Man kann über die von der CDU sowie Vertretern abrahamitischer Religionen unterstützte lustige Idee, das, was in der Landesverfassung von Schleswig-Holstein noch dringend gefehlt habe, sei ein Gottesbezug (Archivversion), in völliger Opposition natürlich bloß – wenig konstruktiv – atheistisch-säkulare Witze machen, immerhin sind ja selbst in Schleswig-Holstein mittlerweile Hexen- und Judenverfolgung eher verpönt und angeblich darf man sogar die Bibel vielerorts in Zweifel ziehen, aber mich würde ohne allzu viel Ironie doch hinreichend interessieren, wie eine „Formulierung, die niemanden ausgrenzt und so gestaltet ist, dass Menschen in aller Unterschiedlichkeit in sie einstimmen können“ (ebd.), unter Berücksichtigung sowohl poly- als auch atheistischer Überzeugungen wohl aussehen soll, dass ich (zugegeben: ich wohne momentan nicht in Schleswig-Holstein) mich für die im Ergebnis dann wohl doch unabsichtlich brüllend komische Umsetzung – Vorschlag meinerseits auf Grundlage der derzeitigen Präambel: „Der Landtag hat (…) im Bewusstsein der eigenen Geschichte und seiner Verantwortung vor keinem Gott, dem einen Gott oder allen Göttinnen und Göttern (Unzutreffendes bitte streichen) (…) diese Verfassung beschlossen“ – grundsätzlich doch erwärmen könnte.
Wer sich in die „Cloud“ begibt, der kommt darin um (9).
Es hat ja alles auch immer seine witzige Seite; diese Meldung etwa …
Zahlreiche Plattformen haben am Montagvormittag mit Ausfällen zu kämpfen. Zu diesen Diensten gehören der Messenger Signal, der Social-Media-Dienst Snapchat und das mobile Spiel Clash of Clans. (…) Vermutlich ist ein Problem beim Server-Anbieter Amazon Web Services (AWS) für die Ausfälle verantwortlich.
… hat diese witzige Seite:
Hallo ich bin @herrbett und ich kann meine smarte Heizung nicht aus dem Urlaubsmodus holen, weil aws-us-east‑1 kaputt ist. 😭
Zwar wird sich jetzt in denjenigen sozialen Medien, die noch funktionieren, darüber ausgetauscht, dass das mit Matrix oder anderen Alternativen nicht passiert wäre, was nur so lange richtig ist, wie kein Teil der jeweiligen Serverinfrastruktur in der „Cloud“ liegt (und ab einer gewissen Größe wird das zusehends unwahrscheinlicher), aber aus den Ausfällen langfristige persönliche Konsequenzen zu ziehen wird absehbar doch dem vermeintlichen Komfort geopfert werden. Das lief bisher so, das wird sich wohl kaum bessern.
Lieber frieren als selbst am Knopf drehen zu müssen. Diejenigen, deren maßgebliches Einkommen darin besteht, den Menschen möglichst viel digitale Souveränität zu nehmen, indem sie ihnen eine „Cloud“ aufschwatzen, dürften feixen. Der Jahresbonus ist gesichert.
Clive Stevens & Friends – Yesterday, Today & Tomorrow // No Kings, no Mitspracherecht
Es ist Montag. Eine freischwingend gelagerte Masse habe einen Friedenspreis gewonnen, las ich anderswo. Für dieses feine Sezieren von Wortunsinn verlinke ich auch mal in fremde Kommentarecken. In meinem Stadtbild habe ich übrigens selbiges außerordentlich störende Reklametafeln gesehen. Hilfe, Herr Bundeskanzler!
Womit ich auch schon mittendrin wäre in den Nachrichten. Der Deutschlandfunk (Archivversion) informiert, in Brandenburg sei die AfD zweimal nicht Bürgermeisterpartei geworden. Für die Aussage, welche Partei stattdessen jeweils gewonnen hat, muss man mehr lesen als die Überschrift. Ist ja auch nicht so wichtig. Das journalistische Textformat „Was heute nicht passiert ist“ war mir aber immerhin neu und damit irgendwie interessant, aber könnte man es bitte wieder einstellen? Vielen Dank.
In den Vereinigten Staaten, ausweislich sozialer Medien neuerdings auch auf Deutsche (na gut, zumindest Berliner) abfärbend, wird unter dem Motto „Keine Könige“ – „No Kings“ – für mehr Demokratie gegen herrschende Oligarchen demonstriert. Keineswegs damit verbunden ist jedoch die überfällige Diskussion über die etwaige Notwendigkeit oder wenigstens Vorteile der direkten Demokratie (monarchistische Grundstruktur optional), deren fan ich zusehends energischer werde, je länger ich mir angucken muss, was sonst so passiert. Auf keinen Fall aber möchte ich hierfür die Regierung stürzen. Ich halte momentan mehr von sanfter Überzeugung als von radikaler Umwälzung. Eine solche spülte immer nur so unhöfliche Gestalten nach vorn. – Zum gleichen Thema: Gunnar Hinck, beruflich laut Autorenhinweistäfelchen Meinunghaber bei der „taz“, blödelt für ebenjene, Monarchien „abzuschaffen“ (eine wenigstens sprechende Wortwahl) habe nur Nachteile für „alle Seiten“: die „Bevölkerungen“ etwa „könnten ihre Spitze endlich wählen und abwählen“. Ganz schön EU-kommissions- und bundespräsidentenkritisch. Die da oben halten vielleicht Akten geheim und vielleicht auch nicht, mutmaßt die staatsfeindlicher Umtriebe bisher weitgehend unverdächtige Website „Abgeordnetenwatch“. An Informationen gerät man dennoch, man frage einfach einen Satelliten. Die globalisierte Digitalisierung läuft genau so hervorragend wie erwartet.
Und da wir sozusagen gerade beim Thema EDV sind: Da sich Bluesky für niemanden überraschend mittlerweile auch international als „da sollte man nicht sein“ herausgestellt hat, aber einige Menschen trotzdem irgendwo sein „müssen“, lese ich auf Mastodon wieder immer öfter die Idee, man solle doch dort wieder aktiver werden. Für den Fall, dass es auch dort bald zur Implosion kommt (obwohl das wirklich spät wäre), ist mir letzte Woche mit Org Social eine nerdig-nischige Alternative untergekommen: Jeder Account ist eine Textdatei auf einem selbstgewählten Server, der Standardclient (wobei es natürlich auch Alternativen gibt) ist GNU Emacs. Ich behalte das mal im Auge.
Behalte ich stattdessen im Ohr: Musik.
(Da! Er hört schon wieder Jazz statt kaputtem Metalcore! Jetzt ist er endgültig komisch geworden!)
Guten Morgen.
Klaus Doldinger.
Medienkritik in Kürze: Der Sprech und das Denk
Ein „Sprech“ sei es also, was aus dem CDU-Vorsitzenden unter zustimmendem Nicken eines Herrn von der SPD herauspurzelte, nämlich ein „Nazisprech“, tönt es aus und in den sozialen Medien. Nun hatte Dieter Hildebrandt zu dem oft in gleichem Kontext ausgespienen Wort „Hetze“ schon alles Nötige gesagt: dass man nämlich, wenn man aus der „Hetzerei“ oder auch dem „Hetzen“ eine „Hetze“ mit Auslaut-e-Schwa macht, dabei ziemlich blöd aussieht; dass aber aus der Sprache ein „Sprech“ werde und es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis aus dem Gedanken ein „Denk“ geworden sein wird, wobei man zwar nicht blöd aussieht, aber sich blöd anhört, hatte auch er wohl nicht geahnt.
Der Glückliche, erleben muss er’s ja nicht mehr.
Kurz gefragt zum Wehrpflichtlosverfahren
Wenn sich die Politik, zu deren ärgerlichsten Eigenschaften es gehört, dass das, was sie beschließt, großteils die betrifft, die sie nicht gestalten dürfen, nun also auf ein Losverfahren (Archivversion), das ich nur unter Protest nicht mit einer englischen Silbe anlauten lasse, für die Bestimmung derer, deren Leben ihr weniger wert sein soll als andere, geeinigt hat: wäre es da nicht passenderweise mit russischem Roulette getan?
Castle Rat – Wizard // JustDeleteMe
Es ist Montag. Tausende Deutsche, las ich, haben bereits den Kriegsdienst verweigert. Frage dazu: hat das Venndiagramm derer, die es noch nicht getan haben, derer, die wegen Alter und/oder Geschlecht sowieso fein raus sind (ein Hoch auf die Gleichstellung, aber wo bleibt sie?), und derer mit leiser Hoffnung darauf, dass Stalingrad gerächt werden könne, wirklich drei Kreise?
Neulich erfuhr ich, dass Menschen, die statt an der Front für ihr angebliches Vaterland etwas weniger ehrlos im Hospiz zu sterben gedenken, „Gäste“ heißen. Was schreibt man da eigentlich in die Bewertung? „5/5 Sterne, hier stirbt man gerne“? – Bewertung in einem anderen Sinne: Bitcoin, das „Geld der Zukunft“, „sicher“ vor „den Märkten“, ist pünktlich zum Wochenende mal wieder abgestürzt. Jump you fuckers.
Apropos „fuckers“: Natürlich in Berlin haben schwule Lehrer im Umgang mit manchen muslimischen Schülern ein Problem, ihre Autorität durchzusetzen (die Diskussion über die Notwendigkeit einer Autorität mal beiseitegelassen), erfahre ich beim Humanistischen Pressedienst. Man kann nach Begutachtung der dort geschilderten Situation dem fanatischen Ableger des Islams zumindest attestieren (wenn auch keineswegs zugutehalten, was schon der versprühte Eifer mitsamt der aus ihm folgenden Gewalt nachdrücklich verbieten sollte), dass er das Betragen der christlichen Missionare, die in weiten Teilen der Welt, Kontinentaleuropa eingeschlossen, zulasten der Nichtchristen gewütet haben wie sonst nur wenig vor und nach ihnen, sozialpsychologisch wertvoll spiegelt; die Implikation, dass das, was in Zukunft zu erwarten sein solle, noch mehr Religion sein soll, halte ich aber für kaum wünschenswert. Religion und Glaube, zwei zwar weitgehend disjunkte Dinge, die jedoch zu meiner ungeminderten Verblüffung nur von wenigen, die sich als mit wenigstens einem davon ausgestattet begreifen, als solche verstanden werden, sind kaum brauchbare Triebfedern eines funktionierenden Sozialgefüges, sobald sie sich über andere zu erheben beabsichtigen. Eine Weltanschauung, die dieser Form von Reklame bedarf, ist eine Weltanschauung, die gescheitert ist.
Immer noch zum gleichen Thema, also Fuckers: Vor fast einem Jahr schrieb ich, der Staat bestrafe die Staatsbürgerschaft mit regelmäßiger Zahlungsaufforderung über 37 Euro. Mich freut, dass meiner Kritik jetzt endlich Taten folgen: Der Personalausweis, den man bezahlen muss, weil man einen solchen (oder wenigstens einen Reisepass, der freilich noch mehr kostet) haben muss, soll künftig teurer werden (Archivversion). Nachweisbar deutsch zu sein muss man sich ja auch erst mal leisten können.
Es gibt, wie ich letzte Woche herausfand, mit JustDeleteMe wenigstens einen Webdienst, der tatsächlich die Eigenschaft „Dienst“ erfüllt, indem er eine Liste diverser Websites und sonstiger „Angebote“ vorhält, bei denen man mithilfe ebendieses Dienstes sein etwaiges Nutzerkonto entfernen kann. Ich finde wenigstens dieses Angebot gut und empfehle es weiter.
Alles Nötige zu „künstlicher Intelligenz“ in der „Kunst“ hat derweil Matthew Inman zusammengefasst. Ehrliche Kunst hingegen: Musik.
Guten Morgen.
In eigener Sache: delout – Dateien löschen, aber es ist Breakout.
Ich hatte eine lustige Idee, mit der man bestimmt viele Menschen ärgern kann: Man stelle sich vor, es gebe eine möglichst frustrierende Möglichkeit, Dateien zu löschen, die aber auch irgendwie Spaß macht. Zum Beispiel, indem jede Datei ein Block eines Breakoutspiels ist. Diese Idee hatte ich mal auf dem Klo oder so und sie musste raus.

Das wäre dann so weit erledigt.
Miniaturen (09.10.25)
Das Ärgerlichste an der Überschrift „Verhandlungen zu ‚Chatkontrolle‘ vorerst gescheitert“ (ORF) ist das Vorerst.
Ich habe dieser Tage im Supermarkt mehrere Sorten „Scheuermilch“ gesehen. Ist das auch so ein Ersatzprodukt?
„Kaffeemaschinen brauchen anders als Handfilter regelmäßige Zugabe von Entkalker, sonst funktionieren sie nicht mehr“ bemängelte er, der anders als Handfilter regelmäßige Zugabe von Koffein brauchte, sonst funktionierte er nicht mehr.
(Will man das, so als Mensch: funktionieren?)
Heute las ich aus irgendeinem Grund eine Hitlerrede von 1941, in der es um (also: gegen) Russland ging. Kurz dachte ich, ich sei bei der Tagesschau gelandet.
Das neue Album von Augn tut mir im Kopf weh. Das ist aber vermutlich genau diejenige Bewertung, die den Musikern vorschwebt. Ich respektiere das.
Reflexion (X)
Ich bin jetzt in einem Alter, in dem mir Deutsche im Ausland nicht mehr so unangenehm sind wie früher. Das kompensiere ich, indem ich Deutschen im Ausland unangenehmer bin als früher.
Medienkritik in Kürze: Fotoschutz wie Sand am Meer
Völlig richtig, was da aus der „FAZ“ (will nicht direkt verlinkt werden, LSR) rausFAZt:
Es komme immer wieder vor, dass private Drohnen illegal etwa über Gefängnisse, Flughäfen und Bundeswehrstandorte flögen, um mit Kameras verbotene Aufnahmen zu machen. „Preiswerte Drohnen gibt es heute ja wie Sand am Meer“, ergänzte der Polizeisprecher. (…) Nach Drohnensichtungen an zwei aufeinanderfolgenden Tagen am Münchner Flughafen wird über einen besseren Schutz der Airports in Deutschland diskutiert.
Nicht, dass da noch jemand ein Foto macht.
Neu! – Hallogallo // Ohne Hose gegen den Terror
Es ist Montag. Zum jüngsten Londonaufenthalt möchte ich nach den Erfahrungen des Rückfluges vielleicht noch Folgendes ergänzen: Wenn ich nächstes Mal von und/oder nach Heathrow fliege, werde ich vorher ein T‑Shirt mit einem Text bedrucken lassen, der im Wesentlichen aussagt, dass ich nur deshalb von und/oder nach Heathrow fliege, weil es mein geheimer Fetisch ist, vor fremden Männern die Hose runterzulassen. Vielleicht denken sie über ihre Gürtelabnahmepflicht dann noch mal ergebnisoffen nach. Menschen tragen gewöhnliche Gürtel selten zum Zwecke der Explosion (hierfür scheinen mir auch irgendwelche Fitnessspielereien geeigneter zu sein) und meist zugunsten des Haltes ihres Beinkleids. Alle verrückt geworden, endgültig.
(Jetzt scheint übrigens eine hervorragende Zeit für diejenigen, die Internetdramen am liebsten aus nächster Nähe betrachten, zu sein, um sich im für keinen normalen Menschen irgendwie vorteilhaften Techbronetzwerk Bluesky anzumelden. Die Implosion verspricht ein wahres Feuerwerk zu werden.)
Statistik des Tages: Die vielzitierten „Femizide“ sind oft gar keine. Ist ja bloß Sprache. Ist ja nicht so wichtig.
Ist hingegen auch ohne Worte wichtig: Musik.
Guten Morgen.
London, deine Allegorien!

„Hilfe! Wir sind unverschuldet in Not geraten!“
Der Staat: „Wir senken die Mehrwertsteuer für Restaurants.“
Die Restaurants: „Wir erhöhen die Preise. Wird ja alles teurer, kann man nichts machen. Hehe.“
Dieselben Restaurants: „Keiner kommt mehr und irgendjemand ist daran schuld!“
Kurz notiert zu Kagi News
Neues, gleichwohl Gutes, heute aber nur Kurzes aus den USA: Der unterschätzte Googlekonkurrent Kagi, bisher nur Hersteller eines erbaulich werbefreien, weil kostenpflichtigen Pakets aus einer großartigen Suchmaschine, eines immer noch sehr guten Webbrowsers, eines konkurrenzfähigen Onlineübersetzers und eines flexiblen „KI“-Chatbots für die, die zu faul für Wissen sind, hat einen schon jetzt erstaunlich brauchbaren Nachrichtenzusammenfasser rausgebracht. Dort gibt es noch die Kategorien „Deutschland“ und „Deutschland | Hessen“. Das ist lustig.














