Archiv für die Kategorie ‘Computer’.

Alles, was eher die computeraffine Klientel interessieren könnte, wird hier abgelegt.

Netzfundstücke
Medienkritik extern: Hätten sie halt seine Exfrau gefragt!

Man hätte den Bahnstreik natürlich auch voraussehen können, indem man nicht erst nach der Veröffentlichung von Claus Weselskys Heim durch den unsäglichen „Focus“ mal in seinem privaten Umfeld nachgefragt hätte:

Wir haben heute die Gelegenheit, mit seiner Ex-Frau zu sprechen. Sie sagt, was Millionen Pendler denken: Ihr Ex ist ungeeignet für diesen Posten.

:wallbash:

Nerdkrams
Tore zum Mistmachweb

Browser, so ertönt ein vielfacher gequälter Aufschrei dieser Tage, überböten sich darin, immer größer und funktionsreicher zu werden, so dass auch ehedem leichte Programme wie Mozilla Firefox nicht sofort nach ihrem Aufruf auf dem Bildschirm erscheinen. Schlimm sei das, was hätten sich diese Programmierer nur dabei gedacht?

Dabei können die gar nichts dafür. Schuld ist die gleiche schreckliche Gruppe von Menschen wie einst beim Leistungsschmutzrecht: Es kamen Werber, die ein textlastiges weltweites Kommunikationssystem – das Internet – sahen und der Meinung waren, was da noch dringend fehle, seien Produktinformationen. Sie kamen in unsere hood, überschmierten unsere weißen Wände mit grellbunten und funkelnden Graffiti und beklagten sich noch bei uns, wenn wir ihren Vandalismus einfach wieder rückgängig machten. Sie kamen uneingeladen auf eine fremde Party und wollten dann Geld dafür sehen.

Klar, mit einem griffigen Schlagwort schmeckt jede Medizin. Web 2.0. Was das bedeutet? Fragt mal das BWL-Abbrechergeschmeiß, das kleinen und größeren Firmen heute als consultant einen Knoten in die Ohren quatscht. „Naja, irgendwas mit Mitmachen.“ Mitmachinternet am Arsch. Es gibt keine Besucher mehr, es gibt nur noch Teilnehmer. Willkommen im Blafasel-Mistmachweb. Und was man da nicht alles mitmachen muss! Die durchschnittliche Website ist etwa 1,5 MB groß; und das betrifft nur Websites, noch nicht einmal SaaS-Angebote (nicht mit SARS zu verwechseln, SARS lässt wenigstens die Augen intakt) wie Online-Officepakete, die im Wesentlichen dem Zweck dienen, dass man als Entwickler künftig Miete statt nur einmaliger Zahlungen verlangen kann. Die 1,5 MB versteht man vielleicht einfacher, wenn man sie aufdröselt. Ohne gigantisches JavaScript kein Kommentieren. Textfelder sind diesen Fatzken, die auf Web.de nach Google suchen, eben nicht sozial genug.

Mitmachen konnte man schon früher, als das Internet noch vorrangig in Hochschulen benutzt wurde. Damals kam content ebenso theoretisch von jedem Teilnehmer wie er gelesen werden konnte, nicht umsonst trägt das Usenet („Benutzernetz“) noch heute diesen Namen. Die Wikipedia als später Ausläufer dieses Kollektivgedankens ist ohnehin ein bekanntes altes Beispiel.

Ein Webbrowser ist ein Webbrowser ist ein Webbrowser ist kein Gemüse. Der Browser ist kein Hypertextclient mehr, er ist gleichzeitig eine Laufzeitumgebung für allerlei JavaScript-Irrsinn. Wisst ihr noch, als man darüber lachte, dass GNU Emacs (bekanntlich eine Laufzeitumgebung für Emacs Lisp mit Editorfunktionen, nicht andersherum) sich irgendwie langsamer anfühlte als Vim? So ähnlich ist es mit Browsern. Ein Webbrowser ist, so wollen’s die Wirtschaftler, zwar das virtuelle Tor zur Welt, aber bitte nur bis zur nächsten Bezahlschranke. Man kann komplexe Anwendungen wie Excel unter Windows ausführen, warum sollte man das nicht auch in einem Dokumentenbetrachter (was ein Webbrowser nun mal eigentlich sein sollte) tun können? – Ich kännte da ein paar Gründe, aber ich habe natürlich auch nicht BWL studiert, sondern mache irgendwas mit Computern. Da habe ich natürlich keine Ahnung von den Bedürfnissen des Marktes.

Firefox, Chromium und ihre Abkömmlinge haben euretwegen, ihr Schlips tragenden Empörkömmlinge, ihre Identität aufgeben müssen, weil sie von euch für etwas zweckentfremdet werden sollen, was sie niemals bieten sollten. Vielleicht kommt ja demnächst einer von euch auf die grandiose Idee, dass der Markt euretwegen wieder Platz hat für einen kleinen, schlanken HTML-Browser, der nicht versucht, ein Betriebssystem im Betriebssystem zu sein. Midori, uzbl, alles gut und schön, aber da habt ihr eure gierigen Griffel noch nicht drin, das muss sich ändern.

Unser Web ist keine Litfaßsäule, kein Produktkatalog, keine Plattform und kein Markt. Wir sind sein Volk, nicht eure Kunden. Wir wollen Informationsaustausch betreiben können und uns manchmal einfach nur informieren lassen. Wir wollen keine überdimensionierten touch-Gestaltungen auf unserem Tastatur-und-Maus-Gerät. Wir wollen eure Werbescheiße nicht. Wir wollen unseren Rechner nicht durch das Aktivieren von JavaScript noch angreifbarer machen, weil sonst die ganze Seite nicht angezeigt werden kann, weil eure Blinkewerbung das so will. Wir wollen kein Betriebssystem im Betriebssystem hochfahren müssen, um die Nachrichten zu lesen. Ganz besonders aber wollen wir niemanden, der die Regeln des Spiels nicht kennt, das Spiel kampflos gewinnen lassen.

Es sollte euch nachdenklich stimmen, wenn immer mehr Leute lieber einen Trampelpfad einschlagen als eure aggressiv beleuchteten Straßen entlangzukriechen. Kulturpessimismus? Nicht doch; Kultur bedarf wachen Geistes. Ihr seid mit eurem Verständnis von der Welt, dass alles und jeder eine Ware ist, das parasitäre Gegenteil von Kultur. – Aber was red‘ ich? Die Großflächenspammer sind längst weitergezogen, unsere rauchenden Ruinen interessieren sie nicht mehr. Das „Web 3.0“, das „mobile Internet“, ruinieren diese Gestalten sicherheitshalber schon im Voraus. Moderne Smartphones haben doch acht Kerne, könnte man da nicht…? Das seit jeher kommerziell orientierte Windows Phone ist da vielleicht vorbildlich, dort ist selbst die Dropbox-app nicht nennenswert mehr als die Dropbox-Website mit einem zusätzlichen Werbebanner.

Auf dem Browser der Zukunft sollte „Bitte keine Werbung einwerfen“ stehen.

ComputerIn den Nachrichten
Schmalhans des Tages: Alexander Dobrindt, CSU.

Dieser Artikel ist Teil 11 von 15 der Serie Schmalhans des Tages

Dass Johanna Wanka der Ansicht ist, Programmieren sei eine Sprache und eine wichtige obendrein, ist allenfalls ein Schmunzeln wert. Die Frau ist Bildungsministerin, die muss nicht wissen, wie Dinge funktionieren.

Wesentlich schlimmer ist’s da schon beim Verkehrsminister. Das Bundesverkehrsministerium – wir erinnern uns ungern – wurde Mitte Dezember 2013 in „Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur“ umbenannt. Klar, die Datenautobahn muss ja auch ausgebaut werden, damit Polizisten darauf Streife fahren können. Brumm, brumm.

Momentan ist ein gewisser Alexander Dobrindt, Mitglied der Kompetenzpartei CSU, Herrscher über Wohl und Wehe der digitalen Infrastruktur. In seiner Eigenschaft als Generalsekretär der CSU hatte er noch vor wenigen Jahren für das selektive Feigenblattsperren des Internets gestimmt und war sich später auch nicht zu blöde, es als wichtigen Baustein im Kampf gegen irgendwas zu bezeichnen.

Und dann jetzt aber; dem „IT-Gipfel“ sei’s geschuldet:

„Der Zugang zum Internet wird über unseren Erfolg im globalen Wettkampf um die neuen Märkte entscheiden“, sagte Dobrindt.

Das Internet als Medium zur ungehinderten Kommunikation bedürfe staatlicher Kontrolle; der Zugang zu diesem staatlich beschränkten Medium aber dürfe nicht behindert werden, denn es gelte einen Markt zu erobern. Der Markt als Instanz, die dem Bürger über-, dem Internet jedoch untergeordnet ist, das wiederum der jeweiligen Bundesregierung zu unterstellen ist – damit ist wohl auch geklärt, wer die Strategen der F.D.P. nach deren Scheitern übernommen hat.

Das ist ja wohl der Gipfel.

MontagsmusikNerdkrams
Soft Machine (1968)

Schau' mir in die Augen, Kleines.Hurra, Apple hat ein neues Betriebssystem. Jetzt noch flacher, und ein paar schöne neue Funktionen hat es auch bekommen:

Yosemite:default spyware/keylogger, easily rootkitable, unpatched vulnerabilities,safari remote exploitable, etc.The best OS X release ever!

Vorbei die Zeit, als Ubuntu noch die schlechtesten Ideen von Mac OS X abkupferte; inzwischen ist’s andersherum. Das Sicherheitskonzept von Mac OS X, laut übereinstimmenden technischen Analysen das momentan mit Abstand unsicherste Desktopsystem, war wohl noch nicht grauenvoll genug, in das noch flachere „neue“ design passen noch ein paar Hintertürchen rein. Es wird schon einen Grund haben, wieso Apple gern wissen möchte, was der Benutzer auf seinem Heimrechner tut. Vielleicht hat er was zu verbergen.

Was tun? Tor nutzen? Schlechte Idee:

Auch wenn es manchmal sinnvoll sein kann und man Tor durchaus sicher nutzen kann: Für Lieschen Müller wie Bettina Beispiel erhöht Tor das allgemeine Risiko.

Das Neue, Moderne ist beängstigend. Zum Glück gibt es das Alte, Bewährte; und Musik. Musik geht immer.

SOFT MACHINE – 25 August 1968 Ce Soir On Danse

Guten Morgen.

Nerdkrams
Beinahe Buchkritik: Kontrollverlust

Der schwierige Autor Michael Seemann hat heute sein lange angekündigtes Buch zum Thema „digitaler Kontrollverlust“ unter der WTFPDL veröffentlicht, die es mir ermöglicht, eine digitale Fassung des Buchs hier nicht nur öffentlich blöd zu finden, sondern auch zu vertreiben, ohne potenzielle Leser vom dortigen VG-Wort-Zähler, Google Analytics, Flattr und dergleichen tracken zu lassen, was sich prima mit der Überschrift „Datenkontrolle schafft Herrschaft“ eines Kapitels aus dem Buch in Einklang bringen lässt:

Das neue Spiel

Worum geht es in dem Buch? Es geht um „Strategien für die Welt nach dem digitalen Kontrollverlust“:

Datenschutz, Urheberrecht, Staatsgeheimnisse. Wir haben die Kontrolle verloren. Daten, von denen wir nicht wussten, dass es sie gibt, finden Wege, die nicht vorgesehen waren und offenbaren Dinge, auf die wir nie gekommen wären. (…) Die Verdatung der Welt stößt die postindustrielle Ordnung in die Krise. All unsere Institutionen und unser ganzes Verständnis von Freiheit sind vom Kontrollverlust bedroht. (…) Welche Strategien funktionieren nicht mehr, welche um so besser, welche neuen gibt es?

Es geht also um Datenhoheit beziehungsweise die Erlangung derselben. Eigentlich ist „Das neue Spiel“ weniger ein Sachbuch als eine Kampfschrift: Wir müssen was tun! Dabei erwähnt der Autor zahlreiche gescheiterte Versuche, die seit Jahrzehnten fortschreitende Überwachung einzudämmen; eine Antwort aber hat er nicht. „Das neue Spiel“ ist ein Buch voller „wir müssen“, „man sollte“ und weiterer Wünsche, quasi ein Wunschbuch. Gelegentlich kommt auch mal eine handfeste Meinung, dann aber nicht zum Thema Überwachung:

Die NSA mag die theoretische Möglichkeit haben, jeden Einzelnen von uns unter Druck zu setzen, einzuschüchtern und zu terrorisieren. Vielen Menschen passiert genau das jeden Tag, und sie werden dadurch effektiv zum Schweigen gebracht – aber nicht von der NSA, sondern von Trollen, Maskulinistinnen, Nazis oder anderen Menschenfeinden.

Ich habe bisher – die Zeit war zu knapp – zwar nur wenige Kapitel gelesen, bezweifle aber, dass mir da noch viel entgangen ist.

Ohne Schwurbelei kommt Michael Seemann freilich auch diesmal nicht aus:

Wir haben das Buch in geschlechtergerechter Sprache geschrieben. Wir verwenden das generische Femininum und das generische Maskulinum abwechselnd. Sollte jemand beim Lesen darüber stolpern: Das ist so gewollt.

Stolperfallen beim Lesen sind meine Sache nicht. Da verlier‘ ich die Kontrolle.


Schöne Sportart auch: Extrembügeln.

Netzfundstücke
Kuschelvirus

„Ohne seine Plüschkrankheit kann mein Kind nicht einschlafen.“

Ebola

Auf einmal bekommt die Plage, mit der man sich gerade herumschlägt, ein Gesicht – was diese kleinen Wesen natürlich zu grandiosen Geschenken für „befallene“ Freunde macht.

:irre:

NerdkramsNetzfundstücke
OnePlusMinusEins

Wer bisher dachte, als Androidnutzer sei man vor einem schrecklichen Gewese um die Veröffentlichung neuer Geräte gefeit und man würde niemals eine Horde von Androidnutzern vor dem nächsten Saturn campieren sehen, wenn zum Beispiel das nächste Samsung Galaxy S erscheint, der sollte sich nicht zu früh freuen, lange dürfte es nämlich nicht mehr dauern.

Das mir bis heute unbekannte Unternehmen OnePlus hat im April 2014 sein Smartphone „One“ vorgestellt, im Wesentlichen ein Oberklassesmartphone mit vorinstallierter CyanogenMod-Distribution und allerlei nützlichen Extras sowie einem leider eingelöteten Akku, was jedenfalls mich davon abhält, das Ding irgendwie interessant zu finden.

Offensichtlich kann man es mittlerweile auch kaufen, denn in den sozialen Netzen, in denen ich mich so herumtreibe, werden derzeit rege Einladungen verteilt.

Einladungen? Ja, denn bestellen darf das OnePlus „One“ nur, wer Zugang zum elitären Zirkel hat:

To buy the OnePlus One, you will need to get an invite[.]

Da es schon jetzt deutlich mehr freie Einladungen als Interessenten gibt, ist dieses System der künstlichen Verknappung als die Blenderei enttarnt, die sie von Anfang an war. Wenn’s wenigstens eine Einladung für ein Gratis-Smartphone wäre! Aber wenn jeder einfach so ein „One“ kaufen könnte, wäre es ja nichts Besonderes mehr, eines zu besitzen. Dann müssten die Macher womöglich noch durch Innovationen auffallen und sich nicht mit der Rolle als zweites „Oppo“ zufriedengeben. Von Apple zu lernen heißt Vermarktung zu lernen; Vermarktung und Selbstüberschätzung.

Das alles scheint so eine Art Intelligenztest zu sein. Ich würde wirklich gern die Auswertung sehen.

In den NachrichtenNetzfundstücke
Medienkritik in Kürze: Geld oder Geschrei!

Das Leistungsschmutzrecht ist offenbar ein voller Erfolg.

Wir erinnern uns: Am 1. August 2013 trat dieses Gesetz in Kraft. Allerlei Verlage in Deutschland haben mal mehr, mal weniger hart mit der Legislative gerungen, um ein Gesetz maßgeschneidert zu bekommen, das im Wesentlichen Bloggern und Suchmaschinen das unbezahlte Zitieren aus den eigenen Onlineauftritten – und damit kostenlose Werbung – verbieten soll.

Mehrere kleinere Suchanbieter haben die entsprechenden Verlagsangebote ersatzlos gestrichen, aber das hat nur wenige Menschen interessiert. Der Fokus liegt natürlich auf Google. Google ist ein großer Konzern, Google hat Geld, Google soll zahlen.

Zunächst hat Google das Gesetz weitgehend ignoriert und in seinem Nachrichtenaggregator „Google News“ trotzdem weiterhin auf die Nachrichtenangebote verschiedener Verlage verlinkt. Dafür ist ein Nachrichtenaggregator da. Rennen also die Schmalhänse von VG Media zum Deutschen Patent- und Markenamt und klagen.

Google blieben nun also nur zwei Möglichkeiten, um sich ans Gesetz zu halten: Entweder für jeden kostenlosen Link auf ein VG-Media-Angebot Geld zu zahlen oder die strittigen Angebote gemäß den Vorgaben des Leistungsschmutzrechts zu beschneiden. Google hat nun Letzteres getan (Hinweis: Link auf ein Google-Blog!):

Vor dem Hintergrund dieser Klage werden wir Snippets und Thumbnails einiger bekannter Webseiten wie bild.de, bunte.de oder hoerzu.de nicht mehr anzeigen, also jener Verlage, die in der VG Media organisiert sind. Für diese Seiten werden wir nur noch den Link zum Artikel sowie dessen Überschrift anzeigen.

Rennen also die Schmalhänse von VG Media zum Kartellamt und klagen.

Die Verlage haben sich zuerst darüber beklagt, dass Google ihre Inhalte (angeblich) rechtswidrig nutzt. Nun beklagen sie sich darüber, dass Google ihre Inhalte nicht mehr rechtswidrig nutzt.
Stefan Niggemeier

Ist mir auch ein Rätsel, wieso Verlage sinkende Einnahmen haben. :irre:


Nützliches Handwerkszeug für’s nächste Bullshit-Bingo übrigens: Die Floskelwolke.


Nachtrag vom 23. Oktober 2014: Das Leistungsschmutzrecht hat die Verlage dazu gezwungen, es nicht anzuwenden. :lachtot: Euch, Verlage, hat niemand gerufen, also beschwert euch nicht, wenn ihr wie die Eindringlinge behandelt werdet, die ihr seid.

NerdkramsNetzfundstücke
Zwei schöne Projekte: Octobox und percol

Seit der Sache mit der NSA beginnt das Konzept des Selbsthostens der jeweils verwendeten Clouddienste wieder an Fahrt aufzunehmen. So mancher, der bis dahin blind den Heilsversprechen großer US-amerikanischer Konzerne vertraute, wollte plötzlich weg von Google Mail, Dropbox und Evernote.

Während das bei Google Mail und Dropbox aber zumindest theoretisch ziemlich einfach ist, ist ein tauglicher Ersatz für Evernote schwer zu finden. Microsoft bietet OneNote, Google bietet Google Drive, aber beide haben hinsichtlich ihres Funktionsumfangs Evernote nur wenig entgegenzusetzen; und selbst hosten kann man sie auch nicht. Bei den freien Alternativen sieht es noch weit schlimmer aus – es mangelt bereits an einem synchronisierten guten virtuellen Notizbuch mit Android- und Desktopanbindung.

Möglicherweise schließt Octobox – wahlweise gehostet oder zum Selbstinstallieren – diese Lücke. Octobox, wenngleich noch in einer frühen Testphase, bietet bereits jetzt ein Evernote-ähnliches Aussehen und Markdown-Unterstützung, am „Clipper“ und einer Browsererweiterung wird noch gearbeitet. Möglicherweise wird es irgendwann auch mobile Anwendungen geben.

Octobox

Die Besonderheit von Octobox ist, dass es sämtliche Notizen in der Dropbox speichert, ein Konto hierfür ist also momentan noch vonnöten. Diese Funktionsweise aber hat Vorteile: Anders als in Evernote liegt alles im Klartext vor, lässt sich also mit jedem Texteditor bearbeiten und bei Bedarf manuell sichern; um die Sicherung selbst kümmert sich aber ebenfalls bereits Dropbox, das auf Wunsch auch gelöschte Dateien bis auf Weiteres aufbewahrt.

Ich empfehle das Projekt im Auge zu behalten.

(via reddit)


Für uns nerds auch nicht uninteressant ist übrigens percol. percol ist sozusagen ein Filter für Pipe-Befehle, der eine dem Emacs-helm-Plugin ähnliche Schnellsuche für Befehle, Dateien und Zeilen anbietet. Auf der GitHub-Seite gibt es eine (etwas hektische) Demonstration in GIF-Form.

percol ergänzt also Shellbefehle um type to find. Ein Beispiel:

Dieser Befehl zeigt zum Beispiel die Ausgabe von ls mit dem percol-Filter an:

Percol ls

Der Text „QUERY>“ kann beinahe nach Belieben angepasst werden.

(via One Thing Well)


In weiteren Nachrichten: Die BPjM ist doch nicht so nutzlos wie gedacht, sie ist zum Beispiel ein hervorragender Versandhandel für alte Pornos.

ComputerFotografieIn den Nachrichten
Schmeckt sicher „gut“.

Neulich bei Edeka:

"Kräuter"-Croutons


In weiteren Nachrichten: Das Leistungsschmutzrecht wirkt.

Wer die Internetsuche von web.de, GMX oder T-Online nutzt, bekommt keine Ergebnisse mehr von „Bild“, „Welt“, „Hannoversche Allgemeine“, „Berliner Zeitung“ und zahlreichen weiteren Online-Angeboten von Zeitungen angezeigt. Die drei Portale haben jene Verlage, die in der VG Media organisiert sind, um Ansprüche aus dem neuen Presse-Leistungsschutzrecht geltend zu machen, ausgelistet.

Und als Nächstes schmeißt Amazon alle Autoren raus, die gegen Amazon und sein Angebot protestieren, und vielleicht merken dann ein paar Idioten, dass sie selbstverständlich gern die Forderung stellen dürfen, dass andere dafür Geld zahlen müssen, Werbung für sie machen zu dürfen, dieses Geschäftsmodell allerdings nur bedingt realitätstauglich ist.

Andererseits: Würden manche von ihnen etwas merken, wären sie nie zur HAZ gegangen.

In den NachrichtenNerdkrams
Kurz gefragt zur gestrigen Apple-Keynote

Außer diesem Comic fällt mir angesichts der momentanen Apple-Nachrichtenschwemme gerade nur eine Frage ein:

Ob es den vielen, vielen Menschen und „Journalisten“, die gestern stundenlang ungeduldig vor dem Bildschirm oder gar vor Ort ausharrten, um einem professionellen Produktvertreter applaudierend dabei zuzuhören, wie er Dinge, die Konkurrenzprodukte längst beherrschen, als innovativ anpreist, bewusst ist, dass sie nichts weiter beiwohnten als einer bloßen Verkaufsveranstaltung, die von einer Tupperparty nur der Preis der Ware unterscheidet?

InternesSpaß mit Spam
Anfrage Linkentfernung

Die Software WordPress, die seit 2005 auch Basis für diese Website hier ist, hat den großen Nachteil, dass sie URLs in Kommentaren erlaubt, dass also ein Kommentator zusätzlich zu seinem Senf noch einen Verweis auf seine (oder eine beliebige andere) Website hinterlassen kann.

Kommentarspammer haben das jahrelang ausgenutzt, da auch Links in Kommentaren von schlechten Suchmaschinen wie Google oft einen positiven Einfluss auf die Bewertung der jeweiligen Website hatte. Auch bei mir hat sich zumindest eine Kommentatorin mit einem unauffälligen Verweis bemerkbar gemacht, der Rest ist möglicherweise im Spamfilter hängen geblieben.

Google mag das aber nicht mehr. Und so bekam ich heute eine Mail, die ich hier auszugsweise wiedergebe:

Hiermit möchten wir uns an Sie als Webmaster von

(verlinkte Adresse)

mit folgender Bitte wenden:
Wir lesen sehr gerne Ihre Beiträge und kommentieren diese auch mit Freude. Jedoch möchten wir auf die Links in den Kommentaren zu unserer Website verzichten, darum bitten wir Sie den unten genannten Link zu entfernen. Den Content können Sie ganz nach Ihrer Vorstellung belassen oder auch löschen. Wir freuen uns aber natürlich, wenn Sie den Content trotzdem belassen, damit wir einen Mehrwert zu ihren Beiträgen bieten können.

Mit anderen Worten: Die Verantwortlichen haben irgendwo gelesen, dass der „Backlinkspam“ von Google nicht mehr so toll gefunden wird, und würden ihn gern nachträglich entfernen, um ihre Weste reinzuwaschen.

Da helfe ich doch gern:

Hallo,

> Wir lesen sehr gerne Ihre Beiträge und kommentieren diese auch mit Freude.

Das haben Sie genau einmal getan.

> Jedoch möchten wir auf die Links in den Kommentaren zu unserer Website
> verzichten, darum bitten wir Sie den unten genannten Link zu entfernen.

Ich fürchte, diesem Wunsch werde ich nicht ohne Weiteres nachkommen.

Ich habe sehr wohl gelesen, dass Sie momentan recht viele „Webmaster“ anschreiben, weil Sie fürchten, dass Sie in Google schlechter gestellt werden. Das heißt, Sie haben über einen langen Zeitraum Ihre Website aggressiv per Kommentarspam beworben (und damit fremde Webauftritte, auch den meinen, als Litfaßsäule verwendet) und nun ein Problem damit, dass Ihr Spam auch als Spam bewertet wird? Das ist unfreiwillig komisch.

Ich mache Ihnen ein Angebot: Gegen eine Zahlung von 20 Euro (Paypal bevorzugt) entferne ich jeden Link auf Ihre Website. Ansonsten bleiben Sie drin.

Ich bin ja nicht so.

In den NachrichtenNerdkrams
Twitter macht dicht.

Twitter hat wieder etwas geändert und die deutsche Internetgemeinde ist dermaßen empört, dass sie heute von 10 bis 12 Uhr einen geplanten Twitterstreik abhielt, der wie gewohnt folgenlos verhallte. Klar, so’n Sitzstreik ist bei einer Fabrik wahrscheinlich effizienter als bei einem Mikroblog.

Worum geht es? Nun, Twitter zeigt künftig auch möglicherweise interessante Tweets von Leuten an, denen man nicht folgt. Bislang kommen ja bereits Leute, die zum Beispiel die offizielle Twitter-app unter Android nutzen (dazu später mehr), in den Genuss von Werbeeinblendungen von Firmen, denen man ebenfalls nicht folgt.

Weiterlesen ‘Twitter macht dicht.’ »

Netzfundstücke
Menschenkritik extern: Arschkontakt!

Einige meiner Montagsmusiken sind ja jedenfalls optisch von eher mauer Qualität. Dabei habe ich oft nur die Wahl zwischen grauenvoller Optik und nicht zu verstehenden Klängen, und was bei Musik wichtiger ist, solltet ihr eigentlich ahnen. Aber warum gibt es so viele schlimme Konzertmitschnitte auf YouTube?

Das liegt an solchen Knallköpfen:

Theoretisch könnte man dank Projektion sehen, was in der Flora passiert, würden nicht sämtliche Hipster, Vorstadtkinder und weiteres Volk dieser Stadt ihre Smartphones in die Höhe recken, um zu filmen, was in fünfzig Metern Entfernung an der Wand abgeht. (…) Die Videos können unmöglich auch nur ansatzweise gut sein. Das ist ein dank der ganzen Rempeleien gut durchgeschüttelter Pixelsalat, auf dem wahrscheinlich maximal die Tonspur was taugt, auf der dann aber die johlenden Umstehenden und vielleicht ein paar Bässe und Beats zu hören sind, garantiert aber kein Text. Vermutlich gibt es bessere Aufnahmen vom Yeti als vom freitäglichen Beginner-Konzert von meinem Standort aus.

Nun ist Jan Delays „Gesang“ ohnehin meist eine Herausforderung für die Konzentration, aber leichter wird’s dadurch nicht.

Was sind das für Leute, die auf gleichwie schlimmen Konzerten nur ihr display im Auge haben? Na, Hipster halt. Bewaffnet mit Schal, Jutebeutel, hässlicher Brille und Arschkontakt? Arschkontakt?

„Arschkontakt“, alter Schwede, darüber hab ich mich mit vierzehn im übervollen Schulbus gefreut und das ist mir heute extrem peinlich, die Gestalten neben mir tragen Vollbart (natürlich), Muskelshirt à la Cro (natürlich) und die Caps rückwärts. Natürlich.

Manchmal ist es schön, nicht in Hamburg zu wohnen.


Ich bin der Firma Google übrigens sehr dankbar dafür, dass ihr „Play Store“ automatisch zuerst die nützlichsten Kommentare zu einer app anzeigt.

Nützlichste zuerst

Wer weiß, was für wenig hilfreichen Schrott Interessenten sonst zu lesen bekämen?

In den NachrichtenNetzfundstücke
Gewaltvolles Abarbeiten

Über den aktuellen Fall von Nacktbildern von C- und D-Prominenz, die nur für sich nackt und/oder fickend posierten und das Ergebnis in die iCloud übertrugen, wo sie jemand fand und im Internet verteilte, möchte ich allenfalls mein Unverständnis äußern. Wenn ich nicht möchte, dass Unbefugte mich nackt sehen, mache ich davon keine Fotos und stelle sie dann erst recht nicht einem mir persönlich fremden Serveranbieter zur Verfügung. Aber ich bin natürlich auch nicht so prominent, dass das überhaupt jemand sehen wollen würde. (Offenlegung: Ich möchte auch die allzu blonde Jennifer Lawrence nicht nackt sehen müssen.)

Das aber ist eine zumindest fantasievolle Übersetzung:

Das Angriffs-Skript namens iBrute gibt sich als die Find-My-iPhone-App aus und arbeitet mit Gewalt mögliche Passwörter aus einer Liste ab, die der Angreifer zur Verfügung stellt.

(Hervorhebung von mir.)

Andererseits: Beschränkte sich meine Arbeit darauf, Listen abzuarbeiten, wäre es wohl ebenfalls nur noch eine Frage der Zeit. :aufsmaul: