KaufbefehleMusikkritik
Kurz­kri­tik: Die Krupps – Stahl­werk­re­qui­em

Die Krupps: StahlwerkrequiemLan­ge nichts mehr über Musik geschrie­ben.

Zu den von mir bis­lang ver­kann­ten Grup­pen zähl­ten, bevor mir neu­lich ihr Klein­al­bum „Trig­ger War­ning“ ins Abspiel­ge­rät rutsch­te, die Krupps. Der Name klingt schon so nach Deutsch­rock. Schla­ger. Pop. Schlimm­sten­falls Mal­lor­ca. (Ich habe manch­mal Vor­ur­tei­le. Manch­mal freue ich mich, wenn sie nicht stim­men.) Da mir der Band­na­me anson­sten nur in einem Lied der Die Ärz­te sowie im Kon­text wirk­lich furcht­ba­rer Tanz­mu­sik begeg­net war, hielt ich das für kei­ne beson­ders schlie­ßens­wer­te Bil­dungs­lücke. Aber weit gefehlt!

In einem von Prags weni­ger schlim­men Plat­ten­lä­den stieß ich beim Stö­bern auf das Album „Stahl­werk­re­qui­em“ (Amazon.de, TIDAL). Hin­ten drauf ste­hen Gast­mu­si­ker wie Mani Neu­mei­er (Guru Guru), „Zap­pi“ Dier­mai­er und Jean-Her­vé Péron (bei­de Faust) und noch ein paar. Gut, dach­te ich. Wird schon kein Mal­le­hit drauf sein.

Es han­delt sich beim „Stahl­werk­re­qui­em“, wie ich spä­ter her­aus­fand, um eine Neu­ein­spie­lung des krupps­schen Debüt­al­bums „Stahl­werk­syn­fo­nie“ – nur echt mit Ypsi­lon – von 1981 in zum Teil neu­er Beset­zung und ohne Saxo­phon und Text, dafür mit man­cher­lei Hyp­no­ti­schem und Krau­ti­gem.

„Stahl­werk­re­qui­em“. Klingt nach Stahl­werk, ist es auch: Die Düs­sel­dor­fer Band, im Jahr 2016 mit dem Wort „Requi­em“ nicht ganz falsch lie­gend, erweist mit den zwei Stücken „Rhein­hau­sen“ (23:28 Minu­ten lang) und „West­fa­len­hüt­te“ (gera­de mal 13:23 Minu­ten lang, pff, fast radio­taug­lich) dem Indu­strie­zeit­al­ter im Ruhr­ge­biet ihren Respekt. Man hört es dröh­nen und schep­pern, wäh­rend die Musi­ker sto­isch ein Geflecht aus Ber­li­ner 70er-Elek­tro­nik und US-ame­ri­ka­ni­sche 00er-Dro­nes um das, nun ja, aku­sti­sche Stahl­werk flech­ten. Dabei ist das zwei­te, gemä­ßigt trip­pi­ge Stück „West­fa­len­hüt­te“ dem Psy­che­de­lic Rock anfangs etwas näher, aber die Maschi­nen­ge­räu­sche set­zen schon bald ein.

Die Krupps – Stahl­werk­re­qui­em (Bureau B) [Full Album]

Fin­de ich gut. Fin­de ich gelun­gen. Aber war­um hat­te ich die­sen her­aus­ra­gen­den Teil der Dis­ko­gra­fie die­ser Grup­pe, deren Gesamt­werk (das ande­rer­seits, wie oben schon erwähnt, auch wirk­lich schlim­me Tanz­mu­sik umfasst) offen­sicht­lich auch mal wie­der jeder außer mir längst kennt, bis­her ver­passt?

Dieser Beitrag enthält bezahlte Links zu Amazon.de. Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen.