Archiv für die Kategorie ‘Persönliches’.

Ich rede nicht gern über mich, aber manchmal schreibe ich. Und dann schreibe ich das hier.

Persönliches
Der Geier Nachhall

Dass mein Kirchenaustritt nicht folgenlos verhallen würde, war mir ja beinahe schon klar.

Gestern erreichte mich ein am 11. August 2014 verfasster Brief, in dem der zuständige Pfarrer meinen Austritt bedauert. Sogar die Briefpost der katholischen Kirche hinkt erschreckend ihrer Zeit hinterher. In diesem Brief stellte er handschriftlich die Frage, was sie – die Kirchenleute – bloß falsch gemacht hätten. Offensichtlich scheint ein Austritt gerade üblich zu sein, denn abgesehen vom handschriftlichen Teil handelt es sich um einen Serienbrief. Ein Verein, der eine Serienbriefvorlage zur Beantwortung von Austritten aus dem Verein benutzt, hat tatsächlich wohl größere Probleme als er selbst annehmen dürfte.

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In den NachrichtenPersönliches
Ein Geier weniger.

Und, ihr römisch-katholischen Knabenverführer, ihr könnt gern weiter wie die Geier um das Aas kreisen. Ich spiele nicht mehr mit euch.

Kirchenaustritt


Wem gebührt eigentlich das Urheberrecht an einem Selbstporträt eines Affen? Klar: Dem Affen.

Hoffentlich hat er einen guten Anwalt.

In den NachrichtenPersönliches
Torheit und Tore

Ich habe es wirklich versucht, mich in euch hineinzudenken, ihr Passivsportverrückten, die ihr jedes Tor seitens einer Mannschaft, deren Spieler mit euch nichts außer der Staatsangehörigkeit verbindet, mit einem frenetischen Jubel verbindet und wenigstens dafür eure wirren Gesänge („Superdeutschland, léolé“, alternativ „superdeutsch, olé olé“, alternativ „ääääööööääääööööääää“) kurzzeitig unterbrecht.

Ich habe in der verrückten Annahme, mir würde irgendein großer Spaß entgehen, wirklich versucht zu verstehen, was daran so reizvoll ist, von einem „Wir“ zu sprechen, wenn irgendwo in Südamerika, umgeben von allerlei Armutsvierteln, in denen Kinder verhungern, ein knappes Dutzend an Herren, deren Schulbildung sie offenbar nicht zu einem anständigen Beruf verleiten konnte, hinter einem Ball herrennt, dafür pro Person und Spiel mehrere Jahresgehälter eines Durchschnittsmitglieds eurer Gemeinschaft erhält und hinterher mit dummen Fragen konfrontiert wird, die etwa zum Inhalt haben, wie sie es denn fänden, gewonnen zu haben, also mental und so. „Wir“ haben gewonnen. „Wir“ exportieren Panzer und schießen im Ausland auf Menschen. Tor!

Ich habe mir das bizarre Halbfinalspiel zwischen Deutschland und Brasilien tatsächlich teilweise angesehen. Kenne deinen Feind. Zum Glück wird im Fußball niemand bestochen, sonst wäre ich ein wenig skeptisch bezüglich der Statistik in der ersten Halbzeit gewesen, aber ich habe auch keine Ahnung von diesem Sport. Da bekommt also ein mehrmaliger Weltmeister dermaßen eins auf die Mütze, dass die Anhänger der brasilianischen Mannschaft zum Ende hin großteils dazu übergehen, die deutschen Spieler zu bejubeln und die eigenen auszupfeifen, und ich habe euch immer noch nicht verstanden.

Worum geht es euch, wenn ihr vor dem Fernseher oder in der Kneipe lautstark einer Zeitverschwendung zuseht, anschließend die Nachbarschaft stundenlang mit eurem Gegröle von sinnvolleren Tätigkeiten abhaltet und derart laut hupend durch die großen Städte korsot, dass ich mich sogar darüber freuen kann, in einem idyllischen stinklangweiligen Städtchen zu hausen? Protest gegen die Benzinpreise wird’s nicht sein. Ist es das Gemeinschaftsgefühl, das man entwickelt, wenn man einer großen Gruppe von Menschen (denen, die sich aus Passivsport nichts machen) gemeinschaftlich auf die Nerven fällt? Agieren brasilianische fans, die die Mannschaft, denen beim Laufen zuzusehen sie teuer erkauft haben, im Kritikfall auch mal auspfeifen, so völlig anders als ihr?

Ich habe wirklich versucht euch zu verstehen. Erklärt mir, was den Reiz dessen ausmacht, gemeinsam mit anderen Betrunkenen eine Mannschaft anzufeuern, die man danach auswählt, welche Hymne sie schief mitgrölt. Ich weigere mich anzunehmen, dass die nahe liegende Antwort, dass ihr so wenigstens kurzzeitig nicht darüber nachdenken müsst, dass eure erschreckende Passivität eine Ursache für den Zustand eures Lebens ist, die einzige Begründung liefert. Würdet ihr auf das, was euer Leben bestimmt, wenigstens fast so viel achten wie auf ein paar schlecht gekleidete Millionäre, dieses Land wäre ein besseres. Wir haben das mit der Revolution bisher offenbar völlig falsch gemacht. Vielleicht funktioniert es ja so: He, Fußballfans, der Bundespräsident hat vielleicht heimlich auf 2:0 für Brasilien getippt!

Meine Arbeit hier ist getan.

MusikNetzfundstückePersönliches
Dreimal kurz erwähnt: Geschlechtsreife, Gemüsenazis und die gute alte Sehnsucht

Kannte ich noch gar nicht: Die Geschlechtsreife allein berechtigt noch nicht zur Inbetriebnahme der Geschlechtsorgane.


Rührend: Die „Jungle World“ („Club-Mate ist das Getränk des kommenden Aufstands“, 28. April 2011) macht sich Sorgen um die Gesundheit zweier veganer Kochneonazis:

Besorgniserregend hoch scheint der Koffeinverbrauch der beiden Köche zu sein. Gleich drei Kisten einer beliebten Mate-Limonade sind im Hintergrund zu sehen und auch sonst stehen Flaschen des Getränks fast überall in der Küche herum.

Da sieht man mal, wie krank die sind!


Apropos „Jungle World“:

De|si|de|rat, das; -[e]s, -e [lat. desideratum = Gewünschtes]: (…) (bildungsspr.) etw., was fehlt, was nötig gebraucht wird; Erwünschtes[.]

Und eigentlich kennt man das ja, dieses Gefühl, wenn etwas fehlt, etwas gebraucht wird; was dann auch meist gar nicht mal so fern ist, aber doch unnahbar, weil man statt des bequemen Weges vorbei an Wiesen und Flüssen lieber die steinige Abkürzung nimmt, um zu beweisen, dass man es nicht nur bequem haben will, und man bricht auf dem Weg zusammen und rappelt sich dann doch wieder auf, geleitet nur von den Farben und der Stimme, wie in diesem einen Lied, das jeder kennt und das für jeden anders heißt.

From Monument To Masses – "Deafening" – 4/27/07

Und eigentlich ist es trostlos, wenn sie nicht bei einem ist. Aber das kennt ihr ja.

Persönliches
Impressionen: Romantische Betrachtung einer Sommernacht am Fluss (Versuch 9)

Überrascht von der plötzlichen Stille hält man plötzlich inne und bleibt stehen. Der Krach der Stadt wird verschluckt von der Weite des Wassers. Am Horizont flimmert das Leben vorbei.

Viel zu helles Straßenlicht verfolgt einen einsamen Radfahrer, der sein Gefährt vorüberschiebt. Ob er nach Hause geht oder zu Freunden? Sein Gesicht verrät es nicht. Stimmen schwellen an und ebben ab; kein Mensch begleitet sie. Man ist allein mit sich und der unendlich scheinenden Freiheit, die sich vor den eigenen Augen auftut.

In Sichtweite tost der Alltag, Menschen eilen der Zeit hinterher, als sei dieser Tag ihr letzter ohne Ketten. Dass sie gefesselt sind von der Zwölf, wird ihnen niemals bewusst sein.

So, weiß man, möchte man niemals werden. Man lässt sie rauschen und entschleunigt mit Blick auf das Wasser. Die Laternen trüben das, was vor einem liegt.

Es könnte in diesem Moment nicht gleichgültiger sein.

ComputerPersönliches
Warum 1 und 1 manchmal doch Nullen ergibt

Mit wenigen Ausnahmen halte ich mich hier auf dieser meiner Internetpräsenz ja zurück mit dem Beleidigen großer Zusammenschlüsse von Menschen, die mir unter Umständen für mein ehrenrühriges Benehmen ordentlich einen reindrücken könnten; das bedeutet, sobald ich das tu‘, muss schon einiges passiert sein.

Ein wenig Vorgeschichte: Es ist nur wenige Jahre her, als ein neuer DSL-Anbieter ins Haus musste. Ich war damals noch nicht mit ausreichend Kenntnissen von den verschiedenen Konkurrenten ausgestattet und musste mich somit auf die schönen neuen Heilsversprechen aus der Werbung verlassen. Die Telekom, das war damals schon klar, war nie für ihre Kundenfreundlichkeit bekannt. Ganz anders 1&1, ein Unternehmen, das noch vor wenigen Jahren mit Marcell d’Avis, dem Leiter für Kundenzufriedenheit, warb. Ein Leiter für Kundenzufriedenheit? Ja, der war echt!

Unkenrufen von Freunden, 1&1 sei alles andere als empfehlenswert, schenkte ich keinen Glauben. Irgendwas ist ja immer. Wessen Anbieter ohne Fehler ist, der werfe den ersten Stein. So hatte ich nun jedenfalls einige Jahre lang ziemlich problemlos DSL via 1&1, es gab keine untypischen Probleme, die nicht mit Stromausfällen oder ähnlichen Dingen zu tun hatten.

Bis gestern.

Gestern gegen 13 Uhr beschloss 1&1, dass der hiesigen Wohnregion ein zünftiger Leitungsausfall mal gut täte. Bei so etwas sind sie dann auch immer recht schnell. Eine Kleinigkeit, sollte man meinen, gerade auch, da 1&1 momentan vollmundig im Fernsehen dafür wirbt, dass ernsthafte Probleme in der Regel binnen eines Werktages gelöst würden.

1&1 sah das anders. Die „bekannte Störung“ sei bereits dabei, behoben zu werden, hieß es noch am Dienstagabend; heute Mittag – der Router zeigte eine „DSL-Störung“ an – hieß es schließlich, das Problem könne nicht von der Ferne aus behoben werden, ein Techniker müsse Montag kommen. Montag? Ach, was – vor Mittwoch gebe es ohnehin keinen freien Termin.

Frühestens Mittwoch.

Frühestens siebeneinhalb Tage (also einen sehr langen 1&1-Werbungstag) nach dem Ausfall findet man im Hause 1&1 Zeit und Muße dafür, dass Telefon und Internet bei einem, zugegeben, nur Privatkunden mal wieder läuft. Also vielleicht.

Wisst ihr Ferkelwemser von 1&1 eigentlich, wie lange siebeneinhalb Tage so sind? Das ist über eine Woche. Eine Woche ist ungefähr ein Viertel eines Monats. Ein Monat ist der Zeitraum, für den ihr vermutlich regelmäßig euer immer noch deutlich zu hohes Gehalt bezieht. Keine Sorge, ich werde mein Scherflein dazu beitragen, dass es angemessen gekürzt wird – ich zahle, sobald ich wieder funktionierendes Internet habe, um euch rücksichtslosen Kunden verachtenden Scheißladen endlich durch einen anständigen Anbieter mit wenigstens geringem Anspruch an die Zufriedenheit seiner Kunden zu ersetzen, euch schon bald nichts mehr ein.

Marcell d’Avis ist längst Geschichte. Ein Unternehmen wie 1&1 braucht nun mal keine Schnittstelle zum Kunden mehr.

Und wisst ihr, was ihr eigentlich auch sparen könnt, ihr von 1&1? Richtig: Die Kunden! Aber keine Sorge, das Problem löst sich sicherlich von ganz allein. Macht einfach so weiter.

LyrikPersönliches
Sie. (Fragment 9)

„We can’t afford the time to sit and cry or to wonder why.
We’ve got so many things started to say, we have to get through.“
— Tindersticks: Rented Rooms


… Sie waren zu weit gegangen.

Es spielte keine Rolle mehr, wer sie waren oder was sie einander bedeuteten. Es hatte sich viel getan, seit sie damals in den Wirren der neuen Zeit aufeinandertrafen, fest verwurzelt in ihrem eigenen Geflecht, das sie niemals aufgegeben hätten.

Die Zeit aber blieb nicht stehen. Während ihr Wurzelwerk sich immer feiner verflocht, löste er sich aus seinen Ketten und schwebte davon, ob er wollte oder nicht; und manchmal blieb er auf seinem Flug hängen an den aufsteigenden Ballons, verfing sich in den Lianen seiner Unzulänglichkeit. Sie hatte ihn durch die Wirren begleitet, nie als sein Schatten, jedoch, wenn er wie so oft strauchelte, als jemand, der ihm das Messer lieh, das ihn befreite. Trotz allem, was sie trennte: Nie hätte er das missen wollen.

Eine unachtsame Berührung war es, die ihn aus seinen Tagträumen hochschrecken ließ, versunken im Gedanken an eine Zeit ohne Sorgen, an den letzten Tag, an dem er glücklich gewesen war, an dem Ort, an dem er sich lebendig fühlte. Ob es der seltsam vertraute Ort war, der Alkohol oder die Melancholie, die ihn vom Horizont aus umwehte? Er wusste es nicht und er weigerte sich, darüber nachzudenken.

Er musste fliehen.

Als sie darüber sprachen, schien es ihm noch unwirklicher als je zuvor. War sie immer noch die, die er zu kennen glaubte? Je mehr er über sie erfuhr, desto unsicherer wurde er. Bis dahin war es wie selbstverständlich erschienen, ihr zu begegnen. Je öfter sie sich fortan begegneten, desto verrückter wurde es für sie, die gebotene Distanz zu wahren, da ein Schritt zurück täglich schwerer erschien und ein Schritt nach vorn immer auch ein Schritt näher zur Zerstörung gewesen wäre. Sie wollten einander nicht verletzen und scheiterten an sich selbst.

Nun, da sie einander atemlos gegenüber saßen, berauscht voneinander und doch betrübt von der Gewissheit, dass sie einander zum Greifen nah, aber letztlich unerreichbar waren, sann er sich zurück an den Ort, an dem er sich geborgen fühlte. „Was“, dachte er, „ist Liebe eigentlich?“, während er in ihren Armen lag und wusste, dass nichts mehr von dem, was er jetzt sagen oder tun würde, von Bedeutung sein würde.

Der Mond schwieg, als die Erinnerung seinen Sinn trübte. Wie schön sie doch war; wie schön es doch gewesen war. Er fühlte sich frei und war sich gewiss, dass diese Freiheit ihren Tribut fordern würde. Er ahnte nicht, wie hoch der Preis sein würde. …


„We’re alone and I’m listening;
I’m listening so hard that it hurts.“
— Leonard Cohen: Amen

Persönliches
Schlechte Karten

Es ist ja nicht so, dass ich das Konzept der „Kundenkarte“ aus wirtschaftlicher Sicht nicht prinzipiell verstehen könnte.

Die, die man mit irgendwelchen Punkten befüllen kann, damit man irgendwann am Ende eines Jahres einen hässlichen Kochtopf nebst Messerset (das man den Verantwortlichen dann wenigstens als feedback hinterlassen kann) oder einen Stoffteddy mit Schlüsselring dran sein eigen nennen „darf“, sind hinlänglich bekannt und zu Recht Zielscheibe diversen Spotts (Rache!), aber es gibt auch noch die kleinen, unscheinbaren, die man einfach bekommt und dann liegen sie halt herum und landen irgendwann im Nachlass. Man ist also irgendwann tot und die Urgroßneffen spielen mit den Hinterlassenschaften und finden darin Karten, deren Zweck ihnen ebenso wenig bekannt ist wie ihrem nunmehr verblichenen Urgroßonkel, und sind entweder stolz auf die augenscheinliche Beliebtheit ihres Vorfahrens oder denken sich: „Was war das bloß für ein Spinner?“. Die Generation meiner Urgroßonkel hinterlässt wenigstens noch coole Soldatenabzeichen.

Es gibt „Kundenkarten“, die durchaus einen nennenswerten Zweck erfüllen, etwa Mitgliedsausweise irgendwelcher Clubs, in die man, „ey“, sonst „nisch reinkommt“, oder irgendwelcher politischer Parteien sowie zum Beispiel Bibliotheksausweise, die jeder Oberstufenschüler heutzutage gefälligst zu beantragen hat und sich dann damit immerhin irgendwie gebildet fühlt, nur um sie dann später nie wieder zu verlängern, weil: Wikipedia.

Und dann gibt es die, mit denen man vor allem sein Portemonnaie, das ja sonst so schrecklich leer und kompakt wäre, dicker machen kann, die aber sonst vor allem etwas bescheinigen, was man gar nicht unbedingt bescheinigt haben möchte. Das sind aus irgendeinem absonderlichen Zufall heraus dann auch diejenigen Karten, deren Begleitschreiben meist anmahnt, dass sie zwar für das Gros ihrer Besitzer ohne jeden praktischen Wert seien, aber ständiges Bereithalten unbedingt empfohlen werde, um sich immer und überall als Mitglied des jeweiligen unfassbar elitären Zirkels zu erkennen geben zu können. Am Paketschalter seine Goldcard zücken und sich so als Mitglied der Bruderschaft der Paketempfänger ausgeben – die Frauen werden euch zu Füßen liegen!

Vor Lachen.

Diese Woche tat eine Karte das, was Karten eben so tun, und trudelte mit der Post ein. Sie stammt vom heise-Verlag und weist mich – zumindest zutreffenderweise – als einen Abonnenten der Zeitschrift c’t aus. (Dass die c’t immer schlechter wird, lass‘ ich an dieser Stelle mal undiskutiert, darüber möge der Insolvenzverwalter eines Tages urteilen.) Der Name dieser Karte: „c’t-Netzwerkkarte“. Ich hätte beinahe ein wenig geschmunzelt.

Mit dieser „Netzwerkkarte“ – haha, hoho – kommt man zwar nicht ins LAN, aber „exklusiv“ an „zahlreiche weitere Vorteile“, etwa:

  • Versandkostenfreier Einkauf im heise-shop
  • Bis zu 15 % Rabatt auf viele Artikel im heise-Shop

(Fettdruck und wechselnde Schreibweisen wie Original.)

Wie muss man sich das vorstellen? Die Karte besitzt offenbar keinerlei digitalen Datenspeicher, auf’s „Datenfeld“ aufgedruckt sind nur Name, Kundennummer und Abonnementbeginn. Muss man die Karte, um in den Genuss der „exklusiven Vorteile“ zu kommen, nun einscannen oder vorab postalisch einschicken? Das „Infoblatt“ schweigt. Auf der Website zur „Netzwerkkarte“ – das Beinaheschmunzeln friert mir allmählich im Gesicht fest – kann man sich aber immerhin anmelden. Mit den Kartendaten? Aber natürlich nicht:

Loggen Sie sich bitte mit Ihren Abo-Zugangsdaten ein.

Welcher Art also ist der Dienst, den die „Netzwerkkarte“ – holtmichhierraus – dem zahlenden Bestandskunden angedeihen lässt? Tja:

mit diesem Schreiben erhalten Sie die neue c’t-Netzwerkkarte, die Sie als Abonnent (sic! Deklination könnense auch nicht, A.d.V.) ausweist[.]

Ach so.

Ich geh‘ mich dann mal enteisen.

FotografiePersönliches
Meer.

Montag. Musik? Mitnichten: Meer.

(Weil’s dann ja eigentlich auch egal ist, wenn man nach langer Zeit wieder am Meer ist und die Prämissen eigentlich ganz andere sind und Küsse nicht mehr Teil des Repertoires sind, das man abstreift und sich fallen lässt, um die Leichtigkeit, die Freiheit zu spüren, die nur das Meer geben kann; und man vergisst, wer man ist und wo man ist und wofür man mal gelebt hat, und drinnen, tief drinnen spielt das Herz dieses Lied, dieses eine, wunderbare Lied aus besserer Zeit, und es geht unter im Rauschen des Meeres und im Kreischen der Möwen.

Meer

Meer. So traurig. Ihr kennt das.)

Mir wird geschlechtPersönliches
Anatol und die schwachen Frauen

Wer mich schon eine Weile kennt, der weiß: So genanntes „Trollen“ betrachte ich als sportlichen Wettbewerb. Das reicht als Sport in meinem Leben. Gewisse Themen laden dabei geradezu dazu ein, dass man sich sportlich mit ihnen beschäftigt.

Zum Beispiel der Feminismus.

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Persönliches
Spaß im ÖPNV (3): Uff!

In Regionalbahnen sitze ich gern auf der Seite, die vom Haltepunkt am Weitesten entfernt ist, weil die furchtbar störenden Zuggeräusche (und der Luft-, hehe, -zug) von geschlossenen Türen wenigstens geringfügig gedämpft werden; wohl wissend, dass die Jugend bis ins hohe Alter hinein es zwar immer schafft, diese Türen auf-, aber nicht zuzumachen (vielleicht mögen sie auch einfach nur die Fahrtgeräusche, dann bitte ich die Betreffenden an dieser Stelle um Verzeihung dafür, dass ich ihnen immer wieder den Genuss verderbe), verzichte ich gern auf einen allzu hochfrequentiert besuchten Sitzplatz.

Nicht minder unangenehm ist die Angewohnheit von jungen zumeist weiblichen Passagieren, an vertraulichen Gesprächen mit der Sitznachbarin sämtliche anderen Mitfahrer teilhaben zu lassen, ob diese das nun wollen oder nicht. Ein Lichtblick sind ebensolche Passagiere, die das ähnlich sehen; so etwa eine solche, die sich heute gemeinsam mit ihrem Begleiter einen Platz suchte und mit den Worten „hätten wir uns vor die Tür gesetzt, hätten wir uns die ganze Zeit irgendwelche Lebensgeschichten anhören müssen“ in mein Abteil gestürmt kam. Leute, die sich mein Abteil aussuchen, weil sie es gern ruhiger hätten, weiß ich sehr wohl zu schätzen. Dass es dann mit der Ruhe aber vorbei war, weil die eigenen, nun, Lebensgeschichten dann doch noch erzählt werden mussten, ist eine allerdings wenig überraschende Wendung.

Auch der Begleiter war allerdings nicht ohne; zwar sprach er nicht viel (er kam ja kaum zu Wort), allerdings begann sein Einstand im Abteil mit geräuschvollem Setzen. „Uff!“ Konfrontiert mit den Sitzen im Zug war der agile Etwazwanzigjährige plötzlich merklich gealtert und ließ sich auf einen der Sitze fallen, was ihm hörbare Anstrengung bereitete. Die Jugend von heute: So ausgebrannt, dass selbst Sitzen geradezu unmenschlichen Kraftaufwandes bedarf. Danke, SPD!

Entgegen dem Trend in aktuellen Diskussionen auf Twitter ist in Zügen von irgendwelchen Dschungeln übrigens nicht die Rede. Der durchschnittliche Prominentenanteil in Zügen ist allerdings bedeutend höher als in irgendwelchen „Camps“, denn in ihnen sehe ich gelegentlich Menschen, die ich nicht nur kenne, weil sie einen enorm dummen und daher einprägsamen Namen tragen. (Training für wahre Überlebenskünstler: Ohne Kopfhörer mittags Nahverkehrszüge benutzen.)

In den NachrichtenPersönliches
Gestank und Geständnis

Ich wünschte, ich hätte auch so oft so viel Spaß wie ThorgeFaehrlich, wenn ich im ÖPNV unterwegs bin; aber ich lebe nicht in Hamburg, was ich immer wieder bedaure, wenn ich dort bin. Anders als zum Beispiel Berlin oder Hannover ist Hamburg nämlich eigentlich recht sehenswert, dort stirbt man nicht aus Langeweile.

Die übliche Laufkundschaft in hiesigen Zügen besteht aus mürrischen Langweilern, die ungern mit Fremden reden, was mir prinzipiell sehr gefällt, nur selten unterbrochen von spaßigen Zeitgenossen wie dem Jugendlichen, der sich just mit geschwungenem Rucksack vor den Passagieren im „Vierer“ nebenan aufbaute, genervt „kannsch mich hier mal hinsetzen oder so?“ nuschelte und seitdem mit bösem Gesichtsausdruck auf sein Smartphone starrt, aus dem offenbar Klänge an sein Ohr dringen, denn ein Kabel ragt aus ihm (dem Smartphone, nicht dem Jugendlichen) heraus und endet in dessen Ohr, wie üblich locker hineingehängt, denn eine anständige Kabelführung hinter dem Ohr sähe genau so uncool aus wie eine richtigrumme Schirmmütze. Fröhliche Musik scheint er nicht zu hören. Das „oder so“ gefiel mir allerdings von vornherein sehr gut.

Weniger gut gefallen mir die Gerüche, die entstehen, wenn die Jugendlichen im vollen Abteil plötzlich bemerken, dass in ihrer Hand ein Speiseersatz von der Firma mit dem großen „M“ oder dem großen „BK“ allmählich abkühlt. Nicht, dass das Zeug kühl deutlich schlechter schmeckte, aber es geht ja ums Prinzip. Da sitzt man dann also gegenüber von einer dieser alten Frauen, wie man sie aus schlechten Karikaturen kennt, oft (auch im Sommer) so schlimm erkältet, dass der Auswurf einem die Schuhe durchtränkt, und dann kommt so ein lässiger hipper Teenie daher und trägt dazu bei, dass einem die Zugfahrt stinkt. (Bemerkenswerterweise sind es immer junge Männer, die stinkenden Fraß im Zug in sich reinstopfen. Frauen nicht. Klar: Plastikburger sind nicht vegetarisch genug. Dafür ist das Deodorant letztgenannter Spezies oft ebenfalls eine Wucht.)

Gegen kranke Mitfahrer ist, haha, kein Kraut gewachsen, aber zumindest dem Gestank kann man vorbeugen. Es ist Zeit, dass ich ein Geständnis mache: Ich bin einer von Denen; aber nicht so richtig.

Nach meinen alltäglichen Erledigungen habe ich meist etwa vierzig Minuten Zeit, mich auf die Heimfahrt vorzubereiten: Zwanzig Minuten, bis der Zug kommt, und zwanzig Minuten, bis er losfährt. In der Regel lässt mir das zehn Minuten Zeit in einem vollends leeren Abteil, die genügen. um meine Geruchsnerven mit (schlechtem „Kaffee to go“ oder) zum Beispiel einem eilends beim Bahnhofsbäcker gekauften Brötchen mit irgendeinem Belag (dort hat alles mehr Aroma als die Pappteile vom Pappteilvertrieb mit dem großen „M“ oder dem großen „BK“) so weit an kommendes Unheil zu gewöhnen, dass etwaige hastige hungrige Nachzügler meine Kreise nicht weiter stören können. Ja, ich esse im Zug; aber ich bin damit fertig, bevor weitere Passagiere das Abteil betreten. Niemals käme ich auf die Idee, eingepfercht zwischen fremden Einkaufstüten und fremden Menschen mit Hygiene- oder Gesundheitsproblemen erst mal einen Burger auszupacken.

Ich wäre ein hervorragendes Vorbild, glaube ich.


Apropos „hervorragendes Vorbild“: Feuerwehr befreit nackten Mann aus Waschmaschine (…). Der Unglückliche hatte seine Freundin überraschen wollen und war deshalb in den Toplader geklettert. Überraschung!

Die Reaktion derselben ist nicht überliefert.

MusikPersönliches
Vinyl <3 / Ein Plädoyer.

caschy frug heute:

Ich weiss (sic! A.d.V.) gar nicht mehr, wann ich wirklich das letzte Musik-Album mal gekauft habe. Wie schaut es bei euch aus?

Ich meinerseits habe mein bislang letztes Musikalbum erst in dieser Woche gekauft, weil der Wille, Dinge zu besitzen, mir wie wohl den meisten Menschen gegeben ist; Musik, die mir gefällt, wie früher Videokassetten für einen begrenzten Zeitraum zu mieten (und gegebenenfalls zu verlängern) widerspricht meinem Selbstverständnis. Ein gutes Musikalbum möchte ich ja auch in ein paar Jahrzehnten noch ohne weiteren Aufpreis hören können, nicht nur bis Ende der Woche (oder des Jahres).

Bei caschy in den Kommentaren merkt Stephan Lipphardt an:

Ich nutze ausschließlich Streaming. (…) Datenträger, CDs, MP3, LPs etc. finde ich nur noch unhandlich.

Fürwahr, „MP3s“ sind schon ziemlich sperrig, damit zu verreisen ist ein Ärgernis sondergleichen. Die passen ja nicht mal ins Handgepäck. Herr Lipphardt ist also umgestiegen auf Streaming (laut caschy somit auf ein sterbendes Pferd), denn ein Tablet oder einen Laptop (oder gar einen Desktoprechner) findet er offensichtlich nicht so sperrig wie einen MP3-Spieler. Musik im chronisch kaputtkomprimierten MP3-Format, so las ich kürzlich, ermüde das Gehirn; wahrscheinlich ist ungefähr so etwas damit gemeint. (Andere Kommentatoren, etwa Michael Meyer, bringen auf caschys Frage hin ja auch nur noch ein „Spotify <3“ hervor. Längere Texte kann Mitmensch Trendnutzer auf seinem gadget sowieso nicht mehr fehlerfrei tippen.)

Viele Musikgruppen haben sich entsprechend orientiert und verkaufen ihre Werke primär auf Schallplatte mit beigelegtem Downloadcode oder ganz ohne physischen Tonträger. (Der Musikgruppe, deren CD ich vor wenigen Tagen erwarb, nahm ich allerdings nur eine CD-Pressung ab, dies schon deshalb, weil die einzige physische Alternative eine Kassette gewesen wäre.) In einer Zeit, in der nur noch zwei Arten von Leuten CDs kaufen, einerseits diejenigen, die sie sowieso gleich nach Erhalt digitalisieren und dann nie wieder aus dem Schrank holen wollen, andererseits diejenigen, denen es um das artwork und die Haptik geht, ist das erfreulich konsequent. Eine Schallplatte hat obendrein normalerweise eine deutlich längere „Lebensdauer“ als das chemisch instabile Medium CD, technisch gesehen ist auch das heute leider übliche Kaputtkomprimieren der enthaltenen Musik auf Kosten der Dynamik auf Vinyl deutlich schwieriger als das einer CD. Die CD ist ein sterbendes Medium, und so schlimm ist das nicht.

Wen wundert es da noch, dass Plattenspieler mit USB-Anschluss einen steigenden Marktanteil haben? Ein Musikalbum hört man als Freund von Nichtdownloads sowieso nicht pro Lied, sondern im Gesamten, und die Digitalisierung ist denkbar einfach – der Plattenspieler ist ein Toneingangsgerät wie sonst zum Beispiel ein Mikrofon. Zu dieser Digitalisierung sind nicht mal „Ripping“-Programme nötig wie noch bei der CD, ein einfacher Audiorecorder, wie er selbst in Windows seit vielen Jahren enthalten ist, genügt vollkommen.

Auch ich nutze gelegentlich Streaming, manchmal per Bandcamp, manchmal per Grooveshark, manchmal per Spotify, manchmal auch per Amazon. Ich nutze es als Hörprobe, um zu wissen, ob sich die Anschaffung des jeweiligen Musikalbums lohnen könnte. Blindkäufe wage ich nur gelegentlich, sie enden zu häufig mit einem mauen Eindruck. Bei diesem Streaming geht es aber auch genau darum: „Nur mal reinhören.“ Niemals käme ich auf die Idee, mit der Begründung, es gebe ja einen preiswerten Stream davon, vom Kauf eines grandiosen Musikalbums abzusehen. Zwar belegen die Musikalben Platz im Schrank, aber sie gehen vollständig in meinen Besitz über. Wenn meine Festplatte mal explodiert oder meine Abonnements allesamt auslaufen – die Musik bleibt verfügbar, lässt sich jederzeit zur portablen Nutzung in eines dieser „verlustfreien“ Formate überführen und wird jeden digitalen Trend, jeden cloud-Anbieter überleben.

CDs „halten“ bei sorgsamem Umgang etwa zehn Jahre (oder wenig mehr), dann frisst sich die Chemie langsam durch die Tonschicht, und selbst das ist im schnelllebigen Internet eine lange Zeit. Eine Schallplatte hingegen überlebt, wenn er sie nicht gerade als Pizzateller oder für ähnliche Perversitäten verwendet, bei ebensolchem Umgang oft sogar ihren Besitzer.

Dieter Bohlens „Superstars“ werden es vermutlich nie auf eine Schallplatte schaffen. Allein das sollte Anreiz genug sein.

Persönliches
2014:

Ich würde an dieser Stelle allen Lesern ein frohes neues Jahr wünschen, aber wir wissen alle, dass es das nicht wird. Die Revolution der netizens reduziert sich auf Blogs, Petitionen und Tschunkorgien in Hamburg; sich die Welt, die einem über den Kopf wächst, schönzutrinken ist allerdings ein probates Mittel, um zu vergessen.

Gute Vorsätze? Anfangen zu rauchen vielleicht, dann (er-)lebt man den Käse nicht mehr ganz so nachhaltig. Sich vornehmen, erfolgreicher zu lieben als 2013 (bzw. besser nicht), und es dann ja sowieso wieder nicht schaffen. (Guter Vorsatz für 2014: Seine Lebensziele nicht mehr an einen Kalender binden.)

Es wird auch in diesem neuen Jahr weitere „NSA-Skandale“ geben, weitere kontaminierte Dienste, Geräte und Staaten. Die „jungen Piraten“ sind da keine große Hilfe, die Altpiraten schließen sich derweil der Onlinerevolution an. Den Stillstand hat der Wähler so gewollt, aber der Börse geht es besser.

Großer Bruder, du bist immer da!
Zlatko & Jürgen

Rakete, Rakete. Draußen wird gerade geknallt wie im Krieg. Mein Großvater verlässt an Silvester geschlossene Räume nicht mehr, traumatisiert vom 2. Weltkrieg, nur dass damals wenigstens noch klar war, wo der Feind sitzt. 2014 läuft im nunmehr dreißigjährigen Privatfernsehen wieder eine Fußballmeisterschaft, da sitzt der Feind zumindest südlich von uns. Kein Wunder ist von „Torschüssen“ die Rede.

The Beatles – Revolution (Subtitulado al Español)

You tell me it’s the institution – well, you know
you’d better free your mind instead

Prost Neujahr.

LyrikPersönliches
Sie. (Fragment 8)

„I woar z’jung, du woarst z’scheen,
sunst hätt i des ois kumman g’sehn.“
— EAV: I hob des G’fühl


Wie eine Katze mit der Beute spielen, bis sie keinen Ausweg mehr sieht. Dann das Genick durchbeißen. In der Tierwelt funktioniert das ziemlich einfach. Er aber war ein Mensch, ein Jäger und Sammler. Diese Jagd sollte ihm den Verstand rauben.

Nach nichts als Stetigkeit stand ihm weniger der Sinn, als er auf sie traf. Er wollte nicht mehr verlieren und wusste, dass jeder Versuch zwangsläufig zum Irrtum führen würde. Auch sie war froh über den Ausweg aus ihrem Alltagstrott. Dass in den Jahren ihres Kontakts jeder außer ihnen selbst zu erkennen imstande war, dass sie sich liebten, wurde ihnen nur langsam bewusst.

Wie eine Katze mit der Beute spielen. Die Beute küsst die Katze nicht, die Katze küsst nicht zurück. Rennen, immer weiter rennen. Wer ist Tom, wer Jerry?

Er wusste, dass er sie ergründen musste, aber immer, wenn er es versuchte, scheiterte er an seinen eigenen Grenzen. Sie kreisten umeinander wie Trabanten um Planeten, ohne sich jemals zu berühren. Nur manchmal spien sie in einer immer viel zu kurzen Eruption das Feuer in ihnen so hoch, dass sie einander entflammten. Keiner von ihnen aber wagte es, es auszusprechen. Sie versprachen einander die Ewigkeit und hatten doch Angst vor ihr. Rennen, rennen.

Jedes Mal, wenn es zu viel wurde, zog einer von ihnen einen Strich unter das Kapitel, nur um das nächste anzufangen. Sie wussten, dass jedes Buch einmal endet. „Die unendliche Geschichte“ hat über 400 Seiten, aber eben auch eine letzte Seite. Er hatte sie nie bis zum Ende gelesen. Rekapitulation setzte Kapitulation voraus.

Sie hatte den ersten Schritt gemacht und sie schloss die Tür hinter sich zu. Im Spiel des Lebens war er wieder einmal Zweiter gegen sich selbst. Das letzte Kapitel blieb ungeschrieben. …


„You only know you love her when you let her go
and you let her go.“
— Passenger: Let Her Go