Archiv für die Kategorie ‘Wirtschaft’.

Von Wirtschaft habe ich keine Ahnung, aber mir scheint, das würde aus mir einen grandiosen Staatsmann machen. Das ist eigentlich ziemlich ärgerlich.

In den NachrichtenMusikNerdkramsPolitikWirtschaft
Nachrichtenüberblick, 23. Mai 2015

Die Friedensoffensive der Bundesregierung geht weiter: Auch das neue Leutetotschießgerät der Bundeswehr funktioniert nicht.


Mozilla sei wichtig für „unser offenes Netz“, heißt es. Wie offen? So offen:

Mozilla möchte (…) beweisen, dass relevante Werbung auch dann möglich sei, wenn die Privatsphäre der Nutzer geachtet werde (…).

Ungefragt als williger Empfänger von Produktinformationen, als Kunde statt als Nutzer angesehen zu werden fühlt sich natürlich gleich viel besser an, wenn niemand erfährt, dass man es wird.


Andererseits sind entrechtende Konzerne gerade wieder einmal im Aufwind: Der augenscheinlich Kunden verachtende Scheißkonzern Sony (der mit den Internetsperren und den Trojanern auf an Kunden ausgelieferten Tonträgern) hatte mit dem Eigentum ablehnenden Unternehmen Spotify einen zumindest von 2011 bis 2014 gültigen Vertrag abgeschlossen, dem zufolge nicht nur – wie in Firefox – vielfach Werbefläche vermietet werden sollte, sondern auch Einnahmen abgetreten werden mussten:

Als eigentliche Tantiemen musste Spotify mindestens 60 Prozent seines Bruttoumsatzes an die Label ausschütten. (…) Dabei wurden 0,225 bis 0,25 Dollar-Cent je werbefinanziertem Stream, plus drei Dollar pro Monat und normalem Abonnenten, plus sechs Dollar und Monat je Premium-Abonnenten veranschlagt. Diese Sätze galten auch dann, wenn ein Abonnent Spotify in einem Monat überhaupt nicht genutzt hatte.

Die niedrige anbieterseitige Entlohnung von Musikern, über deren Höhe seit Jahren geschimpft wird, ist also nicht einmal unbedingt primär die Schuld derer, die sich in solche Knebelverträge fügen müssen, um ihr Angebot erweitern zu können. Nichtsdestotrotz ist der tatsächliche Besitz von Musik auch aus diesem Grund eine gute Idee – es sieht nicht nur schöner im Regal aus, man trägt zudem weniger zur Ausbeutung der Interpreten bei.


Deutschland fiebert mit: Heute Abend werden wir alle wieder einmal durch einen herz- und belanglosen englischsprachigen Schlager im Ausland vertreten. Freut ihr euch auch schon so sehr wie ich?

In den NachrichtenMontagsmusikWirtschaft
Between the Buried and Me – Astral Body

SchuhuuuuhEs ist Montag. Kaum hat man sich mühsam aus dem Bett geschält, schon prasseln die Schreckensnachrichten auf einen hernieder. Ian Anderson mag keine Hippies. Entschuldigung, das war jetzt die falsche Meldung: Die Deutsche Bahn wird bestreikt, und zwar nicht nur per Streik, sondern per „Extrem-Streik“ („SPIEGEL ONLINE“); die Züge stehen also nicht nur still, sondern äußerst still. In Teilen Norddeutschlands ist wegen des Konkurrenzkampfs auf den Nahverkehrsstrecken nur der Fernverkehr betroffen; Fernbusanbieter, die seit dem Zusammenschluss von MeinFernbus und Flixbus auch mit Vorsicht zu genießen sind, ziehen den Vorteil daraus. Ich bin so empört, ich könnte glatt SPD wählen; der es um den Arbeitnehmer ebensowenig geht wie der GDL, die schon 2014 bemerkt hat, dass es noch andere Gewerkschaften gibt, gegen die man sich nur wehren kann, indem man noch rigoroser vorgeht. Schlichtung ist was für Feiglinge.

Man könnte mit Krawallen reagieren, der Deutsche erhebt sich ja gern zum Aufstand, wenn es um Nichtigkeiten geht, während er die wirklichen Probleme des Landes durch Nichtwählen zu bekämpfen glaubt.

Man könnte auch Musik hören.

Between the Buried and Me "Astral Body" (OFFICIAL VIDEO)

Guten Tag.

In den NachrichtenMir wird geschlechtWirtschaft
Liegengebliebenes, 23. April 2015

Jetzt stellt sich auch noch der Kalender, dieses weiße gutsituierte Maskuschwein, gegen die Frauen!


Vor über zehn Jahren haben in Deutschland recht viele Menschen – leider erfolglos – dagegen protestiert, das Studium mittels der widerlichen „Bologna-Reform“ zu „optimieren“, die die Einführung gleichgeschalteter „Bachelor“- und „Master“-Studiengänge für eine bessere Unterstützung der Wirtschaft bedeutete, wodurch das Studium deutlich an Reiz verloren hat.

Heute beklagen sich die Gewichsten aus der Wirtschaft darüber, dass das von ihnen geschaffene top-down-Hochschulsystem nicht mehr genug Kreative abwirft: Laut einer Umfrage sind deutsche Unternehmen mit den Absolventen immer unzufriedener. Laut einer weiteren Umfrage sind deutsche Absolventen übrigens auch immer unzufriedener mit skrupellosen Schlipsträgern, die noch nie in ihrem erbärmlichen BWLer-Leben etwas für ihr viel zu reichlich vorhandenes Geld tun mussten.


Dabei hat es die Wirtschaft ja auch nicht leicht, sie muss sich zum Beispiel mit „Journalisten“ rumschlagen:

Am liebsten hätten Sie sich wahrscheinlich eine Beispielfirma ausgedacht, in der es exakt so zugeht, wie Sie es für Ihren Artikel brauchen, richtig? Ach nee, das passt ja dann nicht zum “recherchierten Qualitätsjournalismus” á la Spiegel.


Apropos SPIEGEL – Eilmeldung: Frosch sieht aus wie eine Figur, die einem Frosch nachgebildet ist!


Ihr kennt das Problem: Ihr wollt nur mal eben einen neuen Browser auf eurem Traktor installieren, wisst aber nicht, ob das von der Garantie abgedeckt wird. Keine Sorge, Rettung naht: In den USA dürfen Traktoren womöglich bald gar nicht mehr umprogrammiert werden.


Frühes Flirten in Hugetite Lane, Squeezemburg: Will be glad to demonstrate in a dark room.

In den NachrichtenWirtschaft
Anmerkungen zu Griechenland

(Vorbemerkung: Da populistische Kommentare zum Weltgeschehen offenbar genug Werbeeinnahmen bringen, um grauenhafte „Nachrichtenportale“ wie WELT.de – aus LSR-Gründen hier nicht verlinkt – am Leben zu halten, versuche ich es jetzt auch mal.)

Einer der Vorteile, in einem sich international gebenden Unternehmen zu arbeiten, besteht darin, dass man eine ganz andere Sicht auf gesellschaftliche Zusammenhänge in einigen Ländern bekommt, über die sonst nur Schmähschriften zu erscheinen scheinen. Damit meine ich ausnahmsweise nicht einmal Russland. Jüngst hatte ich etwa die Gelegenheit, mir einmal darlegen zu lassen, woran die griechische Wirtschaft eigentlich krankt. Ich war allerdings nicht bedeutsam überrascht, als mir offenbart wurde, die Schuld trage nicht etwa der schrecklich kommunistische Finanzminister, der übereinstimmend als „guter Troll“ bezeichnet wird, sondern die dortigen Steuerzahler.

Bereits im Februar schrieben Medien, es sei der „größte Test“ für den griechischen Premierminister Alexis Tsipras, sein Volk dazu zu bringen, Steuern zu zahlen, was sich seit Jahren als schwierig erweist.

Das fängt schon bei den Belegen für die Steuererklärung an. Die gehen gern mal „verloren“. Da gebe ein Unternehmen an, es habe vierzig Prozent seiner Waren defekt erhalten, leider gebe es aber keine Belege. Das hierfür geforderte Bußgeld sei noch immer niedriger als die Steuer. Damit das nicht auffällt, seien es jedes Jahr andere Waren, die leider, leider unbrauchbar seien. Ein System zur Digitalisierung der Belege hat sich nicht durchgesetzt, etwa, weil kaum ein Geschäft die erforderlichen Kartenleser verwendet.

Gibt es niemanden in Griechenland, der aufpasst, dass nicht alles völlig im Chaos versinkt? Doch, so wurde es mir erzählt, zum Beispiel würden Betreibern von Nachtclubs, die sich nicht an gesetzliche Vorschriften halten, Gefängnisstrafen auferlegt. Wohlgemerkt handele es sich dabei selten um den tatsächlichen Betreiber, vielmehr werden Menschen dort beschäftigt, deren einzige Aufgabe es sei, die Mindeststrafe von einem Tag in Haft abzusitzen. Das passiert also, wenn sich in einem Land der „zivile Ungehorsam“ durchsetzt, der hierzulande gelegentlich gefordert wird.

Andererseits nähert sich Griechenland in wirtschaftlicher Hinsicht gerade Russland an, was bekanntlich von einem Pakt mit dem Teufel sowieso nicht weit entfernt ist. ZEIT ONLINE freut sich zum Beispiel heute:

Russland wurde wegen der Annexion der Krim aus der Staatengruppe ausgeschlossen, die früher G8 hieß. Ihr gehören heute neben Deutschland und Frankreich die USA, Kanada, Italien, Großbritannien und Japan an.

Die friedlichen Westmächte um die Vereinigten Staaten und das kosovoverwöhnte Deutschland dulden niemanden in ihrer Mitte, der mit einer Armee in anderen Ländern seine Macht festigt. Den eigenen politischen Einflussbereich erweitern darf nur, wer einen guten Grund (Erdöl) vorzuweisen hat. Endlich tut mal jemand was für den Weltfrieden.

Hat Griechenland eigentlich Atomwaffen?


Blöde Idee des Tages: Ein Gürteltier erschießen wollen.

In den NachrichtenWirtschaft
Kapitalismuskritiker enteignen!

Jetzt mit Schlumpfine!Gelegentlich fragte ich an dieser Stelle bereits:

Wo bleibt eigentlich die Revolution?

Ich musste ja so doof fragen. In Frankfurt tobt sich jedenfalls der Anarchismus heute aus; Arbeitslose mit Markenkleidung und iPhones zünden, um den Kapitalismus zu überwinden, von Steuern bezahlte Bushaltestellen und Polizeiautos (bemannt und unbemannt) an. Nieder mit den Bushaltestellen!

Diese Kapitalisten von der Feuerwehr, die versuchen zu verhindern, dass Menschen zu Schaden kommen, gehören vermutlich auch angezündet, aber Steine tun’s bis auf Weiteres auch. Antikapitalistisch die Leute vom Rettungsdienst verdreschen. Jedes brennende Polizeiauto bezahlt einem griechischen Kind das Abendessen, jede abgefackelte Bushaltestelle hilft einem Flüchtling dabei, in Deutschland zu überleben. Es ist ja nun auch nicht so, dass man sich, wenn man vor einem Bürgerkrieg aus seinem Land flüchtet, in seinem Zufluchtsland vielleicht weniger von bewaffneten Irren umgeben wähnen möchte – oder doch?

Im Frankreich des 18. Jahrhunderts hat man Vertreter der Gegenseite noch aus Fenstern in Kloake („Latrinenprodukt“, engl. Wikipedia, „Scheiße“ ist eben vordergründig unamerikanisch) geworfen und ihnen gegebenenfalls den Kopf abgehackt. Das war effizient, das hat funktioniert. Hier und heute möchte man von so etwas nichts mehr wissen, man zieht sich stattdessen schwarz an und demoliert öffentliche Einrichtungen, vermutlich Popmusik hörend. Propriété oblige.

Die weihen da eine Bank ein, der Kapitalismus darf nicht siegen. Mario Draghi wird sicherlich sofort jedem Kapital entsagen, wenn seine Bushaltestelle abgebrannt wird und er nicht mehr nach Hause kommt. Dann siegt endlich das Gute, nämlich eine andere Staatsform. Warum nicht mal wieder Kommunismus? Nun ja, vielleicht deswegen:

Wir können nicht voraussagen, wann der chinesische Kommunismus zusammenbrechen wird; aber es ist schwer, nicht zu dem Schluss zu gelangen, dass wir Zeugen seiner Endphase sind.

Woran in China der Kommunismus gescheitert ist, stört die Bundesregierung Deutschlands kaum: „Das Wirtschaftswachstum hat sich deutlich verlangsamt, als Ziel für dieses Jahr nennt die Regierung ‚rund sieben Prozent'“, was ein klares Anzeichen für den sicheren Untergang sei, denn wenn eine ausgereizte Wirtschaft mit steigenden Gewinnen jedes Jahr weniger Gewinnzuwachs zu verbuchen vermöge, steuere sie damit auf – schluck! – eine Stagnation zu, in der sie zwar immer noch jedes Jahr viel Gewinn mache, aber eben nicht mehr drei, sondern nur noch zwei Smartphones für jedes chinesische Ohr produziere. „Wachstum“, das wächst uns allen über den Kopf, aber der Markt, der sich in Hannover gemeinsam mit dem Partnerland 2015natürlich China – gegenwärtig selbst feiert, hat Hunger. Hannover anzuzünden würde die Stadt vermutlich zwar städtebaulich verschönern, hätte aber so manche unfeine Folge für Teilnehmer und Anwohner. Die Infantilisierung der Kapitalismuskritik schreitet voran.


Apropos Infantilisierung: Schreib‘ dein schönstes Ferienerlebnis auf, wenn du Anhänger von Warren Buffett bist und in seinem Elternhaus übernachten möchtest. Ob es dazu auch einen kostenlosen Kinderteller (vielleicht Currywurst mit Pommes) gibt, ist leider nicht vermerkt.

MontagsmusikWirtschaft
Gong – Occupy

Es ist zum EulenEs macht eigentlich keinen Spaß mehr, die Telekom so richtig blöd zu finden, ist sie doch auf der diesjährigen CeBIT mit einem Stand unter dem Motto „Wirtschaftswunder“ zu finden, während zumindest der Zugang zum kabellosen Internet preiswerter geworden ist. Sigmar Gabriel durfte gleich am Eröffnungstag für die Technikverhinderungspartei SPD werben, was über den Standort Deutschland mehr aussagt als man eigentlich wissen wollte.

Eigentlich auch schon zu viel: Am Freitag starb Daevid Allen, eines der frühen Mitglieder von Soft Machine und Gründer der Spacerock-Legende Gong, an den Folgen seiner Krebserkrankung. „Nur die Besten sterben jung“, heißt es und stimmt nicht. Terry Pratchett, ebenfalls erst vor wenigen Tagen verstorben (was ist nur los mit diesem März?), wurde auf Twitter überwiegend seines „zu frühen“ Todes bedauert, als hätten die Bedauernden ein anderes Sterbedatum vorgesehen; wie halt auch sonst immer alles nur zu früh ist. Der frühe Kauz bricht den Ast. Es ist Montag und man will es lieber nicht so genau wissen.

Bärengedanken. Es ist ja doch immer alles nur schwarz und weiß und pelzig; und, jedenfalls, Musik. Es ist zum Eulen.

Gong "Occupy" music video

Guten Abend.

In den NachrichtenWirtschaft
Unsegrieös!

Die Mehrheit der Deutschen hält laut einer neuen Umfrage die griechische Regierung für unseriös, berichtet „SPIEGEL ONLINE“, und abgestimmt wurde natürlich von der gleichen Mehrheit, die sonst den dicken Siggi und/oder unsere Kanzlerin wählt, denn unseriös hauen die einen nicht über’s Ohr, sondern wenigstens in feiner Kleidung. Bei uns kann man ja nix machen gegen die da oben, aber die Griechen. die sollen gefälligst was Anständiges (i.e. Merkel, Angela) wählen, sonst wollen wir die hier nicht. Geht doch zurück nach Griechenland.

Überhaupt wird hierzulande viel zu wenig verkofferwortet. Grexit. Last Exit Hirnschwund. Dem Grenter folgt der Grabschwung (wo nicht gar die Eurogriese). Kein Grund zu grienen. Vielleicht betet er (V. Putin, A.d.V.), denn die Situation ist furchtbar. Gegen einen anständigen Religiösen hat man nichts im Hause WELT, da ist man altersmilde. Die Mehrheit der Deutschen stimmt, fürchte ich, schweigend zu.


Worüber deutsche Lokalpolitiker so diskutieren müssen: Bekämpfung des Dirnenunwesens.

In den NachrichtenMontagsmusikPolitikWirtschaft
Acid Mothers Temple & The Melting Paraiso U.F.O. (live)

Hi.Es ist Montag, es ist Krieg oder auch nicht: „Merkel will Obama die deutsch-französische Friedensinitiative erklären“, was ja beim Thema Bürgerrechte schon regelmäßig scheitert, aber man will ja nicht das Freihandelsabkommen auf’s Spiel setzen, der Juniorpartner der USA wahrt seinen Stand. Anderswo schwätzt Nils Minkmar für die „FAZ“ etwas über „Putinversteher“ ins Internet. In dieser schönen klaren diplomatischen Welt ist zumindest sicher, wer über jeden Zweifel erhaben ist. Sorgen um Griechenland und die Ukraine trüben den Markt, +++ EIL +++ PANIK +++, also müssen Griechenland und die Ukraine schnellstmöglich befriedet werden. Schicken wir doch Waffen und/oder Soldaten hin, vielleicht haben die Kinder dort dann wieder mehr zu essen.

Andererseits: Was ist schon von Medien zu erwarten, die einen Artikel über den rotbäckigen Belgier mit dem Mordswumms für Journalismus halten? Der Tempel der Wirtschaft ist eine Festung.

Dieser hier übrigens auch:

Acid Mothers Temple & The Melting Paraiso UFO – La Maroquinerie, Paris, 10-18-2013 (full show)

Guten Morgen.

NetzfundstückeWirtschaft
Medienkritik extern: Linkspopulismus auf Griechisch

Dass ich noch mal unironisch die „taz“ verlinken würde, hätte ich mir selbst bis eben nicht geglaubt, aber was ihr Autor Robert Misik zum Umgang der deutschen Medien mit der neuen griechischen Regierung zu sagen hat, ist’s dann doch mal wert:

Womöglich ist ja die Eigenart und das Problem der zeitgenössischen Linken, dass sie die Mentalität von Besiegten hat. (…) Lustig finde ich ja, dass Syriza-Chef Alexis Tsipras mit dem Label „linkspopulistisch“ belegt wird, weil er nicht den Habitus fader technokratischer Vernunft ausstrahlt, der in den kontinentalen linksliberalen Regierungsmilieus vorherrschend geworden ist. Als wäre das ein Defizit!

Beziehungsweise halt:

Die Kreditverträge mit der EU und dem IWF für nichtig erklären, den Beamtenapparat wieder aufblähen, fröhliches Leben auf Pump, alles wieder wie früher, das ist Tspipras‘ Botschaft.

Beziehungsweise (abermals „taz“):

Man muss ja nicht gleich von Meinungsmache oder gar Lügenpresse reden, aber ganz offensichtlich gibt es hier einen Konformitätsdruck, einen Magnetismus hin zu einem Mainstream, der Pluralismus grosso modo nur mehr im engen Rahmen des vom hegemonialen Merkel-Austeritätskurs Erlaubten zulässt.

Man selbst hat eben immer am rechtesten.

In den NachrichtenWirtschaft
Der Rubel rollt

Was die Medien berichten:

Russland hängt vom Öl ab, und die Regierung unternimmt nichts dagegen. (…) Viele Menschen spüren die aufziehende Krise. Arbeitsplätze werden abgebaut, die Kaufkraft der Löhne sinkt.

Was die Medien deshalb fordern:

Die dramatischen Kursverluste des Rubels setzen den russischen Präsidenten Putin unter Druck. Er muss jetzt handeln und auf den Westen zugehen, um die Sanktionen zu mildern, (…) auch wenn diese gar nicht der eigentliche Grund für den Kursverfall sind. (…) Er oder ein anderer Präsident. Ansonsten wird die ökonomische Realität den stolzen russischen Bären in sehr kurzer Zeit in die Knie zwingen.

(Hervorhebung von mir.)

Was die Medien eigentlich sagen wollen: Zwar sei die russische Wirtschaft durch die europäischen Sanktionen stark geschwächt, aber, nun, Putin sei schuld und müsse weg.

Was die Medien dabei verschweigen, sind der in gleichem Maße stark sinkende Ölpreis …

Ölpreis 2014

…, der gleichermaßen fallende Kurs des brasilianischen Reals …

Real 2014

…, der binnen eines Tages mit ebenfalls erschreckender Geschwindigkeit gefallene Kurs der türkischen Lira …

Türkische Lira 2014

… sowie der Zehnjahrestiefstand der Eurobonds:

Eurobonds 2014

Man könnte das mit der Inflation erklären, aber die Inflation kann’s nicht sein: Während die Weltwirtschaft sich behende abwärts schraubt, steigt die Zahl der beinahe Armen ebenso wie die der Reichen. Das kann kein Zufall sein.

Armutsschere

„Deutschland geht es gut“ (A. Merkel in anderem Zusammenhang), selbst Putin zum Trotz. „Stoppt Putin jetzt“, forderte der „SPIEGEL“ vor wenigen Wochen, denn das Problem ist nicht, dass die NATO ihn umzingelt und sein Volk bluten lässt, sondern, dass er sich trotzdem nicht zum Spielball der westlichen Mächte machen lässt. Da wird man schon mal fuchsig als westliche Macht.

Wirklich blöd, dass Russland Atomraketen besitzt. Da kann man das Problem ja gar nicht demokratisch lösen.

(überwiegend via @pmarca)

MusikNetzfundstückeWirtschaft
Sprecht mehr Wirtschaft!

Martin Weigert, regelmäßigen Lesern meiner Texte als Google-Anhänger bekannt, findet den Vorschlag der CSU, man solle Migranten dazu anleiten, auch privat mehr Deutsch (haha, CSU! Bayern! Deutsch! Hihihi! – wissenschon) zu sprechen, nicht gut. So weit die Mär vom blinden Huhn und dem Doppelkorn.

Er hätte das damit begründen können, dass das privat gesprochene Idiom eines Bürgers Privatsache zu bleiben habe, dass obendrein oder wenigstens stattdessen kulturelle Vielfalt in Deutschland keine Frage der Sprache sei und dass, haha, man in Bayern, hihi, selbst erst mal Deutsch lernen sollte.

Stattdessen postulierte er:

Die CSU sollte “Englisch-Pflicht” statt “Deutsch-Pflicht” fordern

Denn:

Aber wo bleibt der Aufruf an die Bundesbürger, ihr Englisch aufzupolieren? In der vernetzten, globalisierten Welt ist das ein weitaus wichtigerer Erfolgsfaktor als ausgezeichnetes Deutsch.

Die Wirtschaft, die Wirtschaft! Migranten, die vor einem Bürgerkrieg nach Deutschland fliehen, ohne dazu bereit zu sein, schlechtes Englisch zu lernen, um sich an der globalisierten Wirtschaft dieses armen Merkelstaates zu beteiligen, können gleich wieder gehen. Deutsch ist Amtssprache mindestens sieben europäischer Länder, Englisch spricht man europaweit allenfalls im „Vereinigten Königreich“ und Irland sowie den diversen britischen Inselprotektoraten, aber das ist vielleicht nicht global genug gedacht. Kein Wunder geht’s mit Deutschland bergab, wenn wir immer nur an Europa („Wir in Europa“, A. Merkel) denken. Die Belange der Wirtschaft haben den Bürger zu interessieren, und die Wirtschaft ist nicht gern Prophet im eigenen Land.

So wird das nix mit dem Aufschwung.


Das war mir völlig entgangen: Steve Albini von der großartigen Band Shellac hat was zum aktuellen Stand der Musikindustrie gesagt.

Music has entered the environment as an atmospheric element, like the wind, and in that capacity should not be subject to control and compensation. Well, not unless the rights holders are willing to let me turn the tables on it. If you think my listening is worth something, OK then, so do I. Play a Phil Collins song while I’m grocery shopping? Pay me $20. Def Leppard? Make it $100. Miley Cyrus? They don’t print money big enough.

Könnte funktionieren. :mrgreen:


Habt ihr eigentlich dieses Jahr schon für Kakapos gespendet?

In den NachrichtenWirtschaft
Inflation

Wisst ihr übrigens, was eine Inflation ist?

Inflation (…) bezeichnet in der Volkswirtschaftslehre eine allgemeine Erhöhung der Güterpreise, gleichbedeutend mit einer Minderung der Kaufkraft des Geldes.

Genau das fehle diesem Land, nein, diesem ganzen Kontinent zur Besserung. Die steigende Kaufkraft gerade im Dezember müsse ein Ende haben, befindet die Europäische Zentralbank:

„Wir werden das tun, was wir tun müssen, um die Inflation und die Inflationserwartungen so schnell wie möglich zu erhöhen, wie es unser Auftrag verlangt.“ Die EZB sei bereit, bei Bedarf noch stärker an den Finanzmärkten zu intervenieren.

Zum Glück leben wir in einer zivilisierten Gesellschaft, sonst käme man als europäischer Bürger möglicherweise auf sehr hässliche Ideen, was den Umgang mit Herrn Draghi betrifft.

Wo bleibt eigentlich die Revolution?

In den NachrichtenWirtschaft
„We are the 41 %!“

SPIEGEL ONLINE, 4. August 2014:

Die SPD und Teile der Union fordern den Abbau heimlicher Steuererhöhungen – doch Kanzlerin Merkel weist solche Pläne zurück: Die Konsolidierung des Haushaltes habe Vorrang vor der Abschaffung der kalten Progression. (…) Die kalte Progression führt dazu, dass sich Arbeitnehmer bei Lohnerhöhungen, die nur die Inflation ausgleichen, weniger leisten können als zuvor, weil sie gleichzeitig in einen höheren Steuertarif rutschen.

SPIEGEL ONLINE, 8. August 2014:

Die Große Koalition unter Bundeskanzlerin Angela Merkel ist so beliebt wie nie: 59 Prozent der Befragten im ARD-Deutschlandtrend sind mit der Regierung zufrieden.

O_o

Möglicherweise befragt man für den ARD-Deutschlandtrend ausschließlich Rentner, denen es ohnehin wurscht ist, und Vertreter des gehobenen Mittelstands, die sich mit den Sorgen der Arbeitnehmer nur im Wahljahr herumschlagen müssen, anders kann ich mir das nicht sinnvoll erklären. Die ehemalige Weltkriegs- und Arbeiterpartei SPD jedenfalls macht als Teil dieser Regierungskoalition einen eher schwächlichen Eindruck, aber das kennen wir ja bereits von ihr. Keine Sau braucht mehr die F.D.P.

Ich jedenfalls, „ARD-Deutschlandtrend“, gehöre zu den unzähligen Prozent, die kein „Befragter“ sein dürfen; andererseits wäre meine Meinung zur „Arbeit“ der Regierung womöglich nur wenig zitierfähig. Ich bin die 41 Prozent, und viele andere sind es auch. 41 Prozent entspreche laut SPIEGEL ONLINE ungefähr dem virtuellen Wahlergebnis der CDU/CSU laut aktueller „Sonntagsfrage“ („Steh‘ ich auf oder bleib‘ ich im Bett?“). Bei 41 Prozent scheint es sich also um eine überwältigende Mehrheit der Bürger zu handeln.

Ich bin nicht nur „nicht zufrieden“, ich bin sogar höchst unzufrieden. Wut, Bürger. Anderswo entstehen so Revolutionen. Die SED erfuhr ihrerzeit auch eine große „Zustimmung“; die hat aber auch die Steuern nicht erhöht. Vielleicht wäre sie sonst noch an der Macht.

Und die Regierung schaut nur zu.
Die Ärzte: Regierung

In den NachrichtenPolitikWirtschaft
Weltelite ohne Zukunft

Es war verdächtig still in der Regierung. Kein Streit, kein Pofalla, nicht mal ein anständiger Doktortitelentzug (ganz im Gegenteil). Unsicherheit drohte: Sollte die Legislaturperiode dieser Regierung, deren Opposition jedenfalls vor allem mit Getöse auffällt und schon aus mathematischen Gründen sonst nicht viel zu opponieren vermag, wider Erwarten von Stillstand und Langeweile geprägt sein?

Aber nicht doch!

Im Koalitionsstreit um die Rente mit 63 droht die stellvertretende CDU-Vorsitzende Julia Klöckner der SPD mit einem Scheitern des Vorhabens.

Warum Julia Klöckner aussieht wie eine gemeinsame Tochter von Martin Rütter und Erika Steinbach, weiß ich nicht, und es wäre sicherlich unangemessen und unfair, darüber an dieser Stelle zu referieren; aber angemerkt möcht’s schon sein. Die Rente mit 63, die Andrea Nahles momentan dufte zu finden vorgibt, habe jedenfalls Mängel, beklagt die CDU:

Die Kritik der Union entzündet sich vor allem daran, dass bei dem geplanten früheren Renteneintritt nach 45 Beitragsjahren auch Zeiträume berücksichtigt werden sollen, in denen der Betroffene arbeitslos gemeldet waren.

Ein Bundestagsabgeordneter bekommt übrigens für vier Jahre Parlamentszugehörigkeit bereits fast einen vierstelligen Betrag an „Pension“, ehemalige Minister deutlich mehr. Der Vorstoß der CDU, in die Pensionsberechnung nur tatsächliche Arbeitszeit einfließen zu lassen, ist aus Steuerzahlersicht also durchaus zu begrüßen.

Wo’s doch mit der Volkswirtschaft sowieso nicht zum Besten steht:

„Der Konkurrenz aus den USA müssen wir etwas entgegensetzen“, sagte Beppe Ulrich Grillo, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie, zur Hannover Messe. (…) „Deutschland verliert den Anschluss an die Weltelite.“

„Und es mag am deutschen Wesen / einmal noch die Welt genesen“ (E. Geibel); bzw. eben: Deutschland als Weltelite, weil wir gar nicht wissen, wohin mit unserer Elite (außer halt ins Ausland, weil’s dort weniger kostet), und die Eliteuniversitäten bereits zum Bersten mit künftiger Elite (und Gender-Studies-Studierxsen) angefüllt sind bzw. eben mit sowas:

Baden-Württemberg [will] Biologie und andere naturwissenschaftliche Fächer als Schulfächer abschaffen und durch ein Fach „Naturphänomene und Technik” ersetzen. Themen wie Klonen und Pränataldiagnostik sollen aus dem Lehrplan verschwinden. (…) Ungefähr so, wie in den USA die Religiösen die Naturwissenschaften aus dem Unterricht drückt (sic!).

Zum Glück stirbt Europa sowieso aus. Wegen Gemüses, versteht sich. Krieg und Klima wären zu wenig dramatisch.


Im Übrigen bin ich der Meinung, dass es falsch ist, Sonyprodukte zu kaufen.

In den NachrichtenPiratenparteiWirtschaft
Hooliganpiraten und Ausländergold

Gut: Es spricht sich langsam herum, dass „die Piraten“ keinen Richtungsstreit ausfechten.

Die Auseinandersetzung in der Piratenpartei findet nicht zwischen „links“ und „rechts“ statt, sondern zwischen lauten, politischen Hooligans und Leuten, die eine Politik jenseits der vorhandenen Denkschablonen machen wollen.

Schlecht: Die Karrieristen in der Partei gehen trotzdem nicht weg. Vielleicht haben sie den Text nicht gelesen.

(Bonuspointe aus aktuellem Anlass: Wisst ihr übrigens, mit wem einige Mitglieder der Piratenpartei – angetreten auch mit dem Anspruch, Lobbyismus zu bekämpfen – morgen gemeinsam „für den Bürger“ gegen Atomenergie demonstrieren wollen? Richtig: Mit der Windwärts Energie GmbH. – Manchmal glaube ich ja, die machen das mit Absicht.)


Wie schön:

Der EU-Gipfel hat Donnerstagabend das endgültige Aus für das Bankgeheimnis für Ausländer beschlossen.

Endlich ist Schluss mit der lästigen Rechtsauffassung, das Vermögen von Ausländern sei Privatsache. Die sind ja selbst schuld, wenn sie ihr Gold leichtfertig unserem Volk anvertrauen.

Das hat sich ja bewährt.

(…) man (…) nehme ihnen alle Barschaft und Kleinod an Silber und Gold, und lege es beiseite zum Verwahren.
Martin Luther: Von den Juden und ihren Lügen