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Was nicht passt, wird passend gemacht.

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Musik 12/2017 – Favoriten und Analyse

Dieser Artikel ist Teil 19 von 19 der Serie Jahresrückblick

Ein seltsames Jahr 2017 ist fast zu Ende und hat in seiner zweiten Jahreshälfte noch schnell ein paar einflussreiche Musiker, darunter die Hälfte von Can (Jaki Liebezeit und Holger Czukay), John Abercrombie, Walter Becker und Charles Manson, den jeweils nächsten Tag nicht mehr erleben lassen. Zum Glück wachsen immer wieder neue Musiker nach, die sich auf alte Tugenden besinnen. Von einigen von ihnen soll heute anlässlich des zweiten Teils der besten Musikalben 2017 die Rede sein.

Da der erste Teil merklich kürzer als üblich geraten war, blieb für den zweiten natürlich eine Menge Musik übrig. Vorzeitig befasst hatte ich mich seit Juli bereits mit den aktuellen Alben von Ex Eye, OHHMS, Hundredth, Reflections in Cosmo, Igorrr, L’Effondras und The Narcotic Daffodils. Dennoch war das Jahr noch produktiv genug für eine lange Liste an noch unausgesprochenen Empfehlungen.

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In den NachrichtenMontagsmusik
Cosmic Triggers – Quant Um

Schlaf in himmlischer SchuhuEs ist Montag. Fast wäre er unbemerkt geblieben, aber merkwürdig schmeckender Kaffee ist normalerweise ein sicheres Zeichen dafür, dass man lieber auf den Kalender gucken sollte, um sich sogleich daran zu erinnern, wie es war, als man noch glücklich war. Oh, du fröhliche. Kein Pandabär unter dem Baum.

Was ist Frosch? Mindestens: ein Erkennungszeichen „der Rechten“, denn Pauschalisierung erleichtert das angenehm entspannende Unverständnis. Die Gegenseite stolzierte am vergangenen Mittwoch durch ausgerechnet Deggendorf und beschwerte sich dort darüber, wie man hier in Deutschland behandelt würde. Was, Arbeitslose? Nein, es waren natürlich Flüchtlinge. Arbeitslose haben vor lauter Sanktionen gar keine Zeit zum Demonstrieren und kein Geld zur Anreise, aber es heißt natürlich auch nicht „Arbeitslose welcome“, denn dann wäre der Schritt nicht weit, die rechtspopulistische „große Koalition“ statt des willkommenen Prügelknaben AfD als Unheil auszumachen, und das würde ja bedeuten, dass „die Rechten“ nicht allzu falsch liegen. Darf nicht sein, weil es nicht sein darf. Der Deutsche an sich symbolprotestiert eben gerne gegen die Wirkung der Ursache.

Selbst die christlichen Kirchen lassen verlauten, sie teilten nicht die Weltanschauungen der AfD. Verständlich: In der AfD sind vermutlich zu viele Frauen in hohen Ämtern. Die Kunstfigur Jan Fleischhauer fragt inzwischen in einer ausnahmsweise lesenswerten Kolumne auf „SPIEGEL ONLINE“, ob die „Sozialdemokraten“ an Angstneurosen litten, die sie dazu verleiteten, an Regierungsbildungen in beide Richtungen nur kriechend teilzunehmen. – Andere Störungen machen reich, nicht arm: Ein Eisteeproduzent hatte plötzlich den dreifachen Börsenwert, nachdem er „Blockchain“ als Namensbestandteil adaptiert hatte. Lecker Geldgier.

In eigener Sache: Am vergangenen Wochenende habe ich aus Versehen eine neue Version meiner furchtbaren Blogsoftware einer nichts ahnenden Weltöffentlichkeit um die Ohren gehauen. Masochisten wird ein Ausprobieren empfohlen. Freunde der schönen Künste hingegen sollten die Woche stattdessen mit Musik beginnen.

Cosmic Triggers – Quant Um

Guten Morgen.

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Familienspaß mit „ZEIT ONLINE“

Ah, die Weihnachtsfeiertage – für viele Menschen traditionell ein Ärgernis, denn wer nicht überzeugend genug seine Kritik an falscher Besinnlichkeit äußert, der sieht sich bald in einen Sitzkreis aus Verwandten versetzt, mit denen man über irgendetwas reden soll.

Es fehlt ein geeignetes Gesprächsthema? „ZEIT ONLINE“ hilft gern aus:

Keine Debatte war 2017 so grundsätzlich wie die über Sexismus. Zum Jahresabschluss zehn Positionen aus der ZEIT-ONLINE-Redaktion als Gesprächsgrundlage für Familienfeiern

Frohes Fest.

In den NachrichtenNerdkrams
UEFIs Rache

Stimmt schon, ist viel besser als Windows:

Unter bestimmten Umständen zerstört die Desktop-Ausgabe des aktuellen Ubuntu 17.10 das Bios vor allem (aber nicht nur) von Lenovo-Rechnern. (…) Auf den genannten Rechnern zerstört Ubuntu 17.10 Desktop die Firmware derart, dass sich dessen Einstellungen nicht mehr speichern lassen.

Dass Tim Schürmann ein BIOS („Bios“) nicht von einem EFI unterscheiden kann: Geschenkt, ist halt „Golem.de“. Nun ist allerdings einer der großen Vorteile eines BIOS („Bios“) gegenüber einem EFI, dass es nicht einfach programmierbar und erweiterbar ist. Ich verstehe schon: Heutige Computernutzer wollen ihre Startparameter mit der Maus zusammenklicken können, mit einem BIOS geht das halt nicht so gut.

Muss wirklich jeder einen Computer benutzen dürfen?

In den NachrichtenMusik
„Und darum zünd ich dein Radio an.“

Das Jahr endet für US-Amerikaner bitter:

[Mariah Careys] Weihnachts-Evergreen „All I Want for Christmas Is You“ feiert sein Comeback in den Top Ten der USA – 23 Jahre nach seiner Veröffentlichung.

So amüsant ich es auch finde, dass konsumorientierte Kaufhäuser das gar grausige Gejammer, in dem es textlich immerhin darum geht, dass man eben keine teuren Geschenke kaufen soll, alljährlich für eine geeignete Begleitung des beabsichtigten Kaufrauschs halten: Das Schlimmste an Weihnachtsliedern sind und bleiben die Weihnachtslieder.

Und darum hack ich (hack ich) dein Radio klein.

Die Ärzte – Radio brennt – Formel-1 -1988

:zensur:

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Kein Sex ohne Antrag, keine Ehe mit Genehmigung.

Welche konkreten Folgen hatte eigentlich die unsägliche „Me-Too“-Kampagne außer ein bisschen Pressequälerei? Nun, hierzulande nicht besonders viele, der noch amtierenden Bundesregierung liegt anscheinend noch ihr Einsatz für das „Team Gina-Lisa“ schwer im Magen; im ehemals liberalen Schweden jedoch dreht die natürlich rot-grüne Koalition ein wenig durch:

Dies ist ein historischer Gesetzesvorschlag, der immer die Zustimmung beider Sexualpartner einfordert. Er regelt das, was eigentlich selbstverständlich ist, dass Sex freiwillig sein sollte. Ist er es nicht, dann ist er strafbar.

Dass es zielführend wäre, wenn der Partner freiwillig mitmacht, steht für vernünftige Menschen außer Frage, ungeklärt ist aber, wie im Zweifel die Beweisführung verlaufen soll: Müssen in schwedischen Discotheken künftig Notare vor den Toiletten bereitstehen oder genügt es, die Anbahnungsgespräche in Bild und Ton aufzuzeichnen? – Aus den Reihen der schwedischen „Grünen“ wurde zur Unterfütterung des Vorhabens abermals die Behauptung angeführt, es sei Frauen – anderen Menschen anscheinend nicht – mitunter erst Tage später klar, dass sie trotz anfangs andersartiger Kommunikation eigentlich gar keinen Geschlechtsverkehr haben wollten. Zu erkennen, dass das dem Prinzip, man solle sich gefälligst vorher bezüglich möglichen Fickens einigen, grundlegend widerspricht, ist eine geistige Transferleistung, die zu erbringen von „Grünen“ auch in Schweden vermutlich zu viel verlangt wäre.

In der „Berliner Zeitung“ schrieb Filmwissenschaftlerin (u.a.) Regine Sylvester im November dieses Jahres:

Ich frage mich, welche sexuellen Praktiken durch eine „ausgeklügelte Vereinbarung“ ihr Feuer behalten.

Spaß am Sex ist Unterdrückung! :motz:


„Flüchtlinge willkommen“ des Tages: „Mit den neuen geflüchteten Menschen aus arabischen Ländern wird die Tradition der Zwangsverheiratung auch bei uns Alltag werden.“

In den Nachrichten
Kurz notiert zu sächsischen Panzern

In einer Gesellschaft, deren einzig wahrnehmbare Kritik daran, dass eine föderale Polizei sich mal eben ein paar neue Panzer besorgt, darin besteht, dass ihr die Sitzbezüge nicht gefallen (obwohl die Kombination aus antifaschistischer Fraktur und deutscher Eiche sehr angenehm ironisch wirkt), möchte man ja auch nicht unbedingt leben müssen.

In den NachrichtenMontagsmusik
Grumbling Fur (abermals) – The Ballad of Roy Batty // Spendensammler außer Atem

Kalt, ne?Es ist Montag. Vor der Tür hausieren abermals etliche Spendensammler, die ihr eigenes Wohlergehen für den größten Zweck der aus menschlich rationaler Sicht ekligen „Weihnachtszeit“ halten, obwohl doch längst jeder weiß, dass, wer das dringende Bedürfnis verspürt, Geld zu verschenken, dieses viel lieber in die Rettung von Pandabären, Vögeln mit ulkigem Namen und so Computerkrams investieren sollte; obwohl es mir eher merkwürdig erscheint, anzunehmen, gerade in einer Zeit des besinnungslosen Geschenkekaufs sitze das Geld bei Passanten lockerer als sonst.

Trotz des Wochentags (Montag!) gibt es gute Nachrichten: Die NSA saugt gar nicht grund- und ziellos Daten ab, heißt es, denn die längst legendäre Spioniererei habe sowohl Grund als auch Ziel. Dann ist ja alles in bester Ordnung. Keineswegs in Ordnung ist die Gesundheit von Radsportlern: Anscheinend ist Asthma keine ausreichende Beeinträchtigung, um sich von doch recht fordernder körperlicher Betätigung zurückzuziehen. Wenn ich Atemprobleme habe, gehe ich ja auch immer erst zum Ausdauersport.

Immer mal was Neues von Firefox: Mit etwas Pech zeigt es Websites auch mal absichtlich falsch an, weil es Reklame für die – zugegebenermaßen – recht sehenswerte Serie „Mr. Robot“ herunterlädt, ohne vorher nachzufragen. Es soll ja niemand behaupten, dass es Mozilla an Kreativität mangele. Wer auf dem Laufenden bleiben will, der filtert das Web sowieso via RSS vor, das erspart Enttäuschungen.

Apropos Enttäuschungen: Im Fernsehen und in Zeitungen wird schon wieder das Jahr gerückblickt, als sei ab sofort nichts mehr los. Dabei ist es nicht unwahrscheinlich, dass noch in diesem Monat manch gute Musik erscheint oder ein guter Mensch stirbt. Ersteres wäre allerdings wünschenswerter. Vielleicht kommt sie schneller, wenn man sie anlockt? Versuchen wir es doch mal!

Grumbling Fur – The Ballad of Roy Batty (Official Music Video)

Guten Morgen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Grumbling Fur – Furfour

Grumbling Fur - FurfourIrgendwann im Jahr 2011 taten sich in London Alexander Tucker und Daniel O’Sullivan, der ansonsten Bands wie Ulver, Guapo, Mothlite und Sunn O))) angehört, zusammen, um gemeinsam etwas aufzunehmen, was sie selbst als „psychedelischen Pop“ bezeichnen, aber eigentlich gar kein Pop ist. Als Grumbling Fur veröffentlichten sie bisher in verschiedener Besetzung vier Studioalben, deren aktuelles von 2016 treffend „Furfour“ (Bandcamp.com, Amazon.de) heißt. Als Gastmusiker haben sie diesmal Isobel Sollenberger (Bardo Pond) und Charles Bullen (This Heat) gewinnen können, um ein weiteres Stück hörenswerter Einmaligkeit zu schaffen.

Es scheint, als habe jeder beteiligte Musiker die Gelegenheit genutzt, die Musik seiner Stammband in das Produkt einfließen zu lassen: Schleppender Postrock („Suneaters“) und effektbereicherter Psychedelic Rock sorgen für die notwendige meditative Stimmung, die sich wie auch die ungezählten Instrumente selbst angenehm verdichtet.

Grumbling Fur – Heavy Days (Official Music Video)

Etikettierung und Schubladisierung sind hier, wie so oft, fehl am Platz: Beatlesque Harmonien („Golden Simon“), instrumentaler Shoegaze („Molten Familiar“) und Gänsehaut erzeugender 80er-New-Wave mit einer perfekten Dosis gezielten Violineneinsatzes („Silent Plans/Black Egg“) ergeben ein großes Ganzes, das mit jedem Hören noch an Wärme gewinnt.

Grumbling Fur ★ Acid Ali Khan [HQ]

So lange es draußen kalt ist, heizt „Furfour“ von innen. Ich bin höchst erfreut und bitte um Nachschlag.

FotografieMir wird geschlecht
Tante Tomate

Irgendwas an diesem Bild amüsiert mich.

Barbie-Q

Ich bin mir noch nicht ganz sicher, was.

In den NachrichtenPolitikWirtschaft
Schmalhans des Tages: Uffa Jensen, TU Berlin.

Dieser Artikel ist Teil 15 von 15 der Serie Schmalhans des Tages

(Vorbemerkung: Oh, ein heißes Eisen. Gleich mal anfassen!)

Auf „SPIEGEL ONLINE“ trompetete gestern Uffa Jensen vom Zentrum für Antisemitismusforschung an der TU Berlin zwecks Interviews anlässlich muslimischer Beschwerden über die Ernennung Jerusalems zur israelischen Hauptstadt unter anderem folgende Anmerkungen über das Antisemitismusproblem, das hierzulande ja eigentlich kein besonders großes mehr sei, heraus:

Wir haben in Deutschland bereits ein sinnvolles Gesetzeswerk, wie etwa das Verbot der Holocaustleugnung und andere Paragraphen, um uns gegen Feinde der Demokratie zu schützen.

Darüber, ob es aus demokratischer Sicht sinnvoll ist und irgendeinen größeren Schaden in der Zukunft verhindern kann, das Lügen über Polithistorisches gesetzlich zu ahnden, wird voraussichtlich noch zu diskutieren sein. Dass der Holocaust nicht das Gegenteil, sondern ein zulässiges Extrem der Demokratie (wenn schon nicht der Menschenrechte) war, darf hingegen nicht übersehen werden: Ist eine Masse von Menschen erst einmal erhitzt genug für menschlich unfeine Entwicklungen, dann wird die Demokratie ihnen kein Keil, sondern der Motor sein. Demokratie funktioniert nur wie ursprünglich gewünscht, wenn es der legislativen Mehrheit nicht an der Bildung für kluge Entscheidungen fehlt. Placebodemokratisch legitimiert ist jedenfalls auch das andauernde zahlreiche Ertrinken im Mittelmeer. Die größten Feinde einer funktionierenden Demokratie sind meist jene, die behaupten, ein Parlament aus aufstrebenden Mittelsmännern sei demokratisch gewünscht.

Dass die plötzliche Existenz des Staates Israel ausgerechnet auf dem sehr unjüdischen Gebiet Palästinas seit seiner Gründung im Jahr 1948 die demokratischen Rechte der damals deutlichen muslimischen Mehrheit, die ihr Überleben durch fortwährende Angriffe einer von Dritten installierten Minderheit zu Recht gefährdet sieht (das nennt man dann „Nahostkonflikt“, als wäre der Zweite Weltkrieg auch bloß ein „Europakonflikt“ gewesen), verletzt, wird auf „SPIEGEL ONLINE“ natürlich nicht thematisiert. Macht man nicht als deutschsprachiges Leitmedium, wäre ja rechts. Ein von der fortwährenden Zerfetzung seines Nachwuchses durch israelische Abwehr befreites Palästina passt nicht zur westlichen Diskussionskultur.

Die Kurve zur Relativierung muslimischer Israelfeindlichkeit bekommt Uffa Jensen aber schnell; darauf angesprochen, dass sich in Deutschland lebende Juden vor allem vor dieser fürchteten, weiß er zu antworten:

Zumal die Bedrohung für Juden in Deutschland vor islamistischen Terrorangriffen real ist. Fakt ist aber auch, dass in Deutschland die überwiegende Mehrzahl der antisemitisch motivierten Straftaten von Rechtsextremen verübt wird.

Der Fachmann von der TU Berlin erkennt hier messerscharf, dass Islamisten und Rechtsextreme zwei vollkommen unterschiedliche Gruppen von Menschen sind; was natürlich Blödsinn ist, denn Extremismus ist kein von deutscher Kultur bedingtes Phänomen, sondern ein menschliches. Der Ku-Klux-Klan stammt ja auch nicht aus Gelsenkirchen.

Man möge, nachdem das klargestellt ist, nur nicht zwecks Abgrenzung auf die Idee kommen, zwischen Antisemitismus und Antizionismus zu unterscheiden, indem man irgendwelche Wörter erfinde, denn das durchschaut Uffa Jensen sofort:

„Israelkritik“ als Wort selbst ist einmalig. Es gibt keinen entsprechenden Begriff für ein anderes Land. Niemand spricht doch zum Beispiel von „Spanienkritik“.

Nun ist Uffa Jensen natürlich nicht immer in der Nähe eines recherchetauglichen Geräts und kann daher nicht wissen, dass sowohl „Deutschlandkritik“ ein medial verwendetes Wort ist, das in letzter Zeit gern im Zusammenhang mit dem ungeliebtesten US-amerikanischen Präsidenten seit George W. Bush genannt wird, als auch das Wort „USA-Kritik“ nicht nur existiert, sondern bei einer großen deutschen Suchmaschine gar als ein anderes Wort für Antiamerikanismus aufgeführt ist – der, um den Kreis zu schließen, laut verschiedenen Quellen angeblich oft gemeinsam mit Antisemitismus auftritt, woraus ungeübte Leser vielleicht einen Umkehrschluss ziehen möchten, sofern ihnen denn danach zumute ist. Wie israelische Antisemiten in den Plan passen, erläutern Uffa Jensen und „SPIEGEL ONLINE“ an dieser Stelle nicht.

Der „Nahostkonflikt“ jedenfalls ist ein wirtschaftliches Problem, keinesfalls ein kulturelles und auch nur ein geringfügig politisches, wenngleich er von einer rein politischen Entscheidung überhaupt erst ausgelöst wurde. Die Verzweiflung über diese Kurzsichtigkeit spült schließlich das Gewäsch von Uffa Jensen direkt in den Nachrichtenleser; so weit ist es schon. Worum es überhaupt geht? Um Solidarität mit hässlicher Gesellschaft hier oder mit traditionell Aufgescheuchten dort? Quatsch: Um Reflektion natürlich. Anderen Ländern den Frieden einzuprügeln (oder einzuubooten) hat noch keinen Staat zum Lichtbringer gemacht. Der Schuldige ist meinerseits ausgemacht: Die Überkompensation eher nicht so guter gesellschaftspolitischer Entwicklungen in den 1930ern und 1940ern durch eine internationale Wertegemeinschaft wird allmählich teuer.

Was würde Kishon tun?

In den NachrichtenMontagsmusik
Collapse Under The Empire – Dark Water

Huiiiiiiiiiiiii!Es ist Montag. Überraschenderweise fällt im Dezember Schnee; damit hat niemand gerechnet, auch die Deutsche Bahn zeigte sich überrascht, indem sie erst mal ein paar Züge anhielt. Auf ungewöhnlich normales Wetter vorbereitet zu sein ist im temperaturbezogen wankelmütigen Deutschland eine völlig überzogene Erwartung. Ein gepolsterter Po würde vieles erleichtern, aber man ist nun mal als Mensch geboren. Das ist nicht immer schön.

Man hat ja auch nur völlig absurde Vorbilder zur Verfügung: Ein „Influencer“ musste vor kurzem von der Feuerwehr gerettet werden, weil er zugunsten von irgendwelchen Werbeeinnahmen seinen Kopf in ein zementgefülltes Mikrowellengerät gesteckt hatte und sich nicht mehr befreien konnte. Zu meiner Zeit haben Vorbilder wenigstens noch Drogen genommen und hatten deswegen eine erträgliche Ausrede für etwaigen Schwachsinn, aber Drogen nimmt man ja heute auch nicht mehr, weil die eigene Gesundheit von falschen Idealen gelenkt wird.

Die Ersatzdrogen sind natürlich keine besseren, was den Killcount, wie wir zu meiner Zeit sagten, betrifft: Erst neulich hat der Feminismus wieder umgebracht, indem eine junge Frau, die selbst über ihre Sexualität bestimmen wollte, für dieses Vergehen in den Tod getrieben wurde. Soziale Gerechtigkeit bedeutet eben auch, dass jemand, der sein Geld mit Bumsen verdient, diese Arbeit gefälligst jedem Menschen unabhängig von seiner sexuellen Orientierung zugutekommen zu lassen hat, sonst Nazi. Ist das „links“ oder kann das aus anderen Gründen weg?

Ein CDU-Vertreter findet, die SPD solle weniger Forderungen stellen, wenn sie mitregieren wolle. Possenspieler am närrischen Hofe zu sein will wohl verdient werden.

Was stattdessen viel mehr gespielt werden sollte: Musik.

Collapse Under The Empire – Dark Water (official music video)

Guten Morgen.

In den NachrichtenPolitik
Kurz verlinkt: Berlin bleibt so bunt, dass es weh tut.

Kulturelle Bereicherung des Tages:

Am Wochenende hatte es in mehreren europäischen Städten, unter anderem in Paris, Wien und Berlin, Proteste gegen die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump gegeben, Jerusalem als Israels Hauptstadt anzuerkennen. Bei den Demonstrationen wurden Israelfahnen verbrannt und antisemitische Parolen skandiert. In Berlin und Wien sollen pro-palästinensische Demonstranten »Kindermörder Israel« und »Tod Israel« gerufen haben.

Ganz unabhängig von der leidigen Diskussion darüber, ob der paranoide Verbrecherstaat Israel nun vom Westen für gut oder eher nicht so gut gehalten werden sollte: Das Verbrennen zweier Fahnen in Berlin scheint für größeren Wirbel zu sorgen als das Morden von Zivilisten im Gazastreifen. Aber keine Sorge, der Schuldige ist gefunden: Nicht etwa radikale Muslime schüren den aufbrandenden Antisemitismus, sondern Donald Trump.

Bloß nicht reflektieren, es könnte ja zu etwas führen.

In den NachrichtenWirtschaft
Spielgeld erreicht Rekordwerte, geldkritische Kapitalisten sind entzückt.

Es besteht kein Anlass, sich von den jüngsten Schreckensmeldungen, der Straßenpreis für ein Stück Bitcoin könnte möglicherweise bald wieder weniger mondige Preise erreichen, davon abhalten zu lassen, sein Erspartes in solche Stücke zu stecken. Es ist ja auch nicht verboten, sein Geld in großen Scheinen vom Bankkonto abzuheben und anschließend anzuzünden.

Einer „Währung“, die nicht nur das Geldproblem nicht löst, sondern überdies für jede Zahlung im echten Leben aufgrund immer weiter steigender Transaktionsdauer ganz unabhängig von der Akzeptanz dieser Währung beim Wurstpeter völlig untauglich ist, hilft jedwelches neue Paradigma – hier Jedihandgeste einfügen – auch nicht mehr weiter. Das Geldsystem verändern zu wollen, indem man sich ihm andient, genügt euch schon als Revolution? Springt!

So viel Geld lässt sich, weiß Gott, nicht mit etwas Gutem verdienen.
Friedrich von Schiller: Kabale und Liebe

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Gegen Vaginalkompetenz: Mehr Jans für Deutschland!

Die vorzeigefeministische „Partei“ der „Grünen“ hatte, weiß „Statista“, mit dem letzten Jahreswechsel einen Frauenanteil von etwa 39 Prozent. Daraus könnte man folgern, dass Frauen auf Politik selbst (oder auch: gerade) dort, wo man sie für die herausragende Leistung, manchmal Brüste anstatt eines Penisses zu tragen, bereits für eine moralisch willkommenere Gruppe hält, weniger Bock haben als andere Menschen; wie eben auch in Kindergärten, Reinigungen oder Pflegeheimen der Anteil an Männern geringer ist, weil diese sich eben auch lieber für Dinge mit weniger sozialem Tralala bezahlen lassen. Mit Frauen in der Politik haben wir zuletzt auch mal durch den Sozialabbau einer Andrea Nahles, mal durch unbedachtes Getröte einer Beatrix von Storch eher überschaubar gute Erfahrungen gemacht. Man könnte fast meinen, das richtige Geschlecht allein mache noch keinen guten Politiker.

Nichtsdestotrotz wird berichtet, dass sowohl Peter Altmaier als auch die bayrische SPD eine übereinstimmende Lösung für das dringende Problem, dass man momentan wenigstens noch durch Scheinkompetenz überzeugen muss, um irgendwo hingewählt zu werden, gefunden haben. Bei „T-Online“ ist etwa zu lesen:

Die SPD will den Anteil von Frauen im bayerischen Landtag auf 50 Prozent anheben. Aktuell sind im Parlament nur 29 Prozent der Abgeordneten Frauen. Angesichts ihres Bevölkerungsanteils sind sie damit deutlich unterrepräsentiert.

Wie die SPD die bayrischen Wähler dazu zwingen will, Politiker ihres Geschlechts wegen zu wählen, steht leider nicht dran, aber spannend ist diese Begründung schon: Sollte, wenn es gilt, jeden potenziellen Wähler anteilig zu repräsentieren, es der bayrischen SPD (und Peter Altmaier) nicht zunächst einmal daran gelegen sein, sich für die Abschaffung der Sperrklausel einzusetzen, damit auch Minderheiten angemessen an der politischen Gestaltung ihres Alltags mitwirken können? Und: Warum sollte ausgerechnet das Geschlecht eine wichtigere Rolle spielen als zum Beispiel eine Behinderung? Etwa zehn Prozent der hiesigen Bürger sind schwerbehindert – könnte man nicht damit anfangen: Ein Zehntel der Parlamentarier muss schwerbehindert sein?

Wenn aber die Auswahlkriterien schon dermaßen selektiv getroffen werden, dass ein Zusammenhang mit wirklichen Problemen des Lebens weniger Rolle spielt als das, was zwischen den Beinen hängt oder eben auch nicht hängt, habe ich noch einen vergleichbaren Vorschlag: Statistisch gesehen heißen derzeit die meisten Menschen Jan oder Anna. Wäre es dann nicht nur fair, man führte eine Jan-und-Anna-Quote ein?

Wie – ein Name allein garantiert noch keine Befähigung zu kluger Politik? Das hatte ich jetzt nicht bedacht. Das liegt bestimmt an meinem Geschlecht.