Archiv für die Kategorie ‘Computer’.

Alles, was eher die computeraffine Klientel interessieren könnte, wird hier abgelegt.

Spaß mit Spam
Kurzspam: „This is not spam!“

Unter dem Betreff „Sporting shirts“ erreichte mich heute eine Mail, deren Absender mir sicherlich lediglich Informationen zukommen lassen wollte; Informationen, deren schiere Wichtigkeit eine Übermittlung in Textform natürlich von vornherein lächerlich erschienen ließ:

This is not spam

This message is not SPAM. The content is informative.

Fühlt ihr euch auch so gut informiert wie ich?

Mir wird geschlechtNetzfundstücke
Studierx der Gallier

Verfechtern des „Gendersternchens“, also der Wortbildung aus Wortstamm + Asterisk + weiblicher Wortendung zur Darstellung mehrerer Geschlechter in einem Wort, hatte ich bislang meist, wenig beeindruckt von der Feminisierung (entscheidend sind im Deutschen nun mal die Endungen), vorgeschlagen, mich erst wieder zu behelligen, wenn sie ein „generisches Neutrum“ etablieren konnten, also eine Wortform, die beschreibt, dass zur angesprochenen Gruppe theoretisch Angehörige jedweden biologischen oder sonstigen Geschlechts gehören könnten, durchaus angetrieben von der Hoffnung, dass sich das nicht so bald ereignen möge.

Das war ganz offensichtlich – jetzt, da die renommierte Humboldt-Universität zu Berlin dieses Ereignis eintreten ließ – eine bescheuerte Idee (lokale Kopie hier):

Es handelt sich bei der Vorlesung um eine der ersten, die angehende Erziehungswissen_schaftlxs besuchen, die also Weichen für xs Studium stellt_setzt_legt und xs Ansichten mitprägt.

(Ausführliche Anal_ysen für schmerzfreie Leser gibt’s hier und anderswo.)

Ich* fü_hle mich* ja bereits dadurch dis_krimi_niert, dass dixs Auto_rxse mir* gegen_über einx Sprachx pfleg_en, dix ich* nicht mehr ver_stehe_sitze_lege.

(Andererseits tät‘ mich eine Audioversion inklusive der Sprechpause in „Wörtern“ wie i_hre schon interessieren. Wer schafft’s, ohne in Unernst zu verfallen?)

Erst in dem Augenblick, als ein allgemeiner Aufschrei oder Aufkreisch der gequälten Menschennatur in jeglicher Kehle emporstieg, nahm er kaltblütig laut, kräftig und amtsmäßig das Wort[.]
Wilhelm Raabe: Christoph Pechlin


Nachtrag, da wir gerade bei Sprache waren: Die Deutsche Bahn wurde zum Sprachwahrer des Jahres 2013 gekürt. Warum? Darum:

Um unsere Mitarbeiter dabei zu unterstützen, haben wir ihnen in unserem firmeneigenen Intranet ein Glossar zum Thema „Anglizismen“ an die Hand gegeben, mit dem sie ihren alltäglichen Sprachgebrauch kritisch unter die Lupe nehmen können, um eine inflationäre Verwendung englischer und scheinenglischer Begriffe zu bremsen. Das Glossar enthält rund 2.200 verbreitete Begriffe mit den jeweiligen deutschen Entsprechungen. (…) „Hotlines“ wurden im Zuge dieses Prozesses zu Service-Nummern.

Nun ja; immerhin nicht „Service Nummern“. :roll:

NetzfundstückeSonstiges
*küsst sich*

Das Internet ist außer sich vor Freude:

Die Künstlerin Tatia Pllieva bat 20 einander völlig unbekannte Menschen, sich vor der Kamera zu küssen. Das Video davon wurde zu einem viralen Hit.

Selbst das fast vergessene Twitterkonto @SchriftTube, dessen Betreiber bekannte YouTube-Videos in maximal 140 Zeichen nacherzählt, wurde reaktiviert und beschrieb es ähnlich, ebenso unzählige sonstige Twitter-Spaßvögel wie @nutellagangbang.

Und in der Sprache der Jugend mag’s tatsächlich um ein Video gehen, in dem sich jemand küsst: „Habt ihr euch geküsst? Iiiihh, die haben sich geküsst!“ Ein Paar (nicht notwendigerweise miteinander liiert) küsst sich, wie es sich sonst streitet, liebt, prügelt, trennt und verklagt; nämlich normalerweise gar nicht. (Es existiert tatsächlich mindestens ein auch als Film erfolgreicher Roman über eine Person, die sich schlägt, aber darüber darf ich nicht reden.) Eine spannende Ausnahme ist jedenfalls „fickt euch!“, denn das meint fast immer die Gesamtheit von Einzelpersonen.

Auch in dem Video küsst sich niemand – Menschen küssen dort einander, wie sie sonst eben auch einander lieben und verklagen, wenn sie sich nicht gerade in so einer Phase befinden. (Genau so falsch machen’s immerhin auch sprachgewandte Liedtexter wie Die Ärzte, die „halten Händchen, küssen sich“ im Lied „Regierung“ als üblichen Umgang von Pärchen miteinander beschrieben; ganz anders dagegen Rammstein in „Herzeleid“: „Bewahrt einander vor der Zweisamkeit“.)

Ich bin allerdings schon etwas enttäuscht. Knutschende Paare langweilen mich – zwanzig Personen, die sich küssen, hätte ich allerdings durchaus gern gesehen.

NetzfundstückeWie die Anderen
Wie die Anderen (3): SEAT jetzt auch mit Rausguckfunktion

(Vorbemerkung: Dies ist der dritte Teil meiner losen Reihe „Wie die Anderen“, diesmal erneut inspiriert von Fefe.)

Old and busted: Wetter-Apps auf Smartphones.

New hotness: Windschutzscheiben.

Mit dem SEAT Portable System und der Wetter Live Funktion im SEAT Ibiza ITECH habt ihr stets das aktuelle Wetter im Blick.

Einmal mit Profis!

Mir wird geschlechtNetzfundstücke
Warnung: Erschreckend echte Darstellung von Alltag!

[TW: Fassungs- und Verständnislosigkeit, Rationalität, Polemik.]

Ich begebe mich gelegentlich auf feministisches Terrain, weil zu den Feministen auch einige kluge Köpfe zählen, die sich durch eine hervorragende Weltsicht und ihre Offenheit in sachbezogenen Diskussionen wohltuend von den anderen Feministen abheben. Manchmal lese ich auf diesem Terrain Tweets, in denen „TW“ vorkommt. Das hat mich zunächst ein wenig irritiert, denn einen Themenwechsel gibt es auf Twitter normalerweise eher selten (schon deshalb, weil es selten um Themen geht). Ich habe das mal nachgeschlagen.

Laut Blog der „Mädchenmannschaft“ (Vorsicht: Blog der „Mädchenmannschaft“) steht das „TW“ für eine „Triggerwarnung“, also eine Warnung davor, dass verlinkte Texte womöglich früher erlittene Pein wieder ins Gedächtnis rufen könnten.

Stellt euch zum Beispiel vor, ihr geht mit ’nem schönen Krimi aufs Klo und denkt an nichts Böses.

Und dann blättert ihr die Seite um und da erwischt es euch plötzlich eiskalt; irgendein Trigger, der euch sofort wieder ins Hier und Jetzt zurückholt. Vorbei ist es mit der Entspannung, vorbei mit der Auszeit, und euch beschleicht einmal mehr das Gefühl: Rape Culture (Vergewaltigungskultur) ist überall.

Ich finde ja auch, Krimis sollte man verbieten und durch irgendwas Harmloses (mit Luftballons) ersetzen. Sie sind voller unnötiger Gewaltdarstellungen!

Man verstehe mich nicht falsch: Dass Vergewaltigungsopfer ungern detaillierte Beschreibungen von Vergewaltigungen lesen, ist mir durchaus nicht unbekannt. Dieser gut gemeinte Ansatz lässt sich allerdings offenkundig hervorragend übertreiben, und der „Mädchenmannschaft“ fiel bei ihrer vorangestellten „Triggerwarnung: Beschreibung von Triggern“ wohl nicht auf, wo das Problem liegen könnte. Der real existierende Feminismus bringt Menschen hervor, die Texte über Vergewaltigung, Trigger, Essstörungen, Ablenkung und dergleichen schon beinahe reflexartig nur noch mit vorangestellter Warnung publizieren, vermutlich insgeheim bedauernd, dass das mit den Stoppschildern für’s Internet nicht geklappt hat, denn dann könnte man das Triggerproblem direkt an der Wurzel lösen. Überall nur noch böse Menschen. Schlimm, schlimm.

Auch vor wirklich schlimmen Dingen wie der Beschreibung von Fehlgeburten wird gewarnt:

Danke fürs Teilen! <3 (Achtung: Lebensrealität)

Da schreibt eine Frau einen (zweifelsfrei lesenswerten, aber auch recht detaillierten) Text über ihre Fehlgeburt und schreibt das sogar extra dran, um Sensibelchen, die mit zu detaillierter Darstellung von Fehlgeburten ein Toleranzproblem haben, davor zu bewahren, versehentlich etwas darüber zu lesen, und dann fällt jemandem auf, dass da noch eine ganz wichtige Warnung fehlt. „Achtung: Lebensrealität“. Kann Spuren von Realität enthalten. Der Umkehrschluss? Ausdrücklich nicht gewarnt werden muss vor flauschigen Katzen und Ponys. (Außer, wenn man als kleines Kind mal von einem Pony runtergefallen ist, dann ist „TW: Huftiere“ natürlich Pflicht, wenn man nicht als respektloser Macker – oder wie auch immer gerade das aktuelle Flauschiwatti-Szeneschimpfwort für normale Leute lautet – erscheinen möchte.)

Sofern hier jemand mitliest, der sich auskennt: Hä?


Auch ’n fieser Trigger natürlich: Unerwünschte Nacktheit.

In den NachrichtenNerdkrams
Großkapitalist Mozilla?

Vor dem Hintergrund, dass Mozilla kontinuierlich an einem freien Web zu arbeiten behauptet, klingt diese Meldung vermutlich etwas wunderlich:

Mozilla zeigt beim Öffnen eines neuen leeren Tabs standardmäßig eine Seite mit Vorschaubildern der am meisten genutzten Seiten an. (…) Mozilla plant, diese Seite mit teilweise gesponserten Kacheln vorzubelegen.

Skandal! Mozilla – ein gewinnorientiertes Unternehmen, das viel Geld in die Entwickung eines kostenlosen Browsers steckt – würde gern auch welches verdienen. Auf Kosten der ehrlichen nicht zahlenden Kunden! Die erste Panikreaktion in den einschlägigen Foren: „Firefox fliegt runter! Ich installiere jetzt Chrome!“

Google Chrome ist übrigens ein unfreier Browser, dessen Entwicklung ebenfalls Geld kostet. Nun könnte man argumentieren, dass Google nicht unbedingt zu den Unternehmen gehört, denen man knappe finanzielle Mittel unterstellen sollte; aber wo kommt das Geld her?

Chrome enthält zum Beispiel die RLZ-Bibliothek. Diese Bibliothek erlaubt es, den Erfolg von Vermarktungskampagnen (etwa eine Partnerschaft mit Internetportalen, von denen man einen „angepassten“ Chrome herunterladen kann) zu messen. Chrome dient also als Vermarktungsvehikel für Googles eigene Dienste, die ihnen jede Menge Werbeeinnahmen bescheren; zu Lasten des Benutzers, versteht sich. Dass die Entwicklerschar von Google Chrome – anders als Mozilla – auf Wahlfreiheit seitens der Benutzer keinen Wert legt, ist allerdings nichts Neues.

Mozilla ist aber – anders als Google – nicht im Besitz mehrerer Werbefirmen, sie müssen also anders an Geld kommen. Die Partnerschaft mit Google (die Google-Suche ist nicht unbedingt aus Qualitätsgründen Teil von Firefox) hat von Anfang an nur die wenigsten Nutzer gestört, Funktionen wie das Social API, das Portale wie Facebook auf ausdrücklichen Wunsch des Benutzers direkt in den Browser integrieren kann, bringen Mozilla trotz der werbenden Funktion kein Geld ein.

Würde Mozilla also darauf verzichten, verschiedene Werbeformen auszuprobieren, würde das Schicksal des Erfolgsmodells Thunderbird – dessen Entwicklung ja seit Jahren aus ähnlichen Gründen weitgehend beendet ist; es fehlt schlicht an personellen und finanziellen Ressourcen – wohl bald auch Firefox und davon abgeleitete Browser wie SeaMonkey ereilen.

Bestehende Firefoxprofile rührt die geplante Änderung übrigens sowieso nicht an; zumal Firefox als freier Browser gewisse Konfigurationsmöglichkeiten offen lässt: Wer vor jeglichen gesponserten Kacheln auf der Neuer-Tab-Seite, auf der sich beim durchschnittlichen Internetnutzer oft Seiten wie Facebook, Twitter und Google – allesamt natürlich völlig frei von dem Verdacht, irgendwas mit Finanzierung zu tun zu haben – tummeln, auch in Zukunft sicher sein möchte, der schaltet diese Seite eben einfach ab.

Das klingt wohl einfach nicht so schön reißerisch.

In den NachrichtenNetzfundstückeWirtschaft
Gib dem veganen Affen Xucker!

Ach, was haben wir nicht alle über den herrlichen Veganerwitz gelacht: „Ganz schön anstrengend, vegan zu kochen. Es gibt Holz.“

Irgendein Vermarkter hat da wohl die Pointe nicht verstanden und präsentiert uns „Xucker“, Zuckerersatz aus Xylit:

1 kg grobkörniger Xucker (Xylit / Xylitol / Birkenzucker) aus Finnland in einer praktischen Dose. Dieses Xylit wurde aus dem Ursprungsmaterial Holz (FSC) hergestellt. Die Körnung ist etwas gröber als die von Haushaltszucker. Vegan.

„Was? Diese Veganer schütten Birken in ihren Tee?!“ Nein, nein, das ist selbstverständlich ein Missverständnis:

Die Bezeichnung Birkenzucker wird aus werblichen Gründen oft benutzt, ist aber irreführend: Es wird in Finnland entgegen aller Behauptungen weder aus Birkenrinde noch -holz hergestellt, sondern zu 95 % aus Buchenholz.

Birken wären ja auch wirklich lächerlich.


Apropos lächerlich: Die USA (das waren die mit der vorübergehenden Staatspleite neulich) haben auch ein paar Werbefachleute rangelassen. Diese Werbefachleute haben auch gleich Maßnahmen ergriffen:

Als prominentes Beispiel kann hier das US-Außenministerium genannt werden, das insgesamt 630.000 US-Dollar in Facebook-Werbung investiert hat, um mehr „Likes“ zu generieren.

Übersetzt: „Die Amerikaner“ haben 463.644 deutsche Stundenlöhne ein paar Leuten zur Verfügung gestellt, die auf dieses alberne „Gefällt mir“-Symbol klicken, sobald einer von ihnen auf Facebook irgendeine Grütze von sich gegeben hat. Geschäftsmodell Dingeanklicken. Ich wäre ein hervorragender Ökonom. Interessant an diesem Vorgang ist aber vor allem die Frage nach dem Nutzen. Klar: Das in „Gefälltmirs“ investierte Geld wird als Werbekosten deklariert. Was auf diese Art beworben werden soll, weiß ich nicht, vielleicht die US-amerikanische Außenpolitik.

Denn wer sich eine neue Politik kaufen möchte, entscheidet sich immer für die mit den meisten Facebookklicks. :irre:

NetzfundstückePolitik
Klatschvieh, QuakeNet, Überwachung

Lesenswert (1): Stefan Niggemeier hat sich für ein paar Stunden zwischen das Publikum diverser Fernsehsendungen gesetzt und ist etwas irritiert.

René, der Warm-Upper, versucht sein Bestes, das Publikum bei Laune zu halten. Bald werden seine Ansagen in den Umbaupausen zu Durchhalteparolen: Nach Spiel neun, verspricht er, werde Wasser verteilt werden, und keine Sorge: Es sei genug für jeden da. Die ersten Worte der Mitarbeiterin, die endlich mit einem Gebinde von Plastikflaschen die Treppe herunterkommt, als Spiel vier, fünf, sechs, sieben, acht und neun vorbei sind, lauten dann: »Könnt ihr es euch bitte einteilen, wir haben nicht genug für alle.«

Wenigstens werden „leergeklatschte“ (ebd.) Zuschauer gelegentlich unauffällig durch frische, noch über Restwasser verfügende Personen ersetzt; sonst wäre das ja unmenschlich.


Lesenswert (2): Die Betreiber des IRC-Netzes QuakeNet finden die Angriffe auf IRC-Infrastruktur im Auftrag der britischen Regierung nicht zum Lachen.

We urge the British government to initiate an immediate and thorough public investigation into the actions of GCHQ and to assure users, companies and communities who rely on the internet that they are safe from being accidentally targeted by the broad, oppressive and legally grey hammer of agencies under their control.

Da bin ich mal gespannt.


Lesenswert (3): Das US-amerikanische Außenministerium findet, in Russland wird zu viel überwacht.

Besucher der Winterspiele im russischen Sotschi sollen davon ausgehen, dass ihre Kommunikation vom Staat und Kriminellen ausspioniert wird, warnt die US-Regierung.

So viel Einsicht hätte ich ihnen gar nicht zugetraut.

MusikNetzfundstücke
„Danke“, HTC!

Besten „Dank“ für diesen Mehrwert:

Schlankes Design. Bombastischer Sound. Duale Stereo-Frontlautsprecher lassen im Zusammenspiel mit kräftigen Verstärkern alle um Dich herum Deinen Sound hören. Teile Deine Musik, teile Deine Videos, teile Deine Spiele – in der richtigen Lautstärke.

:wallbash:

(Das ist eben der immergleiche Appell an den menschlich-kindlichen Instinkt: Rationalität ist der zu besiegende Gegner derer, die etwas verkaufen wollen; weil man eben mit zwei, drei, vier, fünf und sechs oder zweihundert Klingen Gesichts-, Bein- und sonstwelche Haare noch abber als ab bekommt. Kauf, du Arsch! Mit Höflichkeit, sei’s juveniles Du oder distanziertes Sie, wo doch das Er meist ehrlicher wär‘, verkauft sich ein schlechtes Produkt nicht, es muss schon „witzig“ (Max Goldt, „Was man nicht sagt“) oder wenigstens pfiffig sein. Wenn’s dazu nicht reicht, dann genügt’s jedenfalls zur Statusaufbesserung: „Seht her, mein mobiles Telefon dröhnt meine Lieblingsfunktionsmusik noch aufdringlicher durch den Bus als das eure! Labet euch an seiner Güte!“ Dem letzten französischen König wurde für derartig pompöse Zurschaustellung des Reichtums seiner Vorgänger die „Rübe“ (Holger Roehlig) runtergeschlagen, aber in diese schrecklich engen öffentlichen Verkehrsmittel passt die mobile Taschenguillotine eben auch nicht mehr. Ein Hoch auf die Sparsamkeit und Klammer zu.)

KaufbefehleNetzfundstückePiratenpartei
Sexy, sexy Karpfen (2): Frauen, die auf Särge starren.

Den Welterfolg „Frauen mit erotischen Karpfen“ habt ihr sicher schon alle zu Hause und freut euch über jeden neuen Monat.

Aber ihr wollt sicher nicht immer nur die gleichen Motive im Schlafzimmer hängen haben. Abwechslung gefällig? Nackte Frauen auf erotischen Särgen! Ich bin schon ganz steif.

(Gut, so einen Sarg benutzt man meist nur einmal im Leben, da ist eine ansprechende Präsentation der verschiedenen Angebote natürlich stets willkommen.)


Apropos „will kommen“: Der nordrhein-westfälische Landesverband der Piratenpartei sucht einen Penetrationstester. Gefordert sind mindestens drei Jahre Erfahrung im Bereich Penetrationtesting (die Praxiserfahrung ist nachzuweisen!), freundliches, aber verbindliches Auftreten, Belastbarkeit, Verschwiegenheit und Erfahrung mit Exploit Development.

Diese Ferkel.

(via L.)

In den NachrichtenNerdkrams
Medienkritik LXXXV: Linux als Anachronismus

Man sollte ja meinen, dass der heise-Verlag – die c’t gibt es immerhin seit 1983 – ein paar Fachkräfte beschäftigt, die einen Computer nicht nur aus Werbeprospekten kennen, und in seiner Nachrichtenredaktion deshalb nicht unbedingt den Praktikanten, die sonst Kaffee kochen und den Redaktionsgarten harken, die eigene Open-Source-Sparte anvertraut.

Um so bedrückender ist natürlich diese Meldung:

Unix-System PC-BSD 10.0 bringt moderne Linux-Desktops mit

Ja, PC-BSD 10.0 wurde veröffentlicht, und es ist (anders als Linux) tatsächlich ein Unix-System und tut nicht nur so. Da endet meine Zustimmung zur Überschrift aber auch schon.

Dass die „modernen Linux-Desktops“ – gemeint sind unter anderem Cinnamon und Gnome 3 – Konzepte umsetzen, die es schon viele Jahre vor einem „Linux-Desktop“ gab, ist womöglich nicht zielführende Erbsenzählerei. Die Begriffskombination „moderner Linux-Desktop“ ist trotzdem interessant: Bedeutet das, dass moderne Desktops allesamt Importe aus Linux sind? CDE zum Beispiel (das die ersten Versionen von Xfce inspirierte) war jahrelang Standarddesktop in der Unix-Welt (ist allerdings noch nicht in FreeBSD/PC-BSD enthalten); von einfachen Fensterverwaltern wie twm, dessen erste Version 1987 – vier Jahre vor Linux FREAX 0.0.1 – herauskam, reden wir lieber gar nicht erst. Die meisten Desktops wie Enlightenment und Xfce sind Desktops für „unixoide Systeme“ oder schlicht „für X“, also für das Grafiksystem, das Linux aus der Unixwelt geschenkt bekam.

PC-BSD 10.0 bringt also keine „Linux-Desktops“ mit, sondern weitgehend plattformunabhängige Desktopumgebungen. So weit zur Überschrift.

Aber Thorsten „thl“ Leemhuis hat offensichtlich nicht nur von Linux, sondern auch von BSD keine Ahnung. Im Text folgt nämlich folgender Schenkelklopfer:

PC-BSD ist wie DragonFly BSD ein Ableger von FreeBSD, der wohl populärsten Ausgabe der freien Unix-Systeme, die auf der freien Unix-Version 4.4BSDLite2   beruhen.

Knapp daneben: 4.4BSD-Lite2 wurde als letzte offizielle BSD-Version erst 1995 veröffentlicht, als FreeBSD und NetBSD schon seit etwa zwei Jahren existierten. FreeBSD und NetBSD waren zunächst Fortführungen des wegen Zeitmangels nur langsam weiterentwickelten, jedoch auf 4.3BSD-Net/2 basierenden 386BSD-Projekts; erst 1994, als mit 4.4BSD-Lite die erste vollständig von lizenzpflichtigem AT&T-Quellcode befreite BSD-Version veröffentlicht wurde, änderte sich das.

Richtig ist, dass sowohl DragonFly BSD als auch PC-BSD Ableger von FreeBSD sind. Falsch ist die implizite Gleichsetzung. Während PC-BSD eine um ein paar grafische Spielereien erweiterte Distribution von FreeBSD ist (das Installationsprogramm von PC-BSD 10.0 kann auf Wunsch auch ein „nacktes“ FreeBSD 10.0 installieren), ist DragonFly BSD ein völlig neues System, das ursprünglich auf FreeBSD 4.8 basiert und inzwischen allerlei Erweiterungen erhalten hat, so dass man die Ähnlichkeiten (etwa ein ähnliches Portssystem) quasi mit der Lupe suchen muss, wenn man nicht gerade beim heise-Verlag „arbeitet“.

KDE läuft übrigens auch unter Windows.

(via Elias)

In den NachrichtenNerdkramsPolitik
Lecker grüne Schweine

Auf Datenschutz bedachte Androidnutzer haben es dieser Tage ja wirklich nicht leicht. Erst versagte „Blackphone“ beim Versuch, Android auf eine vertrauenswürdigere Basis zu stellen, und jetzt das:

Spiele, Karten-Apps und soziale Netzwerke: Die Geheimdienste NSA und GCHQ spähen über Smartphone-Apps die Daten der Nutzer aus. Über Anwendungen wie „Angry Birds“ sammeln sie Alter und Aufenthaltsort der Spieler – und sexuelle Präferenzen.

Dass viele aktuelle Androidversionen – gerade auch solche, die nicht von den Smartphoneherstellern selbst stammen – mit dem Privacy Guard eine Möglichkeit bereitstellen, jedenfalls die Standorterfassung zu unterbinden, ist womöglich erwähnenswert. Ich kann dem von „SPIEGEL ONLINE“ geflochtenen Kontext aber nicht ganz folgen:

„Angry Birds“ zu hacken ist ein logischer Schritt. Wer mit schwarzen explosiven Vögeln in Bombenform übt, sprengt später vielleicht ganze Kleinstädte in die Luft. Interessant ist allerdings die Frage, inwiefern Anwendungen wie „Angry Birds“ Auskunft über die sexuellen Präferenzen erteilen.

Andererseits will ich das wahrscheinlich auch gar nicht so genau wissen.


In weiteren Nachrichten: Der Versuch der „Grünen“, das basisdemokratische Konzept der Piratenpartei zu kopieren, dürfte als gescheitert betrachtet werden.

FotografieNetzfundstücke
Heda, De Beukelaer, olle Kexfabrik!

Ich bin ja wirklich fasziniert von der sprachlichen Gewitztheit, mithilfe derer ihr eure Produkte (zum Beispiel „Kex“) benennt, aber das Geld, das ihr Leuten zur Verfügung stellt, die sich blöde Markennamen ausdenken, fehlt halt jetzt euren Grafikern.

Kex

Ein Pluspunkt zwar für die für eure Stammkundschaft sicherlich ungemein hilfreiche Bedienungsanleitung, aber dass da unten rechts nicht „Scheiß-Butterkeks“ steht, glaube ich euch beileibe nicht.

(Bild via @frank_eckert)


Ihr wollt das mit der „Stammkundschaft“ genauer erklärt haben? Nun, ich meide ja Fernsehsendungen (und Räume), in denen Markus Lanz und/oder Sahra Wagenknecht auftritt, prinzipiell, aber laut Internet trafen beide unlängst im Fernsehen aufeinander.

Weil die Leute, die vom vielen Fernsehen schon so doof geworden sind, dass sie den Ausknopf nicht mehr finden, das Dargebotene nicht ertragen wollten, fordern sie jetzt in einer Petition – der deutschesten aller Revolutionsformen – die Absetzung Herrn Lanz‘. Die Petition hat momentan über 130.000 „Unterstützer“. Zum Vergleich: Die medial diskutierte Petition gegen die Vorratsdatenspeicherung kommt auf nicht einmal 32.500 von ihnen.

Tja.

Und so zerbröselt der Keks nun mal.
Bruce Nolan, c/o „Bruce Allmächtig“

In den NachrichtenNetzfundstücke
„U can’t touch this!“

Puh, hm, tja:

Gay sex is not a crime in Russia, so gay people can “feel calm, at ease, but leave children in peace, please,” Putin said at a meeting with Olympic volunteers in the mountain village of Krasnaya Polyana, the base outside Sochi for Olympic snow sports.

Im Gegensatz zu lästigen Demonstranten haben Schwule also anlässlich der kommenden Olympischen Winterspiele im russischen Sotschi nichts zu befürchten, so lange sie nur die Kinder nicht sexuell behelligen. Dass exklusiv Schwule darauf hingewiesen werden, ist befremdlich; russische Homosexuelle scheinen entweder überdurchschnittlich häufig pädophil zu sein oder Präsident Putin – das ist die wahrscheinlichere Vermutung – kennt sich mit dem Unterschied zwischen Homosexualität und Pädophilie nicht aus.

Nein, nein, von kleinen Kindern hat man die Finger zu lassen, wenn man schwul ist.

Ansonsten halt nicht.

Don't putin

Bei Zuwiderhandlung droht Präsidentenamt nicht unter drei Jahren.

(via @AliCologne)


Übrigens: Das mit den Demonstrationen für Netzneutralität war ja bisher nur bedingt erfolgreich. The Joy of Tech zeigt, wie’s richtig geht.

In den NachrichtenNerdkrams
Blackoutphone / Schweizer Datenschutzlügen

Wegen der NSA sind die Leute erfreulich vorsichtig geworden, was ihre Privatsphäre im Netz betrifft; sie verschlüsseln ihre Mails häufiger, gehen mit Facebook und dergleichen etwas weniger naiv um und wissen um die Gefahren von Google, so fassen’s die Medien derzeit gelegentlich zusammen. Sie – die Leute – installieren dutzendweise „Tracking“- und JavaScript-Bekämpfungsmittel wie NoScript und Ghostery in ihren Browsern, was allgemein eine gute Idee ist (siehe auch hier, hier und hier).

Und es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht neue Sicherheitslösungen „gegen Überwachung“ angekündigt werden, sei’s software-, sei’s hardwareseitig.

Seit gestern etwa wird allenthalben das „Blackphone“, ein mit dem ominösen Android-Fork „PrivatOS“ versehenes „sicheres Smartphone“, angepriesen:

Blackphone will nun mit dem gleichnamigen Smartphone einen Weg aus der Misere bieten. So soll die gesamte Kommunikation – also Telefonate, Chats und sonstige Nachrichten – verschlüsselt ablaufen.

Mit Phil Zimmermann hat man sich schon einen Kryptografieexperten ins Boot geholt, die Herstellerfirma selbst sitzt in der Schweiz. Das klingt nach einem interessanten Produkt, vielleicht ist also ein Blick auf die Website von Blackphone lohnenswert.

Das geht aber nur, wenn man JavaScript aktiviert:

Blackphone.ch

Mein Vertrauen erweckt das nicht. Aber gut, vielleicht ist das nur ein Ausrutscher. Die meinen das mit dem Datenschutz nämlich ernst:

Our business is to make and sell privacy-oriented smartphones. We take this very seriously. (…) The emphasis on privacy and security is what we do best.

Und nicht zu vergessen:

Your privacy is dependent on the proper handling of your personal information. We will never sell this data or give access to unauthorized third parties.

Vollmundige Versprechen also: „Ihre Daten gehören Ihnen allein! Kein Dritter soll sie haben!“

Schauen wir mal in den Quellcode der Website:

Gut, jQuery wird also schon mal nicht von Google eingebunden. Außer, wenn das Laden fehlschlägt, dann nämlich schon:

Das dürfte aber zumindest in den seltensten Fällen der Fall sein. Sonst noch was von Google im Quellcode? Entwarnung: Nö. Dafür aber dieses Bonbon am Fuß der Seite:

Dies, meine Damen, Herren und Sonstigen, ist eine so genannte Trackingwanze, ein kleines JavaScript-Skript, das eure Daten an einen Fremdanbieter schickt, um zu gucken, wer ihr seid und was ihr gerade macht. VisiStat ist ein kalifornisches Unternehmen, das ganz besondere Dienste anbietet:

(…) Unternehmen wie Relead, VisiStat und FullContact bieten nach eigenen Angaben die Identifikation von Seitenbesuchern mittels Social Networks und Geodaten an.

Das kann man sich im Hause Blackphone doch nicht entgehen lassen!

Ihre Privatsphäre ist abhängig von der sauberen Verwertung Ihrer privaten Informationen. Wer diese Verwertung übernimmt, ist ja vollkommen unerheblich.

Mein Interesse daran, mich mit dem „Blackphone“ selbst zu beschäftigen, hält sich doch gerade sehr in Grenzen.