Archiv für die Kategorie ‘Kaufbefehle’.

Ich spreche keine Kaufempfehlungen aus, ich bin ja nicht Amazon.

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Kurzkritik: Naam – The Ballad of the Starchild Vol. 1

Naam - The Ballad of the Starchild Vol. 1Eine durchaus hörenswerte Mixtur aus Fuzzgitarren, Hallgesang und Elektrofrickeleien bieten Naam aus New York dem Hörer auf „The Ballad of the Starchild Vol. 1“, einem EP mit 5 Stücken drauf, erschienen bereits 2012. Auf Äußerlichkeiten geben die New Yorker nicht viel, „naam“ ist ein Lehnwort aus dem Sanskrit und bedeutet auf Thai etwa „Name“. Warum auch nicht?

Es sind die inneren Werte, die zählen, und an denen mangelt es wahrlich nicht. Ja, natürlich fischt man in bekannten Gewässern, das Coverbild (hier rechts im Bild) deutet’s schon an. Pink Floyd und Colour Haze. Hard Rock und Stoner Rock. Kleckern und klotzen. Is‘ schließlich New York, Mann. Hypnotisch, treibend. Ausnahme: „Sentry of Skies“, die kurze musikalische Ruhepause. Sehr willkommen, man wird ja auch nicht jünger.

Wenn Naam nicht den gleichen Fehler machen wie andere herausragende Musikgruppen und sich jetzt einfach auflösen, wird es hoffentlich auch eine „Ballad of the Starchild Vol. 2“ geben. Das fände ich sicher gut.

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Fantasy – Paint A Picture

Fantasy - Paint A PictureDie 1970er Jahre waren derart voller junger, aufstrebender Musikgruppen insbesondere aus Großbritannien, dass es nur wenige von ihnen zu so etwas wie Ruhm gebracht haben. Fantasy gehören zu denen, denen ihre Konkurrenz zum Verhängnis geworden ist.

Fantasy (nicht die US-amerikanische Discoband gleichen Namens) wurden um 1970 herum als Chapel Farm gegründet, änderten mit dem Unfalltod ihres Bassisten, der an seinem achtzehnten Geburtstag betrunken zu unachtsam an Klippen entlangbalanciert war, und folgenden Umbesetzungen aber ihren Namen in Firequeen und begannen Demobänder an Plattenfirmen zu verschicken. Polydor nahm sie unter der Bedingung unter Vertrag, dass sie den Namen Firequeen durch irgendetwas Unblödes ersetzten; so wurde es eben Fantasy. (Bei Polydor standen später unter anderem Bro’Sis und Take That unter Vertrag. Tempora mutantur.) Polydor gewährte Fantasy dann einen Dreijahresvertrag und warf 1973 das Debütalbum „Paint A Picture“ auf den Markt.

Diese Formulierung ist treffend gewählt, denn ein kommerzieller Erfolg blieb aus. Fantasy waren ihrer Zeit nicht voraus, sondern waren spät dran. Für symphonische Rockmusik mit einer Vielfalt an Einflüssen und unblöden Texten von bis dahin unbekannten Gruppen wollte sich in der Zeit zwischen Hardrock und Punk kaum noch jemand Zeit nehmen. Auf Druck Polydors wurde in einem Tag die Single „Politely Insane“ geschrieben und aufgenommen, um den kommerziellen Erfolg zu steigern. Wenn ich 2014 höre, was Plattenfirmen 1973 für verkaufenswert hielten, muss ich ja immer fast ein bisschen weinen.

Fantasy – Politely Insane (1973)

Gentle Giant („Young Man’s Fortune“), Caravan („Silent Mine“), Starcastle, die frühen Van der Graaf Generator, (natürlich) Genesis und allerlei andere zeitgenössische Bands standen für „Paint A Picture“ musikalisch Pate, die Gitarre setzt genau da die richtigen Akzente, wo man sie braucht, und selbst der Gesang, meist der Flaschenhals einer Band aus dieser Musikrichtung, vermag zu gefallen.

Zum Folgealbum „Beyond The Beyond“, das 1974 aufgenommen werden sollte, kam es dann aber vorerst nicht mehr. Wohl aufgrund des nicht erfolgten Durchbruchs mit „Paint A Picture“ ließ Polydor die Gruppe fallen, die sich anschließend enttäuscht auflöste. Dass das Album 1992 doch noch erschien (wenn auch nur auf CD), ist insofern eine erfreuliche Überraschung. Andererseits: Wer weiß, was passiert wäre, hätte Polydor damals Fantasys Potenzial erkannt?

Wenigstens ist ihre Musik unvergänglich.

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Musik 12/2013 – Favoriten und Analyse

Dieser Artikel ist Teil 13 von 18 der Serie Jahresrückblick

Aber hallo, werte Leser und Musikfreunde, da ist doch tatsächlich schon wieder Ende Dezember; Zeit also, wie zuletzt im Juni die musikalischen Perlen aus dem großen Haufen an diesjährigen Veröffentlichungen herauszupicken. Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten in die Vergessenheit.

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Møster! – Edvard Lygre Møster

Møster! - Edvard Lygre MøsterVerstörend wie sonst nur die Weltpolitik hätte sich „Edvard Lygre Møster“ gleich auf zweifachem Weg in die Jahresbestenliste 2013 geschummelt: Erstens ist’s ein Livealbum, dem man das kaum anhört, und dann ist es auch noch 2011 aufgenommen worden. So wird das nix mit meinem „Album des Jahres“. Dabei hätte „Edvard Lygre Møster“ ansonsten ziemlich gute Chancen auf diesen Titel.

Wie schon auf meinem Album des Jahres 2012 spielt Ståle Storløkken auch hier – an Synthesizer und Fender Rhodes – wieder mit. Der Mann scheint ein Gespür für avantgardesque tolle Musik zu haben, man sollte seine musikalischen Aktivitäten also auch weiterhin verfolgen. Møster!, eigentlich ein Soloprojekt des norwegischen Saxophonisten Kjetil Møster (sonst bei Ultralyd und mit anderen Bands wie Low Frequency in Stereo aktiv), ist hier ein Viermannunternehmen; außerdem dabei sind Nikolai Eilertsen, Bassist bei den famosen elephant9 (ebenfalls mit Ståle Storløkken), und Schlagzeuger Kenneth Kapstad, der seit 2007 mit Motorpsycho zusammen musiziert. Das Ergebnis dieses Zusammenspiels ist ein druckvoller instrumentaler Jazz, bei dem kein Instrument zu kurz kommt, was ihn positiv von dem ollen Trompetenkrams von Miles Davis abhebt, das mich immer, Sakrileg!, schon eher gelangweilt hat; aber ich schweife ab.

Was ein Edvard Lygre ist, vermag ich aufgrund mangelnder Norwegischkenntnisse nicht zu wissen. Ist das nicht aber sowieso beinahe egal? Ich lasse lieber die Musik für sich sprechen. Und die geht, Verzeihung!, tierisch ab. Ist das erste Stück „Plastic Disco“ (12:10 Minuten; keine Sorge, bumm-tschack bleibt hier aus) schon ein prachtvoller Vorbote für das Folgende, drehen die vier Herren danach erst so richtig auf. In „Ransom Bird“ ist erstmals tatsächlich etwas Publikum (jubelnd) zu hören. Wer könnte es ihm angehörs der schieren Instrumenteneskapade, herausragend vorangetrieben von Schlagzeug und Bass, schon verdenken? Das Internet schreibt hier von „rauschhafter Ekstase“, und ich könnte es kaum besser umschreiben.

Es folgt mit „Composition Task #1“ ein ziemlich normal jazziges Stück, das mit sieben Minuten Laufzeit auch das kürzeste auf dem Album ist, bis nach einigen Minuten Kjetil Møster sein Saxophonspiel ins Schräge abgleiten lässt, wo er sich gut auszukennen scheint. „Composition Task #1“ nimmt nach Stück 1 und 2 dennoch eine Sonderrolle ein; eine „Composition Task #2“ gibt es auf dem Album nicht. Den Abschluss bildet „The Boat“, in dem das Saxophon über eine Viertelstunde lang allerlei Elektronischem, gespielt von drei der vier Musiker (plus Schlagzeuger), mehr Raum lässt. Møster! können also sogar Spacerock, und ziemlich guten noch dazu.

Entspannender Radiojazz ist auf „Edvard Lygre Møster“ tatsächlich nicht zu hören. Das ist aber auch nicht schlimm. „Lounge-Jazz“? Jazz für jede Gelegenheit! Hörproben? Amazon. Aber wer liest schon nur einzelne Seiten in einem Buch?

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Kurzkritik: Esmerine – La lechuza

Esmerine - La lechuzaMusik gewordene Trauer. „La lechuza“. Die Eule. Das kommt mir spanisch vor; Esmerine, gegründet vor nunmehr zehn Jahren, kommen trotzdem aus Kanada. Das Duo ist kein unbekanntes: Bruce Cawdron war vorher vornehmlich bei Godspeed You! Black Emperor, Rebecca Foon bei A Silver Mt. Zion aktiv, wobei letzteres wiederum ein Nebenprojekt der umtriebigen GY!BE-Musiker ist, was personelle Überschneidungen ebenso erklärt wie den Umstand, dass sich in Montréal alle Musiker gegenseitig zu kennen scheinen. Montréal, Stadt der GY!BE-Nebenprojekte.

Dieses Duo jedenfalls veröffentlichte 2011 mit „La lechuza“ ein Album, das mit dem mitunter verspielten Postrock des Hauptprojekts nicht allzu viel zu tun hat. Ähnlichkeiten? Klar. Esmerine machen Kammermusik mit Cello, Perkussion, Marimba und Melancholie. Auch ein schönes Instrument eigentlich. Gesang? Ja.

Sonstige Assoziationen? Vielleicht A Whisper In The Noise. Noch so’n Duo. Musikalische Jahreszeit: Herbst.

Das aktuelle Album „Dalmak“ erschien am 3. September 2013. Ich nehme an, es ist ebenfalls sehr gut. Reinhören? Hier entlang. Musik für Kopfhörer und ein Wohnzimmer mit Kamin. Schön.

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Bolus – Triangulate

Bolus - TriangulateDie kanadische Formation Bolus war meiner Aufmerksamkeit bisher erfolgreich entgangen. Mit ihrem dritten Album „Triangulate“, auf dem sie mit dem Beitritt von Bassist Daniel Avner vom Duo auf ein (na, so was!) Trio angewachsen sind, ändere ich das mal.

Das Intro zum eröffnenden „Forward Facing“, vermutlich mit einem Banjo instrumentiert, das im Verlauf des Albums noch häufiger Gehör findet, sollte keine falschen Erwartungen wecken. Das Ländliche ist ihre Sache aber nicht, stattdessen dominiert solide, teils komplexe Rockmusik. Waren frühere Musikalben von Bolus dem Vernehmen nach noch hörbar von den Landsleuten Rush (kanadische Hard-Rock-Band, die man im Übrigen auch kennen sollte) inspiriert, haben sich die Präferenzen auf „Triangulate“ verschoben, woran der Neuzugang vielleicht nicht ganz unschuldig ist.

Apropos Neuzugang: Ich bin ja ein großer Freund von dominantem, knackigen Bassspiel. Als ein solcher bin ich von dessen Leistung durchaus nicht abgeneigt. In dem kurzen Instrumentalstück „Backwards Man“ kann er als Frontmusiker ebenso vortrefflich brillieren wie als Teil der Rhythmusgruppe, die in den übrigen Stücken im Hintergrund die Fäden zieht.

Nun erwarte niemand, dass Bolus mit „Triangulate“ eine 180-Grad-Drehung vollführt haben; Rush (und viel Yes) sind vor allem in den Gesangspassagen noch immer präsent. Dass Bolus aber mehr sein wollen als nur der x-te Abklatsch dieser Musikgruppen, wird in Stücken wie „Smoke at the Mirror“ ebenso deutlich wie in „The Study of Madness“, das ebenso von Porcupine Tree oder deren Vordenker Steven Wilson stammen könnte, wäre da nicht der Stoner-Rock-Refrain.

Bolus – SMOKE AT THE MIRROR (Music Video)

Auch Metalrezensenten – jedenfalls die, die nicht nach einem Wachmacher suchen – finden positive Worte für „Triangulate“, von hohem Suchtpotenzial ist die Rede. Das ist sicherlich nicht verkehrt. Ein Genre zu vergeben halte ich trotzdem prinzipiell für nicht zweckdienlich, ich höre jedenfalls außer vorgenannten Referenzen auch ein deutlich eigenständiges Element heraus. Bei keinem der 13 Lieder entsteht Langeweile, Bolus halten ihr Niveau auf voller Albenlänge. Auf Bandcamp.com ist dies nachzuvollziehen.

„Triangulate“ ist funkiger Indie-Neo-Prog-Rock oder was auch immer. Und es ist ziemlich gut.

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Pop Will Eat Itself – Box Frenzy

Pop Will Eat Itself - Box FrenzyDie 1980-er Jahre sind nicht dafür bekannt, eine reichhaltige Quelle guter Musik zu sein. Die Neue Deutsche Welle und die Depressionsmusik von The Cure haben das dunkle Jahrzehnt der Musik überschattet wie (deine Mudda beziehungsweise) ein toter Deutscher in den Nachrichten grundsätzlich hundert tote Nichtdeutsche überschattet. Die wenigen Ausnahmen von dieser Regel gilt es wie Rosinen aus einem vergifteten Kuchen zu picken, denn zumindest bei der Wahl zwischen Rosinen und Gift gewinnen bei mir die Rosinen.

Zu diesen im positiven Sinne bemerkenswerten Hinterlassenschaften des dunklen Jahrzehnts gehört im Übrigen die britische Alternative-Rock-Band Pop Will Eat Itself, die 1987 mit „Box Frenzy“ ihr lobenswertes Debütalbum, reich gefüllt mit Sprachsamples, Beastie-Boys-Anleihen und einer ordentlichen Dosis Gitarre (und Plastikschlagzeug), vorlegten und sich Mitte der 1990er Jahre schließlich trennten.

Die derzeit auf Tour befindliche Reunion, zu deren Besetzung nur eines der ursprünglichen Mitglieder (allerdings immerhin der einstige Frontmann) gehört, wirkt auf Liveaufnahmen ein wenig kraftlos. Wie viel aufregender ist es da, dem Original aus den 80-ern zu lauschen, unzufrieden mit dem zu sein, was sich heutzutage „Rockband“ nennen darf, und dies deutlich anzuprangern, während man fröhlich zu „She’s Surreal“ von besagtem Debütalbum zappelt?

Pop Will Eat Itself – She's Surreal – Night Network

Die Antwort ist wenig überraschend: Es ist sehr viel aufregender. Zwar hat man das alles schon mal irgendwo – womöglich bei den Beastie Boys – gehört, aber erzählt der Welt mit dem begrenzten Tonvermögen eines Menschen doch einmal eine völlig neue Geschichte. Und an Vielseitigkeit mangelte es Pop Will Eat Itself nicht, ich bin gar versucht, sie als weniger verrückte Version von Cheer-Accident zu bezeichnen. Doofen Elektropop („U.B.L.U.D.“) haben sie auf „Box Frenzy“ immerhin genau so unterbringen können wie das, was die Autoren der Wikipedia wahrscheinlich dazu veranlasste, Pop Will Eat Itself in die Nähe der „Dance“-Musik zu rücken:

Pop Will Eat Itself – live in session on Night Network in 1988

Negativ anlasten kann ich „Box Frenzy“ allenfalls den „Plastik“-Klang des Albums; aber das waren eben die 80-er Jahre, da war ein Schlagzeug aus der Dose eine Offenbarung und nichts, worüber man sich aufgeregt hat. Das könnte man dann eigentlich mal nachholen. Aber das soll nicht darüber hinwegtäuschen, dass „Box Frenzy“ tatsächlich Spaß macht. Diesen Spaß teile ich mit euch, weil ich (wegen des Albums) gerade gut gelaunt bin. Da habt ihr noch mal Glück gehabt.

Vergnügt euch und vergesst nicht, gelegentlich gute Musik in euer Leben zu lassen. Wie trist wäre es ohne sie?

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Fehlfarben – Herbstwind

Während die deutsche Medienlandschaft ein weiteres Mal unter Beweis stellt, dass sie zu blöde ist, das substanzlose Gebrüll einer feministischen Minderheit in der Piratenpartei von der an sich lobenswerten Politik zu unterscheiden, für die diese Partei steht, dreht die Welt sich weiter – schwupps! ist schon wieder Montag.

Für die dieswöchige Montagsmusik muss ich vermutlich erst einmal etwas erklären, nämlich, warum ich, anders als sonst, keinen YouTube-Link setze. Die Antwort ist banal: Das heute anzupreisende Stück Musik ist dort zurzeit nicht verfügbar (oder ich suche nur falsch). Ich habe tatsächlich lange mit mir gerungen, ob ich stattdessen musicmp3, ein offiziell russisches Streamingportal (hier aufgrund unklarer rechtlicher Situation nicht verlinkt), als Quelle angeben sollte, wo das dieswöchige Montagsstück natürlich zu finden ist, aber in diesen Tagen weiß man ja nie so genau, welche Branchen die florierende Abmahnwirtschaft gerade beackert.

Stattdessen: Spotify oder Grooveshark. Eines dieser Enteignungsportale. Beide haben das gesuchte Stück. Warum es gerade dieses sein muss? Muss es wahrscheinlich nicht – aber, und da bin ich als jemand, dem Texte bekanntlich nicht ganz unwichtig sind, ich halte dieses Stück für eines der textlich großartigsten, die eine deutschsprachig musizierende Musikgruppe in diesem Jahrtausend bislang zustande gebracht hat. Peter Hein sei zu preisen für diese Zeilen.

Die Fehlfarben, vor über dreißig Jahren mit „Monarchie und Alltag“ und insbesondere Liedern wie „Ein Jahr (es geht voran)“ („Keine Atempause / Geschichte wird gemacht / es geht voran“, kennta) Vorreiter des deutschsprachigen Postpunk, der Neuen Deutschen Welle und sicher noch so allerlei Musik, waren trotz gelegentlichen Tiefgangs nur selten so brillant wie auf „Xenophonie“. Noch so ein Album, das ich 2012 rechtzeitig zu hören vergessen habe. „Herbstwind“, ein schwermütiger und synthesizerlastiger Fastzehnminüter, ist der krönende Abschluss und ein, mindestens, verdammtes Meisterwerk.

Labt euch daran. Auf Spotify oder auf Grooveshark oder auf einem dieser Portale, die man in eurer Lieblingssuchmaschine halt so findet. Vergesst das gestrige unsägliche TV-„Duell“. Geratet trotzdem in Schwermut. Hört den Text. Versteht den Text. Macht das Beste daraus.

Guten Morgen.

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Kurzkritik: In the Silence – A Fair Dream Gone Mad

In The Silence - A Fair Dream Gone MadFür die Jahresliste 2012 leider etwas zu spät erreichte mich das Album „A Fair Dream Gone Mad“ des kalifornischen Quartetts In the Silence.

Silent, also still, sind sie jedoch nicht. Als tags haben sich In The Silence die Genres Hard Rock, Metal, Prog, Progressive Rock, Rock, Gothic Metal, Metal, Post-Metal und Progressive Metal angeheftet. Genres sind was für alte Leute und Musikjournalisten. (Na gut, „Postrock“ lasse ich gelten.) Gothic und Prog(-ressive Rock) erkenne ich als Hörer hier aber auch nicht, trotzdem weiß ich wohl zu schätzen, was ich höre. In the Silence – wenn’s denn unbedingt einer dieser klischeehaften Vergleiche sein muss, klingt wie Toc.Sin ohne Layn und mit noch mehr Eiern. Von Anfang an dominiert eine treibende Rhythmusabteilung, die sich über weite Teile des Albums mit schneidenden Gitarren vermengt.

Zu viel Text? Nun, das vorletzte Stück „All the Pieces“ fasst all die Stücke auf „A Fair Dream Gone Mad“ gut zusammen:

Auf Bandcamp sind zumindest vier der acht Stücke frei hörbar, mittlerweile haben In the Silence jedoch die Plattenfirma gewechselt und stehen nun bei Sensory Records unter Vertrag, die immerhin auch per Amazon.de vertreiben – Hörproben für die vier anderen Stücke sind also auch im Internet zu finden.

„A Fair Dream Gone Mad“ ist für diejenigen, die für Gitarrenmusik mit angenehm unauffälligem Gesang empfänglich sind, höchst empfehlenswert. Folgt dieser Empfehlung zahlreich!

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douBt – Mercy, Pity, Peace & Love

douBt - Mercy, Pity, Peace & LoveJa, das Continental-Album wartet immer noch darauf, dass ich es mal höre. Eins nach dem anderen! Weiter oben auf meinem Stapel nämlich liegt douBts Zweitling „Mercy, Pity, Peace & Love“ von Ende 2012 (leider also etwas zu früh für die Jahresliste 2013) und ist wirklich nicht schlecht.

„Mercy, Pity, Peace & Love“ (zu Deutsch etwa „Barmherzigkeit, Mitleid, Friedfertigkeit und Liebe“) bezeichnet laut William Blake vier der sieben christlichen Kardinaltugenden. Was mit den anderen drei Kardinaltugenden ist, weiß ich nicht. Vielleicht kommen die auf dem nächsten Album. douBt jedenfalls ist ein Jazzrock-Trio, das auf seinem Debütalbum „Never Pet A Burning Dog“ die Canterbury-Legende Richard Sinclair als Gastmusiker engagieren konnte und so die Messlatte natürlich von vornherein recht hoch gehängt hat. „Mercy, Pity, Peace & Love“ sollte also daran gemessen werden.

Aber keinesfalls führt eine solche Messung automatisch zu einem Rangverlust, eher ist das Gegenteil der Fall. Dabei sollte man sich nicht vom Anfang des Albums täuschen lassen: „There Is a War Going On“ ist eine von 70-er-Jahre-Orgelklängen unterlegte auszugsweise Rede des US-amerikanischen Senators Bernie Sanders, in der dieser über die Unterschiede in den gesellschaftlichen Klassen referierte. Na gut, eigentlich sollte man sich schon täuschen lassen, denn abgedrehte Ideen sind auf „Mercy, Pity, Peace & Love“ reichlich zu hören. Mit Gesang sollte man zwar nicht rechnen, aber wer erwartet solchen schon auf einem Jazzalbum?

„Jazz“ ist dabei vielleicht etwas zu kurz gegriffen. Hier werden Psychedelic („There Is A War Going On“), Jazz und Funk (wenn auch weniger als noch auf dem Vorgängeralbum) sowie Experimentell-Elektronisches („Mercy, Pity, Peace and Love“) eng miteinander verzahnt. Schon das zweite Stück, „Jalal“, ist groovelastiger Jazzrock mit merkwürdig schrägem Rhythmus, der trotzdem im Ohr hängen bleibt, will sagen: mitreißt. Eher an die jüngeren King Crimson – wenngleich das Schlagzeugspiel auch Bill-Bruford-Fans gefallen dürfte – erinnert das gitarrenlastige „No More Quarrel with the Devil“, das gegen Ende unvermittelt in Kirmesmusik übergeht. Skurril, aber interessant. Nach einem irgendwie bedrohlichen Lounge-Jazz-Intermezzo („Rising Upon Clouds“) folgt dann ein fast fünfminütiges Gitarrengeflimmer namens „Purple Haze“. Purple Haze? Nein, nicht Hendrix, aber ein verdammt eindrucksvolles Cover desselben. Gitarrist Michel Delville und Keyboarder Alex Maguire liefern sich hier ein rasend schnelles Duett (wenn nicht gar Duell), das aufhorchen lässt. Ist das noch Jazz? Nö! Na und?

Keine Sorge jedoch, denn der Jazz hat sich nur eine kurze Pause gegönnt. Bereits im coltranesquen „The Invitation“ und deutlicher noch im vorletzten Stück „Mercury“ kehrt er zurück und spielt ein weiteres Mal seine Stärken aus. Konservativen Jazzfreunden fehlen womöglich Bläser anstelle des (oder zusätzlich zum) Pianoklimpern(s), aber als konservativer Jazzfreund hört man wahrscheinlich sowieso nichts, was nicht von Coltrane oder Davis selbst ist. Schade drum. Aber zurück zum gewohnten Programmablauf: Das „The Invitation“ folgende Titelstück („Mercy, Pity, Peace and Love“) – ich erwähnte es ja schon – hat mit Jazz wiederum eher wenig zu tun, tatsächlich ist nur die Lust an der freien Form von diesem geblieben. Auf knapp über zwölf Minuten wirft die Band hier Krautig-Spaciges, Doom-Jazz (also doch!) und Avantgarde-Einsprengsel wie Konfetti in die Luft und fängt das Durcheinander wieder ein, nicht ohne ihm einen Sinn zu verleihen. Das Stück schwellt an und wieder ab wie Meeresrauschen, aber in dem Meer ist eine Menge los. Wem das gefällt, der hat wenig später noch eine Möglichkeit, diesem Stil zu huldigen: „The Human Abstract“ ist eine wirr scheinende Instrumentalcollage, die ich nur schwerlich zu beschreiben weiß. Vielleicht so: Spielt drei Jazzrockplatten und ein Spacerockalbum mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten, aber zur gleichen Zeit ab. So ungefähr müsst ihr euch „The Human Abstract“ vorstellen; und das Erstaunliche ist, dass es trotzdem funktioniert. So ungern ich mich hier auch wiederhole: Merkwürdig.

Das Album schließt mit dem Neuneinsechstelminüter „Goodbye My Fellow Soldier“, das den etwas aufgedrehten Stil von douBt mit dem Canterbury-Jazz von Soft Machine paart. Ganz vom Canterbury lösen will man sich also nicht, und das ist gut. Ich mag den Canterbury-Sound. Von „There Is a War Going On“ (wie auch von „No More Quarrel with the Devil“) gibt es auf dem Album übrigens auch ein reprise, das ohne Politikerstimmen auskommt. Auch mal ganz schön.

Für Hörproben solltet ihr MySpace konsultieren und hernach umgehend das Album kaufen. Es lohnt sich. Aber das solltet ihr ja nun schon wissen.

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Electric Moon – Lunatics

Electric Moon - LunaticsDerzeit rotiert in meinem Musikspieler das Album „Lunatics“ des deutschen Kraut-/Spacerocktrios Electric Moon, deren Gitarrist und Organist Sula Bassana sich auch als Solokünstler inzwischen einen recht bekannten Namen gemacht hat. Ich möchte es wärmstens empfehlen.

Es beginnt mit „Gefährliche Planetengirls“, einem longtrack (vier der fünf Stücke auf dem Album überschreiten die Elf-Minuten-Marke), der trotz des Namens instrumental ist. Gesungen wird auf dem Album nur spärlich, aber darauf kommt es nicht an – Pink Floyds „Set the Controls for the Heart of the Sun“ lebt ja auch vor allem vom Instrumentalspiel. Überhaupt ist dieses Stück ein hervorragender Vergleich, „Lunatics“ klingt wie ein würdiger Nachfolger des Stücks in Albenlänge.

Electric Moon – Gefährliche Planetengirls

Gesang kommt zuerst in „Hotel Hell“ – im Original, so weit mir bekannt, von den Animals – zum Einsatz. Primär singt Bassistin „Komet Lulu“, hier links im Bild, und das nicht mal schlecht. (Allerdings finde ich auch, dass der Originalinterpret Eric Burdon nicht sonderlich gut singt. Ich finde ihn eher langweilig.)

Electric Moon – Hotel Hell

Mit dem Dreiundzwanzigminüter „Moon Love“ gibt es dann noch mal einen würdigen Abschluss im Stil von Pink Floyds „Careful With That Axe, Eugene“ (zu Deutsch etwa: „Sei vorsichtig mit dem Deodorant, Eugen!“), der aber auch Kennern (und Mögern) von Gong und den alten Hawkwind gefallen sollte. Im Vordergrund steht wuchtiger Bass, „Komet Lulu“ flüstert dazu bedrohlich vor sich hin. Es gibt sogar einen Refrain:

Moon Love.
Moon Love.
Moon Love.
(…)

„Sogar“ trifft’s übrigens ganz gut. Electric Moon machen primär Spacerock. Das Strophe-Refrain-Strophe-Refrain-Refrain-Ende-Schema wird von ihnen erfreulicherweise ignoriert. Radiohörer, denen alles über drei Minuten schon unnatürlich lange vorkommt, werden herzlich dazu eingeladen, lieber was anderes zu hören. Ihnen wird einiges entgehen. Auch die Wiederholung wird hier zelebriert: Das Grundmuster der Stücke bilden wiederkehrende Rhythmusmuster, über die dann gelegentlich eine eruptive Gitarre gelegt wird. Das liest sich monotoner als es eigentlich ist, es passiert eigentlich ständig etwas.

Gerade das abschließende „Moon Love“ ist ein musikalischer Orgasmus, sich allmählich aufbäumend und dann gleichsam explodierend. Die richtige Musik ist, ich wiederhole mich sicher noch des Öfteren, Sex für den Kopf, nur besser.

„Lunatics“ ist ein gutes Album. Ich bitte es zur Kenntnis zu nehmen.
Gern geschehen.

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Musik 06/2013 – Favoriten und Analyse

Dieser Artikel ist Teil 12 von 18 der Serie Jahresrückblick

Eeeeeinenwunderschönengutentag, werte Freunde des angewandten Musikgenusses!

Ein Blick in meinen Kalender wies mich mahnend darauf hin, dass das erste halbe Jahr 2013 ja quasi vorüber ist. Das bedeutet, dass es (wie alle sechs Monate) Zeit ist für meine Rückschau der kaufenswertesten Musikalben 2013. Ich muss euch allerdings verschämt gestehen, dass ich einfach nicht die Zeit gefunden (oder mir genommen habe), allen Musikalben, die vielversprechend erschienen, genug Zeit zu geben, sich zu entfalten.
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La Dispute – Wildlife

La Dispute - WildlifeNoch’n Musikartikel, da ich gerade in der Stimmung dazu bin. Momentan erfüllen die Geräusche auf „Wildlife“, dem 2011 veröffentlichten zweiten Album des US-amerikanischen Quintetts La Dispute, den Raum. Der Bandname stammt angeblich von der Komödie gleichen Namens, in der es irgendwie um Partnertausch oder so geht. „La dispute“ heißt auf Deutsch (ebenfalls angeblich) „der Streit“, und so klingt „Wildlife“ auch.

In der Wikipedia fabulieren die Autoren irgendwelche Genres, „Screamo“ und „Post-Hardcore“ und sonstiges, herbei. Nun, ich behaupte: Genres existieren nicht. Ein gutes Beispiel ist der Postrock (manchmal auch „Post-Rock“ geschrieben). Sigur Rós machen Postrock, Talk Talk machten Postrock, Mogwai machen Postrock. Was sagt das über den Postrock aus? Richtig: Nichts.

„Screamo“ also. Dabei scheint es sich um eine Art „Emomusik“ zu handeln, also Musik mit verzweifelten, weinerlichen Texte, die gern geschrien (scream) werden. Das ist nun weniger schrecklich als es sich anhört und kann oft auch zu erstaunlichen Entwicklungen führen; die ziemlich großartigen …And You Will Know Us by the Trail of Dead haben mit „Fake Fake Eyes“ am Anfang ihrer Karriere auch ähnliche Musik aufgenommen und sind inzwischen zu einer überdurchschnittlich guten Musikgruppe zwischen den Genres avanciert. Auch Tocotronic, die sympathisch dilettantische Rockband, ist oft nicht fern. Kritiker würden „Wildlife“ als „Geschepper mit Geschrei“ zusammenfassen. Aber so leicht ist das nicht.

Das „Geschepper“, anderswo „unglaublich filigrane Gitarrenarbeit“ genannt, entwickelt einen spröden Charme, wie man ihn auch von den wirklichen Glanztaten von Nirvana („Milk It“) kennt. Die Verbindung zur Emo-Szene (etwa Jimmy Eat World) wird schon dadurch gekappt, dass La Dispute gar nicht erst versuchen, den Ansprüchen der Radio- und Fernsehsender zu genügen. Als „Referenzen“ werden da auch schon mal At The Drive-In, vielen bekannt als Keimzelle von The Mars Volta, genannt, was schon eher passt.

Zumal sowieso eben die Texte im Vordergrund stehen: „Can I still get into heaven if I kill myself?“ („King Park“). Zugegeben: Diese Art von Texten gefällt nicht jedem und entspricht vielleicht auch nicht unbedingt dem Ideal eines Musikalbums, das man gern und immer wieder hören möchte. Andererseits ist das inzwischen ja auch egal, bedenkt man, dass im Radio tagein, tagaus noch ganz andere Lieder laufen; sei’s Lou Reeds „Walk On The Wild Side“ („in the backroom she was everybody’s darling / but she never lost her head / even when she was giving head“), sei’s Inner Circles „Sweat“ („girl I want to make you sweat / sweat till you can’t sweat no more / and if you cry out / I’m gonna push it / push it, push it some more“), um fröhliche Sommerspaßtexte geht es den Medien nicht. Wer achtet auch auf so was?

Und so wird auch wieder völlig untergehen, dass wir es hier mit einem Konzeptalbum zu tun haben:

Wie ein roter Faden ziehen sich „A Departure“, „A Letter“, „A Poem“ und „A Broken Jar“ durch das Album: Diese Songs präsentieren die verzweifelte und verlorene Existenz eines Erzählers, der eine andere Person zu erreichen versucht und dabei sowohl an sich selbst als auch an den Umständen scheitert und zerbricht. Die Wortlosigkeit und die beredte Sprachkrise hinsichtlich des Verlusts der eigenen Identität und des verzweifelten Versuchs ein geliebtes Gegenüber zu erreichen wurde wohl selten derartig emotional und herzzereißend formuliert und vorgetragen. Songs wie das herausragende „The Most Beautiful Bitter Fruit“ sind ebenso persönliche Geschichten und loten dieses Feld in einem breiteren Kontext weiter aus.

Wer vorgenannte vergleichbare Musikgruppen mag, allgemein ein Freund vertonten Liebeskummers ist oder auch nur ein wenig Krach benötigt, der sollte hier unbedingt mal reinhören. Fest steht: „Wildlife“ ist sicherlich kein Album für einen entspannten Feierabend.

Aber wer will sich schon immer nur entspannen?

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Guapo – Black Oni

Guapo - Black Oni„Black Oni“ ist das sechste Studioalbum der 1994 gegründeten britischen Musikgruppe „Guapo“, die auch schon mal mit Ruins und Cerberus Shoal zusammen musiziert haben. Wer diese Bands kennt, der weiß, was er hier zu erwarten hat. Zur Etymologie: Ein Oni ist in der japanischen Mythologie eine Art Monster oder Dämon gut- oder böswilliger Natur. Ob ein schwarzer Oni etwas anderes tut als ein andersfarbiger, ist mir nicht geläufig. Hübsch ist er jedoch eher nicht.

Zurück zum Album: Bereits das cover, ein Schwarzgraubild eines entwurzelten Baumes mitten im Wald, lässt hoffen. Fröhlichen Indiemist möge man bitte woanders suchen.

Und tatsächlich: Es beginnt mit bedrohlich anschwillenden Geräuschen, elektronisch und nach der Vertonung der Arbeit in einer Metallfabrik klingend. Ein Pfeifton gesellt sich dazu, der nach etwa zwei Minuten, kurz bevor dem Hörer der Kopf platzt, seine Klimax erreicht. Es folgen etwa eine Minute lang Bass, Schlagzeug und merkwürdige Gitarre, anschließend wieder Fabrikgeräusche.

Geradliniger verläuft da schon Stück 2 („II“), das von einem treibenden Schlagzeug und einem für mich als Laien nicht sofort zu identifizierenden Tasteninstrument geführt wird. Es wechseln sich immer wieder die Stimmungen, Spannungsbögen werden immer wieder neu errichtet. Das Mellotron, das bis dahin nur sporadisch zu identifizieren war, hat seinen großen Auftritt jedoch im folgenden Stück „III“, das in einem wahren Zeuhl-Feuerwerk (leider ohne Gesang) endet. Mellotron? Ja, King Crimson (insbesondere die Improvisationen der frühen 1970er Jahre) lugen hier und da ums Eck.

Nach dieser Explosion ist Stück Nummer 4 („IV“), ein waberndes, elektronisches Klanggemälde, das Freunden früher Krautrockprotagonisten wie Klaus Schulze oder Tangerine Dream zusagen könnte, gleichsam die Ruhe nach dem Sturm; oder vor ihm? Das abschließende – na, wer errät es? richtig – „V“ ist wiederum unvermittelt einsetzender Retro-Prog mit allerlei Synthesizer-Finessen, der mit steigender Dauer („V“ ist immerhin knapp 13 Minuten lang) an Geschwindigkeit abnimmt und über einen Doom-Mittelteil wiederum im Kraut(-rock) endet.

Ihr seht: „Black Oni“ als Ganzes stilistisch einzuordnen ist nicht leicht. Ich erkenne Postrock, Zeuhl, Space-/Krautrock und das altbekannte RIO/Avant. Artverwandt? Gong, King Crimson, vielleicht auch Frank Zappa. Der geht als Vergleich ja immer. Allen Stücken gemeinsam ist der fehlende, nein, ausbleibende Gesang. Schlimm? Nein. Im Gegenteil: Ich mag es. Und ihr solltet das auch tun.

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Umphrey’s McGee – In The Puppet Kitchen

Die US-amerikanische Musikgruppe Umphrey’s McGee veröffentlichte ihr erstes Album bereits 2002, trotzdem gehen sie in der großen Welle der „irgendwie so Rockbands“ selbst nach dem europäischen Durchbruch mit dem Album „Anchor Drops“ (2005) ein wenig unter. Das ist schade, denn abwechslungsreiche Rockmusik abseits der Progressive-Rock-Pfade sucht mancher Musikfreund dann doch vergebens. Was das hier ist? Beat und Funk und Jazz und AOR und Pop und Melodic Rock und was auch immer man eben gerade so finden mag. Der Laune kommt’s entgegen.

"In The Puppet Kitchen" (video)

And there’s no argument
for wasting time much better spent
complacently replacing a melody with smoke.

Guten Morgen.