
We Butter The Bread With Butter – Ich mach was mit Medien // Glubschgott
Es ist Montag. Bei Herstellern von „smarten“ Heimkameras, die fortwährend Innenaufnahmen der intimsten Lebensbereiche ins Internet zu funken vermögen, arbeiten nachweislich und wenig überraschend Menschen, die es eigentlich ganz interessant finden, wenn jemand, den er für attraktiv hält, beim Bumsen zu beobachten ist. Mein Verständnis hält sich in Grenzen: Warum filmen die nicht stattdessen flauschige Pandabären?
Das geht gut los: Eine Rede von Joe Biden wurde beim Übersetzen fehlgegendert. Andererseits: So interessant war der Inhalt nun auch nicht, dass er nicht hätte verfälscht werden dürfen. Anderswo hat man inzwischen einen Kopf mit Glubschaugen ausgebuddelt und mutmaßt nun, es handle sich um ein Abbild eines Gottes. Sollte das stimmen, so kann ich gut verstehen, warum sich manche Gottheit ein Bild(nis) von sich verbittet.
Apropos hässlich: Die Partei, die Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht umgebracht hat, prüfe, „berichtet“ die „taz“, ein Verbot der Antifa. Seltsam daran ist aber eigentlich nur, dass immer noch irgendjemand die SPD für links hält. Was muss sie denn noch alles anstellen? – Neu und viel witziger in der Schweiz: Gebt euren Kindern einen bekloppten Namen, dafür gibt es Gratiskatzenvideos für die Eltern; und ich Naivling hielt „Urs“ schon für eine wunderliche Kindesbenennung. „Twifius“ hingegen ist ein Name, mit dem man höchstens noch Musiker werden kann. Musiker mögen ja skurrile Namen.
Zum Beispiel „We Butter The Bread With Butter“.
Guten Morgen.
Kerzen statt Klatschen
Dass Teeren und Federn und den Geteerten und Gefederten mit Schimpf und Schande des Landes zu verweisen aus der Mode gekommen sind, ist zurzeit insbesondere deshalb bedauerlich, weil in der Filmreihe zum Schwerpunkt Corona unter dem Jubel Fachfremder, die auch mal wieder in der Presse auftauchen wollen (etwa Schauspielerinnen), nach dem großen Erfolg von „Jubel ist Lohn genug“ anstelle einer schnellen und effizienten Durchimpfung, wie es etwa in Israel passiert, die Fortsetzung „Lüften, teure Masken von fragwürdigem Mehrwert oktroyieren und für die, die es nicht geschafft haben, Kerzen anmachen“ gedreht wird.
Entspannung dank Technik
Nicht auszudenken, wie angestrengt viele meiner Mitmenschen den Tag beginnen müssen, weil auf Twitter wieder irgendein Unsinn herumgereicht wurde, den sie – noch müde – versehentlich aufgerufen haben und dann nicht so daran erinnert wurden, dass sie sich wenigstens 2021 ja von Boulevardblättern fernhalten wollen.

Kurzkritik: Palo Alto – Difference and Repetition – A Musical Evocation of Gilles Deleuze
Lange nichts mehr über Musik geschrieben.
Palo Alto aus Frankreich, dem Land der Was-zur-Hölle-ist-das?-Musik, somit bereits fast ungehört empfehlenswert, ist derzeit ein Quartett und hat für ein – weitgehend instrumentales – Konzeptalbum (noch bis Ende Januar vorbestellbar über u.a. Amazon.de) über Leben und Werk von Gilles Deleuze, dessen Hervorbringungen mir bislang tatsächlich völlig unbekannt sind, namhafte Gäste wie Rhys Chatham und Thierry Zaboïtzeff ins Studio eingeladen.
Sonst ist Palo Alto vor allem als Unternehmenssitz von so Technikfirmen bekannt, diese Palo Alto hier jedoch sind dem Irdischen vergleichsweise fremd, sie spielen stattdessen entrückten Avant-Prog mit einer hinreichend großen Dosis Elektronik. Das Ergebnis: Waberzisch! Aber auch: Bummtschack („Rhizome“)! Das Internet fabuliert davon, dass der Aufbau des hier vorliegenden Albums an „Third“ von Soft Machine orientiert sei. Solche Vergleiche sind in beide Richtungen unfair, denn Soft Machine waren und sind, vor allem später, sehr oft sehr langweilig, gleichzeitig erreicht „Difference and Repetition“ (ich kürze das jetzt mal ab) aber nicht den Stellenwert von „Third“, weil ihm das wirklich Neue fehlt.
Aber ich bewerte Musik ja nicht ausschließlich danach, dass sie wirklich neu ist, sonst hätte ich plötzlich eine Menge ungenutzte Freizeit. Festzuhalten ist formell: Es gibt vier Stücke auf dem Album, wobei das von französischer Prosa begleitete „Triptych“, sprachlich korrekt, selbst aus drei Teilen besteht. Ich halte die französische Sprache für fürchterlich und finde dieses Album trotzdem großartig – so gut ist es.
Waberzisch!
Nicht verschärft genug.
Schade.
Die Masken, die künftig – jedenfalls so lange, bis auch sie als nicht sinnvoll aussortiert wurden – im Bus getragen (und dann weggeworfen und nachgekauft, die Wirtschaft, wissenschon) werden müssen, sind auch weiterhin nicht schalldicht.
Chance vertan.
Mehr Jans für Deutschland! (5): Reichtum den Reichen!
Überraschend wenig gut finden nicht nur die Rechten die Forderung danach, jemanden trotz erwiesener Inkompetenz zur Quotenminderheit zu befördern, sondern auch Sahra Wagenknecht, bekannt für ihre Ernährung.
Dieselbe nämlich, eigentlich selbst zu den Privilegierten zählend, gab dem Schweizer Nachrichtenportal „watson“ neulich ein heute veröffentlichtes Interview, in dem sie nicht nur der üblichen Annahme widersprach, dass man AfD-Wähler anziehen wolle, wenn die AfD sage, dass es schneie, und man da zustimme, bloß weil es stimme, sondern auch wenig überraschend feststellte, dass es – die DKP vielleicht ausgenommen – kaum noch eine linke Partei gibt, die nicht bloß Kindern reicher Eltern zu mehr Einfluss verhelfen will:
Wir sind mehr und mehr zu einer Akademikerpartei geworden, wie viele andere linke Parteien in Europa auch. (…) Unsere Parteiführung hat eine Themensetzung und Sprache, die sich vor allem an Studierende und akademisch Gebildete in den Großstädten richtet.
Vollends explodieren – und darauf freue ich mich – wird das Internet allerdings vermutlich noch heute aufgrund einer anderen Feststellung:
Und bei dem identitätspolitischen Rummel um Quoten und Diversity geht es immer nur um bessere Chancen für bereits Privilegierte. Ärmere Frauen oder Einwandererkinder haben heute viel weniger Perspektiven als vor 30 Jahren, die ganze Identitätspolitik nützt ihnen nichts. (…) Wo reden wir denn über Diversity oder über Frauenquoten? Nicht bei Pizzaauslieferern oder Reinigungskräften, da ist das alles sowieso übererfüllt, sondern bei Vorstandsposten in Unternehmen, bei gehobenen Stellen in der Verwaltung oder in den Medien. Um diese Posten konkurrieren Leute aus der gehobenen Mittelschicht.
Sahra Wagenknecht, das muss man ihr zugestehen, hat Recht: Parteipolitisch links zu sein muss man sich heutzutage erst mal leisten können.
Die Glastür am Klo von Clubhouse
„t3n“, 13. Januar 2021:
Whatsapp ist der Messenger-King, trotz seiner mittlerweile zwei Milliarden Nutzer ist er aber nicht unumstritten. (…) Der Messenger steht immer wieder in der Kritik – zuletzt mit der Änderung seiner AGB, nach der viele Daten mit dem Mutterkonzern Facebook geteilt werden sollen.
„t3n“, 15. Januar 2021:
Clubhouse ist ein Paradebeispiel dafür, wie man im digitalen Zeitalter einen waschechten Hype kreiert. Ein genauerer Blick auf die Social-Media-App zeigt aber, dass es durchaus Gründe für die Aufregung gibt, denn das Konzept ist vielversprechend. (…) Übrigens: Auch t3n ist jetzt bei Clubhouse.
Richard Gutjahr, 17. Januar 2021:
Leute, ernsthaft: 7 Clubhouse-Einladungen auf meine private Mobilnummer allein in den letzten 2 Stunden? Ladet Ihr überall Euer – ohne Rücksprache mit den Betroffenen – Euer komplettes Telefon-Adressbuch auf einen fremden Server, nur weil ein Social Network das von Euch möchte?
Signal hatte dieser Tage Serverprobleme (und hat sie unorthodox gelöst), weil sich überraschend herausgestellt hat, dass WhatsApp gar keine besonders datenschutzfreundliche Software ist. Immerhin hat die Wachsamkeit der Menschen diesmal ganze vier Tage lang angehalten. Das klappt längst nicht immer.
Erinnert sich eigentlich noch jemand an ello?
Nine Inch Nails – Down In It // Antiheiko Antimaas
Es ist Montag. Ein wütender Erstürmer des US-Kapitols wolle sich nur bio ernähren, heißt es. Ich weiß noch nicht, warum mich das amüsiert, aber die Grünen kümmern sich sicherheitshalber schon mal um das Problem: Es sei genug der Freiwilligkeit in der Ernährung. Pandabär müsste man sein. Da gibt es den ganzen Tag Biobambus. Freiwillig.
Zitat der Woche: „Ich fühle mich so toll, ich könnte mich glatt bei Twitter registrieren. Nur um jemanden zu melden.“ Dort, bei Twitter, geht der Vorwahlkampf schon mal in die Hauptrunde; so teilt etwa Carola „Caro“ Rackete, bekannt aus der Schifffahrt, energisch mit, dass man, sofern man die „Menschenrechte“ erhalten wolle, sich im September in „irgendeiner Kombi[nation]“ – so viele gibt es ja nun nicht – für eine Regierung aus SPD, Grünen und Linken einsetzen sollte. Schade, dass Murat Kurnaz meines Wissens nicht auf Twitter aktiv ist. Seine Einschätzung zur Einhaltung der Menschenrechte unter einer Regierung mit SPD und Grünen trüge sicherlich zu meinem Amusement bei; dasselbe Twitter allerdings, von dem SPD-Außenminister Heiko Maas gegenüber einem Blatt, das nicht verlinkt werden möchte (LSR), für die gestrige Ausgabe in die Aufnahme sprach, dass es gar keine so gute Idee sei, dass Technikkonzerne („Tech-Riesen“, ebd.) autark entscheiden dürfen, wessen Stimme auf ihren Plattformen gehört werden soll und wessen Stimme nicht, obwohl das doch genau das ist, wofür sich Justizminister Heiko Maas (SPD) vor drei Jahren eingesetzt hat. Ich finde Opposition gegen die Politik von Heiko Maas ja oft gut, aber muss der Opponent sich ausgerechnet als Heiko Maas herausstellen?
Gute Nachricht für diejenigen, die den Einheitslook von Deutschen in ihren frühen Zwanzigern längst nicht mehr sehen mögen: Das ZDF lässt einen Vollbartlosen von meinen Gebühren! dahinsagen, Vollbartträger sollten dort, wo FFP2-Masken verpflichtend zu tragen sind, gefälligst ihren Bart abrasieren. Alter Neidhammel. Aber noch mal zurück zu dem Blatt, das nicht verlinkt werden möchte: Ein anderes Blatt (LSR) vom selben Verlag berichtet, das Wirtschaftsministerium (CDU) erwäge künftige Zwangspausen beim Laden von Elektroautos. Die Biester fressen einfach zu viel. Ja, ist wirklich viel besser als Diesel. Man lasse sich da nichts einreden.
Apropos CDU: Neben dem Parteigroßwesir, für den im Internet schon putzige Kosenamen gesucht werden, wurde neulich auch ein neues Parteipräsidium gewählt, und dort sprudelt man nur so vor Ideen. „Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Haseloff kündigte an, seinen bei der Wahl erworbenen Präsidiumsposten zu nutzen, um die Vollendung der deutschen Einheit voranzutreiben“ („Deutschlandfunk“) – kam das mit dem Mauerfall noch nicht im Ostfernsehen?
Aber 1989 war ansonsten gar kein so übles Jahr.
Guten Morgen.
Die Unantastbarkeit manchen Lebens
Der Nationaltag der Unantastbarkeit des menschlichen Lebens findet in den USA am 17. Januar 2021 statt. Der Tag wurde von verschiedenen US-Präsidenten ausgerufen, die sich gegen Abtreibungen einsetzen.
„Death Penalty Information Center“:
2020 wurden siebzehn Gefangene in den Vereinigten Staaten umgebracht.
(Übersetzung von mir.)
Das muss gefeiert werden.
Kurz angemerkt zu Friedrich Merz
Die noch immer für jedenfalls mich am merkwürdigsten scheinende Diskussion rund um den ab morgen zweifelsohne (Nachtrag vom 16. Januar: doch nicht) in Kraft getretenen CDU-Vorsitz Friedrich Merz’ ist diejenige, die Hashtags namens „#FrauengegenMerz“, „#Merzverhindern“ sowie leider noch nicht „#MerzhatdoofeOhren“ umfasst und im Wesentlichen darin besteht, dass Menschen, die stattdessen Wähler und/oder Mitglieder von Parteien sind, die bisher selbst nicht unbedingt mit einem besonders glücklichen Händchen bei der Auswahl ihrer Galionsfiguren aufgefallen wären (apropos: heute vor 102 Jahren, weist das Internet freundlicherweise hin, wurden im Auftrag der SPD Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg ermordet; alles Gute von mir an dieser Stelle), und die noch vor nicht allzu langer Zeit ohnehin anders hashtaggend darauf hingewiesen haben, dass sie entweder #niemehr- oder sowieso #niemalsCDU wählen und/oder weiterempfehlen würden, laut wehklagend ihren Unmut darüber kundtun, dass die konservativ-wirtschaftsliberale CDU möglicherweise bald von einem konservativ-wirtschaftsliberalen Herrn, der bereits vor Jahrzehnten Fraktionsvorsitzender der von ihnen geschmähten Partei sein durfte, zu der er doch aber, sagen die Leute, überhaupt nicht passe, und nicht von einem vor neun Jahren Gescheiterten oder gar von einem noch aktiven Landesparlamentarier, dessen politische Entscheidungen („Schulen auf!“) sie letzte Woche noch ein menschenunfreundliches Teufelswerk gescholten haben, geleitet werden wird, weshalb sie, die Leute, die CDU bald noch viel weniger als gar nicht wählen werden, dann werde sie schon sehen, was sie davon habe (nämlich: einen neuen Vorsitzenden).
Medienkritik in Kürze: Responsive design (von Hand)
Zum momentanen Zustand des Webs im Allgemeinen und der dort unbedingt vertreten sein wollenden Qualitätsmedien im Speziellen sollte ich vielleicht noch diesen Screenshot für sich sprechen lassen.

Liegengebliebenes vom 13. Januar 2021
Trottel im Wahlkampf (1): Norbert Röttgen will CDU-Großwesir werden, um „die Schöpfung“ zu bewahren. Völlig konsequent steht er hierfür vor einer Fichtenplantage herum.
Trottel im Wahlkampf (2): Markus Söder cyberfloskelt.
Warp-Antrieb in eine neue Computer-Welt: München wird zum Quantum Valley. Ein Quanten-Computer ist wie ein Orchester an Super-Computern. Das ermöglicht Forschung in völlig neuer Dimension.
Wenn irgendjemand versteht, was der Herr physikalisch ausdrücken möchte, bitte ich um zeitnahe Übersetzung.
Andere Länder, andere Sitten: Um Corona-Regeln zu umgehen: Frau führt Mann an Leine Gassi.
Überraschung: Der Arbeitgeberpräsident will nicht, dass Arbeitslose zu viel Geld bekommen. Sonst wollen die gar nicht mehr arbeiten müssen. Das wäre nicht nett.
Man ist zwar Rassist, findet aber das Angebot der NPD nicht überzeugend und kann die CSU in seinem Bundesland nicht wählen? Kein Problem: Die PARTEI existiert. Haha. Satire. Hahaha.
Nachtrag: Nico Semsrott reicht’s.
Sackentführung
Wo muss denn unbedingt mehr Internet rein?
Richtig: In Keuschheitsgürtel.
Und was passiert dann?
Richtig: Hacker hacken.
Hätte niemand ahnen können, dass die Idee nicht gut war. Niemand.
Monika Roscher Bigband – Caribbean Delirium (live) // Zentrale Strukturen gegen Bösewichte!
Es ist Montag. Die Kommunisten, berichten die Kommunisten, seien unzufrieden damit, dass die Berliner Stadtregierung („rot-rot-grün“) gar nicht viel von linkem Aktivismus hält. Ich würde mir ja erhoffen, dass die Einwohner Berlins diese Feststellung wenigstens bis zur kommenden Bundestagswahl nicht vergessen, aber laut Twitter haben sie’s heute schon. Schade, dass wieder keine Pandabären als Kanzlerkandidaten aufgestellt worden sind. Das wäre eine gemütliche Legislaturperiode.
Kind zu sein ist 2021 nicht mehr attraktiv. Man erlebt ja nichts mehr. Andererseits ist die Definition von Kindsein auch eine etwas andere geworden, denn bereits der noch amtierende US-amerikanische Präsident wird oft als ein Kleinkind bezeichnet, als wäre ein Erwachsener automatisch ein vernünftiger Mensch.
Folgerichtig freut man sich nun landauf, landab darüber, dass Donald Trump endlich nicht mehr auf Twitter geduldet wird, was von der Forderung nach einem freien, unzensierten Netz, das ohne zentral organisierte Konzerne auskommt, nicht mehr viel übrig lässt. Wie angenehm es doch manchmal sein kann, wenn ein gesichtsloses Unternehmen dem eigenen Wunsch danach, ein anderer möge endlich schweigen, entspricht! Hätte Donald Trump doch nur – wie sein iranischer Amtskollege – die Auslöschung Israels befürwortet, wäre ihm nichts passiert. Hoffentlich lernt er etwas daraus. Inwiefern es eine gute Nachricht sein soll, dass US-amerikanische Konzerne auch Messenger einfach fremdabschalten, weil sich dort auch diejenigen austauschen dürfen, die Übles im Sinn führen, frage ich insofern lieber nicht.
Gute Frage stattdessen: Wie viele Fußballfelder passen eigentlich in den Grand Canyon?
Ebenso gut auch: Musik.
Guten Morgen.









