
(Doch, wirklich bzw.: ja, wer denn sonst?)

(Doch, wirklich bzw.: ja, wer denn sonst?)
Bei Mozilla, heute dafür bekannt, vor etwa einer Dekade für einen guten Webbrowser bekannt gewesen zu sein, agiert jetzt dem Vernehmen nach ein neuer Chef, der mit quelloffener Software ebenso wenig zu tun hat wie mit Webbrowsern, sondern vielmehr irgendwas mit „KI“ macht. Das machen ja jetzt alle und wird bestimmt ein großer Erfolg. Als Teil der World Socialist Web Site, in dem Mitteilungsorgan des Internationalen Komitees der Vierten Internationale (Wikipedia) also, wurde – derzeit wohl nur englischsprachig – folgerichtig ein trotzkistischer Chatbot ins Leben gerufen. Damit die sozialistischen Ideale von Anfang an gewahrt bleiben, ist es zwingend erforderlich, dort eine gültige E‑Mail-Adresse (mit oder ohne verknüpftes Konto bei einem „sozialen Netzwerk“) zu hinterlassen, damit alle anderen auch etwas davon haben.
Computer waren ein Fehler.
Es ist Montag. Identitätsklau (allein das Wort schon!) soll, geht es nach dem Bundesdigitalministerium (allein das Wort schon!), künftig noch leichter werden: Ab 2027 soll man den Personalausweis auf dem Smartphone mit sich herumtragen können. Wer das für eine gute Idee hält, der trägt auch seine Kreditkarten-PIN als T‑Shirt-Motiv.
Treffender Kurzkommentar („Tweet“) zum Zustand der Filmindustrie: „you killed it on purpose and now you’re confused by the corpse“.
Bleibt unverwirrend: Musik.
Guten Morgen.
Die Bundesregierung, eilmeldet (Archivversion) man von MEINEN Gebühren!!11!, habe einen Cyberangriff und eine Desinformationskampagne im Bundestagswahlkampf Russland zugeordnet, und während ich mich frage, was einen Wahlkampf eigentlich inhaltlich von einer Desinformationskampagne unterscheidet und was einen Cyberangriff technisch von einem Staatstrojaner, stelle ich eigentlich auch schon fest, dass die Zuordnung von Cyberangriffen wohl nur denen gelingt, die von Cyberangreifern cyberangegriffen werden, die zu blöd für die Spurenverwischung sind, mithin also entweder untalentierte Russen oder gar keine Russen sein müssen; was die komplette Meldung in der gegebenen Kürze ja selbst eine Desinformation sein lässt, für die vermutlich eher kein Botschafter irgendwo einbestellt werden wird.
„tagesschau.de“ (Archivversion) im Gespräch mit Manfred Berg, „Professor für Amerikanische Geschichte an der Universität Heidelberg“ (ebd.), so:
Berg: (…) Russland wird nicht mehr als Gegner betrachtet, im Gegenteil. Die USA sehen sich als Vermittler, um, wie es in diesem Papier heißt, „strategische Stabilität“ zwischen Europa und Russland herzustellen. Die transatlantische Allianz, wie wir sie seit dem frühen Kalten Krieg kannten, existiert nicht mehr[.]
tagesschau.de: Was kann die EU da tun?
Dass die Antwort nicht „Nichts, warum sollte sie auch?“, sondern stattdessen lautet, „dass sie sich in Richtung auf ein Militärbündnis entwickeln muss“ (a. a. O.), spricht andererseits auch wieder Bände.
Es ist Montag und ich habe keine Lust. Ich schließe nicht völlig aus, dass es da einen Zusammenhang gibt.
Wohl aber Lust bleibt bestehen auf: Musik.
Guten Morgen.
Einen EU-Kommissar hatte ich politisch auch noch nicht auf meiner Seite, aber hier stehen wir jetzt.
Gute Nachrichten für Russland: Wenn man irgendwo auf der Welt das Völkerrecht übertritt und aus Freude am Töten jede Menge Zivilisten umbringt, dann darf man beim Eurovision Song Contest künftig doch wieder antreten (Archivversion), teilen die westlichen Werte mit. Dass das dort Vorgetragene („Musik“) auch mal auf seine Vereinbarkeit mit den Genfer Konventionen überprüft werden sollte, ist hierbei freilich noch eine ganz eigene Debatte.
(siehe auch 2022)
Aus aktuellem Anlass: Kriegsdienst verweigern.
When every face becomes a dataset, how do we protect the meaning of being human?
Yo, „tagesschau.de“ (Archivversion):
Erst in diesem Schritt würde die strittige Frage geklärt werden, wen eine Zwangseinberufung träfe und wie sie fair gestaltet würde. (…) Alle 18-Jährigen erhalten einen Fragebogen zu Motivation und Eignung, dessen Beantwortung für Männer verpflichtend ist. Ebenso wird die Musterung für alle Männer, die ab Januar 2008 geboren wurden, wieder zur Pflicht.
(Hervorhebungen von mir.)
Ich bin ja kein Journalist und darum nicht vom Fach, aber wäre ich „tagesschau.de“, hätte ich zumindest festgestellt: so jedenfalls nicht.
Weil sie seit 2023 nichts gelernt haben, freuen sich Qualitätsmedien auch heute schon wieder darüber, dass das Jahr nur elf Monate hat und darum der wirklich üble Dienst Spotify, wenn er denn mal erreichbar ist, ihnen endlich die letzten vier Wochen des Jahres getrost vorenthalten kann.
Weil sie seit 2023 nichts gelernt haben, hören die Menschen immer noch vor allem Taylor Swift, entnehme ich ebenfalls Qualitätsmedien. Mein im Gegensatz zu Spotify immer verfügbarer Plattenspieler hat nun keine Statistikfunktion, aber ich kann zumindest feststellen, dass ich dieses Jahr neben mancherlei Noise zu meiner eigenen Überraschung sowohl Welle: Erdball als auch Frankie Goes to Hollywood für mich entdeckt habe. Es geht bergab mit mir, man könnte mich jetzt eigentlich auch einpökeln und weghängen.
Die Liste meiner liebsten Alben des Jahres 2025 ist bislang noch weniger umfassend als ich es gern gehabt hätte, aber es sind auch noch ungefähr zwei Dutzend weitere von ihnen auf der Muss-ich-noch-hören-Liste. Trauriger Mensch, wer glaubt, was bis November nicht gehört wurde, bleibe auch im Dezember nicht relevant. Außer denen natürlich, die Weihnachtslieder mögen. Die sollen aber andererseits auch bitte weggehen.
Den Nachrichten entnehme ich, dass es für dem Antifaschismus zuträglich gehalten wird, wenn man an einem Tag, an dem man gegen eine um 10 Uhr beginnende Veranstaltung demonstrieren möchte, sicherheitshalber bereits vor 8 Uhr mit Pyrotechnik durch die Straßen marodiert und „diverse Fahrzeuge und Laternen“ beschädigt. Man hätte, folgt man der Logik derer, die offensichtlich nur den entschiedenen Kampf gegen Rechtsextremismus und keinesfalls ihre eigene intellektuelle Impotenz im Sinne haben, vor 1932 einfach nur gegen ein paar Laternen treten müssen – der Zweite Weltkrieg hätte nie stattgefunden. Da der selbstverständlich von reinen Bösewichten frei erfundene Vorwurf, es gehe den Krawallverursachern nicht um ein besseres Morgen, sondern bloß um den Krawall, von den Beteiligten brüskiert zurückgewiesen wird, schließe ich diese alternative Lesart natürlich aus.
Es ist immer dieselbe Folklore, der gleiche Tanz zum gleichen Takt. Irgendein Unsinn passiert, Menschen mit fragwürdigen Frisuren veröffentlichen peinlich zu lesende Aufrufe, in denen gern mal Kindergartensprache wie „Lauti“ und „Spucki“ vorkommt, es gibt die von beiden Seiten (Menschen mit fragwürdigen Frisuren und Innenminister) gewünschte Gemüseschlacht, hinterher hatten beide Recht und niemand Schuld, bis zur nächsten Demo gegen den nächsten Unsinn ist dann alles wieder vergessen. Das nennen beide Seiten dann „Eskalation“.
Stille Mahnwachen hätten wenigstens dieses Problem nicht, aber stille Mahnwachen sind für Menschen, denen die Psychotherapie die Pyromanie bisher nicht austreiben konnte, nun mal strategisch unattraktiv. (Siehe auch: Fußballfans.) Das beobachte ich jetzt seit über fünfzehn Jahren und denke jedes Mal darüber nach, ein Demobingo zu verteilen, aber mein Leben ist einfach zu kurz und zu schön, um es mit nichts als Gratismut (und nicht anders ist es wohl zu nennen, wenn man – was ist eigentlich aus „Gesicht zeigen gegen Rechts“ geworden? – vermummt unter seinesgleichen stolz einander erzählt, wie blöd man die Anderen findet) zu verplempern.
Die Zukunft, das ist nicht „Wir gegen die“. Die Zukunft kann mehr. Oder ist das schon alles? – Ein Bonusbienchen gebe ich den Autoren des verlinkten Texts im Übrigen für die konsequente Nutzung der Autorenkürzel.
Guten Abend! (lol)
Lol.
Es ist Montag. Omnia mutantur (Ovid; Archivversion): Latein isch over. Wieder eine für das Leben relevante Schulbildung weniger. Non scholae discimus am Arsch.
Da doch Gewissheiten sowieso schwinden: Der Russe!!1! ist jetzt Drohnenhobbyist. Da helfen nur harte Sanktionen. Gegen den Elektrofachhandel. – Hübscher Ulk von der „ZEIT“: „Auf dem ersten Parteitag nach der Habeck-Ära sind die Grünen begeistert von sich selbst.“ Andererseits: Irgendwann gründe ich mal die Partei derer, die sich selbst eher ungern mögen. Wird ein Hit (weil: Marktlücke).
Ebenfalls noch ein Ulk, aber mit etwas Pech demnächst auf dem Arbeitsmarkt: Gut zu programmieren sei ein Einstellungshindernis, weil nur „KI“ noch gut programmieren könne. Da habe ich ja perfekte Voraussetzungen: Mein Code ist grundsätzlich fürchterlich.
Ebenfalls fürchterlich, nämlich fürchterlich gut: Musik Musik.
Guten Morgen.
Eine E‑Mail fragt mich unter obigem Betreff:
Männer: Kennen Sie die eigentliche Ursache für Ihr Schlafzimmer-Problem?
Ja: ich schlafe einfach zu wenig. Ursache: Ich bin zu lange wach und lese solche E‑Mails.
Aber ob Liebespillen mich müde machen? (Liebe macht es. Oft.)

(Quelle)
Kein Nationalstaat hat ein Existenzrecht.
(Schöne Formulierung, die ich fand, als ich für Obiges Bestätigung suchte: „Jemandem mit der Anerkennung der DDR drohen“. Das sollte sich mal durchsetzen.)
Öffentlicher Dienst (2025): Die Sparkasse möchte für Pushnachrichten („Gehaltswecker“) stückweise bezahlt werden, entnehme ich den sozialen Medien.
Peinliches Missgeschick: Am medial vielzitierten „Tag gegen Gewalt gegen Frauen“ habe ich dieses Jahr aus Versehen gar nicht aktiv teilgenommen, sondern ganz anlasslos keine Gewalt an Frauen verübt. Das war schön, das mache ich nächstes Jahr wieder.
In eurer Konjunktur können Obdachlose auch nicht schlafen.
„Kaffee verlängert das Leben? Verrückt! Das muss ich gleich meinen Urururgroßenkeln erzählen!“
Über einen Neuzugang bei der GSV informiert mich eine Diskrepanz zwischen Seiten-URL und Seiten-Überschrift bei der „Berliner Zeitung“, die einen Artikel zum Thema Chatkontrolle gestern noch so überschrieb:
EU-Chatkontrolle soll „ohne Diskussion“ durchgewinkt werden
Irgendjemand, vielleicht der Verfasser Franz Becchi selbst, hat spätestens heute um 7:22 Uhr die zwei gröbsten Probleme des Artikels geglättet: Es wurde eine Bezahlschranke davorgeschaltet und dem im Deutschen nun mal schwachen Verb „winken“ wurde neue Kraft verliehen.
EU-Chatkontrolle soll „ohne Diskussion“ durchgewunken werden
Richtiges Deutsch gibt’s bei der „Berliner Zeitung“ eben nur in Gratisartikeln; oder auch: da hätte ich ja auch gern mal eine Chatkontrolle gehabt. Einfach, weil es mich interessieren würde, welcher Vollhonk das gelesen hat und daraufhin dachte: Na, da müssen wir jetzt aber mal die Überschrift ändern. Das geht so nicht. Was sollen unsere Leser denken? Die sind doch total verwirrt, wenn sie unser Quatschblatt lesen und da steht dann ein korrektes Verb. Ändern, aber dalli!
Man versprach mir Verlagssterben.