Archiv für die Kategorie ‘Politik’.

Politik regt mich auf, und wenn ich mich aufrege, muss ich schreiben, sonst gibt’s Tote.

Mir wird geschlechtSonstiges
Medienkritik CVI: Si tacuisses…

Das Magazin „Hohe Luft“ – Untertitel: „Für alle, die Lust am Denken haben“ – gehört zu den wenigen Magazinen, deren Erscheinungen ich regelmäßig zumindest inhaltlich zur Kenntnis nehme. Das wesentliche Thema des Magazins ist die Philosophie, und während Adorno und Altgriechen in der Redaktion offenbar als gesetzt gelten, hat doch jede einzelne Ausgabe ein anderes Hauptthema. Wie auch in der vor vielen Jahren noch grundsätzlich lesenswerten „c’t“, die irgendwann um 2014 herum zum Linux-Fanmagazin verkommen ist, nehme ich jedoch auch in der „Hohen Luft“ allmählich einen qualitativen Verfall wahr.

Normalerweise geht es an dieser Stelle um Frauenmagazine und ihr merkwürdiges Bild von Männern. So ähnlich ist es auch heute, denn die Redaktion der „Hohen Luft“ hat eine recht hohe Frauenquote. Selten aber war das so offensichtlich wie diesmal.

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Politik
Die Verteidigung Europas mit den Mitteln des Boulevards

Manches ändert sich nie.Die bisherige Sicherung der europäischen Außengrenzen zwecks Lösung der „Flüchtlingsfrage“ (Stefan Winterbauer, Meedia.de) bestand neben riesigen Zäunenniemand hat die Absicht und so weiter – unter anderem auch aus aktiver Sicherung durch die Agentur Frontex und ihrer Nachfolgeorganisation. Die amtierende deutsche Bundesregierung beschreibt deren Aufgabe so:

Die neue Agentur ist leistungsfähiger und besser ausgerüstet, um den migrations- und sicherheitspolitischen Herausforderungen an Europas Außengrenzen zu begegnen. Erweiterte Zuständigkeiten und neue Befugnisse werden es ihr erlauben, erfolgreich zu arbeiten.

Bei „migrationspolitischen Herausforderungen“ handelt es sich vermutlich um den alljährlichen Wettbewerb um neue Rekorde betreffs der erfolgreich an der unbeschadeten Ankunft in Europa gehinderten Menschen. „Herausforderungen“ nennt die Bundesregierung diese Menschen, und während ich Menschen ebenfalls für ziemlich anstrengend halte, würde ich trotzdem lieber davon Abstand nehmen wollen, sie zu meinem eigenen Schutz ertrinken zu lassen.

Politisch für das Ertrinken all dieser Menschen verantwortlich ist in Deutschland wie auch auf höherer europäischer Ebene vor allem die CDU, die zu wählen immer noch zu viele Menschen nicht ausreichend anwidert; die gleiche CDU natürlich, die auch meine Überwachung fordert, um mich vor mir selbst zu schützen, und also eine ziemlich absurde Definition von „Schutz“ durchzusetzen versucht; ich besitze immerhin ausreichend viele Kenntnisse, um mich selbst „hacken“ zu können (nämlich: die meiner Passwörter). Gleichwohl kommen nur die Wenigsten der sonstwie abgebrühten Warner und Mahner auf die Idee, den längst fälligen Aufstand gegen die CDU zu proben, Parteitagsblockaden und „Nazis!“-Gebrüll auf allen Kanälen eingeschlossen, denn die CDU ist etabliert, da macht man so etwas nicht. Stattdessen belästigt man also irgendwelche Popelparteien, die bei der Selbstdemontage nun wirklich keine Hilfe von außen brauchen und deren außenpolitische Gefährlichkeit sowieso von überschaubarer Größe ist, mit seinem wichtigtuerischen Quatsch.

Identitäre Seefahrer und der Nationalismus

Zu den weiteren Gruppierungen, auf deren Ächtung sich die Bewahrer von Freiheit und Demokratie geeinigt zu haben scheinen, gehört auch die „Identitäre Bewegung“, die offenbar der aktionistische Arm der CDU ist und zum Beispiel dadurch, vom Brandenburger Tor ein Spruchband mit der Aufschrift „Sichere Grenzen – sichere Zukunft“ herabgelassen zu haben, was nicht nur der „Tagesspiegel“ anscheinend als Beleg dafür wertet, dass es sich hier um eine „völkische Bewegung“ handelt, medial auffällig geworden ist. Dass die Medien schon zuvor die von der „identitären Bewegung“ durchgeführte Demonstration gegen das „NetzDG“ (ich berichtete) als versuchte Stürmung bezeichneten, als sei wütender Protest gegen staatliche Zensurbestrebungen plötzlich gesellschaftsfeindliches Rebellentum, verwundert angesichts des sonstigen medialen Umgangs mit Gegnern dieses Gesetzes kaum: Wer was gegen Zensur hat, ist Nazi! – Wenn die Forderung nach „sicheren Grenzen“ (ob eine nicht sichere Grenze überhaupt noch eine Grenze oder bloß ein Rand ist, wäre sprachwissenschaftlich sicherlich auch nicht uninteressant, soll hier aber keine Rolle spielen) und damit einer „sicheren Zukunft“ jedoch bereits ein Zeichen für eine „völkische Bewegung“ mit „nationalistischen Botschaften“ ist, die man dringend im Auge behalten sollte, ist vielleicht das Wahlprogramm der CDU/CSU für die kommende Bundestagswahl doch noch einmal einen weiteren Blick wert, denn dort ist auf Seite 56 zu lesen:

Europa muss seine Außengrenzen wirksam gegen illegale Migration schützen, die Grenzschutzagentur Frontex stärken und das Europäische Asylsystem vollenden. Bis der Schutz der EU-Außengrenzen funktioniert, halten wir an Binnengrenzkontrollen fest.

Diese völkisch-nationalistische Bewegung sollte in der Tat dringend aus dem Bundestag ferngehalten werden. Dass Nationalismus faktisch Voraussetzung für die langfristige Existenz eines Staates und kein Synonym für Pfuipatriotismus ist, sich zum sprachlichen Verkleinern eines als gefährlich angesehenen politischen Gegners also kaum eignet, lasse ich ausnahmsweise einmal durchgehen. Während aber das Tragen von CDU-Signets als „Wahlkampf“ verharmlost wird und die Akteure gemeinhin „Konservative“ genannt werden, obwohl das mindestens passive Ertränken von Menschen in Not mit Bewahrung – so lautet der ursprüngliche Wortsinn von Konservativismus – weniger zu tun haben dürfte als mit der Reinhaltung der europäischen Rasse durch Ausschluss Externer, wird die Sympathie für eine Gruppe, die ebendiese Externen gewaltlos um ihre Heimkehr zu bitten beabsichtigt, aus genau dieser Ecke unter breitem Beifall aus dem Volk ihrerseits „Rassismus“ gescholten, wie es im Fall der jungen kanadischen YouTuberin Lauren Southern (das war die mit dem Patreon-Zwischenfall) passierte.

Europa Boot für Boot verteidigen

Im Jahr 2017 nämlich mietete sich eine von besagter YouTuberin beworbene Gruppe aus dem Kreis der „Identitären Bewegung“ unter dem Motto „Defend Europe“ – „verteidigt Europa“ – auf Spendenbasis ein Schiff (Allergikerwarnung: Primärquelle) mit dem vorgeblichen Ziel, das von Menschenhändlern gemachte Geschäft mit der Einwanderung vor der italienischen Küste durch „Interventions- und Aufklärungsarbeit“ zumindest einzudämmen, also die Folgen der menschenfeindlichen Politik der CDU geringfügig zu lindern. Das gefällt nicht allen, denn Flüchtlingspolitik ist ein Thema, über das der Diskurs oft von Emotionen und nicht Gedanken bestimmt wird. Die Waffen, die also aufgefahren wurden, waren wohl gewählt, denn man griff flugs zum Schärfsten, das man gerade herumliegen hatte, nämlich zu Twitter: Unter dem Hashtag „#DefundDefendEurope“ wurde dazu aufgerufen, den finanziellen Spielraum der „Identitären Bewegung“ in sichere Grenzen zu leiten, und das vermeintliche Scheitern fortan kommentiert. Medial begleitet wurde das Getagge natürlich von der „taz“, die den Vorwurf unsauberer journalistischer Arbeit zwar nicht sehr schätzt, sich aber trotzdem dazu hinreißen ließ, Beobachtung mit Recherche zu verwechseln, indem sie beziehungsweise ihr mit „Reportage & Recherche“ untertitelter Redakteur Christian Jakob, der mit seinen Lesern auf Twitter auch schon mal Blogartikel des fragwürdig agierenden „linken“ Autors Sören Kohlhuber teilt, in einem Artikel, in dem Lauren Southern „Laura Southern“ und das Boulevardblatt „Daily Mail“ in guter journalistischer Tradition „Krawallblatt“ genannt wird, behauptete, die Besatzung des Mietschiffs bestehe, haha, selbst aus illegal Migrierenden und „Defend Europe“ sei, was nicht bloß vereinfachend, sondern schlicht unrichtig ist, eine „Anti-Flüchtlings-Mission“. Dass die auf Facebook zu findende Gegendarstellung (Vorsicht: Facebook!) der Organisatoren demselben Christian Jakob zwar ebenfalls keinen Link (denn das Nennen von Quellen ist sooo 90er und außerdem Nazi), wohl aber eine Verschärfung des Tonfalls wert war, indem er sie pauschal in einen Sack mit der Aufschrift „die Neonationalisten“ – weit ist es nicht mehr bis „die Nazis“ – steckte, ist ein durchaus auskunftsfreudiger Umstand.

Über die Existenz – wovor eigentlich? – gut geschützter europäischer Außengrenzen ließe sich sicherlich ausführlich diskutieren und bestimmt ist das auch bereits vielfach passiert; die Verharmlosung der offenbar menschenfeindlichen und, glaubt man den Verharmlosern selbst, rassistischen CDU durch einseitige negative Konnotation gemäßigter Aktivisten ist jedoch kein Zeichen von Menschlichkeit, sondern Ausdruck eines blanken Zynismus, der, sofern man sich selbst als einen Humanisten verstanden wissen möchte, nicht bloß Skepsis ernten sollte.

Verständnisfrage zum Abschluss

Weil ich mich sehr ungern unabsichtlich unbeliebt mache, sich meine Informationsquellen jedoch nicht durch besondere Heterogenität hervortun, stelle ich die Frage, deren Antwort mir dabei helfen könnte, etwaige Fettnäpfe aus diesem Themenbereich zu umgehen, zum Abschluss einmal an dieser Stelle:

Die „Identitäre Bewegung“ ist moralisch abzulehnen und man sollte ihre Aktivitäten dringend unterbinden, weil sie den Zuzug illegal transportierter Flüchtlinge verhindern möchte, vor Ministerien gegen von der Allgemeinheit für grundrechtsfeindlich gehaltene Gesetze demonstriert und auf dem Brandenburger Tor sichere Grenzen fordert. Die CDU hingegen ist ein wertvoller, zu schützender Teil der parlamentarischen Demokratie, weil sie den Zuzug illegal transportierter Flüchtlinge verhindern möchte, im Bundestag für von der Allgemeinheit für grundrechtsfeindlich gehaltene Gesetze votiert und in ihrem Wahlprogramm sichere Grenzen fordert.

Stimmt das so?

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Kurz gefragt (3): Peter Altmaier!

Herr Altmaier,

in Ihrer Funktion als Kanzleramtschef quatschten Sie einem Boulevardblatt (im Folgenden wiedergegeben von „Epoch Times“) hiermit vermutlich eine Seite voll:

Frauen seien auch in Deutschland noch nicht komplett gleichberechtigt, beklagte er: „Im Parlament sitzen deutlich mehr Männer, in den Chefetagen der großen Firmen gibt es fast keine Frauen.“

Frage: Worin besteht der Unterschied zwischen der Gleichberechtigung zweier Geschlechter und der Berücksichtigung des Geschlechts bei der Beförderung?

Die Kritik, dass die CDU nicht gerade als „Frauenpartei“ bekannt ist, wies Altmaier zurück. Immerhin stelle sie die erste Bundeskanzlerin.

Frage: Worin besteht der Unterschied zwischen einer „Frauenpartei“ und einer Partei, deren rechtlich höchste Repräsentantin eine Frau ist?

Auch als Sommerurlaubslektüre hat sich Altmaier das Thema Frauenrechte vorgenommen.

Frage: Worin besteht der Unterschied zwischen Frauen- und Menschenrechten?

U. A. w. g.!

In den NachrichtenPolitik
Kurz notiert zum parteilichen Engagement anlässlich der Paraden zum „CSD“ in Berlin

Die diesjährigen Paraden zum „Christopher Street Day“ in Berlin, traditionell Ausdrucksform von sexueller und damit maximal persönlicher Freiheit, wurden flankiert von der wie gewohnt langweiligen Berliner SPD und der örtlichen „Linken“, die sogleich befand, man sollte irgendeine Liebe „gleichstellen“, sowie Vertretern des ethisch abtrünnigen Berliner Landesverbandes der Piratenpartei, der sich davon überzeugt gab, die sexuelle Ausrichtung ihrer „Doppelspitze“ – allein das Wort schon – sei ein Wahlanreiz für irgendwen außer ihm selbst, womit parteiübergreifend der Wunsch nach Politisierung der Liebe festzustellen ist, als handele es sich bei der Tiefe der Zuneigung zu einem oder beliebig vielen Menschen oder Gegenständen um ein Thema, das sich in einem Satz mit Bundeswehreinsätzen, Rentenkassen oder Importbeschränkungen semantisch wohl fühlte, denn was gerade in jedem dieser unsäglichen Wahljahre gern missachtet wird, ist, dass nicht jeder Lebensbereich einer ist, in dem ein starker Staat etwas zu suchen hat, und jede Partei, die sich zwecks bloßer Werbung für den Fluss von mehr bundesgeförderten Wahlkampfmittel (d.h. Kohle) in die eigene Kasse dazu herablässt, die Entscheidung darüber, wer („alle“) mit wem („allen“) eine Beziehung führen darf, zu einer politischen und damit auch eigenen zu erklären, sollte jede einzige Stimme derer, um die sie so lautstark werben, moralisch auf Jahre hinweg verspielt haben und nie wieder auch nur in der finanziellen Lage sein können, sich noch einmal mit lautem Getöse zum Entscheider über sexuelle Freiheit zu erklären.

In den NachrichtenWirtschaft
Das auch mit Spielgeld nicht gelöste Problem: Ein Nachtrag.

In meinem Exkurs über den Bitcoin- und Ethereumwahnsinn habe ich versehentlich einen Teilaspekt zu beleuchten vergessen, der etwa zur gleichen Zeit wieder tagesaktuell wurde. Mir sei gestattet, dies an dieser Stelle nachzuholen.

Eine wichtige Schwäche der vorhandenen Zahlungsmittel nämlich, da gebe ich den Ideenhabern der „Kryptowährungen“, wenn auch ungern, Recht, ist die zentralistische Struktur der damit verbundenen Konten, was bedeutet, dass es als übliche Konstellation gilt, dass das Schicksal des irgendwo gelagerten Geldes in den Händen einer einzigen Person oder wenigstens Institution liegt, der damit zumindest – von einschlägigen Gesetzen abgesehen, möglichen Übeltätern nämlich sind Gesetze oft nicht unbedingt die wichtigsten Regelwerke – die Möglichkeit gelassen wird, besagtes Geld an sich zu nehmen oder den Geldtransfer Einzelner zu unterbinden. Dies wäre mit einer verteilten Bezahlinfrastruktur lösbar, wird aber ausgerechnet von „Kryptowährungen“ beibehalten: Klaut mir jemand die virtuelle Geldbörse, kommt künftig ihm sämtlicher Geldfluss in diese virtuelle Geldbörse zugute. Ohne eine Kontrollinstanz, die mir diese virtuelle Geldbörse nach wie auch immer gearteter Autorisierung wieder zurückgeben kann, könnte ich sehr schnell sehr große wenigstens finanzielle Probleme bekommen.

Die De-facto-Alternativen zu Bargeld oder Schuldscheinen in Form einer Kreditkarte sind zumindest im Web derzeit die frühere eBay-Tochter PayPal, die dafür bekannt geworden ist, ihren Kunden das Ersparte wegzunehmen, weil ihren Entscheidern nicht gefällt, was die Kunden damit tun, und Patreon, eine Art Vermittlungsdienst zwischen Künstlern und Kunstfreunden. Dass die mediale Diskussion über die Geschäftspraktiken solcher Dienste stark von politischen Vorlieben statt von objektiver Ethik geprägt ist, dass die faktische Enteignung von Wikileaks durch PayPal und Amazon also empörte Reaktionen hervorrief, die dieswöchige faktische Enteignung einer YouTuberin aus vorgeschobenen Gründen durch Patreon jedoch Schadenfreude, ist unangenehm menschlich, lenkt aber auch von dem vermutlich einzig bedeutsamen Fakt ab: Das Internet braucht heute nötiger als bislang ein nicht an jeweils einen einzigen Anbieter gebundenes Protokoll zur Übertragung von gesetzlichen Zahlungsmitteln.

Sicher ist, dass eine Erweiterung des Zahlungsmittelbegriffs um irgendwelche „Coins“ dieses Bedürfnis nicht stillt.

In den NachrichtenPolitik
„Stasi 2.0“ (Alternativfassung)

Oder eben auch so:

Ein gemeinsames Abhörzentrum soll die Sicherheitsbehörden in Ostdeutschland effizienter machen. (…) Es gehe nicht darum, den „rechtstreuen Bürger auszuschnüffeln“, versucht Sachsens Innenminister Ulbig zu beruhigen. (…) Das Abhörzentrum – offiziell Ministerium für Staatssicherheit (Stasi) Gemeinsames Kompetenz- und Dienstleistungszentrum (GKDZ) genannt – soll Ende 2019 in Leipzig in Betrieb gehen. Darin soll die polizeiliche Kommunikationsüberwachung der fünf Länder gebündelt werden.

Niemand hat die Absicht, den Begriff der Rechtstreue besonders weit auszulegen.

Was HeidelbergCement wohl gerade macht?

NerdkramsWirtschaft
Die Strafe der Spielgeldmillionäre

Eine der wenigen unbeschränkt gültigen Börsenweisheiten lautet ungefähr so: Investiere niemals Geld, das du nicht verlieren möchtest. Das gilt vor allem dann, wenn das Ziel der Investition keinen greifbaren Gegenwert besitzt.

Bezogen auf den greifbaren Gegenwert dessen, was versierte Schwafler als „Fiatgeld“ bezeichnen und was gewöhnlichen Menschen schlicht als Geld bekannt ist, besteht zweifelsohne kein besonders großer Diskussionsbedarf: Über gedrucktes oder geprägtes Geld, längst nicht mehr von Edelmetallen gedeckt, besteht inzwischen seit Jahrhunderten ein gesellschaftlicher Konsens, der ungefähr absehbar macht, gegen welche Waren man es in vielen Geschäften eintauschen kann. Es handelt sich somit eigentlich nur um staatlich akzeptierte Äquivalente zu Muscheln und Schafen. Dass die Umsetzung dieses Konzeptes mit steigender Inflation, sinkenden Zinsen und psychologisch wirkendem Unsinn wie dem Abzug eines Cents vom Preis, damit die Zahl vor dem Komma kleiner ist, bislang mindestens etwas unglücklich verlaufen ist, halte ich auch ohne selbst vorgenommene vorherige statistische Erhebung für einen Konsens der meisten Menschen, die in der wirtschaftlichen Nahrungskette nicht ganz hinten stehen.

Um zumindest einen Teil dieser konzeptionellen Herausforderungen zu umgehen, wurde zwischen 2008 und 2009 die dezentrale Währung „Bitcoin“ ins Leben gerufen. Bei Bitcoins handelt es sich im Wesentlichen um eine Art nicht papiernes Spielgeld ähnlich dem in „Monopoly“ verwendetes, dessen realer Gegenwert in den zur Erzeugung nötigen Stromkosten, die aufgrund der Art der „Berechnung“ neuer Bitcoins fortwährend steigen, besteht; man verschwendet also elektrische Energie, um gehashte Hexadezimalwerte in eine immer größer werdende verteilte Datenbank („Blockchain“) zu schreiben. Wie zum Beweis dafür, wie egal Menschen entgegen der allgemeinen Annahme realer Besitz wirklich ist, bekommt jemand, der einen dieser Hexadezimalwerte einer Bitcoin-Tauschbörse oder einem Mitmenschen verkauft, heute deutlich über 2.000 Euro dafür. Weil dieses Konzept so schön einfach umzusetzen und zu modifizieren ist, gibt es mittlerweile über 800 miteinander konkurrierende, teilweise voneinander abstammende „Blockchains“ beziehungsweise darin gespeicherte Arten von Hashwerten („Kryptowährungen“), von denen einige nach Großinvestition durch Banken und/oder EDV-Konzerne einen höheren Europreis erzielen können als andere. Der nennenswerte Unterschied zwischen Aktionären und Kryptoinvestoren besteht also darin, dass Kryptoinvestoren nichts zum Gelingen der realen Wirtschaft beitragen, sondern ihr Geld aus dem Fenster werfen und hoffen, dass unten jemand steht, der das Geld freiwillig verdoppelt und wieder zurückwirft, statt einfach damit wegzurennen, was manchmal funktioniert und meistens eben nicht. Die eigene Sammlung an Hashwerten wird in der Regel in so genannten wallets abgelegt, was Englisch ist und „Portemonnaie“ bedeutet, aber eigentlich nur eine lokal herumliegende Datei ist. Es gibt bekanntlich kaum einen besseren Ablageplatz für „Geld“ als eine lokal herumliegende Datei.

Um das Zurückwerfen des aus dem Fenster geworfenen Geldes schmackhafter zu machen, gibt es mit „ICOs“, „Initial Coin Offerings“, eine „Blockchain“-Alternative zur Erstzeichnung an einer Börse: Jemand würde gern eine neue „Blockchain“, eine Tauschplattform für Hashwerte, eine neue Hashwertart oder sonstigen virtuellen Krempel programmieren und sammelt zur Finanzierung dieser Unternehmung irgendwelche Hashwerte (derzeit wird gern eine Bezahlung in Ethereum, der momentan zweitplatzierten Hashwährung, verlangt) ein. Die Gegenleistung besteht nach Ablauf der Erstzeichnungsfrist dann meist in Anteilsscheinen in Form von oft wiederum neuartig gehashten Hexadezimalwerten zum Vorzugspreis, die dann vielleicht im Wert steigen und vielleicht auch nicht, was, abhängig von der erfolgten Verwendung des eingenommenen echten Geldes, dann ein riesiger Verlust ist oder vielleicht auch nicht. Scheiterte etwa ein „ICO“, dessen Einkünfte in die Förderung einer Pandapopulation fließen sollten, so wäre dies sicherlich bedrückender als das Scheitern manch anderer Geschäfte. Dass die „ICO“-Idee aus wirtschaftlicher Sicht, berücksichtigt man die andauernde Hyperinflation und -deflation der Wechselkurse zwischen den Hashwerten (allein Bitcoins gewinnen oder verlieren am Tag mitunter dreistellige Dollarbeträge pro „Stück“), eigentlich nur Idioten anziehen sollte, hat bekanntlich noch fast niemanden an irgendetwas gehindert: Allein im Ankündigungsforum des virtuellen Szenetreffs bitcointalk.org nähme das Trinkspiel, für jeden neuen „Smart Contract“, was das gegenwärtige Lieblingsquatschwort der Krypteria ist und ungefähr bedeutet, dass die Hashwerte, die man irgendwo hinschickt, beim Gegenüber weniger wahrscheinlich nicht ankommen als üblich, einen Schnaps frei wählbarer Menge zu trinken, binnen erschreckend kurzer Zeit ein tödliches Ende.

Überraschenderweise ist die dezentrale Schöpfung von gegenwertloser Handelsware über ein nicht nur von wohlwollenden Asketen genutztes Netz aus modifizierbaren Maschinen gar nicht mal aus Sicherheitsgründen eine überragend gute Idee. Ein Währungssystem mit menschlicher Beteiligung kann und wird früher oder später an der fehlenden Perfektion des Menschen zugrunde gehen; und die Unperfektesten sitzen meist am langen Hebel.

Eine der beliebteren wallet-Umsetzungen für Ethereum-Hashwerte trägt den Namen „Parity“ und läuft dort, wo reale Werte am schlechtesten aufgehoben wären, nämlich innerhalb der meistangegriffenen Komponente von Desktopcomputern, d.h. im Webbrowser. Als gäbe das noch nicht genug Anlass zum Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit der Mitglieder der um „Parity“ herum entstandenen Gemeinschaft, verfügt es obendrein um eine Funktion namens „Multi-Sig-Wallets“, die im Wesentlichen das Geschehen dadurch noch spannender macht, dass mehrere Leute auf das virtuelle „Portemonnaie“ zugreifen können. Eine grandiose Idee. Was kann da schon passieren?

Ach, richtig:

Unbekannte haben eine inzwischen geschlossene Sicherheitslücke im Ethereum-Client des Unternehmens Parity genutzt, um 153.000 Ether auf ihr eigenes Konto zu überweisen. Beim aktuellen Kurs der Kryptowährung sind das umgerechnet etwa 30 Millionen US-Dollar. Der Diebstahl und die Lücke wurden sofort entdeckt. Daraufhin tat sich spontan eine Gruppe namens White Hat Group zusammen und nutzte die gleiche Schwachstelle, um weitere 377.116 Ether aus noch nicht geplünderten Konten zu sichern.

Wie hier zu sehen ist, ist eine „Kryptowährung“ viel besser als anderes Geld, denn wenn irgendjemand an mein reguläres Portemonnaie herankommt, um etwas herauszunehmen, wird sich keine Gruppe zusammenfinden, die den Rest des Geldes in meinem Portemonnaie sichert; und wenn doch, dann hießen sie gleichfalls Diebe und nicht Sicherer. – Zum Glück gibt es mit „ICOs“ eine bequeme und sehr sichere Anlagemöglichkeit für die gesammelten Hashwerte, denn wer hat schon gern ständig ein volles Portemonnaie dabei? Das endet dann manchmal aber statt mit einer Pleite des Projekts auch so:

Unbekannte Angreifer hackten die Website des Projekts Coindash und änderten dort die Kryptogeld-Adresse, an die Investoren bei einem Crowdfunding Geld schicken sollten. Die falsche Adresse war nur wenige Minuten online – genug für einen Millionen-Coup.

(Beide Meldungen sind von heute.)

Wer sein Geld auf die Fensterbank legt, der sollte eben besser nicht im Erdgeschoss wohnen.

Dass die jeweils betroffene „Währung“ Ethereum trotzdem weiter im Wert steigt, spricht zumindest nicht für ein Problembewusstsein der Anleger, denn nach wie vor sind Webbrowser nicht vom Handel mit Kryptogedöns ausgeschlossen. Werfen wir einfach mehr Geld drauf. Dass das Draufwerfen von mehr Geld auf lange Sicht mehr zerstört als repariert, ist einem Zyniker wie mir da ein schwacher Trost: Möglicherweise wird sich in wenigen Wochen die auf großes Wachstum nicht vorbereitete Problemursache Bitcoin zweiteilen, wie es bei Ethereum schon im Juli 2016 – wenn auch, hihi, aus Sicherheitsgründen – passiert ist. Wenn das eintritt, werden diejenigen, die jetzt noch viel Zeit damit verschwenden, ihren Mitmenschen ungefragt von ihrem Reichtum und/oder ihrem guten Riecher zu erzählen, was eine Art Nebenwirkung von Bitcoinbesitz zu sein scheint, möglicherweise vorübergehend ein wenig leiser sein. Das wird schön.

Erinnert sich noch jemand an „Second Life“?

(Offenlegung: Ich habe gelegentlich den einen oder anderen Cent in eine dieser weniger medial beworbenen Spielwährungen investiert, die sich nach wie vor weigert, mich zu einem arroganten reichen Schnösel werden zu lassen. Das stört mich aus vorgenannten Gründen jedoch nicht im Geringsten.)

In den NachrichtenPolitik
Medienkritik CV: Protestnazis im Wandel der „ZEIT“

Dass das mediale Bild von Kritik an staatlicher Zensur digitaler Medien sich seit den noch einigermaßen wohlwollenden Berichten über die „Zensursula“-Demonstrationen verändert hat, bedarf vermutlich keiner weiteren Belege. Seit der Flüchtlingssache – ob nun damit begründet oder nicht – ist den Medien jeder Vorstoß der richtigen politischen Seite gegen das Böse ein guter, denn als weltoffenes Land sollte man es mit der Toleranz nicht zu weit treiben.

Leider gibt es hierfür ein aktuelles Beispiel.

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In den NachrichtenPolitik
Kurz verlinkt: Knallkopf Neitzels ethisches Töten

Auf „SPIEGEL ONLINE“ darf heute – die nicht wirksame „Paywall“ bitte per Script umgehen – der „Militärhistoriker“ Sönke Neitzel Folgendes zu einer friedlicheren Gesellschaft beitragen:

Wir sind eine aufgeklärte Gesellschaft, in der Bundeswehr dienen fast ausnahmslos aufgeklärte Bürger. (…) Reden Sie mal mit Panzergrenadieren oder Fallschirmjägern. Die laufen nicht mit Schaumgummibällen durch die Gegend, die sollen kämpfen und töten können, und zwar weil die Bundesrepublik das von ihnen verlangt. Im Gegenzug muss ich akzeptieren, dass diese Leute, alles Freiwillige, über ein bestimmtes Ethos verfügen. Die sagen nicht: Es ist schrecklich, dass ich Scharfschütze bin. (…) Diesen Leuten kann ich doch nicht lauter nicht kämpfende Vorbilder anbieten.

Schlimm wäre das, wenn die aufgeklärten – wenigstens hat er nicht „zivilisierten“ gesagt – und ethisch zum Kämpfen und Töten verpflichteten Bürger in der Bundeswehr nur noch Vorbilder haben dürfen, die noch nie irgendwen gemeuchelt haben. Mit Weicheiern gewinnt man keinen Krieg!

Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Bundeswehr abgeschafft gehört.

In den NachrichtenMir wird geschlechtMontagsmusik
Goldray – Rising // Doctress Who // Ramelows Präzision

Bitte zurück ins Nest bringen.Es ist Montag. Pünktlich zum Wochenendende hat sich auch der Kopfschmerz wieder beruhigt, auf dass man frohen Mutes zur immerhin bezahlten Tat schreiten kann. Pandabär in Berlin müsste man sein, dann bekäme man jetzt Eis mit Gemüse, aber stattdessen ist man weit von Berlin entfernt und denkt als bloßer Mensch über Pandas nach. So kann es gehen.

Und die Nachrichten so? Der seit 54 Jahren männliche Titelheld aus „Doctor Who“ ist ab Ende dieses Jahres eine Feministin, was der Serie, die in jüngerer Zeit neben dem erstmals weiblichen Antagonisten mit „Bill“ auch eine Nebendarstellerin („Companion“) bekommen hat, deren wesentliche Eigenschaft es war, eine lesbische Feministin zu sein, zwar eine gewisse Kontinuität verleiht, mich hingegen skeptisch mindestens eine Augenbraue heben lässt, denn, wenngleich die schauspielerische Leistung eines „Doctors“ bislang keineswegs geschlechtsbezogen zu beurteilen war, die Serienmacher scheinen in letzter Zeit das dringende Bedürfnis zu haben, dem verdammten Patriarchat überragend selbstsichere Frauenfiguren entgegenzustellen, die außer dem Frausein nichts wirklich gut können. Haben die „Ghostbusters“ verpasst?

Der aufgebrandete Jubel auf Twitter, endlich dürfe eine Frau mal einen sowieso unsterblichen Helden mit einer langen Vergangenheit und voraussichtlich Zukunft verkörpern, was unabhängig von der charakterlichen Entwicklung schon deshalb gut sei, weil sie kein Mann sei, ist jedenfalls ein schlechtes Zeichen, belegt er doch, dass viele der Zuschauer eine Fernsehserie nicht als Unterhaltung, sondern als politisches Mittel zur Machtverschiebung begreifen, als habe irgendeine Weltanschauung plötzlich gewonnen, nur, weil in einer Serie, in der das allerdings schon mehrfach passiert ist, eine Figur das Geschlecht wechselt. Dem Patriarchat dürfte das jedenfalls einigermaßen egal sein und den verbliebenen nicht rettungslos bescheuerten Zuschauern bleibt zu hoffen, dass es endlich mal wieder eine Neubesetzung in „Doctor Who“ gibt, die der Serie inhaltliche Tiefe zurückgibt. Apropos: In Berlin-Lichtenberg ist der antipatriarchalische Vorstoß der örtlichen „Grünen“, potenziellen Rednern im Bezirksparlament nach Geschlecht statt Inhalt das Wort zu erteilen, nun vorerst gescheitert. Wie viel wäre auf dieser Welt gewonnen, achtete man nur mehr auf die Qualität des Erbrachten statt auf das Geschlecht des Erbringers!

Während die ehemals qualitätsfokussierte Piratenpartei in Konstanz, München und Leipzig anlässlich der jeweiligen Christopher-Street-Day-Parade um netzpolitisch ebenso desinteressierte Unterstützer für die kommende Bundestagswahl warb, gingen unbemerkt zwei Nachrichten von letzter Woche fast verloren: Die CIA hackt völlig überraschend auch Linux, was ich hier nur verlinke, weil das Didi immer so schön herausfordert; schlimmer jedoch: es wurde die Nachfolgerin von Günther Oettinger, also die neue EU-Digitalkommissarin, vereidigt, die gern „schärfere Regeln gegen Hassäußerungen und Falschmeldungen“ („heise online“) durchsetzen lassen würde. In einer gesunden Gesellschaft würde sich zahlreicher Widerstand formieren, aber es ist Wahlkampf, da macht man nichts mit Politik.

Der thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow („Linke“), der auch nichts mit Politik macht, hat gestern vorgeschlagen, man möge, um den Erfolg von landesansässigen „Rechtsrockkonzerten“ (als seien Schlager leichter zu ertragen) einzudämmen, das Versammlungsrecht, für Ostdeutsche bekanntlich keine Selbstverständlichkeit, doch bitte „präzisieren“; mit anderen Worten: Zu viele Dinge gehen derzeit als „Versammlung“ durch. Unklar bleibt, welche Art von Konzerten künftig noch als legitime Versammlung gelten darf. Hoffentlich nichts mit Phil Collins!

Här nix Ton, nix Musik.

Goldray – Rising [Official Video]

Guten Morgen.

In den NachrichtenPolitik
Die niemals gezogene Lehre aus dem Bochumer Brüllaufstand

„Das Problem bei den Linken“, so schätzte es Christian Lindner angesichts der kürzlich erfolgten Anbrüllerei durch eine linke Studentin, die über eine Stimme, mit der sie vielleicht lieber etwas anderes machen sollte als Parolen zu brüllen, verfügte oder noch immer verfügt, ein, sei es, „dass nur sie glauben, Wahrheit zu besitzen“, und während die Medien von den Axel-Springer-Blättern über die „Huffington Post“ bis hin zu „RP ONLINE“ seine dieser Feststellung folgende souverän-lässige Reaktion auf das Gebrülle nicht zu Unrecht, wenn auch mit gewohnt schleimiger Attitüde, als souverän-lässige Reaktion auf das Gebrülle beschrieben, so fehlt es doch an einem Hinweis auf die eine wesentliche Wahrheit, die mit jedem medial rezipierten Gebrüll erneut den Fokus auf sich zu ziehen versucht und es trotzdem nicht in die Reihe der gesellschaftlich als Konsens akzeptierten Regeln für einen zivilisatorischen Mindeststandard auf allen Seiten des politischen und sozialen Spektrums geschafft hat, weil vermutlich jene, die sie vorzutragen versuchten, schlicht nicht zu Wort kamen: dass nämlich eine als sonstwie politisch missverstandene Aussage, die lauten Gebrülls bedarf, um vermittelt zu werden, niemals nämlich von Leisen und keinesfalls ohne offensichtlich mitschwingende Ausrufezeichen (oft und gern im Plural) mündlich, vorgetragen wird, einen aufmerksamen Adressaten nicht verdient haben kann.

In den NachrichtenMir wird geschlecht
Initiative D21: Eine fast richtige Pressemitteilung

Berlin, 04. Juli 2017. Die Mitglieder des Initiative D21 e. V. haben zur heutigen Mitgliederversammlung einstimmig das Außerkrafttreten der Kompetenzquote für den Gesamtvorstand beschlossen. Ab sofort darf mindestens ein Drittel der Personen des Vorstandes nicht mehr nach qualitativen Kriterien ausgewählt werden. Zusätzlich zur Einschränkung der Quote wird die Regelung des „leeren Stuhls“ eingeführt. Wenn sich nur kompetente Personen zur Wahl stellen oder gewählt werden, bleiben die entsprechenden Plätze frei.

Präsident Hannes Schwaderer begrüßt es sehr, dass die bereits seit Jahren stattfindenden Bestrebungen, den Kompetenzanteil im Vorstand zu senken, nun per Satzung festgeschrieben sind: „Zum einen soll mit der festen Höchstquote ein deutliches Signal nach außen gesendet werden und sich auch andere Verbände entsprechend festlegen. Zum anderen haben unsere Mitgliedsunternehmen und -Institutionen ausreichend Inkompetente im Kollegium und wir möchten ihre geringere Kompetenz auch für das Wirken der Initiative D21 gewinnen“.

Auch Schatzmeisterin Prof. Barbara Schwarze zeigt sich erfreut: „Noch immer ist die soziale und politische Gleichstellung von Kompetenten und Inkompetenten in Deutschland nicht erreicht. Dass nun mindestens ein Drittel der Positionen im Vorstand der Initiative D21 durch Inkompetente besetzt werden müssen, wird auch auf unsere Mitgliedsunternehmen wirken, denn schlussendlich setzt sich der Gesamtvorstand aus den Führungspositionen dieser Unternehmen und Institute zusammen“. Da die Veränderungen nur sehr langsam von allein kämen, sei die Senkung der Quoten ein erster Schritt in Richtung gesellschaftlichem Wandel, stimmt Schwaderer zu. Die Initiative D21 sei bemüht, auch über die beschlossene Inkompetenzquote hinaus, den Gesamtvorstand paritätisch zwischen Kompetenten und Inkompetenten zu besetzen.

Die Förderung der Chancengleichheit zwischen Begabt und Unbegabt ist eine der zentralen Aufgaben der Initiative D21. Bereits zur Gründung des Vereins 1999 wurde die Förderung der Gleichberechtigung von Kompetenten und Inkompetenten in der Satzung festgeschrieben. So engagiere sich die Initiative D21 gemeinsam mit den Mitgliedern u. a. im Rahmen der Auftaktveranstaltung zum bundesweiten Incompetents‘ Day speziell für Chancengleichheit von Unbegabten durch das Aufzeigen von beruflichen Alternativmodellen und erfassen und bekämpfen unablässig den digitalen Graben zwischen den unterschiedlich Begabten.

Alternative Lesart hier.

In den NachrichtenPolitik
Abschließende Bemerkung zu G20: Feuer und Flamme fürs Klima

Die antikapitalistische Linke, lebendes Belegexemplar der Hufeisentheorie, hat endlich neue iPhones und denkt sogar mal über Körperpflege nach. Durch die Ankurbelung der Glaserei- und Autowirtschaft mittels der Zerstörung von Schaufenstern und Dienstfahrzeugen von Krankenpflegern wurde dem Kapitalismus ein Schnippchen geschlagen und es ist sicher nur noch eine Frage der Zeit, bis die Banken freiwillig dem Freiheitsdrang der Bürger nachgeben. Die Verschonung von Geschäften, deren Besitzer rechtzeitig bekannt gegeben haben, auf der richtigen Seite zu stehen, hat in Deutschland bekanntlich eine bald achtzig Jahre alte Tradition und Tradition ist wichtig.

Dass nicht etwa die internationale Hochfinanz, sondern kleine Geschäftsleute, Journalisten und Polizisten teils ruiniert, teils schwer verletzt wurden, war auf dem Weg zu einer besseren Welt unvermeidlich, denn niemand muss Geschäftsmann, Journalist oder Polizist sein oder in Hamburg wohnen. Nachdem das Klima jetzt gerettet und der Kapitalismus endgültig besiegt ist, bleibt nur noch eine Frage ungeklärt:

Wie dumm ist Werner Rätz?

In den NachrichtenWirtschaft
Von Vollbezahlung hat ja niemand etwas gesagt.

Im September steht die nächste Bundestagswahl an; Zeit also, schon einmal darüber nachzudenken, wen es zu wählen gilt. Während die früheren Mitregenten „Die Grünen“ längst Spott und Schaden auf sich vereinen, ist die derzeitige Regierungskoalition aus CDU/CSU und SPD produktiv damit beschäftigt, potenziellen Wählern im Falle eines Wahlsieges Versprechen hinsichtlich der zu erwartenden Politik zu machen. Wenn sie doch nur eine Gelegenheit gehabt hätte, auch mal Dinge umzusetzen!

Während die SPD schon vor etwas längerer Zeit unter dem Beifall ihrer traditionell vergesslichen Anhänger mitteilte, wenn sie doch nur endlich regieren dürfte, würde sie die unmenschliche Sozialpolitik der SPD grundlegend revidieren, nebelte es aus CDU/CSU-Kreisen noch eher zurückhaltend, denn einigen konnte man sich zwar darauf, weiterhin inhuman und sonstwie grausam zu sein, nicht aber auf eine konkrete Ausprägung. Der putzige CDU-Generalsekretär Peter Tauber ließ gestern – noch vor der Vorstellung des gemeinsamen Wahlprogramms – zumindest den Hinweis fallen, dass diejenigen, die mehrere schlecht bezahlte Arbeitsplätze haben, halt eine anständige Ausbildung hätten machen sollen, denn dann hätten sie das Problem jetzt nicht, was er später revidierte, indem er zumindest die Zahl, nicht aber die Existenz von schlecht bezahlten Arbeitsplätzen kritisierte: „Mini-Jobs“ seien nämlich „an sich gut“, sie betreffen ja niemanden, der lieber in Vollzeit und anständig bezahlt arbeiten würde, nicht wahr?

Seit gestern Abend jedenfalls gibt es ein gemeinsames Wahlprogramm („Regierungsprogramm“) von CDU und CSU, in dem mein spaßiges Lieblingskapitel die Überschrift „Gute Arbeit auch für morgen – Vollbeschäftigung für Deutschland“ trägt. Vollbeschäftigung kennt die Kanzlerin, ein Kind der DDR, noch von früher, als es in ihrer Heimat eine staatlich verordnete Arbeitslosenzahl von 0 Prozent und ein Produktivitätsniveau von 40 Prozent gab. Das, freilich, ist nicht merklich anders als heute: Menschen, deren dauerhafte Arbeitskraft dem Markt keinen Mehrwert bringt, werden stattdessen zu unproduktiver Arbeit überredet, die nur existiert, um die Arbeitslosenzahl zu senken. „Sozial ist, was Arbeit schafft“, heißt es im Programm, und um die allzu plumpe Provokation, dass somit auch NS- und Sowjetlager eine Folge erfolgreicher Sozialpolitik gewesen sein müssten, zu vermeiden, mag mir der Hinweis genügen, dass mir zur Sozialpolitik der gegenwärtigen „großen Koalition“, die so viel Arbeit schafft, dass viele Leute sogar drei davon haben, so manches Adjektiv einfällt, „sozial“ aber nicht darunter ist.

Aus dem gleichen Kapitel des Wahlprogramms:

Die Zahl der offenen Stellen wächst beständig.

Die von der „Union“ haben auch eine gewisse Stelle offen, wie mir scheint.


Könnte man auch mal gelesen haben: Obama war immer total höflich.

In den NachrichtenPolitik
Kein Tag zum Feiern.

Heute sei, jubelte man auf Twitter, „ein Tag zum Feiern“, denn der deutsche Bundestag hat heute mit den Stimmen der Grünen Volker Becks „Lebenswerk“ – nein, nicht das mit den nackten Kindern oder das mit den Drogen, sondern das mit dem Nerven von Menschen und der Öffnung einer antiquierten Lebensweise für mehr Paare als bisher – beschlossen.

Während also allerorten die Proseccokorken unter lautem „Stößchen!“ knallten, wandte man sich in der „großen Koalition“, deren allgemeines Gewissen bekanntlich nur für eine einzige Abstimmung gefragt war, einem Thema zu, von dem die Abgeordneten gemeinhin noch weniger Ahnung haben als von modernen Beziehungsentwürfen, nämlich dem Internet: Irgendwo zwischen den unzähligen überschwänglichen Begeisterungsstürmen über die Ehereform inklusive eines Regenbogen-Os im Logo von „SPIEGEL ONLINE“ (objektiver Journalismus ist sooo 90er!) ist ein Artikel versteckt, der davon berichtet, dass nebenbei in einem plötzlich fast leeren Plenum – der Großteil der zuvor anwesenden Abgeordneten hatte wohl bereits etwas vor, zum Beispiel heiraten – das wohl verfassungsfeindliche Netzwerkdurchsetzungsgesetz („NetzDG“), eine Art staatlich forcierter Löschinfrastruktur für Privatunternehmen, beschlossen wurde; was immerhin abermals bekräftigt, dass eine Website, die man nicht selbst betreibt, ein denkbar ungeeigneter Ort für politische Äußerungen ist.

Wer es wagt, hinsichtlich des heutigen Tages von einem „guten Tag“ für Bürger- und Menschenrechte zu sprechen, der kann kein guter Mensch sein.