Idee für erfolgreiche Internetkonzerne: Exakt das Gegenteil von dem machen, was Reddit macht.
Schenke ich euch.
Idee für erfolgreiche Internetkonzerne: Exakt das Gegenteil von dem machen, was Reddit macht.
Schenke ich euch.
Es ist Montag. Die seltsamste Erscheinung des Wochenendes: Menschen, die sich erhoffen, Empathie möge für den Gegenüber kein Fremdwort sein. Ja, was für ein Wort soll es denn sonst sein? Immerhin kommt’s aus dem Griechischen!
Die zweitseltsame Erscheinung immerhin: Ausnahmsweise ging ich mit Freunden einmal an der städtischen Teenagerdiskothek vorbei. Dort sei „einiges los“, wusste ich vorher; dass indes ein augenscheinlich Bekloppter mit einem Straßenschild um sich schlagen würde, wobei er mich beinahe zufällig getroffen hätte, was wohl noch weitere Konsequenzen hatte, denn keine Stunde später standen dort mehrere Fahrzeuge mit einem lustigen Blinklicht oben drauf, konnte ich allerdings nicht ahnen. Ich werde es in die Liste der Gründe aufnehmen, warum ich es eigentlich ganz in Ordnung finde, auch mal blöde zu Hause zu sitzen und nichts zu machen als Musik zu hören und dabei sanft zu atmen.
Musik zu hören ist allerdings jetzt auch schon wieder nicht korrekt: Zwei von drei Musikgruppen auf größeren Musikfesten seien rein männlich (Archivversion), teilt das ZDF von meinen Gebühren mit. Ich werde trotzdem auch weiterhin großen Abstand von Silbermond und Ariana Grande halten. Das hat nichts damit zu tun, wie ich zu Frauen an sich stehe, die Musik ist jedoch scheiße. Vielleicht sollten einfach mehr Frauen gute Musik machen.
Neulich hat die Firma Apple ein neues System namens visionOS vorgestellt, das auf ihren smarten Brillen installiert werden soll. Ein Witzbold schrieb daraufhin mehrjährige Erfahrung mit visionOS in sein LinkedIn-Profil (LinkedIn ist so was wie Xing). Ein Rekrutierungsdepp war umgehend beeindruckt. Wenn Unternehmen schon medial umtanzt Fachkräfte suchen: wäre es nicht gut, sie fingen diesbezüglich erst mal bei ihrer Personalabteilung an? – Apropos Personalabteilung: Wie geht es eigentlich der wieder in Wahlkämpfe eintretenden Piratenpartei, so ganz ohne mich? Nun, wie immer, weiß das stets hilfreiche Internet. Beständigkeit ist wichtig. Der Wähler schätzt es ja, wenn er weiß, was ihn erwartet.
Früher hatten Uhren keinen Minutenzeiger und die Menschen waren trotzdem pünktlich. Heute, in der Gesellschaft der Sekundenzeiger, muss zur Entschleunigung anderes herhalten. Ich versuche das ja gern mal mit Musik. (Oho, da versteckt dieser Schlingel wieder obskuren Krach in seinen Texten. So ein Schelm.) Geschlecht egal.
Guten Morgen.
Lange nichts mehr über Musik geschrieben.
Eher zufällig sah ich gestern vorzeitige Ohrgasmen anderer Leute, die bereits das heute – Freunde richtiger Tonträger (Amazon.de) müssen sich augenscheinlich noch etwas in Geduld üben – erschienene neue Studioalbum von Sigur Rós – „ÁTTA“ – hören konnten. Das vorherige Studioalbum „Kveikur“, ein erstaunlich zorniges, aber um so erfrischenderes Werk, ist immerhin ungefähr zehn Jahre alt, daher hatte ich nicht damit gerechnet und bin ein bisschen neidisch geworden.
Aber heute ist es ja endlich auch uns normalen Leuten zugänglich.
Auf „ÁTTA“ sind die Isländer immer noch zu dritt: Schlagzeuger Orri Páll Dýrason wurde gelindemannt, Multiinstrumentalist Kjartan Sveinsson hingegen ist wieder dabei. Átta ist Isländisch und heißt Acht (hier also quasi ACHT), das zehnte und damit letzte Stück auf diesem Album heißt „8“, aber ansonsten ist hier alles angenehm durchdacht.
Das eröffnende „Glóð“ zeigt bereits eine Rückkehr zur Vor-„Kveikur“-Zeit, das ganze Stück klingt mit seinen fröhlichen Streichern und dem gewohnt glockenhellen Gesang wie vertontes Sonnenlicht. (Das folgende, getragene „Blóðberg“ hält mit Mondlicht dagegen.) Wer nach dem ersten Hören von „Kveikur“ angenommen hatte, Sigur Rós näherten sich künftig weiter der wilden Rockmusik an, der mag hier wahlweise erleichtert oder enttäuscht sein.
Auf „ÁTTA“ gibt es also exakt das zu hören, was von Sigur Rós eigentlich zu erwarten war: Beschallung für das Kino im Kopf, so routiniert wie grandios dargeboten und ein anschauliches beziehungsweise anhörliches Beispiel dafür, warum Post-Rock eben keine normale Rockmusik ist. Wilde Instrumentalexzesse gibt es hier nicht, selbst das Schlagzeug macht erst im vierten Stück „Klettur“ auf sich aufmerksam. Ausbrüche aus der „glitzernden Gleichheit“ (Chris DeVille) sind auf „ÁTTA“ kaum zu finden, was andererseits ja auch wieder Beständigkeit bedeutet. Beständigkeit ist gut, sonst wird man irgendwann wie Genesis.
Das Titelbild zeigt einen brennenden Regenbogen. Schade um den Topf voll Gold.
Großartige Idee des Tages: Sein Haus vollvernetzen und so Amazon den Schlüssel geben.
Damit nur knapp auf den zweiten Platz verbannt: Seine technische Infrastruktur zu Amazon (AWS) auslagern, weil man glaubt, dann sei man vor Ausfällen geschützt.
Berühmte letzte Worte (neben jenen): „Lassen wir den Roboter ans Steuer!“.
Da ich privat auf Fahrenheit setze, aber faul bin, hatte ich vor einer Weile ein PowerShell-Script geschrieben, das die Umrechnung zwischen Fahrenheit und Celsius auf der Kommandozeile erledigt. Weil ich aber gern selbst eine portable Lösung hätte, die nicht unbedingt die Installation eines ganzen Rattenschwanzes an Abhängigkeiten mit sich zieht, habe ich es inzwischen in einer portablen Sprache neu implementiert: in COBOL.
Es ist Montag. Die Einschläge kommen näher: Die Macher von WordPress haben unlängst ein Plugin verbrochen, das fast automatisch Blogartikel schreibt. Jetzt muss nur noch jemand ein Plugin programmieren, das das digital Erbrochene liest und/oder kommentiert. Liebe Güte, wenn man der Welt so wenig mitzuteilen hat, dann sei an folgendes Gesetz erinnert: Es gibt keine Pflicht zum Betreiben einer eigenen Website. Man lasse es doch dann einfach ganz sein. Ich schreibe ja hier auch nur was, wenn ich weiß, was.
An etwas zu denken ist jedoch nicht mehr zeitgemäß, Dinge werden jetzt nur mehr gedacht. Das ist bedenklich. – Vordenker der Woche ist im Übrigen Markus Söder, dessen Sorge darum, dass das antike Folterwerkzeug „Kreuz“ eventuell irgendwann nicht mehr öffentlich gezeigt werden dürfe („ich finde es gut, wenn es auch in der Öffentlichkeit gezeigt werden darf“, als täte das jemand verbieten!), dermaßen paranoide Züge angenommen zu haben scheint, dass er darum noch viel mehr Kirche im öffentlichen Raum sehen will. Falls noch jemand nicht elend genervt davon war, wenn wieder „so ein Feiertag“ ist. Darf der Papst eigentlich fahrscheinlos den ICE benutzen? Den Bundestag jedenfalls ja.
Was übrigens sonst noch so passiert, wenn man künstlicher Intelligenz den Kontext nicht gibt: In einer Vorabversion von Windows 11 kann man Postleitzahldateien erstellen. Da verzichte ich doch lieber und widme mich stattdessen menschengemachter Kunst.
Guten Morgen.
Anfang 2023:
Twitter stellt die Nutzung seines APIs unter Strafe. Alternativen zu den eigenen Twitterprogrammen werden so verunmöglicht. Alteingesessene Nutzer verlassen reihenweise die Plattform.
Neulich:
Reddit erhöht die Kosten für die Nutzung seines APIs auf bizarre Summen, sein Chef belügt die davon betroffenen Nutzer. Alternativen zu den eigenen Redditprogrammen werden so verunmöglicht. Alteingesessene Nutzer verlassen reihenweise die Plattform.
Jetzt (läuft noch):
YouTube versucht dezentrale Alternativen zu den offiziellen YouTube-Programmen zu verbieten.
Manchmal glaube ich, ich hätte das Zeug dazu, Geschäftsführer eines namhaften Technikkonzerns zu werden. Man muss nur die Nachrichten lesen, die dümmsten Ideen der Konkurrenz sammeln und dann sagen: das brauchen wir auch!
Den Istzustand der Wirtschaft und seine Hintergründe hier abermals zu erläutern wäre langweilig, das haben andere schon mal besser, mal schlechter getan. Im Abreißkalender der Ausreden, warum es den Menschen im reichen Deutschland finanziell zusehends schlechter geht, stand letztes Mal ein Krieg zwischen zwei mit Deutschland nicht verbündeten Staaten. Diese Ausrede gilt bis auf Widerruf.
Steigende Steuern und „Abgaben“ (also Geld, das man zwar – wie bei jedem anderen gelungenen Raub (nach Thomas von Aquin) eben auch – unter Androhung schwerer Strafe zu zahlen verpflichtet ist, das aber nicht „Steuer“ heißt) erschweren uns allen das Halten unseres Lebensstandards, vom einfachen Arbeiter bis hin zu den überbezahlten Verzichtbaren im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Die müssen ja auch von irgendwas leben.
Kai Gniffke, seit fünftausend Jahren in der SPD und nicht ganz so lange ARD-Vorsitzender, möchte als guter Vorgesetzter natürlich die Lebensqualität seiner Mitarbeiter erhöhen und quatscht daher:
Der ARD-Vorsitzende Kai Gniffke hat sich für eine Erhöhung des Rundfunkbeitrags ausgesprochen. (…) Mit Blick auf die Bezahlung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter führte Gniffke unter anderem die Preisentwicklung an.
Mir möchte scheinen, Kai Gniffke ist da einer ganz heißen Sache auf der Spur: Menschen, die immer mehr Geld ausgeben müssen, brauchen auch immer höhere Einnahmen oder weniger Ausgaben. Den Bürgern, denen die Preisentwicklung schwer zu schaffen macht, allerdings mit der Begründung, dass die Preise steigen, die Preise steigen zu lassen wirkt auf mich zumindest undurchdacht. Wäre es, wenn man schon nicht will, dass die eigenen Mitarbeiter zu viel Geld ausgeben müssen, nicht vielmehr zielführend, diejenigen ihrer Ausgaben, auf die man selbst Einfluss hat, zu senken?
Das Geschäftsmodell der ARD würde sich im konsequenten Marktliberalismus kaum zu behaupten wissen.
Es ist ein beruhigendes Gefühl für die Psyche, wenn ein Produkt einen Preis hat, der auf 9 statt auf 0 endet. Völlig folgerichtig kostet Apples neue Taucherbrille – das Internet fragte bereits witzelnd nach einem Apple-Schnorchel – bei Verfügbarkeit 3.499 US-Dollar, in Deutschland absehbar also ein paar Euro mehr.
Es ist keine Rezession, wenn Bono nicht singt.
Es ist Montag. Bitte stören: Die Zufriedenheit mit der Bundesregierung ist auf einem Rekordtief. Weil aber sowieso erst 2025 wieder gewählt wird, ändert das nichts.
In Kevelaer gibt es jetzt einen Parkscheinautomaten mit Gottesdiensttaste. Schöne Idee: Auf St. Pauli könnte es demnächst Parkscheinautomaten mit einer Quickietaste geben, in Berlin einen Parkscheinautomaten mit einer Kotztaste. Spannende (meinerseits ungeklärte) Frage: Gilt die Gottesdiensttaste auch für satanische Messen oder ist nachts das Parken sowieso frei? – In Japan betrachten sie Religion unterdessen als Gefährdung des Kindeswohls. Vorbildlich, zweifellos.
Apropos Gefährdung des Kindeswohls: Till Lindemann macht Musikerdinge und die Presse ist entsetzt, weil sie sich nicht vorzustellen wagte, dass man auch als Prominenz noch bumsen mag. Wäre ich noch geringfügig zynischer und machte das zu meinem Lebensinhalt, käme ich mit den Dingen, die ich tun müsste, um möglichst vielen Menschen gleichzeitig absichtlich unangenehm zu sein, nicht mehr hinterher: Andere Parteien wählen, anderen Saft trinken, andere Bücher lesen, andere hashtags verfolgen, andere Klamotten tragen, andere Musik hören. Vielleicht sollten sie Bratwurst zum Album verkaufen.
Apropos andere Musik.
Guten Morgen.
Die deutsche Frauen-Bundesliga hat einen Sponsorenvertrag mit Google Pixel abgeschlossen und soll jetzt den Namen „Google Pixel Frauen-Bundesliga“ tragen.
Brauchen wir noch:
Ah, 1. Juni. Dort, wo es niemanden stört, beginnt heute der jährliche pride month, also Stolzmonat, in dem Menschen, deren sexuelle Vorlieben auch oder ausschließlich ihresgleichen umfassen, sich sehr darüber freuen; dort jedoch, wo es um die Rechte selbiger nicht so gut bestellt ist, möchte man lieber nicht auffallen. Wann finden eigentlich die Christopher-Street-Day-Paraden in Uganda statt?
„Trinkgeld aus Notwehr“ finde ich gut.
Ganz tolle Idee von Google: Tun wir doch mal so, als wäre fieservirus.zip ein ganz normaler URL.
Man versprach uns fliegende Autos, wir erhielten gehackte Zahnbürsten.
Bezaubernde Neuigkeiten von der besten Europäischen Union, die man für Geld kaufen kann:
In seinen nicht bindenden Schlussanträgen schlägt Generalanwalt (AG) Szpunar vom Gerichtshof der Europäischen Union eine “Neuausrichtung der Rechtsprechung des Gerichtshofs zur Auslegung von Artikel 15 Absatz 1 der Richtlinie 2002/58 in Bezug auf Maßnahmen für das der Quelle einer Verbindung zugeordnete Luxemburg” vor, und zwar in Form einer Rechtsprechung, “die eine generelle und unterschiedslose Vorratsspeicherung von IP-Adressen (…) zum Zwecke der [Bekämpfung] von Online-Straftaten vorsieht, bei denen die IP-Adresse das einzige Ermittlungsmittel ist.”
Von diesen Gestalten Warnungen vor irgendwelchen ostwärtigen „Überwachungsstaaten“ zu erhalten ist – wie im verlinkten Text ausgeführt – bestenfalls eine Beleidigung der Intelligenz der Empfänger. Keine Ahnung, warum immer noch so viele Menschen die Europäische Union immer noch für einen Hort von Freiheit und Demokratie halten. Der Journalist Julian Assange wird seit 1.511 Tagen von ihren Freunden und Verbündeten unter Folter an weiterem Journalismus gehindert. Das macht alles echt keinen Spaß mehr.
(Musik? Musik. Einfach, um einander zu beruhigen.)
Unverändert gilt: Seid Terroristen! Ein sicheres VPN ist Selbstverteidigung. Nur, wer ein wirklich langweiliges Leben hat, hat vermeintlich nichts zu verbergen.
Ein Mann kommt Olaf Scholz gefährlich nahe. Trotz Personenschützern und Polizei gelingt es ihm, den Kanzler auf dem Rollfeld am Flughafen Frankfurt zu umarmen.
Das muss diese Volksnähe sein, von der die SPD immer spricht.
Wie man’s auch nimmt: Ich möchte auch mal ein Amt haben, in dem fremde Menschen, die Körperkontakt mit mir suchen, allein dafür eingesperrt werden. Ich bin gern bereit, mich von der erstbesten Partei als Kanzlerkandidat aufstellen zu lassen. Ich werde auch ganz ohne Elan darauf verzichten, einen dahergelaufenen Wicht nach Berlin einzuladen. Versprochen.