Archiv für die Kategorie ‘Musik’.

Liedzitate und Erinnerungen an gute Lieder säumen meine Artikel. Jedenfalls diejenigen in dieser Kategorie.

MontagsmusikNetzfundstücke
Jimi Hendrix – Hey Joe // Freiheit ist auch das Recht, Unrecht zu haben.

Es ist Montag?!Es ist Montag. Der Sommer scheint vorüber, zumindest herbstet es sehr. Die Betrübnis, die sich einstellt, auf das Wetter zu schieben wäre nicht angemessen, denn ein Blick auf den Kalender offenbart mehr. Menschlichkeit ist eine Schwäche der Evolution und sehr ärgerlich. Käuzchenwort des Tages: Ungemach.

Gegen eine etwas andere Art von Ungemach will die staatlich finanzierte Aktion „DoppelEinhorn“ (natürlich unter Missachtung geltender Schreibweisen) etwas tun, die, bebildert mit einer nicht mal ironisch interessanten und respektlos duzenden Comicfigur, zum Beispiel suggeriert, es gebe kein „Grundrecht auf Scheißelabern“, als sei nur von der Meinungsfreiheit gedeckt, was erstens wahr ist und zweitens von niemandem kritisiert wird, denn so ein Grundrecht wäre keines. Nun ist es im besten Sinne fraglich, ab welchem Beklopptheitsgrad Meinungsfreiheit aus staatlicher Sicht zum „Scheißelabern“ wird und ob es letztendlich überhaupt zielführend ist, das Reden von Stuss unter Strafe stellen zu wollen, so lange nicht klar ist, wo die Grenze zwischen erlaubter Meinung und illegalem Stuss liegt: Bei positiven Rezensionen von Musik von Phil Collins oder erst bei der Leugnung des Holocausts – und warum?

Gute Nachrichten derweil: Wissenschaftsleugnung ist jetzt ein Freiburger Studienfach. Sobald ausgependelt werden konnte, welche Sternenkonstellation daran schuld ist, wird es sicherlich eine entsprechende Onlinedemonstration geben.

Bis dahin: Musik.

Guten Morgen.

In den NachrichtenMontagsmusik
Valerinne – Solastalgia // Bitte nicht mehr muslimisch aussehen!

Es einfach mal wie diese Eule machen und sich schlafen setzen.Es ist Montag. Weil in einer alten Erzählung davon zu hören ist, dass zu Pfingsten vor langer Zeit einige Menschen plötzlich in fremden Sprachen zu reden anfingen, wird heute trotzdem nur wenig gearbeitet. Das ist nur folgerichtig und sicherlich auch sinnvoll, denn sonst würde der Gesetzgeber, dem Arbeit bekanntlich nicht völlig unwichtig ist, ja sicherlich anders entscheiden, nicht wahr? – Wenn doch nur alles so leicht wäre!

Apropos Gesetze: Die Welt ist beruhigt, in London wurden die Bösen, wie es sich für einen Rechtsstaat gehört, zeitnah gemeuchelt beziehungsweise „ausgeschaltet“, wie es bei Lichtschaltern und in der einschlägigen Berichterstattung mit ihren Livetickern und Newsblogs (was nebenbei die Frage aufwirft, was, wenn kein „Newsblog“, die beteiligten Journalisten denn sonst so zu schreiben meinen) heißt. Über die Täter war schnell alles Notwendige bekannt, denn gemäß den Nachrichten (u.a. gestrige „Sat.1-Nachrichten“) handelte es sich um „muslimisch aussehende“ Männer, denn, wie gerade wir als Deutsche ja wissen, ist es zwar völlig unangebracht, die Religion eines Menschen an seinem Aussehen zu erkennen, aber bei den Moslems macht man da in der Terrorhysterie schon mal eine Ausnahme, denn die sehen ja alle gleich aus. Jemand sollte mal etwas gegen diese Bärtigen unternehmen.

Aus der Welt der großen Überraschungen: Wer seine Passwörter auf den Computern anderer Menschen („Cloud“) ablegt, dem gehen sie auch mal verloren. Der unbedachte Umgang der Menschen mit ihren Daten war irgendwann einmal ein treibendes Thema für eine aufstrebende deutsche Partei, diese jedoch sonnte sich am Wochenende lieber auf einer Sexualitätsparade. Ich wünschte, es würden sich auch nur annähernd so viele politisch aktive Menschen für ihre digitale Freiheit wie für Sexpolitik interessieren, aber ich bin natürlich auch ein bisschen merkwürdig.

Ebenfalls merkwürdig, klingt aber wenigstens gut: Musik.

Valerinne Solastalgia Live 2017 in Fabrica

Guten Morgen.

In den NachrichtenMusik
Fußball und Kommerz

Am vergangenen Wochenende erhielt „Deutschlands größter Musikstar“, wie es heißt, nämlich Helene Fischer, eine vielstimmige Rückmeldung hinsichtlich seines Auftritts mitten in einem Fußballspiel; von einer plötzlichen Kommerzialisierung des geliebten Brüllballs ist die Rede, als wäre angesichts der Millionengehälter von Fußballfunktionären und -spielern der Auftritt einer sowieso schon längst quälend oft gehörten „Trällertrulla“ (Twitter über Helene Fischer) ein Symptom für ein unerwartetes Umdenken, die diejenigen, die für jedes Spiel, dem sie direkt beiwohnen, sozusagen ihren Wochenlohn opfern, auf dass der Verein sich weitere Repräsentanten, die für diverse Millionen Euro anderthalb Stunden lang ein wenig herumlaufen, leisten kann, nicht mittragen wollen, denn Fußball ist bekanntlich weit davon entfernt, mehr mit Geld als mit sportlicher Leistung etwas zu tun haben zu wollen.

Sollen sie halt Fußball essen.

In den NachrichtenMontagsmusik
sleepmakeswaves – Emergent // Danke, Donald!

Es wird warm. Auch das noch!Es ist Montag. Ab schweifen Gedanken wie Pandabären, vom Brückentag hatte man als anständiger Mensch ja auch nicht viel außer den sicheren Hohn derer, die ihn nutzten. Jede Ausrede ist willkommen, um dem Wirtschaftsgedanken eine Pause zu verordnen, jedoch keine genug, um sich noch zu schätzen zu wissen. Über den Wolken, nur eben: allein.

Keineswegs zu schätzen wissen auch die Leute unverändert den US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump, obwohl wir ihm vieles zu verdanken haben. Vertreter der rechtspopulistischen SPD etwa erwägen seinetwegen eine Reduktion des „Austauschs“ (ebd.) mit dessen (D. Trumps) Geheimdiensten, womit berechtigt als gesichert angenommen werden kann, dass die Präsidentschaft Donald Trumps die allumfassende globale Überwachung zu unseren Gunsten verändert. Sehen die Leute aber nicht und verstehen sie nicht.

Das könnte natürlich an der Berichterstattung liegen, deren Neutralität (vergleiche hierzu einschlägige Nachrichtenformate), bezogen auf das Staatsoberhaupt fremder Länder, mitunter zu wünschen übrig lässt. Tendenzjournalismus ist eben kein Journalismus, auch wenn die Ansprüche sinken: Das ist wie aus anderer Leute Mülleimer zu fressen. Es ist schwer, noch etwas zu glauben, was man liest. Die mediale Totalversorgung ist getrieben vom Mitteilungsdrang der Lautesten, mich selbst einfach provisorisch einmal eingeschlossen. Wenigstens wollen sie selbst dafür angemessen beschimpft werden.

Über jeden Zweifel erhaben bleibt jedoch: Musik.

sleepmakeswaves – Emergent – Audiotree Live (2 of 4)

Guten Morgen.

KaufbefehleMusikkritik
Kurzkritik: Free Salamander Exhibit – Undestroyed

Etwas – wenn auch nicht viel – ernster als letztes Mal geht es bei Free Salamander Exhibit zu.

Die Musikgruppe Sleepytime Gorilla Museum, 1999 aus Idiot Flesh hervorgegangen und bis 2011 aktiv, war eine höchst seltsame Combo, deren Stil sich vielleicht am ehesten als Experimentalmetal mit Dada-Einfluss beschreiben lässt, womit sie zeitweise (cf. u.a. Sebkha-Chott und uneXpect) nicht allein waren. Unter den zahlreichen Abkömmlingen von Sleepytime Gorilla Museum fällt die Band Free Salamander Exhibit nicht nur durch einen recht ähnlichen Namen (der Weg zur Salamanderausstellung vom Gorillamuseum ist kein weiter), sondern insbesondere auch durch eine hohe Übereinstimmung der personellen Besetzung – leider gegenwärtig ohne Carla Kihlstedt – auf, so dass ich es einfach mal wage, Free Salamander Exhibit als jüngste Quasi-Reunion von Sleepytime Gorilla Museum zu benennen.

Im Jahr 2016 erschien nun also das Album „Undestroyed“. Wir sind noch nicht zerstört. Passt, denn zerstören tun sie lieber selbst.

Free Salamander Exhibit – Time Master

„Undestroyed“ – wenn auch bei Weitem nicht so durchgeknallt wie frühere Alben aus dem Bandumfeld – wird beherrscht von vielfältigen Rhythmen, stilistisch bewegt man sich zwischen Mathrock und Metal mit dem altbekannten Growling, aber auch Canterbury ist dem Quintett nicht fremd, wie „The Keep“ herausragend beweist:

Free Salamander Exhibit – 02. The Keep

Derzeit befindet sich die Band mit illustren Zeitgenossen wie Cheer-Accident auf einer ausgedehnten Tournee, es geht also hoffentlich noch weiter. „Undestroyed“ ist jedenfalls ein willkommenes Lebenszeichen einer reformierten Band, deren Fortbestand unbedingt wünschenswert ist.

Musikkritik
Ausführliche und ausgewogene Rezension zu Spike Jones‘ 1959er Meisterwerk „In Stereo“

Hä?

Everything Happens To Me – A Spooktacular in Screaming Sound! (1959) Spike Jones

Versteh‘ ich nicht.

I Was A Teenage Brain Surgeon Spike Jones

:-?

MontagsmusikNetzfundstücke
Grusom – The Journey

Wieder nur Eulen im SPIEGEL.Es ist Montag. Zwar zu nass, aber wenigstens auch zu warm. Dem Ziel, endlich anzukommen, wurde abermals nicht näher gekommen, überraschenderweise löst Untätigkeit Probleme eher selten. Die Forschung indes findet immer wieder einen neuen Sinn im Leben. Dieser Tage wurden Forschungsergebnisse publik, die das Laden einer Batterie mit Lebensenergie für wahrscheinlich erachten. Eine wandelnde Ladestation zu sein ist ja auch irgendwie ein Sinn, auch, wenn es bei vielen potenziellen Anwendern eben an der Lebensenergie fehlen wird. Die Zukunft wird wunderbar.

Kurz die Kotze abwischen und weiter im Text. – Der olle „SPIEGEL“, der den Unterschied zwischen einer Debatte und einem Duell nicht mal im Ansatz verstanden hat, titelt diese Woche falsch: „Wie Hacker die Welt attackieren. Wie wir uns schützen können.“ Die Antwort darauf lautet zum Beispiel nicht: indem man Hacker, die längst den letzten Schutzwall zwischen übergriffigen Geheimdiensten und Regierung auf der einen sowie uns auf der anderen Seite bilden, zum Problem erklärt; aber Ahnung von dem, worüber man da gerade zu schreiben versucht, ist beim „SPIEGEL“ selten ein Anlass zur Beförderung.

Völlig furchtbar auch: Die schlimmsten Dinge, die man im Web kaufen kann, als täglich aktualisierter Blog.

Ziemlich gut hingegen: Musik.

GRUSOM – The Journey (Official Video)

Guten Morgen.

In den NachrichtenMir wird geschlechtMusikNetzfundstückePolitik
Liegengebliebenes vom 17. Mai 2017

Ich bin mir nicht sicher, ab welcher Schwere der Vergehen einer Regierung gemäß Art. 20 Abs. 4 GG ein Widerstand geleistet werden darf, aber ich bin durchaus gewillt, diese Option gegen die schlimme SPD zumindest in Erwägung zu ziehen: Hassminister Heiko Maas würde gern das offensichtlich verfassungswidrige Netzwerkdurchsetzungsgesetz noch diese Woche beschließen lassen. Der Rechtsstaat, das sind die anderen.


„Linux ist sicher“ des Tages: Über eine der unzähligen Sicherheitslücken in Ubuntu – mein Mitleid mit seinen oft verächtlich auf Windows hinabblickenden Nutzern hält sich in sehr engen Grenzen – war es möglich, den störenden Anmeldezwang, um auf die Dateien eines anderen Benutzers zuzugreifen, einfach zu umgehen.

(via Schwerdtfegr)


Eine erschreckende Vermutung, die alles, was wir bisher über Musik zu wissen meinten, in Frage stellt: Werden Texte in der Popmusik immer repetitiver?


Wenn Blinde über Farben reden, werden sie irgendwann Computerjournalist bei der Tagesschau:

IP-Adressen sind aus dem Internet nicht mehr wegzudenken.

Siehe auch:

Ja wahrlich, telefonieren ohne Telefonnummern, das gibt es praktisch nicht mehr. Selbst die Postzustellung ohne Anschrift gehört der Vergangenheit an.

Wir leben in erstaunlichen Zeiten.


Hihi:

Auf dem Fußboden bleibt die ominöse Buchstabenfolge “FCK ARN” zurück. Nach einigem Gerätsel lässt sich das wohl nur als hastiger Beginn der Worte “FICKT ARNE HOFFMANN” interpretieren, was immerhin mal eine feministische Forderung wäre, der ich zustimmen kann, auch wenn ich bisher nicht auf den Gedanken kam, sie auf Trottoirs zu sprühen. War der ganze Pick-up-Kram also doch zu etwas gut …

:lachtot:

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Farflung – Endless Drifting Wreck

In der Ferne leiser Donnerhall.Es ist Montag. Die Wählerschar Nordrhein-Westfalens hat sich wieder einmal Unsinn zusammengewählt, was lustig ist, so lange man dort nicht wohnen muss. Lustig auf jeden Fall: In Brasilien werden Frauen mit zu großem Gesäß nun von der Wahl zur Miss BumBum ausgeschlossen.

Zur Musik, denn Musik ist, was das alles wesentlich erträglicher gestaltet: Aufgrund aktueller Vorkommnisse soll die Bundeswehr ein neues Liederbuch bekommen. Möglicherweise wären hier die eingängigen Weisen von Frau Fischer und Herrn Petry zwecks Abschreckung etwaiger Feinde eine lohnenswerte Ergänzung.

Apropos: Am vergangenen Wochenende fand offenbar das alljährliche Wettsingen der europäischen Interpreten belangloser anglophoner Schlagermusik statt. Auch in diesem Jahr bitte ich davon Abstand zu nehmen, mir irgendetwas über den deutschen Beitrag (es gab doch einen deutschen Beitrag?) mitzuteilen. Das Leben ist zu kurz für einen schlechten Musikgeschmack, auch, weil es ohnehin bereits zu viel Musik gibt, die es sich zu hören lohnte.

Vor allem an einem Montag.

FARFLUNG • Endless Drifting Wreck • Rockhouse, Salzburg, June 13th 2016

Guten Morgen.

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Kurzkritik: Buckethead – Pike 244: Out Orbit

Machen wir zwischendurch mal wieder etwas schönes, ziehen wir uns einen heißen Gitarrenporno rein!

Buckethead ist der Künstlername eines US-amerikanischen Multiinstrumentalisten, der Ende der 1980-er Jahre beschloss, sein Gesicht hinter einer weißen Maske zu verbergen und einen Eimer von Kentucky Fried Chicken auf seinen Kopf zu setzen. Statt in die Psychiatrie gelangte er stattdessen zu Ruhm und (vermutlich) Reichtum, indem er teils mit zeitgenössischen Musikern, teils allein bis dato 264 Musikalben veröffentlichte, von denen seit 2011 alle bis auf eines als so genannte Pikes, wofür ich gerade im Wörterbuch nachschlagen müsste, in immer kürzeren Abständen erscheinen und selten 30 Minuten lang sind. „Out Orbit“ von Januar 2017 ist eines davon, es kommt auf fast 28 Minuten Laufzeit und ist das insgesamt 274. Album unter dem Namen Buckethead. Da hat jemand Langeweile.

Der Musiker mit dem Eimerkopf hält sich mit Genres nicht lange auf, bereits das eröffnende „Invisible Railroad“ quetscht in viereinhalb Minuten mehr Genres als es irgendwie vernünftig wäre. Thrash Metal, Spacerock, Bluesrock, Progressive Metal und Indie-Rock geben einander die Klinke der Drehtür in die Hand.

Buckethead – Invisible Railroad (Buckethead Pikes #244)

„To Infinity and Beyond (dedicated to Craig Sager)“ ist im Wesentlichen Hardrock mit Spaceeffekten. Womit der Ende 2016 gestorbene Sportreporter Craig Sager diese Ehre verdient hat, weiß ich nicht. Noch interessanter ist das viertelstündige Titelstück, in dem Bluesrock, Jazzrock, Americana und Spacerock einander abwechseln, ohne dass dabei auch nur einen Takt lang der groove vom Anfang verloren ginge. Man schwinge das Tanzbein oder wenigstens den Kopf.

Buckethead – Out Orbit (Buckethead Pikes #244)

Das abschließende, wiederum deutlich kürzere „Assortments“ rundet „Out Orbit“ vortrefflich ab. Insgesamt trägt das Album seinen Namen sicherlich zu Recht, denn der omnipräsente Spacerock ist hier roter Faden und Hauptakteur zugleich; geeignet für all jene, die Gitarren spitze finden und Gesang nicht für essenziell halten.

Bucketheads Debütalbum „Bucketheadland“ gibt es auf Amazon.de derzeit für etwas über 500 Euro zu kaufen. Qualität kostet. „Out Orbit“ hingegen gibt es auf des Künstlers Website für unter zehn Euro zum Streamen und Herunterladen. Es möge genutzt werden.

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
Twenty Sixty Six And Then – The Way That I Feel Today

Was fehltEs ist Montag und es wird warm. Das ist ein wenig schade, denn bald werden die Straßen und die Züge wieder gesäumt sein von schwitzenden Menschen mit zu wenig Zeit. Ein Salzstreuer, der keine Musik spielt, ist ein schlechter Salzstreuer, aber wer bin ich schon, dass ich mir Werturteile anmaße?

Es ist Montag und es wurde gewählt. In der Hoffnung, die Nazis so loswerden zu können, hat die Wählerschaft Schleswig-Holsteins lieber CDU und SPD, ein bewährtes Gespann auch auf Bundesebene, wenn es darum geht, die Freiheitsrechte mündiger Bürger zu beschneiden, eine theoretische Koalitionsmehrheit verschafft. Bei der Wahl zwischen gefährlichen Faschistoiden und der AfD entscheidet sich der Möchtegern-Intellektuelle dann doch lieber für ersteren Gegner seiner Freiheit. Kollege Journalist sagt, die SPD sei gut, also ist sie das auch. Im gleichermaßen faschistoiden Frankreich – dem Land mit dem andauernden Ausnahmezustand und der Totalüberwachung jedes menschlichen Seins – wurde derweil statt Marine le Pen zum Glück ein Europabefürworter zum Verantwortlichen für die weitere Entrechtung der Franzosen ernannt. Das Problem war noch nie der Präsident, es war, ist und bleibt die Politik seines Parlaments. Lernen durch Schmerz, nur ohne Lernen.

In weiteren verzichtbaren Nachrichten: YouTube-Nervensäge „Bibi“ von „Bibis Beauty Palace“ hat ein wunderschönes Lied aufgenommen. Ich empfehle den Montag jedoch stattdessen mit etwas angenehmerer Musik zu beginnen.

Twenty Sixty Six And Then – The Way That I Feel Today 1972

Guten Morgen.

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Kurzkritik: OTUS – 7.83Hz

OTUS - 7.83HzApropos Bomben.

Unter der Schumann-Resonanz versteht man, wie die Schwarmintelligenz weiß, „das Phänomen, dass elektromagnetische Wellen bestimmter Frequenzen entlang des Umfangs der Erde stehende Wellen bilden“. Eine dieser Frequenzen – die intensivste – liegt bei etwa 7,83 Hertz.

Das im März 2016 veröffentlichte Studioalbum „7.83Hz“ der italienischen Doom-Sludge-Band heißt sicherlich nicht zufällig so, denn mit derartiger Musik verbinde ich weniges so sehr wie Schallwellen. Seine Wiederveröffentlichung im März 2017 ist ein willkommener Anlass, es einmal genauer zu begutachten.

OTUS – Theta Synchrony

Laut offizieller Beschreibung handelt es sich bei „7.83Hz“ tatsächlich um ein Konzeptalbum, das allerdings mit Schallwellen weniger zu tun hat als mit ganz anderen Phänomenen, indem es in insgesamt drei Kapiteln das nicht völlig unbekannte Zitat Timothy Learys, man möge „einschalten, einstellen, aussteigen“ („turn on, tune in, drop out“), vertont.

Das Ergebnis freilich klingt weniger hippiesk als die Beschreibung es glauben lassen mag, denn das hier ist, verdammt noch mal, Doom-Metal mit einer Extraportion Arschtritt, mithin: genau das Richtige für einen entspannten Feierabend, wie ich meine.

OTUS – Avidya (full song)

Ich höre Postrock, Stoner Rock und eine Menge aufgestauter Energie; wer daran teilhaben möchte, dem sei Bandcamp.com ein Hafen.

Feuer frei.

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
The Black Angels – Entrance Song // Der dümmste Klaas Heufer-Umlauf, der je gelebt hat

Jetzt 'n Panda!Es ist Montag, Tag der Arbeit und frei ist’s auch noch. Die heutigen Nachrichten wird man nicht lesen wollen, denn es ist absehbar, dass manche Gewalttat blumig (etwa als „Aktivismus“) umschrieben werden wird. Wenigstens muss man das Bett heute nicht verlassen, um das hautnah mitzuerleben; und wenigstens ist hautnah auch so ein Wort, das an einem Montagmorgen trotzdem immer wieder einen Schauer heraufbeschwört. Menschlichkeit ist nicht der beste Charakterzug des Menschen.

Vergesslichkeit allerdings auch nicht: Das geplante Internetzerstörungsgesetz der scheidenden – hehe, „Scheide“ – und vermutlich auch kommenden Bundesregierung hätte fast ein Erfolg werden können; bedauerlicherweise hat jemand bemerkt, dass es aktiv dazu auffordert, dass Internetzugangsanbieter mit Inkrafttreten zum längerfristigen Speichern auch von Kinderpornografie verpflichtet würden. Speichern statt Löschen, gegen so was sind wir (lies: die) 2009 noch auf die Straße gegangen – das war freilich, bevor die Piratenpartei Wahlkampf lieber mit bezahlbarem Wohnraum, Geschlechterfragen und kostenlosem Geld für alle als mit so Netzkram gemacht hat.

In der Türkei indessen ist ausnahmsweise prominent nicht Facebook oder Twitter, sondern die Wikipedia gesperrt worden. Aus politischer Sicht ist das natürlich nur allzu verständlich, denn wenn jeder Bürger eines Unrechtsstaates einfach so die eine Definition eines Unrechtsstaates nachlesen kann, ist das der staatlichen Reputation vermutlich eher abträglich. Folgerichtig erwägen die Außenminister der Europäischen Union (zu denen, wir erinnern uns schmerzverzerrt, unsererseits Sigmar Gabriel zählt) die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei unbeirrt fortzusetzen. Wer jetzt noch die Briten für unbesonnen hält, weil sie es gar nicht erwarten können, dieses entsetzliche Konstrukt „Europäische Union“ endlich hinter sich zu lassen, der gehört vermutlich auch zu denjenigen Menschen, die gelegentlich einen anderen Menschen dafür bezahlen, ihnen körperliche und seelische Schmerzen zu bereiten. Ja, Herrin! Ich bin ja kein EU-Skeptiker, aber ich ahne, warum ein Staat mit starker, nicht schützender Hand bei den Heckler-und-Koch-Funktionären und den Internetmissverstehern einen einwandfreien Ruf genießt.

Durch die Nachrichten geht derweil Klaas Heufer-Umlauf, zweite Hälfte des überragend unsympathischen Komikerduos Joko und Klaas, das seinem Haussender ProSieben gute Dienste beim Versuch leistet, eine Alternative zum mindestens ebenso unerträglichen und erschreckend infantilen Jan Böhmermann zu etablieren. Beifall erhielt ebendieser (dieser Klaas, nicht jener Jan) dem Vernehmen nach für ein flammendes Plädoyer für das Weiterbestehen einer starken Europäischen Union, wobei Panzer sicherlich helfen mögen. Ein weiteres Zerbrechen der Union aufgrund unüberlegter Entscheidungen des Volkes würde bedeuten, „wir“ seien „die dümmste Generation, die je gelebt hat“, und während ich mir da mit Blick auf verschiedene Kriege in der deutschen Vergangenheit noch nicht so ganz sicher bin, würde ein Zutreffen dieser Vermutung aber zumindest erklären, wie eine Flitzpiepe wie Klaas Heufer-Umlauf es überhaupt ins öffentliche Bewusstsein schaffen konnte.

Was allerdings viel mehr öffentliches Bewusstsein verdient hätte: Musik.

The Black Angels – Entrance Song

Guten Morgen.

In den NachrichtenMontagsmusikNetzfundstücke
Renaissance – Song of Scheherazade // Absurdes für die Wissenschaft

Montagsgefühl (ca.)Es ist Montag. Die Krise hält uns fest in ihrem gierigen Griff. Das gelobte Land der Pasta Bologna, deren Akademiker sich glücklich schätzen können, wenigstens noch irgendwo eine freie Stelle als Taxifahrer zu finden, weil immer mehr schlecht ausgebildete Leute mit immer weniger wertvollen Abschlüssen sich vor ehrlicher Arbeit verstecken (Fachkräftemangel am Arsch), marschierte für die Wissenschaft, angeführt von Gendersprallos, Windkraftlobbyisten und sonstigen Nieten, die es bis heute nicht zu Wissen schafften. Man hätte kochen können vor Scham und Gram, aber zu zweit wäre das doch deutlich interessanter gewesen; Montagsmelancholie, wie üblich wenig überraschend.

Was für eine Überraschung aber: Lädt man sich ein Programm mit einem verdächtig klingenden Namen („System Update“) herunter, dann ist da vielleicht Schadsoftware drin. Als wäre es ein Grafiktreiber oder eine „sichere“ Schnittstelle in einer Googleanwendung – völlig absurd!

Ein absurdes, aber den Schadenfrohen durchaus befriedigendes Geschäftsmodell auch: Nespresso für Saft. Als sei es irgendwie erstrebenswert, Filterkaffee oder Fruchtsaft durch irgendwelchen Kapsel- oder Tütenquatsch zu ersetzen.

Sehr wohl erstrebenswert hingegen: Musik.

RENAISSANCE – Song Of Scheherazade (Live 2011)

Guten Morgen.

In den NachrichtenMontagsmusikPolitik
SVIN – Maharaja // Demokraten, hüben wie drüben

OstereuleEs ist Montag. Der Witz, keiner jedoch gehe hin, ist genau so müde wie man selbst; müde vom Weltgeschehen und nicht zuletzt von der Erkenntnis, dass, was fehlt, fehlt. Allmählich beginnt man sich dem Nichts zu ergeben, aufmerksam beobachtet von Kauz und Mond, nickend, doch schweigend.

Keineswegs nichts: Während in der Bürgerschaft kräftig gegen den Populismus gewettert wird, der irgendeine Demokratie oder Freiheit oder so gefährdet, unterhöhlt unser aller Lieblingsregierung, nämlich die aus CDU/CSU und SPD, ein weiteres Mal das ohnehin schon brüchige Fundament der „Grundrechte“. Das Briefgeheimnis wird abgeschafft (sofern die Briefe elektronisch sind). Die NSA guckt uns derweil beim Bezahlen zu. Ob man sie wohl anrufen kann, wenn man seine IBAN vergessen hat?

Warum ich neulich empfahl, nur noch schlaue Menschen wählen zu lassen, führt übrigens aktuell die Türkei vor, deren Wählerschaft unter anderem mit einer Mehrheit der in Deutschland lebenden Türken – mit Präsidialsystemen kennen wir uns aus – eine aus klassisch demokratischer Sicht eher fragwürdige Verfassungsänderung zu befürworten scheint. Für die Schlauen unter den Wählern, die die Pläne nicht verwirklicht sehen möchten, aber hat sich der Präsident schon etwas ausgedacht: Erdoğan stellt Wiedereinführung der Todesstrafe in Aussicht, damit er endlich auf gleicher Augenhöhe mit dem Westen verhandeln kann. Es ist das Wesen von solchen Siegen, dass sie, ob nun in Texas oder in der Türkei, mit dem Tod der Unterlegenen enden.

Und alles, was uns bleibt, ist Musik.

Guten Morgen.