Eins:
Es scheint ungewöhnlich zu sein, als an Armbanduhren Interessierter nicht noch weitere teure Hobbys zu haben. Ich würde das gern launig kommentieren, aber meine Whisky‑, Platten- und Tastaturensammlungen raten mir nachdrücklich dazu, das lieber bleiben zu lassen. Wer allerdings eine Uhr kauft, die zwei Monatsgehälter gekostet hat, der wird dafür in den einschlägigen Diskussionsräumen bestenfalls als Neuling belächelt und schlimmstenfalls von jemandem ausgelacht, dessen neueste Uhr drei Monatsgehälter gekostet hat.
Zwei:
Die Firma Rolex, bekannt dafür, ihre Produkte vor allem an Menschen zu richten, die nicht mehr so gut gucken können, stellt nach meinem Dafürhalten ausschließlich unfassbar hässliche Uhren her. Das ist für ihre Zielgruppe aber auch nicht so schlimm (die können ja nicht mehr so gut gucken).
Drei:
Die Behauptung, heutzutage seien klassische Armbanduhren obsolet, weil doch sowieso jeder immer ein Smartphone (oft gepaart mit einer Smartwatch) bei sich trage, ist aus mindestens zwei Gründen eine falsche: Zum Ersten ist es außerordentlich lästig, dass es am Arm vibriert, wenn eine Spammail eintrifft, was Smartwatches in ihrer beabsichtigten Funktionsweise ihres vermeintlichen Vorteils gänzlich beraubt, und zum Zweiten sehen Menschen, die etwa beim Rendezvous oder beim politischen Empfang zwecks Uhrzeitermittlung blöde auf’s Smartphone glotzen, dabei ungefähr so stilvoll aus wie Menschen, die rote Clownschuhe oder einen schwarzen Anzug, obwohl sie weder Clown oder Kellner noch Teilnehmer einer Beerdigung sind, tragen.
Vier:
Apropos Smartwatches: Wer dachte, der Kampf zwischen Verbrenner- und Elektroautofahrern werde bereits erbittert geführt, der sollte erst mal an einer Diskussion zwischen Quarz- und Automatikuhrenfans teilnehmen. Dabei spielt das Argument, dass man Batterien, die man überhaupt nicht verwendet, später auch nicht umweltschädlich wegschmeißen muss, in beiden Branchen ungefähr die gleiche Rolle (nämlich eine geringe). Uhren, die fast täglich aufgeladen werden müssen, sind im Übrigen ein Gegenstand des Bedauerns, nicht des Neides.
Fünf:
Kein Mensch, mit dem ich gern im selben Raum sein möchte, benötigt im Alltag die sekundengenaue Uhrzeit. Die grundsätzlich nützliche Fähigkeit, einen Zeitraum von beispielsweise dreißig Sekunden ziemlich exakt zu messen, ist davon unberührt.