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Erschießt den Boten!: Car­sten Schnei­der (SPD) hat Angst.

Es bedrückt sich der par­la­men­ta­ri­sche Geschäfts­füh­rer der SPD:

Für Auf­se­hen sorg­te die Zulas­sung der rechts­extre­men Par­tei „Der Drit­te Weg“. Der „Drit­te Weg“ sei eine Par­tei, die „para­mi­li­tä­risch orga­ni­siert ist und noch wei­ter rechts steht als die NPD“, sag­te SPD-Par­la­ments­ge­schäfts­füh­rer Car­sten Schnei­der in der RTL/ntv-Sen­dung „Früh­start“. (…) Ihr gehe es wahr­schein­lich dar­um, sich durch das Par­tei­fi­nan­zie­rungs­sy­stem fest­zu­set­zen und so im poli­ti­schen Spek­trum erkenn­bar zu machen.

So geht’s – jen­seits der kon­kre­ten poli­ti­schen Aus­rich­tung – den mei­sten Par­tei­en, wür­de ich anneh­men: Ihre Auf­ga­be ist es, ihre Wäh­ler par­la­men­ta­risch zu ver­tre­ten, sofern sie die Hür­de über­springt (hui!). Die Exi­stenz der jewei­li­gen Hür­de für eine Frech­heit zu hal­ten ist dabei übri­gens durch­aus gebo­ten, denn von der Men­ge derer, die ihre Stim­me abge­ge­ben haben, über zehn Pro­zent nicht zu berück­sich­ti­gen, weil das, was die­se gut fan­den, nicht auch vie­le gut fan­den, erfüllt mei­ne per­sön­li­chen Anfor­de­run­gen an ein funk­tio­nie­ren­des demo­kra­ti­sches System nur bedingt.

Das Pro­blem, das Car­sten Schnei­der mit der schie­ren Mög­lich­keit, dass ein gerin­ger Pro­zent­satz der Wäh­ler einer Par­tei guten Gewis­sens sei­ne Stim­me geben kann, statt gegen das Prin­zip des Par­la­ments an sich zu revol­tie­ren, weil er sich nicht vom Par­tei­en­an­ge­bot ver­tre­ten fühlt, hat, ist indes das fal­sche; das rich­ti­ge wäre es doch, dass die Grün­de, war­um jemand eine Par­tei, die para­mi­li­tä­risch orga­ni­siert sei und noch wei­ter rechts ste­he als die NPD, über­haupt wäh­len soll­te, weder erforscht noch besei­tigt wer­den. Man lässt die­je­ni­gen, die sich für die poli­ti­schen Rän­der begei­stern (las­sen) kön­nen, im Wesent­li­chen mit ihres­glei­chen allein. Bloß nicht in deren Bla­se spa­zie­ren und mal höf­lich nach­fra­gen. Man könn­te ja was ändern müs­sen.

Wer sich dar­an stört, dass Men­schen, die sich poli­tisch ver­lo­ren füh­len, sich zusam­men­schlie­ßen und ihre Vor­stel­lun­gen von einer bes­se­ren Gesell­schaft – die wie­der­um wohl alle Par­tei­en für sich bean­spru­chen – zur Wahl stel­len, der ist Teil der Ursa­che die­ser Zusam­men­schlüs­se. Natür­lich kann man es nie­mals allen recht machen, sonst gäbe es ja nur eine Par­tei; aber ein Wahlrecht ohne Wahlopti­on erfüllt eben­falls nicht den vor­ge­se­he­nen Zweck. Aus gutem Grund gibt es unge­zähl­te Klein­par­tei­en, da ist für fast jeden was dabei. Nur eine kon­se­quent kom­mu­ni­sti­sche Par­tei ist im Sep­tem­ber nicht im Ange­bot: Die DKP darf nicht mit­ma­chen.

Ver­söhn­lich stimmt mich aller­dings die­se Ein­sicht:

Dass die Par­tei am 26. Sep­tem­ber auf den Wahl­zet­teln zu fin­den sein wird, besorgt den SPD-Poli­ti­ker sehr. (…) „Jede Stim­me für die­se Par­tei bedeu­tet eine Stim­me gegen unse­re Bun­des­re­pu­blik.“

Ach so – er meint gar nicht die SPD? Dann neh­me ich das zurück.