In den Nachrichten
Piëch gehabt

Ende 1997: Die Ver­ein­ten Natio­nen eini­gen sich weit­ge­hend auf das „Pro­to­koll von Kyo­to zum Rah­men­über­ein­kom­men der Ver­ein­ten Natio­nen über Kli­ma­än­de­run­gen“ („Kyo­to-Pro­to­koll“). Die SUV-Nar­ren in den USA unter­zeich­nen nicht, ihnen genügt ihr 1963 beschlos­se­ner Clean Air Act.

14. März 2013: Es wird bekannt, dass ver­schie­de­ne in der EU (ein­schließ­lich Deutsch­land) ver­kauf­te Auto­mo­bi­le sich bei Abgas­tests anders ver­hal­ten als unter reel­len Bedin­gun­gen. Irgend­wo fällt ein Sack nicht näher bestimm­ten Getrei­des um.

April 2015: Fer­di­nand Piëch, Enkel von Fer­di­nand Por­sche und Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­der der Volks­wa­gen AG, schei­tert beim Ver­such, sei­nen ein­sti­gen Pro­té­gé Mar­tin Win­ter­korn wegen zu gerin­ger Gewin­ne in den USA aus dem Vor­stand zu drän­gen, und räumt schließ­lich sei­ner­seits sei­nen Posten.

18. Sep­tem­ber 2015: Die US-ame­ri­ka­ni­sche Umwelt­be­hör­de EPA gibt bekannt, dass ver­schie­de­ne in den USA ver­kauf­te Audi- und VW-Model­le sich bei Abgas­tests anders ver­hal­ten als unter reel­len Bedin­gun­gen.

In den fol­gen­den Tagen stürzt die Aktie der Volks­wa­gen AG deut­lich ab. Anle­ger und Käu­fer sind außer sich, dass VW so doof war und sich erwi­schen ließ, und for­dern Scha­dens­er­satz für die durch weni­ger sau­be­re Ver­bren­nung gewon­ne­ne Ben­zi­n­er­spar­nis. Die betrof­fe­nen Model­le wer­den bis auf Wei­te­res nicht ver­kauft.

23. Sep­tem­ber 2015: Mar­tin Win­ter­korn tritt zurück.

Was künf­ti­ge Gene­ra­tio­nen dar­aus viel­leicht ler­nen kön­nen: Das Beschei­ßen von Kun­den und Staat ist ein Kava­liers­de­likt, aber wenn das euren Akti­en­kurs in den USA beein­träch­tigt, seid ihr raus. Der Markt regelt das schon.


Auf Twit­ter wird heu­te der „Bi Visi­bi­li­ty Day“ zele­briert. Vie­le gera­de jun­ge Men­schen for­dern, dass die Gesell­schaft noch deut­li­cher zur Kennt­nis nimmt, dass sie Män­ner und Frau­en vögeln. Schön, dass die Jugend sich noch für wirk­lich wich­ti­ge Din­ge enga­giert.

In den NachrichtenPiratenpartei
Poli­tik ist sexy (in Öster­reich)

FapFapFapWas macht eigent­lich Anne Helm?

Tja, so genau weiß ich das erfreu­li­cher­wei­se auch nicht, halb­nackt für mehr Bom­bar­de­ments zu wer­ben ist auch sooo 2014. Apro­pos 2014: Es ist jetzt unge­fähr ein Jahr her, dass die mitt­ler­wei­le durch den Lan­des­vor­stand in die Auf­lö­sung getrie­be­ne Pira­ten­par­tei Hil­des­heim in einem Sado-Maso-Club tag­te und dadurch viel­fa­che Dis­kus­sio­nen dar­über aus­löst, ob sexu­el­le Frei­zü­gig­keit Gren­zen haben soll­te. Ich weiß auch nicht, wie ich dar­auf kom­me, eigent­lich woll­te ich doch die­se Mel­dung (Vor­sicht: unge­zähl­te hof­fent­lich absicht­lich lächer­li­che Ver­su­che, das Wort „Wich­sen“ zu ver­mei­den) kom­men­tie­ren:

Wer der­zeit auf [You­Porn, A.d.V.] surft, der sieht sich (…) plötz­lich mit einer Dame kon­fron­tiert, die ggf. dem Wunsch nach sexu­el­ler Erleich­te­rung schnell ein Ende set­zen könn­te: Johan­na Miki-Leit­ner, bis­her eher bekannt als Öster­reichs Bun­des­in­nen­mi­ni­ste­rin denn als Dame, die bei You­Porn (in wel­cher Form auch immer) in Erschei­nung tritt.

„Johan­na will dir zuschau­en“ heißt es dort auf einem Foto der Innen­mi­ni­ste­rin. Doch der Klick auf die bewor­be­ne Sei­te zeigt nicht etwa inti­me Ein­sich­ten in das Leben der ÖVP-Poli­ti­ke­rin oder eine Form der maso­chi­sti­schen Betä­ti­gung der You­Porn-Nut­zer, die gleich­zei­tig Geld in Öster­rei­ches Kas­sen spült. Nein, man sieht nur eine Sei­te der Pira­ten­par­tei Öster­reichs, die hier auf das manch­mal recht voy­eu­ri­stisch anmu­ten­de Stre­ben der Mini­ste­rin hin­weist und die Bedeu­tung der Pri­vat­sphä­re her­vor­hebt.

Natür­lich geht die­se Akti­on völ­lig an der Lebens­rea­li­tät der Öster­rei­cher vor­bei; wer guckt schon auf You­Porn, noch dazu ohne einen Wer­be­blocker? :)

Wie nach­hal­tig sie anson­sten sein mag, wird Öster­reich viel­leicht noch erle­ben. Grund­sätz­lich aber ist es löb­lich, dass schon bald im Kom­men­tar­be­reich unter der Mel­dung die Fra­ge auf­kam, wie­so das eigent­lich die Pira­ten­par­tei Deutsch­land noch nicht adap­tiert hat. Ich begrü­ße die­sen Vor­schlag: Nur wenig wird das ein­fa­che Volk so deut­lich zum Nach­den­ken brin­gen wie das ein­ge­blen­de­te Gesicht von Tho­mas de Mai­ziè­re auf einer Por­no­web­site. Ich gehe sogar noch wei­ter und rege hier­mit an, Wer­be­flä­chen mit die­sem Motiv in allen gro­ßen Schund­me­di­en (You­Porn, Red­Tu­be, xHam­ster, RTL-Nach­mit­tags­pro­gramm, BILD, SPIEGEL ONLINE) zu plat­zie­ren. Wäh­len Sie die­sen Mann ab und Sie kön­nen wie­der unge­stört mastur­bie­ren.

Blöd nur, dass die­se Wer­bung dann kei­ner gese­hen haben will.

In den NachrichtenMontagsmusik
Por­ti­co Quar­tet – Ruins

Guten MorgenEs ist so was von Mon­tag, das glaubt ihr gar nicht. Die­ser Tag kämpft mit har­ten Ban­da­gen; noch här­ter als Mat­thi­as Beer­mann, der sich am Frei­tag in der „Rhei­ni­schen Post“ dar­über beklag­te, die „deut­sche See­le“ sei zer­fres­sen von einem „Arg­wohn gegen Ame­ri­ka“, was durch den „völ­lig irra­tio­na­len Kreuz­zug gegen TTIP“ (alle­samt: ebd.) belegt wer­den kön­ne. Ich schla­ge den „Orden wider den tie­ri­schen Ernst“ für Mat­thi­as Beer­mann, einen Troll son­der­glei­chen, vor.

Frei­heit hat ihren Preis. Auch ziem­lich teu­er war übri­gens der „neue“ Ber­li­ner Flug­ha­fen. Auf­grund von Sta­tik­pro­ble­men könn­te es sein, dass er spä­ter fer­tig wird als, sagen wir, GNU/Hurd. Frü­her hätt’s das nicht gege­ben, da hät­te man das den Pro­fis über­las­sen. Ande­res übri­gens auch: Sau­di-Ara­bi­en ist bei den UN nun für Men­schen­rech­te zustän­dig, Sad­dam Hus­sein war lei­der gera­de unpäss­lich.

Kapi­tu­liert haben auch Ande­re, zum Bei­spiel die drei Her­ren von Por­ti­co, die 2013 ihr vier­tes Mit­glied, das „Quar­tet“ im Band­na­men und ihre musi­ka­li­sche Aus­rich­tung ver­lo­ren haben und 2015 mit „Living Fields“ ein schnarch­lang­wei­li­ges Elek­tro­po­p­al­bum auf den Markt schmis­sen. Ihre Vor­gän­ger­band indes hin­ter­ließ man­ches Juwel der zeit­ge­nös­si­schen Jazz­mu­sik, zum Bei­spiel „Ruins“.

Welch tref­fen­der Titel für einen Mon­tag­mor­gen, welch ver­rück­te Benen­nung ange­hörs des Wohl­klangs!

Por­ti­co Quar­tet – Ruins

Guten Mor­gen.

In den Nachrichten
In aller Kür­ze: Pap­pa ante por­tas, Kuba­ner aus dem Häus­chen

Och:

Tau­sen­de Kuba­ner jubel­ten dem Papst auf den Stra­ßen von Havan­na zu. Gleich nach der Ankunft for­der­te Fran­zis­kus mehr Reli­gi­ons­frei­heit in dem kom­mu­ni­sti­schen Kari­bik­staat.

Papst Franz, Staats­ober­haupt eines Lan­des, des­sen Staats­bür­ger­schaft nur an Katho­li­ken ver­ge­ben wird, hat offen­sicht­lich ein gespal­te­nes Bild von Reli­gi­ons­frei­heit. – Ach, um Reli­gi­onsfrei­heit geht es gar nicht, son­dern dar­um, den Ein­fluss der Katho­li­ken zu meh­ren?

Die Kir­che wol­le das kuba­ni­sche Volk mit sei­nen Hoff­nun­gen und sei­nen Sor­gen beglei­ten, „in Frei­heit und mit allen not­wen­di­gen Mit­teln und Frei­räu­men“, sag­te der 78-Jäh­ri­ge.

Dann hab‘ ich nichts gesagt!

NetzfundstückeIn den NachrichtenMir wird geschlecht
Lie­gen­ge­blie­be­nes, 17.09.2015

Hur­ra – die Bahn reagiert auf preis­wer­te­re Kon­kur­renz und wird in die­sem Jahr aus­nahms­wei­se günst nicht teu­rer! Also nur ein biss­chen und nicht über­all.


Der Fort­schritt ist nicht mehr auf­zu­hal­ten: Es gibt jetzt trag­ba­re Bana­nen.


Eevee erklärt (bedau­er­li­cher­wei­se auf Eng­lisch), war­um Uni­code geschei­tert ist. Bonus: Im Kom­men­tar­be­reich steht, wie man sich eine Emo­ji-Domain regi­strie­ren kann.


Als wei­ße Per­son die Betei­li­gung einer Schwar­zen oder PoC Trans*Inter*GnC-Person an einer anti­ras­si­sti­schen Inter­ven­ti­on gegen eine wei­ße Lehr­per­son zu for­dern, ver­ste­hen wir als Toke­ni­zing (Instru­men­ta­li­sie­rung). Was?


Wie schön: Die Wer­be­dienst­lei­ster beto­nen die Qua­li­tät!


Neu­es aus dem Land der Frei­heit: Du darfst als 14-Jäh­ri­ger in den USA natür­lich schon krea­tiv und tech­nisch begabt sein, aber wenn du dir eine Uhr baust und dum­mer­wei­se Ahmed heißt, gibt’s Zel­len­ar­rest.

PersönlichesMusik
Sein oder ich sein? (Fünf Jah­re danach.)

(Und irgend­wann wacht man auf und ist zum ersten Mal im Leben älter als man sich fühlt. Was war denn das jetzt? Man ist doch kein biss­chen rei­fer, wei­ser, bes­ser als noch gestern gewor­den. Ist das das Leben oder war es das oder wird es das gewe­sen sein? Man war ja noch lan­ge kei­ne 30 und ist es bis zum letz­ten Tag auch nicht gewor­den. Wie alt ist eigent­lich zu alt für wen, für was? Vor lau­ter Per­spek­ti­ven sieht man sich selbst schon nicht mehr im Spie­gel, was mit zuse­hends vor­an­schrei­ten­der Alte­rung eine immer erfreu­li­che­re Aus­sicht ist. Die grau­en Haa­re auf dem Kis­sen sind Zeu­ge genug des eige­nen Ver­sa­gens, des eige­nen Ver­rats an sich selbst. Man soll­te, man müss­te, man hat­te nur nicht. Kein Vor­an, kein Bestand. Die Evo­lu­ti­on der Gesell­schaft frisst zuerst die, die sie fürch­ten. Das Leben über­holt immer zwei­mal, wäh­rend man kurz rastet. Man hat längst ver­lo­ren, zuletzt schließ­lich sei­nen Humor.)

… und jeder Son­nen­strahl trifft dich wie ’ne Kugel aus Stahl,
schießt Bil­der in dei­nen Kopf, die dir vor Stun­den egal,
und alte Wun­den fan­gen wie­der zu blu­ten an,
du starrst nur Löcher in die Luft, hun­dert Minu­ten lang …

(Die Fan­ta­sti­schen Vier: Hey!)

(Erschöpft ab.)

NerdkramsIn den Nachrichten
Kurz notiert zum „Relaunch“ von „ZEIT ONLINE“

Soso, ZEIT ONLINE hat sich ein neu­es, häss­li­ches Gesicht gege­ben: Die Web­site ist jetzt „respon­si­ve“, das bedeu­tet, dass die gro­tesk über­di­men­sio­nier­te Wer­bung, die den eigent­li­che Sei­ten­in­halt ein­rahmt und bei Ein­satz eines Wer­be­blockers auf leid­lich moder­nen Bild­schir­men unfein aus­se­hen­de Sei­ten­rän­der hin­ter­lässt, jetzt mit der Brow­ser­grö­ße wächst. Ich habe ein klei­nes User­script (gete­stet unter Fire­fox mit Grea­se­m­on­key) geschrie­ben, das die schlimm­sten Schmer­zen wenig­stens ober­fläch­lich zu besei­ti­gen ver­sucht.

Noch ärger­li­cher aller­dings ist die­ser Satz:

Das so genann­te mobi­le Inter­net, so glau­ben wir, IST in Zukunft das Inter­net.

Dass „das Inter­net“ mit „dem Web“ iden­tisch sein soll, lässt mich auf­sto­ßen. Dafür, dass Use­net, File­sha­ring, E‑Mail, Gopher und „WWW“ in einen Topf gewor­fen wer­den, sind wir 1989 nicht auf die Stra­ße gegan­gen! – Obwohl sicher­lich ver­schie­de­ne Ver­tre­ter der Indu­strie und Wirt­schaft ins glei­che Horn sto­ßen: Mobi­le Gerä­te tau­gen, allen Klapp­ta­sta­tu­ren zum Trotz, allen­falls zum Kon­sum von so genann­tem con­tent, das Ver­fas­sen von Tex­ten aber macht dar­auf noch immer nicht beson­ders viel Spaß. Dass es in Zukunft eine qua­si strik­te Tei­lung zwi­schen Lese- und Schreib­web geben wird, steht zwar zu befürch­ten, aber eine Gleich­set­zung wäre über­trie­ben.

Dass die „ZEIT“ hier mit der Zeit geht, ist zwar kaum von der Hand zu wei­sen, aber bedrückend alle­mal.

PolitikIn den NachrichtenMontagsmusik
Blueneck – Seven

MontagseuleMon­tag. Herr­lich. Den „Tages­spie­gel“ kann man ja auch nicht mehr lesen. Wen­den wir uns also lie­ber aus­län­di­schen Medi­en zu, zum Bei­spiel sol­chen aus Öster­reich:

Wenn eine Wei­ter­rei­se nach Deutsch­land nicht mög­lich ist, dann könn­ten in den kom­men­den Tagen zehn­tau­sen­de Flücht­lin­ge in Öster­reich stran­den, mehr als je zuvor.

Das Wort „Stran­den“ kennt man sonst nur in Ver­bin­dung mit ein­sa­men Inseln; viel­leicht hat die Zei­tung „der Stan­dard“ inso­fern also einen noch kri­ti­sche­ren Blick auf ihr Hei­mat­land als es die Impli­ka­ti­on, nie­mand sei ver­zwei­felt genug, um aus­ge­rech­net gezielt nach Öster­reich zu flie­hen, bereits andeu­tet. Punk, Punk aller­or­ten.

Über­haupt, die Revo­lu­ti­on: Bei „Blend­le“ kann man digi­ta­li­sier­te Zei­tungs- und Zeit­schrif­ten­ar­ti­kel nicht nur kau­fen, son­dern auch zurück­ge­ben (Vor­sicht: t3n.de), was wahr­schein­lich aber nur geht, wenn man nicht ver­se­hent­lich ein Esels­ohr hin­ein­ge­macht hat.

Was soll’s? Es ist, wie erwähnt, Mon­tag. Zeit für etwas Ruhe und viel­leicht ein kur­zes Ver­rei­sen.

Zum Bei­spiel so:

Guten Mor­gen.

MusikIn den Nachrichten
Medi­en­kri­tik in Kür­ze: Jurek Skro­ba­la und die Pis­se.

Soll ja kei­ner sagen, deut­scher Punk sei tot:

Pis­se hat Schni­po Schran­ke bekannt gemacht. In dem gleich­na­mi­gen Song der Band um Frie­de­ri­ke Ernst und Danie­la Reis, bei­de Mit­te 20, sin­gen sie Zei­len wie „Hab mei­ne Für­ze ange­zün­det“ oder „Dein Han­dy mit den Arsch­backen gehal­ten, nur um dich zu unter­hal­ten“. Im Musik­vi­deo sieht man einen Penis, auf You­Tube ist es gesperrt. (…) Die klu­gen Tex­te krei­sen vor allem um die Lie­be, the­ma­ti­sie­ren auch mal Körb­chen­grö­ßen, Sper­ma­ge­schmack, Scham­haa­re, Pari­ser, voll­ge­kack­te Hosen und eben auch: Pis­se.

Ande­re Leu­te wer­den mit einem wich­ti­gen Bei­trag zur Gesell­schaft oder wenig­stens zur Kunst bekannt, hier­zu­lan­de genü­gen schon ein blö­der Band­na­me (mir ist aller­dings unklar, wie­so Zen­tral­hei­zung of Death des Todes bis­lang kei­ne nen­nens­wer­te Berühmt­heit erlangt haben) und Pipi­ka­ka­wit­ze; man beach­te spa­ßes­hal­ber auch ein­mal, was Pri­vat­sen­der dies­seits des Weiß­wur­st­äqua­tors für Kaba­rett hal­ten, und fra­ge dann mal gleich­falls spa­ßes­hal­ber nach dem Sinn des Lebens.

„Kraut­rock“ nennt die Jour­na­li­sten­pfei­fe Jurek Skro­ba­la („SPIEGEL ONLINE“) die­sen Unfug: „Klu­ge Tex­te“ – „na nanana­na nana­na na na na“ („Pis­se“) – wer­den zu Kir­mes­mu­sik, die bei Foy­er des Arts wenig­stens noch iro­nisch wirk­te, mehr oder weni­ger inbrün­stig („kaput­te Chan­sons“, J. Skro­ba­la) vor­ge­tra­gen und bewe­gen so die Gemü­ter, weil sie schlüpf­ri­ge Wör­ter ent­hal­ten, als sei 1967 nichts pas­siert. Eine der bei­den „Musi­ke­rin­nen“ erzählt hier­zu:

„Pis­se“ fällt ja vor allem wegen der Wort­wahl auf. Und das, obwohl Pis­se noch nicht mal ein beson­ders schlim­mes Wort ist. Jeder sagt das wahr­schein­lich min­de­stens ein­mal am Tag.

Ich kann mich gera­de nicht dar­an erin­nern, wann genau ich zuletzt min­de­stens ein­mal „Pis­se“ gesagt habe, aber ich woh­ne auch nicht in Ham­burg und bin auch sonst noch eini­ger­ma­ßen rich­tig im Kopf. Und die­ser Name, die­ser Name! Schni­Po Schran­ke, Schnit­zel mit Pom­mes, Ketch­up und Mayon­nai­se, wer von bei­den auch immer was davon genau ver­kör­pern soll, und dann kriegt Jurek Skro­ba­la nicht ein­mal das mit der Umgangs­spra­che auf die Rei­he:

Reis und Ernst grün­de­ten eine Band, die sie nach einem Zitat von Kurt Krö­mer benann­ten, und zogen nach Ham­burg, obwohl sie kei­ne Ahnung von der Ham­bur­ger Schu­le hat­ten.

(Her­vor­he­bun­gen von mir.)

Ich woh­ne übri­gens eben­falls ziem­lich unbe­hel­ligt in Nie­der­sach­sen, ohne ein Pferd zu besit­zen, aber ich schrei­be auch nur Din­ge ins Inter­net rein und mache kei­ne lang­wei­li­ge Pop­scheiß­mu­sik. Schlim­mer sind zumin­dest die Schwei­zer geplagt, die Schni­po Schran­ke im Juni bereits vor­aus­sag­ten, an ihnen in der zwei­ten Jah­res­hälf­te nicht vor­bei zu kom­men. Schwei­zer Radio­sen­der schei­nen eine Qual zu sein.

Pis­se. Loll. (Natür­lich mit Doppel‑L, was dach­tet ihr denn?)


Mei­ne Lieb­lings­sta­ti­stik des Tages: Vor allem Men­schen aus Ost­deutsch­land sind der Mei­nung, dass es wie­der stär­ke­re Grenz­kon­trol­len inner­halb Euro­pas geben soll­te.

(mit Dank an R.)

PolitikIn den Nachrichten
Kurz ver­linkt: Die Aus­ge­sto­ße­nen

Das Land der unbe­grenz­ten Mög­lich­kei­ten schlägt wie­der zu:

Eine wei­ße Frau, die Kla­ge ein­ge­reicht hat­te, nach­dem sie ver­se­hent­lich mit dem Sper­ma eines Afro­ame­ri­ka­ners befruch­tet wor­den war, muss ihre Kla­ge nun erneut stel­len, nach­dem ein Rich­ter aus Illi­nois ihre For­de­run­gen an die Samen­bank abge­lehnt hat­te. (…) [Jen­ni­fer] Cram­bletts Anwalt erläu­ter­te, dass der Feh­ler ihr und ihrer Fami­lie Stress, Schmerz, Leid und medi­zi­ni­sche Kosten ver­ur­sacht habe; außer­dem führ­te er aus, dass sie fürch­ten muss­te, dass ihre Toch­ter Pay­ton, inzwi­schen drei Jah­re alt, in ihrem, Frau Cram­bletts, vor­ran­gig wei­ßen Freun­des- und Bekann­ten­kreis mit dem Gefühl auf­wach­sen wür­de, eine „Aus­ge­sto­ße­ne“ zu sein.

(Über­set­zung von mir.)

Nein, mein Kind, ich habe zwar vor Gericht ver­sucht, dich als Scha­den gel­tend zu machen, weil du schwarz bist, aber weißt du, mei­ne Freun­de sind alle so ras­si­stisch.

:irre:

MusikIn den NachrichtenMontagsmusik
Bee Gees – Stay­in‘ Ali­ve

Party!Es ist Mon­tag. Nach einer mir vor­lie­gen­den Mit­tei­lung sind Sie ver­stor­ben, ganz all­ge­mein ist das ja noch nichts Schlech­tes, wenn das nicht gleich­zei­tig eben auch ein Drücken vor der Ver­ant­wor­tung wäre. Das Bett ist noch warm. Auch der welt­be­ste Som­mer chan­giert ein­mal. Plüsch gefäl­lig?

Ein­mal nicht den Pim­mel zei­gen. Was bewegt die Welt statt­des­sen? Laut „SPIEGEL ONLINE“ ist die Fra­ge, ob Fern­seh­kri­mis wirk­lich so pas­siert sind, meh­re­re Bild­schirm­sei­ten wert, obwohl die Ant­wort in einem Wort gege­ben wer­den könn­te.

Wahr­schein­lich ist das alles egal und wahr­schein­lich gehen die kids in der Schu­le ab heu­te wie­der voll ab, weil Dr. Luke ein wei­te­res Gleich­form-Lied­chen her­vor­brin­gen muss­te. Um man­che „Musi­ker“ ist es scha­de, weil sie noch nicht auf­ge­hört haben.

Was soll’s, das Leben geht sozu­sa­gen wei­ter. Der Zweck ist unklar.

Bee Gees – Stay­in‘ Ali­ve (Offi­ci­al Video)

Mrgn.

MusikSonstigesIn den Nachrichten
Akti­on Doof

Was für eine groß­ar­ti­ge Idee doch ein Musik­leh­rer aus Nie­der­sach­sen da hat­te:

Ein Musik­leh­rer aus Nie­der­sach­sen will ein altes Lied der Band Die Ärz­te zurück in die Charts brin­gen – als Reak­ti­on auf den zuneh­men­den Hass gegen Flücht­lin­ge und die Anschlä­ge auf Hei­me, wie zuletzt bei­spiels­wei­se in Hei­den­au, Mei­ßen oder Frei­tal. Seit Sonn­tag exi­stiert die Initia­ti­ve „Akti­on Arsch­loch“ mit eige­ner Web­page und Face­book- sowie Twit­ter-Prä­senz.

Denn nichts, aber auch gar nichts auf der Welt könn­te effi­zi­en­ter das zuse­hends ärger wer­den­de Kul­tur­pro­blem zwi­schen Ein­wan­de­rern und Ein­hei­mi­schen bekämp­fen als ein Poprock­lied­chen, des­sen Kern­aus­sa­ge es ist, dass Rechts­ra­di­ka­le alle­samt ver­weich­lich­te Mem­men und, daher der Name der „Akti­on“, „Arsch­lö­cher“ sei­en. Brül­len gegen Rechts, Eier­lau­fen gegen das Böse.

Nun trägt es zu mehr Sach­lich­keit kei­nes­wegs bei, dass die­je­ni­gen, die die­se „Akti­on Arsch­loch“ unter­stüt­zen, gleich­zei­tig ernst­haft dar­über debat­tie­ren, unter wel­chen Umstän­den die media­le Zur­schau­stel­lung von auf­grund behörd­li­cher Ver­nach­läs­si­gung ver­stor­be­nen Flücht­lin­gen einen wert­vol­len Bei­trag zur Bes­se­rung der Situa­ti­on dar­stel­le, so dass man über alt­her­ge­brach­te Wer­te wie Men­schen­wür­de, Pri­vat­sphä­re und Wah­rung der Toten­ru­he groß­zü­gig hin­weg­se­hen kön­ne. Irgend­wo habe ich in die­sem Zusam­men­hang erst heu­te gele­sen, dass eine Foto­gra­fin nach eige­nen Anga­ben beim Sich­ten der her­um­lie­gen­den Lei­chen erst dann nen­nens­wert erschüt­tert war, als sie sie als Kin­der iden­ti­fi­ziert hat­te. Den Wert einer Lei­che am Alter ihres Kör­pers zu mes­sen ist viel­leicht das, was irgend­wer von gerin­ger gei­sti­ger Lei­stung als Mensch­lich­keit und Mit­ge­fühl ver­steht.

Pro­fes­sio­nel­le Distanz endet an Was­ser­lei­chen; zahl­rei­che tote Flücht­lin­ge, die irgend­wo ertrin­ken, sind eben nur eine Zahl, bis sie wehr­lo­se Kin­der sind und man einen wer­be­fi­nan­zier­ten Arti­kel mit ihnen bebil­dern kann. Als wäre der Bil­der­wahn nicht schon dadurch auf eine aus­rei­chend irre Art belegt, dass bei der Bericht­erstat­tung über Gerichts­ver­fah­ren all­zu häu­fig Fotos aus dem Gerichts­saal, die Ange­klag­te mit Akten­ord­nern anstel­le ihres Gesichts zei­gen, eine Rol­le spie­len. Seht her, lie­be Leser, hin­ter die­sem Akten­ord­ner sitzt ein mög­li­cher Täter und unser Foto­graf hat kei­ne Mühen gescheut, euch die­sen Akten­ord­ner in Far­be prä­sen­tie­ren zu kön­nen.

Mir fällt zu all dem auch nicht viel mehr als ein Lied einer Musik­grup­pe ein, die vie­len Unter­stüt­zern der „Akti­on Arsch­loch“ ver­mut­lich auch nicht völ­lig unbe­kannt ist.

Slime (Schwei­ne­herbst 1993) [22]. Bes­ser­wis­se­rei Stinkt

Sag‘ dei­ne Mei­nung, übe Kri­tik,
doch behaup­te nicht, dass du die Wahr­heit kennst. (…)
Ver­schon‘ mich mit dei­ner beschiss’nen Moral;
sie ist nicht mal das Band wert, auf dem du sie besingst!

Aber viel­leicht ist das zu reflek­tiert für die, die stets das Rich­ti­ge tun.

In den NachrichtenNerdkrams
Goog­le: Nep­per, Schlep­per, Apper (die Abkür­zung ist Zufall)

Heißa, was ist das wie­der für ein Rum­mel: Zuerst hat der US-ame­ri­ka­ni­sche Tech­no­lo­gie­kon­zern Goog­le einen Herrn Sun­dar Pichai, der wohl seit Jah­ren dar­auf gewar­tet hat, zum Fir­men­chef gemacht, die Fir­ma Goog­le aller­dings etwa zur glei­chen Zeit einem noch grö­ße­ren Kon­zern unter­ge­ord­net (wäre ich Herr Pichai, ich hät­te ja den Ein­druck, man wol­le mich ver­ar­schen), der mit „Alpha­bet“ einen kei­nes­wegs tief­sin­ni­ge­ren Namen trägt, sich dann ein grau­en­vol­les neu­es Logo (das aller­dings zumin­dest kon­se­quent ist) zuge­legt und den stets um unauf­ge­reg­te Sach­lich­keit bemüh­ten Jour­na­li­sten die­ser Welt dann kei­nes­wegs eine Atem­pau­se gelas­sen, denn auch die Sei­ten­rang­li­ste wird mal wie­der über­ar­bei­tet:

Start­ing Novem­ber 1, sites that show app install ads that hide “a signi­fi­cant amount of con­tent on the tran­si­ti­on from the search result page” will be pena­li­zed by losing their “mobi­le-fri­end­ly” sta­tus.

Web­sites, die also Besu­chern auf dem Smart­phone oder Tablet statt des gewünsch­ten Inhalts erst mal einen ganz­sei­ti­gen Wer­be­ban­ner für die app zur Web­site ein­blen­den, wer­den künf­tig schlech­ter bewer­tet und somit von Goog­le-Nut­zern nicht mehr so schnell gefun­den.

Web­sites wie, ähm …

Google Interstitials

Google Plus Interstitial

:aufsmaul:

PolitikIn den Nachrichten
Wür­de­viel­leicht­voll

Bei den Lin­ken hat sich ja seit Lan­gem die Bezeich­nung „Kalt­land“ für „Deutsch­land“ durch­ge­setzt, wenn­gleich wohl kein Land so kalt sein kann, dass sie frei­wil­lig aus­wan­dern. Wie­so man ein Land als so herz­los und absto­ßend emp­fin­det und sich trotz­dem dafür enga­giert, dass die eige­nen poli­ti­schen Über­zeu­gun­gen hier mehr Gehör fin­den, ist mir noch nicht klar; „Deutsch­land, ver­recke!“ ist noch nicht so lan­ge her, dass es plötz­lich ein „Deutsch­land, dis­ku­tier‘ mit uns über unse­re Zukunft!“ gewor­den sein könn­te.

Die Gegen­sei­te, die das Über­le­ben Deutsch­lands in einer mög­lichst rei­nen Form über das eige­ne stellt, die doo­fen Nazis also (denn Grau­stu­fen ken­nen die Ver­fech­ter des ein­zig wah­ren Mit­ein­an­ders schon gar nicht mehr), deren Demon­stra­tio­nen immer und grund­sätz­lich „Auf­mär­sche“ genannt wer­den müs­sen, weil es sonst wohl gar zu bescheu­ert wirk­te, gegen die­se Demon­stra­tio­nen statt für Sinn­vol­les zu demon­strie­ren, denkt ihrer­seits auch nicht dar­an, irgend­wo anders hin­zu­rei­sen, und agiert aktiv für ihre Ver­si­on eines bes­se­ren Lan­des, wie’s die­ser Tage durch die Medi­en gei­stert:

In Hei­den­au haben Dut­zen­de Teil­neh­mer einer NPD-Demo die Zufahrt zu einem ehe­ma­li­gen Bau­markt blockiert, in dem etwa 250 Flücht­lin­ge unter­ge­bracht wer­den soll­ten.

Die Blocka­de von geneh­mig­ten Trans­por­ten und/oder Ver­samm­lun­gen heißt eben nur manch­mal „zivi­ler Unge­hor­sam“; wenn es die Fal­schen tun, ist es eine Unge­heu­er­lich­keit. Jeden­falls kämpft da, wenn ich das rich­tig mit­be­kom­men habe, gera­de die Grup­pe derer, die gern mög­lichst vie­le neue Ghet­tos für Flücht­lin­ge errich­ten möch­te, gegen die Grup­pe derer, die es nicht ein­se­hen möch­te, dass die Ein­wan­de­rung in Euro­pa so ungleich ver­teilt wer­den soll, und mit Fackeln und Mist­ga­beln die Initia­ti­ve ergreift; der Mob aber, das sind immer die Ande­ren.

Da hilft auch Sig­mar Gabri­el, der jüngst gekür­te Mr. Zack der SPD, nicht mehr:

Sig­mar Gabri­el wet­tert in Hei­den­au gegen den brau­nen Mob. Doch eigent­lich war­ten sie in Sach­sen auf jemand ande­ren: die Kanz­le­rin.

Schön, dass du da warst, Sig­gi, und jetzt geh‘ aus dem Weg, wir war­ten auf inter­es­san­te­re Leu­te. So ein­fach geht Pro­test gegen die SPD, wer­te Scherz­freun­de, und ich emp­feh­le euch bei ande­ren Gele­gen­hei­ten ähn­lich zu reagie­ren. – Mer­kel also kam irgend­wann und sag­te was:

„Deutsch­land ist ein Land, das die Wür­de jedes ein­zel­nen Men­schen respek­tiert“, so Mer­kel. Das gel­te für jeden, der sich in Deutsch­land auf­hal­te.

  • Bis man eben, wie Murat Kur­naz, ins Aus­land reist, dann hat sich das mit der Wür­de auch sei­tens deut­scher Sol­da­ten und Beam­ter erle­digt.
  • Bis man eben selbst ver­schul­det oder unver­schul­det sei­ne Arbeit ver­liert, dann ist man bis auf Wei­te­res ein uner­wünsch­ter Kosten­fak­tor.
  • Bis man ver­sucht, Poli­zei­ge­walt zu dees­ka­lie­ren, dann ist der Zwang zur Nackt­heit eine ange­mes­se­ne Stra­fe.
  • Bis man mit nicht aus­rei­chend gro­ßen Men­ge Mari­hua­na erwischt wird, dann ist die­ser nack­te Kör­per ein regel­mä­ßi­ges Anschau­ungs­ob­jekt.
  • Bis man, womög­lich aus Ver­se­hen, Opfer des zur­zeit von Ange­la Mer­kels CDU maß­geb­lich geför­der­ten Staats­tro­ja­ners wird, dann ist nicht ein­mal mehr die pri­va­te Kom­mu­ni­ka­ti­on tabu.

Wür­de ist eben vor allem ein Kon­junk­tiv.