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Ich rede nicht gern über mich, aber manchmal schreibe ich. Und dann schreibe ich das hier.

NerdkramsPersönliches
mkdir * ; wundern ; sprengen

Ich bin seit einer Weile in einer dieser start-up-Firmen tätig, die irgendwas mit mobilen Anwendungen machen. Ursprünglich sollte ich dort die Backendentwicklung übernehmen; blöderweise hatte ich in meiner Bewerbung angegeben, dass ich auch schon mal einen Server gewartet habe, was dazu führte, dass man mir außerdem die Installation und Wartung eines Servers (in Form eines ausrangierten Mini-Towers) auftrug. Kein Problem, dachte ich, macht ja durchaus Spaß. (Dass die Firma ausnahmslos auf eine Mac-OS-X-Umgebung setzt, hätte mich schon stutzig machen sollen.)

Nach einigen Stunden war der ausrangierte Mini-Tower zu einem voll funktionstüchtigen FreeBSD-PHP-Entwicklungsserver herangereift, der genau das tat, was er sollte, regelmäßige Datenbank- und Webserver-Backups per rsync (also auf ein beliebiges Netzlaufwerk) inklusive. Dieser Server verrichtete anstandslos seinen Dienst und überstand auch größere updates ohne Probleme, wie man es eben von FreeBSD so kennt.

Trotz alldem gab es seitens der Entscheider (zwar keine „Schlipsis“, aber doch sehr ökonomisch denkend) vier Punkte an der Installation zu kritisieren: FreeBSD lasse sich nicht ohne Handarbeit in die sowieso herumstehende „Time Machine“ (so ein appleeigenes Backupsystem) einbinden, was immens wichtig sei, falls mal die Festplatte „abrauche“ (ein rsync-Backup erfordere ja manuelles Zurückspielen der Dateien, das sei viel zu umständlich); es sei eher blöd, wenn ich als Einziger im Haus wisse, wie man den Server wieder zum Laufen bekomme, wenn er mal streiken sollte (ich war bis dahin ernsthaft der Meinung, genau dafür seien Administratoren ja da); man könne auf FreeBSD (ich hatte kein GUI installiert) nicht so einfach neue virtuelle Hosts anlegen wie unter Mac OS X, wo ein einziger Klick genüge; im Übrigen passe der Minitower nicht in den „Serverschrank“ (die Anführungszeichen sind ernst gemeint; in diesem „Serverschrank“ stehen vor allem Mac minis herum), sondern müsse danebengestellt werden, was natürlich unzumutbar sei.

Die „Lösung“ für diese Herausforderungen: Ein weiterer Mac mini wurde angeschafft und dem Zuständigen (mir) kurz erklärt, wie das Teil denn funktioniert, wie man also per Klick neue Webseiten hinzufügt (was offenbar nichts anderes ist als ein GUI zur Verwaltung von virtuellen Hosts im mitgelieferten Apache), sogar mit „hübscher“ blauer checkbox zum An- und Abschalten von PHP (natürlich in einer Uraltversion; wer will schon aktuelle Software auf ’nem Server nutzen? Mac-OS-Nutzer jedenfalls nicht). „Dann mal viel Spaß!“

Was ich per Versuch und Irrtum schnell herausfand: Das GUI für die Serverwartung in Mac OS X scheint tatsächlich einen gewissen Zweck zu erfüllen. Eine httpd.conf existiert zwar dort, wo man sie erwarten würde (es gibt tatsächlich ein Konfigurationsverzeichnis namens apache2), aber sie scheint für irgendwas anderes benutzt zu werden. Das (mittels homebrew; ein passender Name, denn die Benutzung macht Lust auf ein Bier) händisch nachinstallierte PHP 5.5 ließ sich über sie jedenfalls nicht aktivieren. „Mein“ Projekt setzt im Übrigen auf MariaDB (also MySQL-Syntax) auf, Mac OS X bringt natürlich nur PostgreSQL mit (selbstverständlich ohne GUI, das wäre vermutlich zu einfach); auch hier war also Handarbeit nötig. Ob das ebenfalls per brew eingerichtete MariaDB korrekt mit dem Webserver zusammenarbeitet, ist mehr oder weniger ein Ratespiel, da ich noch nicht herausgefunden habe, wie ich an „meine“ PHP-Installation komme. Das „PHP“-Häkchen schaltet ja nur die wo auch immer versteckte httpd.conf um, nicht die, die dort liegt, wo sie liegen sollte. Toll, so’n Mac. (Es sieht aber gut aus: Die Installation von Adminer im Ordner der Website „Default“ ließ mich zumindest auf die Datenbank zugreifen, mysqladmin verrichtet auf der Konsole auch anstandslos seinen Dienst. Glück gehabt!)

Die Software war zumindest theoretisch erst mal installiert. Jetzt galt es das bestehende PHP-Projekt vom „alten“ auf den „neuen“ Server zu migrieren. Die Benutzung von scp bot sich an. Natürlich liegen Mac-OS-X-Websites nicht in /var/www oder irgendwo innerhalb von /usr oder /etc, sondern in einem merkwürdigen Sonderordner namens /Library (und auch nicht unter /Library/WebServer, was ebenfalls existiert, sondern unter /Library/Server), man will es Nicht-Mac-Nutzern ja nicht zu leicht machen, von BSD auf Mac OS X zu wechseln. Da könnte ja jeder kommen! Insofern ist es nur konsequent, dass Mac OS X nicht die tcsh, sondern die bash als Standardshell verwendet. Die bash verhält sich aber gelegentlich so, wie man es am Wenigsten erwarten würde (was einer der Gründe sein könnte, warum sie unter Linux so beliebt ist).

Ein Beispiel: Was, denkt ihr, tut folgender Befehl in einer Mac-OS-X-Shell?

Der gesunde Menschenverstand sieht, dass ./* eigentlich redundant ist und . genügen sollte, hat aber ansonsten keine weiteren Einwände. Die bash sieht das mit dem Globbing aber anders als der gesunde Menschenverstand. Obiger Befehl kopiert also rekursiv (-r) den Inhalt von /var/www/projekt auf dem BSD-Server in das aktuelle Verzeichnis – und zwar in einen Unterordner namens *, den er hierfür extra anlegt.

Oh, jetzt habe ich vor Schreck die Betonung vergessen: In einen Unterordner namens *! (Für die weniger Technikversierten: Das ist, als würde man sein Kind „Leerzeichen“ nennen. Oder „Jeder“.)

Wie beseitigt man dieses Malheur? Erst mal alles einen Ordner höher kopieren, dann den Ordner namens * entfernen:

Fiese Falle: rm -rf * würde auch funktionieren, aber anders als gewünscht.

Mac OS X überrascht mich immer wieder. Incredible!

Zum Glück ist Wochenende.

Persönliches
„Wo Sie grad frieren: Darf ich Sie kurz stören?“

Man kann sich quasi den Kalender danach stellen: Der Winter hat offiziell begonnen, wenn Malteser, Rotkreuzler, Peruaner, Zirkusbedienstete und sonstige sich menschlich nennende Bettler mit und ohne Kamel, Esel und Panflöte aus dem Warmen in die soziale Kälte auf Bahnhöfen und in Fußgängerzonen migrieren.

Wieso aber glauben sie eigentlich, dass Menschen besonders dann hilfsbereit sind und sich Zeit für soziale Interaktion im Freien nehmen, wenn es kalt ist? Klar, es geht auf Weihnachten zu, auf das so genannte „Fest“, anlässlich dessen die Leute ohnehin schon regelmäßig ehrliche Wertschätzung mit teuren Geschenken verwechseln und also, da sie innerstädtisch unterwegs sind, meist bereits sowieso dabei sind, Geld für allen möglichen Plunder auszugeben, womit die Wahrscheinlichkeit, dass sie dann auch für die Bedürftigen – womit natürlich mal wieder nicht die deutschen Steuerzahler gemeint sind – ein paar Euro erübrigen können, um ein Vielfaches steigt.

Ob das die richtige Vorgehensweise ist? Ich bezweifle es. Zwar ist es durchaus möglich, dass einige Angesprochene genervt (die Wenigsten wohl überzeugt) dem Bitten nachgeben, um nur endlich weitergehen zu können, ohne unhöflich zu wirken (warum fürchten sich so viele eigentlich vor diesem Eindruck gegenüber Unsympathen?), und sich irgendwelche Unterstützung zu leisten bereit erklären, und wenn das einzige Ziel der Malteser (o. Ä.) lautet, schnell an Geld zu kommen, können sie damit zufrieden sein; allein: Missionsarbeit stelle ich mir etwas anders vor. Der Geist der Weihnacht hat einen Subtext, der nicht nur mit-, sondern den ganzen Geist umherschwingt.

Die wenigstens geringfügig menschlich entschuldbare alternative Erklärung für den zeitlichen Zusammenfall von Frost und Bittstellerei lautet, dass den Maltesern (o. Ä.) wohl bekannt sei, dass den Bürgern das Geld momentan großteils nicht locker in den Taschen liege und man im Winter zumindest auf den Mitleidsfaktor setzen könne. Bei genauerer Betrachtung stürzt dieses Selbstlügengebilde aber vorbildlich in sich zusammen.

Man stelle sich folgendes hoffentlich fiktives Gespräch an einem Bahnhof bei 30 Grad im Schatten vor:

Malteser (o. Ä.): Eine Spende für Obdachlose bitte!
Passant (genervt): Wie schlimm geht es denen?
Malteser (o. Ä.): Nun, sie haben Hunger, kein Dach über dem Kopf und sind in schlechter körperlicher Verfassung.
Passant (genervt): Frieren sie auch?
Malteser (o. Ä.): Nein, es ist ja warm.
Passant (genervt): Dann spende ich nicht. Versuchen Sie es im Winter noch einmal.

Entweder sind solche Dialoge tatsächlich üblich oder die Malteser (o. Ä.) treiben doch erschreckend niedere, manipulative Instinkte zu ihrem Tun. Beides wäre erschreckend, aber wenig überraschend, in keinem Fall aber überzeugend. Die Menschen sollten auch zur „Weihnachtszeit“ nicht vergessen, dass die reine Vernunft nicht verkäuflich ist. (Noch so ein Satz, den man in einer Kirche wohl selten hören würde.)

Habt ihr eigentlich dieses Jahr schon für Kakapos gespendet?

Persönliches
Gedanken am Grab Albrecht Dürers (unvollständig)

Woher nahm Dürer das Geld, sich hier in all der Pracht bestatten zu lassen?

Ist es erstrebenswert, nach seinem Tod in einer prunkvoll verzierten und beschrifteten Gruft dem Pilgertum eine Stätte zu bieten?

Wer war der Herr im nur mit „Adolf“ beschrifteten Grab?

Möchte ich im Alter meine Sonntags damit verbringen, das Grab Toter zu pflegen?

Woher stammt der Totenkult, was hält ihn am Leben?

Ist das Familiengrab eines Pfarrers nicht ein seltsames Relikt?

Würde ich wollen, dass man auf meiner Leiche, gekreuzigt oder nicht, ein Kreuz zwecks späterer Identifikation und, in Konsequenz, etwaiger Verehrung oder einen Baum pflanzt?

Was ist nach dem Tod noch wichtig?

PersönlichesPiratenpartei
Die Drei von der Süddeutschen und ich (Teil 1)

(Vorbemerkung: Die Geschichte mit der Süddeutschen Zeitung scheint doch noch nicht vorüber zu sein. Ich protokolliere das hier mal. Wenn ihr die Erstfassung dieses Textes schon auf Twitter oder Diaspora oder im IRC gelesen habt: Es geht noch weiter. Und ja, ich bin auch im „real life“ so ein komischer Kauz wie hier.)


Dienstag

„Politiklehre kostenlos? :D“

Ich ging heute durch Braunschweig (also durch den dortigen Bahnhof). Dort traf ich, nicht sehr überrascht, auf die üblichen drei Süddeutsche-Zeitung-Verkaufsstudenten (ein Dunkelhäutiger unbekannter Abstammung, eine Quotenfrau und ein Typ ohne besonders hervorstechende Eigenschaften). Sie machten diesmal den Fehler, mich anzusprechen. „Süddeutsche kostenlos? :D“. Menschen, die Grins-Emoticons quasi mitsprechen, sind mir ja grundsätzlich suspekt.

Ich sah auf die Uhr, ich hatte noch etwas Zeit, und sprach: „Wie viele Argumente dagegen braucht ihr?“. Der Typ entgegnete siegessicher: „Ich widerlege alle :D“. Ich antwortete schlicht: „Leistungsschutzrecht?“.

Die drei blickten mich fragend an. Offenbar waren sie nicht damit vertraut, dass so ein Zeitungsverlag auch noch etwas anderes macht als die Zeit von Studenten zu verschwenden.

Es ergab sich ein Gespräch, in dem ich erklärte, dass mich das Thema vor allem als „Blogger“ interessiert, was, Piratenpartei – der Anstecker fiel jedenfalls der Frau auf – hin oder her, ja nicht einmal gelogen war. „Aber die Gesetze sind halt so“ war der einzige zaghafte Versuch der drei, mich davon zu überzeugen, mir doch trotzdem die Süddeutsche Zeitung zu kaufen. Wenn die Welt schon scheiße ist, dann wenigstens noch ’ne schlechte Zeitung dazu, um das auch so richtig genießen zu können.

Keine fünf Minuten später war es drei Süddeutsche-Zeitung-Verkaufsstudenten sichtlich unangenehm, wofür sie da gerade Werbung machten.

Wenn ihr solchen Vertretern begegnet, würdigt sie nicht keines Blickes, sondern redet mit ihnen. Die Welt wird keine bessere dadurch, dass die Wissenden unter sich bleiben. Jeden Tag eine gute Tat.


Mittwoch

„Come for the lulz, stay for the pirates.“

Mich erwarteten heute im Bahnhof zwei der drei „Süddeutschen“. Ich war wohl doch weniger überzeugend als erhofft. Immerhin war der Typ mit dem gesprochenen Grinsen diesmal nicht dabei. Während sich der Dunkelhäutige potenzieller Kundschaft widmete, bat mich die Frau mit schwäbischem Dialekt, ihr meinen gestrigen Vortrag noch einmal zu halten – sie habe nicht zugehört. Darauf war ich nicht vorbereitet. Von meinem anschließend improvisierten Referat schien sie dennoch beeindruckt, aber das heißt ja nichts, wie ich seit heute weiß.

Ich nutzte die Gelegenheit, um mich ausführlich darüber zu wundern, wieso man als Mensch Mitte 20 denn aus dem Süden nach ausgerechnet Braunschweig geschickt werde, um eine Zeitung in einem Bahnhof zu bewerben. Na ja, es bringe eben Geld, aber sie werde, wenn ihr Engagement für die Süddeutsche Zeitung vorüber sei, nie wieder promotion für eine Zeitung machen. Über die Ursachen blieb ich im Unklaren; vielleicht verbietet es ihr der Arbeitsvertrag, sie zu äußern.

Mittlerweile waren viele Leute in weitem Bogen beschleunigten Schrittes um den Stand herumgegangen, wie es Menschen eben so machen, die nicht unhöflich wirken wollen. Das müsste ich eigentlich auch mal ausprobieren: Wenn ich in einer belebten Innenstadt gern meine Ruhe hätte, einfach „entschuldigen Sie…“ rufen. Ich berichte bei Erfolg.

Aber zurück zu der Frau von der „Süddeutschen“, die sich inzwischen lauthals kichernd hinter ihrem Stand krümmte (ich hoffe inständig, dass das an meinem Charme und nicht an meiner lustigen Nase lag): Da man sich, so ihre Argumentation, ja nun schon kenne, halte sie es für angebracht, unsere Namen einander preiszugeben, und wollte, mit Blick auf das Piratenemblem auf meiner Jacke, wissen, ob ich denn „bei den Piraten so richtig aktiv“ sei. Nee, log ich, sei ich nicht, auf Parteitage ginge ich dennoch des Öfteren, aber das könne auch an meinem Humor liegen. Ob sie denn mal mitkommen könne, also mit mir, wollte sie wissen. Ichso: „Ein Pirat in weiblicher Begleitung? Und dann auch noch einer einzigen und nicht mindestens drei von ihnen?“ Wieder kringelte sie sich vor Lachen. Sie schien mit den Gepflogenheiten in der Piratenpartei nicht vertraut zu sein. Sie musste noch viel lernen.

Den Spieß jedenfalls konnte ich umdrehen: Statt mir irgendeine Verschwendung von Druckerfarbe aufzuhalsen, bat sie mich nun darum, ihr Piraten-merchandising zukommen zu lassen („oh, krieg ich auch so einen Anstecker?“). Zum Glück gehe ich nur selten ohne solches aus dem Haus. Also: Meidet diese Menschen nicht, sondern nutzt die Gelegenheit, um sie mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Ihr könnt eigentlich nur gewinnen.

Bevor ich ging, fragte ich, wie oft diese Gruppe denn noch in Braunschweig zu finden sei. Mindestens bis Dienstag, so wurde mir gesagt, würden sie noch an gewohnter Stelle um Kunden werben. Unser nächstes Aufeinandertreffen wird also voraussichtlich am Freitag stattfinden. Ich sollte dann womöglich mehr Informationsmaterial der Piratenpartei mitnehmen. Je mehr Zeit die armen Seelen damit verbringen, sich um Innenpolitik zu scheren, desto weniger Menschen drehen sie eine LSR-Zeitung an.

Das wird ein Spaß.


Nachtrag, Freitag: Es ist nichts passiert.

In den NachrichtenPersönlichesPolitikWirtschaft
Operiert, verstimmt und pleite.

Zunächst die Wirtschaftsnachrichten: Das Finanzministerium der USA (das waren die hier) hat endlich den Schuldigen am verkorksten Weltwirtschaftssystem gefunden – Deutschland.


Die Gazetten dieses Landes berichten heute zwar nur wenig über so überflüssigen Käse wie das Wirtschaftssystem (dem geht’s doch gut, sofern man zum Beispiel in der Schweiz wohnt), dafür aber zahlreich über Gina-Lisa Lohfink. Selbige ist – ich musste das jetzt glücklicherweise recherchieren – erst als Teilnehmerin der abscheulichen Serie „Germany’s Next Topmodel“ (Platz 12), dann als Darstellerin in irgendeinem ominösen Erwachsenenfilm bekannt geworden; heute ist sie, wie es heißt, trotzdem irgendein „Topmodel“, was wieder einmal belegt, dass man für diesen Beruf nicht sonderlich gut aussehen muss.

Dabei ist sie, dies verkünden die Nachrichten, bescheiden geblieben:

(…) ich bin echt – bis auf meine Brüste, okay.

Und bis auf den überwiegenden Rest des Oberkörpers, aber so genau müssen wir das ja jetzt nicht nehmen. Journalismus in Deutschland (auch): Eigenlob irgendwelcher ehemals mittelmäßig „Prominenter“ unhinterfragt in die Klatschspalten schmieren. Dass sie echt ist, ist ansonsten natürlich erwähnenswert. Manchmal möchte man es lieber nicht glauben.

Ich weiß nun (ebenfalls glücklicherweise) nicht, was für eine Stimme Frau Lohfink hat, aber es fällt mir nicht leicht, mir obiges Zitat in einer anderen Tonlage als kurzatmigem Piepsen vorzustellen. Dazu stelle ich mir das Gefuchtel vor, das die Mädchen heutzutage offenbar von US-amerikanischen Popsternchen abgeschaut haben, und mein Bild von Gina-Lisa Lohfink ist perfekt.

Warum kurzatmiges Piepsen? Nun, als jemand, der auch wegen der menschlichen Katastrophen, die dort stattfinden, mit öffentlichen Verkehrsmitteln fährt, habe ich in letzter Zeit häufiger bemerkt, dass junge Mädchen, die beisammen sitzen und pausenlos plappernd über ihre Freundinnen lästern, zwecks Imitation derselben ihre Stimme mehrere Oktaven höher schrauben, sofern ihnen das möglich ist. Die Absurdität der Situation, dass Mädchen mit Piepsstimme eine noch piepsigere Stimme annehmen, um Zitate unliebsamer Zeitgenossinnen zu kennzeichnen (und liebsame Zeitgenossinnen scheint man im Alter von 14, vielleicht 15 Jahren nur zu kennen, wenn sie gerade in Hörweite sind), solltet ihr euch jetzt einfach mal vorstellen.

Mit dem Konjunktiv wäre Busfahren viel angenehmer.

(Eigentlich hatte ich für das Gepiepse einen viel ausführlicheren Artikel im Sinn, aber da ich vergessen habe, den aufzuschreiben, bleibt es nun bei diesem kurzen Aufreger. So.)


Noch etwas Politik mit Lesebefehl zum Abschluss: Nico Lumma, wohl das beinahe einzige SPD-Mitglied, das leidlich gut mit dem Internet umgehen kann, sülzte heute selbiges Internet damit voll, dass wir die Digitalisierung verschlafen hätten. Nico Lumma von der Vorratsdatenspeicherungs-SPD.

Der Nachtwächter hat dazu mal was gesagt.

NerdkramsPersönliches
Muskelgedächtnissenilität. / Strg+Mist!

(Vorbemerkung: Ja, ich habe den angekündigten Nichtrücktritt des Limburger Bischofs zur Kenntnis genommen, aber nein, ich halte jedes weitere Wort hierüber für zu viel Aufmerksamkeit für jemanden, der die Ideale der katholischen Kirche so hervorragend repräsentiert wie kaum ein Zweiter. Daher schreibe ich stattdessen was über Computerkram.)

Wer meine Artikel gelegentlich aufmerksam verfolgt, der hat unter Umständen schon mitbekommen, dass für mich Texteditoren das sind, was für andere Autos, Smartphones oder Schuhe sind: Ich besitze zu viele von ihnen.

Auf Servern setze ich mal auf nano, mal auf Vim (je nach Anwendungsfall), auf dem Desktop bin ich bekanntlich jüngst von Sublime Text 3 auf Emacs umgestiegen (beziehungsweise entwerfe ich meine längeren Texte immer noch abwechselnd in einem dieser beiden Editoren). Auch zwei IDEs kommen zum Einsatz: Eines meiner aktuellen Programmierprojekte bearbeite ich größtenteils im Qt Creator (in dem ich immerhin einen Vim-Modus verwenden kann), für ein anderes muss ich aus technischen Gründen Visual Studio benutzen, für das es zwar ViEmu gibt, das aber mein Budget für derlei regelmäßig deutlich übersteigt. Dass ich nicht einfach für jeden Mist den gleichen Editor verwende, hat verschiedene Gründe: Serverseitig benutze ich keine GUIs, was Visual Studio von vornherein ausschließt, Emacs ist wegen seiner Tastenkürzel über PuTTy eine Qual, Vim eignet sich für andere Zwecke hervorragend als nano (das beim schnellen Editieren einer längeren HTML-Datei indes definitiv seine Stärken hat); und aber vor allem: Ich kann damit quasi im Schlaf arbeiten. (Mein früherer Arbeitgeber würde das mit dem Schlaf wahrscheinlich bestätigen.)

Nun sind die meisten Texteditoren Programme, deren flüssige Bedienung (eben das mit dem Schlaf) stark vom Muskelgedächtnis abhängt: Je häufiger man ihre Tastenkürzel verwendet, desto selbstverständlicher erfolgt dies. Um beim Beispiel nano zu bleiben: Wenn ich eine Datei auf dem Server mit nano [Datei] editiere, merkt sich meine Hand, dass der nächste Steuerbefehl wahrscheinlich Strg-O Strg-X (Speichern und Schließen) sein wird, und führt diesen quasi unbemerkt aus.

Blöderweise haben nano, Vim, Emacs und normale IDEs die Eigenschaft, völlig unterschiedliche Tastenkürzel zu unterstützen. Ja, einen Vim-Modus kann man meist – außer in nano – irgendwie nachrüsten, und möglicherweise sind auch die Emacs-Tastenkürzel sozusagen Gewöhnungssache (Mac OS X, mit dem ich mittlerweile mein Geld verdienen darf, verwendet sie immerhin auch, dafür hat’s weder eine Pos1– noch eine Ende-Taste), kompliziert wird es allerdings dann, wenn man – wie ich – häufiger zwischen den Editoren wechselt. Ein einfaches Beispiel: Ich möchte eine Datei speichern. Das geht in nano mit Strg-O, in Vim mit Esc :w, in Emacs mit Strg-X Strg-S und überall anders mit Strg-S. (Das ist ja auch so ein Phänomen von Open Source: Ergonomische Gesichtspunkte werden konsistenter Bedienung in der Regel übergeordnet. Zugegeben: Bei Unity bin ich mir da nicht so sicher.)

Mein Muskelgedächtnis mag das aber gar nicht.

Einmal antrainierte Tastenkombinationen bleiben blöderweise auch beim Wechsel zwischen ähnlichen Programmen „gespeichert“. Dass Emacs (jedenfalls in meiner Konfiguration) weder Strg-O noch Strg-S zum Speichern von Dateien versteht, vergesse ich immer wieder; gerade nach einer längeren Sitzung in anderen Programmen, die eine dieser Kombinationen verwenden, braucht das Muskelgedächtnis eine Weile, um zu bemerken, dass es nun wieder die anderen Befehle braucht. (Dann geht es aber wieder wie von selbst). Mit steigender Nutzungsdauer (und Editorenzahl) wird das im Übrigen auch nicht leichter, ganz im Gegenteil.

Mögliche Lösungen? Entweder sollte ich jeden Editor, bei dem das möglich ist, auf die Vim-Belegung umstellen (das nano-Problem bliebe bestehen und Emacs verlöre trotz der Annehmlichkeiten von 3cw und dergleichen manche produktivitätssteigernde Besonderheit, somit wäre das nicht ausreichend praktikabel) oder ein paar Editoren aus meinem Fundus entfernen. Ein geeigneter Kandidat wäre nano, für das dann Ersatz nötig wäre; anbieten würde sich ein lokal installiertes Emacs, mittels dessen ich (wegen der integrierten hervorragenden SSH-Unterstützung) das oben beschriebene PuTTy-Problem elegant umgehen könnte. Das Problem daran? Unter Windows weigert sich der SSH-Modus (tramp-mode) beharrlich zu funktionieren, außer „Emacs hängt sich auf“ passiert da nicht viel. Wahrscheinlich ist das ein Problem, das sich über einen einfachen Konfigurationseintrag lösen ließe, allerdings fehlt mir dafür gerade die nötige Muße.

Vielleicht sollte ich einfach zukünftig nur noch Windows-Server einsetzen. Da kann ich wenigstens rumklicken.


Neues aus der Netzwelt: IsoHunt muss schließen. Wie schon seit vielen Jahren sind wir eMule- und aMule-Nutzer nicht davon betroffen, weil wir schlicht keine Webseiten, Linkportale, Suchmaschinen und Webbrowser brauchen, um zu finden, was wir brauchen.

NetzfundstückePersönlichesSonstiges
Schauspiel und Kunst. / Ich gründe aus Versehen eine Religion.

Die deutsche Ausgabe der Huffington Post, die Qualitätsautoren wie Boris Becker in ihren Reihen hat, wird auf Twitter schon so ausführlich und genussvoll zum Abfall erklärt, dass ich das nun nicht mehr tun muss. Allein diesen Text – irgendwas mit Sinnfindung, die hier wohl selbst vergebens wäre – tät‘ ich dann zwecks Anschauung doch dann gern mal weiterempfehlen.


Ein ganz anderes Thema ist ja auch viel interessanter. Eine Bekannte wies mich heute auf einen ihr bis dahin unbekannten Film hin, den sie zu sehen beabsichtigte; dies nicht etwa aufgrund nennenswerter Handlung, sondern weil eine Schauspielerin, die sie sehr schätze, Teil der Besetzung sei und der Film somit wahrscheinlich gar nicht schlecht sein könne. Das ist ziemlich skurril. Zwar gibt und gab es Filmkünstler, die in einer bestimmten Phase ihrer Karriere ausnahmslos hervorragende Werke hervorgebracht haben (Woody Allen und Luis Buñuel gehören dazu), dies lag aber nicht an den beteiligten Personen selbst, sondern am Zusammenspiel derer Fähigkeiten mit dem jeweiligen Drehbuch. Man stelle sich einmal Woody Allens „Der Stadtneurotiker“ mit Til Schweiger in der Hauptrolle vor, um das Problem zu begreifen.

Schauspieler werden oft als „Gesicht des Films“ missverstanden, in dem sie agieren. Tatsächlich aber zeichnet einen guten Schauspieler, wenn es nicht gerade um Slapstickkomödien geht, aus, dass er eben nicht als er selbst auffällt, sondern dem Zuschauer das Gefühl realen Geschehens im Beisein Unbekannter vermittelt. Insofern ist sogar Helge „Adolf“ Schneider ein besserer Schauspieler als zum Beispiel, ich erwähnte ihn bereits, Til Schweiger. Ich würde niemals einen Film nur deshalb ansehen, weil ich einen der Schauspieler mag, und wenn Luis Buñuel dem Grab entstiege und sich entschlösse, von nun an Liebesromane zu verfilmen, würde ich das allenfalls mit gerümpfter Nase und krauser Stirn zur Kenntnis nehmen und mich nicht umgehend ins Kino begeben. Das wäre mir unangenehm.

Eigentlich, so fuhr die Bekannte fort, sei es auch gar nicht von Belang, wie gut diese Schauspielerin denn ihre Rolle erfülle, denn sie sei im wahren Leben hübsch und sympathisch, was schon vollkommen genüge, um einen entsprechenden Film zu schätzen zu wissen. Mein Einwand, sie habe vermutlich nie ein Wort mit dieser Schauspielerin gewechselt, beendete den Dialog leider unsanft, bevor ich weitere Kenntnisse daraus gewinnen konnte.

Zu meiner Zeit waren Filme ja noch wegen der Handlung interessant.


In der Blogosphäre wird momentan rege eines dieser so genannten „Stöckchen“ weitergereicht, also eine Sammlung von Fragen, die man nach der Beantwortung einem anderen Blogger weiterleitet. Die ursprünglichen Fragen stammen vom BR und richten sich an die Netzgemeinde. Höhlenmalereigemeinde my ass. Es geht um die Gretchenfrage, wie das Netz es eigentlich so halte mit der Religion, und während ich noch nicht davon überzeugt bin, dass diejenigen, die sich selbst als Nerdblogger betrachten (könnten) und lustige 1337-Fake-sonstwie-Domains benutzen, irgendeiner retrovertierten Weltanschauung viel abgewinnen können und das Konzept eines devoten Glaubens im freien Netz ungefähr so interessant finden wie den BR, würde ich auf eine der gestellten Fragen ungefragterweise doch gern etwas näher eingehen (die anderen sind mir zu doof oder wurden im verlinkten Blog schon ausführlich genug zur Kenntnis genommen), nämlich gleich die erste:

Woran glaubt die Netzgemeinde?

Ich würde ja sagen, ich glaube an den menschlichen Verstand, aber ich kenne Twitter. Was steht uns wohl überwiegend liberalen, technikbegeisterten Freidenkern denn so an Religionen abseits derjenigen Religionen, für die sich der Unterschied zwischen Leben und Glauben nur in Form irgendwelcher absurden Rituale manifestiert, zur Verfügung? Ich bin ein großer Anhänger der Church of Satan, da sie einen rationalen, unaufgeregten Lebensstil predigt, und ich bin durchaus (von ihr selbst völlig unabhängig) versucht, nach ihren Regeln zu leben, aber das ist wiederum ebenso wenig eine Sache des Glaubens wie es meine Übereinstimmungen mit den anderen größeren Religionen sind. „Du sollst nicht töten“ ist ein durchaus vernünftiges Gebot, der Glaube dahinter mit dem weltfremden Bild (beziehungsweise eben Nichtbild) von einem Schöpfergott, der uns irgendwann alle ins Fegefeuer werfen wird, weil wir uns über ihn lustig machen, ist aber nicht mit meinem Selbstverständnis als denkender Mensch vereinbar. Es gilt also zur wahrheitsgemäßen Beantwortung der Frage alternative Glaubensgemeinschaften heranzuziehen.

Die Church of Revengeday? „Wir glauben an das Internet“ bzw. an „wissen wir selbst nicht“, ja, das klingt nach einem typischen Internetnutzer, aber seinen virtuellen Lebensraum zur Religion zu erheben halte ich für gefährlich, mit dem Netz wird auch ohne Religionsstatus schon genug Schindluder betrieben. Mein Bett ist ja auch keine Religion. Passt dann eine dieser Internetreligionen eher zu mir? Wie steht’s mit dem Fliegenden Spaghettimonster? An sich interessant, aber einige der acht „Gebote“ dieser Religion bereiten mir gehöriges Kopfzerbrechen, schon wegen ihrer linksfeministischen Ausrichtung. Eine Religion ist doch keine Partei, herrje.

Auch recht beliebt bei uns Nerds ist der Diskordianismus. Eine zweifelsfrei interessante Idee, die aber in ihren Grundzügen nichts anderes als „Denke selbst!“ besagt – das ist wahrscheinlich nicht das, was mit der Frage gemeint war. Eines allerdings gefällt mir schon, nämlich der Teil mit dem diskordianischen Papst. Ich exkommuniziere in meiner Eigenschaft als unfehlbarer Papst euch allesamt hiermit ebenso wie mich und damit ist die Sache dann auch erledigt. Da kommt der Kopimismus der Netzgemeinde schon eher entgegen, der Glaube an Filesharing, mithin an die Ehrwürdigkeit sozialen Teilens (zum Beispiel von Musik). Wiederum ist dies aber eine Religion, deren Zusammenhang zum allgemeinen Glaubensbegriff ich nicht verstehe. „Ich glaube an Filesharing“ ist wie „ich glaube ans Einkaufen“. Habe ich jetzt versehentlich den Shoppismus ins Leben gerufen? Gedenkt meiner dereinst als Papst der Lehre von Rewe, Amazon und Saturn!

Nein, die Netzgemeinde glaubt eigentlich nur daran, dass sie als homogene Einheit lediglich ein Hirngespinst schlechter und offenbar überbezahlter (weil übermotivierter) „Journalisten“ von öffentlich-rechtlicher Gnade ist. Der Glaube war in dunklen Zeiten stets eine Zuflucht für Menschen, die keine Hoffnung mehr zu finden vermochten. Was das Netz betrifft, bleibt insofern zu konstatieren: Gott ist tot. Wir machen uns jetzt unsere eigenen Götter („A-Blogger“) und lassen sie im Fernsehen und auf Twitter dumme Dinge sagen, die dann trotzdem als unsere Meinung dargestellt und von den Politikern nichtsdestoweniger vollkommen ignoriert werden. Was nämlich will die Netzgemeinde? Erst mal Sascha Lobo fragen.

Und sie sahen, dass es nicht gut war.

Mir wird geschlechtNerdkramsPersönliches
Eine ganze Wikipedia voller Manipulatoren

Eine der lustigeren Beschimpfungen, die mir im Laufe meiner Karriere als Internetnutzer bisher so entgegengeschleudert wurden, ist übrigens Manipulator.

Was war passiert? Ich hatte es nach ausführlicher Diskussion mit anderen Autoren gewagt, den von verschiedenen Quellen als tendenziös und den Radikalfeminismus (zur Bedeutung dieses Begriffs bitte Valerie Solanas erforschen) verharmlosenden Wikipediaartikel über Feminismus dergestalt zu ändern, dass er eine klare Trennung zwischen „dem Feminismus“ – den es als homogenes Konstrukt nicht gibt – und den verschiedenen sexistischen bis gemäßigten Strömungen desselben vornimmt. In der Folge wurde ich mehrfach, unter anderem auf Twitter, der Manipulation bezichtigt.

Da kennen sie eben keinen Spaß, die Verfechter der neuen Offenheit: Freiheit ist super, aber sie möge nur dem eigenen hehren Zweck dienen. Wer Artikeln in der Wikipedia einen neutralen Anstrich zu verpassen versucht, ist kein Wikipediaautor, sondern ein Manipulator (ach, nein: ein Möchtegern-Manipulator, was dann sogar doppelt Käse ist), als handele es sich um jemanden, der widerrechtlich in die Wikipediadatenbank eingebrochen ist und da unerlaubt herumeditiert hat.

Interessantes Gedankenspiel: Wenn das Editieren von Texten, um deren Bearbeitung ausdrücklich gebeten wird, bereits mit Manipulation gleichgesetzt wird, wie schlimm muss es erst um freie Software bestellt sein? Man steuert in der Welt der freien Software also keinen Code mehr bei, man manipuliert an Software herum. Wer es wagt, Codeänderungen vorzunehmen, die nicht jedem Benutzer des jeweiligen Programms gefallen, ist manipulativ.

Ich schlage zur besseren Trennung zwischen guter und böser Manipulation an dieser Stelle das Wort „wikipulativ“ nebst Deklination und Ableitungen vor. Den Vorwurf, wikipulativ zu sein, lasse ich mir zumindest gern gefallen.

Persönliches
„Schnell, macht mal den Fernseher an, da kommt scheußlicher Schund!“

Twitternutzer wissen es: Wenn im Fernsehen „Wetten, dass…?“ oder „Tatort“ läuft, herrscht Hochbetrieb bei den Mikrobloggern. Jede Szene wird spöttisch kommentiert, wozu Markus Lanz und Til Schweiger, zugegeben, geradezu einladen. Nicht, dass ich mich an der kollektiven Selbstenthirnung beteiligen würde, denn ich habe kein Interesse daran, mit Schmuddelkindern zu spielen. Ich muss Scheiße nicht fressen, um zu wissen, dass sie mir nicht schmeckt.

Konsens scheint es ohnehin zu sein, dass zumindest erstgenannte Sendung qualitativ das Adverb „qualitativ“ nicht einmal in Kombination mit „schlecht“ verdient. Nach dem – hihi – Ausscheiden von Thomas Gottschalk kannten die Medien auch nur noch dieses eine Thema: Mit der Sendung sei’s vorbei, das werde nix mehr, es war sowieso schon immer schlecht und wurde nicht besser. Ja, damals, als deutsches Fernsehen noch einen gewissen Anspruch hatte und Moderatoren noch nicht jeden Satz mit „hehehe“ beendeten, war „Wetten, dass…?“ noch eine ernst zu nehmende show und kein netter Zeitvertreib für Leute, die zu blöd sind, um sich mit einer Spirituose und einem Buch und/oder Laptop vor den Kamin zu setzen und/oder zu legen.

Beim Tatort kann ich es noch verstehen: Fernsehzuschauer …

(…) brauchen, so scheint es, stets das Bild des Grauens vor ihren Augen.

Dabei geht es, wohlgemerkt, um tote Leichen, nicht um Markus Lanz. Was also ist das für ein seltsames Phänomen, das die Leute dazu treibt, der ganzen Welt stolz mitzuteilen, dass sie nunmehr beginnen, eine Fernsehsendung zu konsumieren, die sie weder wertschätzen noch anderen zumindest sympathischen Menschen empfehlen würden? Was bewegt Nonsensmedien wie SPIEGEL ONLINE dazu, allerlei belangloses Geschehen rund um dieses in Szene gesetzte Leiden (ebd.) zu dokumentieren?

Vielleicht ist es Tradition. Leute gucken „Wetten, dass…?“, weil sie das vor 20 Jahren schon getan haben, sie wählen CDU, weil sie das vor 20 Jahren schon getan haben, sie lesen Tageszeitung (oder die jeweils gängige Onlinefassung derselben), weil sie das vor 20 Jahren schon getan haben. Grug Crood wäre ihnen ein stolzer Vater. Wir aber, wir jungen Wilden, sind anders aufgewachsen. Wir haben gelernt, unser Leben selbst zu gestalten. Will nicht jede Generation ganz anders sein als die Generation ihrer Eltern? Wir lesen nicht die Zeitung unserer Eltern. Wir wählen nicht die Lieblingspartei unserer Eltern. Wenn nur Grütze im Fernseher läuft, lassen wir den Scheißfernseher ganz einfach mal aus oder kaufen uns am Besten gar nicht erst einen.

Aber wahrscheinlich löst sich dieses Problem bald von selbst.

PersönlichesPiratenpartei
Grundrechte auf Piratisch

Ich wurde vorhin auf Twitter gefragt, ob ich Dogmatiker sei, weil ich in diesem Jahr nicht am Wahlkampf der Piratenpartei teilnehme. Hier habe ich ausreichend Platz für eine ausführliche Antwort:

Ich würde mich nicht als einen Dogmatiker bezeichnen, ich bin jedoch Idealist. Zu meinen politischen Idealen gehört Ehrlichkeit, denn die Unehrlichkeit der großen Parteien, die keinerlei Interesse daran haben, sich konsequent für die Umsetzung ihrer Wahlversprechen einzusetzen, zu adaptieren halte ich für wenig erstrebenswert. Und bei der Ehrlichkeit geht es schon los.

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In den NachrichtenPersönlichesPiratenpartei
Ehe(,) die Freiheit endet

Auf der diesjährigen Demonstration „Freiheit statt Angst!“, über die sehr unterschiedlich berichtet wurde, hat die politische Geschäftsführerin der Piratenpartei Deutschland symbolisch die Freiheit geheiratet. Während ihr das zweifelsohne eine löbliche Liebe zur Freiheit bescheinigt (auf Vermögensteilung kann sie in diesem Fall zumindest nicht hoffen), stellt sich mir die Frage, was das für die anderen Menschen bedeutet, die ebenfalls gern die Freiheit einen wichtigen Teil ihres Lebens sein ließen. Führt Frau Nocun eine offene Ehe, oder steht die Freiheit nun niemandem außer ihr mehr zur Verfügung?

„Freiheit, Freiheit ist das Einzige, was zählt.“
— Marius Müller-Westernhagen: Freiheit

„Du bist alles, was jetzt zählt.“
— Die Ärzte: Alles

Diejenigen von euch, die bislang das Vergnügen hatten, sich mit mir als Privatperson und nicht nur als virtuellem agent provocateur auseinanderzusetzen, sind vielleicht bereits damit vertraut, dass ich so manche Stunde meines Lebens damit verbracht habe, darüber zu sinnieren, ob Zweisamkeit überhaupt eine Lösung sein kann, und bislang keine dauerhaft zufriedenstellende Lösung fand. Wenn aber die Ehe das Maximum der Gefühle und nicht nur Selbstzweck mit Option auf Hinterhalt ist, ist es nicht die Symbolik allein, die die Delinquenten am Gemeinsam festhalten lässt?

Eine ziemlich seltsame Angewohnheit meist junger Paare ist das Anbringen von „Liebesschlössern“ an Brücken (bevorzugt in großen Städten):

Liebesschlösser; CC-BY-SA von Wikipedia-Nutzer "ILA-boy".

Vordergründig geht es hier wie auch bei der Eheschließung um die Besiegelung ewiger Liebe, und es nähme mich nicht wunder, behälten die meisten von ihnen einen Schlüssel zur späteren Buße bei sich, nur zur Sicherheit. Nur schwer zu übersehen ist jedenfalls, dass ein Vorhängeschloss als Symbol für ewige Liebe ungefähr so tauglich ist wie Handschellen (gekreuzte Ringe, ein verbreitetes Symbol für die Ehe, sehen diesen ja nicht unähnlich); Vorhängeschlösser dienen nun einmal vor allem dem Wegschließen von Dingen. Ein besseres Symbol für Ewigkeit wäre vielleicht eines dieser alten Nokia-Mobiltelefone oder eine Deutschlandfahne. Deutschland ist, das wissen wir seit 1953, bekanntlich ebenfalls ewig.

Während Zweisamkeit in ihrer reinen Form, stets im Bewusstsein ihrer meist unabwendbaren Endlichkeit, dem eigenen Leben bei Gefallen einen nicht unangenehmen Aspekt hinzufügen kann, stellt ihre Festigung einen meist gravierenden Einschnitt in die Freiheit dar, zumal Kompromisse auf Kosten der jeweils eigenen Entfaltung in der Regel unabwendbar sind. Einer wie auch immer gearteten Liaison, die nur deshalb Bestand hat, weil mindestens einer der von ihr Betroffenen Zugeständnisse macht und dabei Einbußen in Bezug auf seine eigene Individualität in Kauf nimmt, gilt es entsprechend zu begegnen. (Selbst das Annehmen des Namens des jeweiligen Partners im Zuge der Eheschließung ist eine Selbstaufgabe, indem man sich zu einem Bestandteil seines Partners degradiert, was andersherum aber nicht der Fall ist.)

Man verstehe meine Ausführungen nicht falsch: Freiheit und Beziehungen, welcher Art auch immer sie sein mögen, schließen sich nicht gegenseitig aus. Allzu töricht ist es aber, aufgrund einer solchen Beziehung, die bislang unbeschadet Bestand hatte, ohne erkennbaren Anlass weitere Freiheit aufzugeben.

Insofern ist es womöglich tatsächlich nur konsequent von Frau Nocun, die Freiheit zu ihrem Lebenspartner zu wählen, denn nur in diesem Fall wird ihre eigene Freiheit nicht eingeschränkt. Ist halt nur, wie gesagt, doof für alle anderen.

„Bewahrt einander vor Herzleid. (…) Bewahrt einander vor der Zweisamkeit.“
— Rammstein: Herzeleid

MusikPersönliches
Rezensentenleid

Seit ich hier gelegentlich das mit der Musikkritik mache, werden noch gelegentlicher auch rezensierte Musikgruppen auf mich aufmerksam und drehen mir bei Gefallen ihre jeweils neuesten Kreationen an. Dafür war ich bisher ziemlich dankbar, denn der Kontakt zu den Musikern war bislang immer freundschaftlich und andauernd, und gegen eine geringe Gebühr in Form einer Rezension gab es immer wieder neue Musik zu hören, die mich begeisterte.

Heute nun lag eine CD im Briefkasten, über die ich nicht sehr erfreut bin. Die österreichische Plattenfirma Flix Records hat wohl mitbekommen, dass ich irgendwas mit Rezensionen mache, und mir das 2012er Album „All A Man Can Do“ – hierzulande am 10. April 2013 erschienen – der eigenen Schützlinge Continental zugesandt, gegründet unter anderem von Rick Barton (Dropkick Murphys, The Outlets) und seinem Nachwuchs, was an sich eine hervorragende Referenz ist. Das Album kam in einer schlichten blauen Papiermüllpackung daher, wie man sie von Heft-CDs kennt. Das artwork wurde auf dem beiliegenden Infozettel in einer überaus miserablen Quaität abgedruckt:

Post von Flix Records

Die sichtbaren JPEG-Artefakte auf dem Albencover sind übrigens keine Folge meiner Digitalisierung.

Werte Plattenfirmen, das Erste, was wir anspruchsvollen Konsumenten von einem neuen Musikalbum zu sehen bekommen, ist das artwork, die Verpackung. Je hübscher die Aufmachung, desto mehr freuen wir uns darauf, uns mit dem Album zu beschäftigen; Musikgruppen wie Dear John Letter und Sebkha-Chott dürfen euch hier gern zum Vorbild werden. Wenn ihr zur Promotion die paar Cent sparen wollt, die euch so eine Verpackung kostet, nervt uns nicht mit halbherzig hingerotztem Restmüll, sondern schickt uns einfach ’nen Downloadlink für eine (akzeptabel kodierte) digitale Fassung des zu bewerbenden Musikalbums, da könnt ihr dann auch hochqualitative JPEGs beilegen. Wir Internetrezensenten sind wahrscheinlich in der Lage, damit zu arbeiten; das wüsstet ihr aber, wenn ihr euch auch nur ein klein wenig mit den Rezensionen derer, die ihr mit eurer kruden Musik beglücken wollt, beschäftigen würdet. „Du machst doch was mit Musik, bring‘ mir mal Schlagzeugspielen bei.“

Dies vorausgesetzt habe ich allgemein nichts dagegen, wenn jemand mir mit guter Musik eine Freude machen möchte. Manchmal, aber nur manchmal, haben Frauen senden mir gute und weniger gute Bekannte mir bis dato unbekannte Aufnahmen, über die ich in der Regel recht erfreut bin. So geriet ich etwa in Besitz von Alben der großartigen Carla Bozulich (Evangelista) und des nicht minder großartigen Tom Waits. Für Neuentdeckungen dieser Art bin ich stets offen, Bekannte würden mich niemals mit scheußlicher Scheißmusik nerven. Sie kennen mich. Plattenfirmen aber kennen mich nicht, denn ich habe mich ihnen niemals persönlich vorgestellt. Plattenfirmen werfen uns Musikfreunde in den großen Topf der potenziellen Stammkunden, rühren einmal um und halten das für eine homogene Soße. Dass man mich mit Musik, die ich nicht mag, eher verschreckt als als Kunden gewinnt, scheint als Kollateralschaden gewertet zu werden. Bekanntheit ist alles, und jeder, der den ungefragt zugesandten Kram auch nur öffentlich erwähnt, macht damit gegen einen lächerlich geringen Preis automatisch Werbung für die jeweiligen Musiker.

Und was macht man dann mit diesen Erzeugnissen? Wegschmeißen ist doof, obwohl ich erst vor kurzem eine Ladung Jugendsünden weggeworfen habe, um Platz zu schaffen für neue großartige Musik. Aufbewahren? Nee, die liegen dann nur rum und stauben mich voll. Optimal wäre es wahrscheinlich, den Krempel einfach zurückzuschicken (Porto zahlt Empfänger), wie wir es damals mit AOL-CDs gemacht haben.

Also keine Sorge, Continental, euer Album höre ich später noch, obwohl mich euer beigelegtes Infoblatt schon eher langweilt. Ist eure Presseabteilung zu faul, sich wenigstens vorher über meinen Musikgeschmack zu informieren, statt mich mit Country, Blues und dem Spirit des Punk zu belästigen? Ausgerechnet Country! Für eine positive Bewertung garantiere ich lieber nicht.

Aber wahrscheinlich könnt ihr nicht mal was dafür. Vielleicht überrascht ihr mich ja auch positiv. Wir werden sehen.

Mir wird geschlechtNetzfundstückePersönliches
Breitbeinige Macht

Der Feminismus hat neben einigen akzeptablen Ansätzen zur Weltverbesserung (etwa der Abschaffung der Unterschiede zwischen den Geschlechtern) auch einige spinnerte Ideen hervorgebracht, etwa die Frauenquote (denn eine moderne Frau möchte offensichtlich die Vaginaquote von Mannes Gnaden – von wegen selbstbestimmt – erfüllen und nicht mit so etwas Lästigem wie Kompetenz überzeugen müssen) und die kaum noch auszumerzende Überzeugung, dass alles, was ein Mann nicht gebückt tut, automatisch ein Zeichen von Macht sei.

Sexismus sei ein rein männliches Phänomen, denn ein Mann, so ließ mich ein überzeugter Feminist (männlich) unlängst wissen, habe Macht, die eine Frau nicht habe, und daher könne eine Frau nicht sexistisch sein. Nun, dieser Feminist sollte einmal mit offenen Augen durch die Welt gehen. Männerfeindlicher Sexismus in der Werbung? Aber natürlich! Oder darf’s etwas subtiler sein? Dann stellt euch mal diese Satzanfänge vor: „Männer sind …“ und „Jungen sollen nicht …“. Euch fällt sofort mindestens eine Ergänzung ein? Glückwunsch: Ihr seid Sexisten.

Ach, die männliche Macht spiegelt sich auch in der Gewalt gegen Frauen?

[E]twa 30% der Frauen und der Männer sind gewaltaktiv -, jedoch in jeweils unterschiedlichen Formen: Männer tendieren stärker zu (sichtbarer) physischer Gewalt, Frauen stärker zu (unsichtbarer) Kontrollgewalt und verbaler Gewalt. (…) Dabei erleiden Männer stärker als Frauen physische Gewalt, aber in etwa zu gleichen Anteilen wie Frauen sexualisierte Gewalt.

Beziehungsweise eben: Drei Viertel aller Opfer sind Männer. Solche Prozentangaben stützen sich wohlgemerkt meist auf die Zahlen, die öffentlich verfügbar sind. Ein Mann, dem von einer Frau Gewalt angetan wird, geht damit jedoch nicht allzu gern an die Öffentlichkeit, er würde vermutlich meist ausgelacht oder zum Einzelfall gemacht. In der Gesellschaft ist das Bild des starken Mannes fest verwurzelt. Das wird schon im Kindesalter gelehrt: „Jungen weinen nicht.“ Ob das die Jungen auch so sehen?

Ich persönlich, friedfertig, wie ich bin, habe in meinem Leben jedenfalls schon mehr (unter anderem verbale) Gewalt durch Frauen erfahren als ich jemals ausüben würde. Es wäre einfach nicht zielführend, mein Gegenüber wüst zu beschimpfen – einen Disput löse ich bevorzugt mit den besseren Argumenten. Als Mann aber habe ich Macht, da muss ich mir so etwas natürlich gefallen lassen. Als ich mich kürzlich (blöderweise) in eine Feminismusdiskussion einschaltete und mein Leid beschrieb, hieß es jedenfalls, es sei sicherlich blöd, dass mir das passiert ist, aber ich sei immer noch die Minderheit und habe gefälligst zu akzeptieren, dass ich ein strukturell mächtiger Mann sei.

Zugegeben, Mädchen müssen im Sportunterricht für die gleiche Bewertung weniger gute Leistungen vollbringen, werden (dank Frauenquoten) oft bevorzugt eingestellt, sind damit seltener arbeitslos, bekommen später mehr Rente und in einem Sorgerechtsstreit in der Regel auch die gemeinsamen Kinder zugesprochen. Viel Macht bleibt mir da nicht mehr übrig. Ich habe nicht mal mehr die Macht, vor Wut zum Hulk zu werden, denn dabei würde meine Kleidung platzen, und gemäß § 183,1 StGB ist öffentliche Nacktheit strafbar – sofern man ein Mann ist.

Ja: Ich bin ein Mann! Naturgegeben ist mein Machoverhalten, und jedes Zucken meiner Gliedmaßen signalisiert meine Gewaltbereitschaft. Oi, bin ich böse! – Das sehen vermutlich auch Frauen in der U-Bahn so:

Ich saß in der U-Bahn und dachte an nichts Böses, als ich die Frau fluchen hörte. Sie war um die 50 und hatte ihre Einkaufstüten auf einen Sitz ein paar Reihen weiter vorne gewuchtet. Jetzt zischte sie den Mann auf dem gegenüberliegenden Platz an: „Müssen Sie so breitbeinig dasitzen? Es gibt auch noch andere Menschen hier!“ Allerdings hatte sie noch einen Sitzplatz für sich selbst und ihre Tüten gefunden. Der Mann, um die 40 und augenscheinlich mit Migrationshintergrund, schaute verwirrt von seinem Handy auf. Die Frau beruhigte sich gar nicht. „Sie sitzen da, als seien Sie alleine auf der Welt….“ Der Mann sah entgeistert aus, vielleicht verstand er die Frau noch nicht einmal. Er stand auf und setze (sic!) sich woanders hin.

Breitbeiniges Sitzen – für Frauen ebenso untypisch wie im Stehen zu pinkeln – ist offenbar ein Zeichen von männlicher Macht. Ich wüsste ja schon gern, welchen Vorschlag die Frau um die 50 zur Platzierung des kleinen Unterschieds zwischen den Beinen gemacht hätte und ob die anderen Menschen hier nicht vielleicht bequemer sitzen sollten als Einkaufstüten, aber leider wurde sie nicht gefragt.

Darauf erst mal ein schönes blutiges Fruststeak.

Persönliches
Kamerawahn

Auf Twitter werden momentan in Vielzahl Fotos von Demonstrationen gegen staatliche Überwachung veröffentlicht.

Vielleicht bemerkt ihr die Diskrepanz zwischen „vielen Fotos“ (aus vielen Kameras) und „Demonstrationen gegen Überwachung“.

Ein Twitternutzer fragte mich angesichts dieser Bedenken anscheinend fassungslos, ob ich denn auch keine Fotos vom Publikum von Fußballspielen und Konzerten dulden würde. Nun: Nein. Wenn ich Berichterstattungen über Konzerte oder Fußballspiele lese, dann bin ich nicht am Publikum interessiert, sondern ich möchte Fußballspieler oder Musiker spielen sehen. Beliebige Menschen sehe ich quasi jeden Tag um mich herum, dafür benötige ich keine Presse.

Es gibt exakt keinen für mich akzeptablen Grund, eine Demonstration gegen Überwachung im Bild festzuhalten. Auch die Berichterstattung über diese Demonstration funktioniert in Textform hervorragend, das Radio schafft das doch ebenfalls.

Aber das ist ja im Zeitalter der Smartphones und Fotobrillen alles so praktisch.

LyrikPersönliches
Passiv leben

Was lässt euch eigentlich glauben, dass ihr wisst, was es heißt, am Leben zu sein, wenn ihr die Welt um euch herum einfach geschehen lasst?

Schaut den Menschen ins Gesicht, die euch jeden Tag begegnen. Sie sind grau. Sie sind leer. Sie sind ihre eigenen Schatten.

Liebt ihr oder werdet ihr geliebt?

Lebt ihr oder werdet ihr gelebt?