Tja.
(Hier steht für Lidl offenbar eine Marktlücke offen, übrigens.)
Katerstimmung und Schreibblockade.
Ich wollte seit Tagen schon wieder etwas hier schreiben – aber es geht nicht. Etwas Witziges, etwas Politisches, vielleicht gar eine poetische Kurzgeschichte hatte ich im Sinn. Ständig neue Sätze bilde und verwerfe ich, um schließlich entmutigt die virtuelle Schreibmaschine unverrichteter Dinge wieder in den ebenfalls virtuellen Schrank, nein, „Schrank“ zu räumen.
An Ideen mangelt es tatsächlich also nicht. Vielmehr fehlt die Fähigkeit zur Konzentration.
Weil – und es ist normalerweise nicht meine Art, einen Nebensatz separat zu stellen – nun, da statt des Frühlings doch noch einmal der Winter von sich hören lässt, die Melancholie des Dezembers zurückkehrt, mithin die Lust auf lauten Rock wieder den leisen Tönen weicht und ungefähr dasselbe auch auf die Wahrnehmung der Umwelt zutrifft.
Wo immer man sich in dieser Stimmung, in diesem Zustand auch befinden mag, man fühlt sich unbeschreiblich klein und fremd. Sehnsucht? Ja!
Sehnsucht nach draußen und auch nach drinnen, Sehnsucht nach einem klaren Gedanken und doch wiederum danach, ihn einfach vergessen zu können; Sehnsucht nach Halt und nach Freiheit, Sehnsucht nach ihr, Sehnsucht nach sich selbst…
Endlich, aufge- und verschreckt von dem Durcheinander im Kopf, kehrt die Realität mitsamt ihrem Boden der Tatsachen wieder ein und lässt von all dem Gefühls- und Gedankenchaos nur noch eine beinahe metaphysisch anmutende Müdigkeit zurück.
„Schlapp, schlapp, schlapp“ (Asterix: „Die Goldene Sichel“).
Ungefähr so wie Garfield:

(Jetzt ist es ja doch noch recht witzig geworden. Glück gehabt.)
Einen Wilhelm bauen.
Ich habe heute spontan beschlossen, auch mal zu versuchen, eine Phrase zur Umschreibung eines Sachverhalts zu etablieren.
„Einen Wilhelm bauen“ scheint mir recht geeignet zu sein, da es dieser Tage eine verbreitete Beschäftigung zu sein scheint, und es ist auch offenbar noch nicht anderweitig belegt.
Vorgeschlagener Sachverhalt:
Einen Wilhelm bauen = unwahre Dinge ungeprüft aus dem Internet abschreiben und dies erst später bemerken.
Gegenvorschläge?
Der Papst und die normalen Leute
Bernd Zeller schrieb vorhin folgendes:
Katholiken treten aus der Kirche aus, Amtsträger protestieren. Die einhellige Meinung aller haupt- und nebenamtlichen Kommentatoren geht dahin, dass der Papst einen Unsinn verzapft hat und den Holocaustleugner Williamson wieder fristlos aus der Kirche entlassen solle. Nun ist es süßer und ehrenvoller, dem Papst die Leviten zu lesen, als einem beknackten Piusbrüderchen. Aber kaum bedacht wird dabei, was im Falle der erneuten Exkommunizierung wir Nichtkatholiken mit dem sollen. Dann wäre er ja wieder bei uns, nachdem wir ihn gerade losgeworden sind. Werden wir gefragt, ob wir den wiederhaben wollen? Die wegen dem aus der Kirche ausgetretenen Exkatholiken hätten den auch wieder zurück, könnten allerdings uns verlassen, indem sie wieder in die Kirche eintreten. Soll er doch da bleiben, wo er ist, in der Katholischen Kirche, dann sind wir dieses Problems entledigt.
Spannend ist’s schon zu sehen, wie viele Menschen sich plötzlich an ihren Glauben erinnern und das mächtige Gebäude des Katholizismus (Katholizismus wow!) im Wanken begreifen oder gar überlegen, katholisch zu werden, nur um aus der katholischen Kirche wieder austreten zu können und dem Papst so mal gehörig die Meinung zu geigen.
Und das alles nur, weil der Papst – ausgerechnet ein solcher, der in Deutschland geboren wurde! – es wagt, auf die politische Gesinnung eines seiner Gläubigen zu pfeifen. Unverschämtheit von ihm. Tz, tz.
Wenn ich Papst wäre, würde ich in meine Kirche auch nur noch Leute reinlassen, die einen von Grund auf ehrenvollen Lebenswandel hatten, der sich voll und ganz mit sämtlichen Aussagen der Bibel in Einklang bringen lässt.
Dann hätte ich wenigstens meine Ruhe.
Aktuelles vom Liedschmied
Ich schrieb vor einer Weile über Microsofts aktuelles Spielzeug „Songsmith“; nun haben offenbar einige Menschen Gefallen daran gefunden:
Die Nutzer produzieren keine eigenen Dudel-Liedchen, sondern verhunzen bei „YouTube“ Pop-Klassiker – das ist unerträglich grausam und unerträglich lustig.
Hi, hi:
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,605159,00.html
Medienkritik VIII: Todesangst
„… aber die Schüsse und die Schreie wird das Ehepaar nie vergessen.“
Ungefähr so endete soeben ein Beitrag in „Brisant“, seines Zeichens Klatschmagazin der ARD, untermalt mit einem Überwachungsvideo, das einen Überfall zeigte, das wiederum, um die Dramatik zu betonen, in einer Schleife lief. Immer wieder sieht man den Täter Schüsse abfeuern und hört einen Schrei.
Und nun meine Frage:
Bekloppt oder was?
Befriedigt so etwas die Gelüste der Zuschauer – ein Überwachungsvideo mit Menschen in Todesangst? Dazu noch ein wenig dramatische Musik mit passender Intonierung der Stimme aus dem Off, und vorm Fernseher sitzen die Voyeure bequem auf dem Sofa und heucheln Mitleid.
„Ach herrje, wie kann ein Mensch nur so grausam sein“ und sich so etwas freiwillig anschauen?
„Die Menschen“ © brauchen, so scheint es, stets das Bild des Grauens vor ihren Augen.
Ist es das, was einst Die Toten Hosen besangen?
Ich möchte aus der ersten Reihe dem Tod fest in die Augen sehn.
Ich krieg Gänsehaut bei Hilfeschreien, die voller Überzeugung sind.
Wenn’s den Stoff für meine Träume gibt, zahl ich jeden Preis für diesen Thrill.
Ich bin ein Biedermann auf Horrortrip, ich lebe nur für diesen einen Kick.
Mir läuft’s auch gerade kalt den Rücken runter.
Allerdings aus anderen Gründen.
Wir müssen eine gemeinsame Lösung finden.
Is’n Ding: Die deutsche Regierung will mit dem Geld, das sie für Nebensachen wie Kindergärten, Bildung und Kultur dann wohl doch nicht mehr ausgeben möchte, die Hypo Real Estate retten und nebenbei die US-amerikanische Finanzkrise abwenden. Kein Problem, die paar Kröten haben wir ja alle in der Tasche. Immerhin ist der Aufschwung da.
(„Die Abhängigkeit des Landes von ausländischem Öl sei eine der größten Bedrohungen für die USA“, sprach der Weise aus dem Morgenland; enttäuschend immerhin, das hat Herr Bush jun. seinerzeit doch weit klüger lösen können. Beispielsweise, indem man das Ausland zu eigenen Kolonien erklärt. Na, vielleicht kommt man ja noch drauf.)
Interessanter ist aber, wie so oft, das, was die Welt ach-so-furchtbar bedroht:
Die neue amerikanische Uno-Botschafterin Susan Rice kündigte direkte Gespräche der Amerikaner mit Teheran über das umstrittene Atomprogramm an.
(SPON)
Ah, herrlich. Endlich unternimmt mal jemand was.
Direkte Gespräche mit dem Iran, auf dass man sich dort von dem frevelhaften Tun der Urananreicherung abwende.
Am Ende bauen die Iraner eine oder mehrere Atomraketen und bedrohen damit Staaten, deren Religion/Regierung/Staatsform ihnen nicht in den Kram passt. Das wäre doch richtig fies.
Nein, Atomwaffen sollten denen vorbehalten sein, die sie für nicht aggressive Zwecke zu nutzen wissen.
Sie würden sich beispielsweise gut im Vorgarten machen, man könnte Kletterbohnen oder ähnliche Pflanzen an ihnen züchten. Die Amerikaner zum Beispiel sind für ihre friedliche Nutzung von Atomenergie und Waffenforschung ja bekannt. Wer würde ihnen den Besitz beider Techniken verargen?
Aber zurück zu den geplanten „Gesprächen“:
Es ist ja nun wahrlich nicht so, dass sich in der Vergangenheit irgendjemand dieser Sache angenommen hätte. Nein, erst jetzt, zu Beginn unserer neuen Zeitrechnung mit Beginn der Geburt des Obama, unseres HErrn, wird der Menschheit der Friede gebracht. Halleluja, lobet ihn!
Dieses ominöse Gefängnis in irgendsoeiner Bananenrepublik hat Hussein er ja bereits öffentlichkeitswirksam geschlossen, und all die eingekerkerten vermeintlichen Staatsfeinde können frohen Mutes in eine blendende Zukunft blicken.
Angesichts dieser Wortgewandtheit (vermutlich ergab sich ungefähr dieser Dialog: „Close it!“ „OK.“) und politischen Gewieftheit ist es doch nahezu unvermeidlich, dass auch der Iran, dieser dunkle Fleck auf dem Po des Teufels, bereit ist, von seiner bisherigen Außenpolitik (die da lautete: „Pfeif auf Sanktionen, wir sind nicht die Schoßhündchen des Westens“) umgehend abzukommen.
Und nun aber mal eben, bevor ich beim Schreiben versehentlich platze vor Lachen, ein wenig ernster:
Der „Dialog“ zwischen der Welt und dem Iran findet bereits seit mehreren Jahren ohne Konsequenzen statt. Die Vereinten Nationen appellieren an den knuffigen kleinen Staat, er möge seine Urananreicherung doch bitte umgehend unterbinden und würde zum Dank auch Unterstützung in der Nutzung von Wind- und Wasserenergie bekommen. Der Adressat antwortet, er habe keinerlei Interesse daran, seine Bürger ohne Atomenergie leben zu lassen, und das ist, das möchte ich hier zu bedenken geben, auch sein gutes Recht. Meist folgt dann ein Gespräch zwischen irgendeinem Uno-Bediensteten und einem iranischen Unterhändler, das ergebnislos verläuft und einen noch schärfer formulierten Brief der Uno zur Folge hat, auf den dann wiederum noch gleichgültiger geantwortet wird.
(Henryk M. Broder beschrieb unter anderem diese unendlich scheinende Geschichte in seinem jüngsten Buch Kritik der reinen Toleranz, das auch zu erklären versucht, wieso in diesem Land des Öfteren religiöse Toleranz die Wirkung von Gesetzen aufhebt. Sollte man mal gelesen haben.)
Ich bin ja mal gespannt, wie Frau Rice diese Geschichte zu beenden pflegt. Vielleicht spricht ihr neuer Präsident ja auch ein Machtwort.
„Stop it.“
„OK.“
Oder, was auch nicht allzu unwahrscheinlich ist, die Uno lässt einen noch schärfer formulierten Brief schreiben.
Mit besten Wünschen.
bullshit science (konsequent klein geschrieben)
Ich springe mal auf den Zug auf und verlinke hier fröhlich die überaus komische Bullshit Science, siehe auch rechts auf dieser Seite.
Ein Brüller.
(Nicht so zum Brüllen: Gestern der 20. Todestag von Salvador Dalí, heute der 25. Jahrestag der Apple-Macintosh-Reihe. Kein schöner Ersatz.)
Ich brauche ein neues Internet.
Zu wenig subversiv, zu viel content.
War aber ’ne nette Idee, immerhin.
Medienkritik VII: Jenseits des Ereignishorizontes
Während sich „die Medien“ © darum streiten, ob und auf wessen Seite sich „die Deutschen“ © in den Krieg im Gaza-Streifen einmischen sollten, passiert freundlicherweise auch noch anderes auf der Welt, über das ich mich hier aufregen kann:
So wird nun, kaum dass die Proteste gegen die Pressezensur in China verklungen sind, auch in Deutschland eine Zensur des Internets geplant. Bislang ist nur die Filterung von Kinderpornografie geplant; wie dies aber umgesetzt werden soll, ohne deutlich zu viele oder zu wenige Seiten zu sperren und ohne mit einfachen Mitteln umgangen werden zu können, scheint noch nicht so recht festzustehen.
Interessant ist’s allemal, dass so etwas überhaupt zur Diskussion steht. Selbst unter der Voraussetzung, dass es eine in keiner Weise zu beanstandende Möglichkeit gäbe, jeglichen Inhalt gezielt und lückenlos herausfiltern zu können, bliebe noch immer die Frage offen, wie man als Internetnutzer sicher sein kann, dass die Inhalte, die man durch diesen Filter noch zu sehen bekommt, tatsächlich ungefiltert und nicht von Dritten verändert worden sind.
Dass so eine Funktion es quasi im Vorbeigehen nötig macht, dass ihre Betreiber einen vollständigen Einblick in die eigenen Internetaktivitäten nehmen können, fällt im Jahr der Online-Durchsuchungen da schon fast nicht mehr ins Gewicht.
(Ob es unbedingt sinnvoll ist, statt der Ursache nur die Symptome zu bekämpfen, möchte ich im Übrigen auch in diesem Fall ausdrücklich anzweifeln.)
„Den Medien“ ist so etwas freilich egal, und so können sie auch weiterhin ungefiltert ihre einzig wahre Meinung durch die Gegend posaunen, nur hin und wieder unterbrochen von furchtbaren Machwerken wie dem Dschungelcamp oder, derzeit auf Kabel 1 zu sehen, Event Horizon.
An diesem Film indes habe ich trotz seiner signifikant überzogenen Spezialeffekte vor allem die Detailfragen zu kritisieren; ein Raumschiff, das von einem Schwarzen Loch angetrieben wird und deshalb Ereignishorizont heißt, wird von der Besatzung eines Raumschiffs gesucht, das mit ausgerechnet Lois Lewis & Clark zwar immerhin keinen dermaßen mauen, aber doch einen mindestens wunderlichen Namen besitzt; schade, da sucht man lange vergeblich nach einer weiteren Pointe, und dann ist’s gar keine Komödie!
Dennoch tui, tui, tui für’s nächste Mal.
Skurril: Melodien selbst ersingen
Uah:
Microsoft werkelt an einem Programm, das mehr oder weniger passend zu einem ins Mikrofon gesungenen Lied eine Melodie erfindet. Freistil-Karaoke, sozusagen.
Das offizielle Werbevideo jedenfalls ist dermaßen gruselig, dass es die alte DOS-5-Werbung beinahe in den Schatten zu stellen weiß.
(Als ob die moderne Popmusik nicht schon selbst ausreichend Originalität verloren hätte, und aber apropos Popmusik…)
Probesitzen für den Erlöser
Es darf doch einfach nicht wahr sein:
Noch ist es mehr als eine Woche bis zu Barack Obamas Amtsantritt. Doch ein großangelegter Testlauf nahm den schon vorweg: Ein Obama-Double schwor den Amtseid, 3000 Soldaten marschierten, Bands spielten – und der Abschied von Präsident Bush wurde auch geprobt.
(Quelle: SPON)
Da hielt ich Naivling schon die wunderlichen „TV-Duelle“ zu Schröders Zeiten für ein absurdes Schauspiel, und nun so etwas, allerdings immerhin in den USA, wo man hochqualifizierte Politik ohnehin seit einigen Jahren mit Slapstick zu verwechseln scheint.
Ich kann mich jedenfalls des Eindrucks nicht erwehren, dass die gewaltigen Veränderungen, von denen im Wahlkampf überall zu hören und zu lesen war, die Weltpolitik nur unwesentlich verbessern werden.
Hauptsache, der Verrückte sitzt bequem.
(Verdammt; Ignoranz vergessen.)
Apropos „der Verrückte“:
Henryk M. Broder hat eine recht polemische Zusammenfassung der unangenehmen Angelegenheit im Gaza-Streifen verfasst. Gibt’s hier.
Medienkritik extern: Kalt hier heute, finden Sie nicht?
Nachwirkungen vom Silvesterfernsehen
Wer hier des Öfteren mitliest, der weiß, dass allzu laue Musik nicht unbedingt zu meinen Favoriten zählt.
(Danke auch an Gerald Himmelein für das brillante Wort „Chart-Pampe“, c‚t 02/2009, allein schon deshalb einen Kauf wert!)
Nur manchmal, manchmal überkommt mich so ein eigenartiges Kribbeln, und daran ist meist ausgerechnet das Fernsehen schuld.
Vielleicht liegt’s am Wetter – zu viel Schneefall und vor allem zu viel Kälte, um dem noch eine romantische Seite abgewinnen zu können -, aber vermutlich ist auch nur der versehentliche Konsum von Mouth & Macneal an Silvester dafür verantwortlich zu machen, dass er wieder da ist:
Der definitiv unschönste Ohrwurm meiner Kindheit.
(Die indes zwar deutlich später stattfand, aber, im Nachhinein betrachtet, von derlei Klängen regelmäßig begleitet wurde.)
Übrigens auch erschreckend:
Da bombardiert Israel ein angrenzendes Land, und vor lauter Schreck solidarisieren „wir“ uns mit ihm (also mit Israel), ohne die Gründe zu hinterfragen.
Das aktuelle Medienecho lautet, so weit ich das verfolgen kann und/oder will, dermaßen, dass die Hamas (prima, ein neues Feindbild!) selbst schuld sei.
Wieso besitzt die auch die Frechheit und schießt zurück?
Bislang laufe alles nach Plan, sagte er [der israelische Verteidigungs(sic!)minister] einem parlamentarischen Ausschuss. Hamas habe bereits schweren Schaden erlitten.
(via SPON, wie so oft)
Guter Plan.
Ehrlich.
Autoren 2009
natürlich ist es zum kotzen, daß so viele menschen verlernen (verlernt haben), was musik bedeutet
Dies schreibt Frank und hat damit ebenso Recht wie Diedrich Diederichsen, auf ausgerechnet den er sich beruft.
Simmel ist tot, übrigens.
Verrückte Welt.






