Archiv für die Kategorie ‘Musikkritik’.

Musik, die ich nicht unkommentiert ins Regal stellen möchte, wie auch meine Halbjahresrückschauen finden hier Platz.

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Kurz verlinkt: Julia und die Debattenkultur

„Nicht schon wieder Politik!“, mag mancher Leser angesichts der Überschrift denken. Na gut, dann beginne ich mit ein wenig Musik:

Am 5. Juni 2015 erscheint das Debütalbum „Oxymoron“ der Schweizer Band Muzak. Der Begriff „Muzak“ stammt von der gleichnamigen Firma ab, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts anfing, „Musik“ mit der bloßen Funktion der Kaufhaus-, Fahrstuhl- oder vergleichbaren Beschallung herzustellen; dem Volksmund wie auch Musikern wie John Lennon („How Do You Sleep?“) und nicht zuletzt Steven Wilson („The Sound of Muzak“) war und ist „Muzak“ mittlerweile als Sammelbegriff für Begleitgedudel bekannt. Es ist verzeihlich, dass die Band dieses Namens eigentlich viel bessere Musik macht, die mich an die feinen Toc.Sin erinnert:

Muzak – How Could We Ever (Official Video)

Ich bin gespannt, wie das Album in Gänze klingen wird.

So, jetzt aber!


Erinnert ihr euch noch an Julia Schramm? Nach Nähe zur F.D.P. und Feminismuskritik stieg sie ihrerzeit mehrfach in die Piratenpartei ein und wieder aus, landete zwischenzeitlich sogar im Bundesvorstand, wurde dann vom grassierenden Feminismus überwältigt, schwurbelte sich zum eigenen Buch und besetzt seitdem die Rolle des schlechten Vorbilds in Vollzeit.

Hatespeech Julia Schramm

Für die Amadeu-Antonio-Stiftung („Amadeu Antonio Stiftung“), wo sie sich angeblich – wie bereits auf Twitter – mit „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ beschäftigt, arbeitete sie mit einschlägig Bekannten wie Jasna „Gummibär“ Strick und Yasmina Banaszczuk zusammen, um eine Broschüre über Debattenkultur im Internet und den Umgang mit „Hate Speech“ zu verfassen. Man kann ihr dieses eine Mal zumindest nicht nachsagen, sie habe keine Ahnung, wovon sie spricht.

Die Stiftung wird übrigens von hochrangigen Partnern wie dem Bundesfamilienministerium unterstützt.


Hihi (1): Schatten sind rassistisch, weil sie dunkel sind.

Hihi (2): Günter Grass: ein unbequemer Sessel.

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Godspeed You! Black Emperor – Asunder, Sweet and Other Distress

Godspeed You! Black Emperor - Asunder, Sweet and Other Distress„Nur auf Vinyl“ („eclipsed“) beziehungsweise als Vinyl-LP und Audio-CD (Amazon.de) erscheint morgen „Asunder, Sweet and Other Distress“, das neue Album des Postrockkollektivs Godspeed You! Black Emperor aus Montréal. 2014 haben einige der Mitglieder mit ihrem Projekt „Silver Mt. Zion“ wieder einmal beeindruckend gute Musik veröffentlicht, jetzt legen sie schon wieder mit einem neuen Werk ihrer Hauptband nach. Kanada scheint voller knutschender Musen zu sein; ganz schön anstrengend eigentlich.

Auf „Asunder, Sweet and Other Distress“ sind vier Stücke – fast möchte ich sie Kapitel nennen, gehen sie doch nahtlos ineinander über – zwischen sechs und vierzehn Minuten zu finden, laut Presseinformationen (also Eigenwerbung) bilden sie „die fokussierteste und bestklingende Aufnahme der Bandkarriere“. Als ginge es im Postrock um den Fokus und nicht um den Genuss an der Ausschweifung!

Godspeed You! Black Emperor – Asunder, Sweet And Other Distress (live) // East Hastings

Aber tatsächlich klingt das, was hier präsentiert wird, selbst im Stream trotz des arg neoproggigen Titels wirklich best: Mit den flirrenden Gitarren, der kraftvollen Violine und der beinahe dekadenten Rhythmussektion von „Peasantry Or ‚Light! Inside Of Light!'“ beginnt es fast wie ein zorniges understatement, um dann mit den droneschwangeren „Lambs‘ Breath“ und „Asunder, Sweet“ gleichsam zu wachsen, bis es in dem elegischen „Piss Crowns Are Trebled“ („Pisskronen werden verdreifacht“, ach so) schließlich explodiert. Gesungen wird, wie üblich, in diesem Projekt der Kanadier nicht, trotzdem vermisse ich auch als Textfreund nichts.

Das Titelbild des Albums zeigt eine Schafherde. Sind wir alle nur Schafe? Vermutlich ist das hier Gehörte tatsächlich nichts wirklich Neues, jemand hat schon mal Gitarren benutzt und sogar Drones damit erzeugt; trotzdem vermögen Godspeed You! Black Emperor ihre sowieso unangefochtene Stellung als Schöpfer großer Werke für das heimische Kopfkino. 2015 wäre ohne sie um ein wichtiges, farbenfrohes Album ärmer.

„Asunder, Sweet and Other Distress“: Ein Album wie das Gegenteil von James Last („vertonter Flokati“, ZEIT ONLINE). Stark.

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Musik 12/2014 – Favoriten und Analyse

Dieser Artikel ist Teil 15 von 18 der Serie Jahresrückblick

2015? Da war doch was? Mir war, als hätte ich etwas vergessen. Nein, vergessen wohl nicht, aber es gibt tatsächlich noch etwas aus dem Vorjahr zu vermelden, nämlich den zweiten Teil der Liste der wundervollsten Musikalben von 2014. Auch, wenn diesmal nicht noch in letzter Minute neue Alben dazugekommen sind, da ich mir genug Zeit genommen hatte, erhebt natürlich auch diese Liste nicht den Anspruch auf Vollständigkeit; schon weil mit Bent Knees Debütalbum ein frenetisch gefeiertes Album fehlt, was nicht daran läge, dass es schlecht ist (es ist gut), sondern schlicht daran, dass die Band studioseitig weit unter ihren Möglichkeiten agiert. Eine Konzert-DVD wäre willkommen.

Draußen bleiben mussten überdies Heino („Schwarz blüht der Enzian“) und Unheilig aus Qualitätsgründen, im Gegenzug verzichtete ich auf die Mehrfachnennung der bereits anderswo von mir gewürdigten neuen Alben von Boris, Margin und den Fantastischen Vieren. Das ziemlich gute „Goodnight Civilization“ von Zu muss leider ebenfalls fehlen – als EP gelingt ihm das Hineinmogeln in diese Liste diesmal nicht.

Nichtsdestoweniger schließe ich nicht aus, auch schlicht etwas vergessen zu haben. Euch fehlt ein relevantes Album? Kommentiert’s hier gern unten drunter!

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Utopianisti – Utopianisti II / Utopianisti meets Black Motor & Jon Ballantyne

Utopianisti IIWährend ich eigentlich einige Zeilen für die überfällige 2014er Rückschau (ja, die kommt noch) schrieb, fiel mir dieses Album in die Hände, von dem ich dachte, es eigne sich als spätes Album des Jahres 2014 – leider erschien es bereits im November 2013. Das ist ein bisschen schade.

Nicht aus Italien, wie es der Name vielleicht vermuten lässt, sondern aus Finnland kommen die Musiker von Utopianisti. Kommen? Nein, vielmehr handelt es sich um ein Soloprojekt eines gewissen Herrn Markus Pajakkala. „Solo“ ist allerdings auch nicht so ganz richtig, sind doch auf dem vorliegenden Album insgesamt 27 weitere Musiker an Saxophonen, Posaunen, Gitarren und dergleichen zu hören.

Bei dem vorliegenden Album handelt es sich um ein Doppelalbum, das wohl aus zwei einzelnen Alben namens „Utopianisti II“ und „Utopianisti meets Black Motor & Jon Ballantyne“ besteht. Acht der dreizehn Stücke gehören somit zum zweiten regulären Album von Utopianisti, vier weitere entstanden in Zusammenarbeit mit Jon Ballantyne, einem kanadischen Pianisten und Komponisten, und dem finnischen Free-Jazz-Trio Black Motor, deren Kontrabassist Ville Rauhala auch in zwei Stücken von „Utopianisti II“ aushilft.

Wie das klingt? Insbesondere sehr instrumental, lediglich drei Stücke („The Vultures were hungry“, dessen Text aus nicht viel mehr als diesem Satz besteht, „Spanking Time“, das mit seinen Rockremineszenzen und dem gesprochenen Text nicht nur vom Titel her an Captain Beefheart erinnert, und „Tango Succubus pt. 2“, das tatsächlich einen Tangorhythmus hat, für das Verständnis dessen Kontexts jedoch mein Finnisch zu schlecht ist) beinhalten Gesang, der allerdings auch eher als gestaltendes Element dient. Gestaltet, apropos, wird hier reichlich: Big-Band-Jazz, Opernhaftes, Retro-Prog, Jazzrock, Zappaeskes. Vor allem eben: Jazz. Viel, viel Jazz, gewürzt mit avantgardistischen Beigaben, dass man vor Begeisterung gar nicht so richtig zur Ruhe kommt. Jazz ist Fahrstuhlmusik? In so einem Fahrstuhl würd‘ ich gern kurz stecken bleiben – oder doch besser nicht, denn das Haus, zu dem der Fahrstuhl gehört, mag vermutlich ein auch sonst sehr wohnliches sein, in dem man ungern irgendwelche Vorgänge verpassen möchte.

Der Teil des Albums, in dem Black Motor und Jon Ballantyne mitspielen, beginnt mit „The Sundays of love and peace“ dem Titel entsprechend beinahe brav, Freiformjazz mit Saxophon- und Klavierdominanz erklingt. Auch die folgende „Mechanoid makeout music“ wird aber ihrem Titel gerecht: Ein elektronischer Rhythmus und mancherlei Gefiepse werden von Schlagzeug und geradezu nervösem Saxophon (Sami Sippola ist ein Name, den man sich vielleicht merken sollte) überdeckt. Bei „Utopianisti meets Black Motor & Jon Ballantyne“ tritt der avantgardistische Aspekt in der Musik von Utopianisti insgesamt etwas zurück und weicht einem nichtsdestotrotz alles andere als gemäßigen Freiformjazz.

Wer mitgezählt hat: Thematisiert wurden bisher nur acht und vier, also zwölf, von dreizehn Stücken. Das dreizehnte, „U.L.J.C. (The Unnecessary Leftover Jam Compilation)“, ist Teil keines der beiden Teilalben, sondern besteht aus neuneinhalb Minuten Improvisationen und – nun – übrig gebliebenen Jams. Ein opulentes Ende zu einem gelungenen Album.

Der Hör- und Kaufbefehl wird hiermit erteilt.

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Die Fantastischen Vier – Rekord

Die Fantastischen Vier - Rekord(Vorbemerkung: Aus verschiedenen Gründen muss ich die eigentlich für Ende Dezember geplante Halbjahresrückschau 12/2014 wohl auf Anfang 2015 legen. Daher greife ich ihr schon mal ungeduldig vor.)

Das Vorgängeralbum „Für dich immer noch Fanta Sie“ war in jeder Hinsicht eine Enttäuschung; man war geneigt, den von Smudo, einem der Fantastischen Viere, gern ins Feld geführten Drogenkonsum der vier Herren dafür verantwortlich zu machen, dass es kraftlos und müde wirkte.

Nun, entweder sind sie von den Drogen weggekommen oder sie haben einen besseren Dealer gefunden, denn „Rekord“, das diesjährige Album der nunmehr 25-jährigen Rapcombo, hat alles, was der geneigte Hörer, der das unvergessene „Lauschgift“ aus dem letzten Jahrhundert für eins der besten deutschsprachigen Rapalben der vergangenen Jahrzehnte hält, auf „Fanta Sie“ – ich kürze das jetzt mal ab – schmerzlich vermisste.

Natürlich hat’s bei aller Liebe zur deutschen Sprache hier und da kleine Mängel (etwa: diesen einen Mensch, „Wie geliebt“), aber für’s Versmaß müssen im Rap eben manchmal Köpfe rollen. Um die disstracks der ersten Alben ist es ein wenig schade, die love-and-peace-Manier von Stücken wie „Frieden wie denn“ holt den Feierfreund doch ein wenig heraus aus seiner Feierstimmung, aber irgendwas ist ja immer. Frieden, Liebe.

Du bist der lebende Beweis für mich / für Elfen und Feen.
Gott ist mein Zeuge

Die erste Single „25“ mochte mancher schon etliche Wochen vor Veröffentlichung des Albums nicht mehr hören, abwechslungsreicher geht’s auf „Rekord“ aber schon zu. Zwar hält kein loses Konzept wie noch auf „Die 4. Dimension“ das Album zusammen, zwar gibt es keinen roten Faden wie noch auf „Lauschgift“, dennoch ist es ein stimmiges Gesamtwerk geworden, das man bei aller stilistischen vermeintlichen Zerrissenheit – wie’s in „Single“ empfohlen wird – auch als ein solches begreifen sollte, denn dann ergibt es plötzlich Sinn, dass mitten in die schönste Feierlaune eine Liebeserklärung platzt und die „Fantas“ anderswo, wo man es nicht erwartet (erwartet?) hätte, irgendeine bekannte Melodie nachsingen, deren Ursprung mir gerade partout nicht einfallen mag.

In einem Interview für Google Play, wo „Rekord“ momentan kurzzeitig gratis zu haben ist, gab Thomas D., der zweite der drei bekannteren Vier, kürzlich bekannt, die anstrengenden Hüpfbewegungen, die er bei Auftritten zu machen pflege, fielen ihm nicht mehr so leicht wie früher. Es ist eben so: Jünger werden die Menschen nicht. Wenn sich aber Älterwerden bei den Fantastischen Vieren in einem Album wie „Rekord“ manifestiert, bin ich auf ihr Alterswerk so gespannt wie auf kein anderes.

Wasch mein‘ Schwanz / hasch meine Blunts!
Das Spiel ist aus

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Dalbello – whomanfoursays

Dalbello - whomanfoursaysDas ansonsten weitgehend unauffällige, mir aber genehme Musikmagazin „eclipsed“ wies mich in seiner aktuellen Ausgabe auf „whomanfoursays“ von Dalbello hin, ein Musikalbum aus dem dunklen Jahrzehnt, was allein schon so seltsam ist, dass ich es mir nicht nehmen lassen wollte, doch mal reinzuhören. Das war gut so.

Die Musikindustrie ist schäbig, sie ist es in den schlimmen 1980-ern aber auch schon gewesen. Gleichform, Gleichklang. Synthesizer. New Wave. Postpunk. Langweilig. Und mitten in den schlimmen 1980ern – 1984 – taucht da eine Kanadierin auf, die vorher unter ihrem echten Namen Lisa Dal Bello trotz einer gewonnenen Auszeichnung als Most Promising Female Vocalist (Juno Award 1978) seltsamen Discopop unter die Leute brachte, und macht erst mal ein komisches Wortspiel. „Who man four says“. „Human forces“. Ohweh.

Einige Jahre zuvor war Mick Ronson, unter anderem Gitarrist für David Bowie und Lou Reed, eher zufällig auf die gerade pausierende Sängerin aufmerksam geworden und überredete sie zu einem weiteren Album. Für dieses Album hat er offenbar einige seiner eigenen musikalischen Einflüsse eingebracht, denn vom Discopop wandte sich Frau Dal Bello ebenso ab wie von ihrem Vornamen und dem störenden Leerzeichen. Die viel versprechende Stimme hielt ihr Wort, die Frisur auch.

Lisa Dalbello – Gonna Get Close to You – live

Texte? Ach, Texte. Eighties, bitch. Da konnt‘ man froh sein, wenn nicht jedes zweite bis dritte Wort „heart“ war. Man glaubt das irgendwo im Radio schon mal gehört zu haben, aber wahrscheinlich war’s dann doch Kate Bush. Die feinen Nuancen machen’s interessant und hörenswert, und die alten Marillion waren ja auch nicht so viel anders. Oder Madonna; es war ja nicht alles schlecht.

Dalbello live at Rockpalast 1985 – part 2 – Devious Nature

Die 80er sind dran, sie wollen ihre Musik zurück. Aber Dalbello bleibt hier.

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Queen – A Night At The Opera

queen-a-night-at-the-operaVon Queen hielt ich aus ähnlichem Grund nie allzu viel wie von Muse: Dieses Operettenhafte, Künstliche, Überhöhte tut mir beim Hören auch körperlich weh. Wenige Glanzstücke wie „Sheer Heart Attack“ und „Stone Cold Crazy“ stehen der grauenvollen „Bohemian Rhapsody“, dem von Fußballglotzern pervertierten „We Are The Champions“, dem prahlerischen „We Will Rock You“ und weiteren Unmöglichkeiten ziemlich wehrlos gegenüber. Freddie Mercury mag ein Stil prägender Sänger gewesen sein, aber seinen Stil mag ich nicht.

Blöderweise schließt man – schließe ich – wider besseren Wissens von einem einzigen wirklich schlechten Stück oft auf das ganze Album. Lückenfüller als solche zu erkennen vermag man nur, wenn man bereit ist, sich dem ganzen Album trotz der Abschreckung zu widmen. Vorurteile, die ich immer noch nicht ganz abgebaut habe, sind trotz mehrfacher Versuche, mich selbst vom Gegenteil zu überzeugen, zum Beispiel Marillions „Misplaced Childhood“ (wegen „Kayleigh“, dessen elende Ohrwurmmelodie einem auch nach fast 30 Jahren noch aus jedem zweiten Radiosender entgegennudelt) und eigentlich jedes Album von Queen, weil ich von Queen zuerst „Queen Rocks“, dieses seltsame best of aus den Neunzigern, besaß, auf dem zwar die gewohnten Mitklatschhymnen und einige selbst mir gefallende Lieder („Stone Cold Crazy“, „Sheer Heart Attack“, „One Vision“) zu finden sind, allerdings nichts, was umwerfend anders wäre.

Dann habe ich mir noch mal Queens „A Night At The Opera“ von 1975 angehört, weil das Internet fand, ich hätte da was verpasst. Ja, habe ich wirklich.

Schon das erste Stück, „Death On Two Legs (Dedicated to…)“, hat mit dem fröhlichen Poprock der Radio-Queen nicht viel zu tun. Leise Klavierklänge werden allmählich begleitet von anschwellender, beklemmender Perkussion. Es folgt ein Ohrwurm fördernder Rock’n’Roll-Teil, in dem sich E-Gitarre und Klavier ein Gefecht liefern, während Freddie Mercury für Norman Sheffield, den vormaligen Manager der Band, ein nicht sehr fröhliches Liedchen zum Besten gibt: „You suck my blood like a leech / You break the law and you breach“, Brian May brilliert dazu mit vortrefflichen Gitarrensoli. An den „zornigen“ Freddie Mercury könnte ich mich gewöhnen.

Queen – Death on Two Legs

Ganz anders der „Prophet’s Song“, die bessere „Bohemian Rhapsody“: Wiederum ein Geräusch-Intro, das mich an Wind und Meer erinnern lässt, Gitarre und Klavier setzen mit einem ersten Refrain ein: „Oh oh, people of the earth / listen to the warning, the seer he said: / ‚Beware the storm that gathers here. / Listen to the wise man!'“ Einen Genrewechsel später geben Bass und Schlagzeug einen treibenden Marschrhythmus vor. Der zweite mehrstimmige Refrain wirkt beinahe bedrohlich. Bedrohlichkeit ist sowieso eine nennenswerte Eigenschaft dieses Stücks, aber da ist auch noch der Mittelteil: Freddie Mercury singt im Terzett mit zwei seiner eigenen Echos und klingt nicht mal dann nach Operettenkram. Anschließend finden die Musiker zurück zum musikalischen Thema des Anfangs.

Queen – The Prophets Song

Natürlich ist auch „A Night At The Opera“ kein perfektes Album, natürlich hat es Längen, Ecken und Kanten.

Aber – ich korrigiere mich ausnahmsweise gern – „A Night At The Opera“, in seiner Dunkel- wie Vertracktheit das musikalische Gegenstück zum im Folgejahr veröffentlichten „A Day At The Races“, ist nach meinem Eindruck wohl eines der besten Musikalben von Queen, es sollte nicht ungehört verklingen.

Aber die „Bohemian Rhapsody“ hätt‘ wirklich nicht sein müssen.


Auch mal schön: SPD stimmt gegen Verbindlichkeit von SPD-Konventsbeschluss. Wen wundert’s?

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Kurzkritik: Dead Sara

Dead SaraIch bin ja meist ein Anhänger der leisen Töne, mitunter so leise, dass ich sie selbst kaum vernehmen kann. Das Eintauchen in die Musik bedarf nicht vieler Dezibel. Selten, ganz selten aber finde ich auch an Rockmusik Gefallen, die nicht lange zögert, sondern direkt auf den Punkt kommt.

Das Debütalbum von Dead Sara zum Beispiel.

Dead Sara ist in diesem Fall keine tote Frau, sondern ein Rockquartett – zwei Männer, zwei Frauen, von denen ebenfalls keine Sara heißt – aus Los Angeles, das 2013 mit Muse gemeinsam auf Tour war und trotzdem nicht scheiße klingt. Das soll ihnen erst mal wer nachmachen. Ach, „Rock“ ist ja wieder viel zu kurz gegriffen:

Dead Sara | Test On My Patience Live @ The Viper Room 2.27.12

Ist das Garagengrunge? Ist es Stonerpunk? Nein, Dead Sara nennen sich selbst eine Rockband mit monströsen Gitarrenriffen und einem wirklich fantastischen Gesang. Emily Armstrong sticht als Frontfrau unter den zeitgenössischen Frontfrauen der Rockmusik vortrefflich hervor, die großartige Grace Slick von den nicht minder großartigen Jefferson Airplane, heißt es, bewundert sie.

Dead Sara stehen Nirvana musikalisch nahe, gelegentliche AC/DC-Anleihen („Timed Blues“) auf dem Album hingegen sind vermutlich nur Zufall, aber fallen nicht einmal als Fremdkörper auf. Selbst die Single (kennt ihr eigentlich noch CD-Singles?) „Weatherman“ ist klasse:

Dead Sara – "Weatherman"

Ich möchte das jetzt einfach mal empfohlen haben.

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Erst mal ’nen Tee: Margin – Psychedelic Teatime

Margin - Psychedelic TeatimeEine angenehme musikalische Überraschung dieses Jahres ist übrigens, dass Pink Floyd, ungeachtet des Todes ihres Keyboarders Richard Wright, noch in diesem Jahr ein neues Studioalbum veröffentlichen wollen. Pink Floyd haben mit ihrem Frühwerk ja so einige Bands beeinflusst, viele Musiker, die irgendwas mit Psychedelic Rock machen, berufen sich auf die Combo.

Darunter auch Margin. Margin, ein Berliner Musikprojekt um den Multiinstrumentalisten Lutz Meinert, veröffentlichte Ende Juni 2014 sein Debütalbum „Psychedelic Teatime“, das, wie man’s im Rezensentengeschäft auszudrücken pflegt, den Geist der Pink Floyd atmet, aber eben doch mehr ist als eine bloße Kopie.

Das Album ist allerdings schon sehr klischeehaft, angefangen vom Titel und Coverbild (Tee als Symbol für Drogen hatten ja bereits Gong mit „Flying Teapot“ etabliert) und längst nicht endend mit der Aufteilung. Den Anfang nämlich macht mit über dreiundzwanzig Minuten Länge das fünfteilige „A Mysterious Cup of Tea“, das mit dem Geräusch des Eingießens von Tee beginnt. Leise Klavier- und Tassenklänge gesellen sich dazu. Hätten Pink Floyd ein Konzeptalbum über’s Teetrinken gemacht, hätte es wohl ähnlich begonnen. Hier dominiert allerdings nicht die Gitarre, sondern Keyboard/Synthesizer und Schlagzeug liegen im Vordergrund. Gesang folgt im zweiten Teil, und natürlich geht es um Tee und um Pink Floyd: „A saucerful of secret sounds…“.

Überhaupt: Pink Floyd. „Psychedelic Teatime“ besteht aus fünf Stücken, aber in keinem davon wird die Ähnlichkeit so deutlich. Das Überwerk „Echoes“ klingt hier ebenso immer wieder an wie spätere Glanzstücke wie „High Hopes“.

Zum Schluss klappert die Teetasse noch mal, und der „Psychedelic Underground“ bricht los, zunächst als „Short Trip“. Dreieinhalb Minuten lang brettert feinster Psychedelic-Lärm auf den Hörer herein, im Text geht’s um den verrückten Hutmacher (cf. „Alice im Wunderland“), der eine seltsame Tasse Tee trinkt, und damit „willkommen im psychedelischen Untergrund“. Ich werd‘ das Gefühl nicht los, dass gar kein Tee gemeint ist.

„Landscapes on the Sky“ ist ein nettes, aber musikalisch uninteressantes Füllsel, das instrumentale Space-/Krautrockstück „Last Exit to Pluto“ mit seinem dominanten Bass indes weiß zu gefallen. Der Rezensent sitztanzt die Bassmelodie mit und ist höchst erfreut. Es gilt diese Freude in voller Länge auszukosten, denn nach viel zu kurz scheinenden zehn plus x Minuten ist sie schon wieder vorbei. Nicht jedoch das Album selbst, denn es fehlt noch „Psychedelic Underground – The Long Trip“.

Dieser wiederholt zunächst den „Short Trip“, wiederum mit einer Anspielung auf das pinkfloydsche „A Saucerful of Secrets“, wird aber noch verspielter. Zehneinhalb Minuten feinster psychedelischer Artrock. Ich weiß das sehr zu schätzen.

Hörproben stellt die Website der mir bislang unbekannten Plattenfirma Madvedge bereit, eine Vinylaufnahme scheint es aber leider nicht zu geben; auch Amazon.de kennt nur die CD- und die MP3-Version. Egal, seien wir mal nicht kleinlich, den Trip ist’s wert.

Wohl bekomm’s!

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Genres sind soo 90er: Boris – Noise

Boris - NoiseBei „Boris“ denkt mancher vielleicht an Russland, manch anderer an Tennis. Die japanische Formation, die sich ebenfalls Boris nennt, hat mit „Noise“ allerdings eines der bemerkenswertesten Musikalben des Jahres 2014 veröffentlicht. Auf dem Coverbild seht ihr einen Stuhl. Setzt euch erst mal hin!

Nun ist ein neues Boris-Album keine Überraschung, immerhin erscheint ein solches seit der Bandgründung 1996 beinahe jährlich. Abnutzungserscheinungen aber sind den drei Musikern fremd, sie bleiben kreativ. Was wird gespielt? „Drone Metal“ und „Progressive Rock“ stehen im Internet als Etiketten dran, und Etiketten sind, wie der geneigte Leser weiß, nur Feigenblätter.

Laut Presse ist’s mit Genres auch nicht getan:

[Noise] verstärkt Boris‘ endloses Streben nach musikalischen Extremen und lässt zugleich aggressiven, intensiven Rock in neue Gebiete vordringen. Die Band vermengt hier meisterhaft Sludge-Rock, Blasen bildenden Crustpunk, schimmernden Shoegaze, episch donnernden Doom, psychedelische Melodien und so ziemlich alles, was sie je gemacht haben.

Dabei beginnt „Melody“ noch behutsam mit leiser Gitarre und Synthesizer, wenig später aber bricht der rock los, es gibt Elektronik und Indie und ordentlich Bass:

Boris preschen nach vorn. Mit Progressive Rock, wie man ihn sich vorstellt, hat das nicht viel zu tun, und das ist nicht schlimm. Im folgenden „Vanilla“ winken die guten alten Mars Volta aus der Mottenkiste und bringen eine Ladung Metal mit. Wer es lieber behäbig und rhythmisch mag, der kommt in „Ghost of Romance“ und in „Heavy Rain“, dessen Anfang ich irgendwoher – Red Hot Chili Peppers? – zu kennen glaube.

Was kann da noch kommen? Japanischer Gitarrenpop! „Taiyo no baka“. Ich verstehe kein Wort. Verhallter Gesang aus allen Richtungen, dazu treibende Gitarre und ein Die Ärzte würdiger Surfrock-Refrain. Eiderdaus.

Boris – 太陽のバカ (Taiyo no Baka)

Andere Bands würden mit so etwas ein Album beginnen oder beenden, Boris sind aber nicht andere Bands. Wenn ihr eine Band wärt und hinter einem dreieinhalbminütigen Poprocklied noch Platz auf dem Album hättet, was würdet ihr noch in die tracklist aufnehmen wollen?

Richtig: Einen „Longtrack“. Ein langes Stück eben. „Angel“, 18:41 Minuten lang, ist allein ein überzeugender Grund, „Noise“ wertzuschätzen. Behäbiger Postrock, Shoegaze, sucht euch was aus. Der Musikfreund sitzt mit Kopfhörern und geschlossenen Augen davor und nickt mit dem Beat. Vergleiche? dear john letter fallen mir ein, auch Godspeed You! Black Emperor und Mogwai. Gesang ist Nebensache.

Moment, war nicht von Drone Metal die Rede? Der kommt im Anschluss: „Quicksilver“, noch mal 9:50 Minuten lang, lebt sechseinhalb Minuten lang vom Hämmern des Schlagzeugs und dem Kreischen von Sänger und Gitarre; die dann allmählich ausklingt und drones weicht. Sunn O))) seien nahe, heißt es, aber auf so etwas ist bei Boris kein Verlass. Genres? Konstanten? Wofür?

Wo der arme Saturn-Mitarbeiter dieses Album einsortieren wird, ist also wahrscheinlich allein dem Zufall überlassen. Schneller werdet ihr woanders fündig: „Noise“ könnt ihr streamen oder kaufen; wenn ihr Bandcamp.com aus irgendwelchen Gründen meiden wollt, gibt’s das Album auch auf Amazon.de. Gefällt mir.

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Musik 06/2014 – Favoriten und Analyse

Dieser Artikel ist Teil 14 von 18 der Serie Jahresrückblick

Huch, schon Mitte Juli! Hättet ihr mir nicht was sagen können?

Ein halbes Jahr ist längst vorbei, und ihr wisst, was das bedeutet: Hier gibt’s Musik satt – alles, was bis Ende Juni so in meiner Bestenliste gelandet ist – zu lesen. Entgegen der öffentlichen Meinung ist die Nummerierung allerdings willkürlich gewählt. Ranglisten sind Firlefanz.

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Kurzkritik: Last Remaining Pinnacle – 64

Last Remaining Pinnacle - 64Das US-amerikanische Duo Last Remaining Pinnacle beziehungsweise ihr damals aktuelles Album „Visitors“ fand ich 2012 bereits sehr gut, in der Folge allerdings hörte ich nicht mehr viel von der Band. Heute nun traf eine E-Mail ein: Am kommenden Mittwoch, dem 21. Mai 2014, und somit genau zwei Jahre nach „Visitors“ erscheint mit „64“ ein neues Last-Remaining-Pinnacle-Album namens „64“.

Warum „64“? Darauf geht die E-Mail nicht ein. Es sind auch tatsächlich nur acht und nicht etwa 64 neue Stücke enthalten. Last Remaining Pinnacle bleiben sich und dem Garage-Noise-Rock dabei treu: Verzerrte Gitarre, peitschendes Schlagzeug und gewohnt effektreicher, krautiger Gesang erfreuen den Sonic Youth und The Velvet Underground schätzenden Musikfreund außerordentlich.

Wenige Durchhänger wie das zäh dahinfließende „Forces“ fallen da auch nicht weiter ins Gewicht, allein schon das großartige „Hallow Sky“ rechtfertigt die Geduld. Mit „Mantle Rotation 4 (C.M.E.)“ ist auch ein Nachfolger des schon 2012 gesondert erwähnten „Mantle Rotation 3“ auf „64“ zu finden, und allmählich scheint es mir, als sollte ich demnächst einmal Ausschau nach den ersten beiden Teilen der „Mantle Rotation“ halten.

Hören und vorbestellen könnt ihr „64“ per Bandcamp. Das Konzept „zahle, so viel du willst“ scheint sich bei „Visitors“ wohl nicht bewährt zu haben, „64“ kostet in jeder Darreichungsform – leider nicht auf Vinyl – mindestens 8 US-Dollar. Ich sage: Gut angelegtes Geld!

Krieg zum Beispiel wäre deutlich teurer.

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Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra – Fuck Off Get Free We Pour Light on Everything

Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra - Fuck Off Get Free We Pour Light on EverythingDie Band mit dem elend langen Namen, der in seiner aktuellen Form noch nicht einmal der längste der Bandgeschichte ist (diesen Rekord dürfte „Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra & Tra-La-La Band with Choir“ im Jahr 2003 bis auf Weiteres halten), ist eines der unzähligen weiteren Musikprojekte, die aus dem als Dronetrio gegründeten und quasi nebenbei weiterhin aktiven Kollektiv Godspeed You! Black Emperor (kurz GY!BE) hervorgingen. Der „Choir“ im ehemaligen Bandnamen ist allerdings immer noch da, alle fünf derzeitigen Bandmitglieder bedienen gelegentlich auch mal das Mikrofon. Nach vier Jahren gibt es nun also wieder ein neues Studioalbum.

Schon auf dem Vorgängeralbum „Kollaps Tradixionales“ von 2010 reicherten die Musiker den musikalischen Weltschmerz, der bis dahin überwiegend als Schwermut und Trauer daherkam, mit zorniger Verzweiflung an; seit der Geburt von Ezra, dem gemeinsamen Sohn zweier Bandmitglieder, ist diese Verzweiflung, wie man weiß, schierer Wut gewichen; Wut auf die Politik im Besonderen, die dem friedfertigen Miteinander der Menschen Steine in den Weg zu legen pflegt. So wütend wie auf „Fuck Off Get Free We Pour Light on Everything“ hat man Efrim Menuck seit dem „GY!BE“-Debüt „f#a#∞“ von 1997 nur selten gehört.

Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra – What We Loved Was Not Enough (Live at Lee's Palace)

Die von Ezra gesprochene Zeile am Anfang des Albums – „We live on the island called Montreal, and we make a lot of noise because we love each other!“ – gibt also auch dessen Richtung vor: Hier wird die Liebe der Menschen zueinander mit Musik verteidigt. Verteidigt werden muss sie offenbar zumindest gegen die Politik, nicht gegen die Kirche, denn jüdischer Glaube bleibt ebenso ein Antrieb wie die Vaterschaft:

Lord, let my son live long enough to see that mountain torn down!
Austerity Blues

Mit „f#a#∞“, der vertonten Apokalypse, hat „Fuck Off Get Free We Pour Light on Everything“ insofern auch die Endzeitstimmung gemeinsam: And the day has come when we no longer feel („What We Loved Was Not Enough“), mechanisch agiert ein Mensch in fremder Dunkelheit eben anders. Befreit euch, wir begießen alles mit Licht.

Großartige Musik.

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Kurzkritik: Incura – Incura

IncuraKanada, du unterschätztes geografisches Anhängsel der USA! Was nicht alles aus dir kommt: OpenBSD, Cobie Smulders, Kuchen mit Semikolon und Incura.

Incura sind ein RIO/Avant-Quintett, das kammermusikalische Elemente, Progressive Metal und Indie-Rock zu einem recht hörbaren und erstaunlich radiotauglichen Geflecht verknüpft. Die markante Stimme von Sänger Kyle Gruninger ist eine willkommene Abwechslung in jenen musikalischen Gefilden, in denen seine vier Mitstreiter – mal gefällig, mal verspielt – wildern. 2013 (hierzulande erst kürzlich) erschien nach einigen Jahren des Bandbestehens bei der überhaupt recht beachtlichen Plattenfirma InsideOut das Debütalbum von Incura, auf dem die Band allerlei Feines zu Gehör bringt, zum Beispiel „Who You Are“.

Who You Are – Official Music Video

Auch für Freunde gepflegten Gitarrengewitters ist im Übrigen was dabei:

Incura – Here To Blame Animated Music Video

Nicht nur an Ostern ein sehr vergnügliches Album.

Guten Morgen!

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The Rolling Stones – Their Satanic Majesties Request

The Rolling Stones - Their Satanic Majesties RequestNennt mal ein paar Lieder der Beatles! – Das ist nicht so schwer, ein Teil von ihnen (es gibt ja genug) wird sowieso von den Sendern tagein, tagaus einem beinahe wehrlosen Publikum vorgespielt. Ein besonders bedrückendes Beispiel war der Sender Radio 21, der vor ein paar Jahren die Angewohnheit hatte, jeden Morgen ein paar Beatles-Lieder zu spielen, inzwischen vermutlich aber damit aufgehört hat.

Und jetzt nennt mal ein paar Lieder der Rolling Stones!

„Satisfaction“, ja. „Start Me Up“, auch richtig. „Paint It, Black“ und „Sympathy for the Devil“, vielleicht noch „Angie“ und „Gimme Shelter“. War’s das? Meistens. Das ist eigentlich erstaunlich: Nach über 50 Jahren im Musikgeschäft haben „die Stones“ deutlich mehr hinterlassen, was man kennen könnte. Klar, es war auch viel Unfug dabei, zum Beispiel das überflüssige „Tattoo You“, aber auch einige wahre Albenperlen wie „Some Girls“ und das deutlich unterbewertete „Their Satanic Majesties Request“.

Letzteres, ein halbes Jahr nach „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ der Beatles veröffentlicht, wird oft als Versuch missverstanden, jenes zu kopieren. Während aber von „Sgt. Pepper“ entgegen dem ursprünglichen Konzept nicht viel mehr übrig blieb als eine unzusammenhängende Liedsammlung, deren „Rahmenhandlung“ um eine Musikgruppe namens „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ auf ein Minimum gekürzt wurde und deren „psychedelische Elemente“ im Gegensatz zu Pink Floyds wiederum 1967 erschienenen Debüt allenfalls den Geist der Hippies atmeten, machten die Rolling Stones es von Anfang an richtig.

Das wohl bekannteste Stück auf „Their Satanic Majesties Request“ – „She’s a Rainbow“ – ist trotz der beachtlichen Instrumentierung zugleich das untypischste:

Rolling Stones – She's A Rainbow 1966

Wie so oft in den Jahren um 1967 herum wurde auf „Their Satanic Majesties Request“ nämlich daneben allerlei Unfug getrieben; sei’s ein schnarchender Bill Wyman in „In Another Land“, sei’s das beschauliche Lagerfeuerlied „Sing This All Together“, das die erste LP-Seite (mit John Lennon und Paul McCartney als Hintergrundsänger) eröffnet und in einer etwas längeren, aber völlig anderen, psychedelisch-durchgedrehten Version (nicht der folgenden) wieder schließt:

Das alles ist noch kein Grund, „Their Satanic Majesties Request“ überragend zu finden; aber da ist auch noch „Citadel“.

„Citadel“ – one of the most underrated Stones songs ever – ist das psychedelische Lied der Rolling Stones, klingt natürlich nach John Lennon, Jefferson Airplane, The United States of America und …And You Will Know Us by the Trail of Dead (und zwar gleichzeitig) und kann gar nicht genug gewürdigt werden:

Citadel – Rolling Stones

Dass „Citadel“ wie auch die meisten anderen Stücke auf diesem Album nie live gespielt wurde, ist ebenso bedauerlich wie die Rückkehr der Rolling Stones zum gewohnten Bluesrock mit dem Nachfolgealbum „Beggars Banquet“ 1968. Mitgründer Brian Jones blieb nicht mehr lange in der Band – vermutlich wegen übertriebenen Drogenkonsums zog er sich wie Syd Barrett immer mehr zurück, 1969 wurde er vor die Tür gesetzt und starb noch im selben Jahr. „Their Satanic Majesties Request“ verschwand im Folgenden weitgehend aus der öffentlichen Wahrnehmung, was etwas schade ist.

Ich empfehle jenen, die (wie ich) an den Rolling Stones vor allem ihre gelegentlichen Experimente (Disco und Punk auf „Some Girls“ sowie eben dieses hier) schätzen, diese Wahrnehmung zurückzugewinnen, stilecht auf Vinyl (weil’s schöner ist) oder eben auf einem Tonträger eurer Wahl. Der Rest kann’s natürlich ignorieren, aber dann verpasst er was.

Open our heads, let the pictures come!
The Rolling Stones: Sing This All Together