Archiv für die Kategorie ‘Computer’.

Alles, was eher die computeraffine Klientel interessieren könnte, wird hier abgelegt.

ComputerFotografie
Die Bahn im automatischen Zeitalter (Symbolbild)

Bahn und Windows

NerdkramsProjekte
WP-WahlBlackout: jetzt europawahltauglich!

Die heutige Europawahl, über deren Ergebnisse und deren Zustandekommen ich lieber einmal den Mantel des Schweigens ausbreiten möchte (andererseits: angesichts dessen, „Volksparteien“ wie CDU und SPD immer pünktlich am Wahltag die vor sich hinsiechenden Alten aus ihrem Delirium heraus eigens zum Wahllokal und dann zurück ins Heim fahren lassen, wundert es mich nur noch wenig), traf mich so überraschend, dass ich gar nicht daran gedacht habe, rechtzeitig das WP-WahlBlackout-Plugin europawahltauglich zu machen.

Die neue Version ist unter dem bekannten Link zu finden und funktioniert jetzt auch mit anderen Wahlen als Bundestagswahlen zusammen. Die nächste Landtagswahl kommt bestimmt.

NetzfundstückePolitik
CDU gegen Wasserhacker

Was AfD, Piratenpartei, Die PARTEI und andere Parteien im Europäischen Parlament gern tun würden, wird in den einschlägigen Medien ja in aller Ausführlichkeit besprochen. Dabei kommen natürlich andere Parteien zu kurz.

Was möchte denn zum Beispiel die CDU erreichen, wenn sie erneut ins Europäische Parlament einzieht? Darüber erfährt man wenig, die CDU ist eben Konsens, da hinterfragt niemand mehr etwas. Erfreulicherweise erteilt aber zumindest das Wahlprogramm Auskunft:

Wir werden Wasser, Strom, Telekommunikationsnetze und andere sogenannte kritische Infrastrukturen vor Angriffen aus dem Internet besser schützen.

Auf dass niemand einen Computerwurm ins Wasser schütte!

(via @tollwutbezirk)

Nerdkrams
Poweramp: New-Version, aktivieren auf Haut

Unter Android nutze ich bevorzugt den Musikspieler Poweramp mit dem KitKat-Skin. Für letzteren gab es heute eine Aktualisierung, die eine Verknüpfung für die offenbar neue Poweramp-„SkinLib“ installierte.

Diese hier:

Ausblenden Haut Symbol

New-Symbol wird in Launcher erscheinen. Haut aktiviert, Werfer verschwunden.

:-?

Ich glaub‘, ich werde zu alt für diesen elektronischen Firlefanz. Ich verstehe kein Wort.

ComputerIn den Nachrichten
Digitaler Fortschritt

Was ist eigentlich aus all den politischen Netzvereinsmeiern geworden?

Natürlich: Der „Digitale Gesellschaft e.V.“, der Verein mit dem wohl dämlichsten Namen aller Netzvereine, ist medial präsent, Markus Beckedahl (ich berichtete) ist ja auch überall, er hört sich eben gern reden. (Was überhaupt so ein Problem der Netzgemeinschaft ist: Die, die sie antreiben, sind andere als die, die ständig davon reden, wie toll es doch sei, ein Teil davon zu sein.)

Und D64, der von Kompetenzgranate Nico Lumma (das war der hier) mitgegründete und -geführte Netzpolitikstuhlkreis der SPD? Nun, dort hat man sich offenbar daran erinnert, dass man ja eigentlich etwas tun wollte, und sich mit erheblicher Verspätung der F.D.P. angeschlossen:

Das im Umfeld der SPD angesiedelte, aber durchaus eigenständige D64 – „Zentrum für digitalen Fortschritt“ fordert die Einführung eines No-Spy-Hardwaresiegels, das EU-weit vergeben werden soll. Das Siegel soll garantieren, dass der Endkunde „abhörfreie Hardware“ einkaufen kann.

Aber auch nur in Anführungszeichen, und zwar sowohl der „digitale Fortschritt“ als auch die „abhörfreie Hardware“; denn Firmen wie Cisco haben im Wesentlichen eine einzige Möglichkeit, wie sie damit umgehen können: Lügen.

Wohl ungefähr jedes Unternehmen, bei dem Hintertürchen in der Hardware gefunden wurden, hat hinterher beteuert, nichts davon zu wissen – ebenso übrigens Anbieter von Webdiensten. Wie gewährleistet werden soll, dass das Siegel ausschließlich auf jenen Geräten kleben soll, die garantiert keine Sicherheitslücken haben, ist mir insofern unbegreiflich. Im Umkehrschluss ist nicht jedes Gerät, das ein solches Siegel nicht erhält, ausspionierbar. Ein Feigenblatt ohne viel Wert also; wie alles, was von der SPD so kommt.

Dabei ist die Begründung im Originaltext auch grandios:

Zudem machen die neuen Enthüllungen deutlich, dass eine europäische Technologie-Industrie sowie offene Standards stärker gefördert werden müssen.

Denn bekanntlich schützt die Offenheit eines Standards vor Unterminierung durch böswillige Zeitgenossen; beziehungsweise eben nicht. Inwiefern die Förderung europäischer Technologie-Industrie etwas dazu beitragen soll, dass kein Geheimdienst irgendetwas manipuliert, ist noch nicht ganz klar – den Datenaustausch zwischen BND und NSA jedenfalls hat Nico Lummas SPD zu verantworten.

D64 zitiert abschließend die EU-Internetbotschafterin Gesche Joost, die zum Thema Internet schon so manches gesagt hat, was nicht unbedingt weise war, und passenderweise auch in den eigenen Vereinsreihen rumsitzt (wahrscheinlich für die Quote):

Wenn ein Auto europäische Sicherheitsstandards nicht erfüllt, darf es nicht eingeführt werden. Das gleiche Schutzniveau sollte mindestens für den Import von Netzwerktechnik und Hardware aus den USA und anderen Ländern gelten.

Blöd: Es gibt keinen europäischen Sicherheitsstandard, der vorschreiben würde, dass Autos nicht von der NSA überwacht werden dürfen. Jedes GPS-fähige Automobil ist bereits eine potenzielle Wanze, auch in Deutschland. Was sollen das überhaupt für Sicherheitsstandards sein, die für Autos wie für Netzwerkgeräte gelten sollen? Es muss vier Räder und eine Hupe haben?

Aber der digitale Fortschritt ist offenbar nicht aufzuhalten.

Netzfundstücke
Tinder: Da zündet nix.

Ein maßgeblicher Vorteil des Internets ist es ja auch, dass auch schüchterne Nerds eine geringe Chance haben, gelegentlich Kontakt zu Angehörigen des jeweils anderen Geschlechts aufzunehmen. Die Idee hinter Flirtwebsites wie Parship ist dabei so alt wie nahe liegend.

Nun hat sich das Nerdwesen in den letzten paar Jahren ja überwiegend zum Nomadentum bekannt, man ist ständig unterwegs. Dass klassische Flirtwebsites da stetig an Reiz verlieren, da sich der Aufenthalt dort nicht mal eben an der Ampel oder auf dem Klo ausreichend produktiv gestalten lässt, ist insofern eher ein gesellschaftlicher als ein technischer Wandel. Allein schon das Gefrickel mit den nötigen Anmeldungen im Portal seiner Wahl kann auf kleinen Bildschirmen schnell die Freude an der Überallvernetzung trüben.

Nun hat das deprimierende Facebook ja das mobile Leben insofern vereinfacht, als eine bloße Registrierung auf selbigem Portal die Türen zu allerlei weiteren Diensten öffnet. Der Streamingdienst Spotify etwa war vorübergehend nur für Facebooknutzer geöffnet, geeignete Flirtseiten aber – Facebook selbst eignet sich aufgrund seiner Prüderie wohl nur mäßig gut dafür – fanden bislang keine Verbreitung. Glaubt man dem Trendindikator Twitter (der andererseits auch den dämlichen „Eurovision Song Contest“ als Trend anzeigt), so hat sich nun mit Tinder – zu Deutsch: „Zunder“ – erstmals auch in Deutschland ein geeigneter Dienst etabliert, der diese Nische besetzt.

Bei Tinder handelt es sich zuvörderst um eine Smartphone-app, für deren Benutzung man mindestens 18 Jahre alt sein „muss“. Die Informationen über das eigene Alter holt sich Tinder ebenso wie Profilbilder und den Vornamen von Facebook, und da wohl nur wenige junge Menschen ungeachtet der dortigen Regeln auf Facebook ihren richtigen Namen angeben, ist die Behauptung in den FAQ, die Facebookanbindung sei notwendig, um die Echtheit der potenziellen Partner zu gewährleisten, von vornherein ein Feigenblatt.

Tinder funktioniert im Wesentlichen so, dass nach der Verknüpfung über Facebook regelmäßig abgefragt wird, welche Personen aus einer nach Geschlecht, Alter und Umkreis auswählbaren Gruppe momentan ebenfalls über Tinder online sind. Dass die app erst ab 18 Jahren freigegeben ist, legt nahe, wofür diese Personen dann gehalten werden sollen. Anschreiben kann man sich aber nur, wenn man sich gegenseitig irgendwie ertragen zu können glaubt: Findet Tinder eine „neue“ Person, so werden Name, Entfernung, ein optionaler kurzer (höchstens 500 Zeichen langer) und daher nicht besonders aussagekräftiger Profiltext und diverse Bilder aus dem Facebookprofil dieser Person angezeigt.

Tinder - Quelle: http://www.mikepalumbo.com/2013/07/15/how-not-to-write-an-android-app-part-8/

Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Findet man die oberflächlichen Informationen, die man über eine Person erhält, interessant, so wischt man sie nach rechts, wenn nicht, dann wischt man sie nach links. Wischen sich zwei Personen gegenseitig nach rechts, so können sie einander anschreiben. Ein Rückgängigmachen ist nicht möglich, wenn man also unachtsam seine mögliche Traumfrau auf die Negativliste setzt, hat man Pech gehabt. Noch im April 2013 bedauerten die Entwickler das, inzwischen verkauft man es wohl als feature, wie man in den FAQ lesen kann:

You can’t, you only swipe once, Tinder on! #YOSO

Ist Tinder somit überhaupt als Ersatz für ein „Flirtportal“ zu gebrauchen? Um menschlichen Tiefgang scheint es ja nur bedingt zu gehen, denn außer wenigen Fotos, die natürlich meist nur die Schokoladenseite des jeweiligen Benutzers zeigen, und der Information, wie weit man gerade voneinander entfernt ist, erfährt man nicht viel übereinander. Dem Internetaffinen kommt’s gelegen: Angeblich sinkt die Fähigkeit zum ihren Sinn erhaltenden Erfassen von Texten, je mehr Kurztexte wie Tweets man liest. Alles, was über 140 Zeichen hinausgeht, ist somit bereits mehr Information als nötig. Auf Tinder soll man ja auch nicht seinen Traummenschen kennenlernen, das wäre hinderlich für’s wie auch immer geartete Geschäft; es wird der Oberflächlichkeit gefrönt. Statt von Anfang an nur die positiven Seiten eines Menschen kennenzulernen, weiß man vorher quasi nichts über ihn, was über Aussehen und Alter hinausgeht. Klar, für mancherlei reicht’s, aber der hype tut für die Auswahl sein Übriges.

Etwa ein Fünftel aller Tinder-Kontakte, die ihre Fresse gegenseitig ertragen können, hat nach Klärung der weiteren Fakten überhaupt noch miteinander verkehren wollen. Ganz schön heiß, dieses Tinder.

Wir haben das Internet als interaktives Medium überschätzt.
Dieter Gorny, Berufspfeife

In den NachrichtenNetzfundstücke
re:volution geht anders.

Noch bis heute dauert die diesjährige Konferenz „re:publica“ an, auf der die altbekannte Garde der netzpolitischen und feministischen Blogger – und David Hasselhoff – wie jedes Jahr öffentlichkeitswirksam auf ein Podium tritt, um sich selbst dafür zu feiern, dass sie es ja immer schon gewusst hat, und überflüssigerweise darauf hinzuweisen, dass Überwachung von Nutzern nicht in Ordnung ist.

Das ist besonders amüsant, wenn man bedenkt, dass einige der dort anwesenden Schwafler, darunter der ewige Sascha Lobo, sich selbst in einer Firma für gezielte Onlinewerbung, deren Zweck es ist, Benutzer zu beobachten, engagierten oder bis heute engagieren. Kleine widerwärtige, bückgeistige Schergen des Großen Bruders, die ein Ende der großen Bebruderung einfordern, während sie ohne besondere Not einen sehr großen Teil des Webs in eine Überwachungs- und Ausspähmaschine verwandeln. Wie viele Leute, die ihr Geld damit verdienen, Suchmaschinen mit so genanntem „SEO“-Scheißdreck vollzumüllen, damit auch bloß keiner auf die Idee kommen möge, dass eine Website vielleicht für Besucher interessanter sein sollte als für Suchmaschinen, sabbernd und applaudierend im Publikum saßen, als Thorsten Kleinz sich über das Geschäftsmodell Bullshit lustig machte, kann ich nur erahnen.

Diese gänzlich ironiefreie Zunft der Blender 2.0, deren einzig erlerntes, doch einträgliches Handwerk es ist, die Welt um sie herum gründlich misszuverstehen, wird nur noch übertroffen von denen, die ihnen zujubeln. Endlich sagt’s mal einer!

Es braucht jetzt Lautsprecher. Es braucht Verkäufer. Es braucht gute Verkäufer. Und Lobo ist einer. Beckedahl auch. Also bezahlen wir sie auch dafür, so lange sie einen guten Job machen. Und das tun sie.

Ich habe den Verdacht, dass die beiden Überallredner Markus Beckedahl, dessen mittlerweile unerträglich selbstreferenzielles Blog namens „Netzpolitik.org“ ich seit Monaten einfach nicht mehr zu lesen bereit bin, und Sascha Lobo, der sich binnen weniger Wochen den Tenor seiner Kolumnen von „Das Internet ist kaputt, aber ich schreibe da trotzdem weiter rein“ zu „Das Internet ist gar nicht so kaputt und ich schreibe deswegen weiter rein“ zu verkehren nicht zu blöd war, zwar prinzipiell bejubelt, aber nicht einmal mehr aufmerksam angehört werden. Das ist wahrscheinlich wie auf Konzerten: Das Publikum klatscht bereits, weil es weiß, wer gerade auftritt, und nicht erst, wenn die Darbietung gefällt. So ähnlich ist es bei Markus Beckedahl und Sascha Lobo wahrscheinlich auch.

Nein, es braucht jetzt keine Gründer von Vereinen, die sich anmaßen, für die digitale Gesellschaft zu sprechen, obwohl viele Mitglieder dieser „Gesellschaft“, zum Beispiel ich, überhaupt nicht gefragt wurden, ob sie das wollen. Das Netz braucht jetzt keine Lautsprecher, die viel Falsches reden und nichts handeln außer Werbefirmen zu gründen und dann in den Sand zu setzen. Dass die Freiheit im Internet ständig gefährdet ist, ist richtig, wird sich allerdings mit Reden und Klatschen nicht ändern.

Es braucht jetzt Akteure, die nicht nur eine Sprechrolle einnehmen; solche, die ihre Stunts noch selbst drehen. Blender, die die Falschen blenden, sind nicht in der Lage dazu, Hindernisse aus dem Weg zu räumen, weil sie selbst Hindernisse sind.

Aber schön, dass es mal jemand gesagt hat. Applaudieren und auf nächstes Jahr freuen. Die Welt wird sicher darauf warten.

In den NachrichtenNerdkrams
GitHub: Auf zum Atom?

Worauf hat die Welt denn beinahe so dringend gewartet wie auf einen eingebildeten Berg? Richtig: Auf Atom.

Atom – ich meine ausnahmsweise nicht die Energiequelle – ist ein von GitHub, einem großen Anbieter für fremden Quellcode aller Art, entwickelter Texteditor, der beinahe aussieht wie das recht beliebte Sublime Text und auch ähnlich funktionieren soll, allerdings kostenlos und quelloffen angeboten wird. (Einen ähnlichen Versuch, allerdings mit geringerer medialer Aufmerksamkeit, startete vor einer Weile Adobe mit Brackets.)

„Kostenlos“ ist ja eines der Lieblingswörter von Mitmensch Internetnutzer in seiner Gratiswolke. Qualität gern, aber lieber was geschenkt. Folgerichtig wird TextMate, eines der Vorbilder von Sublime Text, in der Version 2.0 ebenfalls – bezeichnenderweise auf GitHub – gratis zur Verfügung gestellt.

Ein großes Manko von TextMate ist, dass es ausschließlich für Mac-OS-X-Systeme entwickelt wird:; ebenso wie der Atom-Editor übrigens. Trotzdem sind bloggende Entwickler (oder Gelegenheitsskripter) begeistert und freuen sich, dass sie jetzt einen Editor, der auch nicht mehr kann als seine Vorbilder, nicht mehr mühsam erbetteln müssen:

Bisher musste man um einen Beta-Key betteln, wenn man sich die neuste Entwicklung aus dem Hause Github anschauen wollte.

Auch bei heise.de ist man beeindruckt:

Der auf Googles Chromium basierende und Node.js als Backend nutzende JavaScript-Editor soll die besten Eigenschaften anderer Texteditoren kombinieren. Die Entwickler zogen hier den Komfort von Sublime und TextMate sowie die Flexibilität und Erweiterbarkeit von Emacs und Vim heran, die sich aber allesamt nur mit speziellen Skriptsprachen anpassen ließen und nicht allzu intuitiv seien.

Nun, an einer Erneuerung von Vim wird ja ebenso gearbeitet wie an Emacs-Versionen, die das Skripten einfacher machen sollten, etwa mit einem Wechsel der Skriptsprache von Emacs Lisp zu Scheme. Ein Editor, der die Vorteile der bekannten Editoren miteinander verbindet, ohne einen ihrer Nachteile zu übernehmen, klingt zwar zumindest in der Theorie interessant, aber dafür müsste er sich erst einmal positiv von anderen Editoren abheben.

Womit aber will Atom das schaffen?

Die Website sagt zum Beispiel:

Our goal is a deeply extensible system that blurs the distinction between „user“ and „developer“.

Der Editor soll also von jedem Benutzer einfach und komplett frei skriptbar sein. Das sind Vim, Emacs und dergleichen zwar auch, aber sie benutzen nicht so schöne Werbephrasen dafür.

Atom comes loaded with the features you’ve come to expect from a modern text editor.

Atom bringt also alle Funktionen mit, die Editoren wie Notepad++ auch mitbringen. Das ist wirklich sehr praktisch, aber auch nicht innovativ.

Wo bleiben nun die Innovationen? Na, weiter oben:

Atom is a desktop application based on web technologies.

Tatsächlich: Atom basiert auf Chromium. Auf einem Webbrowser. Ein Texteditor, der auf einem Webbrowser basiert. Ein einfaches Werkzeug, das auf einer komplexen, schweren Plattform steht. Ein Texteditor, der Facebook kann. Atome hatte ich mir ja immer als etwas sehr Kleines vorgestellt, aber ich habe noch nie ein Atom gesehen. Vielleicht lag ich da falsch.

Aber die Entwickler haben sich auch etwas dabei gedacht, denn so können sie statt statischen, plattformabhängigen Codes in ihrem Texteditor, der nur unter Mac OS X läuft, plattformunabhängige Pakete entwickeln, die die Leistungsfähigkeit des Editors enorm erhöhen. Zum Beispiel Metrics. Metrics ist ein wohl standardmäßig aktives Paket, das essenzielle Editorfunktionen enthält: Es sendet Benutzerdaten zwecks Auswertung an Google Analytics (provokant gesagt also wahrscheinlich an die NSA).

Das tun andere Editoren tatsächlich meist nicht. Man kann das Paket zwar deaktivieren – dafür aber muss es erst einmal aktiv gewesen sein. Das also sind alle Funktionen, die ich von einem modernen Texteditor erwarte. Ob er wohl auch Texte editieren kann? Die Website schweigt sich aus.

Der Editor des 21. Jahrhunderts, fast so groß wie OpenBSD. Ich fand das letzte Jahrhundert irgendwie besser.

ComputerIn den Nachrichten
Placeboverkäufer gibt auf: Grippe ist zu wirksam!

Erinnert sich noch jemand an Symantec?

Symantec ist eine dieser Firmen, die in den späten 1990-er Jahren viel Geld damit verdient haben, dass unbedarfte Internetnutzer sich sehr leicht verunsichern lassen und obendrein der absurden Ansicht sind, eine Software (ein Virenscanner, ein Paketfilter, ein anderes Betriebssystem) wäre dazu befähigt, ihr menschliches Versagen – also das Klicken auf alles, was blau und unterstrichen ist – adäquat auszugleichen. Symantec hatte Firmen wie Peter Norton Computing übernommen und vertrieb so jahrelang erfolgreich Software wie Norton AntiVirus, die durch die höchst umständliche und fehlerbehaftete Deinstallation Bekanntheit erlangten; es war eine Zeitlang üblich, dass auf „fertig“ gekauften Rechnern bereits werksseitig ein Virenscanner von Symantec oder McAfee installiert war.

Dass ein „neuer“ Virus oft erst ein Jahr in freier Wildbahn zu finden ist, bevor solche Virenscanner überhaupt von seiner Existenz erfahren, hatten Mitarbeiter von Symantec bereits 2012 erklärt. Warum man dann überhaupt noch einen Virenscanner kaufen sollte, blieb unklar.

Symantec selbst weiß es jedenfalls nicht, wie verschiedene Websites heute vermelden:

Symantec wolle sich jetzt auf Schadenbegrenzung konzentrieren und Firmen beim Umgang mit Hacker-Angriffen helfen. (…) Die Hacker kämen ja ohnehin ins System, Schutzsoftware hälfe nicht. So scheint jedenfalls die Meinung der Symantec-Führung zu lauten.

Für diese Erkenntnis hat Symantec ganze 24 Jahre gebraucht. Meinen Glückwunsch.


(„Geil bescheuert“ – allein die Phrase schon.)

NerdkramsNetzfundstückePolitik
Revolutionstüten / Fensterverknappung

Wisst ihr noch, „Die Linke.“ in Berlin?

Ob die Privatisierung der GSW oder der investorenfreundliche Sparkassenverkauf, ob kleinteilige Immobiliengeschäfte über den Liegenschaftsfonds oder die großflächige Betonierung der Spreeufer – die Berliner Linkspartei war sich in den letzten Jahren für wirklich nichts zu schade.

„Die Linke.“ gibt’s jetzt auch mit merchandising:

Privatisierung ist Raub

Im Wald, da sind die Räuber,
halli, hallo, die Räuber.
Volksweise


Nachdem auch Firefox jetzt Chromes desktopuntaugliches Aussehen adaptiert hat, kann man bei Google über weitere „Optimierungen“ nachdenken. So ein Browserfenster stört ja nur beim Angucken der Website.

Das Ziel scheint es zu sein, den „Kioskmodus“ – F11 unter Windows und anderen Systemen – weitgehend überflüssig zu machen. Und was hat so ein Browser noch so alles, was keine Sau braucht? Klar: Die Adresse der angezeigten Website.

Wird schon stimmen, wenn da zum Beispiel „Sparkasse“ auf dem Bildschirm steht. – Lasst doch die lästige Website unter der URL-Leiste auch gleich weg. Sicherer Phishing-Schutz! :mrgreen:

In den NachrichtenNetzfundstückePiratenpartei
Von hinten durch die Brust in’s Auge

Aus der beliebten Rubrik „Mit Satzzeichen wär’s nicht passiert!“:

Von außen hinter Glas

(via @DLR_next)


Derweil der kommissarische, zum Glück also wenigstens weitgehend ungefährliche Bundesvorstand der Piratenpartei so:

Wir haben in den letzten Tagen und Wochen die Erfahrung machen müssen, dass Äußerungen unsererseits, die eigentlich nur der Beantwortung Eurer Fragen dienen sollten, postwendend in neue Klagen (wie erfolgversprechend oder nicht sie auch sein mögen) eingeflossen sind. (…) Es werden keine “öffentlichen” Sitzungen zu “nicht öffentlichen” Sitzungen, sondern die Sitzungen entfallen ganz und werden durch schriftliche Berichte ersetzt.

Man verstößt also so lange gegen die Grundsätze, die für einen kommissarischen Bundesvorstand gelten, etwa, dass seine Macht auf die Einberufung eines außerordentlichen Parteitags zur Neuwahl beschränkt ist, bis es der Basis reicht und Sanktionen gefordert werden; das nimmt man dann zum Anlass, sich von der Basis in eine unangemessene Ecke gedrängt zu fühlen und ihr das Mitspracherecht sukzessive abzuschneiden. Wohlgemerkt: Auch dies wegen fehlender Handlungsfähigkeit unbefugterweise.

Im November nannte ich die Wahl des Bundesvorsitzenden gut und richtig. Ich beginne an meiner Aussage zu zweifeln.

Netzfundstücke
UMG: Leck mich im Arsch!

Was passiert eigentlich, wenn man versucht, mittels von YouTube bereitgestellter Techniken in einem „sozialen Netzwerk“ wie Diaspora Musikstücke eines Künstlers zu „teilen“, der seit 223 Jahren tot ist?

Genau:

UMG

Das Urheberrecht muss auch im digitalen Zeitalter sicherstellen, dass Menschen von ihrer geistigen Arbeit leben können.
Ansgar Heveling (CDU)

(via Elias)

Netzfundstücke
Sendeschluss in Neuland

Der Zustand des „öffentlich-rechtlichen Internets“ kurz zusammengefasst:

Ausgewählte Beiträge der „Ortszeit“ gibt es montags bis freitags zwischen 9 und 23 Uhr, samstags zwischen 9 und 17 Uhr sowie sonntags zwischen 13 und 23 Uhr zum Herunterladen[.]

Außerhalb der genannten Zeiten hat die Downloadabteilung, die die Daten auf den Rechner der Besucher schiebt, Feierabend. :irre:

In den NachrichtenNerdkrams
Medienkritik LXXXVIII: N24 fühlt sich beobachtet

Es ist neu, es ist böse:

Am Dienstag kann man in den USA erstmals Google Glass kaufen. Was erwartet die Technik-Freaks: Ist es Spielzeug oder nützliches Gerät? Wir verraten, was man über die Datenbrille wissen muss.

Technik-Freaks wissen’s, dem Rest erklärt’s N24 (Motto unten auf der Website: „aktueller Qualitätsjournalismus rund um die Uhr“), bekannt für seine Panzerberichterstattung im hauseigenen Fernsehsender. Das ist sehr nett, sicherlich macht sich die jahrelange Erfahrung in „Journalismus“ irgendwie bemerkbar.

Oder doch nicht?

Mit Google Glass ist es nun möglich, ohne zusätzliche Geräte und lediglich durch Sprachsteuerung in sekundenbruchteilen (sic!) Filme und Fotos zu produzieren.

„Ohne zusätzliche Geräte“ außer der Google-Brille mit Sprachsteuerung; was ein Fortschritt gegenüber dem bisherigen Zustand ist, als man Fotos noch umständlich „ohne zusätzliche Geräte“ (außer dem Smartphone mit Sprachsteuerung) machen musste.

N24 interessiert an Google Glass jedenfalls zu Beginn beinahe nur die Foto- und Videofunktion. Die sei zwar irre innovativ, aber gefährlich:

Durch Wi-Fi und über UMTS/LTE können die gemachten Aufnahmen auch sofort ins Internet gestellt und mit den Freunden geteilt werden. Gerade diese Funktion lässt Datenschützer hellhörig werden. Es besteht die Gefahr, dass Menschen ohne Zustimmung und Wissen fotografiert oder gefilmt werden. Ob die Kamera von Google Glass aktiv ist, ist für Außenstehende kaum ersichtlich.

So ist’s halt mit „Smartphones“ auch; wenn draußen die Jugend herumsteht und sich einander die neuesten Katzenvideos und/oder Sexchats zeigt, weiß ich als Passant nicht, ob nicht einige der vermeintlich nur Zeigenden stattdessen ihre Umgebung filmen und/oder fotografieren. Aber so ein „Smartphone“ hält man in der Hand und trägt es nicht auf der Nase, weshalb es über den Verdacht, mittels seiner Kamera und/oder seines Mikrofons als „Wanze“ benutzt zu werden, natürlich erhaben ist. Würde ja niemand tun.

Zudem ist es weiterhin fraglich, was Google mit den gespeicherten Daten unternimmt. Sollte sich Google Glass wirklich so verbreiten, wie sich das Unternehmen es erwünscht, wird Google Zugriff auf Millionen von Informationen erhalten.

Weiter unten im Artikel schreibt der Autor, Google Glass biete derzeit „kaum Vorteile gegenüber einem Smart-Phone“ (sic!), aber Nachteile scheint es auch kaum zu geben. Android-Smartphones sammeln ja auch „Millionen von Informationen“ (wenngleich mich ja schon interessieren würde, in welcher Einheit das gemessen wird; sei’s drum).

Vielleicht ist das auch beim Verfassen des Artikels aufgefallen, so dass man Gefahr lief, nicht überzeugend genug vor dem Teufelszeug zu warnen. Na, ein Argument zieht immer:

Probleme solle es bereits mit illegalen Aufnahmen von Kinofilmen gegeben haben. Für Kinobetreiber ist es nicht mehr zu erkennen, ob Raubkopien erstellt werden.

Google Glass ist nur gut für Raubkopien, weil man damit Dinge filmen kann! Verbieten!

Wenn der Autor hier nur etwas konsequenter gewesen, hätte er den Gedanken weitergesponnen: Wer mit „aktivem“ Google Glass sein Kind badet, fertigt damit außerdem Kinderpornografie an – und wer weiß, was Google dann damit macht!!1!elf

Zum Glück gibt es wackere Ritter, die etwas dagegen unternehmen:

Dagegen besteht bereits eine große Gegenbewegung, die befürchtet, dass ihre Privatsphäre gefährdet sei.

Und N24 mittendrin.

In den NachrichtenNerdkramsPolitik
Medienkritik in Kürze: Alles Nazis außer Mutti!

Endlich erklärt uns mal jemand, warum die AfD eine rechtspopulistische Neonazipartei ist:

Es sei “Kern rechtspopulistischer Agitation”, die unterdrückten Bedürfnisse der einfachen Menschen anzusprechen, sagt der Berliner Politikwissenschaftler Hajo Funke auf “tagesschau.de”.

Und ein ernst zu nehmendes Presseerzeugnis wie die „Huffington Post“ fragt natürlich auch nicht nach, wenn ein Experte was erzählt; dass nämlich ein Einsatz für die einfachen Menschen, deren Bedürfnisse im Wirtschaftsliberalismus kaum Gehör finden, schon nahe an der Grenze zur Volksverhetzung entlangschramme.

Die Piratenpartei fordert ein reformiertes Urheberrecht? Rechtspopulistische Agitation! Die Linke fordert Reichensteuer und bezahlbare Wohnungen? Rechtspopulistische Agitation! Von den Nazi-Steuersenkungen (F.D.P.) und den erneuerbaren Nazi-Energien (Die Grünen) reden wir lieber gar nicht erst. Frei vom Verdacht, rechtspopulistische Agitation zu betreiben, ist vermutlich allein eine Partei, die die „Bedürfnisse der einfachen Menschen“ gar nicht weiter zur Kenntnis nimmt.

Wenn es so eine Partei doch nur gäbe! Das wäre ein Traum, nicht wahr?


Ach, falls ihr euch noch immer nicht sicher seid, ob euch der Heartbleed-Fehler, der ein Auslesen eurer Passwörter im Klartext – mit OpenBSD wär’s nicht passiert – ermöglicht, betrifft, und „ja“ euch nicht eindeutig genug ist: Hier könnt ihr das überprüfen.