KaufbefehleMusikkritik
Musik 06/2008 – Favo­ri­ten und Ana­ly­se

Die­ser Arti­kel ist Teil 1 von 29 der Serie Jah­res­rück­blick

Hal­lo,

im Über­schwang mei­nes der­zeit enorm hohen Musik­kon­sums habe ich beschlos­sen, schon jetzt eine Halb­jah­res­ana­ly­se auf­zu­stel­len:

Was hat der Musik­markt in die­sem Jahr an Per­len zu bie­ten?

Eini­ges davon habe ich in frü­he­ren Ein­trä­gen schon ver­wur­stet, bei Inter­es­se bit­te dort nach­le­sen.
Auf die charts möch­te ich aus hof­fent­lich ver­ständ­li­chen qua­li­ta­ti­ven Grün­den nicht ein­ge­hen. Zur Erstel­lung der ersten Top 5 der ersten bei­den Quar­ta­le 2008 dient mir mei­ne eige­ne play­list, die doch recht prall gefüllt ist.

Anzu­mer­ken sei vor­weg, dass nur Alben berück­sich­tigt wer­den, die ich gera­de vor­lie­gen habe; außer­dem erhebt die Liste kei­nen Anspruch auf Voll­stän­dig­keit, das kommt dann erst am Ende des Jah­res. Da sich Text­ein­drücke in einer Kurz­re­zen­si­on – für aus­führ­li­che Rezen­sio­nen fehlt mir schlicht die Kom­pe­tenz – nur schwer ein­fan­gen las­sen, habe ich aus jedem Album eine mög­lichst aus­sa­ge­kräf­ti­ge Text­zei­le her­aus­ge­sucht. Ich hof­fe, das Expe­ri­ment gelingt.

Zudem:
2008 bedeu­tet auch 40 Jah­re „’68“. Die Ent­wick­lung der Musik anhand der jeweils aktu­el­len gesell­schaft­li­chen Struk­tu­ren lässt sich anhand eines will­kür­lich gewähl­ten, doch mar­kan­ten Bei­spiels anschau­lich nach­voll­zie­hen, dazu jedoch unten mehr. Und viel­leicht fin­det ja einer von euch neben­bei auch eine Geschenk­idee für musik­be­ses­se­ne Freun­de und Bekann­te. (Wäre natür­lich ein net­ter Neben­ef­fekt.)

Es fol­gen die Top 5, num­me­riert nach per­sön­li­cher Wer­tung:

  1. Dear John Let­ter – Bet­ween Lea­ves | Fore­stal
    „Final­ly time era­ses time, and all I can do is hide“ (Clea­ring | Lea­ving)
     
    Ich hat­te es ja vor zwei Bei­trä­gen schon ange­deu­tet, daher hier nur die um eini­ge Hör­ein­drücke erwei­ter­te Zusam­men­fas­sung:

    Nach der bzw. dem an sich schon wun­der­ba­ren EP der Augs­bur­ger Dear John Let­ter folgt nun­mehr ein Album, das mit einem gewohnt auf­wän­di­gen art­work aus der Mas­se der Pla­stik­hül­len-CDs her­aus­sticht und zudem das erwähn­te Erst­lings­werk an Ton­qua­li­tät noch zu über­tref­fen ver­mag.

    Die unge­fäh­re Drei­vier­tel­stun­de an Musik geht auch wie im Flug vor­bei:
    Wenn­gleich Dear John Let­ter sich nur ungern in ein Gen­re­kor­sett zwän­gen las­sen wol­len, so ist hier doch der Post­rock all­ge­gen­wär­tig. Gitar­ren­wän­de schwil­len an und ebben ab, immer wie­der setzt der emo­tio­nal hoch­wer­ti­ge Gesang ein und wie­der aus. Kei­ne Sekun­de wird ver­schwen­det, auch end­los wir­ken­de Schlag­zeug­so­li wer­den mit Bedacht ein­ge­setzt. Hier wird nicht gelärmt oder gar gerockt, hier wird musi­ziert. Die gro­ßen Vor­bil­der Oce­an­si­ze, aber auch Mog­wai las­sen in fast jedem Takt grü­ßen.

    Apro­pos Gesang: Der ist nicht ledig­lich schmücken­des Bei­werk, son­dern trägt auch wesent­lich zur Stim­mung bei. So ist nicht nur die ver­träumt, aber auch ver­zwei­felt wir­ken­de Stim­me des Herrn Fischer ein prä­gen­des Ele­ment des Albums, auch die Tex­te kön­nen über­zeu­gen. Nichts mit „I love you baby“, hier geht’s see­lisch-schmerz­voll zur Sache.

    Hör­pro­be:
    Ein­drücke vom Album sowie von der/dem EP kann man auf MySpace sam­meln.

    Und wenn man sich nach dem letz­ten der ins­ge­samt sechs Stücke von drei­ein­halb bis 11 Minu­ten Spiel­zeit in einer ande­ren Welt wie­der­fin­det und sich selt­sam leicht, aber auch leer fühlt, ist es Zeit für ein wenig Abwechs­lung:

  2. Nick Cave & the Bad Seeds – Dig Laza­rus Dig!!!
    „Pro­lix! Pro­lix! Not­hing a pair of scis­sors can’t fix.“ (We call upon the aut­hor)
     
    Der ehe­ma­li­ge Fürst der Fin­ster­nis Nick Cave hat Blut geleckt. Nach­dem er schon mit sei­nem Neben­pro­jekt Grin­der­man ordent­lich auf die Kacke gehau­en hat, gibt’s mit Dig Laza­rus Dig!!! auch wie­der eine durch­aus offen­sicht­lich davon beein­fluss­te Schei­be der Bad Seeds zu kau­fen.

    Rei­me sucht man, wie bei Cave üblich, fast ver­ge­bens, nur hier und da wird gedich­tet; aber Freun­de die­ser Art von Musik, gen­re­tech­nisch zwi­schen Blues, Rock und Dark Wave ein­zu­ord­nen, erfreu­en sich ohne­hin ver­mut­lich mehr am zyni­schen Sprech­ge­sang und düste­ren Klang (noch ein Reim!) des Alt­mei­sters als an den Tex­ten.

    Die sind indes bis­sig bis belang­los, doch wen kümmert’s?
    Nach meh­re­ren Durch­läu­fen macht’s Klick, und es wer­den Remi­nis­zen­zen erkannt, unter ande­rem an das fast schon legen­dä­re The Gift von den noch legen­dä­re­re­ren Vel­vet Under­ground. Düste­re Erzäh­lun­gen im Vor­der­grund, und im Hin­ter­grund gibt’s Rück­kopp­lun­gen, „Lärm“ en mas­se. Eine will­kom­me­ne Abwechs­lung zu all dem rosa­ro­ten Weich­spül­pop im Radio.

    Hör­pro­be:
    Bei You­Tube lässt sich der oben ange­deu­te­te Ver­gleich zwi­schen The Gift und We call upon the aut­hor anhand zwei­er Live­vi­de­os hof­fent­lich nach­voll­zie­hen.

    Und wem das dann doch zu anstren­gend ist, für den hält auch der erfreu­li­cher­wei­se kon­stant auf­ge­wer­te­te Indie-Markt eini­ges bereit, was zwar durch­aus radio­taug­lich wäre, aber sich gegen Super­stars, Pop­stars und ähn­lich arme Würst­chen nur schwer zu behaup­ten weiß:

  3. Black­mail – Tem­po Tem­po
    „You might die from medi­ca­ti­on, but it’ll sure­ly kill the pain“ (Fal­se Medi­ca­ti­on)
     
    Black­mail aus Koblenz sind ein wei­te­rer Beleg dafür, dass die deut­sche Musiksze­ne weit­aus mehr zu bie­ten hat als nur Die­ter Boh­len und die Flip­pers. Auf Tem­po Tem­po gibt’s zwar für Black­mail-Ken­ner kei­ne Über­ra­schun­gen, aber soli­den Pop­rock zu hören, der kaum Erwar­tun­gen offen lässt.

    Ken­ner wür­den viel­leicht bes­se­re Ver­glei­che fin­den, ich jedoch wür­de Black­mail irgend­wo zwi­schen The Kil­lers und den Dan­dy War­hols ein­ord­nen. Der Gesang bewegt sich zwi­schen den Spät­wer­ken der Beat­les, Pla­ce­bo und Under the Influence of Giants, wäh­rend Bass- und Schlag­zeug­spiel mit den Gitar­ren­bret­tern Schritt zu hal­ten ver­su­chen. Hier und da blitzt sogar Post­rock auf, bspw. die Laut-Lei­se-Wech­sel in Speed­luv. Ins­ge­samt also soli­de Som­mer­mu­sik für anspruchs­vol­le Musik­freun­de, denen auch Pla­ce­bo-ähn­li­che Tex­te, wie sie auf die­sem Album domi­nie­ren, nichts aus­ma­chen.

    Hör­pro­be:
    Das Video zu Shshs­ha­me (welch ein Titel!) gibt’s, wie üblich, bei You­Tube.

    Und falls das zu anspruchs­los ist: Im Jahr 2008 wird auch wie­der mäch­tig gef­rickelt.

  4. The Tan­gent – Not as good as the book
    „It’s half past nine on Tues­day mor­ning, and still nobody“â„¢s lan­ded yet on Mars“ (Not As Good As The Book)
     
    Da nun das geplan­te Büh­nen-Come­back der Pro­gres­si­ve-Rock-Dino­sau­ri­er Yes auf unbe­stimm­te Zeit ver­scho­ben wer­den muss, trifft es sich gut, dass die bri­ti­sche For­ma­ti­on The Tan­gent wie bis­her jedes Jahr ein neu­es Album ver­öf­fent­licht hat.

    Und das hat’s in sich:
    Über 94 Minu­ten Spiel­zeit, ver­teilt auf zwei CDs und kon­zi­piert als ein, nun ja, Kon­zept­al­bum. Das Kon­zept des Albums zu ver­ste­hen fällt mit der Spe­cial Edi­ti­on ver­mut­lich am leich­te­sten, ent­hält die­se neben den CDs zusätz­lich eine 85-sei­ti­ge Sci­ence-Fic­tion-Geschich­te, die die Hin­ter­grün­de der Lied­tex­te umfasst und erwei­tert.

    Die­se Geschich­te ist abstrus genug, aber schnell erzählt:
    Der Prot­ago­nist Dave, in den 70-ern Pro­gres­si­ve-Rock-Anhän­ger, ver­nich­tet am 20. Juni 2008 (scheint also tat­säch­lich nur Sci­ence Fic­tion zu sein) ver­se­hent­lich mit dem Album Relay­er von Yes die Welt. 80.000 Jah­re spä­ter ver­su­chen Histo­ri­ker, mit­hil­fe von 298 CDs aus unse­rer Zeit zu rekon­stru­ie­ren, wie die Men­schen im 21. Jahr­hun­dert gelebt haben.

    Hier­zu wird inhalt­lich flei­ßig zitiert und ange­spielt, es geht unter ande­rem um Micro­soft, Mobil­te­le­fo­ne, Yes und Gene­sis. Durch Yes und Gene­sis schei­nen auch die acht betei­lig­ten Musi­ker inspi­riert wor­den zu sein, die die Inspi­ra­tio­nen mit mas­sig Can­ter­bu­ry-Prog, Jazz­rock und schep­pern­dem 70-er-Jah­re-Rock ver­mischt und in ein­zel­ne Stücke ver­packt haben, die gen­re­ty­pisch zwi­schen fast vier und über zwan­zig Minu­ten lang sind.

    Dabei schaf­fen sie das Kunst­stück, dass selbst das Stück The full Gamut über die gesam­te Spiel­zeit von 22:42 Minu­ten wie ein ein­heit­li­cher Klang­kos­mos klingt und immer wie­der zum Kern­the­ma zurück­fin­det – Ken­ner die­ser Musik­rich­tung wer­den sich an YesTales from topo­gra­phic oce­ans erin­nern.

    Aber hier gilt wie schon bei Dear John Let­ter:
    Die­ses Album ist nicht fürs Auto­fah­ren, Buch­le­sen oder für die Haus­ar­beit geeig­net. Man muss sich dar­auf ein­las­sen, denn auch beim zehn­ten Hör­durch­lauf sind hier und da noch neue Details, neue Anspie­lun­gen und Zita­te zu ent­decken.

    Hör­pro­be:
    Das erste Lied A cri­sis in mid life, das zwar ein­gän­gig­ste, aber durch die 80-er-Jah­re-Key­boards auch unty­pisch­ste Stück des Wer­kes, gibt es bei You­Tube zu hören.

    Zu fröh­lich? Bit­te sehr, Abhil­fe schafft fol­gen­des Werk:

  5. Thee Sil­ver Mt. Zion Memo­ri­al Orche­stra & Tra-La-La Band – 13 Blues For Thir­teen Moons
    „We’­re buil­ding train wrecks in the set­ting sun“ (Black Waters Blowed/Engine Bro­ke Blues)
     
    Allein schon der Name der Grup­pe, aus ver­ständ­li­chen Grün­den oft zu A Sil­ver Mt. Zion gekürzt, ist eine Auf­nah­me in die­se Liste wert.

    Nie gehört? Durch­aus ver­ständ­lich, han­delt es sich doch um ein Neben­pro­jekt der zur­zeit für eine unbe­stimm­te Dau­er auf Eis lie­gen­den und alles ande­re als radio­kom­pa­ti­blen Post­rock-Hero­en God­speed You! Black Emper­or. Wäh­rend die Musik von GY!BE, so die offi­zi­el­le Abkür­zung des Namens, jedoch eben­so sper­rig ist wie der Name selbst und mehr mit Sigur Rós als mit Oce­an­si­ze gemein hat, ist es bei A Sil­ver Mt. Zion eher umge­kehrt:

    Der Name des Albums ist Pro­gramm. Blues, wenn­gleich in einer zap­paesk schrä­gen Dar­bie­tungs­form, gibt’s hier reich­lich, gepaart mit bra­chia­len Wut- und Ver­zweif­lungs­aus­brü­chen sowohl der Instru­men­te als auch des Sän­gers. Anders aus­ge­drückt: Hier wird rück­ge­kop­pelt, drauf­ge­hau­en und gejam­mert, dass es eine wah­re Freu­de ist. Die vier Lie­der, zwi­schen 13 und fast 17 Minu­ten lang, beschwö­ren eine Nico-ähn­li­che Stim­mung her­auf; das Wort „beschwö­ren“ scheint ange­sichts der bewusst her­bei­ge­führ­ten Trost­lo­sig­keit und Ver­zweif­lung indes fast schon lächer­lich.

    Auf den Baby­blau­en Sei­ten wird dies tref­fend beschrie­ben:

    Die zer­brech­li­che Schön­heit, die noch die ersten Alben der Band bestimmt hat, ist über wei­te Strecken einem despe­rat-melan­cho­li­schen Gitar­ren-Strei­cher­ge­lär­me gewi­chen, in dem sich ab und zu auch noch Orgel- und Trom­pe­ten­klän­ge gera­de noch aus­ma­chen las­sen. Wie sich E‑Gitarren und elek­trisch ver­stärk­te Strei­cher anein­an­der rei­ben und schep­pern, erin­nert gele­gent­lich an die Bri­ten von High Tide, die vor über 35 Jah­ren eigent­lich ganz ande­re Musik gemacht haben.

    Hör­pro­be:
    Bei You­Tube gibt’s Live­ver­sio­nen von 13 Blues For Thir­teen Moons und Engi­ne Bro­ke Blues zu hören und zu sehen. Die sind zwar aus qua­li­ta­ti­ven Grün­den nicht so druck­voll wie die CD-Ver­sio­nen, aber genü­gen für einen Ein­blick. Fest­hal­ten!

Ohne Bewer­tung, für Inter­es­sier­te zum Rein­hö­ren, nur der Voll­stän­dig­keit wegen:

  • Van der Graaf Gene­ra­tor – Tri­sec­tor
     
    Als Van der Graaf Gene­ra­tor sich 2005 nach über 20 Jah­ren Pau­se mit einem neu­en Album zurück­ge­mel­det hat­ten, weck­te dies Hoff­nun­gen auf ein neu­es H to He who am the only one; die Grup­pe um den cha­ris­ma­ti­schen Sän­ger Peter Ham­mill mit dem mar­kan­ten Klang von David Jack­sons Saxo­fon hat­te die Ent­wick­lung des Pro­gres­si­ve Rock mit die­sem Album maß­geb­lich beein­flusst. Nun haben sie ihr zwei­tes Album nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung ver­öf­fent­licht, und erst­mals seit 1968 wur­de das Saxo­fon durch E‑Gitarre und ver­stärk­ten Orgel­ein­satz ersetzt. Die Grün­de für die Tren­nung von ihrem Saxo­fo­ni­sten will die Grup­pe noch immer nicht bekannt­ge­ben, jedoch steht außer Fra­ge, dass die neue Instru­men­ta­li­sie­rung den typi­schen VdGG-Klang stark beein­flusst.

    Tat­säch­lich ist von dem sonst all­ge­gen­wär­ti­gen Klang der frü­hen Mei­ster­wer­ke Kil­ler und Pio­neers over c. außer Ham­mills Stim­me nicht mehr viel übrig, dafür haben die nun­mehr drei Musi­ker neben dem bewähr­ten Rock (Drop Dead) jetzt auch Can­ter­bu­ry-ähn­li­che Klän­ge (The Hur­ly­bur­ly) für sich ent­deckt, teil­wei­se wirkt das Album gar uner­war­tet radio­kom­pa­ti­bel (All that befo­re).

    Hör­pro­be:
    Vor allem für Ein­stei­ger, aber auch für etwas erfah­re­ne­re VdGG-Hörer ist vor dem Blind­kauf ein Ver­gleich des Klas­si­kers Kil­ler mit dem neu­en All that befo­re zu emp­feh­len.

  • Radi­us System – Escape / Restart
     
    Ich hat­te bereits in eini­gen Foren sowie hier auf die­se gran­dio­se Musik­grup­pe hin­ge­wie­sen, möch­te daher nur­mehr erneut Peter von den Schall­gren­zen zitie­ren:

    Mäch­ti­ge Gitar­ren­wän­de wer­den hoch­ge­zo­gen, hin und wie­der wie­der ein­ge­ris­sen und von neu­em tür­men sich Sounds auf Sounds. Gro­ße Vor­bil­der der Fran­zo­sen dürf­te Oce­an­si­ze sein. Eben­so kom­pro­miss­los wie die Bri­ten wer­den die übli­chen Struk­tu­ren über Bord gewor­fen und mit Gitar­re, ambi­en­ten Elek­tronik­sounds, Samples und wuch­ti­gem Rhyth­mus­fun­da­ment Songs fürs Leben gemei­ßelt.

    Hör­pro­be:
    Fällt dies­mal aus, den Spaß gibt’s kom­plett kosten­los ohne Ver­pflich­tun­gen oder dubio­se Umwe­ge.

  • The Kills – Mid­night Boom
     
    Was ist das für ein Stil? Mini­ma­li­stic-Elec­t­ro-Pop­rock? Egal, die spex fin­det das Duo The Kills klas­se, und ich als eigent­lich bevor­zugt rock­af­fi­ner Audio­phi­ler stel­le fest, dass mich die ein­fa­chen Klän­ge des Albums auch mit­rei­ßen. War­um? Wer weiß! Ist jeden­falls mal was ande­res, ver­gleich­bar allen­falls mit dem, was die über­tol­le Sen­dung Tracks all­wö­chent­lich emp­fiehlt.

    Und so bleibt mir auch nur ein Ver­weis auf die Hör­pro­be:
    Auf You­Tube gibt’s das mei­nes Erach­tens über­aus gute Lied Sour Cher­ry zu hören, inklu­si­ve Text zum Mit­sin­gen.

  • King’s X – XV
     
    Irgend­wo zwi­schen Pro­gres­si­ve Metal und Hard­rock musi­ziert das texa­ni­sche Trio King’s X. Und obwohl die Gen­re­ein­ord­nung sowohl eine Nähe zu Tool als auch zu Rush umfasst, so schafft die­se Grup­pe es den­noch seit über 25 Jah­ren, trotz des sel­ten vari­ier­ten typi­schen King’s X-Klan­ges nie nach der eige­nen Cover­band, son­dern immer wie­der frisch und neu zu klin­gen. Benei­dens­wert.

    Musi­ka­lisch geht’s hier gewohnt zur Sache, nur der Gesang nervt mich per­sön­lich ein wenig. Stellt euch eine Metal­ver­si­on von Rush mit viel, viel Head­ban­ging (Deutsch: Kopf­bum­sen, Hirn­fick qua­si) und einem dem Goth­rock ent­stam­men­den Sän­ger vor, der bis­wei­len wie Rod (Die Ärz­te bzw. Abwärts) klingt (Pray).

    Aber das ist zum Glück Geschmacks­sa­che, und dar­über lässt sich bekannt­lich nicht immer strei­ten. Daher als Kom­pro­miss die letz­te Hör­pro­be:
    Auf Amazon.de lässt sich jedes Lied auf dem Album aus­schnitts­wei­se pro­be­hö­ren.

Rück­schau:

  • Vor 40 Jah­ren:
    The United Sta­tes of Ame­ri­ca – The United Sta­tes of Ame­ri­ca
     
    In die Zeit der Stu­den­ten­auf­stän­de fiel auch die ver­stärk­te hal­lu­zi­no­ge­ner Dro­gen zur Erwei­te­rung der eige­nen Krea­ti­vi­tät und des Bewusst­seins. Zu den bekann­te­sten von LSD beein­fluss­ten Grup­pen zäh­len Gra­teful Dead und Quick­sil­ver Mes­sen­ger Ser­vice.
    Das ein­zi­ge Album der Grup­pe The United Sta­tes of Ame­ri­ca, erschie­nen zur Hoch­zeit der LSD-Ver­brei­tung, ist ein musi­ka­li­scher Dro­gen­trip mit Beat­les-Gesang und schwe­ben­den Psy­che­de­lic-Klän­gen. Die Grup­pe expe­ri­men­tiert mit Klang­col­la­gen und Syn­the­si­zern und per­fek­tio­niert qua­si neben­bei das Kon­zept eines Musik­al­bums als in sich geschlos­se­nes Gesamt­kunst­werk.
    2004 erschien eine Neu­auf­la­ge des Albums mit zehn zusätz­li­chen Lie­dern.
     
  • Vor 30 Jah­ren:
    Hinn í­slenski Þur­saf­l­ok­ku­rinn – Hinn í­slenski Þur­saf­l­ok­ku­rinn
     
    Gegen Ende der 70-er Jah­re waren Ver­tre­ter von Psy­che­de­lic und Pro­gres­si­ve Rock an einem krea­ti­ven Tief­punkt ange­langt. Es gab, so schien es, nichts mehr zu sagen, und wäh­rend Yes sich in gefäl­li­ge­re Rock­ge­fil­de bega­ben und King Crims­on sich erst­mals kom­plett auf­lö­sten – es soll­ten noch meh­re­re Auf­lö­sun­gen fol­gen -, wand­te sich die Zuhö­rer­schaft dem Folk zu.
    Und davon gab es reich­lich: In Deutsch­land ver­tra­ten Ougen­wei­de den Mit­tel­al­ter-Folk, in Groß­bri­tan­ni­en brach­ten Jet­h­ro Tull dem Publi­kum die Flö­ten­tö­ne bei, und in Island schließ­lich nahm sich Hinn í­slenski Þur­saf­l­ok­ku­rinn, der islän­di­sche Troll­hau­fen, klas­si­sches Lied­gut vor.
    Viel­leicht ist es die islän­di­sche Spra­che, die dem Album sei­nen Zau­ber ver­leiht, viel­leicht ist es auch die für Folk­rock unge­wohn­te, vor­wie­gend aku­sti­sche Instru­men­tie­rung, aber es ent­fal­tet eine befremd­li­che Schön­heit schon in den ersten paar Minu­ten. Die Traum­welt islän­di­scher Folk­lo­re wird in die­sem Album ein­ge­fan­gen und kom­pri­miert, und der Chor­ge­sang tut ein übri­ges. Scha­de, dass die Grup­pe trotz aller Ambi­tio­nen kei­ne Bekannt­heit erzie­len konn­te.
     
  • Vor 20 Jah­ren:
    Die Toten Hosen – Ein klei­nes biss­chen Hor­ror­schau
     
    Im Jahr 1988 wur­de das damals bereits 26 Jah­re alte Buch A Clock­work Oran­ge an den Kam­mer­spie­len Bad Godes­berg mit Betei­li­gung der Toten Hosen auf­ge­führt. Pas­send hier­zu ent­stand auch die­ses Album, das zwar nur schwer­lich mit der damals aktu­el­len poli­ti­schen Situa­ti­on in Ver­bin­dung zu brin­gen ist, jedoch die musi­ka­li­sche Ent­wick­lung jener Jah­re wider­spie­gelt:
    Nach Rock (60-er Jah­re), Pro­gres­si­ve Rock und Dis­co­fie­ber (70-er Jah­re) sowie Syn­thie-Pop und NDW (80-er Jah­re) hat­te man genug von den musi­ka­li­schen Expe­ri­men­ten. Der Stel­len­wert der Musik änder­te sich: Sie dien­te nicht mehr als Aus­drucks­form von Pro­test und als Iden­ti­fi­ka­ti­ons­in­stru­ment ein­zel­ner Grup­pen, son­dern wur­de zuneh­mend mas­sen­taug­lich. Die Toten Hosen bil­de­ten als eta­blier­te (also auch „mas­sen­taug­li­che“) Punk­rock-Grup­pe da kei­ne Aus­nah­me, allein der inhalt­lich expe­ri­men­tel­le Cha­rak­ter die­ses Albums, das A Clock­work Oran­ge nach­er­zählt, lässt noch ein wenig musi­ka­li­schen Wage­mut erah­nen.
     
  • Vor 10 Jah­ren:
    Die Ärz­te – 13
     
    Das Ende der 90-er Jah­re stand im Zei­chen von Bal­ler­mann und Kom­merz. Alle innen­po­li­ti­schen Kata­stro­phen schie­nen über­wun­den, den Kampf gegen die Poli­tik der USA hat­te man auf­ge­ge­ben, als jugend­li­cher „Rebell“ woll­te man im All­ge­mei­nen nur noch sei­nen Spaß haben.
    Das belegt auch die­ses Album, des­sen bekann­te­ste Lie­der Män­ner sind Schwei­ne und Rebell gesell­schafts- und musik­kri­tisch als direk­te Refe­ren­zen her­an­ge­zo­gen wer­den kön­nen. „Punk“ gab’s nur noch in Ver­bin­dung mit „Fun“ – kei­ne Gewalt, kei­ne Pro­vo­ka­ti­on und vor allem kei­ne Poli­tik mehr. Fun­punk-Grup­pen wie Die Ärz­te hat­ten hier ihre musi­ka­li­sche und vor allem auch kom­mer­zi­el­le Blü­te­zeit. Und erst gegen Mit­te unse­res Jahr­zehnts began­nen die Ansprü­che an musi­ka­li­sche Qua­li­tät mit der Brit­pop- und Indie­wel­le wie­der zu wach­sen…

KaufbefehleMusikkritik
dear john let­ter: Bet­ween Lea­ves – Fore­stal

Wun­der­bar, ganz ver­ges­sen:
Die von mir vor eini­ger Zeit hoch gelob­te Postrock­grup­pe dear john let­ter hat in die­sem Jahr das erste regu­lä­re Album ver­öf­fent­licht.

Sein Name Bet­ween Lea­ves | Fore­stal, auf Deutsch unge­fähr „Zwi­schen Blät­tern / Wald­be­zo­gen“, spie­gelt die Musik schon recht gut wie­der:
Die Stim­mung wech­selt zwi­schen male­risch-lyri­schen Momen­ten und ver­zwei­fel­ter Wut, wird aber nie schwül­stig oder bra­chi­al. Das Album lebt von der Fort­ent­wick­lung des bereits auf der EP im Ansatz vor­han­de­nen, offen­sicht­lich von Gen­re­grö­ßen wie Oce­an­si­ze beein­fluss­ten, aber den­noch eigen­stän­di­gen Stils der Grup­pe.

Schwer­mü­ti­ge, nach­denk­li­che Musik also, die zu Som­mer, Son­ne, Strand nicht so recht pas­sen mag, den Hörer jedoch schon nach weni­gen Minu­ten auf eine Rei­se der Gedan­ken schickt, die auch in einer End­los­schlei­fe des CD-Spie­lers nie ein­tö­nig wird. Eine Aus­wahl der Lie­der gibt es wie immer hier zu hören.

Nun aber das art­work:
Vor­bei ist’s mit selbst­ge­klei­ster­ten Buch­col­la­gen, nun ist Zeit für Kunst.

Und auch dies­mal ist es ein Gesamt­kunst­werk:

Das Album von außen: Blatt mit Vogel. Das Album von innen: Einschübe und Titelliste.

In den bei­den Sei­ten des genäh­ten Etuis – „CD-Hül­le“ wäre unter­trie­ben! – gibt’s ein Text­blatt, die CD selbst und ein paar aus schwar­zer Pap­pe aus­ge­schnit­te­ne Tier­fi­gu­ren, für die dear john let­ter selbst auf ihrer Web­sei­te eine zur Musik pas­sen­de Ver­wen­dung vor­schla­gen:

Zur Nach­ah­mung wärm­stens emp­foh­len!


Nach­ah­men kann man übri­gens auch hier.

Persönliches
Zwei Cents auf Fuß­ball.

Im Vor­feld des ver­mu­te­ten deut­schen Ver­sa­gens möch­te ich anmer­ken, dass ich per­sön­lich immer für den Geg­ner Deutsch­lands bin, gleich, wer dies sein mag. Die kol­lek­ti­ve Ablen­kung von innen- und außen­po­li­ti­schem Scheiß­dreck (Krieg, Ölpreis­er­hö­hun­gen usw. wie u. a. wäh­rend der WM 2006) ent­spricht genau so wenig mei­nen Vor­stel­lun­gen von Frei­zeit­ver­gnü­gen wie der Fuß­ball­sport selbst mei­ner Vor­stel­lung von Ästhe­tik und Ver­eh­rens­wür­di­gem.

Dan­ke für die Auf­merk­sam­keit.

PolitikIn den Nachrichten
„Ame­ri­ka is‘ wun­der­ba.“

Mehr Chan­cen als Risi­ken: Außen­mi­ni­ster Stein­mei­er sieht für die Zeit nach den Prä­si­dent­schafts­wah­len in den USA posi­ti­ve Ent­wick­lun­gen. Sowohl unter einem Prä­si­den­ten Oba­ma als auch unter einem Prä­si­den­ten McCain erwar­tet er neue Impul­se.

(SPON)

Soso, Impul­se also? Womög­lich in eine posi­ti­ve Rich­tung?

Zur Kennt­nis­nah­me und Infor­ma­ti­on:
Zwar geben bei­de Kan­di­da­ten vor, grund­le­gen­de Ände­run­gen durch­füh­ren zu wol­len, aber ich fürch­te, das hat der Herr Stein­mei­er falsch ver­stan­den.

Eine mili­tä­ri­sche Lösung des wie auch immer gear­te­ten Iran-Pro­blems hal­ten sich bei­de Par­tei­en näm­lich aus­drück­lich offen. Natür­lich nur, sofern die Diplo­ma­tie, zwin­ker, zwin­ker, wei­ter­hin ver­sagt.

„Ich glau­be, es stecken mehr Chan­cen dar­in als Risi­ken.“

Wohl dem, der nichts zu ver­lie­ren hat.

FotografiePolitikIn den Nachrichten
Lebens­qua­li­tät für Afri­ka!

Eine schnel­le Ver­sor­gung der Bevöl­ke­rung in Afri­ka mit Com­pu­tern und Inter­net­an­schlüs­sen hat die ira­ni­sche Frie­dens­no­bel­preis­trä­ge­rin Schi­rin Eba­di gefor­dert. Die digi­ta­le Kluft zwi­schen Nord und Süd müs­se rasch geschlos­sen wer­den, sag­te Eba­di am Mon­tag zum Auf­takt des „Glo­bal Media Forum“ der Deut­schen Wel­le in Bonn.

(Quel­le)

Es ist natür­lich über­aus bedau­er­lich, dass noch nie­mand zuvor auf die­se Idee gekom­men ist.
Wir Nai­ven haben doch tat­säch­lich geglaubt, den Afri­ka­nern fehlt es im Wesent­li­chen an Lebens­mit­teln und medi­zi­ni­scher Ver­sor­gung; nein, was ihnen fehlt, ist das Inter­net!
Das löst zwar wahr­schein­lich das Hun­ger- und Krank­heits­pro­blem nicht, aber immer­hin kön­nen sie dar­über blog­gen. Wird sicher ein Erfolg.

Aber ver­mut­lich bedarf es mit min­de­stens dem Frie­dens­no­bel­preis aus­ge­zeich­ne­ter, folg­lich gesell­schaft­lich hoch­ran­gi­ger Per­sön­lich­kei­ten, um sol­che Lösun­gen her­vor­zu­brin­gen, zumal auf einem solch wich­ti­gen Kon­gress:

Anlass für den Kon­gress ist nach den Wor­ten des Inten­dan­ten der Deut­schen Wel­le, Erik Bet­ter­mann, die Erkennt­nis, dass die Aus­ein­an­der­set­zung über Kon­flikt­prä­ven­ti­on und Frie­dens­stif­tung inter­na­tio­nal geführt wer­den muss. Über Län­der­gren­zen, Kul­tur- und Sprach­räu­me hin­weg müss­ten alle Sei­ten und ver­schie­de­nen Per­spek­ti­ven ein­be­zo­gen wer­den.

Das heißt, weni­ger kom­plex, jedoch mehr gewagt for­mu­liert, dass das Ende aller Krie­ge nur mit­hil­fe glo­ba­ler Dis­kus­sio­nen erreicht wer­den kann und eine Grund­ver­sor­gung mit Inter­net­an­schlüs­sen der erste Schritt zum Frie­den ist.
Was ja für die afri­ka­ni­schen Völ­ker höch­ste Prio­ri­tät haben dürf­te.

Wie vie­le Inter­net­an­schlüs­se es zur­zeit in den USA gibt, ist mir übri­gens nicht bekannt.

In den Nachrichten
Angriff der Clown­krie­ger

Gene­ti­ker der nie­der­län­di­schen Uni­ver­si­tät Lei­den haben nach eige­nen Anga­ben erst­mals das Erb­gut einer Frau ent­zif­fert.

(Quel­le, Her­vor­he­bun­gen fast rein zufäl­lig gewählt)

Ein Hoch auf die moder­ne Wis­sen­schaft!

Was man nun mit dem Wis­sen um das Erb­gut der Frau anzu­fan­gen gedenkt, ist mei­nes Wis­sens noch nicht publik gemacht wor­den, jedoch zweif­le ich nicht dar­an, dass es dem Ziel, einen Men­schen jeg­li­chen Geschlechts nach Maß anzu­fer­ti­gen, wohl die­nen mag.

Wobei bei­der­lei Geschlech­ter gewis­se Urtrie­be mit sich her­um­tra­gen, deren Ursprung es zum Zwecke der Wis­sen­schaft durch­aus zu ergrün­den sich lohn­te. Nur ist zu befürch­ten, dass es nicht bei der Ergrün­dung blei­ben wird.

Mit etwas Glück erle­ben wir das Ergeb­nis nicht mehr.

In den Nachrichten
Medi­en­kri­tik IV: Die Sache mit den Men­schen­rech­ten

Ein Eltern­paar aus dem baye­ri­schen Krum­bach hat in der ver­gan­ge­nen Woche sei­nen sie­ben Mona­te alten Sohn im Inter­net-Auk­ti­ons­haus eBay zum Ver­kauf ange­bo­ten. Nach­dem Inter­net­nut­zer das Ange­bot der Poli­zei gemel­det hat­ten, ermit­tel­ten Poli­zei-Beam­te einem dpa-Bericht zufol­ge die Anschrift der Eltern. Das Baby, das die Eltern nach eige­ner Aus­sa­ge nur zum Scherz für ein Min­des­ge­bot von einem Euro ange­bo­ten hat­ten, befin­det sich zur­zeit in der Obhut des Jugend­amts. Gegen die Eltern wird nun wegen des Ver­dachts auf Kin­des­han­del ermit­telt.

(Quel­le)

Haben die kei­nen Gefrier­schrank?“, fragt da ein Kom­men­ta­tor und ist den­noch für weit weni­ger mis­an­throp als die Sit­ten­wäch­ter, deren Gal­le die­ser Scherz offen­bar am Sie­de­punkt kochen ließ, zu hal­ten.

Natür­lich bie­tet jemand, der Kin­der­han­del betreibt, sei­ne Ware heut­zu­ta­ge bei eBay an. Man ist ja ver­netzt und denkt glo­bal. Am besten lebens­lang ins Zucht­haus mit dem Ver­bre­cher­pack.

Stellt man dage­gen sein Kind aber z. B. in der Ber­li­ner Cha­ri­té ab, so ist dies, laut Medi­en­echo, durch­aus akzep­ta­bel, ja sogar wün­schens­wert; übri­gens etwa eben­so akzep­ta­bel wie die Ent­las­sung von Arbei­tern über 40, weil sie an den Gren­zen ihrer Lei­stungs­fä­hig­keit ange­kom­men sind. So ist das eben in Deutsch­land, nicht wahr?

Doch im Bou­le­vard (u. a. BILD, Bun­te, Spie­gel und offen­bar nun auch heise.de) ist’s Kon­sens, dass der Wert eines Men­schen sich nach Alter und Geschlecht rich­tet.

Hier­bei gilt als For­mel:
wert = nied­lich­keit * (1/alter)

Also wenn das nicht min­de­stens in die Sozio­lo­gie-Enzy­klo­pä­dien ein­geht, dann bin ich schwer ent­täuscht!

Politik
Si vis pacem, para bel­lum.

Selbst schon zum Brül­len, daher ohne Wor­te:

Die USA haben ihren Wider­stand gegen ein inter­na­tio­na­les Ver­bot von Streu­bom­ben bekräf­tigt. Ein sol­ches Abkom­men gefähr­de die welt­wei­te Sicher­heit und ver­hin­de­re huma­ni­tä­re Hilfs­ein­sät­ze der US-Streit­kräf­te, sag­te ein rang­ho­her Ver­tre­ter des US-Außen­mi­ni­ste­ri­ums am Mitt­woch in Washing­ton.

(Gele­sen bei Yahoo!, Her­vor­he­bun­gen von mir.)

NetzfundstückeMusikkritik
Radi­us System

Nein, kein Inter­punk­ti­ons- oder ähn­li­cher Feh­ler, lie­be Leser; viel­mehr ein Musik­tipp mei­ner- bzw. eben sei­nerseits.
Ich zitie­re mal dreist:

Mäch­ti­ge Gitar­ren­wän­de wer­den hoch­ge­zo­gen, hin und wie­der wie­der ein­ge­ris­sen und von neu­em tür­men sich Sounds auf Sounds. Gro­ße Vor­bil­der der Fran­zo­sen dürf­te Oce­an­si­ze sein. Eben­so kom­pro­mis­los (sic!) wie die Bri­ten wer­den die übli­chen Struk­tu­ren über Bord gewor­fen und mit Gitar­re, ambi­en­ten Elek­tronik­sounds, Samples und wuch­ti­gem Rhyt­mus­fun­da­ment (sic!) Songs fürs Leben gemei­ßelt.

Und das Schön­ste ist:
All die­se wun­der­ba­ren Klang­wel­ten wer­den gra­tis zum Her­un­ter­la­den ange­bo­ten.

Unbe­dingt anhö­ren, viel­leicht gefällt’s?

In den Nachrichten
Neue Busen braucht das Land!

Ein Hoch, lie­be Leser, auf die Eman­zi­pa­ti­on.

Ein Mann film­te im Schwimm­bad heim­lich die nack­te Brust eines Bade­ga­stes – und wur­de einer Sexu­al­straf­tat für schul­dig befun­den. Dann wur­de das Urteil revi­diert: Da es sich um eine männ­li­che Brust han­del­te, sei die Akti­on recht­lich unbe­denk­lich.

(Quel­le)

Die männ­li­che Brust genießt also nicht den Sta­tus eines Geschlechts­teils; so weit akzep­ta­bel.

War­um aber genießt sie weni­ger gesetz­li­chen Schutz als die weib­li­che Brust?
(Bzw., da wir gera­de davon reden, war­um heißt es „Brü­ste“? Wie viel Brust muss man haben, damit man sie im Plu­ral nennt?)

Umge­kehrt bedeu­tet die­ses Gerichts­ur­teil aber auch, dass homo- oder zumin­dest bise­xu­el­le Schwimm­bad­voy­eu­re vom Staat geschützt wer­den. Ist das nun der neue Weg zur Tole­ranz? Brrrrrr.

SonstigesNetzfundstückeIn den Nachrichten
Ein neu­er Tag, ein neu­er Hit­ler.

Nicht nur Nach­bil­dung und Dieb­stahl von Pin­gui­nen sind der­zeit, gera­de bei som­mer­li­chen Tem­pe­ra­tu­ren, eine will­kom­me­ne Ablen­kung von den täg­li­chen Per­ver­sio­nen in die­sem Land, auch der vie­ler­orts unge­lieb­te Hit­ler ist wie­der im Kom­men.
Und damit wir all der Pin­gui­ne nicht all­zu schnell über­drüs­sig wer­den, gibt es nun eine Heim­sei­te (ttt vom 4. Mai) mit ande­ren pos­sier­li­chen Krea­tu­ren, unse­ren täg­li­chen Hit­ler gib uns heu­te sozu­sa­gen.
Viel Spaß damit!


Nach­trag, von wegen „Spaß“:
Papst Bene­dikt XVI. hat die Rausch­wir­kung von Sexua­li­tät ange­pran­gert.

Denn wer wüss­te dies bes­ser zu beur­tei­len?

PolitikSonstigesIn den Nachrichten
60 Jah­re Isra­el bzw. Medi­en­kri­tik III

Aze ist Atze, Aldah!Hal­lo, lie­be Leser,

60 Jah­re Isra­el ste­hen uns bevor.
Das bedeu­tet vor­aus­sicht­lich, aber auch bereits aktu­ell unter ande­rem Dau­er­be­rie­se­lung mit der gräus­li­chen Juden­ver­fol­gung seit min­de­stens dem Mit­tel­al­ter in allen Medi­en, stun­den­lan­ge Soli­da­ri­täts­be­kun­dun­gen all derer, die den mise­ra­blen Zustand der deut­schen Innen­po­li­tik mit welt­män­ni­schen Phra­sen im und zum Aus­land zu ver­decken ver­su­chen, und natür­lich die übli­chen Inter­views mit israe­li­schen Was-zu-sagen-Habern, die jeg­li­che Schuld an den dort all­ge­gen­wär­ti­gen Krie­gen weit von sich wei­sen; und die ande­re Sei­te kommt ja auch gar nicht erst zu Wort. Man möch­te kann darf ja nicht kri­ti­sie­ren, was letzt­end­lich nur­mehr eine Fol­ge aus der Juden­ver­fol­gung längst ver­gan­ge­ner Epo­chen zu sein scheint.

Mit guter Lau­ne und Musik ver­üben wir System­kri­tik.
– Andre­as Rebers

Oder so.

Wo wir doch sonst so rück­sichts­los gegen­über allem sind, was anders ist als wir. In man­cher Hin­sicht bedarf der deut­sche Geist, wie es scheint, tat­säch­lich noch wei­te­rer Erfor­schung sei­tens kun­di­ger Psy­cho­ana­ly­ti­ker oder zumin­dest Sozio­lo­gen.
Denn das hat zumin­dest die kur­ze Ära des Bären Bru­no gezeigt: Nur Din­ge, denen wir einen Namen geben, kön­nen wir aus tief­ster See­le ver­ab­scheu­en bzw. bin ich davon über­zeugt, dass nie­mand JJ1 zu töten beab­sich­tigt hät­te. Ste­ri­les tut nie­man­dem weh.

Das kann sein.Weh tut’s schon eher, Ursu­la Witt­wer-Back­ofen zu hei­ßen, die wie­der­um im SPIEGEL 19/08 erwähnt wird, weil sie als Anthro­po­lo­gin an Schil­lers diver­sen Schä­deln her­um­forsch­te oder gar noch immer her­um­for­sche, wie dort zu lesen ist; und nur weni­ge Sei­ten zuvor ist ein Arti­kel zu fin­den, der die eigent­lich grund­ver­schie­de­nen Ansich­ten der furcht­ba­ren Frau Klum und der wun­der­li­chen Frau Roche auf einen Nen­ner zu brin­gen ver­sucht:

Und war nicht auch der Bedarf an sol­chen Extrem-Rol­len­bil­dern immer da – vom nah­ba­ren Dok­tor­spiel-Nach­bars­mäd­chen bis zur unbe­rühr­ba­ren Beau­ty-Domi­na?

Indes, um eine all­ge­mein akzep­ta­ble Aus­sa­ge zu erge­ben, soll­te hier immer durch sagen­wir­mal seit der Ein­füh­rung von Medi­en­kra­wall in Maga­zi­ne wie den SPIEGEL ersetzt wer­den; denn immer gab’s kei­ne Beau­ty-Domi­nas – anzu­neh­men, es gäbe über­haupt die Kom­bi­na­ti­on aus beau­ty und Sado­ma­so­chis­mus auch für Men­schen mit eini­ger­ma­ßen gerad­li­ni­ger sexu­el­ler Aus­rich­tung, ist fast ein Inter­view auf arte, zumin­dest aber mit Frau Roche wert -, und Extrem-Rol­len­bil­der eben­falls nicht.

Wegen Roche wäscht sich sicher kei­ne auf­ge­klär­te Mit­tel­eu­ro­päe­rin nun unten­rum weni­ger. Und wegen Klum wird kei­ne zum Opfer der glo­ba­len Kos­me­tik­ma­fia.

Tja, nun, Herr Tho­mas Tuma c/o SPIEGEL, die jewei­li­gen Ziel­grup­pen wis­sen Fik­ti­on (Roma­ne) und Rea­li­tät (wie so genann­te „Top­mo­dels“ so leben und so) eben doch gut zu unter­schei­den.
Kaum jemand iden­ti­fi­ziert sich mit erfun­de­nen Figu­ren wie Micky Maus oder Roches Helen; Hei­di Klum aller­dings ist lei­der nur all­zu real. Und das haben wir nun davon.

Aber die­ser Ver­gleich kann natür­lich auch über­spitzt oder gar völ­lig kon­stru­iert sein. Es ist schließ­lich nur schwer vor­stell­bar, dass sich jun­ge Men­schen in Depres­sio­nen fal­len las­sen und/oder ein völ­lig unge­sun­des Leben anfan­gen, nur um spä­ter, kurz vor ihrem frü­hen Tod, stolz behaup­ten zu kön­nen, sie hät­ten wenig­stens etwas aus sich gemacht.

Wäre ja auch albern.

P. S. und apro­pos albern:
Ich bin kürz­lich auf einen tol­len Zwei­zei­ler gesto­ßen, der in Kra­kel­schrift eben­falls an oben abge­bil­de­ter roter Metall­wand zu lesen war:

Grün wie Gras, weiß wie Schnee,
das ist der SV Wer­der Bre­men.

Ist natür­lich auch nicht schlecht.

Sonstiges
Früh­lings­pa­ra­do­xien

Erst gehen einem die Men­schen wochen­lang mit ihrer schlecht­wet­ter­be­ding­ten Trüb­sal und dem ewi­gen „wann wird’s end­lich wie­der warm?“ auf den Sack Wecker, und dann ist es end­lich wie­der warm, und statt sich wün­schens­wer­ter­wei­se end­lich still und unauf­fäl­lig zu ver­hal­ten, drän­geln sie sich in rie­si­gen Trau­ben bzw. fast schon Melo­nen in den gleich­wie klei­nen Schat­ten­plät­zen und bekla­gen sich ob der gera­de­zu uner­war­tet ein­ge­tre­te­nen Schwei­ne­hit­ze (ein Begriff, der ange­sichts man­cher Indi­vi­du­en durch­aus wohl gewählt scheint).

Ich hof­fe, sol­che Vor­komm­nis­se erklä­ren mei­ne Mis­an­thro­pie zumin­dest im Ansatz.