Archiv für die Kategorie ‘Musik’.

Liedzitate und Erinnerungen an gute Lieder säumen meine Artikel. Jedenfalls diejenigen in dieser Kategorie.

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
The Hirsch Effekt – Bezoar // Töten voller Ethik

Schlafen, schlafen wär' mal wasEs ist Montag und die Laune ist dermaßen gehoben, dass man es tatsächlich ein bisschen bedauert, so ein anständiger Mensch geworden zu sein und überdies in einem Land zu leben, das es gar nicht gern sähe, würde man seiner Wut allzu nachhaltigen Ausdruck verleihen. Wahrscheinlich ist das auch nicht fair und wahrscheinlich hat man das alles so was von verdient, aber der Mensch, der Mensch an sich scheitert immer schöner.

Die Ermordung von Polizisten zu verurteilen sei andererseits rassistisch, erklärt dieser Diskussionsstrang auf „Indymedia“, so leicht wie angenommen ist es also nicht, Mord blöd zu finden und trotzdem moralisch auf der richtigen Seite zu stehen. Auf „SPIEGEL ONLINE“ fragt konsequent Heike Le Ker – sieht gar nicht so aus – ohne Anflug von Sarkasmus: „Die Polizei in Dallas hat Micah Johnson mit einem Roboter getötet. Hat sie damit eine ethische Grenze überschritten?“ – normales Töten ist bekanntlich super, so lange es in ehrlicher Handarbeit geschieht, aber ethisch fragwürdig wird’s bei SPON erst, wenn diese vermaledeite Technik ins Spiel kommt.

Technik – ein gutes Stichwort: Derzeit ist der neue Ingress-Abklatsch „Pokémon Go“ das erfolgreichste Spiel für „mobile Geräte“. Dabei profitieren die Macher wohl vor allem auch davon, dass Smartphones immer noch vorwiegend Dumbuser haben, denen Datenschutzhinweise grundsätzlich zu viel Text beinhalten, um gelesen zu werden:

Beispielsweise könnten wir Webbeacons nutzen, Cookies zu platzieren oder mit ihnen zu kommunizieren, um (…) die Wirksamkeit unserer Werbung zu überwachen.

Taubsis im Vorgarten sind eben nicht billig.

Ich bin so desillusioniert, ich hab‘ sogar Musik dabei.

The Hirsch Effekt – Bezoar

Guten Morgen?

In den NachrichtenMir wird geschlechtMontagsmusik
The Animal In Me – Rap God

Du - ich - dieser Baum?Alles ist Montag, alles ist schlecht. Aufstehen, räuspern, durchdrehen. Wann war es anders? Damals, ja. Früher war so vieles besser, aber heute ist es schlecht.

Manches aber ist nicht nur schlecht, sondern auch etwas anderes. Schwuler Stolz hui, deutscher Stolz pfui. Wählt euren Zufall weise. Demnächst: Reihenweise abgeknickte Regenbogenfahnen, weil die Grünen es nicht wollen, dass ihr mit eurer Umwelt mal im Reinen seid. Schlecht, auf jeden Fall, ist Fußball. Im Fernsehen heißen Waliser „Kelten“ und Isländer „Wikinger“, Franzosen allerdings seltsamerweise nicht „Froschfresser“. Ehre, wem Ehre gebührt.

Auch schlecht, auf jeden Fall, ist es, ein Mann zu sein, also demnächst, wenn einvernehmlicher Geschlechtsverkehr vor dem Gesetz so lange eine Vergewaltigung ist, bis zweifelsfrei das Gegenteil bewiesen wurde, und vorsichtige Nichtteilnahme voraussichtlich sexistische Diskriminierung. Kann man es richtig machen? Klar: Einfach Frau sein. Gewonnen qua Geschlecht.

Schönes kommt derweil von den Vereinten Nationen: Internetzensur verletzt die Menschenrechte; das tut Krieg zwar auch, aber irgendwo muss man ja anfangen. Alles Weitere regelt ein Bundesgesetz. Es wäre verfrüht, uns nun darauf einen runterzuholen.

Machen wir stattdessen das Naheliegende: Hören wir ein Metalcover eines Eminem-Stücks.

Eminem – "Rap God" (Cover By The Animal In Me)

Guten Morgen.

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Rotor – Volllast

Jetzt, hierEs ist Montag. Die Wetteraussichten sind angemessen trübe, weil es wieder einmal tief drinnen nagt, weil man sich montags ja dann doch immer so fühlt. Vermutlich ist es besser, es nicht zu bemerken, wenn man auch mal Glück hat, damit der Unterschied nicht so schrecklich auffällt. Emotional und nervlich am Ende mit drei Buchstaben: Ich. Es ist – ihr ahnt es – mitunter bedrückend, ich zu sein.

Die Flucht nach vorn – in die Nachrichten – ist also angesagt. Im Vereinigten Königreich und im Vatikan wird von der unterlegenen Minderheit im „Brexit“-Referendum angestrebt, das Referendum wiederholen zu lassen, weil die Mehrheit doof gewählt hat. Ich finde das nachahmenswert, mir gefällt die Wahl der Mehrheit in Deutschland nämlich auch nur äußerst selten. Was wissen die doofen Anderen schon von Politik? – Nur konsequent ist es da, dass Jean-Claude Juncker laut Medienberichten – die entsprechenden Medien möchten hier aufgrund des von ihnen unterstützten Leistungsschutzrechts nicht verlinkt werden – jetzt darauf drängt, den Euro in der EU zur Pflicht zu machen. Das haben die anderen Länder jetzt davon, nicht auch ausgetreten zu sein.

Mal was anderes: Seid ihr auch im Fußballfieber? Dann ist euch sicherlich entgangen, dass die Bundesregierung sich mal eben darauf verständigt hat, künftig auch eure Kinder überwachen zu lassen, wegen Terrors. Während ihr ins Ausland guckt, wird Schritt für Schritt euer Inland zerstört. Nationalelf erhält Motivationsschub, weil Betrunkener in Berlin Leinwand anbrüllt. Das erklärt einiges.

Genug der Lappalien. Es ist Zeit für etwas Musik.

Guten Morgen.

In den NachrichtenMontagsmusik
Holy Esque – Strange

Ausschau nach dem PandaEs ist Montag. Nicht vor dem ersten Kaffee ansprechen. Das macht doch alles keinen Spaß mehr. Früher war mehr Unbeschwertheit, allerdings war früher auch mehr zu zweit. Früher war alles besser.

Andererseits: Endlich ist mal Schluss mit dem Patriarchat! Straffrei das Leben von Menschen zu zerstören ist Frauensache, was immer eine Frau jetzt eigentlich ist. Die ewige Stadt Rom wird künftig von der italienischen Partei der EU-Gegner regiert, aber vom nahe liegenden Etikett „Rechtspopulismus“, das medial längst der Standardwert für alles ist, was sich nicht ins Getriebe einfügen möchte, redet hier keiner, weil der neue Bürgermeister eine Frau ist, was bekanntlich immer und grundsätzlich höher wiegt als das, was sie zu sagen hat. Gestern hat kein ARD-Redakteur seine Kinder geschlagen. Alles unter Kontrolle, Situation normal.

Ihr allerdings gehört geschlagen: Emojis sind aus eurem Alltag nicht mehr wegzudenken. Doch, doch, das ist erwiesen. Die Sprache der Zukunft sind bunte Bildchen, digitale Höhlenmalereien ohne dauerhaften Wert. Schreiben ist eine verlorene Errungenschaft. Andererseits: Sollte die Jugend so schreiben wie sie spricht, ist das wahrscheinlich auch besser so.

Ein kurzer Blick in’s Föjetong. Wenn Taylor Swift (Popmusik, schlimm) einen neuen Partner hat, drängt sich natürlich vor allem eine Frage auf: Wie soll man die beiden nennen? Bedauerlicherweise ist „Dumm und Dümmer“ schon vergeben.

Beneidenswert, eigentlich.

Holy Esque – Strange

Oh I cried / cried cried cried.

Guten Morgen.

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
The Dandy Warhols – Valerie Yum

Hunger!Es ist endlich wieder Montag, der Schlendrian hat ein Ende, und man hat es doch noch gut, andere müssen heucheln für Geld, nichwahr; und ausnahmsweise viel mehr als nach dem Sinn des Ganzen fragt man sich heute mal, wieso immer von „freier Bildung“ die Rede ist, wenn man doch kaum etwas anderes tut als Lehrgeld zu zahlen und das, was der Staat „Förderung“ nennt, nicht viel mehr ist als eine Leihgabe zu restriktiven Konditionen. Die Dummgebliebenen haben leichtes Feiern in diesen Tagen. Denen fehlt nichts in dem, was sie für ein Leben halten. Nicht einmal sie.

Genug davon. Penis! Na, alle wach? Dann habe ich gleich noch einen zweiten Kracher: Ich hätte fast der Grünen Jugend zugestimmt. – Aber eben auch nur fast: Während ich die einigermaßen feste Position (Allergikerwarnung: Genderei) über das saublöde EM-Gebrüll durchaus teile, ist die Einschränkung auf inländische Fahnen eher merkwürdig. Wie prima wäre es doch, hielte niemand auf der Welt seine Nationalität für beschreienswert! Andererseits möchte die Grüne Jugend ja sicherlich ihren Mutterverein, die Angriffskriegspartei „Die Grünen“, nicht allzu sehr verärgern, die gegen bestimmte Flaggen durchaus nichts einzuwenden hat, ukrainische Hakenkreuzflaggen zum Beispiel möchten sie niemandem nehmen, so lange es gegen den Iwan geht. Für die gute Sache ist jeder Verbündete rechts recht.

Ein Blick nach Düsseldorf: Flüchtlingsheim brennt nach Streit über religiöse Essensvorschriften. Wenn sich jetzt noch herausstellt, dass Veganer beteiligt waren, haben wir genug Klischees beisammen.

Ach, apropos Schland. Was für eine furchtbare Zeit.

the dandy warhols valerie yum

I just don’t care no more, I got valium. Hilft ja alles nichts.

Guten Morgen.

In den NachrichtenMontagsmusikWirtschaft
Pure Reason Revolution – The Bright Ambassadors of Morning // Bedingungslose Grundaufregung

Was fehltEs ist, juchhei!, Montag; damit sind es nur noch fünf Tage bis zum Wochenende, was noch ein wenig schöner wäre, wäre sie auch da. Ein Käuzchen nickt verständnisvoll.

Weniger Verständnis weckt wie üblich die Wirtschaft: Das Schweizer Volk hat sich am Wochenende überwiegend gegen ein bedingungsloses Grundeinkommen entschieden, bei der „ZEIT“, die ihren Lesern offenbar extra erklären muss, dass ein Ganzes 100 Prozent sind („entschieden sich 78 Prozent der Teilnehmer (…) dagegen. 22 Prozent stimmten demnach dafür“, das gibt ein Fleißbienchen im Klassenbuch), und in anderen Medien bis hin zum virtuellen Boxsack Twitter ist man natürlich weitgehend fassungslos darüber, dass das kommunistische Ideal sich noch nicht mal in der Schweiz durchsetzen kann, obwohl doch die Schweiz in den vergangenen Jahrzehnten stets ein verlässlicher Partner oder so bei der Durchsetzung der einzig richtigen Politik war. Aus den Reihen der SPD wird die Schweiz für die Volksentscheidung beklatscht, was in mir durchaus Zweifel reifen lässt, ob meine Skepsis bezüglich eines „bedingungslosen“ (sprich: leistungslosen) Grundeinkommens nicht vielleicht doch voreilig ist. Was die SPD gut findet, ist meist gar nicht so gut.

Der Ruf nach einem „bedingungslosen Grundeinkommen“ ist verständlich, aber kurzsichtig: Wird der Gegenwert des Satzes „ich habe kein Geld“ von (wie bislang) 0 auf, sagen wir mal, 800 Euro angehoben, besitzt also jeder plötzlich einfach so 800 Euro, so verliert das Geld relativ dazu an Wert. Ein Beispiel: Im November 1923 betrug das Briefporto 10 Milliarden Mark, weil Geld wegen seiner übermäßigen Herstellung quasi nichts mehr wert war, was letztlich zu Hitler und ein paar sehr unangenehmen Zwischenfällen führte. Ein übertriebener Vergleich, sagt ihr? Vielleicht habt ihr damit sogar Recht. Wenn’s keiner weiß, kann keiner jubeln.

Woher, apropos, kommt es eigentlich, dass Nachrichtenartikel über Kinderpornografie überdurchschnittlich oft mit einem MacBook bebildert werden? Ted Unangst geht von einem Zusammenhang aus.

Kapellmeister, kapellmeistere!

Pure Reason Revolution- Bright Ambassadors Of Morning

Guten Morgen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Jane’s Addiction – Nothing’s Shocking

Jane's Addiction - Nothing's ShockingDas Bundesverfassungsgericht hat unlängst festgestellt, dass „Sampling“ ein stilprägendes Element im Hip-Hop sei. Damit ist auf höchster Ebene entschieden worden, dass von künstlerisch wertvollen, kreativ geprägten Inhalten dort keine Rede sein kann. Wie anders ist’s doch in der Rockmusik!

Den 1980er Jahren haftet nichtsdestotrotz nicht völlig anlasslos (Phil Collins) das Etikett des Jahrzehnts an, über dessen soundtrack man lieber schockiert den schalldichten Mantel des Schweigens werfen sollte. Keineswegs schockierend aber ist das allmähliche Ende der musikalischen Grausamkeiten gegen Ende dieser Schreckensdekade. Dazu zählt neben den längst zu den Klassikern zu rechnenden Großtaten „Doolittle“ und „Blood Sugar Sex Magick“ auch das 1988 erschienene Album „Nothing’s Shocking“ der ausgerechnet US-amerikanischen Rockband Jane’s Addiction, mithin ihr erstes Studioalbum, dem im Vorjahr bereits ein Livealbum vorausgegangen war.

Das Titelbild des Albums erzählt eine ganz eigene Geschichte: Zwei schwarz-weiße nackte Frauen mit grotesken Brüsten und brennenden Haaren schauen spöttisch lächelnd auf den Betrachter herab. War das 1988, mithin: über ein halbes Jahrhundert nach dem goldenen Zeitalter, noch schockierend? Nun ja, in Nordamerika, wo noch heute ein sehr eigenes Verhältnis zur Prüderie gepflegt wird, möglicherweise schon, aber ansonsten trifft’s die Feststellung, hier sei nichts Schockierendes enthalten, schon ganz gut; vielmehr wird hier, Jahre vor der Gründung der stilistisch ähnlichen, aber ungleich bekannteren Rage Against The Machine, sozusagen nebenbei der Alternative Rock miterfunden.

Jane's Addiction-Mountain Song

Die obligatorische Beatles-Referenz („Jane Says“) sollte keineswegs als Blaupause für das ganze Album missverstanden werden – das fetzt. (Sagt man das noch, „fetzt“?)

Jane's Addiction- Pigs in Zen

Seit einigen Jahren sind Jane’s Addiction wieder vereint. Das scheint nicht die schlechteste Neuigkeit dieses Jahrhunderts zu sein.

In den NachrichtenMontagsmusikPersönlichesPolitik
Anekdoten – Shooting Star // Der Gauland und die Leute

Montag, hicksEs ist Montag; ein Montag, der die ausgelassene Fröhlichkeit, die den Sonnabend einläutete, nur minder zu beeinträchtigen vermag. Ist das nicht wundervoll? („Nein, ist es nicht!“, ruft eine gesichtslose Stimme, wohl wissend, wie anders doch ein Montag sein kann, wenn nur der Sonntag ein gemeinsamer war. „Ach“, ruft man der Stimme zu, „du hast ja Recht.“) Vielleicht werde ich auch allmählich ein bisschen sentimental.

Klingeling, tüdeldüt, die Nachrichten, frisch aus dem sich abzeichnenden Sommerloch. 105’5 Spreeradio, Christian Teevs („SPIEGEL ONLINE“), Armin Laschet und Bernd Riexinger erklären es unisono wahlweise für Rassismus oder Fremdenfeindlichkeit, dass der nun nicht unbedingt für kluge gesellschaftliche Analysen bekannte Alexander Gauland („AfD-Vize“, denn mehr als zwei Silben pro Wortteil, etwa in „stellvertretender Vorsitzender“ oder wenigstens das immer noch sackblöde, aber wenigstens erträglich sinnhafte „Vizevorstand“, möchte der Journalismus seinen Lesern lieber nicht mehr zumuten) angeblich suggerierte, „die Leute“ ständen einer möglichen Nachbarschaft zu Jérôme Boateng (Fußballspieler, deutsche Nationalmannschaft) eher kritisch gegenüber, versäumen es dabei jedoch, dem Publikum zu erklären, welcher Rasse oder Fremde dieser denn angehöre, denn die Voraussetzung für Rassen- oder Fremdenfeindlichkeit ist zunächst einmal deren Vorhandensein.

Sigmar Gabriel, designierter Insolvenzverwalter der SPD, sprach immer noch, aber anders falsch von „Deutschenfeindlichkeit“. Die Mehrheit der Befragten ist sich also einig, dass die postulierte Feststellung Alexander Gaulands, man (hier: „die Leute“) wolle Jérôme Boateng keinesfalls als Nachbarn wissen, so gar nicht gehe, unklar bleibt es dem Anschein nach aber, wogegen sie nun im Konsens eigentlich genau verstößt. Ich zum Beispiel gehe noch einen Schritt weiter und möchte keinesfalls neben irgendeinem Fußballspieler wohnen, denn aus Interviews mit Fußballspielern weiß ich, dass sie zu halbwegs vernünftigen Gesprächen samt und sonders nicht fähig scheinen. Vielleicht sollte man auch einfach die lästige Angewohnheit, jedem Hanswurst zu jeder denkbaren Gelegenheit ohne tagespolitisch relevanten Anlass ein Mikrofon unter die Nase zu halten, einmal kritisch zur Diskussion stellen.

Gibt es auch noch gute Nachrichten? Aber ja: Käpt’n Offensichtlich hat herausgefunden, dass Kameraüberwachung keine Straftaten verhindert. Wenn das doch nur jemand geahnt hätte!

Musik, zwei, drei, vier.

Anekdoten – Shooting Star (Until All The Ghosts Are Gone 2015)

Guten Morgen.

In den NachrichtenMontagsmusik
Portugal. The Man – Atomic Man

Panda zu Eule fünf bitte, Panda!Es ist – die aufkommende Trübsal lässt keinen Zweifel – Montag; ein Montag, dessen ausgestreckter Mittelfinger in der Erinnerung bohrt, wie das alles noch war, als es noch war. Hat man es wirklich so gewollt? – Statt „Schockbilder“ auf viel zu wenige potenziell tödliche Dinge zu drucken, wäre es möglicherweise ratsam, auf Kalendern das gefährlich harmlos aussehende „Mo“ durch ein geradezu grausames Bild, etwa eine Fotografie Hannovers, zu ersetzen, um die Leute zu warnen. Allwöchentlich scheint der Montag ja von einer großen Heimtücke zu sein, lauscht man einmal den Passanten, die ihr Unglück (den Montag) kaum fassen zu können scheinen.

Die wiederum, wenn’s der Markt bestimmen darf, überwiegend umgehend psychologische Hilfe benötigen: Ein eigentlich anderweitig konzipiertes Armband verteilt nun auch Elektroschocks, wenn man zu viel Geld ausgibt. Angesichts des Kaufpreises für das Gerät ist der erste Stromstoß vermutlich schon inklusive. Das merkwürdige Blog „Volksverpetzer“ hat derweil nicht verstanden, dass „Anonymous“ keine homogene Gruppe von Linken ist, wenn doch schon die Linken selbst nur so homogen sind wie die Pöstchen, die sie anstreben: Eine ehemalige Grünen- und Piratenpolitikerin möchte nun für die „Linke“ in den Bundestag, dieses Auswürfeln von Überzeugungen funktioniert halt nicht immer so gut. Wer hat da eben gesagt, Blogs seien der bessere Journalismus?

Aber was ist schon gut, wenn schon „schon gut“ meist das Gegenteil meint? Nun, zumindest Portugal. The Man.

Portugal. The Man – Atomic Man (Live at Music Feeds Studio)

After you, I don’t know what I believe in.
After you, hell should be easy.

Guten Morgen.

MontagsmusikMusik
Bardo Pond – Aldrin

Kalenderbeschriftung (eulisch)Es ist Montag; nein, nicht bloß schon wieder der erste Montag vom Rest des Lebens, dessen Bösartigkeit durch ausgerechnet ein christliches Fest einerseits abgemildert, andererseits verdoppelt wird, weil ein Montag, der wie ein Sonntag ist, dem Sonntag, der keiner war, sozusagen den Boden ausschlägt, sondern überdies einer der wenigen Montage, an denen es von Bedeutung zu sein scheint, welcher Hanswurst am Wochenende seinem bedauernswerten Land im Wettstreit derer, die glauben, ihr Land ließe sich durch englischsprachigen Bumspop am besten repräsentieren, den Sieg einfuhr. Auch in diesem Jahr konnte dem geneigten Musikfreund ein kluger Umgang mit den Medien einen Großteil der Berichterstattung sowie die Kenntnis des vermeintlichen Siegerlandes ersparen. Deutschland scheint’s aber nicht geworden zu sein, denn bisher scholl mir kein vielstimmiges „Wir sind Grand Prix!“ entgegen. Mehr gilt es darüber aber keineswegs zu wissen, denn Wissen über Firlefanz belegt Ressourcen, die man vielleicht lieber für Sinnvolleres reservieren sollte.

Auch andere Hobbys nämlich führen zu Aufmerksamkeit: Exhibitionisten in Sauna festgenommen. Geht es nicht noch eine Nummer kleiner? Leider nicht: Schweinekopf vor Angela Merkels Wahlkampfbüro gefunden, was ja schon deshalb erstaunlich ist, weil es keinen Anlass zu der Annahme gibt, eine CDU-Vorsitzende verbinde mit Schweineköpfen etwas Schlechtes. Früher waren wenigstens politische Drohungen noch unpeinlich.

Apropos unpeinlich und unschlimme Musik: Dieser Tage erscheint das dritte Album der famosen Bent Knee. Sicherlich wird es ein großartiges Album sein, die Vorfreude darauf mag ich aber niemandem verderben, überspringen wir die Wartezeit also statt mit dem Naheliegenden mit etwas feinem Postrock.

Bardo Pond — Aldrin

Guten Morgen.

In den NachrichtenMontagsmusikNetzfundstückePersönliches
Van der Graaf Generator – Darkness (11/11)

Blergh.Es ist Montag. Ihr kennt das. – Etwas aber ist neu: Die Sonne ist da. Menschen in der Straßenbahn sind jetzt nicht nur laut und dumm, sie fangen endlich auch wieder an, anstrengend zu riechen. Wie längst gewohnt war das Wochenende dennoch beherrscht vom riesigen Schatten, den man selbst nachgesagt bekommt, und allerlei Geseufz. Kaum hat man den Kopf frei, denkt man ja doch nur wieder über sein Leben nach. Eine schrecklich ansteckende Witzigkeit ist und bleibt noch immer die beste Tarnung für den nagenden Selbstzweifel. Frühling ist, wenn man vermisst.

Und die Menschen lernen nichts, damit ist man wenigstens nicht allein. „t3n“ bewirbt ein Programm, das nach einer einstellbaren Zeitspanne Programme beendet, die von der Arbeit ablenken, nachdem man sie zuvor gestartet hat. Manchmal fehlt mir das Gerät, das über’s Internet Ohrfeigen verteilt, doch immens. Es darf auch gern ein großes sein; einmal per Knopfdruck jedem Dummen links und rechts eine klatschen, was zwar voraussichtlich nicht gegen dessen Dummheit hilft, aber gegen diese elende Anspannung, wenn man so etwas liest: Wissenschaftler notiert Differenzialgleichungen, US-Amerikanerin äußert Terrorverdacht. Wenn alles, was ein Dummer nicht versteht, bereits ein valider Anlass zu einer Terrorwarnung ist, dann habe ich ein paar schlechte Nachrichten für euch.

Andere Völker sind wenigstens nur liebenswert verklemmt: China untersagt erotisches Bananenessen in Livestreams. Reinschieben scheint weiterhin erlaubt zu bleiben, zumindest ist im Artikel nicht vom Gegenteil die Rede.

Dutzende Flüchtlinge lassen sich taufen. Damit erhöhen sie auch ihre Chance auf Asyl. Wenn wir eins dringend brauchen, dann ja wohl mehr Religion! Und Geld, Geld könnte helfen: Geld macht Männer attraktiver, und kaufen können sie sich dann auch ab und zu mal was.

Zum Beispiel ein gutes Musikalbum.

Van Der Graaf Generator – Darkness (11/11) – Live Rockpalast 2005

I did not choose it, I did not choose it,
I did not, no, no, I did not, I truly did not choose it.

Guten Morgen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Hookworms – The Hum

Hookworms - The HumTief in meiner Musikkiste habe ich Hakenwürmer gefunden.

Hookworms sind eine britische Band, die 2010 gegründet wurde und gelegentlich mit den hier schon angepriesenen Wooden Shjips zu den „Neo-Psychedelic“-Bands gezählt wird. Die fünf Herren nennen sich JN, SS, MJ, MB und JW und auch sonst gilt es bei dieser Band, sich auf die Musik zu konzentrieren. 2014 erschien ihr viertes und bis heute aktuelles Studioalbum „The Hum“. In Großbritannien erreichte es Platz 22 der Albenhitparade, was über Großbritannien sicherlich manches aussagt.

„The Hum“. Das Summen. Hmm, hmm, schepper! Hier wird gerockt (Stoner, Indie) und gepunkt (Post), aber nicht gerollt. Obwohl es mit elektronischem Wabern und Schlagzeug beginnt, als hätte man es hier mit einer dieser schrecklichen Teenagerkapellen zu tun, aber das trügt, denn schnell setzt der ziemlich einmalige Gesang von „MB“ ein, bis zur Unkenntlichkeit verzerrt und kräftig hallend, angeblich, um die eigene Unsicherheit zu überspielen, aber tatsächlich wohl auch der Effekte wegen, was ich ausdrücklich gutzuheißen beabsichtige. Psychedelia in Hochform.

Hookworms – The Impasse (Official Audio)

Ich neige ja dazu, überall Musikgruppen sozusagen wiederzuerkennen, die ich sehr schätze, und auf „The Hum“ habe ich ständig die Frage im Kopf, ob die grandiosen Velvet Underground wohl heute so ähnlich klängen, wenn sie heute noch klängen und dabei von einer dieser neuen Retro-Psychedelic-Bands (ich würde Vibravoid empfehlen) gecovert, begleitet oder sonstwas würden. Das folgende orgelklanglastige „On Leaving“ setzt das insofern fort, als mir sofort Vergleiche mit den Raveonettes und ähnlichen Bands einfallen.

Bemerkenswert sind im Übrigen die drei instrumentalen Übergangsstücke „iv“, „v“ und „vi“, die das Äquivalent zu „i“, „ii“ und „iii“ vom ebenso überzeugenden Vorgängeralbum „Pearl Mystic“ (2013) bilden und im Wesentlichen aus Drones bestehen, sozusagen als Ruhe zwischen dem Sturm. Das hohe Niveau halten Hookworms bis zum letzten, nochmals druckvollen Stück „Retreat“ durch, Langeweile kommt hier nicht auf.

Hookworms – Retreat

Ihr seht mich erfreut.

The Hum. Kann man mal hören.

In den NachrichtenMusik
Vinyl <3 (3): Datenverlust ist das neue "Das muss so sein".

Was ernten Leute wie ich, die lieber ihren Wohnplatz mit tonträgerbefüllten Regalen vollstellen als das viel bessere, weil vermeintlich portablere und damit flexiblere, Musikstreaming zum Nonplusultra zu erklären und alles wegzuwerfen, was anfassbare Musik ist, nicht immer wieder für ungläubiges Kopfschütteln: Streaming nehme einem doch nichts weg!

Klar, wenn man eben 15 Jahre alt ist und sich mit den nur wenig besseren Furzgeräuschen im Radio zufrieden zeigt, dann mag das stimmen, und es gibt auf so Plattformen ja durchaus auch ein paar erträgliche Musikgruppen. Einige wenige aber, darunter King Crimson, weigern sich standhaft, den mühsam erarbeiteten kreativen output durch Qualitätsreduktion quasi zerstören zu lassen, wiederum andere sind noch gar nicht von einer großen Plattenfirma, die entsprechende Verträge schließen würde, aufgenommen worden. Natürlich könnte man das ja parallel betreiben, es gibt ja inzwischen viele Neuveröffentlichungen auch als so genannten „MP3-Download“, man könnte also seine auch haptisch wertvolle Plattensammlung durch gefühllosen MP3- und Streaming-Quatsch ersetzen und hätte ein viel einfacheres Leben, so erzählte man mir erst vor einigen Tagen wieder.

Derjenige, der solcherlei sprach, ist treuer Applekunde, weil Apple einfach alles richtig mache.

Außer natürlich, man versucht Apple Music zu nutzen, das absichtlich – das muss so – nach erfolgter Anmeldung jede Musikdatei auf der Festplatte mit dem eigenen Datenbestand abgleicht, assimiliert und von der Festplatte löscht. Man kann sich die Musik ja danach einfach wieder anhören, nur eben über Apple Music (also im Zweifel kaputtkomprimiert), und vielleicht findet es sogar die gleiche Aufnahme; Pech, wer bisher seltene Bootlegaufnahmen populärer Lieder besaß.

For about ten years, I’ve been warning people, “hang onto your media. One day, you won’t buy a movie. You’ll buy the right to watch a movie, and that movie will be served to you. If the companies serving the movie don’t want you to see it, or they want to change something, they will have the power to do so. They can alter history, and they can make you keep paying for things that you formerly could have bought. Information will be a utility rather than a possession. Even information that you yourself have created will require unending, recurring payments just to access.”

Manchmal ist es beunruhigend, Recht zu haben.


Nachtrag vom 15. Mai 2016: Apple weiß nicht, wieso iTunes Dateien löscht. Da lohnt sich doch der Umstieg gleich doppelt.

In den NachrichtenMontagsmusikPersönliches
Sunn O))) (live) // #emonichtblog

Sei wachsam. Sie wird kommen.Befund: Montag. Ursache: Unklar. Therapie: Vielleicht hilft es, einfach ein bisschen zu schreien. Ein Tag, so hässlich wie Hannover. – Montag ist ja auch: sich fühlen wie Dilbert, nur mit noch weniger Menschen. Mit Menschen hält man es ja doch nicht lange aus. (Was sie wohl gerade tut?) Gibt es eigentlich ein passenderes Wort als Nostalgie für die Sehnsucht nach früher? Damals, bei Camel und Meer.

Die Männer leiden am meisten darunter. Männer sind gefühlsduseliger. Weiß ein beliebiger Geier, wieso das immer montags passiert; außer natürlich, weil ein Sonntag schon aus dem Gewohnheitsrecht heraus und insbesondere wegen blöder Herzscheiße nicht so enden sollte und man es doch allmähliich doch satt hat, wie ein Teenager auf seine Lämpchen zu starren. These vintage years.

Palim-palim, die Nachrichten. Wir sind wieder wer.

Die Bundesregierung jedenfalls hat dem amerikanischen Ansinnen nachgegeben und sich bereit erklärt, aufgrund des subjektiven Bedrohungsgefühls erstmal 1000 Soldaten mit an die litauisch-russische Grenze zu schicken.

Die Vorwärtsverteidigung wird siegen, keine Gnade dem Aggressor. Wir wollen ja nur helfen; wie damals, als der Iwan der DDR nur helfen wollte, jedenfalls dabei, wiederum der Sowjetunion zu helfen. Für ein Kriegsheer vor der eigenen Grenze hätte also ganz offensichtlich niemand mehr Verständnis als Putin. Von deutschem Boden geht kein Krieg aus, wenn der Boden in Litauen liegt.

Montag, du unflätiges Wort. Es hilft, vielleicht, Musik. Musik, so schwarz wie etwas anderes, das auch schwarz ist. Eloquenz hab‘ ich voll drauf.

SUNN O))) live at Southwest Terror Fest III, Oct. 18th, 2014 (FULL SET)

Schon besser.

Guten Morgen.

In den NachrichtenMontagsmusikPersönliches
Rod Stewart – Baby Jane

Irgendwas ist komisch heuteEin Montag, an dem kaum noch etwas ist, wie es war. Wenn sonntags das kleine pelzige Wesen kommt, scheint montags die Sonne; so oder so ähnlich heißt es bei Paul Maar, aber draußen ist es heute eigentlich nur leer und verbraucht, als lauerten die Zeitfresser nur noch darauf, dass man aufgibt. Kein Seufzen, ein Stöhnen allemal, vom Montag mit dem Zielfernrohr mitten ins Gemächt getroffen. Paulchen Panda hat die Uhr versteckt.

Ah, ein klarer Gedanke. Ab in die Nachrichten! – Dass der unglaublich dämliche Digitalcourage e.V. sich allenfalls zur Fremdscham eignet, ist keine Neuigkeit; überraschenderweise aber hat derweil die Potemkinisierung Hannovers nicht zu unbegrenzter Liebe zu ausländischen Staatsoberhäuptern geführt: Das Obama-Fieber ist vorbei, als wäre so ein Fieber etwas, was man unbedingt behalten möchte.

Und sonst so? Das Arschloch 2016 war wieder auf Kneipentour und hat einen dieser lästigen Popmusiker geholt, aber allmählich hat man dann doch auch genug von diesem gierigen Jahr. Apropos genug: Wissenschaftler haben versehentlich offenbar unbegrenzt oft aufladbare Batterien erfunden. (Vieles wirkt so endgültig in dieser Zeit, aber wie oft kann es das schon sein? Wie lang ist eine Ewigkeit? Wie oft ist das letzte Mal auch das nächste, bevor es nur noch das letzte war?)

Und warum müssen meine Leser das eigentlich immer ausbaden?

Rod Stewart – Baby Jane

Guten Morgen.