Archiv für November 2016

In den Nachrichten
Real und die Klopapierkäuferzielgruppenanalyse

Als datenschutzinteressierter und technikaffiner Mensch traut man sich vor lauter Furcht kaum noch ein kurzes Schläfchen zu halten. Kaum hat man die Diskussion über ein Verbot von Sicherheitssoftware in Gänze aufgenommen und seine gegenwärtig eingesetzten Sicherheitsvorkehrungen auf etwaige Konsequenzen überprüft, braut sich vor der Haustür schon das nächste Unglück zusammen:

Der Supermarktbetreiber Real lässt die Gesichter von Kunden analysieren, die Bildschirme mit Werbung im Kassenbereich anschauen. (…) Die Erkennung der Personen erfolge komplett anonym, das System erkennt lediglich etwa einen Mann von rund 45 Jahren.

Das Ziel dieser Kontrolle sei nicht etwa Terrorabwehr, was immerhin angenehm ungewöhnlich ist, sondern eine bessere Anpassung der eingeblendeten Werbefilme an denjenigen, der sie sehe, lässt der Supermarktbetreiber unwidersprochen seinen Sprecher ausrichten.

Nun war das Erkennen von persönlichen Wünschen anhand einer ungefähren demografischen Einordnung noch nie besonders einfach, was gerade Männer klischeemäßig bestätigen können sollten, und auch in vorliegendem Fall erscheint mir das Erfassen von Gesichtern als unzureichend für den Zweck, passende Werbung einzublenden. Wie sieht denn jemand aus, der total gerne Werbung im Supermarkt ansieht und nicht einfach genervt an ihr vorüberschlendert? Besser noch: Ich zum Beispiel sehe am liebsten (sofern dies ein Kriterium ist) Werbung, die möglichst dämlich ist, käme aber nie auf die Idee, auf dieser Grundlage eine Kaufentscheidung zu treffen. Werbung für Damenbinden zum Beispiel ist oft grandios absurd, jedoch verdient in absehbarer Zukunft kein Hersteller dieser Produkte etwas an mir. Kauft eine Frau von etwa 23 Jahren, die gerade an der Kasse steht und aus unklarem Grund auf den Spionagebildschirm schaut, qua Gesicht lieber Tampons oder Katzenfutter?

Hauptsache, man hat ein Video; diese Argumentation zumindest teilt der Supermarktbetreiber Real mit einigen Unternehmen, deren Kunde ich dann allerdings doch lieber nicht sein möchte.


Da wir gerade sowieso auf „SPIEGEL ONLINE“ waren, vielleicht noch dies: Das Ärgerliche an der Berichterstattung über Donald Trump sind nach wie vor die journalistischen Standards, die ihr zugrunde liegen. Seht her, ein Schreibfehler! ROFL!

In den Nachrichten
Kurz verlinkt: Säuglingscamouflage

„SPIEGEL ONLINE“ berichtet:

Verteidigungsministerin von der Leyen lässt nun eine spezielle Uniform für schwangere Soldatinnen entwickeln.

Die Wehrkraft der deutschen Schwangeren muss gewahrt bleiben!

In den NachrichtenMusik
Fußball und Kommerz

Am vergangenen Wochenende erhielt „Deutschlands größter Musikstar“, wie es heißt, nämlich Helene Fischer, eine vielstimmige Rückmeldung hinsichtlich seines Auftritts mitten in einem Fußballspiel; von einer plötzlichen Kommerzialisierung des geliebten Brüllballs ist die Rede, als wäre angesichts der Millionengehälter von Fußballfunktionären und -spielern der Auftritt einer sowieso schon längst quälend oft gehörten „Trällertrulla“ (Twitter über Helene Fischer) ein Symptom für ein unerwartetes Umdenken, die diejenigen, die für jedes Spiel, dem sie direkt beiwohnen, sozusagen ihren Wochenlohn opfern, auf dass der Verein sich weitere Repräsentanten, die für diverse Millionen Euro anderthalb Stunden lang ein wenig herumlaufen, leisten kann, nicht mittragen wollen, denn Fußball ist bekanntlich weit davon entfernt, mehr mit Geld als mit sportlicher Leistung etwas zu tun haben zu wollen.

Sollen sie halt Fußball essen.

In den NachrichtenMontagsmusik
sleepmakeswaves – Emergent // Danke, Donald!

Es wird warm. Auch das noch!Es ist Montag. Ab schweifen Gedanken wie Pandabären, vom Brückentag hatte man als anständiger Mensch ja auch nicht viel außer den sicheren Hohn derer, die ihn nutzten. Jede Ausrede ist willkommen, um dem Wirtschaftsgedanken eine Pause zu verordnen, jedoch keine genug, um sich noch zu schätzen zu wissen. Über den Wolken, nur eben: allein.

Keineswegs zu schätzen wissen auch die Leute unverändert den US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump, obwohl wir ihm vieles zu verdanken haben. Vertreter der rechtspopulistischen SPD etwa erwägen seinetwegen eine Reduktion des „Austauschs“ (ebd.) mit dessen (D. Trumps) Geheimdiensten, womit berechtigt als gesichert angenommen werden kann, dass die Präsidentschaft Donald Trumps die allumfassende globale Überwachung zu unseren Gunsten verändert. Sehen die Leute aber nicht und verstehen sie nicht.

Das könnte natürlich an der Berichterstattung liegen, deren Neutralität (vergleiche hierzu einschlägige Nachrichtenformate), bezogen auf das Staatsoberhaupt fremder Länder, mitunter zu wünschen übrig lässt. Tendenzjournalismus ist eben kein Journalismus, auch wenn die Ansprüche sinken: Das ist wie aus anderer Leute Mülleimer zu fressen. Es ist schwer, noch etwas zu glauben, was man liest. Die mediale Totalversorgung ist getrieben vom Mitteilungsdrang der Lautesten, mich selbst einfach provisorisch einmal eingeschlossen. Wenigstens wollen sie selbst dafür angemessen beschimpft werden.

Über jeden Zweifel erhaben bleibt jedoch: Musik.

sleepmakeswaves – Emergent – Audiotree Live (2 of 4)

Guten Morgen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Free Salamander Exhibit – Undestroyed

Etwas – wenn auch nicht viel – ernster als letztes Mal geht es bei Free Salamander Exhibit zu.

Die Musikgruppe Sleepytime Gorilla Museum, 1999 aus Idiot Flesh hervorgegangen und bis 2011 aktiv, war eine höchst seltsame Combo, deren Stil sich vielleicht am ehesten als Experimentalmetal mit Dada-Einfluss beschreiben lässt, womit sie zeitweise (cf. u.a. Sebkha-Chott und uneXpect) nicht allein waren. Unter den zahlreichen Abkömmlingen von Sleepytime Gorilla Museum fällt die Band Free Salamander Exhibit nicht nur durch einen recht ähnlichen Namen (der Weg zur Salamanderausstellung vom Gorillamuseum ist kein weiter), sondern insbesondere auch durch eine hohe Übereinstimmung der personellen Besetzung – leider gegenwärtig ohne Carla Kihlstedt – auf, so dass ich es einfach mal wage, Free Salamander Exhibit als jüngste Quasi-Reunion von Sleepytime Gorilla Museum zu benennen.

Im Jahr 2016 erschien nun also das Album „Undestroyed“. Wir sind noch nicht zerstört. Passt, denn zerstören tun sie lieber selbst.

Free Salamander Exhibit – Time Master

„Undestroyed“ – wenn auch bei Weitem nicht so durchgeknallt wie frühere Alben aus dem Bandumfeld – wird beherrscht von vielfältigen Rhythmen, stilistisch bewegt man sich zwischen Mathrock und Metal mit dem altbekannten Growling, aber auch Canterbury ist dem Quintett nicht fremd, wie „The Keep“ herausragend beweist:

Free Salamander Exhibit – 02. The Keep

Derzeit befindet sich die Band mit illustren Zeitgenossen wie Cheer-Accident auf einer ausgedehnten Tournee, es geht also hoffentlich noch weiter. „Undestroyed“ ist jedenfalls ein willkommenes Lebenszeichen einer reformierten Band, deren Fortbestand unbedingt wünschenswert ist.

ComputerNetzfundstücke
Telekom: Die Industrie von morgen mit dem Internetzugang von gestern.

Auf Twitter machte vor ein paar Tagen die begeisternde Frage der Mobilsparte der Telekom die Runde, was man mit un-fass-baren vier Gigabyte Übertragungsvolumen per Monat denn so alles anfangen würde. Eine beliebte Antwort lautete, dass man mit vier Gigabyte gerade so die Strecke bis nach Dänemark schaffen könnte, eines unserer Nachbarländer, in denen das mobile Internet (allein der Begriff schon!) eher weniger von Drosselungen und Volumentarifen betroffen ist, glaubt man den einschlägigen Statistiken und Berichten.

Im Festnetz allerdings macht sie kaum eine bessere Figur. Als dominanter Anbieter in Deutschland, einem Land mit einem eigentlich nur von zwei Konzernen dominierten Markt für festnetzbasierte Internetanschlüsse, sieht die derzeitige nicht rein wirtschaftliche Erfolgsstatistik der Telekom so mau aus wie ihre Aktienkurse: Laut einem Akamai-Bericht (wer es tabellarisch mag und Fließtext doof findet, der möge direkt ab Seite 34 nach dieser Ausdrucksform Ausschau halten) aus dem Vorjahr – seitdem hat sich daran vermutlich eher wenig getan – liegt Deutschland hinsichtlich der durchschnittlichen Übertragungsgeschwindigkeit über IPv4 auf dem 26. Platz, hinsichtlich der Maximalgeschwindigkeit sogar nur auf Platz 43 – jeweils immerhin noch vor Österreich. Auf dem globalisierten Weltmarkt spielt Deutschland, „Industrie 4.0“ und sonstige Bonusfelder für’s Bullshitbingo (was genau war denn dann die „Industrie 1.0“?) hin oder her, auch deshalb kaum eine Rolle, denn:

Ein Maschinenbauer ohne superschnelle Datenleitung wird halt die Maschinen seiner Abnehmer nicht online warten können. (…) [D]ie Telekom versteht unter dem „Anschluss der Zukunft“ keine erhöhte Geschwindigkeit – sondern eine signifikant NIEDRIGERE. (…) Stück für Stück zeigt sich, dass die Deutsche Telekom in ihrem aktuellen Vorgehen ein Krebsgeschwür im Hirn des Wirtschaftsstandortes Deutschland darstellt.

Und die sind die technisch Verantwortlichen für die deutsche cloud (weil: ist ja alles sicherer, wenn BND statt NSA am Knoten hängt). Nicht, dass ich es nicht guthieße, würde die totale Vernetzung sich deshalb noch etwas langsamer fortbewegen als in anderen Ländern, und nicht, dass ich irgendeinen Viernullblödsinn für einen immanenten Bestandteil modernen Zusammenlebens hielte, aber eine gewisse Öffnung des Netzmarktes auch hinsichtlich der Finanzierung kleinerer Unternehmen könnte doch manches deutlich interessanter machen.

Hallo Zukunft!
Telekom, ca. 2006

Musikkritik
Ausführliche und ausgewogene Rezension zu Spike Jones‘ 1959er Meisterwerk „In Stereo“

Hä?

Everything Happens To Me – A Spooktacular in Screaming Sound! (1959) Spike Jones

Versteh‘ ich nicht.

I Was A Teenage Brain Surgeon Spike Jones

:-?

In den Nachrichten
Liegengebliebenes vom 24. Mai 2017

Verbietet Wasser, es ist – laut „SPIEGEL ONLINE“ – die „neue Waffe des IS“!


„Linux ist sicher“ des Tages: Sicherheitslücke von WannaCry’schem Ausmaß in aktuellen Samba-Versionen.


Na, auch evangelisch-lutherisch? Warum nicht gleich in die NPD?


Wirtschaftsnachrichten (1): Jeder zweite Deutsche sieht sich als „besonders wohlhabend“. Dann ist ja alles in bester Ordnung.


Wirtschaftsnachrichten (2): Die „Wirtschaftswoche“ ist entsetzt, weil die Börse nicht, wie gewünscht, deutlichen Missmut über irgendwelche Sprengungen in Konzerthallen erkennen lässt. Als Resultat bleibt immerhin zu vermelden, dass Menschen, die ein Konzert von Ariana Grande besuchen und dabei aus irgendwelchen Gründen getötet werden, keine nennenswerte Wirtschaftsmacht sind.

Computer
Vermerk zur Rückkehr der Einbahnleitung dank IPTV

1997:

Geh‘ mal aus dem Internet, ich will telefonieren!

2017:

Geh‘ mal aus dem Internet, ich will fernsehen!

(Auch: Zu wenig Internet im device? Keine Sorge, Rettung naht!)

MontagsmusikNetzfundstücke
Grusom – The Journey

Wieder nur Eulen im SPIEGEL.Es ist Montag. Zwar zu nass, aber wenigstens auch zu warm. Dem Ziel, endlich anzukommen, wurde abermals nicht näher gekommen, überraschenderweise löst Untätigkeit Probleme eher selten. Die Forschung indes findet immer wieder einen neuen Sinn im Leben. Dieser Tage wurden Forschungsergebnisse publik, die das Laden einer Batterie mit Lebensenergie für wahrscheinlich erachten. Eine wandelnde Ladestation zu sein ist ja auch irgendwie ein Sinn, auch, wenn es bei vielen potenziellen Anwendern eben an der Lebensenergie fehlen wird. Die Zukunft wird wunderbar.

Kurz die Kotze abwischen und weiter im Text. – Der olle „SPIEGEL“, der den Unterschied zwischen einer Debatte und einem Duell nicht mal im Ansatz verstanden hat, titelt diese Woche falsch: „Wie Hacker die Welt attackieren. Wie wir uns schützen können.“ Die Antwort darauf lautet zum Beispiel nicht: indem man Hacker, die längst den letzten Schutzwall zwischen übergriffigen Geheimdiensten und Regierung auf der einen sowie uns auf der anderen Seite bilden, zum Problem erklärt; aber Ahnung von dem, worüber man da gerade zu schreiben versucht, ist beim „SPIEGEL“ selten ein Anlass zur Beförderung.

Völlig furchtbar auch: Die schlimmsten Dinge, die man im Web kaufen kann, als täglich aktualisierter Blog.

Ziemlich gut hingegen: Musik.

GRUSOM – The Journey (Official Video)

Guten Morgen.

Nerdkrams
Tippen statt Wischen: Android und der T-UI-Launcher.

Wenn es einen guten Grund gibt, Android irgendwie prima zu finden, dann ist die Anpassbarkeit sicherlich einer, der in die engere Auswahl kommt. Die Myriaden an konkurrierenden apps für beinahe alles sind längst nicht mehr zu bezwingen.

Das trifft auch und gerade auf die Welt der „Launcher“ zu, der Startbildschirme und Programmwähler; hier konkurrieren die Standardanwendung von Android, die vorinstallierten Alternativen verschiedener Smartphonehersteller (HTCs „Sense“, Samsungs „TouchWiz“, Huaweis „EmotionUI“ und so weiter) und teilweise über Jahre hinweg gepflegte, oft auf dem Programmwähler von Android oder dessen Fork „Trebuchet“ (CyanogenMod) basierende Anwendungen wie Nova Launcher, Apex Launcher, Action Launcher oder der von mir in letzter Zeit immer positiver aufgenommene und aktuell hauptsächlich genutzte Arrow Launcher von ausgerechnet Microsoft darum, den weiterhin stetig wachsenden Kreis der potenziellen Kunden von sich zu überzeugen.

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ComputerNetzfundstücke
comcrypto: Mit Scriptzwang und Googlewanzen gegen Überwachung?

Die Startupszene in Deutschland ist eine florierende. Die Geschäftsmodelle sind oft vollkommen absurd und scheitern erfreulich schnell, andere fußen auf realen Bedürfnissen und füllen ihre jeweilige Nische oft auf herausragende Weise.

Und dann wäre da noch comcrypto.

comcrypto – laut Eigenbeschreibung im Seitentitel zuständig für „Authentizität und Verschlüsselung im Informationsaustausch“ – ist eine seit 2016 in irgendwelchen Registern stehende Chemnitzer GmbH, die unter anderem auf der diesjährigen CeBIT in Hannover zu Gast war, um ihre Dienste anzupreisen. Das tut sie zum Beispiel wie folgt:

Beispiele wie das Spionageprogramm PRISM oder zunehmende Schadensfälle durch E-Mail-Fälschungen sind Beleg für die zunehmende Verletzlichkeit unseres privaten und geschäftlichen Nachrichtenaustausches.

Und:

Von comcrypto entwickelte Lösungen entsprechen höchsten Anforderungen.

Und:

Kommunikation benötigt Vertrauen. Wir ermöglichen es.

Dass die eigene Website ohne einen technischen Anlass mit deaktiviertem JavaScript praktisch unbedienbar (schlimmer noch: unlesbar) ist, dass man den Herren von comcrypto also erst einmal ohne erkennbaren Grund das Ausführen von beliebigem Code auf dem eigenen Rechner erlauben muss, um überhaupt in den Genuss der Heilsversprechen zu kommen, könnte allerdings ein Zeichen dafür sein, dass das junge Unternehmen seine Zielgruppe maßlos unterschätzt.

comcrypto - Kein JS, keine Infos!

Und wenn man comcrypto dann mal vertraut und nicht weiter nachfragt und am besten auch nicht ans Ende der sehr, sehr langen Seite scrollt, wird man auch niemals den Datenschutzhinweis – blassblau auf hellblau – ausklappen und folgende Information nicht einmal zur Kenntnis nehmen:

Diese Website benutzt Google Analytics, einen Webanalysedienst der Google Inc. (“Google“).

Eine Website, so heißt es, sei heutzutage das Aushängeschild eines Unternehmens, das etwas auf sich hält. Was der Umstand, dass sicherheitsbewusste Interessenten dieses Schild in den meisten Fällen nicht einmal lesen können, ohne gleich bei Google vorstellig werden zu müssen, über das Unternehmen aussagt, möge die Entscheidung der Einzelnen bleiben.

Ich würde unter diesem Schild jedenfalls ohne Helm nicht einmal entlanggehen wollen.

In den NachrichtenPolitik
Schmalhans des Tages: Thomas de Maizière, CDU.

Dieser Artikel ist Teil 14 von 14 der Serie Schmalhans des Tages

Die Regierungskoalition aus CDU/CSU und SPD gedenkt, medial belegt, noch vor der nächsten Bundestagswahl – obwohl abzusehen ist, dass auch weiterhin der Großteil der Wähler gar nicht erst auf die Idee käme, dem freiheitsfeindlichen Treiben der dreisten Drei per Abstimmung zugunsten einer anderen Partei Einhalt zu gebieten – am BVerfG vorbei den Einsatz von Schadsoftware gegen die eigenen Bürger zum Gebot zu erklären, indem sie einfach ins Gesetzbuch reinschreiben, dass sie das dürfen.

Der Rechtsstaat wolle es so, sagte der amtsbedingt fachlich gänzlich desinteressierte Minister des Inneren, Thomas de Maizière, im Stuhlkreis derer, die sich selbst dafür, dass sie es schaffen, halbwegs fehlerfrei WordPress zu installieren, zur Koryphäe in Medienpolitik ernannten, nämlich auf der nunmehr vergangenen „re:publica“-Konferenz:

Der Staat kann dem Minister zufolge nicht akzeptieren, „wenn es eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung in einem Messengerdienst gibt, dass deswegen, weil es eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gibt, automatisch rechtsstaatliche Befugnisse des Staates zur Strafverfolgung in diesem Dienst technisch ausgeschlossen sind. (…)“

Der Staat also finde es unvorteilhaft, wenn die Bürger auch mal unbeobachtet über Privates reden möchten, und in letzter Konsequenz erstaunt es mich, dass das Zukleben von Briefumschlägen überhaupt noch legal ist. Sprechend indes ist der Terminus von den „rechtsstaatlichen Befugnissen“, der hier eine angenehmer klingende Formulierung für „Befugnisse und Rechte des Staates“ zu sein scheint, was zwar ähnlich klingt, aber nicht ähnlich bedeutet.

Rechtsstaatlichkeit bedeutet laut Klaus Stern (zitiert in u.a. Wikipedia), dass „die Ausübung staatlicher Macht nur auf der Grundlage der Verfassung und von formell und materiell verfassungsmäßig erlassenen Gesetzen mit dem Ziel der Gewährleistung von Menschenwürde, Freiheit, Gerechtigkeit und Rechtssicherheit zulässig“ sei, meint mithin also einen Staat, dessen Maxime vor allem Menschen- und Bürgerrechte sind, wozu einige Jahrzehnte nach „Aufmachen, Gestapo!“ tatsächlich auch zumindest grundlegender Liberalismus im Sinne der Unverletzlichkeit privater Lebensbereiche gehören sollte, was in einer vollgecyberten Zeit wie der unseren sich letztlich vielfach auf das Digitale reduzieren lassen kann, sind Computer doch heute Fotoalbum, Tagebuch und Briefkasten zugleich.

Unter rechtsstaatlichen Voraussetzungen haben die Computer fremder Leute für den Staat ergo nicht weniger unberührbar zu sein als ein Ehebett: So lange dort nicht gerade ein Mord im Entstehen begriffen ist, hat dort kein noch so eifriger Gesetzeshüter etwas verloren.

Leider hütet der Staat Gesetze, die ihm selbst nicht von Vorteil sind, eher ungern, hält aber um so mehr von seinen eigenen Befugnissen, was eben bedeutet:

Daher halte er Quellen-TKÜ und Online-Durchsuchung „unter rechtsstaatlichen Voraussetzungen für zwingend geboten“.

Geboten wäre im Übrigen auch eine Revolution oder zumindest eine grundlegende Reform des Wahlsystems, um die weitere Unterwanderung des menschlichen Miteinanders seitens eines übergriffigen Staates zu vermeiden; aber auf mich hört ja keiner.

Ich hab‘ den nicht gewählt.

In den NachrichtenMir wird geschlechtMusikNetzfundstückePolitik
Liegengebliebenes vom 17. Mai 2017

Ich bin mir nicht sicher, ab welcher Schwere der Vergehen einer Regierung gemäß Art. 20 Abs. 4 GG ein Widerstand geleistet werden darf, aber ich bin durchaus gewillt, diese Option gegen die schlimme SPD zumindest in Erwägung zu ziehen: Hassminister Heiko Maas würde gern das offensichtlich verfassungswidrige Netzwerkdurchsetzungsgesetz noch diese Woche beschließen lassen. Der Rechtsstaat, das sind die anderen.


„Linux ist sicher“ des Tages: Über eine der unzähligen Sicherheitslücken in Ubuntu – mein Mitleid mit seinen oft verächtlich auf Windows hinabblickenden Nutzern hält sich in sehr engen Grenzen – war es möglich, den störenden Anmeldezwang, um auf die Dateien eines anderen Benutzers zuzugreifen, einfach zu umgehen.

(via Schwerdtfegr)


Eine erschreckende Vermutung, die alles, was wir bisher über Musik zu wissen meinten, in Frage stellt: Werden Texte in der Popmusik immer repetitiver?


Wenn Blinde über Farben reden, werden sie irgendwann Computerjournalist bei der Tagesschau:

IP-Adressen sind aus dem Internet nicht mehr wegzudenken.

Siehe auch:

Ja wahrlich, telefonieren ohne Telefonnummern, das gibt es praktisch nicht mehr. Selbst die Postzustellung ohne Anschrift gehört der Vergangenheit an.

Wir leben in erstaunlichen Zeiten.


Hihi:

Auf dem Fußboden bleibt die ominöse Buchstabenfolge “FCK ARN” zurück. Nach einigem Gerätsel lässt sich das wohl nur als hastiger Beginn der Worte “FICKT ARNE HOFFMANN” interpretieren, was immerhin mal eine feministische Forderung wäre, der ich zustimmen kann, auch wenn ich bisher nicht auf den Gedanken kam, sie auf Trottoirs zu sprühen. War der ganze Pick-up-Kram also doch zu etwas gut …

:lachtot:

NetzfundstückePolitik
Wahlverlierer nach Afghanistan!

Ich finde das als Strafe jetzt etwas übertrieben, aber die Kanzlerin hat sich dabei sicherlich etwas gedacht:

(via @silvereisen)