Archiv für die Kategorie ‘Politik’.

Politik regt mich auf, und wenn ich mich aufrege, muss ich schreiben, sonst gibt’s Tote.

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
SVIN – Maharaja // Demokraten, hüben wie drüben

OstereuleEs ist Montag. Der Witz, keiner jedoch gehe hin, ist genau so müde wie man selbst; müde vom Weltgeschehen und nicht zuletzt von der Erkenntnis, dass, was fehlt, fehlt. Allmählich beginnt man sich dem Nichts zu ergeben, aufmerksam beobachtet von Kauz und Mond, nickend, doch schweigend.

Keineswegs nichts: Während in der Bürgerschaft kräftig gegen den Populismus gewettert wird, der irgendeine Demokratie oder Freiheit oder so gefährdet, unterhöhlt unser aller Lieblingsregierung, nämlich die aus CDU/CSU und SPD, ein weiteres Mal das ohnehin schon brüchige Fundament der „Grundrechte“. Das Briefgeheimnis wird abgeschafft (sofern die Briefe elektronisch sind). Die NSA guckt uns derweil beim Bezahlen zu. Ob man sie wohl anrufen kann, wenn man seine IBAN vergessen hat?

Warum ich neulich empfahl, nur noch schlaue Menschen wählen zu lassen, führt übrigens aktuell die Türkei vor, deren Wählerschaft unter anderem mit einer Mehrheit der in Deutschland lebenden Türken – mit Präsidialsystemen kennen wir uns aus – eine aus klassisch demokratischer Sicht eher fragwürdige Verfassungsänderung zu befürworten scheint. Für die Schlauen unter den Wählern, die die Pläne nicht verwirklicht sehen möchten, aber hat sich der Präsident schon etwas ausgedacht: Erdoğan stellt Wiedereinführung der Todesstrafe in Aussicht, damit er endlich auf gleicher Augenhöhe mit dem Westen verhandeln kann. Es ist das Wesen von solchen Siegen, dass sie, ob nun in Texas oder in der Türkei, mit dem Tod der Unterlegenen enden.

Und alles, was uns bleibt, ist Musik.

Guten Morgen.

Politik
Endlich hassfrei Leute vermöbeln dank Mario Sixtus

Mario Sixtus – das war der hier – teilte am vergangenen Mittwoch folgende unbequellte Statistik mit seinen Lesern auf Twitter:

Auffällig dabei ist, dass „rechts“ – bei „den Nazis“ – eine Menge Hasskriminalität aufgeführt ist, „links“ hingegen eine stattliche Anzahl an Verbrechen bei der „Konfrontation gegen rechts“. Ist also davon auszugehen, dass ein einem „Nazi“ gegenüber begangenes Verbrechen (aus Hass gegen „die Nazis“) nicht als Hassverbrechen zu werten ist? In welche Kategorie fällt es, wenn jemand einen Flüchtling ganz ohne Hass, sondern zum Beispiel aus Alkoholisierungsgründen verprügelt?

Offensichtlich jedenfalls besteht in Mario Sixtus‘ Wunderwelt ein moralischer Unterschied nicht nur darin, welchen Anlass man für die Initiierung von Gewaltausübung zum Vorwand nimmt, sondern auch in der Identität von Gewalttäter und Gewaltopfer:

Es ist nämlich ein Unterschied, ob 1) ein Nazi einen Flüchtling verprügelt oder 2) ein Linker einen Nazi.

Wie es eben auch ein Unterschied ist, ob ich Mario Sixtus meinen linken oder meinen rechten Mittelfinger präsentiere, nur eben in der Sache nichts ändert. Wer Gewalt ausübt, der ist im Unrecht; dass mir jemandes Nase, Hautfarbe, Religion und/oder Parteimitgliedschaft missfällt, diskreditiert im Höchstfall nur mich selbst, dieses Missfallen im Verprügeln dieses Jemands zu kanalisieren setzt mich im Übrigen auch nicht auf eine höhere moralische Stufe.

Das Verprügeln von unliebsamen Mitmenschen zu relativieren, indem man versucht, jemand anderes Verprügeln als noch schlimmer darzustellen, als sei „der da kommt aus einem doofen Land“ eine noch schlechtere Ausrede als „der da hat eine doofe Weltanschauung“, also die Welt der aggressiv ausgeübten Gewalt in „schlimm“ und „weniger schlimm“ aufzuteilen – das verbindet die Linken und die Nazis so einmalig wie sonst nur wenig. Die da haben aber zehn Leute mehr grundlos verprügelt als wir, was eben nichts beweist außer: Gewalt ist das Mittel derer, die geistig schwach sind und bleiben.


Apropos „geistig schwach“: Die Vereinigten Staaten haben die Ostervorbereitungen genutzt, um eine neue Atombombe auszuprobieren. Jesus hätte es so gewollt, schätze ich.

PersönlichesPolitik
Expertokratie als Ausweg aus der Maizière

Der derzeit noch als alternativlos beworbene Weg der parlamentarischen Demokratie, die vermeintliche Interessensvertretung des Volkes durch eine Regierung mit eigener Agenda, lässt sich inzwischen gesichert als gescheitert ansehen. Keine Alternative ist in direkter Demokratie zu sehen, denn schon die parlamentarische Demokratie scheitert daran, dass gerade diejenigen mit der geringsten politischen Bildung Gebrauch von ihrem Wahlrecht machen.

In einem Staat, der für Studium und Autofahren eine Reifeprüfung voraussetzt, sollte das Wählen, dessen Folgen noch weitaus schlimmer als ein gleichwie schwerer Autounfall sein können, erst recht einen Nachweis über die ausreichende geistige Reife zur Partizipation voraussetzen. Daraus lassen sich folgende Ideen für eine lebenswerte Zukunft der Gesellschaft ableiten:

  1. Das Wahlrecht sollte kein Grundrecht bleiben, vielmehr sollte es denen offenstehen, die eine wie auch immer geartete Befähigung zu progressivem Denken aufweisen.
  2. Die gleichzeitige Mitgliedschaft in einer religiösen Gemeinschaft und dem Wahlsystem des Landes muss ausgeschlossen bleiben, um die endlich notwendigen Anreize zur Trennung von Staat und Kirche zu schaffen und eine weitere Entsäkularisierung der Politik nachhaltig zu verhindern.
  3. Es muss engere Grenzen für Parteiprogramme geben. Eine Partei, die den digitalen Wandel programmatisch verschläft, ist als nicht gegenwartstauglich einzustufen.
  4. Video- und Datentransferüberwachung sind im Weiteren ausschließlich in den Geschäftsräumen der Landes- und Bundesregierungen gestattet.

Und dann warten wir einfach mal ab.

In den NachrichtenPolitik
Iwan des Tages: Eine kurze Zusammenfassung aktueller Vorgänge in Syrien

Es herrscht seit langer Zeit Krieg zwischen drei von unterschiedlichen Wirtschaftsmächten ausgerüsteten militärischen Gruppen, nämlich der syrischen Regierung, einer religiösen Minderheit („Rebellen“) und Kriegern der ehemaligen Al-Qaida-Gruppe „Islamischer Staat“. Auf syrischer Seite steht der Iwan, weshalb die hiesige Gesellschaft sich darauf geeinigt hat, dass der „Islamische Staat“ nicht so schlimm ist.

Am vergangenen Dienstag hat irgendwer irgendwas mit Giftgas gemacht, was, verglichen mit den herkömmlichen Methoden zum Meucheln von Menschen, sicherlich keine besonders humane ist, was dazu führt, dass erstmals eine Empörung stattfand, die groß genug war, um einen Raketenangriff seitens der Vereinigten Staaten von Amerika zu rechtfertigen. Der militärisch bislang blass gebliebene Präsident der USA teilte hierzu mit, dass die nationale Sicherheit seines Landes ohne das Bombardieren eines anderen Landes nicht sichergestellt werden könne. Medien zeigen sich erleichtert.

Hauptsache, der Russe gewinnt nicht.

In den NachrichtenPolitik
Kurz verlinkt: Amazonverbot vor 22 Uhr dank SPD

SPD so:

Plattformen [wie] Online-Versandhäuser sollen laut der Initiative künftig (…) Pornografie (…) binnen 24 Stunden löschen müssen.

Das sind wohl diese westlichen Werte, von denen immer die Rede ist.

In den NachrichtenPolitik
Auch Dicke sollten cybern dürfen!

Über und unter dem Super-Symbolbild einer sichtlich gelangweilten Frau im Flecktarnanzug vor einem Röhrenbildschirm „berichtet“ heute Holger Zelder auf „heise online“:

Bundeswehr sucht moralbefreite Bewegungsmuffel mit zu wenig Disziplin für einen anständigen Beruf.

Ach nein, da habe ich mich verlesen; richtig ist:

Auch unsportliche Studienabbrecher: Bundeswehr sucht Rekruten für den Cyber-Krieg

Früher war die Bundeswehr ja mal eine Armee zur Landesverteidigung gegen den Iwan und kein Haufen von Buzzword-Bingo-Gewinnern, denen jeder Anlass, um mal wieder irgendeinen „Krieg“ anzufangen, Grund genug für die mediale Selbstfünf ist; neue Zeiten, neue Unsitten, wie es scheint. Weiter:

Eine schlagkräftige Cyber-Armee erfordert nach Einschätzung des Verteidigungsministeriums ein radikales Umdenken bei der Personalsuche der Bundeswehr. Die Regeln etwa für die Cyber-Reserve müssten geändert werden, sagte die Staatssekretärin im Ministerium, Katrin Cyber Suder, am Montag bei einer Veranstaltung zur Cyber-Sicherheit in Berlin.

Sie haben da noch etwas Cyber am Kinn. Was eine „Cyber-Reserve“ sein soll, erschließt sich mir spontan nicht. Sind das Cybersoldaten, die den ganzen Tag untätig vor dem Rechner sitzen und darauf warten, endlich gebraucht zu werden, um sich vor den, nun, Rechner setzen zu können? Und wie landet man in dieser „Cyber-Reserve“ – ist das der Sammelpunkt für all diejenigen, die für den regulären Cyberdienst zu sportlich sind?

Klar ist: Gesucht werden sozial Abgehängte.

Es gebe viele „Nerds“, die ihr Studium abbrechen würden. Mittlerweile dürften sie in der Truppe auch mit abgebrochenem Studium bestimmte höhere Laufbahnen einschlagen. (…) Bereits 2016 seien 60 Prozent mehr Informatiker eingestellt worden als im Vorjahr.

Nerds, Geeks, Hacker, Informatiker, Kellerkinder – nicht so wichtig, ist sowieso alles das Gleiche. Wichtige Voraussetzung ist aber, dass man unterqualifiziert für einen anständigen Beruf ist, nur Unsinn (Gender Studies, soziale Arbeit, BWL) oder gleich überhaupt nichts zu Ende studiert hat und deswegen nirgends sonst so bereitwillig aufgenommen würde wie bei der Bundeswehr, „Fachkräftemangel“ sei Dank. So eine Fachkraft würde ja stattdessen auch ein anständiges Gehalt erwarten und nicht mit allem zufrieden sein, was man ihr anbietet.

Die Informatiker-Armee soll künftig Waffensysteme und Computernetze der Bundeswehr schützen, aber auch zu Angriffen in der Lage sein. Sie könnte etwa in einem Auslandseinsatz das Internet überwachen, die Kommunikationskanäle des Gegners stören, um ihn zu isolieren, sagte Suder. (…) Die neue Cyber-Armee sei dringend nötig. Suder berichtete von Tausenden Angriffen auf die Netze der Bundeswehr jeden Tag.

Da blinkt mal kurz die Nortonsoftware im Infobereich, weil wieder so ein Fiesling einen Ping geschickt hat, und schon brennt bei Suders die Hütte. Tausende Angriffe, anderswo wäre man froh über solch niedriges Interesse durch den Feind, kommen an einem langen Tag ja auf diese Art schnell zusammen. Für eine kurze Erläuterung der implizit sich aufdrängenden Frage, seit wann irgendeine Abteilung der Bundeswehr folgenlos irgendwen angreifen darf, war offenbar zu wenig Cybertinte da, verraten wurde hier allerdings mehr als genug:

Sie könnte (…) das Internet überwachen[.]

Dafür brauchen wir also die Spitzelinfrastrukturen, die die Bundesregierung alle paar Monate erneut zu installieren versucht: Damit gegen den Russen so richtig schön gecybert werden kann.

Der richtige Tag, um mit der Verschlüsselung der eigenen Kommunikation zu beginnen, ist wie immer heute.

MontagsmusikPersönlichesPiratenpartei
Marteria, Yasha & Miss Platnum – Lila Wolken // Übrigens.

Das IST wach(Eigentlich Parteipolitik nicht besonders schätzen und deswegen erschöpfende Wochenenden mit ihr statt ihr verbringen; eigentlich Menschen nicht dauerhaft für einen geeigneten Umgang halten und deswegen mehr Zeit mit ihnen verbringen als gesellschaftlich mindestens akzeptabel; eigentlich laute Grölmusik für furchtbar halten und deswegen in einer Szenekneipe versanden; eigentlich zu alt sein für den Quatsch und deswegen nicht vor der Sperrstunde über den Heimweg nachdenken; es eigentlich besser wissen hätten sollen und deswegen nichts besser machen. Die Flasche Rufpolitur ist leer.)

Ach, was soll’s.

Marteria, Yasha & Miss Platnum – Lila Wolken (Offizielles Musikvideo)

Guten Morgen.

FotografiePiratenpartei
#bpt171

Eskalation

In den NachrichtenPiratenparteiPolitik
Das Wesen einer Wahl: Ralf Stegner und die Piratenpartei treffen sich im Schulzbus

„Wahl, die: Entscheidung zwischen zwei oder mehr Möglichkeiten, Dingen, Personen, Auswahl“
Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache


Am vergangenen Sonntag trat Martin Schulz, dessen Beliebtheit wohl nur damit zu erklären ist, dass er wahlweise nicht Angela Merkel oder nicht Sigmar Gabriel ist, mit 605 von 605 möglichen Delegiertenstimmen letzteres Herrn Nachfolge an der Spitze der ehemaligen Arbeiter- und heutigen Arbeitgeberpartei SPD an. Medial wurde das breitflächig so oder ähnlich dargestellt:

Ein Bundesparteitag wählte den 61-Jährigen in Berlin ohne Gegenstimme zum Nachfolger von Sigmar Gabriel. Es ist das beste Ergebnis der Nachkriegszeit.

Lassen wir den üblichen SPIEGEL’schen Superlativknaller im zweiten Satz einmal außer Acht, denn auch vor 1945 hat dieser gleichwie heilige Martin Schulz niemals mehr als 100 Prozent irgendwelcher Stimmen bekommen, seine Partei nach 1945 in Ostdeutschland auch nur, als sie schon SED hieß, so lautet die wesentliche Information, dass die SPD abermals ihren Vorsitzenden mit einer derart überzogenen Begeisterung ausgetauscht hat, als seien die bisherigen Wahl- und Umfrageergebnisse der rechtspopulistischen SPD allein die Schuld des nunmehr im Außenministerium ein überzogenes Gehalt beziehenden ehemaligen Vorsitzenden und nicht etwa der menschenfeindlichen Politik, die von der Parteibasis mitgetragen und von Parteiministern wie Andrea Nahles und Frank-Walter Steinmeier aktiv vorangetrieben wurde und wird.

Zusätzlich aber ist hier von einer „Wahl“ die Rede. Dass das sozialdemokratische Verständnis von diesem Grundpfeiler einer Demokratie nicht das beste ist, ist spätestens seit Ende August 2006, als der damalige SPD-Vizekanzler und Minister für „Arbeit“ und „Soziales“, Franz Müntefering, postulierte, es sei „unfair“, eine Koalition an ihren Wahlversprechen zu messen, nur noch von jenen glaubwürdig zu leugnen, die zu spät geboren sind und/oder im Wahljahr für ein Medium wie „SPIEGEL ONLINE“ irgendwelche Artikel schreiben müssen.

Ja, 2017 ist wieder ein Wahljahr, ein Superwahljahr gar, und die Angst vor der AfD ist so groß, dass sich sogar das ehemalige Fachmagazin „heise online“ nicht zu blöd vorkommt, in einem Artikel darauf hinzuweisen, dass die Piratenpartei auch ganz bestimmt tot ist. Die für den nächsten Schritt nötige geistige Transferleistung zu erbringen wäre, zugegeben, für den durchschnittlichen Internetjournalisten auch wirklich zu viel verlangt. Aber auch sonst scheint die Piratenpartei – mit der AfD will man es sich offenkundig nicht allzu sehr verscherzen, Rechtspopulisten sind gern beisammen – gerade ein willkommenes Ziel von Leuten zu sein, denen die Demokratie nicht besonders nahe ist. Martin Schulz‘ Stellvertreter Ralf Stegner etwa pöbelte auf Twitter darüber, dass ein Mitglied der Piratenpartei („1%Partei“, Rechtschreibung wie im Original) die zahlreichen Nebeneinkünfte von Berufspolitikern als das Vollmachen von Taschen bezeichnete, weil sich so, so Ralf Stegner, sonst nur „Demokratiefeinde“ und „Rechtspopulisten“ ausdrückten, womit er offensichtlich keineswegs sich selbst meinte.

Nun entlarvt das anscheinend diffamierende Betonen der momentanen Umfragewerte der Piratenpartei, als sei eine Partei mit wenigen Stimmen plötzlich ein weniger wertvolles Mitglied des demokratischen Spektrums und als sollten ihre Mitglieder darum besser schweigen, Ralf Stegner, wenn schon nicht unbedingt als einen Rechtspopulisten, wenigstens als einen Demokratiefeind, womit er in der SPD gut aufgehoben ist. War die Kurznachricht auf Twitter womöglich gar anerkennend gemeint? Wird Twitter das jemals erfahren?

Und wer war in diesem hochdemokratischen Komplex SPD in der so genannten „Wahl“ des neuen Parteivorsitzenden eigentlich der Gegenkandidat von Martin Schulz?

In den NachrichtenMir wird geschlechtMontagsmusikPolitik
Dot Legacy – Story of Fame

Kann ich rauskommen?Es ist Montag, aber man muss nicht raus, was ihm, dem Montag, beinahe jeden Schrecken raubt (außer vielleicht: wieder beginnt ein Tag des Lebens, an dem man eigentlich so vieles könnte, wenn man nur wollte). Ein Tag ohne Grund, ohne Mond noch dazu.

Apropos Können und Wollen: Das börsennotierte Unternehmen Siemens erwägt in wenigen Jahren Fahrzeugfabriken ganz ohne lästige, weil kostenintensive menschliche Arbeitskräfte zu betreiben, was in diese Zeit des politischen Aufschwungs der SPD (die, Ironie der Geschichte, eigentlich schon immer im Betriebsrat von Siemens herumsaß und Luft wegatmete) prima passt. Von einem börsennotierten Unternehmen ohne lästige, weil kostenintensive menschliche Vorstände ist bis auf Weiteres aber nur zu träumen.

Genug Zeit bleibt bis dahin also, um die frei erfundene Gehaltslücke zwischen Mann und Frau, Quatsch: schlechter und besser qualifiziertem Arbeitnehmer endlich zu schließen. Zahlen wir doch einfach jedem dahergelaufenen Kasper grundlos das gleiche Geld, wie es die sozialromantische und leistungsfeindliche Träumerei von einem „bedingungslosen Grundeinkommen“ suggeriert, und freuen wir uns auf eine Welt, in der auf eine anständige Arbeit keiner mehr Lust hat. Übrig bleiben wie gewohnt die Doofen.

Überleitung? Später vielleicht. Zitat jedenfalls: Der DHL-Paketbote [müsse] also DHL Paketbote heißen, damit man ihn weltweit einheitlich falsch schreiben kann. So weit ist es schon. Wofür ist so ein Schulabschluss mit Deutschpflicht eigentlich noch gut, wenn ihn später keiner mehr benutzt?

Was aber dringend benutzt werden sollte, schon zwecks Beruhigung: Musik.

Dot Legacy – Story Of Fame

Guten Morgen.

In den NachrichtenMusikNetzfundstückePolitik
Liegengebliebenes vom 18. März 2017

Verfassungsfeind des Tages: Heiko Maas, SPD.


Na, ist auch euer Tag zu kurz, um all die spannenden „neuen“ Fernseh- oder Internetserien angemessen aufmerksam verfolgen zu können? Dann guckt sie doch einfach doppelt so schnell!


Brüller des Tages: Das gleiche Mozilla, das erst neulich gegen den Willen der meisten Stammnutzer und langjährigen Erweiterungsentwickler XUL aus Firefox zu entfernen ankündigte, bittet diese Entwickler jetzt in einem Blogeintrag darum, sie mögen doch bitte an das Wohl der Nutzer denken.


Jens Balzer („SPIEGEL ONLINE“) mag Rammstein nicht und hält die Band (womöglich deshalb) für eine Keimzelle des Rechtspopulismus, nennt Rammsteins offensichtliche musikalische Vorbilder Laibach aber im gleichen Text „eine radikale, aus den Siebzigerjahren bis in die Gegenwart reichende Avantgarde, von der die Gewalterfahrungen des 20. Jahrhunderts ebenso reflektiert wurden wie das totalitäre Potenzial der postmodernen Massenmedien“. Wofür ich derweil Jens Balzer halte, möge sich der in Kraftausdrücken bewanderte Leser bitte selbst ausmalen.


Türkische Viehproduzenten wollen niederländische Kühe protestierend in deren Heimatland zurückschicken. Niederländische Ziegen dürfen, wie man hört, jedoch auch weiterhin in der Türkei bleiben.


Heute vor 10 Jahren: Niedersachsens Pferdeapfelkampagne.


Wie lange braucht so ein Linux eigentlich, um eine kritische Sicherheitslücke zu finden und zu beheben? Ist ja freie Software und das alles. Ist ja sicherer als Windows und so. – Richtig: über sieben Jahre.

In den NachrichtenPolitik
Der Schut im Lande des Bontwerkers

Was macht eigentlich ein Präsident eines vorgeblich weltlich-islamischen Landes, das sich in den letzten Jahren unter seiner eisernen Faust vor allem durch die Bekämpfung ethnischer Minderheiten, das Wegsperren gleichwie bedenklicher Pressevertreter, die allmähliche Monarchisierung und ein permanentes Beschimpfen von Ländern, aus denen verhaltene Kritik ertönt, als Nationalsozialisten oder deren Nachkommen, hervorgetan hat, wenn es einem der übrigen Länder auch mal reicht mit dem kranken Mann am Bosporus?

Richtig:

Der türkische Präsident Erdogan will das Auftrittsverbot für seine Minister in den Niederlanden vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte bringen.

Was auch sonst? :aufsmaul:

In den NachrichtenMir wird geschlechtMontagsmusikPolitik
Krobak – Broken // Diktatoren mit Bärten, Frauen mit Nägeln

Frühling, oh nein.Es ist Montag, ein Tag, von dem eine Entfremdung lohnenswerter scheint als von anderen Dingen des Lebens. Es wird Frühling, die Hormone treiben Unfug und das Draußensein wird so auch ästhetisch wieder zur Qual. Wohl dem, der drin sein kann und sich wundern.

Keineswegs drin ist EU-Beitrittskandidat Türkei, dessen Häuptlings ständige Präsidentenschnappatmung dazu führte, dass die dort Verfolgten auch hierzulande nicht mehr gern gesehen sind: Das Innenministerium bekämpft auch weiterhin die Gegner des Islamischen Staates, auf dass der Friede zwischen Deutschland und der Türkei auch weiterhin nicht in Frage stehen möge. Richtig machen es unsere westlichen Nachbarn, die sich traditionell nur sehr ungern von einem bärtigen Diktator auf den Tulpennasen herumtanzen lassen. Nach der anstehenden Wahl in den Niederlanden, der der Rechtspopulismus nun wohl gelassen entgegen blicken kann, wird es dann wieder allerorten von den Dächern trompeten, die Nazis seien zu beliebt geworden. Wohl dem, der Ursache und Wirkung nicht der Wirtschaft zuliebe verwechselt.

Von der Weltöffentlichkeit zum Glück weitgehend unbemerkt wurde aus dem Kreise derer Twitterfrauen, deren bisherige Lebensleistung (in erster Linie nämlich diverse Twitter-Hashtags) auf dem Geld anderer Leute errichtet wurde und die sich medial bislang vor allem mit gemeinsamem Niederbrüllen derer, die besser sind als sie, hervorgetan haben, das „Feministische Netzwerk“ gegründet. Interessant am Logo des „Feministischen Netzwerks“ finde ich, dass es drei stilisierte Hände von benagellackten und vor allem dünnen Frauen zeigt. Sind dicke Frauen ohne Nagellack (oder gar, buäh!, feministische Männer) in Feministenkreisen unbeliebt? Ich finde das ziemlich unterdrückend von den beteiligten Frauen, die damit zweifelsohne dem Patriarchat in die Hände spielen.

Mindestens genau so unangenehm übrigens: Ohrwürmer von erschreckend okayer Popmusik, die man eigentlich gar nicht mögen dürfte. Schnell ein Gegenmittel!

Krobak – Broken (official video)

Guten Morgen.

In den NachrichtenWirtschaft
Traumberuf Arbeitsloser

Was die gegenwärtige Lichtgestalt der Hartz-IV-, Agenda-2010- und Angriffskrieg-im-Kosovo-Partei SPD, die seit lächerlichen 19 Jahren mit nur vier Jahren Unterbrechung das Arbeitsministerium („für Arbeit und Soziales“, so die offizielle Bezeichnung) besetzt, übrigens sonst so fordert: Eine Weiterbildung zum Langzeitarbeitslosen. :D

Schulz will längeres Arbeitslosengeld - Laut seinem Plan sollen sich Arbeitslose dafür weiterbilden lassen

Denn, Wortspiel einmal beiseite gelassen, die Bilanz aus 19 Jahren SPD-Regierung lautet eben auch und vor allem Fachkräftemangel – den Fachkräften mangelt es an Arbeit und damit an Geld. Dank eines florierenden Niedriglohnsektors und der praktischen Einrichtung „Hartz IV“, dank derer man selbst jene, denen es über Jahre hinweg an fast allem mangelt, nicht mehr als bitteschön in Lohn und Brot zu versetzende Arme berücksichtigen muss, kann eine Partei, die dieselbe soziale Gerechtigkeit, die sie beinahe jahrzehntelang systematisch abgeschafft hat, alle Wahljahre wieder propagiert, in den einschlägigen Umfragen große Erfolge bei denen erzielen, die sich eine Veränderung – Hauptsache, mal ’n anderer Kanzler – erhoffen, ohne dass diese Jenigen auch nur eine vage Vorstellung davon haben, dass das politische Klima, das sie zu Ausgegrenzten gemacht hat, von jenen drei Parteien gedüngt und gegossen wurde, die auch dieses Jahr wieder von Aufbruch, Zukunft und Sozialsystem quatschen, nämlich von der Regierung aus SPD und Grünen einer- und der Regierung aus CDU, CSU und SPD andererseits.

Dass, wer aus Überzeugung statt aus taktischen Gründen wählt, seine Stimme quasi verschenkt, ist ein Märchen, dessen Ausgang die Entrechtungsparteien längst perfektioniert haben und an dem sie auch in einer Zeit, in der eine gleichwie politisch einfarbige Partei der Unzufriedenen sich in die Landtage facebooken lässt, festhalten, denn es hat sich – Schulz! Schulz! – als wirksame Waffe gegen bewegte Graswurzelei bewährt.

Vermutlich, damit der Russe nicht gewinnt.

Politik
Skandalös: Buchhandlung verkauft Bücher!

Im Februar 2017 erreichte die berühmte deutsche Demonstrationskultur ein neues Hoch: Als der total lustige Autor Deniz Yücel in türkisches Gewahrsam (ich erwähnte es bereits) gekommen war, ergriffen seine solidarischen Mitbürger die Initiative und hupten gegen Erdoğan:

Um gegen die Inhaftierung Yücels zu protestieren, fanden bereits Autokorsos in Berlin und in Yücels Heimatort, dem hessischen Flörsheim, statt. (…) Gefahren und gehupt wird ab 16.30 Uhr – je lauter, desto besser.

Mehr noch: Um es dem türkischen Präsidenten mal so richtig zu zeigen, riefen und rufen prominente Twitterer wie Mario Sixtus ihr Publikum dazu auf, ein Buch von Deniz Yücel auf Amazon zu kaufen (selbstverständlich als elektronisches Buch, denn die Bedienung eines papiernen Buches ist nicht mehr als allgemein bekannt vorauszusetzen), auf dass er der meistverkaufte Autor in Gefangenschaft des ganzen Jahres werden möge. Nimm dies, Erdoğan!

Woran die twitternde Meute hierbei keineswegs gedacht zu haben scheint, ist, dass Amazon keinesfalls ein linker Szeneladen für Anhänger von Deniz Yücel, Marx, Engels und Camus ist, sondern auch Bücher von Autoren wie Udo Ulfkotte und Gerhard Wisnewski verkauft, die ja nun nicht gerade im Ruf stehen, sich irgendwie links zu positionieren, wobei insbesondere letzteres Buch es gegenwärtig sogar in die Liste der „SPIEGEL“-bestseller, also der Leseempfehlungen eines vermeintlich seriösen Nachrichtenmagazins, geschafft hat, was Amazon sogar als zusätzlichen Kaufanreiz gesondert kennzeichnet. Anders gesagt: Netzwerker wie Mario Sixtus machen dadurch, dass sie zum Kauf auf Amazon aufrufen, nachdrückliche Werbung für die Bücher rechter Autoren. Das ist ziemlich unverantwortlich.

Das sei jetzt aber übertrieben, sagt ihr, weil es nun mal die Aufgabe einer Buchhandlung sei, weitgehend wertungsfrei Bücher zu verkaufen?

Vergangene Woche entdeckte eine – laut ihrem eigenen Profil – feministische, sozialistische Twitternutzerin in einer Ulmer Buchhandlung (denn was könnte sozialistischer sein als eine Buchhandlung?), dass dort auch Bücher von Hans Herbert von Arnim, Thilo Sarrazin und Udo Ulfkotte ausgestellt waren, beworben mit einem Plakat des aktuellen bestsellers Herrn von Arnims (beim linkerseits unverdächtigen Buchhändler Amazon derzeit „Bestseller Nr. 1 in Kriminalität in Wirtschaft & Politik“). In den folgenden Kreischsturm reihten sich wie üblich zahlreiche Nutzer ein, deren Bedürfnis, jemals eine Ulmer Buchhandlung zu betreten, bislang ohnehin noch nicht besonders groß war, und teilten der Buchhandlung teils telefonisch, teils schriftlich mit, was sie davon hielten, dass sie bei Kunden beliebte Bücher auch dort hätten kaufen können, wenn sie das denn gewollt hätten. In der Reihe derer, die ihren Unmut darüber, dass eine Buchhandlung ein breites Sortiment aufwies, lakonisch in einen Computer reintippten, lässt sich jedenfalls auch – ihr ahnt es – ein gewisser Mario Sixtus finden. Offensichtlich gibt es gute und schlechte Nazibuchläden in der Welt der Alphablogger, offensichtlich ist ein Verkauf von bösen Büchern allein ladenbezogen ein Empörungsgrund. Ich sollte vielleicht mal nach einer Liste fragen.

Unklar bleibt der konstruktive Gegenvorschlag. Könnte die Ulmer Buchhandlung ihren Leumund reinwaschen, verkaufte sie böse Bücher nur mehr als E-Books oder würde umgekehrt auch Amazon der Verdammnis überschrieben, hörte es nicht alsbald auf, Bestseller als Bestseller zu bezeichnen? Wer bestimmt abschließend über die Marktwirtschaft im Buchhandel – ist es Twitter?

Und warum beschleicht mich eigentlich das Gefühl, dass dieser Diskurs auf einem Kurztextmedium nicht unbedingt gut aufgehoben ist?

WENN das Internet sich wirklich zum Medium der Entweder-Oder-Position entwickeln sollte, (…) DANN WÄRE ES GENAU NICHT das Medium der Aufklärung, des Diskurses, der Akzeptanz und des gesellschaftlichen Fortschritts.
Mario Sixtus, 3. Januar 2017