
Der Moderne ist der Mensch, der vergisst, was der Mensch vom Menschen weiß.
Nicolás Gómez Dávila

Der Moderne ist der Mensch, der vergisst, was der Mensch vom Menschen weiß.
Nicolás Gómez Dávila
Es ist Montag. Zur Weltklimakonferenz ist eine vierstellige Anzahl an irgendwie Beteiligten mit dem Flugzeug angereist, um dort mitzuteilen, dass das viel zu billig (Archivversion) war. Alles daran ist auf eine interessante Art großartig.
Hausgemachtes Problem der Woche: Gestern aktualisierte ich den „KI“-Botstopper Anubis, der vor meinem Codeserver darauf aufpasst, dass skrupellose Scheißkonzerne wie OpenAI und Google nicht ganz so viel Geld mit meinem Code verdienen, auf eine neue Version und schaltete bei der Gelegenheit eine Konfiguration frei, die ich vor einer Weile geschrieben hatte. Der Codeserver muss ja eigentlich nur Webbrowser (für die Weboberfläche) und Fossil (zum Codebearbeiten) zulassen, alles Übrige ist im Zweifel egal. Blöderweise ist Fossil aber nicht in den vorgefertigten Botlisten drin, so dass mein Versuch, ein Wartungsupdate für meine sehr gute eigene Lesezeichenverwaltung (mittlerweile bin ich selbst ziemlich zufrieden damit, so dass ein bisschen Werbung mir leicht von den Fingern geht) hochzuladen, mit einer Fehlermeldung quittiert wurde. Ist zwar schnell gelöst, war aber trotzdem ärgerlich. Manchmal bin ich mir nicht ganz sicher, ob mein gewählter Ansatz, grundsätzlich das richtige und nicht das beliebteste Programm für ein Problem zu nutzen, nicht mehr Schwierigkeiten macht als nötig. (Neuerdings beschäftige ich mich aus zwei bis drei Gründen wieder mit Gentoo Linux und pflege dort ein CVS-Repository für diejenigen, die meine Bibliothek zum Validieren von E‑Mail-Adressen haben wollen. Das hat direkt dafür gesorgt, dass beim Gentoo-Team die nächtlichen Automatismen Probleme bereitet haben. Weil sie nicht damit gerechnet haben, dass jemand CVS nutzt, bloß weil sie in der Dokumentation geschrieben haben, dass CVS geht. Hoppla!)
(Hihi und apropos: E‑Mail-Adressen, die besonders schwierig über das Telefon mitzuteilen sind.)
Eine Studie hat herausgefunden, dass US-Amerikaner unter 40 inzwischen ein schlechteres Gedächtnis haben als solche über 70. Ich hatte mir eine sehr lustige Pointe dazu überlegt, aber sie leider vergessen. Der Gründer von Telegram und VK ist unterdessen über 40, sieht aber keinen Grund zu feiern (Threadreader), weil selbst im freien Europa das Internet unter ständigem Beschuss von schrecklichen Regierungen (prominentes dort genanntes Beispiel: Deutschland) ist. Es stimmt und das ist ärgerlich.
Von der „FAZ“ gibt es ein „Liveblog Bundespolitik“, erfuhr ich gegen meinen Willen, das aktuelle Worthülsen in beinahe Echtzeit ins unschuldige Internet kloppt, als sei es ein Fußballspiel. Gut: Denk’ ich an Abseits, denk’ ich an die Bundespolitik.
Mailand oder Madrid – Hauptsache, Musik:
(Danke, Nicht-Maschinist.)
Guten Morgen.
Gedanke neulich auf dem Weg nach Greifswald: Ich fahre erstmals aufmerksam durch die Uckermark und verstehe ohne auszusteigen sofort, wieso die Bundeskanzlerin a.D. so ist, wie sie ist.
Für diejenigen, die üble Wörter sammeln, hier (Archivversion) ein neues: „Scharfschützen-Tourismus“.
Stimmt (englischsprachig):
In einer Welt, in der uns die meisten Inhalte algorithmisch zugespielt werden, sei es auf Spotify, YouTube oder TikTok, hat die Musikentdeckung gelitten. (…) Die Generation Z hört vielleicht ein Lied, das sie auf TikTok mag, aber sie recherchiert selten darüber hinaus, um mehr Musik von dem Künstler zu hören.
Anderen Leuten gute Musik zu empfehlen ist auch ein Teil der digitalen Selbstverteidigung. Und das ist wirklich schade.
Es ist also nicht diskriminierend wenn man als Mann schlechtere Chancen hat, sondern anzeigewürdig wenn man ein Gesetz im eigenen Sinne anwendet um auf Grund seines Geschlechtes nicht benachteiligt zu werden.
Woran liegt es eigentlich, dass man für manche Texteditoren unbedingt ein Benutzerkonto irgendwo anlegen soll, obwohl man das selbst für die Synchronisierung von Dateien nicht muss? Niki Tonsky weiß es auch nicht.
„Kartoffel mal anders“ steht auf dem Glas im Supermarkt, aber es sind dann – keineswegs blau oder rautenförmig oder durch Bier ersetzt oder sonstwie „mal anders“ – bloß in Scheiben geschnittene und irgendwie gewürzte Kartoffeln mit normaler Konsistenz und nicht ungewöhnlicher Farbe drin.
Wäre ich Vermarktungsheini, ich verkaufte stattdessen „Kartoffeln wie immer“. „Kartoffeln normal“. „Kartoffeln halt, Digga“. Das wäre interessant und würde vielleicht sogar mich zum Kauf animieren. Die Idee schenke ich euch.
Rhea Seehorn spielt eine schlecht gelaunte Leidensgenossin von Clayton Ridell, diesmal aber in der Spiegelwelt. Karolina Wydra spielt das Telefonsignal.
(Gefällt mir, man sehe es mir als Altersmilde nach, allerdings trotzdem.)
Es ist Montag. Derselbe humanistische Pressedienst, der sich für eine Ungeimpftentriage ausgesprochen hatte, findet es jetzt gut, dass das doch nicht erlaubt ist. Man versprach mir Pressesterben.
(Apropos: Holland-Cycling macht zu, weil die Betreiber keine Lust mehr darauf haben, für Google die Datenkuh zu spielen. Ich respektiere das und bedaure es gleichermaßen. Nicht, dass ich die Zielgruppe der Website wäre, aber das angesprochene Problem ist ja themenübergreifend.)
Großartiger Satz zur Gesamtlage: „die email von amazon fragt mich, wie ‚mein abholerlebnis‘ war“. Aus demselben Loch kroch auch: Einkaufserlebnis. Als müsste immer alles ein event sein. – Der Bundespräsident (SPD) hat unterdessen weniger schöne Sätze gesagt, indem er, selbst für die Unterstützung eines Unrechtsregimes bekannt, abermals Gefahren für die Demokratie von russischer Seite heraufziehen sieht, als wäre das Problem nicht die von innen geschürte Verunsicherung, sondern die Möglichkeit, dass irgendjemand von außen diese Verunsicherung für seine Zwecke nutzen könnte. Dass inzwischen auch in den Regierungsparteien eine gewisse Skepsis, die bedingungslose Westbindung betreffend, einkehrt, ist unterdessen ein gutes Zeichen. Man kann nicht nach „Jahren der Zurückhaltung“ den „Anspruch einer Führungsmacht“ (beides: ausgerechnet Lars Klingbeil von ausgerechnet der SPD, 2022) aufrechterhalten, wenn man sich in der Verzwergung eigentlich ganz gut aufgehoben fühlt. Nicht, dass das zu ändern wiederum eine gute Idee wäre. Eine Führungsmacht Deutschland pflegt mit Leichenbergen zu enden.
Hält lebendig: Musik.
Guten Morgen.
Die Stadt Leipzig habe sich, entnehme ich den Nachrichten, für einen sechsstelligen Betrag ein neues Stadtlogo von einem Kleinkind malen lassen. Da es aber noch viele weitere Städte gibt, die ebenfalls einen Löwen als Wappentier haben und vielleicht auch irgendwann ein neues Logo haben wollen, aber nicht mal eben über eine halbe Million Euro hinter der Heizung finden, verkaufe ich diesen Entwurf schlicht an die meistbietende Stadt:

Angebote bitte an die übliche Adresse.
To compete is not my concern
Burnt out. It leaked out. I learned.
Bundesbank-Präsident Joachim Nagel fordert eine längere Lebensarbeitszeit.
Wie alt muss man dann jetzt eigentlich werden, um der Wirtschaft nicht unbotmäßig Schaden zuzufügen? Warum ist frühes Ableben eigentlich immer noch legal und warum hoffe ich, dass hier doch keiner mitliest, der diese Frage falsch versteht?
Es ist Montag. Ich bin Gabriel Yoran außerordentlich dankbar dafür, dass er mit „Verkrempelung“ ein gutes deutsches Wort für Cory Doctorows Begriff der „Enshittification“ gefunden hat. Ich werde es vielleicht gelegentlich verwenden.
Apropos: „Milliarden von Webbrowsern lassen sich in Sekunden crashen“ denglischt Marc Stöckel für „Golem“, verschweigt im kompletten Text jedoch ebenso wie enttäuschend viele Kommentatoren unter selbigem, dass entgegen der Behauptung, es sei „kein Fix verfügbar“ (ebd.), sehr wohl ein fix verfügbar ist: JavaScript und damit das betroffene API (natürlich schwätzt auch Marc Stöckel was von „der API“, also von einer Interface, ist ja bloß Sprache) abschalten. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass das nicht im Sinne der Macher von „Golem“ ist. Wer JavaScript abschaltet, der blockiert auch Werbung und das will man bei „Golem“, einem „Medium für diejenigen, die die Technik als Erste verstehen und anwenden“ („Golem“ über „Golem“), ja nicht.
Gute Annahme (im Original leider verschollen): Das Theorem der unendlich tippenden Affen meint die Menschheit. Wir sind eine große Zahl an Affen mit Schreibmaschinen, und einer von uns hat bereits Hamlet geschrieben.
Gute Nachrichten: Sogar die Dänen haben keine Lust mehr darauf, irgendjemanden zu zwingen, seine Kommunikation komplett ohne jeden Blickschutz führen zu müssen, wollen aber weiterhin sowohl die allzu frühe Installation von WhatsApp verbieten als auch mehr Menschen von den Vorzügen selbstgehosteter E‑Mail-Server überzeugen, warnt Patrick Breyer. Ich sehe da eigentlich nur Vorteile für uns alle, bin aber auch manchmal ein bisschen bissig und dann unsachlich.
Beißt nicht: Musik.
Guten Morgen.
„katholisch.de“, das „Nachrichtenportal der katholischen Kirche in Deutschland“ („katholisch.de“ über „katholisch.de“), warnt:
Der Weltverband der Exorzisten hat vor Halloween gewarnt und es als konsumorientiertes und irrationales Fest bezeichnet. (…) In Wirklichkeit handele es sich um die Wiederbelebung eines heidnischen religiösen Festes, bei dem magische Rituale mit Tier- und sogar Menschenopfern durchgeführt worden seien. (…) Unter Exorzismus wird die rituelle Vertreibung böser Mächte und Geister aus Personen, Lebewesen oder Gegenständen verstanden. Solche Praktiken gibt es in vielen Kulturen und sollen der ganzheitlichen Reinigung und Heilung dienen.
Vergessene Kulturtechnik: Es noch selber merken.
Gute Nachrichten: Die Slowakei hat eine Lösung für die Autounfälle mit „touchierten“ Fußgängern gefunden. Eigentlich wollte ich mich an dieser Stelle noch etwas ausgiebiger darüber amüsieren, aber dann geriet ich auf Twitter in eine Diskussion, in der jemand behauptete, diese Meldung sei eine Ente. Auf die Frage, wie er darauf komme, entgegnete er:
Muss mich korrigieren. Hatte zunächst über ChatGPT nach einer Quellenangabe gesucht und dabei keine gefunden – was aber dran lag, dass ich versehentlich in Tschechien statt Slowenien gesucht habe.
Ist ja nicht so, dass nicht beides falsch wäre.
Ich möchte nicht immer wie der alte Kulturpessimist wirken, der ich blöderweise bin, und schreibe daher jetzt nichts über von mir frei erfundene Zusammenhänge zwischen der Nutzung von ChatGPT und dem Rückgang der Lese- und Schreibkompetenz der Menschen, daher schreibe ich stattdessen: Mich beruhigt, dass im Jahr 2025 die Menschen Google nicht mehr für eine für das Auffinden von Inhalten im Web geeignete Suchmaschine halten. Mich beunruhigt, dass sie stattdessen ChatGPT…
Ach, was red’ ich? Natürlich gefällt mir das sehr gut. Zwar stellte ich schon vor einigen Jahren fest, dass die Hersteller von Tablets ein Zweiklasseninternet erschaffen haben, indem es eigens Geräte gibt, auf denen man nicht vernünftig arbeiten, sondern nur glotzen kann, womit die Schar der Internetnutzer gespalten ist in die Kreativen (die mit einer richtigen Tastatur) und die Übrigen (die mit Wischbildschirmen), aber selbst die wenigen, die sich noch für beides hielten, werden jetzt gespalten in die, die Gebrauch von ihrer Schulbildung machen, und die, die ChatGPT nutzen.
Dieser ganze Firlefanz macht Profis (Programmierer, Künstler und anscheinend Leute, die mit einer Suchmaschine umgehen können) wohl nicht arbeitslos, vielmehr wird er dafür sorgen, dass menschliche Leistung immer seltener und damit immer wertvoller wird. Gut für den Gehaltsspiegel, behaupte ich.
ChatGPT. Wie kann man… (murmelnd ab)
Neues aus der Wissenschaft: Das ZDF beendet bis auf Weiteres (Archivversion) die Zusammenarbeit mit einem Verstorbenen.
Es ist Montag. Emojivorschlag: Gurke. Hierzu keine weiteren Fragen.
Mehr Neues aus der EDV: Wer nicht für das Produkt bezahlt, der ist selbst das Produkt, aber sonst eher nicht, so weit die Binse. Geht es nach Apple, hat sich das bald erledigt: Man plant dort Reklame in der Karten-app, entnehme ich dem Internet. (Wo muss denn unbedingt mehr Internet rein? Genau: In Matratzen!) Ich werde manchmal gefragt, wieso ich als Nutzer eines iPhones nicht viel von den mitgelieferten Programmen halte und zum Beispiel ausgerechnet OpenStreetMap verwende. Mich freut, dass ich auch für die Antwort auf diese Frage künftig nur noch einen Link verteilen muss.
(Nabelschau: Ich habe am jüngst vergangenen Wochenende aufgrund technischer Notwendigkeiten ein weniger schlimmes Linux auf einem neuen Server installiert. Bin ich damit jetzt eigentlich wieder in irgendeinem Trend?)
Schöne Idee: „Bitte nicht mit dem Busfahrer sprechen“-Schild zum Friseur mitnehmen. Nachteil: Da müsste man Busfahrer sein. Das Kommunikationsbedürfnis der Menschen ist aber in der Tat wieder gestiegen, möchte mir scheinen. Es gibt auch in meinem Umfeld wieder zusehends mehr Menschen, die panische Angst davor zu haben scheinen, mal fünf Minuten lang den Sabbel halten zu müssen. Besonders ärgerlich ist es, wenn man diesen Menschen seine Telefonnummer gibt. Ich las neulich irgendwo, wenn es wichtig sei, dann werde es bestimmt später noch mal versucht, und wenn es dann noch mal versucht werde, ein drittes Mal gar, und dann geht man ran und am anderen Ende ist weder jemand mit einem zeitkritischen Notfall, dessen umgehende Erledigung allein das Schicksal von mindestens drei Planeten zum Positiven ändern kann, noch Natalie Portman, die mich endlich heiraten will (das habe ich jetzt zum Gelesenen dazuerfunden, aber es ist in der Tat eine Ausnahme, die sogar ich machen würde), dann gebe es mindestens ein paar geharnischte Worte dem Anrufer mitzuteilen, wenn nicht Schlimmeres. Ich stimme zu und empfehle weiter.
Die auf immer wieder andere Weise erheiternde Bundes-CDU möchte einem schlechten Stadtbild, aller Statistik zur Zweckfreiheit zum Trotze, mehr Videokameras entgegensetzen. Als wären die kein Problem fürs Stadtbild!
Ist tatsächlich kein Problem fürs Stadtbild: Musik.
Guten Morgen.