu sagen hat, ist’s dann doch mal wert:

Womöglich ist ja die Eigenart und das Problem der zeitgenössischen Linken, dass sie die Mentalität von Besiegten hat. (…) Lustig finde ich ja, dass Syriza-Chef Alexis Tsipras mit dem Label „linkspopulistisch“ belegt wird, weil er nicht den Habitus fader technokratischer Vernunft ausstrahlt, der in den kontinentalen linksliberalen Regierungsmilieus vorherrschend geworden ist. Als wäre das ein Defizit!

Beziehungsweise halt:

Die Kreditverträge mit der EU und dem IWF für nichtig erklären, den Beamtenapparat wieder aufblähen, fröhliches Leben auf Pump, alles wieder wie früher, das ist Tspipras‘ Botschaft.

Beziehungsweise (abermals „taz“):

Man muss ja nicht gleich von Meinungsmache oder gar Lügenpresse reden, aber ganz offensichtlich gibt es hier einen Konformitätsdruck, einen Magnetismus hin zu einem Mainstream, der Pluralismus grosso modo nur mehr im engen Rahmen des vom hegemonialen Merkel-Austeritätskurs Erlaubten zulässt.

Man selbst hat eben immer am rechtesten.

In den NachrichtenPolitik
Friedensterroristen

Im Februar 2013 schrieb ich über die schlimmen „Grünen“:

Die ehemalige Friedenspartei findet Kampfeinsätze unter bestimmten Bedingungen also ziemlich in Ordnung, wenn sie nur nicht allzu lange dauern oder wenigstens vom Gewaltmonopolisten UNO angeordnet werden. Dessen Befehlsgewalt ist selbstverständlich bindend.

Weshalb sich auch auf den „Friedenswinter“-Demonstrationen zugunsten eines unmilitärischen Miteinanders mit Russland allenfalls vereinzelte Grüne mit Flagge sehen lassen, die wohl das Memo nicht gelesen haben. Wer Frieden will, ist verdächtig; beziehungsweise:

Die nachhaltige Diffamierung der neuen Friedensbewegung ist gelungen. Das ist ein großer Sieg jener Kräfte, die militärische Interventionen und die sogenannte militärische Lösung von Konflikten hoffähig machen wollen.

(Unbedingt dort weiterlesen und Spucktüten bereithalten.)

Was haben wir nur falsch gemacht?


Malbücher für E-Book-Reader. Das neue große Ding.

Apropos: Wo bleibt eigentlich die Revolution?

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
King Crimson – The Great Deceiver

watMontag. Die Welt ist defekt. Garniert mit ein wenig Panik lässt sich mancher Irrsinn durchsetzen:

Die Polizeidirektion Dresden hat für Montag alle öffentlichen Versammlungen unter freiem Himmel verboten. (…) Andere Maßnahmen als ein Versammlungsverbot seien ungeeignet, um die Sicherheit in Dresden am Montag zu gewährleisten.

Mit Verboten lassen sich gesellschaftliche Probleme bekanntlich effizient lösen; würde jemand Stehlen und Morden verbieten, so wäre dieses Land von manchem Übel befreit. – Der letzte Staat, der im Raum Dresden ein Demonstrationsverbot erlassen hatte, existiert übrigens nicht mehr. Könnte man da nicht vielleicht …?

Mit Musik klappt es manchmal besser.

King Crimson – The Great Deceiver – 1974 Live

Guten Morgen.

In den NachrichtenPersönlichesPolitik
Nachtrag zu PEGIDA: Wer ist hier fremd?

Zu den PEGIDA-Demonstrationen (ich berichtete) ansonsten vielleicht noch eine kritische Beleuchtung dessen, was die Leute daran eigentlich so stört: Merkel verurteile „fremdenfeindliche Tendenzen“, schreibt man auf SPIEGEL ONLINE und nennt dabei eigentlich schon das Hauptproblem.

Nun beginnt Fremdenfeindlichkeit ja schon damit, dass man „Fremde“ zunächst einmal als Fremde wahrnimmt. Ich selbst halte mich für insofern „fremdenfeindlich“, als ich mir fremde Menschen in den meisten Fällen lieber nicht ertragen müsste, aber gegen die Ausländer und Moslems unter ihnen habe ich im Allgemeinen auch nicht mehr einzuwenden als gegen Inländer und Christen (gerade Letztere sind mir ohnehin besonders zuwider).

Haven’t we met? You’re some kind of beautiful stranger.
Madonna: Beautiful Stranger

Fremdenfeindlich. Feindlich gegen die Fremden. Fremd ist, mit wem man fremdelt. Die Bundeszentrale für politische Bildung weiß:

Fremd ist nur, was als solches erlebt wird. Nichts ist aus sich heraus und notwendig fremd. Das fremde Terrain erscheint im Erleben einfach vorhanden, tatsächlich ist es subjektiv gesetzt und Ergebnis willkürlicher Ordnungskriterien im Gefolge persönlicher Motive und gesellschaftlicher Konventionen.

Wer gegen Anhänger einer bestimmten Religion, Mitglieder einer bestimmten gesellschaftlichen Schicht oder Einwanderer aus einer bestimmten Region populistisch agiert, der ist noch kein Feind des Fremden. Eine überzeichnete Analogie: Ich halte auch Ursula von der Leyen für jemanden, der lieber putzen und backen sollte als dieses Land in den Krieg zu führen, und habe gegen Frauen trotzdem prinzipiell nicht viel einzuwenden.

Damit wir uns verstehen: PEGIDA, DÜGIDA, BOGIDA und all die übrigen Häuflein seltsamer Menschen sind wohl überwiegend politisch unsichere Demonstranten, deren Wut sich gegen das Falsche richtet, gegen den Boten nämlich, nicht jedoch das zerrüttete Sozialsystem. Das ist ein bisschen schade. Ihnen aber pauschal Feindlichkeit gegenüber Fremdem vorzuwerfen setzt womöglich ein falsches Signal. Unter den Demonstranten sind von ihrer Tageszeitung verblödete Unmündige sicherlich ebenso wie stramme Rechte und Opportunisten zu finden. Man mag sie einen Pöbel nennen, einen Haufen Leute, die beinahe so effizient wie ihre Gegendemonstranten („NOPEGIDA“) wertvolle Lebenszeit anderer Leute mit ihrem Unsinn verplempern. Das Wort Fremdenfeindlichkeit aber ist fremdenfeindlicher als jedes Graffito auf Hauswänden.

Du kennst mich doch, ich hab‘ nichts gegen Fremde. Einige meiner besten Freunde sind Fremde. Aber diese Fremden da sind nicht von hier!
Methusalix, in: Asterix, „Das Geschenk Cäsars“

In den NachrichtenPolitik
Kauderwelsch: ChriGIDA

Was aus den insbesondere Dresdner Demonstrationen von Leuten, die an Heiligabend gern ungestört ein totes Flüchtlingskind anbeten möchten, eigentlich zu lernen ist, ist im Übrigen dies: Rennt! Wir sind in höchster Gefahr! Nein, nicht von Rechts oder von Links oder von sonstigen politisch Blöden, sondern von Religionen!

Doch, echt:

Der Unionsfraktionschef Volker Kauder warnt vor einer weiteren Fragmentierung der deutschen Politik. „Es darf nicht dazu kommen, dass in Deutschland eine islamische Partei entsteht“ (…). Alle demokratischen Kräfte hätten die Aufgabe, politisch Interessierte aus allen Schichten des Volkes zu integrieren.

Noch vor zwei Jahren wies eben dieser Volker Kauder auf die historischen Zusammenhänge von Christentum und Deutschland – noch wenige Jahre vor der Gründung der „alten“ Bundesrepublik bekanntlich ein eingespieltes Team – hin:

Die Muslime gehörten selbstverständlich zu Deutschland, so Kauder, aber: „Der Gott, der die Mütter und Väter des Grundgesetzes leitete, war der Gott der Christen und der Juden.“ Muslime seien an der Erarbeitung des Grundgesetzes nicht beteiligt gewesen. Deutschland sei „nach wie vor vom christlich-jüdischen Glauben geprägt“.

Zurück ins Jahr 2014: Volker Kauder setzt sich offenbar – löblich, löblich – vehement dagegen ein, dass Religionen politische Macht in Deutschland bekämen; es sei schon bedenklich genug, dass es in Deutschland einen Ableger der Partei des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, der AKP, gebe, immerhin sei die Bundesrepublik „wertanschaulich neutral“ (Kauder, 2012) und zu ihren Werten gehöre die Religionsfreiheit (ebd.), die für Volker Kauders Partei, die „Christlich-Demokratische Union“ (CDU), selbstredend ein hohes Gut ist und zum Beispiel nicht in Einklang mit staatlich verordneten christlichen Gedenktagen zu bringen wäre (ich, jetzt).

Volker Kauder war zuletzt 2013 mit folgender Äußerung aufgefallen:

„Die Menschen wissen um die Gefahr, die von Terroristen ausgeht. Und sie wissen, dass Geheimdienste notwendig sind, um diese Gefahren abzuwehren. Wir brauchen die Geheimdienste auch, um unsere Soldaten zu schützen, etwa in Afghanistan.“ Diese Arbeit könnten die Dienste aber nur leisten, wenn nicht alle Welt wisse, wie sie arbeiten. Kauder sprach sich deshalb für ein Ende der öffentlichen Debatte über die Arbeit der Geheimdienste aus. (…) „Je mehr man in der Öffentlichkeit über die Arbeitsweise der Geheimdienste weiß, umso eher können sich die Gewalttäter darauf einstellen.“

Wie ZEIT.de – wiederum 2014 – zu berichten weiß, rate Volker Kauder in der Debatte um die Verbreitung des Islams in Deutschland „dringend dazu, die Menschen nach ihren Taten zu beurteilen“. Ich habe insofern ein nur wenig ungutes Gefühl damit, Herrn Kauder als einen dummen Populisten zu beurteilen. Ich bin ihm für diesen guten Rat sehr dankbar.

In den NachrichtenNetzfundstückePiratenpartei
Kurz verlinkt: Hannelore Kraft / Monetarisierung des Webs

Hihi:

Weil es keine Mittagspause gegeben habe, sollen die Abgeordneten von SPD, CDU und Grüne (sic!) die Redezeit des Piraten-Abgeordneten Joachim Paul für einen Gang in die Kantine genutzt haben.

Aber weil der sich bewusst sehr kurz gefasst habe, sei das Rednerpult nach wenigen Minuten frei für die nächste Rednerin gewesen – für Ministerpräsidentin Kraft. (…) Und so habe Kraft ihren Vortrag – völlig ungewohnt – halten müssen, obwohl fast niemand zugehört habe. „Etwas übertölpelt“ soll sie deswegen gewesen sein, berichten die Piraten.

Andererseits: Gewählt wird meist nicht derjenige, der die packendsten Reden hält. Insofern ist’s wohl auch egal.


Letzte Woche verlinkte ich wieder einmal netzwertig.com, diese Woche ertönt der Schwanengesang:

Trotzdem haben wir uns nach langem Überlegen und schweren Herzens dazu entschlossen, das Kapitel netzwertig.com in der bisherigen Form zu beenden. (…) Verlockende neue Herausforderungen; die Schwierigkeiten, ein Angebot wie netzwertig.com nachhaltig zu monetarisieren sowie die auf Dauer begrenzte Reichweite der Fachberichterstattung über Technologie-Themen in deutscher Sprache erleichterten uns den Entschluss etwas.

Ich schreibe nun übrigens seit über neun Jahren, davon überwiegend unter dieser Domain, ohne wirkliche Unterbrechung längere Texte unter eigener Ägide ins Internet hinein und habe weder eine nennenswerte Reichweite noch eine Monetarisierung umzusetzen geplant, trotzdem stelle ich nicht den Betrieb ein. – Vergeldlichung von Blogs ist allerdings auch eine hervorragende Geschäftsidee. Warum ist darauf noch niemand gekommen?

In den NachrichtenWirtschaft
Der Rubel rollt

Was die Medien berichten:

Russland hängt vom Öl ab, und die Regierung unternimmt nichts dagegen. (…) Viele Menschen spüren die aufziehende Krise. Arbeitsplätze werden abgebaut, die Kaufkraft der Löhne sinkt.

Was die Medien deshalb fordern:

Die dramatischen Kursverluste des Rubels setzen den russischen Präsidenten Putin unter Druck. Er muss jetzt handeln und auf den Westen zugehen, um die Sanktionen zu mildern, (…) auch wenn diese gar nicht der eigentliche Grund für den Kursverfall sind. (…) Er oder ein anderer Präsident. Ansonsten wird die ökonomische Realität den stolzen russischen Bären in sehr kurzer Zeit in die Knie zwingen.

(Hervorhebung von mir.)

Was die Medien eigentlich sagen wollen: Zwar sei die russische Wirtschaft durch die europäischen Sanktionen stark geschwächt, aber, nun, Putin sei schuld und müsse weg.

Was die Medien dabei verschweigen, sind der in gleichem Maße stark sinkende Ölpreis …

Ölpreis 2014

…, der gleichermaßen fallende Kurs des brasilianischen Reals …

Real 2014

…, der binnen eines Tages mit ebenfalls erschreckender Geschwindigkeit gefallene Kurs der türkischen Lira …

Türkische Lira 2014

… sowie der Zehnjahrestiefstand der Eurobonds:

Eurobonds 2014

Man könnte das mit der Inflation erklären, aber die Inflation kann’s nicht sein: Während die Weltwirtschaft sich behende abwärts schraubt, steigt die Zahl der beinahe Armen ebenso wie die der Reichen. Das kann kein Zufall sein.

Armutsschere

„Deutschland geht es gut“ (A. Merkel in anderem Zusammenhang), selbst Putin zum Trotz. „Stoppt Putin jetzt“, forderte der „SPIEGEL“ vor wenigen Wochen, denn das Problem ist nicht, dass die NATO ihn umzingelt und sein Volk bluten lässt, sondern, dass er sich trotzdem nicht zum Spielball der westlichen Mächte machen lässt. Da wird man schon mal fuchsig als westliche Macht.

Wirklich blöd, dass Russland Atomraketen besitzt. Da kann man das Problem ja gar nicht demokratisch lösen.

(überwiegend via @pmarca)

In den NachrichtenMir wird geschlechtMontagsmusikPolitik
Þursaflokkurinn – Nútíminn

KauzselfieWieder ein Montag, wieder erwacht man allein. Das Feuer verzehrt alles außer dem Verzehr; und draußen tobt ein Sturm und mit ihm die Dummheit: Feministinnen blockieren aus Versehen Leute auf Twitter; wird schon irgendwie gut sein, weil ein Programm das für sie übernimmt. Wir sind die Borg, Verstand ist zwecklos. Denken ist Männersache.

Was auf Twitter sonst noch irgendwie gut ist, versucht die unsägliche, skrupellose Made My Day GmbH herauszufinden und in einem Buch zusammenzufassen. Die Erlöse sollen an die „Ärzte der Welt“ statt an die Urheber der Tweets gehen; die „Ärzte der Welt“ wollen aber mit Hehlern nichts zu tun haben und nehmen das Geld nicht. Jetzt muss die Made My Day GmbH auf dem Geld sitzen bleiben. Doof.

Schätzungsweise auch doof ist es übrigens, wenn man ein größeres Telekommunikationsunternehmen ist und plötzlich die Stasi im Haus hat: Der BND hatte sich bei der Telekom eingemietet (Vorsicht: JavaScript-Tracking!), der damalige Telekom-Chef weiß von nichts. Eigentlich sollte das niemanden erstaunen, immerhin vergisst die Telekom sogar Technikertermine binnen weniger Minuten nach Vereinbarung. Die Verantwortlichen für diese spartenübergreifende Verletzung von Grundrechten haben heute hoch dotierte Posten in Aufsichtsräten und sitzen hässliche Formen in die Parlamentsbestuhlung. Die Menschen gehen gegen die AfD auf die Straße, weil sie rechte Tendenzen scheiße finden, und wählen dann doch wieder bloß die SPD. Die morgendliche Tasse Lack war wohl schon abgelaufen.

Man wacht auf und versteht die Welt nicht mehr. Und Isländisch auch nicht.

Þursaflokkurinn – Nútíminn Er Trunta

Guten Morgen.

MusikNetzfundstückeWirtschaft
Sprecht mehr Wirtschaft!

Martin Weigert, regelmäßigen Lesern meiner Texte als Google-Anhänger bekannt, findet den Vorschlag der CSU, man solle Migranten dazu anleiten, auch privat mehr Deutsch (haha, CSU! Bayern! Deutsch! Hihihi! – wissenschon) zu sprechen, nicht gut. So weit die Mär vom blinden Huhn und dem Doppelkorn.

Er hätte das damit begründen können, dass das privat gesprochene Idiom eines Bürgers Privatsache zu bleiben habe, dass obendrein oder wenigstens stattdessen kulturelle Vielfalt in Deutschland keine Frage der Sprache sei und dass, haha, man in Bayern, hihi, selbst erst mal Deutsch lernen sollte.

Stattdessen postulierte er:

Die CSU sollte “Englisch-Pflicht” statt “Deutsch-Pflicht” fordern

Denn:

Aber wo bleibt der Aufruf an die Bundesbürger, ihr Englisch aufzupolieren? In der vernetzten, globalisierten Welt ist das ein weitaus wichtigerer Erfolgsfaktor als ausgezeichnetes Deutsch.

Die Wirtschaft, die Wirtschaft! Migranten, die vor einem Bürgerkrieg nach Deutschland fliehen, ohne dazu bereit zu sein, schlechtes Englisch zu lernen, um sich an der globalisierten Wirtschaft dieses armen Merkelstaates zu beteiligen, können gleich wieder gehen. Deutsch ist Amtssprache mindestens sieben europäischer Länder, Englisch spricht man europaweit allenfalls im „Vereinigten Königreich“ und Irland sowie den diversen britischen Inselprotektoraten, aber das ist vielleicht nicht global genug gedacht. Kein Wunder geht’s mit Deutschland bergab, wenn wir immer nur an Europa („Wir in Europa“, A. Merkel) denken. Die Belange der Wirtschaft haben den Bürger zu interessieren, und die Wirtschaft ist nicht gern Prophet im eigenen Land.

So wird das nix mit dem Aufschwung.


Das war mir völlig entgangen: Steve Albini von der großartigen Band Shellac hat was zum aktuellen Stand der Musikindustrie gesagt.

Music has entered the environment as an atmospheric element, like the wind, and in that capacity should not be subject to control and compensation. Well, not unless the rights holders are willing to let me turn the tables on it. If you think my listening is worth something, OK then, so do I. Play a Phil Collins song while I’m grocery shopping? Pay me $20. Def Leppard? Make it $100. Miley Cyrus? They don’t print money big enough.

Könnte funktionieren. :mrgreen:


Habt ihr eigentlich dieses Jahr schon für Kakapos gespendet?

In den NachrichtenMir wird geschlechtNerdkramsNetzfundstücke
Kurz verlinkt: Gender, Bloatware, Nobelpreis

Volker Beck von den schrecklichen „Grünen“ hat erkannt: Gender geht nur ganzheitlich. Wenn schon Beidnennung, dann wenigstens konsequent. Burkas auch für Männer!


Sehenswerter Comic fast zum Thema: Diese öffentliche Zurschaustellung von Homosexualität stört hupende Heterohochzeitsgäste beim dezenten Feiern.


Andere bekommen einen Nobelpreis in Chemie oder Physik, Snowden bekommt einen Nobelpreis in Abwesenheit. Hätte ich gewusst, dass das so einfach ist, wäre ich vielleicht auch mal auf einen Flughafen gezogen.


Erinnert ihr euch noch daran, dass ich vor Kurzem schrieb, Firefox sei gar nicht allzu unnötig aufgebläht? Ich erwäge leise Revision: Firefox 34 kann nun offiziell auch Videochat. Das sei nicht so schlimm, befindet ein Mozilla-Repräsentant, Millionen Menschen könnten diese Funktion möglicherweise mal brauchen. Das sind vielleicht die gleichen Millionen Menschen, denen Mozilla vor einer Weile den RSS-Link aus der Adressleiste geklaut hat, aber den brauchen vielleicht andere Millionen Menschen auch nicht. Ich finde es übrigens auch schade, dass mein Smartphone keinen Kühlschrank hat. Millionen Menschen haben unterwegs vielleicht Lust auf ein kühles Getränk. Klarer Fall von Marktlücke.


Sarkastisch? Ich? Dann guckt euch mal Ernie und Bert an.

In den NachrichtenWirtschaft
Inflation

Wisst ihr übrigens, was eine Inflation ist?

Inflation (…) bezeichnet in der Volkswirtschaftslehre eine allgemeine Erhöhung der Güterpreise, gleichbedeutend mit einer Minderung der Kaufkraft des Geldes.

Genau das fehle diesem Land, nein, diesem ganzen Kontinent zur Besserung. Die steigende Kaufkraft gerade im Dezember müsse ein Ende haben, befindet die Europäische Zentralbank:

„Wir werden das tun, was wir tun müssen, um die Inflation und die Inflationserwartungen so schnell wie möglich zu erhöhen, wie es unser Auftrag verlangt.“ Die EZB sei bereit, bei Bedarf noch stärker an den Finanzmärkten zu intervenieren.

Zum Glück leben wir in einer zivilisierten Gesellschaft, sonst käme man als europäischer Bürger möglicherweise auf sehr hässliche Ideen, was den Umgang mit Herrn Draghi betrifft.

Wo bleibt eigentlich die Revolution?

ComputerIn den NachrichtenNetzfundstückePiratenpartei
Weltknall, 20. November 2014

Das macht Spaß.Katja Kipping von der „Linken“ bedauert, dass ihr gelegentlicher Bündnispartner Piratenpartei von den Medien seit ungefähr 2006 für tot erklärt wird oder tot ist oder beides:

Als ich (…) zur Vorsitzenden der Linken gewählt wurde, war eines meiner Ziele, [Austritte] in Richtung Piraten zu beenden. (…) In das leise Ahoi voller Bedauern mischt sich eine fast trotzige Hoffnung. Die Hoffnung, dass all jene, die mit den Piraten aufbrachen, die Politik aufzumischen, und nun ein Scheitern erleben, doch noch eine Alternative zum Rückzug ins Private finden.

In anderen Worten: Leute, die sich bis jetzt lieber für die „Piraten“ als die „Linke“ entschieden haben, sollten das nun ändern, weil Katja Kipping gehört hat, dass die Piratenpartei ja eigentlich tot ist. Zerstrittenheit und Pöstchenwahn immerhin hat die „Linke“ schon seit Langem perfektioniert, von ihnen könnt‘ man als Pirat wohl noch was lernen. Quatsch mit Soße.


Der NSA-Skandal, der zu vielerlei spontanen Wünschen nach weniger Datenkrakentum führte, ist wohl schon zu lange her: Mozilla ändert in den USA die Standardsuchmaschine von Google auf Yahoo (und damit Bing), in Blogs laufen die Kommentatoren heiß, ein neuer Benutzer solle gefälligst auch künftig automatisch Google nutzen müssen und Mozilla habe das nicht zu entscheiden. Vermutlich – ’s ist halt Amerika – wird Mozilla demnächst vor ein Gericht gezerrt, das das Unternehmen wie einst Microsoft dazu verdonnert, mit neuen Firefoxversionen künftig ein Programm zu verteilen, das die Einrichtung der Standardsuchmaschine (also den dazu notwendigen Klick) ausführlich erläutert.


Apropos Überwachung: Wovor sich viele Menschen offensichtlich wirklich fürchten, ist, dass jemand sehen könnte, was sie selbst öffentlich von sich preisgeben. Die häufigste Reaktion im Netz auf Twitters Ankündigung, die eigene Suchfunktion endlich auch ältere Tweets finden zu lassen, ist daher keine Lobpreisung betreffs der besseren usability, sondern Entsetzen nebst Anleitung zum panischen Massenlöschen von Tweets.

Menschen. Sie werden so schnell dumm.

In den NachrichtenNetzfundstückePolitik
Diese Nordkoreaner!

Achjeh, was sind die Medien wieder voll mit Politik heute.

Michael Hanfeld von der Föjetong-Abteilung der „FAZ“ (wegen LSR-Drohung nicht verlinkt) findet die einseitige Berichterstattung von „Russia Today“ verwerflich:

Fakten werden aus dem Zusammenhang gerissen und mit einem ganz bestimmten Spin versehen (…), so dass am Ende (…) immer ein und dieselbe Botschaft: Amerika ist an allem schuld, Russland wird von allen Seiten eingekesselt, die öffentliche Meinung im Westen ist von A bis Z ferngesteuert. So werde der „Krieg herbeimanipuliert“ – der Krieg, den „der“ Westen gegen „die“ Russen führt. „Politik und Medien“, so die Feststellung, seien in „Vorkriegslaune“.

Ein willkommenes Gegenbeispiel, wie ausgewogene Berichterstattung funktionieren kann, lieferte gestern die Bundeskanzlerin, als sie die Verfehlungen der USA aufzählte:

Dennoch müssen wir erleben, dass es auch in Europa immer noch Kräfte gibt, die sich dem gegenseitigen Respekt und einer Konfliktlösung mit demokratischen und rechtsstaatlichen Mitteln verweigern, die auf das angebliche Recht des Stärkeren setzen und die Stärke des Rechts missachten.

Entschuldigung, „in Europa“ hatte ich überlesen – es ging wohl doch um Russland.

Hagen Rether: Alles Nordkorea…!? Oder was..? #nordkorea #usa #krieg #kriegsverbrechen

Aber Krieg – nein, Krieg möchte niemand. „Aufgewacht, Europa!“ titelte man bei der „FAZ“ noch im Oktober; mit „Deutschland erwache!“ mag man sich in globalisierten Zeiten nicht mehr begnügen. Putin, dieser Aggressor mit seiner Vorkriegslaune, gehört „gestoppt“ („DER SPIEGEL“), vielleicht reicht’s ja schon, einfach mehr Panzer hinzustellen: „Die Nato fordert (…) mehr Truppen für Osteuropa“ (FAZ.net, 4. November 2014).

Das hat er dann davon, dass er Politik und Medien in Vorkriegslaune versetzt.