Es ist Montag. Sex dick könnte mein neuer Lieblingsbegriff in der englischen Sprache werden. Er ist so schön blöd.
Andrea Ypsilanti schreibt inzwischen politische Glossen über die SPD in das Magazin „Jacobin“ hinein. Mich stört, dass ich das weiß. Folgerichtig habe ich vorletzte Woche endlich beschlossen, meinen Medienkonsum diesmal aber wirklich zu entschleunigen: Weg von der ständigen Berieselung mit schnellen Meldungen aus Onlinemedien, deren etablierte Vertreter es mir ohnehin schwer machen (2020), sie regelmäßig zu lesen, hin zu einer kleinen Auswahl an täglichen Zusammenfassungen (briefing, einmal vormittags reicht’s ja) sowie einer Wochenzeitung, die hier zu nennen ich nicht vorhabe, auf Papier; das ist dann auch besser zum Fensterputzen. Das Leben ist zu kurz, um schnell statt gut informiert zu werden. Das Smartphone mache die Menschen nicht zufriedener, las ich gestern und es stimmt.
Ich habe die Anzahl an von mir abonnierten RSS-Feeds im Laufe der vergangenen Woche merklich reduziert und seitdem dennoch nicht den Eindruck gewonnen, nunmehr ein abgeschiedener Einsiedler zu sein. Ich vermute, wenn just in dieser Minute etwas wirklich Bedeutsames für mein Leben passiert (Natalie Portman will mit mir eine Nacht verbringen, Deutschland wird komplett gelb angemalt, irgendwie so was halt), dann werde ich das auch erfahren, ohne bisweilen mehrmals stündlich selbst nachzugucken. Das erspart mir dann auch, bisweilen mehrmals täglich die Zwischenüberschrift „Was wir nicht wissen“ (dann schreibt das doch nicht auf, ihr Pflaumen) lesen zu müssen. Dann rege ich mich auch nicht mehr ganz so oft auf. Mal gucken, wie gut das klappt.
Eine andere Frage, die mich gerade wieder umtreibt: Was kommt eigentlich nach dem „Fediversum“ mit Mastodon und dem ActivityPub-Protokoll? Vor fünfzehn Jahren lief das alles noch auf XMPP-Basis, aber XMPP („Jabber“) ist ja bereits ebenso Schnee von gestern wie die damaligen föderierten Plattformen wie GNU social (unter anderem basierte Quitter, ein nicht nur namentlich an Twitter angelehntes „soziales Netzwerk“, darauf, das damals jetzt aber wirklich alle ausschließlich nutzen wollten und das es auch nicht mehr gibt). Instagrams eigenes „soziales Netzwerk“ Threads ist neuerdings selbst „föderiert“, man kann seiner Benutzer Verlautbarungen also auch zum Beispiel auf Mastodon lesen. Wie lange wird das funktionieren? – Apropos; schönes Projekt: OpenRSS stellt RSS-Feeds von einigen Websites zur Verfügung, die selbst keinen eigenen (oder nur einen kaum brauchbaren) solchen haben. Das spart unsereinem ein wenig Arbeit und das ist heutzutage ja bereits oft Qualität genug. Traurig eigentlich.
In Schweden werden die Schulen wieder entdigitalisiert (Archivversion), weil sich herausgestellt hat, dass der menschliche Geist allzu faul wird, wenn das Digitale ihm (fast) alles abnimmt. „Blöd? Schweden?“, dachte da wohl erfreut der amtierende Bundesverteidigungsminister und schlug umgehend vor, auch mal so knallblöd zu sein wie die Schweden: Das schwedische Wehrpflichtmodell (Archivversion) werde in Erwägung gezogen, erzählte er in der „WELT am Sonntag“. Ich persönlich bevorzuge ja das alliierte Wehrpflichtmodell: Deutsche Soldaten müssen allesamt kapitulieren und kommen dann ein paar Jahre lang dorthin, wo man ihnen geduldig erklärt, dass ihr Tun falsch war.
Kulinarisches (ist ja en vogue in der Bloggeria): Letzte Woche trank ich deutschen Whisky aus dem Glühweinfass. Ich habe mich nur zögerlich davon erholt, aber ich mache das ja vor allem, damit es kein anderer tun muss. Alles für die Wissenschaft.
Viel bekömmlicher: Musik.
Guten Morgen.