Sonstiges
Eti­ket­ten­schwin­del

Aus der belieb­ten Serie „Hätt‘ ich das gewusst!“ folgt eine brand­neue Epi­so­de nach einem aller­dings bereits bekann­ten Dreh­buch:

Ach so!

Manch­mal fra­ge ich mich, was das für Men­schen sein müs­sen, um deret­wil­len Inhalts­in­for­ma­tio­nen wie die gezeig­te eigent­lich nötig sind. Tref­fen möch­te ich die­se Men­schen aber auch nicht unbe­dingt, ich hät­te Angst um mei­nen Ver­stand.

Apro­pos Ver­stand: Der Zufall woll­te es, dass ich heu­te mei­nen Blick über das DVD-Regal eines nahen Super­mark­tes schwei­fen ließ. Zu mei­ner Belu­sti­gung und eurer Unter­hal­tung folgt eine Pre­mie­re hier auf die­ser klei­nen Inter­net­prä­senz, näm­lich ein Such­spiel. Es geht um den Titel die­ser DVD über die „Sän­ge­rin“ LaFee. (Das reimt sich.) Wel­cher mei­ner bevor­zugt zyni­schen Leser fin­det die Poin­te? (Tipp: Ein Klick an der rich­ti­gen Stel­le offen­bart die Lösung.)

Viel Ver­gnü­gen und: Hihi!

Sonstiges
Kaka­po statt Schlecker!

(Vor­be­mer­kung: Ich habe, so weit ich mich erin­ne­re, noch nie­mals etwas bei Schlecker gekauft und fin­de geson­der­te Dro­ge­rie­märk­te, die min­de­stens Mond­prei­se als gemein­sa­me Eigen­schaft tei­len, auch grund­sätz­lich immer ein wenig ein­fäl­tig, gar über­flüs­sig.)

Ach, ihr Gut­men­schen, die ihr jetzt alle, den Zei­ge­fin­ger schwin­gend, beein­druckt von den total über­ra­schen­den Erkennt­nis­sen zu den Inter­na von Schlecker zum Boy­kott von Lohndum­ping betrei­ben­den Laden­ket­ten auf­ruft (und somit ver­mut­lich bin­nen weni­ger Tage man­gels Alter­na­ti­ven ver­hun­gern und ver­dur­sten wer­det, denn ein­kau­fen könnt ihr ja nun nir­gends mehr), um wenig­stens einen gerin­gen Teil zu einer bes­se­ren Welt bei­zu­tra­gen:

Bevor ihr also sterbt, lasst euch sagen, dass es auf der Welt noch grö­ße­res Unglück gibt als die sozia­le Markt­wirt­schaft mit ihren neo­li­be­ra­len Idea­len, die den Leu­ten das Leben schwer macht. Der Kaka­po ist vom Aus­ster­ben bedroht. Es leben – aus­schließ­lich auf Neu­see­land, in Han­no­ver könn­te ich das Aus­ster­ben ja noch ver­ste­hen – noch etwa 130 Exem­pla­re, Ten­denz sin­kend.

Der Kaka­po ist ein flug­un­fä­hi­ger Papa­gei­en­vo­gel und wahr­schein­lich die älte­ste noch leben­de Vogel­art, oben­drein die ein­zi­ge, deren blo­ße Nen­nung das Kind in mir stän­dig albern kichern lässt („Kack­a­po, hihihi!“). Blö­der­wei­se riecht er angeb­lich zwar „ange­nehm“, aber ziem­lich streng nach aller­lei Natür­li­chem, was ein Grund dafür ist, dass sei­ne Fress­fein­de nicht lan­ge suchen müs­sen. (Amü­san­te Vor­stel­lung: Men­schen, die an Kaka­pos rie­chen, um das dann zu doku­men­tie­ren.)

Wenn ihr also etwas für eine bes­se­re Welt tun wollt, hört auf, gegen die sozia­le Markt­wirt­schaft zu demon­strie­ren, denn die lässt es in der Regel kalt. Ver­gesst all die groß­ka­pi­ta­li­sti­schen Albrecht-Brü­der und ihre Gesin­nungs­ge­nos­sen. Wenn euch danach ist, sol­che Läden zu boy­kot­tie­ren, dann tut das, aber erwar­tet nicht, dass es in ande­ren Läden anders ist. So lan­ge Regie­run­gen das tole­rie­ren, wird es sich nicht ändern. Demon­striert also nicht gegen die Her­ren Schlecker, demon­striert gegen die Regie­rung.

Und wenn ihr zwi­schen­durch noch etwas Frei­zeit habt, ret­tet den Kaka­po. Dem Wort zulie­be.

Montagsmusik
417.3: Sau­blö­der Name, sau­gu­te Musik.

Aus Russ­land stam­men außer Por­no­fil­men anrü­chi­gen Inhalts auch die Musi­ker von 417.3, einer instru­men­ta­len Post­rock-Grup­pe mit viel Melan­cho­lie und ein biss­chen Strei­cher­un­ter­stüt­zung.

2008 erschien der/die/das EP „-‌-“, 2011 schob man das Voll­zeit­de­büt „_(-_-)_“ hin­ter­her. Wie wohl der Nach­fol­ger hei­ßen wird? Die Stücke tra­gen jeden­falls Namen wie „+3“, „~“ und „27“ und sind trotz­dem spit­ze. Ver­gleichs­punk­te: „God­speed You! Black Emper­or“ und „A Sil­ver Mt. Zion“. Ohne Gesang mit woh­li­gen Schau­ern. Groß­ar­tig.

417.3 – 17.09.2011

Das Album kann der geneig­te Musik­freund für lau per myspace.com (von wegen tot) und via eMu­le her­un­ter­la­den.

Er möge davon reich­lich Gebrauch machen!

Nerdkrams
Digi­ta­le Ver­fla­chung

(Vor­be­mer­kung: Weil ich mich im IRC gera­de so schön dar­über auf­ge­regt habe, rot­ze ich hier noch kurz eine Lang­fas­sung eines wei­te­ren öden Com­pu­ter­the­mas rein. Kei­ne Sor­ge, mor­gen gibt es wie­der Musik.)

Seit Win­dows 95 neh­me ich eine eigen­ar­ti­ge Ent­wick­lung wahr: Mit jeder grö­ße­ren Ände­rung an den Bedien­kon­zep­ten der Arbeits­um­ge­bung wird alles, rezi­prok zu den Zukunfts­vi­sio­nen aus frü­hen sci­ence-fic­tion-Fil­men und ‑Roma­nen, nicht kom­ple­xer und bun­ter, son­dern, im Gegen­teil, schlich­ter und abstrak­ter. ‘Digi­ta­le Ver­fla­chung’ wei­ter­le­sen »

In den Nachrichten
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: FOCUS, Maga­zin der Selbst­iro­nie

Apro­pos FOCUS: Was ist eigent­lich ein (Computer-)Nerd? Jemand mit umfang­rei­chen Kennt­nis­sen von Funk­ti­ons­wei­se und Mög­lich­kei­ten der Digi­tal­tech­nik, der, bepickelt und bebrillt, im dunk­len Kel­ler von kal­ter Piz­za lebt? Jemand, der typi­scher­wei­se den Unter­schied zwi­schen „Hacken“ und „Din­ge kaputt­ma­chen“ ver­stan­den hat, der sich im CCC enga­giert und des­sen Lieb­lings­spiel­zeug als Kind der Löt­kol­ben (nicht „Löt­kol­ben“, ihr Fer­kel) war?

Weit gefehlt, behaup­tet man beim FOCUS, wo man den täg­li­chen Umgang mit dem Inter­net für so wun­der­lich hält, dass man es sich nicht neh­men lässt, dem däm­li­chen Arti­kel über die Pira­ten­par­tei, trotz sogar wört­li­chen Zitats von Wilm Schu­ma­cher („Wir sind schon längst nicht mehr die soge­nann­te Inter­net-Par­tei“) in der Über­schrift „Inter­net-Par­tei“ genannt, einen wei­te­ren über Rai­ner Lang­hans nach­zu­schie­ben, der der Inter­net-Par­tei nicht nur 20.000 Euro über­reich­te, son­dern oben­drein auch einer von denen ist, und man liest die unver­hoh­le­ne Bewun­de­rung des Autors aus jeder Sil­be her­aus, wenn er schreibt:

„Ich könn­te sicher noch mehr machen, aber ich bin so fünf, sechs Stun­den am Tag im Netz“. Was er da mache? „Twit­ter, Face­book, das übli­che“. Rai­ner Lang­hans, der Nerd, und das mit 71 Jah­ren.

Twit­ter, Face­book. Was für ein Nerd! Womög­lich hat er gar eine E‑Mail-Adres­se?

FOCUS, du olles Inve­sti­ga­tiv­blatt, das ist doch eine gute Idee für einen Fol­ge­ar­ti­kel. Ich „freue“ mich dar­auf!

ProjekteNerdkrams
WP-Paste­Ex­ten­der: Kopier­schutz mal anders

Ich kopie­re manch­mal Text­aus­schnit­te auf FOCUS.de und ähn­li­chen Sei­ten. FOCUS.de ver­wen­det nun aller­lei Java­Script-Spie­le­rei­en, unter ande­rem eine, die auto­ma­tisch einen Ver­weis auf die Sei­te, von der man den Text kopiert hat, mit­ko­piert.

Das hat mich so sehr beein­druckt, dass ich das mal für Word­Press nach­ge­baut habe. Wer­te Damund­herrn, ich prä­sen­tie­re:

WP-Paste­Ex­ten­der, „Ver­si­on“ 20120102.

Der Text, der an den zu kopie­ren­den Text ange­hängt wer­den soll, ist frei kon­fi­gu­rier­bar. Der Ver­wal­tungs­be­reich sieht so aus:

Momen­tan habe ich nur wenig Zeit, ernst­haft an dem Plug­in zu arbei­ten, wes­halb klei­ne­re Pro­ble­me nicht aus­ge­schlos­sen sind. Voll­stän­dig funk­ti­ons­tüch­tig ist das Plug­in der­zeit nur mit Web­Kit-basier­ten Brow­sern. Unter Fire­fox funk­tio­niert die block­quo­te-Funk­ti­on noch nicht, der Inter­net Explo­rer ver­wei­gert gänz­lich den Dienst. Ich hof­fe, das irgend­wann behe­ben zu kön­nen.

Wenn jemand von euch Lust und Ahnung hat, um mir hier­bei zur Hand zu gehen, so wäre mir dies sehr will­kom­men. Wei­te­re Funk­tio­nen sind jedoch vor­erst nicht geplant.

PolitikIn den Nachrichten
SPD: Holz­wurm beklagt Holz­wurm­be­fall

Hihi:

SPD-Frak­ti­ons­chef Stein­mei­er fürch­tet grund­sätz­li­che Fol­gen der Affä­re Wulff. Er wirft dem Bun­des­prä­si­den­ten vor, mit sei­nem Ver­hal­ten die Poli­tik in Ver­ruf zu brin­gen.

Frank-Wal­ter Stein­mei­er, wir erin­nern uns, ist der SPD-Mann, der unser­ei­nem vor allem auf­grund sei­nes noto­ri­schen Hangs zur Unwahr­heit im Gedächt­nis geblie­ben ist:

Noch wäh­rend ihrer Rück­rei­se, so der stern, teil­ten sie ihren Vor­ge­setz­ten mit, die USA sähen „die Unschuld von Kur­naz als erwie­sen“ an und woll­ten ihn „in sechs bis acht Wochen“ ent­las­sen. Die­ses war auch The­ma der soge­nann­ten Prä­si­den­ten­run­de der deut­schen Sicher­heits­be­hör­den am 29. Okto­ber 2002 unter Lei­tung des dama­li­gen Kanz­ler­amts­chefs Frank-Wal­ter Stein­mei­er. Stein­mei­er hat­te am Diens­tag behaup­tet, er ken­ne ein sol­ches Ange­bot an die Deut­schen nicht. Wäh­rend der Run­de im Kanz­ler­amt wur­de auch beschlos­sen, Kur­naz die Ein­rei­se zu ver­bie­ten.

In gewis­ser Wei­se ist er also immer­hin Exper­te dafür, die Poli­tik in Ver­ruf zu brin­gen. Laut „Deutsch­land­trend“ ist es auch kei­nes­falls die Par­tei des Bun­des­prä­si­den­ten, die in Ver­ruf gera­ten wäre:

CDU und CSU konn­ten gegen­über der letz­ten Erhe­bung in der Wäh­ler­gunst einen Pro­zent­punkt zule­gen und erreich­ten 36 Pro­zent. Die SPD rutsch­te um einen Pro­zent­punkt auf 29 Pro­zent ab, auch die Grü­nen ver­lo­ren einen Punkt und lagen bei 15 Pro­zent der Wäh­ler­stim­men. Die FDP leg­te einen Punkt zu und erreich­te drei Pro­zent.

Wenn sich ein Ver­ruf so aus­wirkt, soll­te Frank-Wal­ter Stein­mei­er viel­leicht schnell­stens einen Kre­dit auf­neh­men, damit es mit der SPD wie­der auf­wärts geht.

Apro­pos auf­wärts: Es darf bekannt­lich kei­nen SPIE­GEL-Online-Bericht über die momen­ta­ne Wäh­ler­stim­mung ohne einen Beleg dafür geben, dass man bei SPIEGEL Online das mit der Fünf­pro­zent­hür­de nicht ver­stan­den hat. Bleibt es näm­lich bei den genann­ten Zah­len, bekom­men CDU/CSU also 36 Pro­zent und die F.D.P. drei Pro­zent der Wäh­ler­stim­men, wür­de letz­te­re also den Reichs­tag künf­tig von außen betrach­ten müs­sen, so ent­stün­de eine Koali­ti­on mit …

Rot-Grün käme somit auf 44 Pro­zent, die Regie­rungs­ko­ali­ti­on (CDU/CSU + F.D.P., A.d.V.) hät­te 39 Pro­zent der Bür­ger hin­ter sich.

…, nein, aber nah dran. Viel­leicht ja näch­stes Mal.

In den Nachrichten
Kein nahr­haf­tes Stu­di­um

Das war wohl eine Ent­schei­dung aus dem Bauch her­aus: „Döner-Mor­de“ ist „Unwort des Jah­res“.

Durch die Beschrei­bung der Ver­bre­chen als „Döner-Mor­de“ sei­en die Opfer „auf­grund ihrer Her­kunft auf ein Imbiss­ge­richt redu­ziert“ und in höch­stem Maße redu­ziert wor­den“, sag­te [Sprach­wis­sen­schaft­le­rin Nina] Janich.

Dass Män­ner auf ihr Geschlechts­teil und Frau­en auf ihren impo­san­ten Vor­bau redu­ziert wer­den, ist ein bekann­tes Phä­no­men. Das aber ist neu. (Ist das eigent­lich jetzt bes­ser oder schlech­ter?)

Dabei geht es ja nicht mal um die Her­kunft: Außer den acht tür­kisch­stäm­mi­gen Opfern wird auch ein Grie­che als „Döner-Ermor­de­ter“ geführt, außer­dem eine deut­sche Poli­zi­stin mit fran­zö­sisch­stäm­mi­gem Vor­na­men. Viel­leicht wäre „Brot­mor­de“ noch grif­fi­ger gewe­sen.

Aber was wäre so eine Mel­dung ohne ein Wort­spiel vom Welt­geist? Das Zen­trum für Tür­kei­stu­di­en fand die Ent­schei­dung näm­lich aus nach­voll­zieh­ba­ren Grün­den ziem­lich pri­ma. Und wo befin­det sich die­ses Zen­trum? Natür­lich:

Das Zen­trum für Tür­kei­stu­di­en in Essen begrüß­te die Ent­schei­dung.

Ich habe tat­säch­lich eine Wei­le nach­den­ken müs­sen, bis mir klar wur­de, dass ein Stu­di­um in Infor­ma­tik und ein Stu­di­um in Essen nicht ver­gleich­bar sind. Eine schö­ne Schluss­poin­te wäre es aber gewe­sen.

KaufbefehleMusikkritik
Disci­pli­ne. – To Shat­ter All Accord

Heu­te ist ja bekannt­lich der Tag des kol­lek­ti­ven Abschal­tens, anläss­lich des­sen sich jetzt jedes klei­ne Hob­by­b­log mal so rich­tig in Sze­ne set­zen könn­te. Die­sen mir geschenk­ten Sta­tus als wegen der Nicht­teil­nah­me an die­sem Kin­der­kram heu­te wahr­schein­lich über­durch­schnitt­lich vie­le Leser erhal­ten­der Ins­in­ter­net­schrei­ber könn­te ich jetzt natür­lich aus­nut­zen, um mich wort­reich über SOPA, PIPA, LEGO und Tee­wurst aus­zu­las­sen, aber die Innen­po­li­tik der USA inter­es­siert mich weni­ger als gute Musik, also nut­ze ich die Auf­merk­sam­keit, um ein wei­te­res gutes Musik­al­bum zu emp­feh­len.

Zu den Musikal­ben, die die Frech­heit besa­ßen, sich für die Auf­nah­me in die Jah­res­be­sten­li­ste 12/2011 nicht recht­zei­tig bei mir zu mel­den, gehört außer Opeths eben­falls unbe­dingt hörens­wer­tem, weil mit Gröl­me­tal nicht mehr eng ver­bun­de­nem „Heri­ta­ge“ auch „To Shat­ter All Accord“ von der US-ame­ri­ka­ni­schen Pro­gres­si­ve-Rock-Band Disci­pli­ne. (ganz dis­zi­pli­niert mit Punkt am Ende).

Nun ist das Album augen­schein­lich recht kurz, ent­hält es doch ledig­lich fünf Stücke. Allein die letz­ten bei­den über­schrei­ten gemein­sam jedoch bereits 30 Minu­ten. Radio­ge­wohn­te, schlich­te Gemü­ter, denen die Geduld für Lie­der jen­seits der drei bis vier Minu­ten fehlt, sind hier also wahr­schein­lich über­for­dert. Scha­de eigent­lich.

Denn das Gehör­te ist klas­se. Seit dem Album „Unfold­ed Like Stair­ca­se“ sind immer­hin vier­zehn Jah­re ver­gan­gen, so hat­te das Quar­tett viel Zeit, den Nach­fol­ger zu per­fek­tio­nie­ren, und die­se Zeit hat es wahr­lich genutzt. Zu hören ist gitar­ren- und key­board­la­sti­ger Retro-Prog, der die bedroh­li­che Atmo­sphä­re von Van der Graaf Gene­ra­tor (zu „Godbluff“-Zeiten) ein­fängt und moder­ni­siert. Dabei ist trotz häu­fi­gen Zitie­rens von „VdGG“-Melodien die Auf­nah­me so klar und modern, dass der Rück­griff auf die 1970-er Jah­re kaum auf­fällt.

Aus­ge­dehn­te Instru­men­tal­pas­sa­gen, in denen Key­boards und Gitar­re sich duel­lie­ren, beson­ders beein­druckend im 24-minü­ti­gen Abschluss „Rogue“, dem auch der Titel des Albums ent­nom­men ist, tref­fen auf her­vor­ra­gen­den Gesang. Gen­re­gren­zen sind hier völ­lig irrele­vant, zwi­schen Hard Rock, Jazz­rock und Funk wird vari­iert, gele­gent­lich (etwa fünf Minu­ten vor dem Ende von „Rogue“) win­ken auch die klas­si­schen Gene­sis eben­so um die Ecke wie Rush und Led Zep­pe­lin. Rock, Alter.

Wie gesagt: Frech­heit, dass ich die­ses Album erst jetzt ent­decke. Das War­ten hat sich aber alle­mal gelohnt.

Nach­voll­zieh­bar ist mei­ne Freu­de an „To Shat­ter All Accord“ auf Grooveshark.com. Viel Spaß!

In den Nachrichten
Kurz ver­linkt LXXIX: End­sta­ti­on.

Die Deut­sche Bahn AG fei­ert momen­tan das zehn­jäh­ri­ge Jubi­lä­um von „Olis Bahn­welt“, des kind­ge­rech­ten Indok­tri­na­ti­ons­por­tals, ander­wei­tig so erklärt:

Seit 2001 ist Oli die Iden­ti­fi­ka­ti­ons­fi­gur der Kin­der- und Jugend­kom­mu­ni­ka­ti­on der Deut­schen Bahn. Mit sei­nen Pixi-Bücher, die eine Auf­la­ge von über 2 Mil­lio­nen erreicht haben, und meh­re­ren Spie­len ist Oli mitt­ler­wei­le in vie­len deut­schen Kin­der­zim­mern ange­kom­men.

Die­se „Bahn­welt“ dient natür­lich nicht nur der Wer­bung, son­dern auch päd­ago­gi­schen Zwecken:

Zudem bie­tet die Sei­te Spie­le, News und Infos, die auch über den Tel­ler­rand der Bahn hin­aus­blicken – so ent­decken die Kin­der bei­spiels­wei­se die Hin­ter­grün­de des Treib­haus­ef­fek­tes und fin­den von der Stif­tung Lesen, dem lang­jäh­ri­gen Part­ner der DB, aus­ge­wähl­te Lese­tipps. Dar­in zeigt sich das päd­ago­gi­sche Kon­zept der Sei­te(…).

Aber die Bahn weiß: Päd­ago­gik bedeu­tet nicht nur Zucker­brot, son­dern auch Peit­sche. Und wenn, dann rich­tig:

„Ich fin­de kei­ne Wor­te dafür“, sagt die Frau anschlie­ßend im Inter­view. Eine Schaff­ne­rin habe ihrem Sohn die Wei­ter­fahrt ver­bo­ten, weil ihm 6,30 Euro für ein regio­na­les Anschluss­ticket fehl­ten. „Er hat mich sogar im Bei­sein der Schaff­ne­rin ange­ru­fen und wir haben ihr ange­bo­ten, dass ich mit dem Geld am Bahn­steig auf ihn war­te, aber sie ging nicht dar­auf ein. Statt­des­sen haben sie ihn sogar ein­ge­sperrt.“

(…)

Der Jun­ge sei in die Obhut eines Bun­des­po­li­zi­sten gege­ben wor­den, der zufäl­lig im sel­ben Zug unter­wegs gewe­sen sei, sagt ein Spre­cher der Bun­des­po­li­zei auf Anfra­ge. (…) Gro­ße Sor­gen mache sie sich um die Ver­fas­sung ihres Kin­des. „Ich konn­te am Tele­fon gar kein Gespräch mit ihm füh­ren – er war kom­plett fer­tig.“ Als ihr Mann ihn abge­holt habe, habe er geweint, sagt sie. „Er muss sich wie ein abge­führ­ter Ver­bre­cher gefühlt haben.“

„Mei­ne Päd­ago­gik ist hart. Das Schwa­che muß weg­ge­häm­mert wer­den. (…) Beherr­schung müs­sen sie ler­nen. Sie sol­len mir in den schwie­rig­sten Pro­ben die Todes­furcht besie­gen ler­nen. Dies ist die Stu­fe der heroi­schen Jugend.“
– Adolf Hit­ler

PolitikIn den Nachrichten
Enten­hau­sen bleibt sta­bil

SPON so:

Nach Demon­stra­tio­nen gegen einen Auf­marsch von Rechts­extre­men in Mag­de­burg ist es im Stadt­teil Stadt­feld zu Aus­schrei­tun­gen gekom­men. Nach Anga­ben eines Poli­zei­spre­chers war­fen am Sams­tag­abend in der Puschk­in­stra­ße Unbe­kann­te eine 40 Zen­ti­me­ter gro­ße Beton­plat­te aus dem 5. Stock­werk nach einem Beam­ten. Die Plat­te ver­fehl­te den Poli­zi­sten nur knapp. Er wur­de leicht ver­letzt.

Der Poli­zei zufol­ge sieht die Staats­an­walt­schaft den Tat­be­stand des ver­such­ten Tot­schla­ges als erfüllt an. Poli­zi­sten umstell­ten das Haus, in dem mehr als 50 Anhän­ger der links­au­to­no­men Sze­ne ver­mu­tet wur­den. (…)

SPD-Chef Sig­mar Gabri­el, Grü­nen-Che­fin Clau­dia Roth und die Vor­sit­zen­de der Lin­ken, Gesi­ne Lötzsch, for­der­ten in ihren Anspra­chen ein Ver­bot der NPD und wür­dig­ten das Enga­ge­ment der Mag­de­bur­ger im Kampf gegen Rechts.

Ischa klar, so eine fried­lich ver­lau­fen­de Demon­stra­ti­on, wäh­rend derer von rechts­extre­mer Gewalt kei­ne Rede war, in deren Fol­ge aber Lin­ke ver­such­ten Tot­schlag ver­üben, ist natür­lich ein wei­te­res Argu­ment für ein NPD-Ver­bot: Hät­te die NPD nicht demon­striert, wären die Lin­ken nicht in das Haus ein­ge­kehrt und der Poli­zist wäre unver­letzt geblie­ben. Simp­le Logik, wenn man links und ein biss­chen bal­la-bal­la ist. (Man­che Anhän­ger der neu­en Mau­er­par­tei – meist die, die am lau­te­sten brül­len – haben das mit der argu­men­ta­ti­ven Logik kon­se­quent seit Jah­ren immer wei­ter per­fek­tio­niert: „Sie kön­nen nicht argu­men­tie­ren und müs­sen des­halb hier her­um­pö­beln, Sie fei­ges Nazi­schwein!“ Ob das noch Zufall ist?)

Ach­jo, der Kampf gegen Rechts. Hat der CDU/CSU eigent­lich inzwi­schen jemand erklärt, dass ein NPD-Ver­bot zur Fol­ge hät­te, dass sie zur rechts­extre­men Par­tei in Deutsch­land wür­de, oder wor­an liegt es, dass sie in letz­ter Zeit eher zurück­hal­tend mit dem The­ma umgeht?

Apro­pos wir­res Geschwätz: Die F.D.P., die ich für ihre Zuver­sicht, die sich dar­in äußert, dass sie anläss­lich kom­men­der Wah­len im Saar­land eine Kan­di­da­ten­li­ste – also wohl mehr als 1 Per­son – auf­stel­len will, zumin­dest respek­tie­re, ist immer noch da.

Die FDP sei die Par­tei der lei­stungs­be­rei­ten Mit­tel­schicht und mache wie kei­ne ande­re mobil gegen Umver­tei­lung und staat­li­che Bevor­mun­dung.

Natür­lich passt der F.D.P. eine Umver­tei­lung von oben nach unten nicht ins Kon­zept: Wenn Möven­pick kein Geld mehr hat, wird der Etat irgend­wann knapp.

Schön, dass die F.D.P. noch da ist. Aber war­um?

In den NachrichtenNetzfundstücke
Kurz ver­linkt LXXVIII: Deut­sche, Goog­le, gol­de­ne Pos

Puh, so ein Glück:

Unter den Toten und Ver­letz­ten des Schiffs­un­glücks vor der tos­ka­ni­schen Küste sind nach Infor­ma­tio­nen des Ver­an­stal­ters kei­ne deut­schen Pas­sa­gie­re.

Dann ist ja alles in Ord­nung.


Apro­pos Duck­Duck­Go und Goog­le-ver­plusst-eure-Welt: diplix, der’s auch gera­de testet, bemerkt all­ge­mein eine gewis­se Unzu­frie­den­heit mit Goog­le und ver­weist auf Mat Honan, der sich statt­des­sen für Bing ent­schie­den hat:

I just swit­ched the default search engi­ne in my brow­ser from Goog­le to Bing. And if you care about working effi­ci­ent­ly, or get­ting the right results when you search, then may­be you should too. Don’t laugh!

War­um? Ganz ein­fach:

Goog­le bro­ke its­elf.

Wenn man zu gie­rig wird, ver­brennt man sich eben die Fin­ger. An Alter­na­ti­ven mangelt’s ja nicht.


Auch eine Art von Berühmt­heit: Eine neu ent­deck­te Flie­gen­art, Scap­ti­ca bey­onceae, wur­de nach der „Sän­ge­rin“ Bey­on­cé benannt. War­um aus­ge­rech­net sie? Die Flie­ge habe, sol­ches sprach der Ent­decker, ein­ma­li­ge gol­de­ne Haa­re am Gesäß, und das erin­ner­te ihn frap­pie­rend an Frau Know­les. Wenn’s halt für das Gesicht nicht reicht.

Lyrik
Roman­tik im Janu­ar

Der Mor­gen erwacht,
und über der Nacht
liegt Schwei­gen.

Den Wöl­fen ihr Heu­len
lud sie mit den Eulen
zum Rei­gen.

Sie g’nossen den Abend,
nach ein­an­der dar­bend,
am Meer.

Sie lieb­ten den Hafen,
wo sie sich einst tra­fen,
d’rum sehr.

Er hör­te das Tosen
und schenk­te ihr Rosen
und Wicken.

Die Nacht brach her­ein,
sie blie­ben allein,
um zu bum­sen.

(Abt.: Ist das nicht süß?)