Archiv für November 2016

In den NachrichtenPolitik
Kein Tag zum Feiern.

Heute sei, jubelte man auf Twitter, „ein Tag zum Feiern“, denn der deutsche Bundestag hat heute mit den Stimmen der Grünen Volker Becks „Lebenswerk“ – nein, nicht das mit den nackten Kindern oder das mit den Drogen, sondern das mit dem Nerven von Menschen und der Öffnung einer antiquierten Lebensweise für mehr Paare als bisher – beschlossen.

Während also allerorten die Proseccokorken unter lautem „Stößchen!“ knallten, wandte man sich in der „großen Koalition“, deren allgemeines Gewissen bekanntlich nur für eine einzige Abstimmung gefragt war, einem Thema zu, von dem die Abgeordneten gemeinhin noch weniger Ahnung haben als von modernen Beziehungsentwürfen, nämlich dem Internet: Irgendwo zwischen den unzähligen überschwänglichen Begeisterungsstürmen über die Ehereform inklusive eines Regenbogen-Os im Logo von „SPIEGEL ONLINE“ (objektiver Journalismus ist sooo 90er!) ist ein Artikel versteckt, der davon berichtet, dass nebenbei in einem plötzlich fast leeren Plenum – der Großteil der zuvor anwesenden Abgeordneten hatte wohl bereits etwas vor, zum Beispiel heiraten – das wohl verfassungsfeindliche Netzwerkdurchsetzungsgesetz („NetzDG“), eine Art staatlich forcierter Löschinfrastruktur für Privatunternehmen, beschlossen wurde; was immerhin abermals bekräftigt, dass eine Website, die man nicht selbst betreibt, ein denkbar ungeeigneter Ort für politische Äußerungen ist.

Wer es wagt, hinsichtlich des heutigen Tages von einem „guten Tag“ für Bürger- und Menschenrechte zu sprechen, der kann kein guter Mensch sein.

In den Nachrichten
Kurz verlinkt: Real kann nicht, wenn jemand zuguckt.

Die Supermarktkette Real – in Eigenschreibung real,-, obwohl es dort gar nicht so viele Produkte mit einem geraden Europreis gibt – war erst neulich zusammen mit der Deutschen Post in den Nachrichten, indem in einigen ihrer Filialen Kundengesichter analysiert wurden (ich regte mich bereits darüber auf). Nun hat sie – die Supermarktkette, nicht die Deutsche Post – angekündigt, vom Weiterbetrieb der umstrittenen Technik vorerst abzusehen.

Haben sie doch noch ihr Verständnis für die Persönlichkeitsbelange ihrer Kunden wiedergefunden? Nun ja:

Hintergrund dieser Entscheidung ist die in den vergangenen Tagen öffentlich geführte Diskussion, die den Eindruck erweckte, in real,- Märkten (sic! A.d.V.) würden im Kassenbereich ohne Wissen der Kunden Daten erhoben.

Verdammte Diskussionen immer.

In den NachrichtenPolitik
Wie die „Ehe für alle“ nach dem Willen der SPD das Eherecht einschränken soll

Zu meinem Erstaunen hat die SPD kurz vor der Bundestagswahl doch noch bemerkt, dass sie bei Regierungsentscheidungen nicht zur Untätigkeit verurteilt ist, sondern vom Wähler sogar die Möglichkeit eingeräumt bekommen hat, sie aktiv mitzugestalten, und so kümmert sie sich voller Tatendrang endlich um die wirklich wichtigen Probleme des Landes:

SPD will Abstimmung über Ehe für alle noch in dieser Woche

Ja, Mensch, endlich tut mal einer was! Um den unsinnigen Begriff von der „Ehe für alle“, die eben keineswegs „für alle“ ist, soll es heute mal nicht gehen, denn darüber habe ich mich letzte Woche schon ausreichend aufgeregt. Nehmen wir einfach mal an, die „Ehe für alle“ hieße in der politischen und gesellschaftlichen Diskussion stattdessen „Ehe für homo- und heterosexuelle Paare“, und fahren wir zur Abwechslung mal inhaltlich fort.

Die SPD regt an, vor allem § 1353 I 1 BGB zu ändern, wodurch eine „Lösung“ herbeigeführt würde, wie sie behauptet. Die bisherige Formulierung lautet:

Die Ehe wird auf Lebenszeit geschlossen.

So weit, so lustig, denn genau genommen stellt damit jede Scheidung, sofern beide Partner noch am Leben sind, selbst einer völlig gottlosen (und damit wenigstens spaßigen) Ehe einen Gesetzesverstoß dar. Eine Einschränkung ist hier aber nicht zu sehen, denn der Gesetzestext legt weder Anzahl noch Geschlecht der möglichen Ehepartner fest. Das soll sich ändern, schlägt die SPD mit folgendem Ersatzsatz vor:

Die Ehe wird zwischen zwei Personen gleichen oder verschiedenen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen.

Die einzige inhaltliche Änderung, die eine Annahme des Gesetzesvorschlags also zur Folge hätte, wäre es, dass die Ehe gemäß Bundesgesetzbuch auf zwei Menschen beschränkt wird, was mit einer „Öffnung der Ehe“ nichts zu tun hat. Tatsächlich ist das Problem kein gesetzliches, sondern ein gelebtes: Standesbeamte weigern sich ohne gesetzliche Grundlage, zwischen nicht verschiedengeschlechtlichen Paaren (oder gar größeren Gruppen von Menschen) etwas anderes als eine eingetragene Lebenspartnerschaft zu schließen. Ein Gesetz, das schon bisher die gleichgeschlechtliche Ehe erlaubt hat, dahingehend zu ändern, dass es Polygamie explizit ausschließt, ist zwar immerhin eine Änderung, aber keine, die plötzlich einen überraschenden neuen Rahmen schaffen würde.

Vielleicht ist das Konzept der weltlichen Ehe in einer vorgeblich säkulären Zeit auch einfach eines, das nicht geöffnet, sondern ersatzlos abgeschafft werden sollte.

(Übrigens: Bei den Vorbereitungen für diesen Text ist mir an vielen Stellen die Behauptung begegnet, in Deutschland sei die gleichgeschlechtliche Ehe nicht erlaubt. Einen Nachweis für diese Behauptung erbrachte keine der Quellen.)

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Kurz verlinkt: Thüringische Gynaikokratie

Die „Thüringische Landeszeitung“ berichtet:

Rot-Rot-Grün will die paritätische Besetzung von Parlamenten gesetzlich regeln. „Es geht um uns die seit Langem überfällige Gleichberechtigung der Geschlechter in den demokratischen Gremien“, sagte die Linke-Fraktionsvorsitzende, Susanne Hennig-Wellsow.

Genau so habe ich mir eine Demokratie immer vorgestellt.

In den NachrichtenMir wird geschlechtMontagsmusik
Meniscus – Overhang

Selbstbild als...Es ist Montag. Das war keine besonders gute Idee, aber ist jetzt leider auch nicht mehr zu ändern. Wenn mein Leben einmal verfilmt wird, soll der Film bitteschön Montag heißen. Dann geht wenigstens niemand rein. (Auch: Wenn das Wetter eine Stadt wäre, wäre es Berlin.)

Gestern fand ich in der nie enden wollender Liste der eintreffenden Informationen einen Blogeintrag der Filmchenplattform PornHub, dessen Autor in ihm eine Statistik aufbereitete, die besagt, dass gerade Frauen in der ersten Jahreshälfte 2017 auffallend oft nach Pornos mit Fidget-Spinnern (das sind diese albernen Plastikhandkreisel, die gerade wieder einmal eine Renaissance erleben) suchten. Regel 34. Meinen herzlichen Dank dem Informationsgeber, jetzt habe ich vor noch mehr Menschen Angst als bisher. – Apropos Pornografie: Derjenige Teil des illiberalen Netzfeminismus, der einem provokanten Blogger seit Jahren das Leben schwer machte, weil jener sich gegen üble Nachrede zu wehren versuchte, wurde nun anscheinend zu wohltätigen Spenden verdonnert. Die neuen legislativen Bestrebungen zur Verfolgung von „Hassrede“ sind wohl doch nicht die beste Waffe gegen das Patriarchat.

Hübscher Vorschlag zu einem ganz anderen Thema: Die Energieeffizienz von Software deutlich kennzeichnen, damit Entwickler aufhören, schlechte Software zu entwerfen. Ich befürworte diese Idee.

Was ich ebenfalls befürworte: Musik.

Meniscus – Overhang (Music Video)

Guten Morgen.

In den Nachrichten
G20: Demonstranten mit Haltungsschäden

Heute fand in drei Ländern eine Menschenkette gegen Atomkraftwerke statt. Die Frage, was sozial Abgehängte mit ihrer vielen Freizeit so anzufangen wissen, erübrigt sich. Dem Vernehmen nach wurden für die Menschenkette, deren Planer sich sicherlich zuvor tiefgründige Gedanken über den politischen Nutzen des Händchenhaltens gemacht haben, unter anderem auch Flaggen der Piratenpartei missbraucht. Sollten hier Journalisten mitlesen: Als Mitglied der Piratenpartei distanziere ich mich ausdrücklich von jedem Protest gegen unschuldige Kernenergie und befürworte eine Züchtigung jedes Teilnehmers.

Aber darum soll es heute mal nicht gehen, stattdessen um Demonstrationen, die noch in der Zukunft liegen.

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In den NachrichtenPolitik
Eine notwendige, aber angemessen kurze Anmerkung zum #SPDbpt17

Ich habe jetzt einen Punkt erreicht, an dem ich mich von jedem SPD-Wähler durch seine Wahlentscheidung persönlich beleidigt fühle.

In den NachrichtenNetzfundstückePolitik
Liegengebliebenes vom 23. Juni 2017

Moderner Feminismus scheint seine Protagonistinnen so einsam zu machen, dass sie um eine neue Errungenschaft nicht herumkamen: Sie heiraten sich jetzt selbst. :roll:


Geheimdienstüberraschung zum Ersten: Der deutsche Geheimdienst BND hat angeblich auch in den USA spioniert. Das konnte, impliziert man beim „SPIEGEL“, ja wohl niemand ahnen!


Geheimdienstüberraschung zum Zweiten: Es könnte sich zum allgemeinen Erstaunen herausgestellt haben, dass die Bundesregierung bei der Beschreibung der Zusammenarbeit mit der NSA gelogen haben könnte. Zum Glück haben wir einen Ausschuss, der das herausgefunden hat, sonst wäre das sicherlich niemandem auch nur eingefallen!


Für einen festen Monatsbetrag kann man bei Amazon jetzt eine kleine Auswahl an E-Books herunterladen, jubelt Daniel Berger auf „heise online“. Dieses laut Pressedarstellung aufregend neue Konzept sollte sich unbedingt einmal durchsetzen, um diese schmerzliche Marktlücke einer Art Videothek für Bücher zu füllen. Vielleicht sogar mit papiernen Büchern?


Das Schlimmste am neuen SPD-Spionagegesetz? Nein, nicht der Staatstrojaner, der wird aller Voraussicht nach ohnehin erstens abwehrbar (nein, „schab eh Linux“ wird nicht genügen) sein und dürfte zweitens vom BVerfG gekippt werden. Viel schlimmer: Zeugen einer vermuteten Straftat verlieren einen Großteil ihrer Bürgerrechte. Wer wählt so was?


Apropos Verbrecherparteien: Verfassungsfeindlichen Parteien soll künftig die Staatsfinanzierung entzogen werden; dass dieses Gesetz aller Voraussicht nach nur für programmatisch, nicht aber für tatsächlich verfassungsfeindliche Parteien wie die SPD gelten wird, ist beinahe das einzig Traurige daran.

Politik
#fedidwgugl: Der Schlaganfall als politisches Signal.

Aufmerksamkeit erhalten junge, gut vernetzte Erstwähler seit heute von ungewohnter Seite: Die rechtspopulistische CDU springt auf den von Piraten und SPD etablierten politischen Trend des Twitterwahlkampfes auf und hat nun auch einen eigenen, keck augenzwinkernden Hashtag in den einschlägigen „sozialen Medien“. Er lautet #fedidwgugl und beweist damit nicht nur Mut und Geschmack, sondern auch Kreativität – alles Eigenschaften, die in der politischen Landschaft meist schmerzlich vermisst werden.

:ja:

Politik
Kurz notiert zur seltsamen Idee von der „Ehe für alle“

So lange der Volksmund durch zähes Wiederholen der unzulässigen Verkürzung der angestrebten Öffnung der Ehe auch für homosexuelle Paare als „Ehe für alle“ nicht einmal verstehen zu wollen angehalten wird, wieso homo- und heterosexuelle Paare eben noch lange nicht alle sind; so lange Polyamorie in der Diskussion nicht vorkommt und die Politiker zudem davon ausgehen, dass man pünktlich zu seinem achtzehnten (ausnahmsweise: sechzehnten) Geburtstag plötzlich merklich ehefähiger ist als noch am Tag zuvor; so lange den sozialromantischen „Grünen“ als Argument, diese „Ehe für alle“ unbedingt einführen zu wollen, nicht viel mehr einfällt als dass es 2017 ist; so lange abschließend diese Ehe für sehr viele Menschen eigentlich nur wegen der Steuererleichterungen interessanter ist als eine eingetragene Partnerschaft, der wiederum auch nicht der Todeshauch der Kirche anhaftet: so lange darf die Frage nicht lauten, warum nicht heterosexuelle Paare nicht heiraten dürfen, sondern, warum ein vorgeblich fortschrittlicher Staat starr an der Schaffung von Privilegien für Verheiratete festhält, die anderen einander Liebenden nicht zustehen.

Netzfundstücke
Kurz verlinkt: „Danke für unsere Überwachung, hier ist Ihr Gutschein.“

Da kommt einem direkt der Kaffee wieder hoch:

Zum 1. August 2017 startet ein sechsmonatiges Projekt zur Erprobung von intelligenter Videotechnik. (…) Wer am häufigsten durch die markierten Kamerabereiche läuft, hat die Chance, neben einem Einkaufsgutschein im Wert von 25 Euro einen von drei attraktiven Hauptpreisen zu gewinnen.

Zuckerbrot jetzt, Peitsche später.

In den NachrichtenMontagsmusikPersönliches
Porcupine Tree – Arriving Somewhere But Not Here

Montagsstimmung (Symboleule)Es ist Montag, doch die schwere Menschlichkeit des Wochenendes sitzt noch tief unter der Haut. Niveauvoller Unsinn in guter Gesellschaft und völlige Verwirrung durch sonst sicherlich Gewöhnliches; davon zehrt ein Menschenskeptiker für Wochen. Bloß nicht nachlassen und dann aber eben doch wieder an der eigenen Unzulänglichkeit fast ersticken. Hoch zu pokern verleidet einem nur das Schachspiel. Leben, du alte Knackwurst. Denken wir ratlos an Antalya und tun wir unbeeindruckt.

Gute Nachrichten: In Wien wird laut österreichischer Presse das erste Wohnhaus des Landes gebaut, in dem Menschen aller sexuellen Orientierungen gleichzeitig wohnen dürfen. Bis jetzt mussten Schwule in Österreich anscheinend außerhalb von Häusern wohnen.

Derweil auf „SPIEGEL ONLINE“: „Trump-Gegner feiern politische Ideen aus dem 19. Jahrhundert“, schreibt Benjamin Moldenhauer, als sei dies ein geradezu revolutionärer Schritt in einem Staatenbund, dessen Verfassung im 19. Jahrhundert schon alt war und der sich in Teilen auf ein politisches System aus dem vorchristlichen Athen beruft. Anderswo fliegen währenddessen Fußballtrainer raus, weil sie zu erfolgreich sind. Gegner muss man auch mal gewinnen lassen, nämlich. Sonst sind sie traurig.

Did you ever imagine the last thing you’d hear as you’re fading out was a song?

Porcupine Tree – Arriving Somewhere But Not Here (Live)

Guten Morgen.

In den NachrichtenWirtschaft
Hoffnung Dexit.

(Vorbemerkung: Wie üblich habe ich von Wirtschaft keine Ahnung und schreibe daher im Folgenden nur Quatsch.)

Die „Financial Times“ berichtete heute, dass „die EU“ harte Strafen gegen den Technikkonzern Alphabet erwägt, weil dieser es wage, innerhalb der eigenen Angebote die eigenen Produkte zu bevorzugen, was zumindest keine allzu falsche Annahme ist, denn mit Konzepten wie dem bei Nutzern eher unbeliebten AMP und der priorisierten Suche von YouTube-Videos ist die zu Alphabet gehörende Firma Google weit davon entfernt, ein neutraler Dienstleister zu sein.

Nun ist Google keine staatliche Firma, sondern Teil der „freien Wirtschaft“ und somit keineswegs dazu angehalten, seinen Mitbewerbern prominente Werbeplätze einzuräumen. Meines Wissens hat bisher selbst innerhalb der EU niemand Burger King darauf verklagt, künftig auch Produkte von McDonald’s im Sortiment zu führen, und auch Apple weigert sich so standhaft wie erfolgreich, seine Geräte optional mit Android oder Windows auszuliefern. Dagegen sollte die EU wirklich mal was tun!

Dass die EU zur eiligen Marktbereinigung sonst neigt, ist freilich keine Aufsehen erregende Feststellung (Gurkenkrümmung! Gemüsenamen! Glühbirnen! Geld!) und bedarf insofern keiner weiteren Ausführung. Über diese selektive Behinderung freien Warenverkehrs („der Wirtschaft“) hinaus hat die Europäische Union insgesamt politisch ungefähr Folgendes zu bieten:

Ich wage eine Behauptung aufzustellen: Ein Politiker, der sich als liberal und als Menschenfreund versteht, sollte aus genau diesen Gründen und in Erfüllung seiner Verantwortung gegenüber denen, deren Interessen er zu vertreten verpflichtet ist, alles daran setzen, ein baldiges Ende der Europäischen Union herbeizuführen.

Es ist nicht alles schlecht in Großbritannien.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Pontiak – Dialectic of Ignorance

Pontiak – wie die Band, nicht wie das Auto – sind seit Jahren ein Garant für mehr als bloß erträgliche Rockmusik. Auch mit ihrem diesjährigen Studioalbum „Dialectic of Ignorance“ wissen die drei Brüder aus Virginia wieder einmal zu beeindrucken, was insbesondere wenig verwundert, wenn man bedenkt, dass sie mit der Tradition, jährlich neue Aufnahmen zu veröffentlichen, für „Dialectic of Ignorance“ (Bandcamp.com, Amazon.de) gebrochen haben, da sie zwischendrin mit der Pen-Druid-Brauerei ein weiteres Standbein aufgestellt haben. Sollte es – möge dies noch in ferner Zukunft liegen! – mit der Musik einmal nicht mehr klappen, müssen sie zumindest nicht am Hunger- oder immerhin Bierdursttuch nagen.

Was mich indes annagt, ist die Neugier auf die Musik. Hören wir mal rein:

Pontiak – Ignorance Makes Me High (Official Music Video)

Aus den Elementen Stoner, Doom-Metal, Progmetal und Acid Rock rühren Pontiak einen magischen Trank an, der beim Genuss mit seinen monoton-repetitiven Mustern eine hypnotische Wirkung erzielt. Wirbelnde Gitarrensoli und harter Orgelanschlag werden auch und gerade durch ständiges Überschreiten radiokompatibler Liedlängen zu treibenden Kräften in dieser musikalischen Flut.

Ich höre mal Skeleton$, mal maudlin of the Well, mitunter etwas Colour Haze und eine Menge Pink Floyd, belegt mit einem Nebelschleier, immer wieder zerschnitten von einer wütenden Gitarre, stimmungsmäßig auf die Spitze getrieben vom hallenden, irgendwie entrückten Gesang.

Pontiak – Tomorrow Is Forgetting

Das letzte Stück auf „Dialectic of Ignorance“ trägt den Titel „We’ve Fucked This Up“. Fast möchte man ihnen zurufen: Nein, habt ihr nicht!
Gern noch etwas mehr davon.

NerdkramsNetzfundstücke
„SPIEGEL ONLINE“ weiß: Audiodateien haben häufig keine Bildsequenz.

Am Anfang, so steht es geschrieben, war das Netz kalt und grau.

Neben Mailboxen, BBSen, Gopher und dem Usenet etablierten sich allmählich erste noch recht chatlastige Vorläufer des heutigen Webs, darunter CompuServe, das heute zum damaligen Konkurrenten AOL gehört. Die Computer zur damaligen Zeit konnten wie auch die Leitungen nur vergleichsweise wenig zu einem „Multimedia-Erlebnis“, wie das Angucken von Unsinn in heutiger Werbesprache heißt, beitragen, jedes Byte war wertvoll – ein Grundsatz, der heutzutage leider ein wenig in Vergessenheit geraten ist.

Um trotzdem das eigene Netz ein wenig bunter machen zu können, entwarf man bei CompuServe Mitte der 1980-er Jahre das Grafikformat GIF (Graphics Interchange Format, also „Grafikaustauschformat“), das mit der erst 1984 veröffentlichten LZW-Kompression eine damals innovative Möglichkeit bot, auch über behäbige Leitungen recht ansehnliche Bilder zu verteilen; diese, freilich, waren zwar auf 256 Farben beschränkt, was sowohl 1987 (GIF87a) als auch 1989 (GIF89a) eine Verbesserung gegenüber den vorherigen Graustufenbildern darstellte und noch problemlos ausreichte, um auf gängigen Bildschirmen nicht blöd auszusehen, besaßen jedoch Funktionen, die erst fast zehn Jahre später mit dem PNG-Format wieder ähnlich populär werden sollten, nämlich das Festlegen von Farben als „transparent“ sowie insbesondere das Zusammenfügen mehrerer Einzelbilder zu einer Animation; eine GIF-Datei kann praktisch beliebig viele Teilbilder, mindestens aber 0, enthalten.

Obwohl das LZW-Verfahren (und damit GIF) bis ins derzeitige Jahrtausend hinein patentbehaftet war und wohl auch wegen der Dateigröße setzte sich das ansonsten funktionsreichere APNG (animiertes PNG) niemals durch, auch dann noch nicht, als die Leitungen immer schneller und die Computer immer leistungsfähiger wurden. Während die begrenzte Farbenzahl GIF für einfache Grafiken mit der Zeit gegenüber den fortgeschrittenen, mitunter sogar zu kleineren Dateien führenden Formaten JFIF („JPEG“) und PNG an Boden verlieren ließ, blieb es für einfache Animationen doch die erste Wahl, woran selbst das Aufkommen und Abebben von Flash sowie die Entwicklung von HTML5 und Webvideoformaten nicht viel änderte. Das tanzende Kleinkind symbolisiert das junge World Wide Web bis heute recht treffend.

Diese neuen Webvideoformate kamen GIF sogar entgegen: Der beliebte Bilderhoster Imgur bietet mit GIFV ein eigenes „Format“ an, das hochgeladene animierte GIF-Dateien als MPEG-Video darstellt, wobei mitunter tatsächlich Speicherplatz gespart werden kann. Im Jahr 2013 wurde mit Giphy gar eine eigene Datenbank für animierte GIF-Dateien ins Leben gerufen, die in „sozialen Netzwerken“ auch auf Smartphones einen neuen Ansturm auf witzige Animationen (leider nur noch selten das gute alte Baustellen-GIF), inzwischen von störenden Dateigrößenhemmungen befreit, aus.

Wenn man all das nicht verstanden hat, aber trotzdem im Fachmagazin „SPIEGEL ONLINE“ mit halbgarem Technikwissen reüssieren möchte, klingt obige Erklärung stattdessen ungefähr so:

Ein Gif, die Abkürzung steht für Graphics Interchange Format, ist ein meist extrem kurzes Video. Es zeigt in Dauerschleife nur einige wenige Bilder, häufig ohne Ton.

Zumindest der letzte Teil des Satzes ist ziemlich präzise. :-?